Lindenberg! Mach dein Ding

Ein Vorwort

Nach den Erfolgen von Bohemian Rhapsody und Rocketman, war es nur eine Frage der Zeit, ehe der Trend der Künstlerverfilmungen auch in Deutschland ankommt. Mit Udo Lindenberg wurde der Anfang dann auch gleich mit einem der bekanntesten und vor allem interessantesten Künstlern gemacht. Ob Lindenberg mit der Konkurrenz aus Hollywood mithalten kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Udo Lindenberg (Jan Bülow) wächst in einer Familie von Klempnern auf. Das Verhältnis zu seinem Vater ist durch dessen Alkoholkonsum getrübt. Dennoch bekommt er ein Schlagzeug geschenkt, womit er fortan in verschiedenen Bands mitspielt oder in diversen Clubs als Hintergrundbeschallung. Doch Udo ist sich sicher, dass er eigentlich vor das Mikro gehört und will mit seiner eigenen Band durchstarten.

Meine Meinung

Lindenber!: Mach dein Ding richtet sich ähnlich wie die Verfilmungen zu Queen und Elton John an erster Stelle natürlich an die Fans. Blöd ist es natürlich, wenn man eigentlich wenig über die Figur weiß und neben sich einen Hardcore-Fan sitzen hat, die leider den Unterschied zwischen Kino und Couch zu Hause nicht verstanden hat und einem daher bestimmte Änderungen immer kurz vorher spoilert, aber das ist ein anderes Thema. Doch während die Konkurrenz aus Hollywood es geschafft hat, durch gute Darsteller und spannender Handlung auch das breite Publikum anzusprechen, verpasst Lindenberg irgendwo den Sprung von besoffener Möchtegernkünstler zu Weltstar. So wird einem zwar die Kindheit immer wieder nahgebracht, aber ein Großteil der Handlung sieht man Bülow nur besoffen über die Leinwand torkeln. Unterbrochen wird das von regelmäßigen Zeitsprüngen, die einen oft ratlos zurücklassen, da sie eher willkürlich als dramaturgisch sinnvoll wirken. So wird zunächst zwischen den 70er und 50er Jahren hin und her gesprungen, dann befindet man sich auf einmal in den 60er Jahren und dann wieder in den 70ern, dann in den 50ern und dann geht das Spiel wieder von vorne los. Dabei sind es nur wenige Schlüsselszenen, die einen die Figur Lindenberg und sein Verhalten irgendwo näher bringen. Während bei Rocketman eine Therapiesitzung als roter Faden für die Rückblicke herhalten konnte und Bohemian Rhapsody sich chronologisch erzählte, fehlt hier die allumfassende Rahmenhandlung.
Jan Bülow spielt Udo Lindenberg mit einer absoluten Selbstverständlichkeit, die einen durchaus an den echten Herr Lindenberg erinnert. Auch die Nebendarsteller funktionieren in ihren Rollen. Allerdings lebt keiner seine Rolle wirklich. Letztlich fehlt einfach der Funke, der eine Verbindung zwischen Zuschauer und Charaktere entfachen könnte.
Versteht mich nicht falsch. Grundsätzlich ist der Film schon spannend und es ist interessant zu sehen, wie ein Star, wie Udo Lindenberg, mal klein angefangen hat und mit welchem Hintergrund zum Beispiel ein Cello angefangen hat. Aber diese kleinen Informationshäppchen und die tiefgründigen und guten Momente werden unter einer Wolke aus Alkohol begraben. Der Film hätte einfach so viel mehr gekonnt, wenn er auf das wesentliche zusammengekürzt worden wäre und sich mehr an einem roten Faden orientieren würde. So wirkt er gerade durch die starke Konkurrenz der letzten Jahre eben doch eher zusammenhanglos hingeschustert.

Das Fazit

Lindenberg: Mach dein Ding hat eine spannende Grundhandlung, die sich leider unter zu vielen Szenen versteckt, in denen Hauptdarsteller Jan Bülow einfach nur betrunken durch die Gegend torkelt. Ohne roten Faden und mit zu vielen Zeitsprüngen kann der Film beim Zuschauer leider nur wenig punkten. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Lindenberg: Mach dein Ding läuft seit dem 16.01.2020 in den deutschen Kinos

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

Ein Vorwort

Dr. Dolittle ist für viele immer noch Eddie Murphy und wird sich wohl auch nicht ändern. Der Arzt, der mit Tieren sprechen kann, sorgte für einige heitere Momente. Als die Ankündigung kam, dass niemand geringeres als Robert Downey Jr. ihn beerben würde, sorgte zumindest bei mir für Jubelrufe. Auch die Trailer sahen spannend und interessant aus, mein Interesse war mehr als geweckt. Warum mich die fantastische Reise des Dr. Dolittle dann enttäuschte, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Dr. Dolittle (Robert Downey Jr.) hat sich komplett von der Außenwelt zurückgezogen und lebt auf seinem Anwesenheit nur noch in Gesellschaft seiner Tiere. Bis er eine dringende Nachricht aus dem Schloss bekommt, denn die Königin liegt im Sterben. Um sie zu retten, muss er eine sehr seltene Frucht finden. Auf der Suche nach dieser, starb jedoch seine Frau.

Meine Meinung

Man nehme eine traurige Vorgeschichte, um sich dann dem gescheiterten Helden zu widmen. So beginnt fast jede Disney-Geschichte und auch hier ist es nicht anders. Doch die gezeichnete Vorgeschichte ist dann auch schon fast das beste am ganzen Film und das sollte einem doch Grund zur Sorge geben.
Das liegt wohl vor allem daran, dass die Handlung sehr vorhersehbar ist, da sie sich strikt am Schema jedes Abenteuerfilms orientiert. Man wusste genau, wann ist der Held wirklich in Gefahr und wann nicht. Auch brauchte er natürlich einen Sidekick, diesmal in Form eines kleinen Jungen, den der menschenscheue Dolittle natürlich nicht bei seiner Reise dabei haben will, die das Drehbuch aber partout irgendwie an Bord kriegen musste. So wird auf konstruierteste Weise der Junge doch noch an Bord gebracht und natürlich mussten sie sich relativ schnell anfreunden. Alles irgendwo vorhersehbar. Auch im weiteren Verlauf bleibt alles auf einfachste Weise dargestellt, so dass an keiner Stelle wirklich Spannung aufkam, weil man eigentlich wusste, wie das Ganze ausgeht. Und tatsächlich wird bis zum Ende auf alle Überraschungen verzichtet.
Auch die Witze funktionieren in dem komödiantisch angelegtem Abenteuerfilm nur sehr selten. Am Anfang werden noch versucht ein paar running gags einzuführen, wie ein Eichhörnchen, das auf Rache schwört. Doch auch diese werden nicht konsequent durchgehalten und sind bereits in der Mitte des Films wieder vergessen.
Robert Downey Jr. versucht durch sein Spiel dem Film dann noch irgendetwas zu geben. Leider spielt er da gegen ein grottiges Drehbuch an, das er mit seinem verzweifelten Overacting auch nicht mehr retten konnte. Ihm gegenüber steht ein Michael Sheen, der eigentlich perfekt für die Rolle scheint, nur leider ist die Rolle noch plumper geschrieben, als alle anderen. Auch hier versucht Sheen zu retten, was zu retten ist, kann aber wenig ausrichten. Harry Collett als Tommy Stubbins scheint sowieso nur reingeschrieben worden, um alle Abenteuer noch einmal mit einem kindlichen Staunen zu versehen. Als ob der Zuschauer noch eine Anleitung bräuchte, wann er Staunen soll und wann er um seine Helden zittern soll. Oh und natürlich um durch enge Gitter zu kommen. Denn eigentlich funktionieren die Tiere als Helfer Dolittles. Wenigstens hier wird versucht unterschiedliche Charaktere einzuführen und einige funktionieren dabei auch. Am genialsten ist wohl der Tiger mit Mutterkomplex. Dies war dann auch die einzige Szene, die mir wirklich gefallen hat, die überraschend und spannend war und sich auf ein paar gute Dialoge verstand, die einem wirklich mal zum lachen brachten.

Das Fazit

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle hat viel versprochen und wenig gehalten. Plumpe Charaktere treffen auf vorhersehbare Handlung, die eigenen running gags werden vergessen auszuspielen und irgendwo fehlt es dem Film einfach an allem. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle läuft seit dem 30.01.2020 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: Bombshell

Ein Vorwort

Die #metoo Debatte ist zwar etwas abgeflaut, aber trotzdem nicht minder wichtig. Pünktlich zu einer Oscarverleihung, in der wieder jede Regisseurin übergangen wurde, kommt ein Film über den Skandal der sexuellen Belästigung bei FOX News.

Die Handlung

Gretchen Carlson (Nicole Kidman), Moderatorin bei FOX News, verklagt den CEO des Senders, Roger Ailes (John Lithgow) wegen sexueller Belästigung. Die Frage ihrer Anwälte ist nun, ob sich weitere Frauen melden, die ihre Geschichte bestätigen können. Zum Beispiel Megyn Kelly (Charlize Theron) das Aushängeschild des Senders, oder die ambitionierte Kayla Pospisil (Margot Robbie).

Meine Meinung

Bombshell trägt den passenden Beititel „Das Ende des Schweigens“. Denn viele der betroffenen Frauen haben am Ende Verschwiegenheitserklärungen unterzeichnet und können so ihre eigene Geschichte nicht mehr erzählen. Dies wird jedoch umgangen, in dem beispielsweise die fiktive Rolle der Kayla, gespielt von Margot Robbie, eingeführt wurde, um eben all diesen Frauen eine Stimme zu geben. Dies hat sich niemand geringeres als Drehbuchautor Charles Randolph auf die Fahne geschrieben, der an ähnlichen anklagenden Projekten mitgearbeitet hat, wie The Big Short. Regie übernahm Jay Roach, der vielen durch die Austin Powers Filme bekannt sein dürfte, in der Vergangenheit aber auch ernstere Filme, wie Trumbo, gemacht hat.
Randolph verzichtet hier jedoch fast gänzlich auf die charakterisierenden Erklärungen aus den eben genannten Projekten. In The Big Short wird es durch eine Off-Stimme gemacht mit prominenten Einschüben in ungewöhnlichen Szenen. In Bombshell erzählt uns Protagonistin Megyn Kelly (Charlize Theron) noch die wichtigsten Infos. Wie ist das Gebäude von Fox News aufgeteilt, welche Aufgabe hat Roger Ailes, was hat es mit den durchsichtigen Tischen auf sich. Danach wird genau darauf verzichtet. Und genau hier liegt das Hauptproblem von Bombshell. Der Zuschauer wird mit einer Sturmflut von Namen und Personen überrollt, dass man sie sich einfach nicht merken kann. In Erinnerung bleiben lediglich die aus dem Trailer bekannten Rollen von Kidman, Robbie, Theron und Lithgow. Eine Allison Janney oder eine Kate McKinnon erkennt man durch die prominente Besetzung zwar noch wieder, doch könnte ich beim besten Willen nicht mehr sagen, wie ihre Rollen hießen. Und während man noch die ganzen Charaktere verarbeitet und sich wieder fragt, wer war das nochmal und welche Funktion hatte die nochmal, beginnt die Geschichte an sich. So tauchen am Ende Figuren auf, die einem am Anfang einmal vorgestellt wurden, von denen man aber zu dem Zeitpunkt einfach nicht mehr weiß, wie die in das Bild passen. Garniert wird das ganze dann noch mit mehreren Zeitsprüngen, die zwar versucht wurden auf einer Zeitlinie darzustellen, die dem Zuschauer aber auch wenig hilft. Wirklich erkennbar, wie viel Zeit vergangen ist, erkennt man eher an Therons Frisur.
Und das der Film die Zuschauer durch die verwirrend erzählte Handlung so verliert, ist bei diesem Film absolut schade. Denn Bombshell hat nicht nur ein wichtiges Thema zu erzählen, sondern auch ein erschütterndes. Dabei sind es gerade die kleinen Szenen, die einen tief treffen. Wenn eine Gruppe von Moderatorinnen sich ankleiden und sich dabei, trotz eigentlich perfekter Figuren, noch in Shapewear pressen müssen und durch die hohen Schuhe sich bereits Blasen blutig gelaufen haben und diese mit einem einfachen Pflaster überdecken, um sofort wieder auf Sendung sein zu können, dann prangert das mehr an, als nur einen Roger Ailes. Aber genau solche Momente werden einfach übergangen und mit der Haupthandlung weitergemacht.
Vor allem die Rolle von Charlize Theron wird hier in den Vordergrund gerückt. Am Anfang ist sie noch die taffe Frau, die sich mit Donald Trump als Präsidentschaftskandidat anlegt, nach einem Jahr Dauerkritik aus Reihen der Republikaner, ist sie so fertig, dass sie nachgiebig wird, einfach nur damit sie wieder ihre Ruhe kriegt. Und genau in dieser Zeit soll sie die Entscheidung fällen, ob sie sich Gretchen anschließt und ebenfalls aussagt. Diese innere Zerissenheit spielt Theron grandios. Auch Margot Robbie als Kayla, die symbolisch für alle betroffenen Frauen steht, spielt ihre Rolle, hin- und hergerissen zwischen Ekel vor sich selbst und Karrierewunsch, absolut sehenswert. Lediglich Nicole Kidman als Gretchen bleibt ein wenig blass, was aber auch an ihrer relativ geringen Screentime liegen könnte.
So bleibt Bombshell weit hinter seinen Möglichkeiten, versteckt sich hinter starken Darstellerinnen und vielen guten kleinen Momenten, schafft es aber nicht das große und ganze zusammenhängend zu erzählen und den Zuschauer bei der Stange zu halten. Schade um das Thema, das doch leider so wichtig ist.

Das Fazit

Bombshell – das Ende des Schweigens blickt nicht nur hinter einen Skandal der sexuellen Belästigung, sondern geht thematisch noch tiefer. Leider wird sich für die kleinen wichtigen Momente zu wenig Zeit genommen und der Zuschauer so sehr mit Charakteren und Zeitsprüngen zugeschüttet, das wenig im Gedächtnis bleibt. Hier wäre weit mehr möglich gewesen. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Bombshell läuft seit dem 13.02.2020 in den deutschen Kinos.

Enkel für Anfänger

Ein Vorwort

Trailer werden gemacht, um den Zuschauer zu zeigen, was ihm im gezeigten Film erwarten könnte und vor allem um die Lust am Kinobesuch für den Film anzuregen. Doch Trailer können auch tückisch sein. Entweder verraten sie schon viel zu viel, oder zeigen, gerade bei Komödien, bereits die besten Szenen vorab. Und manchmal teasern sie einen Film an, der eigentlich eine ganz andere Richtung einschlägt. Warum Enkel für Anfänger eigentlich gar keine Komödie ist, wie im Trailer angedeutet, als Drama aber doch funktioniert, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Karin (Maren Kroymann) ist ihrem Mann zu Liebe in Frührente gegangen und langweilt sich nun zu Hause zu Tode, zumal ihr Mann die versprochene Reise doch nicht antreten will. Als ihre Schwägerin Phillipa (Barbara Sukowa) sie überredet sich auch für „Enkeldienst“ anzumelden, bei dem einen ein Patenenkel zugeteilt wird, stimmt sie trotzig zu. Auf dem Weg trifft sie einen alten Bekannten Gerhard (Heiner Lauterbach), der eigentlich nur die Asche seines toten Hundes verstreuen will, den sie kurzerhand auch zum Enkeldienst anmeldet. Auf die drei Paten warten allerhand Zerstreuungen.

Meine Meinung

Wäre Enkel für Anfänger die Komödie, die der Trailer angedeutet hat, dann hätte der Film hinten und vorne nicht funktioniert. Die Witze sind dafür zu kurzlebig, werden nicht richtig ausgespielt und sind oftmals auch einfach sehr platt oder leben von Vorurteilen bzw. Klischees. Doch Regisseur Wolfgang Groos schafft es unter der Komödie ein Drama zu verstecken. Denn hinter jedem Paten steckt eine traurige Geschichte, mit der sie im Laufe des Filmes aufräumen müssen, ohne sich jedoch komplett zu wandeln.
So haben wir zum Beispiel Karin, die einen Großteil ihres Arbeitsleben sich auf die Rente gefreut hat, weil ihr Mann dann endlich mit ihr nach Neuseeland reisen wollte. Doch dieser ist eigentlich ganz glücklich in ihrem eingespielten Leben, baut lieber an seiner Modelleisenbahn rum und genießt die Ruhe. Außerdem sei Neuseeland viel zu teuer und vielleicht brauchen sie irgendwann mal einen Treppenlift. Gleichzeitig bereut Karin es, niemals Kinder bekommen zu haben.
Ihre Schwägerin Phillipa hingegen liebt das einfache Leben. Ihr Zuhause ist ein Bauwagen und sie geht gerne ganz locker mit den Kindern um. Erst nach und nach erfährt man, dass sie eine eigene Tochter und auch eine eigene Enkelin hat, aber der Kontakt abgebrochen ist. Mit dem Enkeldienst versucht sie die Lücke zu füllen.
Gerhard hingegen ist schwul und konnte daher nie Kinder bekommen, hatte aber auch nie Ambitionen dazu. Da sein Mann bereits gestorben ist, und nun ganz frisch auch sein Hund, fühlt er sich zunehmend einsamer. Zunächst ist er gar nicht glücklich Karin wieder über den Weg gelaufen zu sein und dann auch noch zum Patenenkel gedrängt wurde.
Enkel für Anfänger ist immer dann besonders stark, wenn er möglichst wenig sagt. Wenn er einfach nur auf die drei Paten hält und man ihnen die Einsamkeit in jeder Pore anmerkt und wie sehr sie die Enkel verändern, ohne das sie je ihre Persönlichkeit komplett wenden. Gerhard ist am Ende immer noch ein wenig miesepetrig, aber hat sich doch weiter entwickelt.
So sind es gerade die ungewöhnlichen Beziehungen zwischen Paten und Enkel, die den Film spannend machen. Eigentlich wartet man nur auf die große Katastrophe, da der Film doch sehr simpel nach dem gängigen Dramenaufbau konzipiert wurde. Doch entstehen auch zwischendurch immer wieder Situationen, die der Zuschauer erst einmal verdauen muss. Wenn Gerhard zum Beispiel als Pädophiler hingestellt und von der Polizei mitgenommen wird, dann ist das unfassbar erschreckend, zeigt aber leider auch irgendwo ein Stück Realität, versteckt hinter ein paar Witzen. Die Tragweite vieler kleiner Andeutungen wird dem Zuschauer wohl erst am Ende noch einmal richtig bewusst. So ist der Film eigentlich sehr intensiv, versucht sich aber doch immer noch hinter ein paar Witzen zu verstecken und erzeugt eine so doch grundsätzlich heitere Stimmung. Neben vielen sehr ernsten Ansätzen über Einsamkeit und überforderte Eltern, gibt es dann natürlich auch übertriebene Klischees. Gerade die Ökoeltern sind so übertrieben und überfürsorglich dargestellt, dass Themen, wie Bioernährung wieder heruntergespielt werden.

Das Fazit

Enkel für Anfänger ist ein gutes Drama, das sich hinter einer schlechten Komödie verbirgt. Grundsätzlich versucht er es mit guter Laune zu erzählen, schafft es aber gerade in den kleinen ernsten Momenten sich von der breiten Masse abzuheben. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Enkel für Anfänger läuft seit dem 06.02.2020 in den deutschen Kinos.

Cinemathek: Porträt einer jungen Frau in Flammen

Ein Vorwort

Die Kategorie Cinemathek scheint bei mir ziemlich eingeschlafen. Da sie zeitgleich mit der Sneak Preview läuft, mich nicht alle Filme interessieren und ich nebenbei auch noch im Schichtdienst arbeite, fällt es mir zusehens schwerer die Cinemathek einzubauen. Doch vergangenen Montag hat es wieder geklappt. Warum mich Porträt einer jungen Frau in Flammen faszinieren konnte, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

1770. Die Malerin Marianne (Noémie Merlant) reist auf eine abgelegene Insel. Sie hat den Auftrag bekommen, die jungen Héloïse (Adèle Haenel) zu portraitieren, damit das Portrait ihrem Versprochenen zugesandt werden kann. Dies muss sie jedoch im Geheimen tun, da sich Héloïse weigert sich malen zu lassen. Doch schon bald entsteht eine ganz besondere Verbindung zwischen den beiden Frauen.

Meine Meinung

Eigentlich hatte ich den Film gar nicht auf dem Schirm, da ich französischen Filmen immer noch kritisch gegenüberstehe, vor allem wenn sie sich abseits der größeren Komödien bewegen. Zumal Regisseurin Céline Sciamma sich für das Drehbuch von „Mit Siebzehn“ verantwortlich zeigte, der mir relativ wenig zusagte. In „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ schrieb Sciamma nicht nur das Drehbuch, sondern übernahm auch die Regie. Das sie nun mit ähnlichen Stilmitteln mich absolut mitreißen konnte, liegt vor allem daran, dass diesmal ausdrucksstärkere Darsteller gewählt wurden, die es schaffen den wenigen Dialogen die nötige Bedeutung beizumessen und in den Momenten, in denen sie nichts sagen, allein durch Blicke und kleine Gesten doch so viel zu sagen.
Genau davon lebt Porträt einer jungen Frau in Flammen. Denn die Handlung lässt sich in wenigen Sätzen komplett zusammenfassen. Auch die Dialoge sind sehr reduziert und sagen nur das absolut notwendigste. Dabei sind die beiden schweigsamen Frauen jeder für sich absolut faszinierend. So sind beide mit wenigen Sätzen komplett charakterisiert, bewegen sich aber frei über diese Grenzen ihrer Persönlichkeit hinweg und beweisen immer wieder, dass unter der Fassade so viel mehr brodelt. Für die Rollen sind Merlant und Haenel perfekt gecastet. Ihre Anziehung wirkt absolut echt und sie können in kurz ausgetauschten Blicke so viele Emotionen stecken, dass sie damit mehr sagen, als mit tausend Worten. Dies führt dazu, dass in Szenen, in denen sich die beiden Damen annähern, so viel Erotik steckt, obwohl sie sich nur kurz ansehen oder kurz küssen. Damit kann kaum ein Film mithalten, egal wie viel mehr und wie viel freizügiger sich manche Filme zeigen. Hier wird eine Anziehungskraft entfesselt, die sich unweigerlich auf den Zuschauer überträgt.
Hinzu kommt, dass der Film beinahe gänzlich auf musikalische Untermalung verzichtet. Was zunächst unvorstellbar wirkt, wird durch die Geräusche der Kulissen, sei es das Kratzen des Pinsels beim Malen, das Knistern eines Feuers oder die Wellen, die gegen die Klippen schlagen, wett gemacht. Hier liegt die Faszination in der Schlichtheit der stilistischen Mittel. Auch die Kostüme wurden auf ein Minimum reduziert, ebenso die vorkommenden Charaktere. Ebenfalls wird auf ein großes Szenenbild verzichtet. Stattdessen sind es gerade die einsamen Klippen, die kleine sandige Bucht oder das große, aber einsam wirkende, Haus, die dem Film eine einzigartige Ausgangsbasis geben. Die französische Halbinsel Quiberon an der Bretagne ist damit auch zu einem möglichen Urlaubsziel für mich geworden.

Das Fazit

Porträt einer jungen Frau in Flammen ist ein sehr reduzierter Film, der jedoch in seiner Schlichtheit eine hohe Aussagekraft hat und den Zuschauer durchgehend an die Leinwand fesselt, was vor allem an den beiden sehr guten Hauptdarstellerinnen liegt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Porträt einer jungen Frau in Flammen lief ursprünglich ab dem 31.10.2019 in den deutschen Kinos.

Die 92. Academy Awards – Die Nominierten

Erstaunlich früh diesmal, aber dennoch ist es bereits wieder soweit. Die Oscarverleihung steht bevor. Im 92 Jahr der Verleihung werden wieder Filme aus dem Jahr 2019 ausgezeichnet. Hier soll es nun eine Übersicht über die Hauptnominierten geben. Wenn ich bereits eine Kritik verfasst habe, verlinke ich sie hier. Über alle Filme, die ich in der letzten Woche noch schnell nachgeholt habe, findet ihr hier eine Kurzkritik.

Joker

Nominiert für: Bester Film, beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Hauptdarsteller, Beste Kamera, Bester Schnitt, Bester Tonschnitt, Bester Ton, Beste Filmmusik, Bestes Make-up und Frisuren, Bestes Kostümdesign

Die Handlung: Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) lebt zusammen mit seiner Mutter in einer schmutzigen kleinen Wohnung und versucht mit Clown-Jobs über die Runden zu kommen. Zu kämpfen hat er mit einem schmalen Selbstbewusstsein und einer psychologischen Erkrankung, die ihn in den unpassendsten Momenten laut auflachen lässt. Sein Leben besteht immer wieder aus Rückschlägen und Erniedrigungen, bis er eine zweite Identität in der Rolle eines gefährlichen Clowns entdeckt. Der Wandel zum Joker steht bevor.

Meine Meinung: findet ihr ausführlich in meiner Kritik.

Das Fazit: Joker überzeugt in Inszenierung und mit seinem grandiosen Hauptdarsteller. Dennoch bietet er Diskussionsmaterial in positiver und negativer Weise.

1917

Nominiert für: Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch, Beste Kamera, Bester Tonschnitt, Bester Ton, Bestes Szenenbild, Beste Filmmusik, Bestes Make-up und Frisuren, Beste visuellen Effekte

Die Handlung: Lance Corporal Tom Blake (Dean-Charles Chapman) und Lance Corporal William Schofield (George McKay) werden zum General (Colin Firth) beordert. Dieser hat den wichtigen Auftrag die beiden zu Colonel Mackenzie zu schicken, um den bevorstehenden Angriff abzublasen, da es sich um einen Hinterhalt der Deutschen handelt. Dafür müssen sie durch Niemandsland. Da Blakes Bruder in der Einheit Mackkenzies ist, ist er sehr motiviert den Auftrag auzuführen.

Meine Meinung: findet ihr ausführlich in meiner Kritik.

Das Fazit: 1917 ist ein von der Grundidee her sehr undramatischer und realistisch gehaltener Kriegsfilm, der aber gerade durch den Realismus bestürzt und dadurch lange im Gedächtnis bleibt.

The Irishman

Nominiert für: Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Nebendarsteller (2x), Beste Kamera, Bester Schnitt, Bestes Szenenbild, Bestes Kostümdesign, Beste visuellen Effekte

Die Handlung: Der Ire Frank Sheeran (Robert de Niro) gelangt in den 1950er Jahren auf den Radar der Bufalino-Familie, einer Mafia Familie in Pennsylvania. Dort lernt er den Oberhaupt Russell (Joe Pesci) kennen. Über ihn wird er zum Leibwächter des Gewerkschaftsführers Jimmy Hoffa (Al Pacino).

Meine Meinung: findet ihr ausführlich in meiner Kritik.

Das Fazit: The Irishman ist mit 209 Minuten sehr lang. Dennoch besticht er über die gesamte Länge mit spannenden Elementen, guten Darstellern und einer einmaligen Optik. Für das optimale Sehvergnügen sollte man jedoch ein Liebhaber von Mafiageschichten sein. Denn wer vorher damit nichts anfangen konnte, kann es auch nach The Irishman nicht.

Once upon a time in Hollywood

Nominiert für: Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch, Bester Hauptdarsteller, Bester Nebendarsteller, Beste Kamera, Bester Tonschnitt, Bester Ton, Bestes Szenenbild, Bestes Kostümdesign

Die Handlung: 1969. Rick Dalton (Leonardo diCaprio) war in den 1950er Jahren mit der Westernserie Bounty Law sehr erfolgreich, bekommt aber kaum noch vernünftige Rollenangebote und fürchtet daher um seine Karriere. Sein Stuntdouble Cliff Booth (Brad Pitt) ist als bester Freund stets an seiner Seite und verrichtet für ihn auch außerhalb des Sets viele Arbeiten. Zeitgleich ziehen gegenüber von Dalton Roman Polanski und Sharon Tate (Margot Robbie) ein. Während Dalton einen Tag am Set verbringt und Tate sich ihren eigenen Film im Kino ansieht, begegnet Booth der Manson-Familie.

Meine Meinung: findet ihr ausführlich in meiner Kritik.

Das Fazit: Once upon a time in Hollywood ist eine gelungene Momentaufnahme des Lebens in Hollywood, mit wenig Handlung und wenig Bezug zu den Manson-Morden. Wer sich damit anfreunden kann, bekommt einen gewohnt hochwertigen Tarantinofilm, der einmal mehr beweist, dass Tarantino sein Handwerk versteht.

Jojo Rabbit

Nominiert für: Bester Film, Beste Nebendarstellerin, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Schnitt, Bestes Szenenbild, Bestes Kostümdesign

Die Handlung: Johannes „Jojo“ Betzler (Roman Griffin Davis) ist ein Hitlerjunge während des zweiten Weltkriegs. Sein imaginärer bester Freund ist niemand geringeres als Adolf Hitler (Taika Waititi). Doch eines Tages muss er entdecken, dass seine Mutter ein jüdisches Mädchen versteckt.

Meine Meinung: Jojo Rabbit ist ein Film, bei dem ich die ersten 10-20 Minuten überlegen musste, ob ich wirklich darüber lachen möchte. Doch der Film schafft es ziemlich schnell klar zu machen, dass in jedem Witz auch ein Stück Kritik steckt, so dass eigentlich niemand den Film in seiner Aussage missverstehen kann. Und so schaut man amüsiert dem fröhlichen Treiben in der Hitlerjugend zu. Schnell bekommt man auch ein Gefühl, wieso damals so viele begeistert in solchen Camps dabei waren. So schafft es Taika Waititi neben der Kritik am damaligem System und Glauben und vorallem am Holocaust, eine lustige, aber auch dramatische Geschichte zu erzählen. Vor allem die Gespräche zwischen Jojo und Elsa, wo also Hitlerjunge auf Jüdin trifft, zeigen, wie Vorurteile auf Realität treffen und wie man diese überwinden kann. Während die erste Hälfte noch überwiegend durch witzige Einspieler geprägt ist, vor allem Sam Rockwell und Alfie Allen sorgen für einigen Witz, ist die zweite Hälfte durchaus dramatischer und sorgt für so mache Träne. Es ist aber vor allem Scarlett Johannson, die hier auftrumpft. Die innere Zerissenheit zwischen Mutterliebe und Nächstenliebe macht sich in vielen kleinen Gesten bemerkbar.

Das Fazit: Jojo Rabbit ist einer dieser Filme, die die Nazizeit und den zweiten Weltkrieg mit einer guten Portion Humor nehmen, aber dennoch in jeder einzelnen Szenen die Kritik an der damaligen Zeit und vor allem der damaligen Ideologie spüren lässt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Little Woman

Nominiert für: Bester Film, Bestes adaptiertes Drehbuch, Beste Hauptdarstellerin, Beste Nebendarstellerin, Beste Filmmusik, Bestes Kostümdesign

Die Handlung: Jo March (Saoirse Ronan) wächst mit ihren drei Schwestern in ärmlichen Verhältnissen auf. Schon früh ist es ihr größter Wunsch Schriftstellerin zu werden. Doch Mitte des 19. Jahrhunderts ist es für Frauen schwierig Geld zu verdienen. Dennoch versucht Jo gegen die strengen Konventionen zu rebellieren.

Meine Meinung: Es gibt Filme, die erzählen eine tiefgründige Geschichte, benötigen viel Action, um durchgehend Spannung zu erzeugen oder hochdramatische Szenen. Und es gibt Filme, die sind in ihrer Schlichtheit einfach nur schön. Genau so einer ist Little Woman. Eine kurze und knackige Handlung aber getragen von vier absolut faszinierenden Schwestern und deren freundlicher Mutter. Irgendwo versteckt eine gute Portion Feminismus, aber doch eine Hommage an die Liebe und das auf so vielen Arten. Es ist die Art Film, die man eigentlich mit einem permanenten Lächeln schauen möchte. Und trotz seiner Schlichtheit ist er durchaus durchgehend spannend. Greta Gerwig mit ihrem zweiten Regiewerk zeigt einmal mehr, wie viele Feinheiten sie in einfachste Szenen stecken kann. Betragen wird der Film, wie bereits Lady Bird, durch eine grandiose Saoirse Ronan. An ihrer Seite ein unterschütterlicher Timothée Chalamet. Auch der übrige Cast rund im Laura Dern und Florence Pugh spielt gut, nur Emma Watson schwächelt in einzelnen Szenen und verbirgt sich hinter einem zu gewollten Spiel. Auch die genutzten Zeitsprünge sind – bis auf eine Ausnahme gegen Ende – gut gesetzt und auch verständlich gezeigt.

Das Fazit: Little Woman ist trotz reduzierter Inszenierung ein Film, der tief ins Herz geht. Durch liebevolle Charaktere und ein Schwesterband, das unerschütterlich scheint, braucht es kaum Drama, um einen einfach nur schönen Film zu inszenieren. Dafür gibt es 10 von 10 möglichen Punkten.

Marriage Story

Nominiert für: Bester Film, Bestes Originaldrehbuch, Bester Hauptdarsteller, Beste Hauptdarstellerin, Beste Nebendarstellerin, Beste Filmmusik

Die Handlung: Charlie (Adam Driver) und Nicole (Scarlett Johannson) wollen sich scheiden lassen. Was zunächst nach einer einvernehmlichen Sache aussieht, eskaliert relativ schnell, sobald sich die Anwälte einmischen.

Meine Meinung: Marriage Story ist ein ruhig inszenierter Film, der in vielen Szenen einfach nur von der Aussagekraft seiner beiden Protagonisten lebt. Denn oftmals bleibt die Kamera einfach an deren Gesichter kleben und lässt sie ihre gesamte Gefühlswelt heraustragen. Dabei ist die Geschichte so aus dem alltäglichen Leben gegriffen, dass es fast schon erschreckend scheint. Denn während sich Charlie und Nicole irgendwo noch lieben, können sie doch ihre Lebensziele nicht mehr in Einklang bringen. Die Scheidung wird jedoch durch das Einmischen der Anwälte schnell kompliziert. Nicoles Anwältin sagt ihr immer wieder, dass sie um eher nebensächliche Sachen kämpfen, damit sie wieder andere Sachen herausschlagen können, wenn sie nachgeben. Jedoch ist vor allem das Sorgerecht um den gemeinsamen Sohn das Thema, das beiden Elternteilen alles abgewinnt. Hier werden die schlechten Seiten des Scheidungsrechts gezeigt. Und obwohl es ein Film um eine schlimme Scheidung ist, ist es doch ein Film, der die Liebe bejubelt. Mit 137 Minuten ist Marriage Story leider zu lang für das zu erzählende Thema und verrennt sich zwischenzeitlich in zu vielen kleinen Szenen. Mit ein paar Kürzungen wäre der Film durchaus knackiger und würde so die Längen aussparen. Letztlich ist bei mir leider trotz eines guten Drehbuchs mit starken Dialogen und guten Darstellern der letzte Funke nicht übergesprungen. Ich kann nicht wirklich benennen, was mir nicht so gut gefiel, nur das mir noch irgendetwas gefehlt hat.

Das Fazit: Marriage Story ist ein aus dem Leben gegriffener Film, was ihn nur noch erschreckender macht. In vielen ruhigen Szenen schaffen es vor allem die Hauptdarsteller die Liebe hochzuhalten. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Parasite

Nominiert für: Bester Film, Beste Regie, Bester internationaler Film, Bestes Originaldrehbuch, Bester Schnitt, Bestes Szenenbild

Die Handlung: Familie Kim lebt in ärmlichen Verhältnissen. Als ein guter Freund des Sohnes Ki-woo (Choi Woo-shik) ihm seine Stelle als Nachhilfelehrer bei einer reichen Familie anbietet, stimmt er zu. Nach und nach hilft er auch seiner restlichen Familie zu Jobs bei Familie Park.

Meine Meinung: Wirklich viele koreanische Filme habe ich noch nicht gesehen, aber es scheint ein beliebtes Mittel zu sein möglichst viele Genres zu mischen. So auch bei Parasite, der in der ersten Hälfte geprägt ist von der Milieustudie und dem Unterschied zwischen Arm und Reich. Doch nach und nach kommen Drama, Thriller und teilweise auch Horrorelemente dazu. Tatsächlich lebt der Film aber davon, dass man über die zweite Hälfte möglichst wenig weiß und die Veränderungen sind auch am Verhalten des Publikums zu spüren. Letztlich muss man sich einfach auf den Film einlassen, denn er weiß durchaus zu überraschen, sich in seiner Gesellschaftskritik aber treu zu bleiben. Von allen Darstellern stark gespielt, dreht er sich aber irgendwann so ins Extreme, dass ich nicht mehr weiß, was ich letztlich von dem Film halte. Hervorzuheben ist jedoch, dass er inszenatorisch sehr viel richtig macht. Sei es durch die Filmmusik, die an keiner Stelle das kommende hervorhebt, als auch der Kontrast durch das Setdesign, der die Arm und Reich Komponente noch einmal unterstützt.

Das Fazit: Parasite ist ein Film, der verschiedene Genres vermischt und doch eine deutliche Systemkritik spüren lässt. Stellenweise sehr extrem inszeniert, kommt er mit einer starken ersten Hälfte und einer überraschenden zweiten Hälfte daher. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Le Mans 66

Nominiert für: Bester Film, Bester Schnitt, Bester Tonschnitt, Bester Ton

Die Handlung: Der ehemalige Rennfahrer Carroll Shelby (Matt Damon) wird von Ford beauftragt ein Auto zu bauen, das Ferrari beim Le Mans Rennen schlagen kann. Während Shelby dafür seinen Freund Ken Miles (Christian Bale) als Fahrer hinzuholt, hat Fords Marketingteam andere Fahrer im Sinn.

Meine Meinung: findet ihr ausführlich in meiner Kritik.

Das Fazit: Le Mans 66 schafft es selbst den größten Autorennenmuffel abzuholen und mitzureißen. Durch die Verteilung der Handlung auf mehrere Gruppen, wird der Zuschauer stark miteingebunden. Bis auf zwei kleine Kritikpunkte kann der Film einfach nur begeistern.

Bombshell – das Ende des Schweigens

Nominiert für: Beste Hauptdarstellerin, Beste Nebendarstellerin, Bestes Make-up und Frisuren

Die Handlung: Die Nachrichtenbranche ist hart umkämpft. Doch als Gretchen Carlson (Nicole Kidman) gegen den Chef von Fox News Roger Ailes (John Lithgow) vorgeht, bleibt die Frage, wer ihr zur Seite steht. Ein Kampf gegen die verdorbene Männerkultur beginnt.

Meine Meinung: kann ich euch leider nicht präsentieren, da der deutsche Filmstart am 13.02.2020 ist und damit nach der Verleihung.

Star Wars – Der Aufstieg Skywalkers

Nominiert für: Beste visuelle Effekte, Beste Filmmusik, Bester Ton

Die Handlung: Kylo Ren (Adam Driver) führt inzwischen die Erste Ordnung an. Auf seiner Suche durch die Galaxis findet er den totgeglaubten Imperator Palpatine. Dieser hat Schiffe und eine Armee bereit, um den Widerstand endgültig zu brechen und die gesamte Galaxie zu unterwerfen. Rey (Daisy Ridley) übt unterdessen an ihren Jedi-Fähigkeiten.

Meine Meinung: findet ihr ausführlich in meiner Kritik.

Das Fazit: Star Wars – Episode 9 – Der Aufstieg Skywalkers ist die logische Konsequenz aus den vorangegangenen Teilen. Die Schwächen resultieren aus den Schwächen der Vorgänger. Letztendlich schafft er aber die Balance zwischen Erwartetem und Überraschendem und bringt die komplette Saga zu einem runden und logischen Ende.

Die zwei Päpste

Nominiert für: Bester Hauptdarsteller, Bester Nebendarsteller, Bestes adaptiertes Drehbuch

Die Handlung: Kardinal Bergoglio (Jonathan Pryce) hat sein Rücktrittsscheiben bei Papst Benedict XIV. (Anthony Hopkins) eingereicht, da er mit einigen Entscheidungen nicht einverstanden ist und lieber als regulärer Gemeindepriester arbeiten möchte. Doch anstatt zu antworten, lädt der Papst ihn zu einem vertraulichen Gespräch ein. Darin geht es um Rücktritt, den Glauben an Gott und was einen Papst ausmacht.

Meine Meinung: Die zwei Päpste basiert auf einer wahren Begebenheit und zeigt zunächst die deutlichen Unterschiede in der Ansicht von Benedict XIV. und dem aktuellen Papst Franziskus, der zu dem Zeitpunkt noch Kardinal Bergoglio war. Auch als nicht-gläubiger Mensch und als Ablehner des Papsttums, hat man seine Freunden an diesem Film, da er mit zwei unglaublich guten Schauspielern bestückt in seiner Schlichtheit glänzt. Denn der Film trägt sich über 126 Minuten hauptsächlich durch Dialoge zweier Männer, die sich augenscheinlich erst einmal nichts zu sagen haben. Dabei sind die Dialoge so auf den Punkt gebracht und gleichzeitig so tiefgründig, dass man den Film auch als Podcast hätte inszenieren können und es wäre immer noch spannend gewesen. Doch stattdessen finden sich die Protagonisten an den schillernsten und auch an den schlichtesten Orten des Vatikans wieder. Spannend ist vor allem die gegensätzlichen und doch irgendwo gleichen Meinungen des konservativen Benedicts und des reformhungrigen Franziskus zu sehen. Dabei sind vor allem die Feinheiten in den Unterschieden so unscheinbar und doch so unübersehbar herausgearbeitet, dass es ein Spaß ist genau diese zu entdecken. Auch wenn einige Aspekte nur angeschnitten werden und nicht zu Ende erzählt werden – zum Beispiel das Thema Missbrauch in der Kirche – bekommt man doch einen guten Einblick in die Rücktrittsgründe Benedicts.

Das Fazit: Die zwei Päpste lebt von einem starken Drehbuch und den lebendig rübergebrachten Dialogen zwischen Jonathan Pryce und Anthony Hopkins, die sich im Spiel beide nichts nehmen. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Rückblick auf den Januar 2020

Und da ist der erste Monat 2020 auch schon wieder vorbei. Abgesehen davon, dass ich Geburtstag hatte und schon wieder näher an die 30 gerückt bin, fing das Jahr auch gleich schon mit einem Highlight an: Ich habe es nach fünf Jahren endlich wieder geschafft, ein Sabaton-Konzert zu besuchen. Mit ihrer Tour zum Album Great War haben sie sich musikalisch einmal mehr mit dem ersten Weltkrieg auseinander gesetzt.

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Ansonsten geht es hier wieder einmal kurz um meinen medialen Januar. Die ersten Anfänge für die bevorstehenden Academy Awards merkt man bereits, der Großteil wird jedoch wieder auf den Februar entfallen.

Sneak Preview

1917: Mitten im ersten Weltkrieg werden zwei Soldaten losgeschickt, um den Befehl eines abgesagten Angriffes zu überbringen. Dafür riskieren sie ihr eigenes Leben. Der Film brilliert vor allem durch die Kameraeinstellungen, die den Zuschauer immer mitten im Geschehen vermuten lässt. Darüber hinaus ist er sehr realitätsnah und undramatisch gehalten.

21 Bridges: Manhatten verbindet 21 Brücken mit dem Festland. Nach einem gescheiterten Drogendeal und mehreren toten Polizisten, wird die Insel abgeriegelt. Leider nutzt der Film seine Möglichkeiten nicht und erzählt einen Thriller nach Schema F. Damit kommt er aber aus der Mittelmäßigkeit nicht hinaus.

Anime Special

Weathering with You: Der Nachfolger des wunderbaren Your Name. befasst sich mit einer nicht enden wollenden Regenzeit in Tokyo und einem Mädchen, das durch Gebet die Sonne für kurze Zeit hervorlocken kann. Ein schöner Coming-of-age Film mit fantastischen Elementen. Kommt nicht an den Vorgänger heran, erzählt aber trotzdem seine Geschichte.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Knives Out: Der erfolgreiche Krimiautor Harlan Thrombey wird tot aufgefunden. Die Familie findet sich zur Testamentseröffnung ein. Detektiv Benoit Blanc nutzt die Chance, um den vermeintlichen Selbstmord näher zu untersuchen. Ein Film nach feinster Agatha Christie Manie mit interessanten Charaktern, allen voran Daniel Craigs Blanc, und einer spannenden Handlung, der den Balanceakt zwischen alteingessesenem Genre und neuartiger Erzählweise geschickt meistert.

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle: Robert Downey Jr. beerbt Eddie Murphy als Arzt, der mit den Tieren sprechen kann. Als Grundidee sehr schön, leider mutiert der Film schnell zu einem 08/15 Abenteuerfilm, der somit von Anfang bis Ende vorhersehbar ist. Aufgebaute Vorlagen und running gags werden nicht genutzt und so bleibt der Film leider weit hinter seinen Möglichkeiten.

Lindenberg. Mach dein Ding: Udo Lindenberg ist inzwischen erfolgreicher deutschsprachiger Künstler, aber wie fing das eigentlich alles an? Biopic mit sehr sprunghafter Erzählweise. Wer aber gerne mehr über den Herrn erfahren möchte und kein Problem mit massenweise Zeitsprüngen hat, sollte hier einmal einen Blick wagen.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Erneut gesehen habe ich Shazam (musste ihn unbedingt meiner besten Freundin mal zeigen), The Great Wall (musste mein neues Soundsystem ausprobieren) und Meisterdetektiv Pikachu (musste den neuen Fernseher testen)

Der Sternenwanderer: Fantasiefilm über einen gefallenen Stern und einen jungen Mann, der mit dem Stern das Herz einer Frau gewinnen will. Allerdings ist er nicht der einzige, der hinter dem Stern her ist. Die erste Hälfte war tatsächlich sehr nichtssagend und hat zu viele Rollen eingeführt. Doch nach dem Auftauchen von Robert de Niro bin ich mit dem Film immer wärmer geworden.

Isn’t it romantic?: Natalie kann mit Romantik und dem ganzen Kram nichts anfangen. Romantische Komödien sind ihr zutiefst zuwider. Bis sie sich selbst in einer wiederfindet. Der Film, der alle Klischees romantischer Komödien aufgreift und sie verdreht bzw. überspitzt und so sowohl für Fans des Genres als auch für alle anderen einen absolut lustigen Film ergibt. – Netflix Original

Marriage Story: Charlie und Nicole wollen sich scheiden lassen. Eigentlich hatten sie sich auch geeinigt, wie das ganze ablaufen soll. Doch Nicole berät sich mit ihrer Anwältin, die zusammen mit Charlies Anwalt eine wilde Schlacht um alle Besitztümer und vor allem um den gemeinsamen Sohn anzettelt. Dieser Oscarkandidat zeigt nicht nur die schlimmsten Seiten einer Scheidung, sondern auch wie verkehrt das Rechtssystem sein kann. Sehr gut gespielt und mit starken Dialogen, sprang bei mir der letzte Funke nicht über, weswegen er sich für mich ziemlich gezogen hat. – Netflix Original

Crawl: Haley sucht während eines Hurrikans in Florida ihren Vater. Sie findet ihn im Keller ihres alten Hauses, verletzt. Beim Versuch ihn zu retten, wird sie selbst von Alligatoren angegriffen. Eingesperrt im eigenen Haus, versuchen Vater und Tochter nun zu entkommen. Man sollte bei diesem Film nicht allzusehr auf Logik hoffen, wenn man aber sich darauf einlässt, dass Alligatoren hier blutrünstige Bestien sind und trotzdem eher kleinere Wunden verursachen, dann hat man mit diesem Film durchaus einen nervenzerrenden spannenden Katastrophenfilm.

Hereditary: Nach dem Tod der Mutter scheint ihr Geist noch immer im Haus der Familie Graham zu wohnen. Und während vor allem Mutter Annie immer hysterischer wird, wird es noch dramatischer im Hause Graham. Ein Film, der wohl für Horrorliebhaber funktioniert, mich aber nicht abholen konnte. Gerade Toni Collette in beinahe Dauerhysterie wird auf Dauer anstrengend.

Juliet, Naked: Tucker Crowe ist der absolute Lieblingskünstler von Duncan. Seiner Frau Annie hat er jedoch nicht mehr viel zu sagen. Nach der Trennung der beiden, trifft Annie aber ausgerechnet auf Tucker Crowe. Beide verstehen sich gut und helfen sich aus ihren festgefahrenen Leben. Ein schöner ruhiger Film über einen abgestürzten Rockstar, der sich im normalen Leben wiederfindet.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Bad boys for life: Das Wiedersehen der Bad Boys Will Smith und Martin Lawrence habe ich leider nicht mehr geschafft zu sehen.

Violet Evergarden und das Band der Freundschaft: Das zweite Animespecial diesen Monat hat sich leider mit meiner Schicht überschnitten. Die Serie Violet Evergarden habe ich aber sehr gerne gesehen und hätte mich daher über dieses Special wohl gefreut.

Serien – ein kurzer Überblick

Der Januar wurde bei mir durch Serienfinale geprägt. So lief zum einen die finale 12. Staffel von The Big Bang Theory und veranlasste mich kurzerhand zu einer Hommage. Ebenfalls lief die 12. Staffel von Bones, die noch einmal mit einem großen Knall beendet wurde. Ebenfalls traurig hat mich das Ende mit der 6. Staffel von Grace & Frankie gestimmt. Hier war es wohl besser auszuhören, ehe sie schlecht wird, aber das Ende kam mir dann doch zu plötzlich. Fortgesetzt habe ich Brooklyn 99 mit der 5. Staffel, die mich kurzweilig wieder zu unterhalten vermochte. Neu getestet habe ich Batwoman mit einer sehr attraktiven Ruby Rose in der Hauptrolle. Die erste Staffel birgt eine interessante Bösewichtin und schafft es durchweg spannend zu bleiben.

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 4
Seiten gesamt: 1.278
Seiten pro Tag: 41 im Durchschnitt
Gebundene Bücher: 1
Taschenbuch: 2
E-Book: 1

Naughty, Sexy, Love – Dive Bar Teil 3: Eric Collins ist der geborene Badboy. Doch nach einem Schicksalsschlag versucht er sich zu ändern. Dabei trifft er die attraktive Jean. Diese ist jedoch schwanger und allein. Eric will sich eigentlich fernhalten, schafft es jedoch nicht. Der Abschluss der Dive Bar Trilogie kommt mit dem unsympathisten Charakter der Vorgängerbände daher, der sich für den Leser jedoch schnell wendet. Handlung etwas konstruiert und somit schwächer als die Vorgänger, aber dennoch ein schönes Buch für zwischendurch.

James Bond 2 – Leben und sterben lassen: 007 wird in die USA gerufen. Mr. Big, ein Drogenbaron, soll endlich gestellt werden. Die Jagd führt Bond bis Jamaika. Der zweite Band der 007 Reihe ist weitaus spannender als Casino Royal, zieht sich streckenweise dennoch.

Momo: Obwohl Michael Ende einer der Autoren ist, die ich am häufigsten gelesen habe und seine unendliche Geschichte bis heute mein Lieblingsbuch ist, habe ich es bisher immer verpasst Momo zu lesen. Die Geschichte um ein junges Mädchen, das den grauen Herren, von Beruf Zeitdieben, entgegentritt, konnte mich aber auch jetzt noch in den Bann ziehen.

Puh der Bär: Die Gesamtausgabe enthält Puh der Bär und Puh baut ein Haus. Winnie Puh ist auch so eine Figur aus meiner Kindheit, die mich noch immer begleitet. Die Originalvorlage fand ich dann aber doch etwas anstrengend geschrieben und A.A. Milne misst sich wohl mit Tolkien um die Anzahl der meisten Lieder. Dennoch sind es irgendwo die Geschichten, die ich seit meiner Kindheit kannte.

Anime Special: Weathering with You

Ein Vorwort

Nach dem weltweiten Erfolg von Your Name. im letzten Jahr folgt nun ein neues Kinospecial vom japanischen Regisseur Makoto Shinkai. Nachdem der Film zunächst erneut nur an zwei Tagen entweder in der deutschen Synchronisation oder im Originalton mit Untertitel gezeigt wurde, bekam er durch den großen Zuspruch noch einmal zwei Zusatztermine in Deutschland. Ob der Film mit dem deutschen Zusatz „Das Mädchen, das die Sonne berührte“ an seinen Vorgänger heranreichen kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Der Oberschüler Hodaka Morishima ist von zu Hause fortgelaufen und findet sich in Tokyo zur Regenzeit wieder. Doch diesmal handelt es sich um eine besonders hartnäckige Regenzeit. Durch Zufall lernt er Hina Amano kennen, die allein durch Gebete das Wetter für kurze Zeit aufhellen kann. Sie machen ein Geschäftsmodell daraus, doch irgendwann merken sie, dass mit Hina etwas nicht stimmt.

Meine Meinung

Ich glaube ich sollte zur Sicherheit noch einmal vorweg erwähnen, dass ich kein Anime-Fan bin. In Your Name. bin ich eher aus Trotz gegangen, weil mein Lebensgefährte beleidigt meinte, dass ich da ja sowieso nicht mit ihm reingehen würde und er mich daher gar nicht erst fragen müsste. Nun ja, da mir Your Name. nach einer kurzen Eingewöhnungsphase am Anfang dann erstaunlich gut gefiel und ich mir dann auch das Vorgängerwerk The Garden of Words im Heimkino ansah und der mir relativ gut gefiel, war ich also umso gespannter auf Shinkais neuestes Werk.
Auch hier musste ich mich am Anfang zunächst an die Charaktere gewöhnen und der Film braucht auch relativ lange, um zum eigentlichen Thema zu kommen. Sobald er diesen erreicht hat, nimmt er aber schnell Fahrt auf und zeichnet sich wieder durch die Kombination aus Coming-of-Age Geschichte und fantastischen Elementen aus. Diese werden wie schon in Your Name. so geschickt verwoben, dass man sich die eine Geschichte nicht ohne die andere vorstellen kann.
Mit Hodaka hat man einen Charakter an die Seite bekommen, dessen Beweggründe bis zum Ende oft verschwommen bleiben und man ihn daher selten richtig zu fassen bekommt. Seine aufkommenden Gefühle für Mina und sein ständiger Kampf in der Großstadt Tokyo zu überleben sind dafür umso deutlicher erzählt, weswegen man doch irgendwo mit ihm mitfühlen kann. Allgemein kann man sagen, dass Shinkai seine Zuschauer über seine Charaktere gerne im Unklaren lässt. Denn bei vielen kommen im Laufe des Films deutliche Wendungen. Im Prinzip spielt der Regisseur mit den Erwartungen und Vorurteilen seiner Zuschauer. Und auch wenn einige Charaktere – gerade der Polizist, der die Suche nach Hodaka leitet – ziemlich überzeichnet sind, bleiben sie doch immer irgendwo lebensnah.
Allgemein erzählt der Film die Geschichte von zwei jungen Menschen, die zu schnell erwachsen werden mussten oder wollten. Getragen wird dies durch das fanatastische Element, dass Mina das Wetter teilweise durch Gebet kontrollieren kann. Gerade das Ende bringt dann aber eine große moralische Frage auf, die im Film auf zwei Arten beantwortet wird, so dass man sich trotzdem noch immer seine eigene Meinung dazu bilden kann.

Das Fazit

Weatherin with You – das Mädchen, das die Sonne berührte ist nach einer kurzen Einlaufphase ein guter Coming-of-Age Film mit fantastischen Elementen. In die Schuhe seines Vorgängers passt er jedoch nicht.

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Ein Vorwort

Caroline Link präsentierte uns bereits letztes Jahr zu Weihnachten die Geschichte eines harten Kinderschicksals. In „Der Junge muss an die frische Luft“ erzählte sie die Geschichte der Kindheit von Hape Kerkeling, nach dessen gleichnamigen Roman. Dieses Jahr nahm sich die Regisseurin das autobiografische Buch von Judith Kerr vor, die von ihrer Kindheit während der Nazizeit und der Flucht vor eben denen berichtete. Was „Als Hitler das Rosa Kaninchen stahl“ nun zu erzählen hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

1933. Annas Vater Arthur Kemper ein jüdischer Journalist muss vor der Wahl aus dem Land fliehen, da er den Nazis ein Dorn im Auge ist. Anna kommt kurz darauf mit ihrer Mutter und ihrem Bruder nach. Die Familie sucht zunächst in Zürich Unterschlupf und muss später weiter nach Paris und nach London fliehen. Dabei musste die Familie fast alles zurücklassen, auch Annas geliebtes rosa Kaninchen.

Meine Meinung

Das Caroline Link ein gutes Händchen für das Casting von Jungdarstellern hat, bewies sie bereits mit Julius Weckauf als jungen Hape Kerkeling. Auch in ihrem neuen Film hat sie es geschafft mit Riva Krymalowski und Marinus Hohmann zwei gute Jungdarsteller zu finden, die den schmalen Grad zwischen dem jugendlichen Leichtsinn und der Last der Flucht gut ausbalancieren und es in ihrem Alter schon verstehen, zwar reduziert zu spielen, aber trotzdem eine Menge Emotionen zu vermitteln.
Wirklich aufregend wird die Handlung an keiner Stelle. Wer also mit spannenden Fluchtszenen gerechnet hat, der wird hier wohl enttäuscht. Auch hat der Titel bis auf drei kurze Szenen wenig mit dem Titel zu tun. Gerade hierüber war beispielsweise meine beste Freundin sehr enttäuscht, die sich auf wilde Gute-Nacht-Geschichten gefreut hatte, in dem ein gezeichneter böser Hitler das arme rosa Kaninchen stahl. Als sowas sucht man in diesem Film vergeblich. Stattdessen bleibt die Erzählung an Anna dran, die sich regelmäßig in neuen Situationen wiederfindet, die ihr zuwider sind, oder die sie schlicht nicht nachvollziehen kann. Auch bleibt das regelmäßige Sprache lernen und wieder nichts verstehen den Kindern nicht erspart.
Hier ist vor allem spannend zu entdecken, wie das Thema Nazis und Hitler und dessen Machtergreifung mit den Auswirkungen auf die Bevölkerung zwar allgegenwärtig sind, aber tatsächlich eher über die Gespräche der Erwachsenen transportiert wird. Für die beiden Kinder ist es eher ein Herausreißen aus dem gewohnten Leben und ein Abschiednehmen aus der Heimat. Wie unterschiedlich auch beide damit umgehen und mit welchen Problemen und Sorgen sie sich herumschlagen, all das beleuchtet der Film ganz genau. Vielleicht ist er gerade durch die Unaufgeregtheit und die ruhige reduzierte Erzählweise eines der ehrlichsten Alltagsbilder aus eben jener Zeit.
Getragen wird der Film von einer hochmotivierten Riva Krymalowski als Anna, die mit ihrem nie enden wollenden Enthusiasmus den Zuschauer in den Bann ziehen kann. Gerade die transportierte kindliche Unbeschwertheit, trotz der vielen Sorgen der Familie, machen den Film aus. Gerade die Sympathien mit der Familie sorgen dafür, dass der langsam erzählte Stoff an keiner Stelle zäh wirkt.

Das Fazit

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl ist ein ruhig, aber ehrlich erzählter Film über die Nazizeit aus der Sicht eines jungen Mädchens. Dabei ist er nie wirklich spannend, aber wird durch die sympathische Familie getragen. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl läuft seit dem 26.12.2019 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: 1917

Ein Vorwort

1917 wird bereits als hoher Oscarfavorit gehandelt. Sam Mendes inszeniert hier eine Geschichte, die er seinen Großvater, einem Kriegsveteran, widmet. Die Geschichte hat er aus den Erzählungen dessen entwickelt und versucht den Familien und Veteranen der „verlorenen“ Generation Tribut zu zollen.

Die Handlung

Lance Corporal Tom Blake (Dean-Charles Chapman) und Lance Corporal William Schofield (George McKay) werden zum General (Colin Firth) beordert. Dieser hat den wichtigen Auftrag die beiden zu Colonel Mackenzie zu schicken, um den bevorstehenden Angriff abzublasen, da es sich um einen Hinterhalt der Deutschen handelt. Dafür müssen sie durch Niemandsland. Da Blakes Bruder in der Einheit Mackkenzies ist, ist er sehr motiviert den Auftrag auzuführen.

Meine Meinung

Zuletzt brachte uns Christopher Nolan mit seinem gefeierten Dunkirk ins Frankreich in Kriegszeiten. Dort ging es jedoch während des zweiten Weltkrieges um die Evakuierung der britischen Soldaten aus Dünkirchen. Sam Mendes reist nun noch ein Stück weiter in die Vergangenheit. Genau genommen ins titelgebende Jahr 1917. Auch hier verfolgen wir zunächst britische Soldaten, die die Ruhe vor dem Sturm nutzen, um sich etwas auszuruhen. Schnell lernen wir unsere beiden Protagonisten Blake und Schofield kennen. Doch um die Ruhe ist es bald vorbei. Denn der General hat einen Auftrag für die beiden. Und die Kamera wird sie auch nicht mehr allein lassen.
Wo wir schon beim bemerkenswertesten am Film wären. Die Kameraarbeit. Denn diese bleibt an unseren Protagonisten kleben und fährt mal vornweg, mal nebenher, mal hinterher. Dadurch wirkt der Film wie ein einziger Take, auch wenn dies natürlich nicht sein kann. Aber Achtung an alle Leute mit schwachen Magen. Die Kamera „marschiert“ praktisch mit, weswegen immer ein verstärkter Wackeleffekt eintritt, der einen leicht auf den Magen schlagen kann, wenn man dafür empfindlich ist.
Ebenso erwähnenswert ist dadurch auch die schauspielerische Leistung der beiden Protagonisten, deren Emotionen permanent von der Kamera eingefangen werden. Gerade der Marsch durch das Niemandsland wird in allen Details gezeigt. Dies wirkt am Anfang ein bisschen Langatmig, aber auch absolut realistisch, was die Länge wieder wett macht. Und die Langatmigkeit wird auch schon bald durch ein paar hochspannende Szenen ersetzt. Und auch wenn man ein paar Entscheidungen der beiden nicht nachvollziehen kann, bleibt man doch immer mit dran und leidet praktisch bei jeder Wendung wieder neu mit. So bleibt 1917 bis zur letzten Szene hochspannend.
Zwischendurch gibt es auch ein paar ruhigere Momente, wo auch immer mal wieder eine Hollywoodpersönlichkeit auftauchen darf, so dass es auch über die aus dem Trailer bekannten hinaus immer wieder ein bekanntes Gesicht zu erkennen gibt. So ist 1917 letztlich ein erschreckend reales Abbild des ersten Weltkrieges, der beinahe vollkommen auf überdramatische Augenblicke verzichtet und dadurch nur noch bestürzender ist.

Das Fazit

1917 ist ein von der Grundidee her sehr undramatischer und realistisch gehaltener Kriegsfilm, der aber gerade durch den Realismus bestürzt und dadurch lange im Gedächtnis bleibt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

1917 läuft seit dem 16.01.2020 in den deutschen Kinos.