Skyscraper

Ein Vorwort

Die Marke Dwayne „The Rock“ Johnson hat in den letzten Jahren verstärkt neue Filme ins Kino gebracht. Während San Andreas recht ordentlich war und Jumanji – Welcome to the Jungle ein absoluter Kracher, konnten Baywatch und zuletzt Rampage – big meets bigger eher weniger überzeugen. Nun kommt das nächste Actionabenteuer in die  Kinos. Auf dem ersten Blick sieht es aus wie die Dwayne Johnson Variante von High Rise. Hier erfahrt ihr, was der Film wirklich kann.

Die Handlung

Will Sawyer (Dwayne Johnson) bekommt ein Jobangebot als Sicherheitschef des größten und modernsten Gebäudes der Welt. Seine Familie darf dort auch gleichzeitig leben. Doch kurz darauf gibt es einen Terrorangriff auf das Gebäude. Die Terroristen haben es auf den Gründer des Gebäudes Zhao Long Ji (Chin Han) abgesehen, schließen aber Sawyers Familie mit im Gebäude ein. Dieser sucht nun einen Weg hinein zur Rettung seiner Familie.

Meine Meinung

Die Grundprämisse von Skyscraper klang zumindest ganz interessant. Leider hat Mr. Johnson nun endgültig der Glaubhaften Hintergrundgeschichte abgeschworen und diese einfach mal in 10 Minuten abgearbeitet. Direkt danach geht es mit der geballten Actionladung los. Die hält genau das, was der Trailer versprach. Viele halsbrecherischen Aktionen sollen dafür sorgen, dass das Publikum durchgehend angespannt den Film verfolgt und ständig um seinen Protagonisten bangen soll. Der spektakulärste Stunt ist dabei nicht einmal der im Trailer dargestellte Sprung vom Baukran in das Gebäude – welcher inzwischen schon von allen Wissenschaftlern als unmöglich bewiesen wurde. Aber allein dieser Stunt kostet viel von den 103 Minuten – mindestens 15 Minuten verfolgen wir Mr. Johnson beim raufklettern und beim abschließenden Sprung. Man merkt also schon an diesem Beispiel, dass die Action viel zu übertrieben und abgedreht ist. Als Mr. Johnson kurz darauf auch noch Mr. Cruise und seiner Kletteraktion am Burj Khalifa nacheifert – und das ohne dessen Spezialausrüstung – ist der Frustrationsgrad im Kinosaal leider bereits sehr hoch. Statt an der Leinwand zu kleben vor Spannung, sitzt man dezent gelangweilt mit fast minütlichem Blick auf die Uhr da.
Dabei hätte man das Ganze mit einer glaubhafteren und auserzählten Hintergrundgeschichte entspannen können. Dann hätte man die Action glaubhafter und weniger abgedreht darstellen können. Denn optisch bietet Skyscraper einiges. Das Hightechgebäude hat einiges zu bieten und auch Hongkong als Kulisse hätte man deutlich mehr einbauen können.
Schauspieltechnisch ist leider auch nicht mehr als Durchschnitt drin. Dwayne Johnson liefert seine übliche Performance ab und die anderen Darsteller liefern genau das ab, was für den Film nötig ist, aber auch kein bisschen mehr.

Das Fazit

Skyscraper hat eine schöne Grundprämisse und könnte Mission Impossible mit High-Rise kombinieren. Leider bleibt am Ende nur die schöne Optik des Gebäudes und eine Vielzahl an abgedrehten Actionsequenzen. Den Zuschauer lässt der Film dadurch leider kalt. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Skyscraper läuft seit dem 12.07.2018 in den deutschen Kinos.

Catch me!

Ein Vorwort

Wer hat es in seiner Kindheit nicht gespielt? Wir sprechen von dem einfachen Spiel Fangen. Jemanden zu berühren und „du bist!“ zu rufen, hat vielen von uns wohl Spaß gemacht. Nicht aber denjenigen, die zu langsam waren, um effektiv jemanden zu fangen – zu der auch meine Wenigkeit gehörte… Doch es gibt eine Gruppe Männer, die tatsächlich seit 30 Jahren Fangen spielen, jedes Jahr im Mai. Von dieser Geschichte inspiriert, befasst sich der Film Catch me! mit genau diesen Männern.

Die Handlung

Die Freunde Jerry (Jeremy Renner), Hoagie (Ed Helms), Bob (John Hamm), Chillie (Jake Johnson) und Kevin (Hannibal Buress) spielen jedes Jahr im Monat Mai Fangen. Dabei ist Jerry ungeschlagen. Doch dieses Jahr im Mai heiratet er und seine Freunde haben nur ein Ziel. Jerry endlich zu fangen.

Meine Meinung

Catch me! ist einer dieser Komödien, die immer haarscharf an einer Blödelkomödie vorbeischrammen. Wobei er das immer mit einem ironischen Augenzwinkern tut. Das dürfte vor allem in der Diversität der Darsteller liegen. Während Jeremy Renner sich bisher neben großen Franchises, wie dem MCU, den Mission Impossible-Teilen und auch der Bourne-Reihe, eher durch starkes Schauspiel, wie zuletzt in Arrival und Kill the Messenger, hervor tat und John Hamm zuletzt in Baby Driver ebenfalls eine starke Rolle spielte, sind Ed Helms, vor allem bekannt durch die Hangover-Teile und Hannibal Buress, mit Blödelkomödien, wie Bad Neighbours im Repertoire, eher keine Charakterdarsteller. Und nicht zuletzt ist da noch Jake Johnson, der neben seinen Verpflichtungen in der Sitcom New Girl, eher durch Filme, wie Let’s be Cops – Die Partybullen auf sich aufmerksam machte. Aber was beim Cast am wichtigsten ist. Ausnahmslos alle scheinen unglaublich viel Spaß am Film zu haben, was man ihnen auch anmerkt. Und das obwohl sich Mr. Renner bereits am Anfang beide Arme brach und den Film mit grünen Verbänden (für den Green-Screen) spielte.
Handlungstechnisch fängt Catch me! mit der Vorstellung der einzelnen Charaktere an. Es ist Mai und demnach ist die Fang-Saison eröffnet. So fängt Hoagie an, nach und nach alle Freunde einzusammeln. Dabei an seiner Seite seine Frau Anna (Isla Fisher). Als er Bob abholt, der mit seiner Firma ein erfolgreicher Geschäftsmann geworden ist, beschließt Rebecca Crosby (Annabelle Wallis) vom Wall Street Journal, die eigentlich einen Artikel über Bob als Geschäftsmann schreiben sollte, mit zugehen, um in ihrem Artikel über die Freunde zu schreiben, die seit 30 Jahren Fangen spielen. So richtig los geht es dann aber erst, wenn sie bei Jerry eintreffen.
Das beachtlichste an Catch me! ist wohl, dass er spielend leicht zwischen Stimmungen, Schauplätzen und mitunter auch Genres hin und her springt. So gibt es neben den Dialogen, auch Szenen, die aus einem Thriller entsprungen sein könnten, es gibt genug Drama und auch bedrückende Szenen, die im Look eines Horrorfilms daher kommen. Aber alles ist, wie bereits oben erwähnt, immer mit einem ironischen Augenzwinkern versehen, so dass man nicht vergisst, dass alles im Stile einer Komödie ist. Man könnte hier anmerken, dass Catch me! mitunter vergisst, was er eigentlich erzählen will und die Szenen mitunter sehr gestellt wirken. Aber letztendlich machen auch die einfach Spaß.

Das Fazit

Catch me! bleibt eine Komödie, aber eine, die experimentiert, was teilweise merkwürdig erscheint, am Ende aber doch irgendwie zusammen passt. Letztendlich macht der Film einfach Spaß, trotz geringer Gagdichte für eine Komödie. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Catch me! läuft seit dem 26.07.2018 in den deutschen Kinos.

Rückblick auf den Juli

Im Juli ist weitestgehend nichts spannendes passiert, was daran liegt, dass ich gefühlt jeden Tag gearbeitet habe. Dafür komme ich auf eine ganz gute Statistik diesen Monat. Hier mein bekanntes Resümee über den vergangenen Monat.

Cinemathek

The Secret Man: Liam Neeson ist als Charakterdarsteller zurück und verkörpert Mark Felt, der bisher größte Whistleblower direkt aus dem FBI. Ein Film mit starken Darstellern und starken Dialogen.

Lady Bird: Auch für die Oscars nominiert gewesen, erzählt Lady Bird von einer etwas rebellischen jungen Dame, die unbedingt Sacramento verlassen will. Mit Saoirse Ronan (Brooklyn, Lady Bird), Timothee Chalamet (Call me by your name) und Lucas Hedges (Manchester by the Sea) spielen gleich drei oscarnominierte Jungdarsteller mit.

Sneak Preview

Endlich gibt es auch in meinem kleinen Kino eine Sneak, bei der ich vorab nicht weiß, welcher Film mich erwartet und nur weiß, dass der Film noch nicht in den Kinos läuft. Daher habe ich die Kategorie neu dazu genommen.

Super Troopers 2: Ein Film, der im absolut unterstem Niveau agiert und trotz interessant klingender Grundstory absolut nichts zu bieten hat. Ein absoluter Flop.

Schneeflöckchen: Ein Film, den ich bisher absolut gar nicht auf dem Schirm hatte. Hätte ich mich vorher darüber informiert, wäre ich wohl auch nie reingegangen, aber er konnte mich doch begeistern. Viel mehr möchte ich zu Schneeflöckchen gar nicht sagen, da man ihm am besten sieht, ohne irgendwas über ihn zu wissen.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

The first Purge: Die Vorgeschichte über die allererste Purge. Leider sehr enttäuschend, da sie wenig neues erzählt und sich eher mit langweiligen Sequenzen aufhält.

Catch me!: Die wahre Geschichte von Freunden, die seit 30 Jahren Fangen spielen. Eine Komödie, die alles mit einem ironischen Augenzwinkern spielt. Hier weiß man nichts so richtig, ob man jetzt wirklich gut unterhalten wurde oder nicht.

Die Farbe des Horizonts: Die Geschichte von Tami Oldham und Richard Sharpe, die sich in Tahiti kennen und lieben lernen und bei einer Pazifiküberseglung in einen Hurrikan geraten. Eine Mischung aus Liebesgeschichte und Survival Drama, der leider sehr lieblos mit seinen Charakteren umgeht.

Mamma Mia – Here we go again: Die Geschichte ist sehr einfach gehalten, aber im Vordergrund stehen wieder die Songs von ABBA und die gute Laune, die damit einhergeht. So gesehen funktioniert der Film für die zu erreichende Zielgruppe sehr gut.

Ant-Man & the WASP: Auch der zweite Ant-Man Teil kann wieder überzeugen. Zwar wartet auch er mit einer sehr einfachen Handlung auf, beweist aber trotzdem durch gute Choreographie und altbekanntem Marvel-Humor, dass ein Superheldenfilm auch mit kleinerer Prämisse wunderbar funktionieren kann.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

DUFF – Hast du keine, bist du eine: Eine Teenagerkomödie, über das hässliche Entlein, die aber die richtige Botschaft vermittelt. Immer wieder gut.

Mr. Holmes: Ian McKellan verkörpert hier den in die Jahre gekommenen Sherlock Holmes, der langsam aber sicher sein Gedächtnis verliert und verzweifelt aufzuschreiben versucht, was in seinem letzten Fall passiert ist, bevor er gänzlich aufgehört hat Detektiv zu sein. Eine interessante Geschichte mit einem gewohnt Starken McKellan.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Liebe bringt alles ins Rollen: Eine französische Komödie über einen Frauenaufreißer, der sich in den Rollstuhl befördert, um bei einer Frau zu landen und sich schließlich deren Schwester gegenüber sieht, die wirklich im Rollstuhl sitzt.

Hotel Artemis: Auf dem ersten Blick scheint Hotel Artemis die Weiterentwicklung des Hotels aus den John Wick Filmen zu sein. Daher wäre es spannend, was Hotel Artemis mit einer Jody Foster an vorderster  Front so alles kann.

Serien – ein kurzer Überblick

Im Juli habe ich Elementary weitergeguckt und inzwischen auch die zweite Staffel beendet, die mich weiterhin begeistern konnte. Dann habe ich endlich die dritte Staffel Brooklyn Nine-Nine beendet, die mir immer besser gefiel. Und schließlich habe ich eine sehr schöne Neuentdeckung gemacht. Mit Queer Eye habe ich eine Serie gefunden, die mich ab der ersten Folge absolut fesseln konnte und die ich innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe. Und das obwohl es sich um amerikanisches Reality-TV handelt.

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 6
Seiten insgesamt: 1999
Seiten pro Tag: ca. 64 Seiten im Durchschnitt
Taschenbücher: 3
E-Books: 3

Peter Pan: Und wieder kann ich einen Kinderbuchklassiker auf meiner Liste abhaken. Wobei die Geschichte durch den Disneyklassiker weitestgehend bekannt ist, zeigt das Original doch, dass die Grundstimmung natürlich so gar nichts mit Disney zu tun hatte.

Nimmerlands Fluch: Nachdem ich schonmal in Nimmerland angekommen bin, bin ich gleich da geblieben, aber in einer viel düsteren Version. Denn Autorin Salome Fuchs lässt Peter Pan als einen grausamen Dämon auftreten, der Nimmerland zerstören will. Ein Buch voller guter Ideen, es hätte ein wirklich schönes Buch werden können. Leider schreibt Salome Fuchs viel zu einfach und kann ihre Ideen nicht richtig ausführen.

Ready Player One: Nach dem Film war ich wieder einmal neugierig und habe mir nun auch das Original durchgelesen. Abgesehen davon, dass der Film einiges geändert hat, bekam man hier auch nochmal neue Hintergrundinformationen. Manchmal vielleicht ein wenig zu viele.

Unter deutschen Betten: Während mich der Film wenig begeistern konnte, gab ich dem Buch nun eine Chance. Leider war auch das etwas schwächer, auch wenn mitunter interessante Anekdoten aus dem Leben einer Putzfrau dabei waren.

Save me: Nach der Begin again Reihe wollte ich nun Mona Kastens zweiter Reihe eine Chance geben. Leider ist hier die Qualität ziemlich gesunken. Was aber nicht heißt, dass ich nicht wissen will, wie die Geschichte ausgeht. Aber Frau Kasten wirft hier nur so mit Klischees um sich.

Save you: Nach einem fiesen Cliffhanger am Ende des 1. Teils, musste ich nun doch den zweiten Teil lesen, der wiederum mit einem Cliffhanger endet. Und jetzt muss ich bis Ende August warten, um zu wissen, wie die blöde Reihe endet…

Und wie war euer Juli? Seit ihr auch zerflossen, wie ich in meiner Dachgeschosswohnung?

 

Cinemathek: The Secret Man

Ein Vorwort

Wenn man das Wort Whistleblower hört, dann denkt man im ersten Moment wohl an Edward Snowden, der in den letzten Jahren nicht nur für Schlagzeilen sorgte, sondern bekam mit Cititen Four und Snowden auch einen eigenen Dokumentains- sowie Kinofilm. Aber wem genau sagt der Name Mark Felt etwas? Der Mann, der Watergate in Gang brachte und viele Jahre weit oben beim FBI arbeitete und insgeheim einer der größten Whisteblower der Geschichte ist? Genau um ihn geht es in the Secret Man, der den Originaltitel „Mark Felt, the man who brought down the white house“.

Die Handlung

Mark Felt (Liam Neeson) bereitet sich nach dem Tod von J. Edgar Hoover auf die Übernahme dessen Postens beim FBI vor. Der Präsident setzt jedoch Patrick Gray (Marton Csokas) an den Posten. Als die Ermittlungen zu Watergate auch noch sehr schnell abgehandelt werden sollen, bekommt Felt Zweifel am System und gibt gezielt Informationen an die Washington Post weiter.

Meine Meinung

The Secret Man wartet mit einer tollen Optik und einem gut gewählten Cast auf. Allen voran Liam Neeson als Mark Felt kann nach seiner Karriere als Action Star endlich wieder beweisen, dass er auch abseits davon ein toller Charakterschauspieler ist. Zudem scheint ihm die Rolle des Vize-Präsidenten des FBI auf den Leib geschnitten zu sein. Er muss nur den Raum betreten und schon strahlt er eine Bedeutsamkeit aus, die der Rolle sehr gut bekommt. Doch auch der restliche Cast muss sich nicht verstecken. Bei Ike Barinholtz ist das doch sehr überraschend, hat der Comedian bisher doch eher in Blödelkomödien, wie Bad Neighbours, Beilight oder Der Sex-Pakt mitgespielt. Hier beweist er das erste Mal, dass er auch ernste Rollen spielen kann, wenn er möchte.
Die Handlung ist stringent aufgebaut und die Geschehnisse werden erzählt, kurz nachdem Hoover gestorben ist und Watergate aufgedeckt wurde. Auch hier tritt The Secret Man mit einem starken Drehbuch auf und überzeugt vor allem durch stark geschriebene Dialoge. Doch leider liegt hier in der größten Stärke des Films auch die größte Schwäche. Zumindest für den durchschnittlichen Zuschauer, der keinen Abschluss in amerikanischer Politik hat. Denn die Gespräche fanden größtenteils hinter verschlossenen Türen statt. Diese werden zwar im Film „geöffnet“, aber selbst dahinter konnten immer nur Andeutungen gemacht werden. Und wenn einem nicht gerade geläufig ist, wie genau das amerikanische System funktioniert und wie viel Einfluss beispielsweise das Justizministerium hat, dann fällt es einem sehr schwer den Dialogen und ihrer Bedeutung zu folgen. Dennoch versteht sich The Secret Man darin, die Geschichte weitestgehend spannend zu erzählen und die wichtigsten Entwicklungen deutlich zu machen.

Das Fazit

The Secret Man triumphiert mit starkem Drehbuch und starkem Cast, verliert sich aber in seiner eigenen Stärke und hätte vielleicht ab und an mal einen Hinweis an die Zuschauer senden können, wie groß die Wichtigkeit gewisser Männer oder Institutionen war, damit der Film für den Laien besser verständlich wäre. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

The Secret Man lief ursprünglich ab dem 02.11.2017 in den deutschen Kinos.

Die Farbe des Horizonts

Ein Vorwort

1983 wurden Tami Oldham und Richard Sharpe gebeten von Tahiti nach Kalifornien zu segeln. 2002 schafft es Tami in ihrem Buch Red Sky in Mourning ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Nun 2018 nimmt sich Regisseur Baltasar Kormakur der Sache an und verfilmt das Buch. Dabei lässt er die Darsteller alles geben und filmt nicht im Titanic-Filmbecken, sondern auf offener See. Lohnt sich der Aufwand?

Die Handlung

Tami Oldham (Shailene Woodley) reist kreuz und quer durch die Welt und nimmt überall Übergangsjobs an. Auf Tahiti lernt sie schließlich den Segler Richard Sharpe (Sam Claflin) kennen. Sie verlieben sich ineinander. Eines Abends trifft Richard befreundete Segler, die ihn bitten ihre Yacht von Tahiti nach Kalifornien zu segeln. Tami und Richard brechen auf, geraten aber 1.500 Seemeilen vor Hawaii in einen heftigen Sturm. 27 Stunden später wacht Tami auf und findet sich auf der inzwischen halb zerstörten Yacht. Ein Überlebenskampf beginnt.

Meine Meinung

Die Vermarktung von Die Farbe des Horizonts erwies sich ein wenig schwer. Noch vor Beginn des Films war unklar, ob es sich nun um eine Liebesgeschichte handelt, die mit ein bisschen Survival Drama gespickt wurde, oder es sich um ein Survival Drama handelt, das auch eine Liebesgeschichte beinhaltet. Das Problem ist in diesem Fall: Weder noch. Denn Liebesgeschichte und Survival Drama werden hier absolut gleichwertig behandelt. So sieht der Zuschauer zwar gleich zum Anfang, dass etwas Schlimmes passiert sein muss, lernt die beiden Protagonisten aber erst einmal kennen, wenn sie sich beide selbst kennenlernen. Von da an wechselt der Film in gleichmäßigen Abständen zwischen der Liebesgeschichte der Beiden und dem Stand nach dem Sturm, der das Boot teilweise zerstört hat. Der Wechsel ist gekonnt in Szene gesetzt und beide Geschichten bekommen einen ähnlich großen Anteil am Film.
Problematisch wird es jedoch schon ziemlich zu Beginn. Eine durchaus talentierte Shailene Woodley wird auf einem kaputten Boot von A nach B geschickt, um überall mal herumzutaumeln. Schnitt zu ihrer Ankunft auf Tahiti. Sie bekommt dort einen Job, Schnitt zurück zum kaputten Boot. Sie versucht das Boot zu reparieren, Schnitt zurück zu Tahiti, wo nun Sam Claflin seinen ersten Auftritt hat. Ihr merkt, es wird teilweise sehr schnell und sehr wahllos hin und hergeschnitten. Man kommt in keiner der beiden Handlungen richtig an. Beide erzählen ihre Vorgeschichten nur sehr kryptisch, so dass man zu beiden Charakteren immer eine Distanz bewahrt. Es dauert eine ganze Weile, bis man sich an den ständigen Wechsel gewöhnt hat und auch realisiert hat, dass der Part der Vorgeschichte sich über gut zwei Jahre streckt.
Schauspieltechnisch geben Woodley und Claflin alles. Was sie aber trotzdem nicht schaffen, ist eine Chemie zwischen ihren Charakteren aufzubauen. Selbst am Ende nimmt man ihnen die Liebesbeziehung nicht wirklich ab.
Hinzukommt, dass sich Regisseur Kormakur mit der Wahl des offenen Meeres statt eines Studios nicht gerade geholfen hat. Die gleichen sehr einfachen Kameraeinstellungen wiederholen sich immer wieder, da nicht wirklich mehr Spielraum gewesen sein dürfte. Von der Optik her ist die Farbe des Horizonts jedoch absolut herausragend. Gerade Unterwasseraufnahmen sind liebevoll und mitunter teilweise kunstvoll inszeniert.

Das Fazit

Die Farbe des Horizonts erzählt eine interessante und wahre Geschichte und kann mitunter durch tolle Aufnahmen bestechen. Leider wird zwischen zwei Erzählabschnitten sehr schnell hin und her geschnitten, was den Charakteren viel Tiefe nimmt und sich auch auf die Chemie zwischen den beiden Darstellern auswirkt. Hinzu kommen viele sehr einfache Kameraeinstellungen, so dass man nicht wirklich überzeugt den Kinosaal verlässt. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Die Farbe des Horizonts läuft seit dem 12.07.2018 in den deutschen Kinos.

Ant-Man & the Wasp

Ein Vorwort

Marvel hat mit Avengers: Infinity War dieses Jahr eigentlich bereits ihren Megakracher losgelassen, von dem sich einige Marvel-Fans – inklusive mir – noch nicht so richtig erholt haben. Nun muss Ant-Man & the Wasp nicht nur das Sommerloch stopfen, sondern auch noch mit der Konkurrenz aus eigenem Haus mithalten. Startete doch schon der erste Teil direkt nach Avengers: Age of Ultron und rundete damit Phase 2 ab. Was kann Ant-Man & the Wasp nun schlussendlich eigentlich?

Was bisher geschah 

Hier werden ich kurz zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring diesen Absatz einfach.

In Ant-Man lernten wir Scott Lang kennen, der gerade eine Haftstrafe abgesessen hat und nun auf legalen Weg versucht Fuß zu fassen. Da dies aber nicht so einfach ist, beschließt er mit seinem besten Freund Luis noch ein letztes Ding abzuziehen. Dabei bricht er in die Villa des Geschäftsmannes Hank Pym ein und klaut dabei einen Anzug, der ihn auf Ameisengröße schrumpfen lässt. Pym, der gerade sein Unternehmen an den ehrgeizigen Darren Cross verliert, versucht nun Lang anzuwerben, um Cross aufzuhalten, ehe er hinter die Formel für den Anzug kommt. Mit dabei sind Pyms Tochter Hope und natürlich Luis. Doch Cross hat bereits seinen Yellowjacketanzug entwickelt. Lang muss ihm im großen Endkampf entgegen treten.
In Captain America – Civil War eilt Scott Lang Captain America zur Hilfe und hält am Leipziger Flughafen in Caps Team die Mitglieder von Team Iron Man auf. Dort wird er letztendlich gefangen und mit den anderen Mitgliedern von Caps Team eingesperrt.

Die Handlung

Zwei Jahre nach den Geschehnissen auf dem Leipziger Flughafen (Civil War), steht Scott Lang (Paul Rudd) noch immer unter Hausarrest. Seine Freunde Hank Pym (Michael Douglas) und Hope van Dyke (Evangeline Lilly) sind auf der Flucht. Von zu Hause aus versucht Scott die Sicherheitsfirma, die er zusammen mit seinen Freunden, unter anderem Luis (Michael Pena) gegründet hat, zu führen. Bis Hank und Hope vor seiner Tür auftauchen. Denn seit Scott im ersten Teil den Sprung in die Quantenebene und zurück geschafft hat, versuchen die beiden, Hopes Mutter Janet ebenfalls aus der Quantenebene zu befreien. Unterwegs müssen sie nicht nur mit Technologiehändler Sonny Birch (Walton Goggins) klarkommen, sondern auch mit der durch Materie gehenden Ghost (Hannah John-Kamen).

Meine Meinung

Während der erste Teil eine Art Heist-Movie mit Superheldencharme war, muss sich der zweite Teil nun behaupten. Die Figuren sind bekannt und müssen nun weiterentwickelt werden. Gleichzeitig muss aber auch eine neue Bedrohung geschaffen werden. Ersteres gelingt Regisseur Peyton Reed sehr gut, der zweite Aspekt eher semioptimal. Denn während mit der Rettungsaktion für Janet van Dyke aus der knallharten Hope nun endlich ein fühlendes Wesen wird und auch Hanks Taten damals bei S.H.I.E.L.D. kritisch hinterfragt werden, ist Walton Goggins Birch eher ein Running-Gag, denn eine wirkliche Bedrohung. Lediglich die mysteriöse Ghost bringt ein bisschen Schwung in die Geschichte.
Was Ant-Man aber wieder einmal zu einem sehenswerten Film macht, ist die sehr gute Choreographie der Kampfszenen. Mit dem stetigen Wechsel zwischen Ameisengröße und Menschengröße – oder gerne auch einmal Riesengröße – entsteht im Kampf eine ganz eigene Dynamik, die nur noch einmal von Ghosts Angewohnheiten durch feste Körper gehen zu können, getoppt wird und im Zusammenspiel erst recht Spaß macht. Hier muss sich Reed an keiner Stelle hinter seinem Vorgänger Wright verstecken.
Handlungstechnisch ist Ant-Man & the Wasp relativ einfach gehalten. Es ist eine ständige Flucht, obwohl Lang eigentlich an sein Haus gebunden ist. Als roter Faden dient Janets Rettung aus der Quantenebene. Aber eigentlich macht der Film einfach wieder nur Spaß. Denn ernstere Szenen werden gerne gleich wieder mit einem flotten Spruch aufgewertet und auch die Gagdichte ist wieder hoch. Und natürlich dürfen Luis ausufernde Geschichten nicht fehlen, die aber auch hier wieder gut in die Handlung eingebettet wurden.

Das Fazit

Ant-Man & the Wasp kann vielleicht vom Gesamteindruck nicht mit einem Avengers: Infinity War konkurrieren und hat seine Handlung relativ einfach gehalten, schafft es aber durch die gute Kampfchoreographie und dem ständigen Größenwechsel gepaart mit dem typischen Marvelhumor, ein eigenes Statement zu setzen und beweist, dass nicht in jedem Superheldenfilm die Welt untergehen muss, um einen spannenden Film zu kreieren. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Ant-Man & the Wasp läuft seit dem 26.07.2018 in den deutschen Kinos.

P.S. Es handelt sich um einen Marvelfilm! Also nicht gleich zum Beginn der Credits aufspringen und den Saal verlassen 😉

Cinemathek: The Square

Ein Vorwort

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: The Square.
Was hat The Square mit The Insult, Körper und Seele und Loveless gemeinsamen? Genau sie alle unterlagen Eine fantastische Frau aus Chile im Rennen um den besten fremdsprachigen Oscar 2018. The Square erhielt ebenfalls eine Nominierung als bester fremdsprachiger Film bei den Golden Globe Awards und gewann in Cannes die goldene Palme. Doch was kann der Film eigentlich, der die Kritiker begeisterte?

Die Handlung

Christian (Claes Bang), der Kurator eines schwedischen Kunstmuseums, wird auf der Straße Opfer eines Trickbetrugs. Da er aber sein gestohlenes Handy orten kann, stellt er alle Mieter unter Generalverdacht, um seine Sachen wiederzuerlangen. Gleichzeitig gibt es in seinem Museum ein neues Kunstprojekt namens the Square, welches es zu vermarkten gilt. Den Kopf voller privater Dinge, lässt Christian zu, dass das Marketingunternehmen freie Hand bekommt, um einen viralen Hit zu erzeugen.

Meine Meinung

The Square ist einer dieser Filme, die hochtrabend künstlerisch sein wollen und dabei vergessen ihre eigentliche Geschichte zu erzählen. So trieft der Film nur so vor Metaphern, die ihren belehrenden Zweck aber mit der Zeit verlieren, da eine Metapher noch nicht ganz fertig erzählt ist und schon die nächste anfängt.
Zunächst startet The Square ganz ambitioniert. Das neue Kunstprojekt wird aufgebaut und mit einer Inschrift versehen, die bei jedem Leser erst einmal Fragen aufwirft. Doch statt diese zu klären, baut der Film erst einmal eine ganz neue Handlung auf rund um den Kurator Christian. Dabei entgeht ihm wohl, dass er sein namensgebendes Kunstprojekt immer noch nicht erklärt hat. Erst viele Minuten später fällt ihm das wieder ein und es wird eine Szene mit Marketingexperten eingespielt, die The Square vermarkten sollen. Leider hält er sich auch in dieser Szene mit so vielen Kleinigkeiten und Nebenerzählungen auf, dass man am Ende noch genau so schlau wie vorher ist. Und so geht es leider immer weiter. Nach 2,5 Stunden, hat der Film eine Handlung gezeigt, die auch in 90 Minuten fertig erzählt wäre und dann immer noch genug Zeit hätte, um sich seinem eigentlichen Kunstprojekt zu widmen. Stattdessen wird der Film durch langgestreckte künstlerische Einlagen so sehr gezerrt, dass man zwischendurch die Handlung komplett vergisst und der ein oder andere Zuschauer mag auch weggenickt sein.
Darstelltechnisch mag es teilweise auch etwas plump rübergekommen sein, weil die deutsche Synchronisation nicht so recht zu passen schien. Da will ich mich nicht festlegen, ohne den Film mal im OmU gesehen zu haben, allerdings hat Hauptdarsteller Claes Bang seine Rolle im deutschen selbst synchronisiert.

Das Fazit

The Square hat viel gewollt und es dann aber mit den künstlerischen Ambitionen so übertrieben, dass sie vom eigentlichen Ziel abgekommen sind. Man weiß zwar, was der Film einem sagen will, aber die Umsetzung lässt trotzdem stark zu wünschen übrig. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

The Square lief ursprünglich ab dem 19.10.2017 in den deutschen Kinos.

Mamma Mia 2 – Here we go again

Ein Vorwort

Im Jahr 2008 lief das ursprünglich als Broadway Musical konzipierte Stück Mamma Mia erstmals im Kino. Mit einer großartigen Handlung konnte der Film weniger punkten, als vielmehr mit viel Herz und guter Laune und natürlich den großen ABBA-Klassikern. Unter dem Motto „Here we go again“ kam nun der nächste Teil in die Kinos. Und es wird wieder Musik, Spaß und viel Herz versprochen. Kann der zweite Teil dieses Versprechen halten?

Die Handlung

Sophie (Amanda Seyfried) hat das halb verfallene Hotel ihrer Mutter Donna komplett renoviert und wartet nun auf die große Eröffnung. Mit an ihrer Seite ist einer ihrer drei Väter Sam (Pierce Brosnan). Ihr Verlobter Sky (Dominic Cooper) und ihre beiden anderen Väter Bill (Stellan Skarsgard) und Harry (Colin Firth) sind leider verhindert. Dafür reisen die beiden besten Freundinnen ihrer Mutter an Tanya (Christine Baranski) und Rosie (Julie Walters). In Rückblenden wird gezeigt wie die junge Donna (Lily James) das Hotel damals fand und sich in drei Männer verliebte, woraus letztendlich Sophie entstand.

Meine Meinung

Here we go again wird in zwei Zeitebenen erzählt. Zum einen die Geschichte rund um Sophie und die Hoteleröffnung, zum anderen die Geschichte wie die junge Donna in die Welt zog und die kleine griechische Insel Kalokairi fand. Die Geschichten sind beide ausgeglichen und werden durch gekonnte Übergänge verbunden. An sich ist die Handlung, wie schon im ersten Teil, sehr einfach gehalten. Trotzdem fährt sie wieder mit Witz und Charme auf, so dass einen der Film schon so durchgehend zum Lächeln bringt. Und dann kommen wieder die ABBA-Lieder hinzu. Natürlich darf der namensgebende Klassiker nicht fehlen. Ansonsten sah sich der zweite Teil gezwungen andere Lieder als im ersten zu verwenden. Während dort noch die fröhlichen Partylieder dominierten, sind nun eindeutig die traurigeren Lieder auf dem Vormarsch. Das mindert den Spaß aber nur geringfügig, weil doch immer ein Partylied wieder dazwischen geschoben wurde. Aber auch die melancholischen Lieder ändern nichts daran, dass ABBA einfach immer wieder Spaß macht. Allerdings merkt man der Handlung an einigen Stellen doch deutlich an, dass sie stark verbogen werden musste, damit wieder ein Lied auch passt.
Aber auch darüber kann man großzügig hinwegsehen, wenn man wieder das ehrliche Lachen in den Gesichtern der Darsteller sieht und merkt, wie viel Spaß sie schon bei den Dreharbeiten gehabt haben müssen. Und genau dieses Gefühl überträgt sich auch auf den Zuschauer. So ist es egal, wie viele Schwächen die Handlung aufweist, wie sehr sie verbogen werden musste, um das nächste Lied wieder einbringen zu können, Mamma Mia 2 kann mit dem ersten Teil deutlich mithalten und eignet sich perfekt für einen Fernsehabend mit Freunden, bei dem man dann auch endlich bei den Liedern laut mitsingen und mittanzen kann, was im Kino leider nicht so gut angekommen wäre. Er hat Witz und Charme und kann trotzdem auch traurige Momente gut rüberbringen.

Das Fazit

Wer den ersten Teil mochte, wird auch den zweiten Teil gut finden. Wer Lust auf ein spaßiges Spektakel mit ABBA-Lieder hat, findet sich trotz einiger Schwachstellen hier gut aufgehoben. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Mamma Mia – Here we go again läuft seit dem 19.07.2018 in den deutschen Kinos.

The first Purge

Ein Vorwort

2013 bereicherte uns ein Franchise im Horrorbereich. Mit The Purge kam der erste Teil der Reihe in die Kinos, in der eine Zukunftsvision der neuen Art gesponnen wurde. Durch Anstieg der Kriminalitätsraten wurde durch die neue regierende Partei in den USA, den Neuen Gründungsvätern Amerikas, die alljährliche Säuberung beschlossen. In einer Nacht im Jahr werden die Gesetzte außer Kraft gesetzt und die Notrufe abgeschaltet. Alle Straftaten inklusive Mord sind in dieser Nacht erlaubt. Die Fortsetzungen Anarchy und Election Year kamen 2014 und 2016 in die deutschen Kinos. Nun im vierten Teil soll der Anfang genauer beäugt werden.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring diesen Absatz einfach.

In The Purge lernen wir die Familie Sadin kennen, die durch den Verkauf von Sicherheitssystemen für die Purgenacht reich geworden ist. Auch bei dieser Purge verbarikardieren sie sich wieder. Doch zum einen schleicht sich der Freund der Tochter ins Haus, zum anderen rettet Vater James einen Fremden vor einem wilden Mob. Der Mob droht daraufhin ins Haus einzudringen, wenn die Familie den Fremden nicht ausliefert. In den darauffolgenden Geschehnissen wird James getötet, der Rest der Familie schafft es zu überleben.
In The Purge Anarchy wird die Perspektive umgedreht und der Zuschauer erlebt nun die Geschenisse auf der Straße. Da gibt es zum einen Leo, der sich eigentlich nur am Mörder seines Kindes rächen will, aber schließlich auf Eva und Calie – die vom Militär aus ihrem Haus getrieben wurden – und auf Shane und Liz – die es nicht mehr rechtzeitig zur Purge nach Hause geschafft haben – trifft. Sie finden heraus, dass zum einen das Militär gezielt die Nacht nutzt, um im Auftrag der Regierung die ärmere Bevölkerung zu reduzieren, und zum anderen Reiche Leute Purger engagieren, um Opfer für sie zu fangen.
In The Purge – Election Year kommen wir im Wahljahr an. Senatorin Charlie Roan hat 18 Jahre früher mit ansehen müssen, wie ihre komplette Familie bei einer Purge getötet wurde und möchte nun Präsidentin werden und die Purge abschaffen. Vorher muss sie aber die alljährliche Purge überleben. Leo Barnes, aus dem zweiten Purgeteil, ist ihr persönlicher Sicherheitsbeauftragter und hat alle Hände voll damit zu tun, dass sie nicht stirbt. Gleichzeitig lernen wir die Anti-Purge Bewegung kennen. Am Ende des Films gewinnt Roan die Wahl und beendet die Purge. Die Anhänger der Neuen Gründungsväter setzten sofort zu gewalttätigen Ausschreitungen an.

Die Handlung

Durch ansteigende Kriminalitätsraten beschließt die regierende Partei die Neuen Gründungsväter Amerikas auf Staten Island ein Experiment durchzuführen, dass sie Purge nennen. Als Anreiz wird der überwiegend ärmlichen Bevölkerung viel Geld geboten, wenn sie sich vorab nicht auf dem Festland in Sicherheit zu bringen, und Bonuszahlungen, wenn sie aktiv purgen.

Meine Meinung

Das Problem an diesem Prequel ist, dass man vieles bereits durch die vorherigen Teile weiß. Demnach hatten die Macher deutlich weniger Spielraum. Es ist bekannt, dass die Purge nach diesem Experiment sich landesweit durchgesetzt hat und es ist bekannt, dass die Regierung dabei deutlich ihre Finger im Spiel hat, um die ärmere Bevölkerung zu dezimieren. Demnach wäre es ein sinnvoller Schritt gewesen in diesem Prequel, das von der Idee her die erste Purge zu zeigen grundsätzlich interessant ist, einzelne Charaktere vorzustellen und ihre Beweggründe genauer darzustellen. Das wurde zwar auch versucht doch die einzelnen Schicksale sind hier so belanglos gehalten, dass im Kinosaal eher das große Gähnen statt das große Gruseln herrscht. Denn letztendlich bezahlt die Regierung hier einfach nur die Menschen, die auf Staten Island bleiben und es gibt Bonuszahlungen für aktives Purgen. Das hier natürlich in erster Linie die ärmere Bevölkerung angesprochen wird, die dringend das Geld braucht, ist stark absehbar. Von den Charakteren lernen wir also den naiven Jüngling kennen, der Geld braucht, einen Wahnsinnigen, der tatsächlich Spaß am purgen hat, die Purgegegnerin, die Zuflucht in der Kirche anbietet, und den großen Drogenboss, der sein Eigentum gegen Purger schützen will.
Mit 98 Minuten Laufzeit, ist The first Purge nicht kürzer als die Vorgänger. Hier gibt es aber eine deutlich längere Einführungszeit. Die erste halbe Stunde geht rein für die Einführung drauf, in der sich die Purger anmelden können und die politischen Verhältnisse geklärt werden. Erst danach startet die erste Purge überhaupt und bis wir zu dem Teil kommen, der Spannung erzeugt, vergeht wieder eine halbe Stunde. Natürlich ist auch der vierte Purge-Teil optisch wieder in bester Qualität und kann mit geschickten Lichteffekten eine ganz eigene Stimmung erzeugen. Leider kann das gute Handwerk nicht über das schlechte Drehbuch hinweghelfen, durch das auch bei guter Stimmung keine Spannung aufkommt.

Das Fazit

Nette Idee, gutes Handwerk, aber die Idee konnte einfach nicht vernünftig umgesetzt werden. So schafft es The first Purge nicht spannungstechnisch mit den Vorgängern mitzuhalten und erzählt auch nichts wirklich neues. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

The first Purge läuft seit dem 05.07.2018 in den deutschen Kinos.

Love, Simon

Ein Vorwort

Neben dem allgemeinem Wust an Superheldenfilmen, Fortsetzungen, Remakes und Reboots gibt es auch noch die ganz klassischen Buchverfilmungen. So geschehen mit dem Buch „Nur drei Worte“ von Becky Albertalli (Originaltitel Simon vs. the Homo Sapiens Agenda). Schon der Trailer ließ auf eine süße Teenager Dramedy mit erstem Thema schließen. Was dabei herauskam, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Simon Spier (Nick Robinson) ist ein ganz normaler Junge kurz vor seinem Abschluss an der High-School. Er hat nur ein Geheimnis: Er ist schwul. Auf dem Schulblog outet sich eines Tages der anonyme Blue. Simon freundet sich per E-Mail mit Blue an und versucht herauszufinden, wer er ist. Bis seine E-Mails auch auf dem Schulblog geleaked werden.

Meine Meinung

Love, Simon ist einer dieser selten gewordenen Filme, bei dem einfach alles passt. Die Handlung ist logisch, mitreißend, aber doch auf dem Boden geblieben und erzählt chronologisch die Geschichte des ganz normalen Teenagers, der ein wenig Angst vor seinem Coming-out hat und mit den normalen High-School Problemen herumläuft.
Das größte Lob sollte der Film für die Herangehensweise an das Thema Coming-out kriegen. Natürlich ist vieles davon aus der Buchvorlage abgekupfert, aber auf eine gute Art. So lernen wir zunächst den ganz normalen Simon kennen. Irgendwann erfahren wir, dass er schwul ist und dies auch vor seiner Familie geheim hält. Er ist aber immer noch der gleiche sympathische Junge wie vorher, nur dass der Zuschauer nun ein Detail mehr über ihn weiß. In seinem Mailwechsel mit dem anonymen Blue philosophiert Simon unter anderem darüber, warum er sich überhaupt outen muss. Warum müssen sich heterosexuelle Menschen nicht outen, homosexuelle aber schon? Das ist nur ein Beispiel, in dem Love, Simon auf sehr subtile Art deutlich macht, wie normal Homosexualität in der Gesellschaft sein sollte, aber leider nicht ist. So bekommen wir ein supersüßes lockeres leichtes Teenagerdrama mit einem Hauch Gesellschaftskritik, die gut eingebunden ist, aber nicht dominant auftaucht. So ist Love, Simon so viel mehr als nur ein erzähltes Einzelschicksal, was dem Film nochmal zusätzliche Pluspunkte gibt.
Wie man im Trailer bereits erfährt, kommt es zum unfreiwilligen Coming-out. Hier nimmt sich der Film vor, ganz genau die verschiedenen Charaktere und ihre Reaktionen abzubilden. So erfährt es die Familie, die nicht geschockt ist, dass er schwul ist, sondern dass sie es einfach nicht bemerkt haben. Dass er so lange so ein Geheimnis mit sich herum tragen konnte, ohne dass sie etwas gemerkt haben. Dann kommen die Freunde, die ihn teilweise auch schon ewig kennen und ihre Reaktionen und schließlich natürlich die Mitschüler, die es sehr unterschiedlich auffassen.
Die ganze Thematik meistert Love, Simon mit einer unglaublichen Lockerheit. Hinzu kommt genau pointierter Humor, der dem Film nicht den nötigen ernst nimmt. Untermauert wird die gute Handlung von den gut durchdachten Charakteren und deren Darstellern.

Das Fazit

Love, Simon ist intelligent geschrieben und erzählt Simons Geschichte mit dem nötigen Ernst, aber doch auf eine lockere und witzige Weise. Dabei unterläuft ihm kein Fehler und spielt sich direkt in die Herzen der Zuschauer. Dafür gibt es 10 von 10 möglichen Punkten.

Love, Simon läuft seit dem 28.06.2018 in den deutschen Kinos.