Die Mumie

Am 08.06.2017 erschien der Auftaktfilm des neuen Dark Universe in den deutschen Kinos.

Vor 2000 Jahren wurde die ägyptische Prinzessin Ahmanet wegen Morden lebendig mumifiziert und an einem geheimen Ort verbannt. Bis die Grabräuber Nick und Chris ihr Grab entdecken und sich dabei versehentlich verfluchen. Ahmanet wird befreit und will nun ihre Aufgabe von damals zu Ende bringen, ihr auserwähltes Opfer ist diesmal Nick.

Disney hat das Marvel Cinematic Universe und verdient damit Milliarden jedes Jahr. Warner Brothers hat das DC Extended Universe und versucht jedes Jahr wieder damit Fuß zu fassen, was aber nach den Flops Dawn of Justice und Suicide Squad noch nicht richtig gelang. Dieses Jahr sollen es Wonder Woman und Justice League richten. Nun hat Universal die Nase voll. Ein eigenes Universe soll her. Und anstatt das dritte Superhelden Universe zu schaffen, besann sich Universal auf ihre Stärken von früher. In den 1930er-1950er Jahren verfilmte Universal viele Filme mit noch heute sehr bekannten Monstern. (Der werte Kollege Ma-Go widmete sich dieser Filmreihe sehr detailreich, wessen Interesse geweckt ist, findet seine Beiträge hier). Diese sollen nun wiedererweckt werden und Platz finden im neuen Dark Universe von Universal. Dabei sollen viele Filme als Remake neu produziert werden, aber die Filme sollen auch ganz neu miteinander verknüpft werden (Infos dazu hier).
Die Mumie soll hierfür den Auftakt bilden. Zunächst erzählt eine Stimme aus dem Off die Geschichte der ägyptischen Prinzessin Ahmanet. Sie war zunächst Alleinerbin Ägyptens, bis ihrem Vater von einer Nebenfrau ein Junge geboren wurde. Voller Wut und Neid schließt sie einen Pakt mit dem Gott des Chaos Seth und ermordet ihren Vater, seine Geliebte und das Kind. Als Gegenleistung für den Pakt soll sie Seth in Form ihres Geliebten durch einen Ritualmord erwecken. Die Hohepriester können sie jedoch hindern und weit entfernt von Ägypten und gut bewacht lebendig mumifizieren und begraben. Hier endet die Vorgeschichte und der Zuschauer wird direkt mitten ins Geschehen geworfen. Er lernt die beiden Grabräuber Nick und Chris kennen, die das Grab Ahmanets durch einen Zufall finden. Zwar entdeckt die Archäologin Jenny Halsey schnell, dass es sich nicht um ein Grab, sondern um ein Gefängnis handelt, aber Nick befreit Ahmanet trotzdem. Dadurch zieht er einen uralten Fluch auf sich und soll nun Seth neue Hülle werden. Dafür muss Ahmanet sich noch von ihren letzten Fesseln befreien und das Ritual von damals beenden. Die geheime Organisation Prodigium geführt vom geheimnisvollen Dr. Henry Jeckyll hat dabei aber auch ganz eigene Pläne. Wird Nick sich vom Fluch befreien können?
In Die Mumie wechseln sich kurze Erklärungssequenzen immer wieder mit ausufernden actionreichen ab. Dies funktioniert nur bedingt, da der Film so zu einem beinahe beliebig auswechselbaren Actionschauspiel verkommt. Der Spannungsfaktor wird hierbei auch nur bedingt hoch getrieben, da Protagonist aus jeder noch so brutalen Kampfszene schainbar ohne einen Kratzer hervorgeht. Lediglich die Hintergrundgeschichte um die Organisation Prodigium schafft etwas neues. Diese soll auch das Verbindungsglied zwischen den einzelnen Dark Universe Filmen werden. Doch auch hier führt der Film Szenen an, die weder Handlung noch Charaktere wirklich voran treiben. Vielleicht hätte der Film spannender werden können, wenn er statt knapp 2 Stunden Laufzeit auf solide 90 Minuten gekürzt wäre. Handlung wäre dadurch nicht verloren gegangen.
Für ihr neues Universe lässt sich Universal zumindest nicht lumpen und castete direkt Tom Cruise als Hauptcharakter. Das hat allerdings den Haken, dass Cruise zum einen viele Sympathisanten verlor, da er sich immer wieder zu Scientology bekennt, und auch ansonsten keinen besonders guten Ruf in Hollywood geniest. Auch spielt er hier wieder genau die gleiche Rolle, wie man ihn schon in Jack Reacher oder in den Mission Impossible Teilen gesehen hat. Ein unbekannteres Gesicht, dass man zusammen mit dem neuen Universe neu entdecken könnte, wäre hier die deutlich bessere Wahl gewesen und hätte den Film wohl auch interessanter gemacht. Russel Crowe wurde als Dr. Henry Jeckyll und damit als Leiter von Prodigium gecastet und scheint sich damit von The Nice Guys wieder erholt zu haben. Jeckyll soll das neue Bindeglied zwischen den Filmen sein und verkörpert damit wohl den neuen Nick Fury (Marvel). Sofia Boutella als Prinzessin Ahmanet bzw. als Mumie macht hier schon wie in Kingsman eine sehr gute Figur und schafft es allein durch Blicke das Publikum erstarren zu lassen. Sie braucht keine großen Gesten, um Eindruck zu hinterlassen. Daher hätte man auch gut die Walking Dead Armee auf Speed weglassen können, die den Film gerade in der großen Endschlacht noch etwas ins Lächerliche zieht.

Alles in allem startet das Dark Universe mit kleinen und größeren Stolpersteinen. Man darf trotzdem auf die kommenden Filme gespannt sein. Für Die Mumie vergebe ich 05 von 10 möglichen Punkten.

Baywatch

Am 01.06.2017 erschien ein Reboot in Filmform der früheren Serie Baywatch in den deutschen Kinos.

Solange Mitch Buchannon am Strand die Augen offen hält, passiert nichts. Als er wieder neue Anwerber rekrutiert, muss er auch den ehemals olympischen Schwimmer Matt Brody in sein Team aufnehmen, der nur so vor Arroganz strotzt. Als er jedoch vermehrt Drogen am Strand findet, nimmt er mit seinem Team die Verfolgung auf.

1989 flimmerte die erste Folge der Serie Baywatch – die Rettungsschwimmer von Malibu über den Fernseher. Obwohl sie bereits nach einer Staffel wegen schlechter Quoten eingestellt wurde, übernahm Hauptdarsteller David Hasselhoff 1991 mit seiner Produktionsfirma selbst die Produktion und brachte noch 10 weitere Staffeln hervor, wobei die letzte Staffel den Standort Malibu wechselte und nun auf Hawaii spielte. Für einige ist die Serie immer noch Kult, für andere gut anzusehender Trash und wieder andere können mit ihr überhaupt nichts anfangen. Trotzdem nahm Paramount Pictures die Idee eines Filmreboots auf und setzte diese auch mit Dwayne Johnson in der Hauptrolle um.
Schon nach dem ersten Trailer gab es ein kleines Durchatmen. Denn der Film schien sich nicht so ganz ernst zu nehmen, was eine hervorragende Grundlage für einen schönen Trashfilm ist. Und genau unter der Prämisse beginnt auch der Film. Das Baywatch Team sucht Verstärkung und veranstaltet dafür ein offenes Casting.Matt Brody, zweifacher Goldgewinner bei den olympischen Spielen und durch mehrere Eskapaden in Verruf geraten, soll sich laut seinem Bewährungshelfer im Team melden. Mitch ist von Brody wenig begeistert, muss ihn aber vorerst im Team aufnehmen. Während dieser ersten halben Stunde des Films gibt es sehr viele gute und auch sehr viele trashige Gags, die sich die Waage halten und den Zuschauer aus vollem Herzen zum lachen bringen. Leider hat Baywatch eine Gesamtlaufzeit von knapp zwei Stunden und daher auch noch ein bisschen mehr Handlung. Und genau hier beginnt Baywatch nicht mehr so richtig zu funktionieren. Eine Krimihandlung wird an den Strand gebracht. Das Team findet immer wieder Drogen am Strand und will den Übeltäter finden. Dabei geraten sie in Verstrickungen, von denen sie sich besser fern gehalten hätten. Hier lässt Spannung und Gagdichte sowie Gagqualität deutlich nach. Zwar sind auch hier mitunter noch wirklich lustige Szenen zu finden, aber im großen und ganzen wurde hier im Kino deutlich weniger gelacht. Hätte man die Krimihandlung weggelassen und die sozialen Differenzen im Team weiter ausgebaut, wäre es wohl ein Film geworden, der erzählt, wie Brody zwar versucht sich ins Team zu integrieren, aber immer wieder an seinem Ego scheitert. Es hätte ein guter und sehr lustiger Film werden können.
Trotzdem muss man positiv hervorheben, dass sich Baywatch bei den Witzen und lustigen Szenen meistens an gesitteten Humor hält und nur wenige Sprüche unter der Gürtellinie bringt. Auch nimmt er viele Prinzipien der Ursprungsserie auf den Arm. So wird das vermeintliche in Zeitlupe laufen der Frauen mit hüpfenden Brüste mehrfach parodiert und auch immer wieder als überflüssig angesprochen. Und obwohl auch hier wieder gut aussehende Frauen in knappen Outfits auftreten, hat es doch nicht mehr den sexualisierten und “Frauen sind Objekte” Beigeschmack, wie damals noch mit Pamela Anderson.
Frau Anderson und Herr Hasselhoff durften dann auch noch einmal vor die Kamera treten, wobei man auf ihre Auftritte sehr gut hätte verzichten können. Während man in anderen Reboots – wie beispielsweise im neuesten Ghostbusters – sich immer wieder freute, wenn man bekannte Gesichter oder Andeutungen fand, so ist dies hier leider nicht der Fall.
Dwayne Johnson als Mitch Buchannon war eine gute Castingentscheidung, weil er die Balance aus angemessenem Spiel und Muskeln schafft. Zac Efron als Matt Brody harmoniert im Spiel gut mit Johnson und hat Muskeltechnisch noch einmal gut zugelegt, um ansatzweise mit Johnson mithalten zu können – ob das nun noch ästhetisch ist, dürfen die Zuschauer für sich entscheiden. Kelly Rohrbach als C.J. Parker und Alexandra Daddario als Summer Quinn halten sich gegenseitig die Waage. Während die Rolle der C.J. mehr auf sehr dünnen Körper setzt – und trotz blonder Haarfarbe auch etwas im Köpfchen hat – zeigt Daddario wieder einmal, dass auch gesunde weibliche Rundungen extrem sexy sein können. Jon Bass als Ronnie stellt hingegen leider wieder das Klischee des tollpatschigen dicken dar. Trotzdem bekommt er eine gute Chance ins Team aufgenommen zu werden.

Alles in allem hat Baywatch eine zu große Handlung, die einfach nicht richtig spannend oder lustig werden will, macht aber an vielen Stellen viel richtig. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Sherlock – Staffel 4 – Kurzkritik

Das ab und an auch gute Serien im öffentlich-rechtlichen Fernsehen laufen, bewies zuletzt wieder die ARD, die am Pfingstwochenende und dem darauffolgenden Sonntag die vierte Staffel der Serie um den Detektiv aus der Baker Street 221b ausstrahlte. Diese Kritik ist spoilerfrei und daher sehr schwammig formuliert.

Sherlock Holmes und Dr. John Watson stellen sich neuen Fällen in ihrem Detektivbüro und helfen der Polizei, wann immer diese nicht weiterkommen. Doch nach der mysteriösen “Miss me” Meldung eines bekannten Gegners, steht Sherlock unter Strom und wartet geduldig auf den ersten Zug seines Gegners. Doch neben seinen alltäglichen Fällen muss er sich auch nach vielen Jahren endlich seinem Familiengeheimnis stellen.

Das Grundprinzip der Serie Sherlock – für diejenigen, die noch nie etwas von dieser Serie gehört haben – ist, dass der berühmte Detektiv Sherlock Holmes aus den Romanen und Kurzgeschichten von Sir Arthur Conan Doyle im modernen London der heutigen Zeit lebt und dort Fälle löst. Einige Folgen basieren direkt auf Doyles Geschichten, andere nehmen lediglich einige Elemente auf und verknüpfen diese mit freien Erzählungen.
Vom Erzählrhythmus orientiert sich Staffel 4 an der dritten Staffel, so dass viele wirre Einzelstränge zwischen den eigentlichen Handlungen der Folgen platziert werden. Dadurch fällt es dem Zuschauer immer schwerer sich auf die eigentliche Lösung der Fälle zu konzentrieren, weil zu viel daneben erzählt wird. Dies war in den ersten beiden Staffel noch kaum vorhanden und erst in Staffel drei sehr präsent. Nebenbei kommen auch wieder die sozialen Verpflochtenheiten zum Tragen mit viel Drama.
Benedict Cumberbatch als Sherlock und Martin Freeman als Dr. Watson geben wieder ein wunderbares Paar und entwickeln ihre Dynamik noch einmal weiter. Die Figuren selbst haben keine große Entwicklung, sondern bleiben auf dem Stand der dritten Staffel.
Die Staffel besteht weiterhin aus drei Folgen, wobei die dritte Folge wieder den größten dramatischen Effekt hat. Spannungsgeladen sind sie alle, auch wenn in der zweiten Folge durch zu viele Einzelstränge die Übersichtlichkeit stark zu Wünschen übrig lässt.

Alles in allem ist die vierte Staffel nur für diejenigen geeinigt, die auch mit Staffel 3 etwas anfangen konnten. Wer Staffel 3 nicht mochte, hat auch an Staffel 4 wenig Spaß. Trotzdem lässt das Staffelfinale auf eine schöne fünfte Staffel hoffen, die sich vielleicht wieder ein bisschen mehr auf das Grundprinzip zurückbesinnt.

Cinemathek: Den Sternen so nah

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Den Sternen so nah. Der Film lief ursprünglich ab dem 07.02.2017 in den deutschen Kinos.

Gardner Elliott ist der erste auf dem Mars geborene Mensch. Seine Mutter starb bei seiner Geburt und hätte eigentlich schwanger gar nicht an der Marsmission teilnehmen dürfen. Gardner kann jedoch durch seine Geburtsumstände nicht auf die Erde, weil sein Herz das nicht schaffen dürfte. Aber leider hat er sich bereits in den Planeten Erde verliebt und in das rebellische Mädchen Tulsa.

Was passiert, wenn wir irgendwann nicht mehr genug Ressourcen auf der Erde haben? Ist der Mars dann wirklich eine Alternative? Mit diesen Fragen befasst sich im Film “Den Sternen so nah” das Unternehmen Genesis, gegründet und geleitet von Nathaniel Shepherd. Erste Teams sollen immer für ein paar Jahre den Mars besiedeln und auf die Lebensfähigkeit testen. Unter dem ersten Team ist Sarah Elliott. Erst an Bord wird bemerkt, dass sie schwanger ist. Da keiner die Mission abbrechen will, bekommt Sarah schließlich ihren Sohn Gardner auf dem Mars. Das hat zwei Konsequenzen. Zum einen überlebt Sarah die Geburt nicht, zum anderen kann unterscheidet sich Gardners Muskel- und Körperauffbau von den anderen Menschen, so dass es für ihn sehr gefährlich bis unmöglich sein wird auf die Erde zu kommen. Also beschließen die Verantwortlichen eine Vertuschungsaktion zu starten. Offiziell starb Sarah an einem kaputten Raumanzug und Gardner existiert offiziell nicht.
Jahre später ist Gardner inzwischen zum Teenager herangewachsen. Noch immer ahnt niemand auf der Erde von seiner Existenz. Über das Internet hat er Kontakt zu einem auf der Erde lebenden Mädchen namens Tulsa. Die Wahrheit darf er ihr nicht sagen, also lügt er ihr eine Krankheit vor und das er deswegen nicht das Haus verlassen darf. Bis er eines Tages die Chance bekommen soll und auf die Erde darf. Dort entkommt er Genesis und sucht zunächst Tulsa auf, um mit ihrer Hilfe nach seinem Vater zu suchen.
Den Sternen so nah ist eine wilde Mischung aus verschiedenen Genres. Zum einen ist es eine klassische Geschichte über die erste große Liebe zwischen Gardner und Tulsa, die mit unterschiedlichen Problemen bestückt ist. Zum anderen ein Coming-of-Age Film über das heranwachsen in fast vollkommener Isolation. Gardner hat auf dem Mars keine Gleichaltrigen, mit denen er sich über seine Gefühle und Gedanken austauschen könnte. Auch lernt er viel über die Gepflogenheiten der Erdbewohner aus Filmen, da ihm die Astronauten immer nur alles wichtige über den Mars beibringen. Als drittes großes Thema geht es im Science-Fiction Bereich über die Möglichkeiten den Mars wirklich dauerhaft zu besiedeln und welche Chancen und Risiken dies bildet. Obwohl alle Themen in ihrer Komplexität auf das wichtigste reduziert werden, wirkt der Film weder überladen, noch aussagelos. Gerade die Mischung der verschiedenen Genres lässt den Film aus der grauen Masse hervorheben. So hat man in großen Teilen ein Road-Movie, wenn Gardner und Tulsa auf der Suche nach Gardners Vater sind. Hier ist die Stimmung sehr locker und leicht, wodurch man trotz schwieriger Themen am Ende beschwingt den Kinosaal verlässt. Leider ist dieser Teil wesentlich länger als die restlichen Themengebiete, weswegen oft Fragen offen bleiben oder sich Ungereimtheiten einschleichen.
Der Spannungsfaktor schwankt immer mal wieder während der Laufzeit und weist gerade in der Mitte einen Abfall vor, da sich der Film an dieser Stelle etwas verliert. Dies wird aber wieder gut gemacht durch Gardners ganz neuen Blick auf die Welt, die sie voller Herz ist und einem erst einmal wieder vor Augen führt, wie schön doch unsere Erde ist, wenn man sie nicht jeden Tag vor Augen hat.
Die schauspielerischen Leistungen sind durchweg gut. Asa Butterfield scheint als Teenagerrolle immer eine gute Wahl zu sein und zeigte nun nach Enders Game und Die Insel der besonderen Kinder erneut sein Können. Diesmal hatte er niemand geringeres als Gary Oldman an seiner Seite, der seine Rolle gut spielt, aber doch hinter seinen Möglichkeiten bleibt.

Alles in allem ist Den Sternen so nah ein solider Film, der die Balance aus verschiedenen Genres nicht immer hält, aber mit viel Herz doch einen schönen Film kreiert. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Verpasst im Mai 2017 & Mein Lesemonat Mai

Hallo ihr Lieben,
an dieser Stelle erzähl ich euch ja eigentlich immer, was ich wieder einmal verpasst habe im Kino zu sehen. Das werde ich auch weiterhin tun, aber dazu kommt diesmal mein erster Lesemonat. Das liegt vor allem daran, dass der Mai endlich einmal ein Monat war, in dem sich ein Lesemonat auch lohnt! (Gut dadurch habe ich kaum Serien gesehen, aber darum geht es hier ja auch nicht… 😉 )

Verpasst im Mai

1) Expedition Happiness: Ein Pärchen, das von ihrer Abenteuertour durch die USA, Kanada und Mexiko berichtet. Und das in einem umgebauten Schulbus. Leider lief der Film nur in einem Special Screening, an einem Termin, der mir nicht passte.

2) Sieben Minuten nach Mitternacht: Ein Coming of Age Film, der gleichzeitig mit Verlustängsten versucht umzugehen und eine ganz eigene Geschichte dahinter spinnt. Er wird noch nachgeholt.

3) Jahrhundertfrauen: Noch ein Kandidat, der bei den diesjährigen Oscars vertreten war. Auch die Geschichte dahinter klingt sehr interessant.

Und hier wieder die Filme, die es ganz knapp nicht auf meine Liste geschafft haben:
Churchill, Get Out, Alien – Covenant, Regeln spielen keine Rolle

Mein Lesemonat Mai

Bücher insgesamt: 7 Bücher
Seiten insgesamt: 2574 Seiten
Seiten pro Tag: 83 Seiten im Durchschnitt
Taschenbücher: 3
Hardcover: 1
E-Books: 3

7) Book Elements 2 – Die Welt hinter den Buchstaben

Der zweite Teil der Book Elements Reihe. Ich fand der erste Teil verfolgte eine neue Idee, die Liebe zu Bücher gut widerspiegelt. Der zweite Teil ist leider etwas schwächer geraten und konnte mich nicht mehr wirklich begeistern.

6) Rat der Neun – gezeichnet

Wie in meiner Kritik aufgeführt, kann Veronica Roth weder in Handlung noch Charakteren an ihren Erfolg von Divergent anknüpfen.

5) Angelfall – Tage der Dunkelheit

Auch ein zweiter Teil. Während mir der erste Teil halbwegs gut gefallen hat, wobei die größte Schwäche die Spannungslücken waren, wollte ich trotzdem wissen, wie die Geschichte weitergeht. Leider ist Band 2 an noch mehr Stellen einfach nicht spannend, obwohl die ganze Geschichte an sich das eigentlich wäre. Und jetzt muss ich auch noch bis Januar 2018 warten, ehe ich den dritten Teil lesen kann…

4) Exordium – Deadly Sin Saga Band 1

Der erste Band der Deadly Sin Saga war wohl die längste Einleitung, die ich je gelesen habe. Denn er hat trotz einer Länge von ca. 270 Seiten kaum Handlung, da ihm aller Vorausicht circa 8 Bände noch folgen werden. Trotzdem war es aber nie langweilig oder langatmig. Hatte nur leider etwas wenig Handlung.

3) Wär mein Leben ein Film, würde ich eine andere Rolle verlangen

Die Autorin traf ich im letzten Jahr auf der German Comic Con, wo ich sie leider vertrösten musste, was den Kauf eines ihrer Bücher anging. Jetzt hab ich das nachgeholt und sogar eins mit persönlicher Widmung bekommen. Der Reiz ihrer Geschichte war, dass es aufgebaut war wie eine normale Liebesgeschichte, aber viel mehr dahinter verbarg. Allen voran die gemeinsame Liebe zum Film.

2) Welche Farbe hat dein Himmel

Eine kurzlebige, aber total süße Liebesgeschichte mit dem gewissen „Nimm das Leben nicht zu ernst und Lebe deine Träume“. Leider wusste die Autorin am Ende nicht, wann sie besser aufhören sollte. So ist das Ende sehr gehetzt, wild zusammengeschustert und einfach nur noch doof. Aber der Rest des Buches konnte mich begeistern.

1) New York Diaries – Sarah

Der zweite Band der New York Diaries Reihe. Sarah konnte mich begeistern, mitreißen und mir viel gute Musik mit auf den Weg geben. Vielleicht kein Meisterwerk der Literaturgeschichte, aber mich konnten Handlung und Charaktere berühren und so sehr in den Bann ziehen, dass ich es nach einem Tag durchhatte. Damit konnte Sarah Claire aus Band 1 den Rang ablaufen. Phoebe im dritten Teil hält mich aktuell in Atem, aber bisher hat sie noch keine Chance gegen Sarah.

Kennt ihr eines der Bücher? Wie fandet ihr sie? Was habt ihr so gelesen?

Fluch der Karibik 5 – Salazars Rache

Am 25.05.2017 erschien der fünfte Teil der Fluch der Karibik Reihe rund um den Piraten Captain Jack Sparrow, in den deutschen Kinos.

Der Dreizack des Poseidon ist eine mächtige Waffe, die alle Flüche des Meeres aufheben kann. Henry Turner, Sohn von Will Turner, will mit dieser Waffe seinen Vater befreien. Um sie zu finden, muss er sich mit der Wissenschaftlerin Carina Smyth zusammen tun. Unterwegs begegnen sie alten Gesichtern, wie Captain Jack Sparrow und Captain Barbossa, und neuen Feinden, wie dem rachelüstigen Captain Armando Salazar.

Alles begann vor vielen Jahren mit dem Bau einer neuen Attraktion im DisneyWorld. Eine Themenfahrt mit dem Namen “Pirates of the Caribbean”. Regisseur Gore Verbinski und Produzent Jerry Bruckheimer namen diese Themenfahrt als Vorbild und brachten sie 2003 erstmal auf die große Leinwand. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten und Johnny Depps Performance als Captain Jack Sparrow wurde schnell Kult. Sein Standardsatz “Klar Soweit” war wochenlang in aller Munde. 2006 und 2007 kamen dann der zweite und dritte Teil der Reihe in die Kinos, die thematisch aufeinander aufbauen. Hier wäre am Ende ein bisschen weniger Handlung und Intrigen vielleicht besser gewesen, aber trotzdem konnten die Filme sehr viel Erfolg verbuchen. Die Trilogie war damit abgeschlossen, ein würdiges Ende war gefunden. Leider endet hier die Geschichte über den Fluch der Karibik nicht. Denn 2011 brachte Regisseur Rob Marshall noch einen vierten Teil in die Kinos. Gore Verbinski hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits komplett von der Reihe abgewandt, was man dem Film auch ansah. Die Hälfte des Casts hat gefehlt und die neuen Charaktere konnten irgendwo einfach nicht mehr überzeugen. Auch schien Depps Rolle inzwischen sehr ausgelutscht, dass selbst der berüchtigte Jack Sparrow den Erfolg nicht mehr rausreißen konnte. Man sollte meinen Produzenten und Regisseure hätten ihre Lektion gelernt. Leider ist das ja immer nur selten der Fall, denn noch war nicht alles Geld aus dem Fluch der Karibik Universum herausgeholt worden. Und so können wir nun den inzwischen fünften Teil der Reihe im Kino bewundern.
Schon vorab ließ der fünfte Teil wieder ein bisschen zu hoffen übrig. Denn als Bösewicht wurde diesmal Javier Bardem gecastet, der bereits in James Bonds Skyfall bewiesen hat, dass er mit einfachen Gesten eine bedrohliche Situation herstellen kann. Auch wurde groß die Rückkehr von Orlando Bloom und Keira Knightley angekündigt, die wieder ihre Rollen aus den ersten drei Filmen als Will Turner und Elizabeth Swann übernehmen sollten. Das diese im Film nur für kleine Szenen wieder auftauchten, verriet uns die Marketingabteilung aus dem Hause Disney natürlich nicht. Auch wieder mit von der Partie waren natürlich Johnny Depp und Geoffrey Rush als Captain Barbossa und noch ein paar andere bekannte Gesichter. Neu dazu kamen Brenton Thwaites als Henry Turner und Kaya Scodelario als Carina Smyth. Scodelario durfte hier nicht nur die Frauenquote aufwerten, sondern wurde auch gleich der klügste Kopf der Piratenbande. Aber eine Frau als Wissenschaftlerin? Sie muss einfach eine Hexe sein. Immerhin darf Frau hier auch einmal sagen, wo es lang geht und wortwörtlich das Steuer in die Hand nehmen.
Eines kann auch der fünfte Teil der Reihe noch so gut wie der erste. Sagenhafte Bilder und Schlachten auf See inszenieren. Hier lohnt die Optik auf jeden Fall einen Besuch im Kino.
Der Rest des Films dagegen klammert sich viel zu sehr an die guten alten Zeiten. Klaus Badelts legendärer Theme “He’s a Pirate” mag ja noch immer Laune machen und passt sich auch noch immer den einzelnen Szenen an. Der restliche Soundtrack ging im Geschehen einfach nur noch unter.
Auch die alten Charaktere haben ihre Entwicklung schon vor langer Zeit abgeschlossen. Johnny Depps Captain Jack Sparrow ist nur noch ein Abbild des coolen Piraten, den wir 2003 kennenlernen durften. Noch betrunkener in jeder Szene – wo unweigerlich die Frage aufkommt, ob das an Depps eigenen Drogen- und Alkoholexzessen liegt – fehlt ihm einfach der flotte Spruch auf den Lippen, den er früher immer hatte. Einzig Rushs Captain Barbossa konnte wieder komplett überzeugen und durfte gegen Ende auch noch einmal eine neue Charaktereigenschaft an sich entdecken. Die neuen Charaktere wurden gut eingeführt und ihre Beweggründe erläutert. Eine richtige Charaktertiefe wurde aber auch hier nicht erlangt.
Die Handlung des Films dürfte das größte Manko sein. Wieder einmal gab es zu viele Interessenparteien, angefangen bei Sparrows Mannschaft, bis zum britischen Militär. Dabei versucht jeder nach seinem Willen zu agieren, muss sich mit anderen zusammenschließen, um denen dann aber wieder in den Rücken zu fallen. Das ging schon beim dritten Teil nicht mehr gut, wobei im fünften Teil die Beweggründe sehr einfach gestrickt sind. Trotzdem wäre hier weniger mehr gewesen. Das Weniger hätte man schon hinbekommen können, indem man einfach auf Captain Jack Sparrow verzichtet hätte. Ja den absoluten Star der Reihe hätte man hier einfach weglassen können, da er für die eigentliche Handlung nur sehr wenig von Belangen war.

Alles in allem kommt beim fünften Abenteuer der Piratenbande einfach nicht mehr das richtige Gefühl auf und abgesehen von sehr sehenswerten Bildern hat der Film wenig zu bieten. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten. In diesem Sinne: Trinkt aus Piraten, joho!

Rat der Neun – gezeichnet

Autorin Veronica Roth hatte mit ihren Debütromanen rund um Tris Prior und Four ihren internationalen Durchbruch. “Divergent” “Insurgent” “Allegiant” und “Four” eroberten die Bestsellerlisten und teilweise auch die Kinoleinwände. Ich habe die Bücher verschlungen und liebe sie einfach, zumal sie mir in einer ganz bestimmten Zeit in meinem Leben beigestanden haben. Nun präsentierte uns Veronica Roth ihr nächstes Werk und ich hab mich natürlich auch hier gleich wieder darauf gestürzt.

Akos und seine Familie leben auf ihrem Heimatplaneten Thuve und hegen ein sehr friedliches Miteinander. Doch eines Tages werden Akos und sein Bruder Eijeh entführt, von Shotet-Kriegern, die auf dem gleichen Planeten leben, aber ein sehr kriegerisches Volk sind. In seiner neuen Heimat trifft er auf Cyra, die Schwester des tyrannischen Herrschers Ryzek. Akos und Cyra haben nun die Wahl sich zusammen zu tun oder sich gegenseitig zu zerstören.

Rat der Neun – gezeichnet ist der erste Band einer zweiteiligen Fantasy-Saga. Eine knappe Inhaltsangabe zu geben ist sehr schwierig, denn Roth schuf hier nicht nur eine komplett neue Welt, sondern gleich eine kleine Galaxie. So besteht die Welt hier aus vielen größeren kleinen und großen Planeten. Regiert wird die Galaxie vom Rat der Neun, da es neun größere Planeten gibt. Während jeder Planet mit einer Rasse, die sich immer in irgendeiner Hinsicht von den anderen unterscheidet, besiedelt ist, gibt es einen Planet mit zwei verfeindeten Rassen, den Thuvesier, die in Thuve leben, und den Shotet, die in Shotet leben. Das besondere an der Galaxie ist auch, dass die Menschen unterschiedliche Lebensgaben haben. Das heißt eine ganz besondere Eigenschaft, die sie von anderen unterscheidet. Und ganz besondere Menschen haben auch noch Schicksale, die eine Zukunft voraussagen, von der keiner weiß wann und unter welchen Umständen sie eintreten werden. Das erst einmal als Grundinformation zu der Welt. Das Buch konzentriert sich aber auf den geteilten Planeten und erzählt hier die Geschichte von Akos und Cyra (wie oben beschrieben).
Rat der Neun lässt sich zu Anfang viel Zeit, um die Welt und die Charaktere ausführlich vorzustellen Dabei werden einzelne Kapitel aus der Sicht von Akos und andere aus der Sicht von Cyra erzählt. Leider lässt sich das Buch ein bisschen zu viel Zeit für die Erklärungen, so dass sich die ersten zwei Drittel des Buches ziemlich zäh ziehen. Da hilft es auch nicht mehr, dass das letzte Drittel erheblich an Tempo und Spannung gewinnt. “Rat der Neun” soll eine zweiteilige Fantasyreihe werden. Ein paar Erklärungen weniger, wären dabei völlig ausreichend gewesen. Auch gab es immer wieder innere Monologe, die auch immer wieder das gleiche ausgesagt haben. Die Gedanken zu den einzelnen Lebensgaben und Schicksalen mochte man irgendwann einfach nicht mehr lesen.
Die Charaktere sind sehr vielschichtig gezeichnet, auch wenn teilweise sehr viele Klischees eingesetzt wurden. Zum Beispiel ist Ryzek der tyrannische Herrscher über Shotet und behandelt sein Volk natürlich nicht gut, sondern interessiert sich nur für seine eigene Elite. Und natürlich ist das nicht sein eigenes Wesen, sondern sein Vater hat ihn zu diesem Monster gemacht. Von dieser Prämisse wird an keiner Stelle abgelassen, daher gibt es keine Charakterentwicklung. Das ist mitunter sehr schade. Lediglich die beiden Protagonisten Akos und Cyra entwickeln sich ständig weiter. Aber auch hier wurden einige Vorurteile eingebaut. An die Charaktertiefe aus Roth erster Reihe (Divergent und Co) von Tris und Four kommen Cyra und Akos nicht heran.
Was das Buch dennoch einen eigenen Reiz verleiht, ist Roth Schreibstil, der auch an sehr zähen Stellen noch mitreißend geschrieben ist. Ohne diesen hätte ich das Buch zwischenzeitlich wahrscheinlich längst aus der Hand gelegt.

Alles in allem bleibt Veronica Roth bei ihrem neuen Werk leider weit hinter ihrem vorher gezeigten Talent bezogen auf Charaktere und Handlung zurück. Ihr Talent neue Welten zu erschaffen bleibt bestehen. Wer sich durch die ersten zwei Drittel des etwas langatmigen Buches kämpfen konnte, wird mit einem sehr spannenden dritten Drittel belohnt.

Happy Burnout

Am 27.04.2017 erschien eine neue deutsche Komödie, die sich mit dem Thema Burnout befasst, in den deutschen Kinos.

Fussel ist Punker und lebt von Hartz 4. Dass er dafür eigentlich Auflagen erfüllen müsste, ignoriert er, immerhin hat er seine Betreuerin mit allerhand mitfühlender Geschichten gefüttert, so dass sie ihm stets den Rücken freigehalten hat. Doch durch eine interne Untersuchung ist nun Schluss damit. Eine Diagnose muss her und zwar schnell. Burnout wird als Lösung gefunden, aber für die Glaubwürdigkeit muss Fussel noch in eine Klinik. Doch dort trifft er auf Menschen, die wirklich Hilfe brauchen.

Der Begriff Burnout existiert in der heutigen Form erst seit den 1960er/1970er Jahren. Heute ist er in aller Munde und wird gerne als “Modekrankheit” abgetan. Während die eine Seite versucht durch die Diagnose an Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen heran zu kommen, kritisiert die andere Seite, dass die Diagnose Burnout oftmals die Diagnose Depression verhindere. Und dazwischen gibt es die Menschen, die es betrifft, die, die Burnout ernst nehmen, und die, die den Patienten auch wirklich helfen wollen. Vor diesem Kontext spielt Happy Burnout – oder versucht es zumindest.
Gleich zu Anfang wird der Protagonist Fussel vorgestellt. Sein richtiger Name ist Andreas Poschka, ein Punk, der vollkommen sorglos in den Tag hinein lebt. Sein größtes Talent liegt im Erfinden von Geschichten. Dies stellt er auch sofort unter Beweis. Im Anschluss besucht er Frau Linde, seine Bearbeiterin beim Arbeitsamt. Auch ihr hatte Fussel immer wieder rührende Geschichten erzählt, die sie bereitwillig geschluckt hat und ihm sein Hartz 4 genehmigt, ohne dass er die dafür erforderlichen Auflagen erfüllt hat. Doch nun gibt es eine interne Prüfung und Fussel droht sein Hartz 4 und Frau Linde ihren Job zu verlieren. Um dies zu verhindern hat Frau Linde einen Notfallplan. Fussel wird als an Burnout erkrankt eingestuft und zur Bestätigung muss er an einer Therapie in einem Sanatorium teilnehmen. Doch dort trifft er auf Menschen, die wirklich Burnout haben und Hilfe brauchen. Mit seiner ganz eigenen Sicht auf die Welt versteht er nicht so genau, was denn deren Probleme sind, trifft aber manchmal auch gerade deswegen den richtigen Ton.
Schon nach dem ersten Trailer war klar, dass der Film sich nicht mit dem Thema Burnout auseinander setzen wird. Dafür ist er zu sehr auf die Sparte Komödie fixiert. Und so kam es auch. Burnout ist hier nur der Mittel zum Zweck, um eine Kulisse für die Handlung zu schaffen. Die Einzelschicksale der Patienten, werden nur teilweise und dann auch nur sehr grob erzählt. So wirklich weiß man danach immer noch nicht, wie es denn genau zu dem Burnout kam.
Viel zu sehr hängt die Handlung an Fussel, der auch während der Therapie das Leben sehr locker nimmt, was aber bei manchen Patienten Anklang findet. Und gerade dadurch provoziert er immer wieder Szenen, die einfach nur lustig sind. Dabei achtet der Film sehr stark darauf, über wen man lacht. So lacht man beispielsweise meist über Fussel und seine Sprüche oder die Abstrusität der Situation, aber niemals über die Patienten oder die Krankheit selbst. Und das ist einem Film mit dem Titel “Happy Burnout” hoch anzurechnen.
Ansonsten plätschert die Handlung so vor sich hin und nimmt keinen richtigen Spannungsbogen auf. Da sich der Film an das deutsche Komödienschema hält, gibt es selbst beim Showdown am Ende wenig Überraschungen. Alles verläuft so, wie man es sich von Anfang an denken konnte. Wenn man dies aber nicht schlimm findet, hat Happy Burnout durchaus seine Momente, in dem man laut loslachen muss. So gesehen funktioniert der Film als leichte Komödie, wenn man weder Thema näher beleuchtet haben muss, noch eine neue Handlung erwartet. Die Charaktere sind alle sehr unterschiedlich, was im Zusammenspiel den komödischen Reiz ausmacht. Die schauspielerischen Leistungen liegen alle auf einem guten Niveau.

Alles in allem kann Happy Burnout durchaus Spaß machen, hat aber leider nicht zu übersehende Schwachstellen. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

13 Reasons Why

Auf die neueste Serie aus dem Hause Netflix, die den deutschen Titel „Tote Mädchen lügen nicht“ trägt, wäre ich wohl nicht aufmerksam geworden, wenn sie nicht für viele Diskussionen gesorgt hätte, ob man Kinder und Teenager diese Serie sehen lassen sollte. Nach so vielen Spekulationen und Meinungen musste ich mir dann doch selbst ein Bild von der Serie machen.

Hannah Baker war eigentlich ein normaler Teenager auf einer normalen Highschool. Bis sie eines Abends Selbstmord beging. Ihre Eltern sind fassungslos, sie wussten nicht einmal, dass es ihr so schlecht geht. Auch Clay Jensen, der insgeheim auf Hannah stand, steht vor der Frage, des Warums. Bis er eines Abends eine Schachtel mit Kassetten vor seiner Haustür findet. Auf diesen zählt Hannah Baker 13 Gründe bzw. 13 Personen auf, die in einem Zusammenhang mit ihrem Selbstmord stehen.

Während die eine Seite die Serie hoch lobt und sogar zum Pflichtprogramm an Schulen machen will, sieht die andere Seiten eine Gefahr in der Serie. Ärzte und Psychologen befürchten, dass es Trittbrettfahrer geben könnte und sich nun mehr anstatt weniger Jugendliche mit Problemen das Leben nehmen. In Neuseeland dürfen Jugendliche die Serie inzwischen nur noch unter elterlicher Aufsicht sehen. Gerade dieser Zwiespalt zwischen Lob und Kritik machte mich neugierig auf die Serie.
Die Serie wird in zwei parallelen Handlungssträngen erzählt. Der Vergangenheit und der Gegenwart. In der Gegenwart hört Clay Jensen die Kassetten von Hannah und erfährt nach und nach, was genau alles passiert ist. Nebenbei versucht er die behandelten Personen zur Rede zustellen und ein bisschen Gerechtigkeit für Hannah wieder herzustellen Parallel dazu wird immer wieder die Vergangenheit gezeigt, in der wir Hannah Baker sehen und ihre Erzählungen auf der Kassette auch visualisiert bekommen. Die ersten Personen auf den Kassetten scheinen relativ harmlos zu sein und bis zur Hälfte der Serie denkt man sich eigentlich nur, dass Hannah maßlos übertreibt. Erst nach und nach setzt sich ein Gesamtbild zusammen. Wobei selbst am Ende der Selbstmord noch immer nicht die richtige Lösung scheint.
Die Hauptcharaktere Clay und Hannah werden von allen Seiten beleuchtet und haben eine gute Tiefe bekommen. Die übrigen Charaktere werden oft nur sehr eindimensional dargestellt, da auch immer nur eine Folge wirklich von ihnen handelt. In den weiteren Folgen spielen sie meistens noch mit, aber ihre Charaktere werden nicht weiterentwickelt, bzw angedeuteten Entwicklungen wird nicht genug Raum gegeben. Auch erscheinen ihre Handlungen und Denkweisen nach dem Suizid von Hannah sehr verworren und sehr undurchsichtig. Es scheint fast mehr dahinter zu stecken als nur der Versuch die Schuld von sich zu weisen. Zeitlich gesehen wäre in der Serie für mehr Erläuterungen in dieser Hinsicht eindeutig Platz gewesen. Denn in den einzelnen Folgen reihen sich leider viele aussagelose Szenen aneinander, die weder die Handlung vorwärts bringen, noch Erläuterungen geben. Stattdessen radelt Clay immer wieder von einem Punkt zum nächsten und hat dabei kein richtiges Ziel. So zieht sich die Serie mit ihren 13 Folgen á ca. 60 Minuten. Am Anfang kam die Serie gut in Fahrt. Interessiert lernt man die ersten Charaktere kennen und die ersten sechs Folgen vergehen wie im Flug. Doch danach scheint die Serie zu stagnieren. Zwar wird weiterhin in jeder Folge ein neuer Charakter vorgestellt oder sich einem bereits bekannten Charakter gewidmet, aber es läuft immer wieder nach dem gleichen Schema ab, was auf Dauer etwas eintönig wirkt. Auch scheint Hannah aus ihren Fehlern partout nicht lernen zu wollen. So quält man sich nach der ersten Hälfte praktisch durch die immer mehr an Spannung verlierenden Folgen, ehe es in Folge 12 zum Höhepunkt kommt.

Nachdem ich alle dreizehn Folgen der ersten Staffel gesehen habe, bleibe ich etwas zwiegespalten über die Serie zurück. Denn so richtig das ausgedrückt, was sie wohl ausdrücken wollte, hat sie einfach nicht. Sie hat nicht richtig erklären können, wieso ein eigentlich starkes und stabil wirkendes Mädchen am Ende keinen anderen Ausweg in ihrem Leben mehr sah, als sich umzubringen. Zur Klarheit habe ich nach der Serie noch eine 30-minütige Dokumentation über die Hintergründe angesehen, die ebenfalls auf Netflix verfügbar ist. Erst nach dieser Doku sind mir einige Sachen klar geworden, die ich in der Serie so nicht gesehen habe.
Das größte Problem an der Serie, was eben sehr viel Kritiker auch bemängeln, ist die exakte Darstellung des Suizidvorgangs, der aber die wahren Schmerzen, die man dabei fühlt, nicht auffangen kann. So wird es eben nicht als schmerzhaft dargestellt, sondern sieht sogar sehr leicht aus. Hier werden Teenager nicht abgeschreckt, sondern fast noch ermuntert.

Alles in allem sollte die Serie auf keinen Fall Pflichtprogramm an Schulen werden, weil sie das Thema nicht so gut aufgearbeitet hat, wie sie selbst vorgibt. Hier kann am Ende der falsche Schluss gezogen werden. Ein allgemeines Verbot der Serie halte ich dennoch auch für keine Lösung. Ich wünsche mir, dass die Serie Regisseure und Produzenten inspiriert, sie sich dabei die Kritik an der Serie zu Herzen nehmen und noch einmal eine ähnliche Serie produzieren, die mehr Aussage, mehr Inhalt und mehr Ehrlichkeit birgt. Also eine Serie, die zeigt, wie viel in einem Menschen durch Mobbing absterben kann, aber auch Auswege zeigt.

The Founder

Am 20.04.2017 erschien ein Film über die wahre Geschichte hinter dem McDonalds Franchise in den deutschen Kinos.

Ray Kroc hat immer wieder tolle Ideen, was er alles verkaufen könnte und entwickelt immer wieder neue Produkte. Diese kommen aber bei den Käufern immer nur mäßig gut an. Eines Tages trifft er auf die Brüder Mac und Dick McDonald, die in Ihrem Burgerladen das Bestell- und Zubereitungssystem revolutioniert haben. Ray Kroc sieht eine einmalige Chance und möchte das Restaurant zu einem Franchise ausbauen.

Jeder kennt die Fast-Food Kette McDonalds. Weltweit erfolgreich, ernährt sie jeden Tag ca. 1% der Weltbevölkerung. Bekannt daran ist vor allem die Schnelligkeit des Systems. Doch wie vielen ist die Geschichte hinter diesem weltweiten Franchise bekannt? Wer weiß, dass die Brüder Mac und Dick McDonald die Idee der schnellen Bestellung entwickelten, dann aber systematisch aus ihrem eigenen Geschäft gedrängt wurden und heute keinen Cent an dem Unternehmen, das ihren Namen trägt, verdienen? Wie kann so etwas passieren. Die Antwort hat einen Namen: Ray Kroc.
Dieser hatte schon sein ganzes Leben lang immer wieder neue Geschäftsideen. Zum Anfang des Films ist es gerade ein Milchshake-Mixer mit fünf statt nur einem Arm, um fünf Milchshakes gleichzeitig zuzubereiten. Die Nachfrage für das Produkt ist allerdings sehr gering, obwohl Kroc eigentlich ein gutes Verkaufstalent hat. Nur ein einziges Geschäft hat Interesse an gleich mehreren seiner Produkte. Die Brüder McDonald brauchen genau so einen Mixer für ihr neues Restaurant. Interessiert, was das für ein Restaurant sein muss, fährt Kroc direkt hin. Verwirrt, dass vor der Burgerbude eine lange Schlange ist und keine Bedienung sichtbar ist, steigt er aus und stellt sich an. Doch trotz der langen Schlange kriegt er nach wenigen Minuten bereits sein Essen. Völlig begeistert von dem neuen System sucht er das Gespräch mit den beiden Besitzern. Und versucht sie dazu zu überreden ein Franchise zu gründen. Beide sind wenig begeistert, schließen nach langem Zögern jedoch einen Vertrag mit ihm ab. Er soll sich um das Wachstum des Franchises kümmern, muss aber bei allen Entscheidungen mit den Brüdern Rücksprache halten. Die erste Zeit scheint das System aufzugehen, doch Kroc will mehr und will es vor allem schneller, während die Brüder immer heftiger auf die Bremse treten.
Wer die Geschichte der McDonald Brüder kennt, kennt auch den Ausgang des Films. Daher macht der Film auch keinen langen Hehl daraus, was letztendlich passiert und wie der Film enden wird. Stattdessen konzentriert er sich auf das Wie der Geschichte. Wie konnte ein einziger Mann das Imperium McDonalds aufbauen und dabei auch noch die Erfinder und Gründer komplett verdrängen. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Ray Kroc. Trotzdem erfährt der Zuschauer immer nur so viel, wie Kroc auch erzählen will. Seine wahren Beweggründe, die er schon von Anfang an zu haben scheint, verheimlicht er sehr lange. Stattdessen lernt man zunächst wirklich einen Mann kennen, der trotz Verkaufstalent einfach nicht so richtig das wahre Glück in seinem Job findet und es trotzdem immer weiter versucht und dafür sogar seine Ehe komplett vernachlässigt. Man sieht, wie er zunächst zufällig auf das System der McDonalds Brüder stößt und eigentlich zunächst nur sein Stück vom Kuchen haben möchte. Doch nach und nach entwickelt er sich zu einem immer rücksichtloseren Menschen. Doch war das Rücksichtslose schon immer in ihm oder hat der vermeintliche Erfolg ihn zu dem gemacht? Letztendlich befasst sich der Film mit dieser Frage nur ganz sachlich. Die Geschichte wird erzählt, ohne dabei eine Wertung vorzunehmen. Krocs Weg wird nicht verurteilt, aber auch nicht positiv dargestellt. Es ist eine vollkommen nüchterne Darstellung der damaligen Ereignisse. Es ist dem Zuschauer selbst überlassen, ob er sich auf die Seite des Geschäftsmannes Kroc stellt, da es sonst niemals zu der weltweiten Expansion gekommen wäre, oder ob man sich auf die Seite der Brüder McDonald stellt, die ihrer Idee und ihrer Läden beraubt worden sind und keinen Cent an diesem Imperium verdienen.
Am Ende des Films bleibt eine Frage offen, die die Brüder an Kroc stellen. Wieso hat er nicht einfach ein eigenes Restaurant nach dem gleichen System eröffnet, statt die Brüder aus ihrem zu verdrängen? Die Antwort, die Kroc gibt, lässt Platz für Spekulationen, ob dies wirklich der richtige Grund ist. Schauspielerisch gesehen spielen alle Beteiligten auf einem guten Niveau, aber stechen nicht heraus. Vom Spannungsniveau her meistert The Founder den schmalen Grad, der entsteht, wenn einigen Zuschauern das Ende durch die wahren Ereignisse bereits bekannt ist, gut und durch die Konzentration auf das Wie bleibt der Film auf einem guten spannenden Niveau.

Alles in allem ein guter Film, interessant für alle, die an der Geschichte hinter McDonalds interessiert sind. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.