Der Junge muss an die frische Luft

Ein Vorwort

Hape Kerkeling dürfte dem breiten Publikum durch seine Karriere als Comedian, Autor, Schauspieler oder auch Synchronsprecher bekannt sein (u. a. Olaf aus die Eiskönigin) bekannt sein. Seine Alter Egos (u.a. Horst Schlämmer) und Fernsehshows sind bekannt. 2015 erschien die erste Verfilmung zu seinem Buch „Ich bin dann mal weg“, was seine Erfahrung auf dem Jakobsweg abarbeitet. Schon hier zeigte sich seine ernstere und verletzlichere Seite. Mit „Der Junge muss an die frische Luft“ schrieb er 2014 ein Buch, in dem er mit seiner Kindheit aufräumt. Hier soll es nun um die Verfilmung von Caroline Link gehen.

Die Handlung

Hans-Peter wächst im beschaulichen Recklingshausen auf. Seine Kindheit ist geprägt von seiner ihn liebenden Familie und von seiner schon früh ausgeprägten Komikerseele. Doch während zu Hause die Probleme immer größer werden, versucht er die Stimmung mit seinen Improvisationen zu lockern, was ihm aber auch nur bedingt gelingt.

Meine Meinung

„Der Junge muss an die frische Luft“ wurde im Trailer noch als relativ lockerer Film beworben. Was hat man über den kleinen Jungen geschmunzelt, der sich als Frau verkleidete oder sich in einer Kutsche herumfahren ließ. Und genau mit dieser Stimmung beginnt der Film. Denn zunächst lernen wir Hans-Peter und seine Familie ganz genau kennen. Welche Konstellation gibt es, Vater, Mutter, Bruder, beide Großeltern, Tante, Onkel, ähnliches. Doch bereits nach dem ersten Viertel des Films, fängt die Stimmung langsam an zu kippen. Denn die Stimmung, die der Trailer noch verspricht, ist für den Film gar nicht angesetzt. Stattdessen geht es eher um das Schicksal eines Jungen, der für jeden Spaß zu haben ist und doch ein ganz großes Päckchen zu tragen hat.
Um es genauer zu sagen, geht es darum, dass seine Mutter sehr krank ist. Sein Vater ist dauerhaft auf Montage und sein großer Bruder ist ins Dachgeschoss gezogen, bekommt also auch nur noch die Hälfte mit. Also versucht der kleine Junge mit den Launen der Mutter zurecht zu kommen und sie und alle anderen regelmäßig zum Lachen bringen. Dadurch entwickelt sich schnell eine beklemmende Stimmung, die aber durch die Comedyeinlagen immer wieder aufgelockert wird. Dennoch sollte man genügend Taschentücher dabei haben.
Die Geschichte selbst wird frei von der Leber weg erzählt, ohne etwas großartig zu beschönigen. Auch wenn manche Szenen nicht explizit gezeigt werden, ist am Ende doch klar erkennbar, was passiert ist. Am Ende kommt eine runde Sache bei raus.
Schauspielerisch ist „Der Junge muss an die frische Luft“ Top besetzt. Vor allem Julius Weckauf als Hans-Peter begeistert und überzeugt in seiner Rolle vollkommen. Hier hat das Castingteam nicht nur optisch einen Volltreffer gelandet, sondern als Newcomer schafft es Weckauf bereits die schwierigsten Szenen zu meistern und angemessen rüberzubringen. Ein Jungdarsteller, von dem wir hoffentlich noch mehr sehen dürfen. Auch der übrige Cast ist gut besetzt und liefert eine solide Leistung ab, bleibt aber hinter Weckauf zurück.

Das Fazit

„Der Junge muss an die frische Luft“ ist ein sehr ernster und teilweise beklemmender Film, der seine Stimmung jedoch immer wieder aufzulockern weiß. Mit einem grandiosen Jungdarsteller begeistert der Film letztendlich, Taschentücher sollte man aber genug dabei haben. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Der Junge muss an die frische Luft läuft seit dem 25.12.2018 in den deutschen Kinos.

Die Tochter des Uhrmachers

Ein Vorwort

Wenn ich erfahre, dass Kate Morton ein neues Buch herausbringt, dann bin ich ein paar Tage später in der Buchhandlung meines Vertrauens und kaufe es. Dabei ist es mir auch egal, dass die Hardcover, die zunächst erscheinen, einen stolzen Preis haben. Denn seit „Die fernen Stunden“ konnte mich Mrs. Morton (fast) immer vollständig in ihren Bann ziehen und mit ihren Geschichten verzaubern. So stand nun die Tochter des Uhrmachers auf dem Plan.

Die Handlung

Elodie stößt bei einem Archivjob auf einen Brief und ein Bild, die ihr keine Ruhe mehr lassen. Bei ihren Nachforschungen trifft sie auf Birchwood Manor. Einst das Haus des Künstlers Edward Radcliffe birgt es zahlreiche Erinnerungen und Geheimnisse.

Meine Meinung

Kate Morton ist eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an das Buch, denn bisher konnten mich (fast) alle Bücher von ihr sofort in den Bann ziehen und verzaubern. Am Anfang kam ich diesmal etwas schwieriger in die Geschichte rein, eben gerade weil ich erwartete, sofort verzaubert zu werden. Nachdem ich es jedoch noch einmal ein paar Tage liegen ließ und dann mit einer erwartungsvollen Spannung, aber nicht mehr mit hohen Anforderungen einen neuen Versuch startete, stellte sich auch bereits nach ein paar Seiten das altbekannte Gefühl ein.
Morton schafft es sofort sympathische Charaktere zu erschaffen, mit denen man mitfühlt. Hier sind es zunächst Elodie und Birdie, die damit die beiden Protagonisten bilden. Dabei ist es diesmal schwierig von Protagonisten zu sprechen, denn eigentlich steht Birchwood Manor selbst im Mittelpunkt. Es geht um die verschiedenen Bewohner von einer Tragödie im Jahre 1883 bis in die heutige Zeit. Dabei hat jeder seine ganz eigene Geschichte zu erzählen und doch zieht sich ein Geheimnis wie ein roter Faden durch das Buch. Dabei wird jede Geschichte mit gleichviel Respekt geschrieben und kein Aspekt scheint unwichtig und doch kann man das große Finale mit der Aufklärung des großen Rätselns kaum erwarten. Hier wird man auch nicht enttäuscht, denn Morton verbindet alle einzelnen Handlungsstränge miteinander. Leider ist mir der Ausgang der Geschichte um Elodie dann doch etwas zu kurz gehalten und zu viel Raum für ein eigenes Ende gelassen.

Das Fazit

Eine wundervolle Geschichte über ein Anwesen, dass die Jahre überdauert im typischen Morton-Stil. Hier nach Schwachstellen zu suchen ist wirklich ein Meckern auf ganz hohem Niveau, denn auch wenn das Ende etwas zu kurz gekommen wirkt, ist es dennoch rund.

Mary Poppins‘ Rückkehr

Ein Vorwort

1928 schrieb Pamela L. Travers ihren ersten Roman über das wohl berühmteste Kindermädchen der Welt. Mary Poppins bekam noch drei Folgebände. 1964 brachte Walt Disney dann nach langem Rechtekampf den Film ins Kino, der lose auf den Büchern basiert. So lernte das breite Publikum Familie Banks kennen und wusste, mit einem Löffelchen voll Zucker klappt alles gleich nochmal so gut. Bereits 20… nahm sich Regisseur … dem Stoff noch einmal an und erzählte die Hintergrundgeschichte zur Verfilmung, hochkarätig besetzt mit Emma Thompson als P. L. Travers, Tom Hanks als Walt Disney und Colin Farrell als Travers Vater. Hier wurde die Hintergrundgeschichte zur Mary Poppins erzählt, aber vor allem die schwierige Entstehungsgeschichte des Films. Wie viel Wahrheit wirklich enthalten ist, sei einmal dahingestellt. Nun sollte 54 Jahre nach dem ersten Film, der zweite Teil in die Kinos kommen. Schon nach dem ersten Trailer wurden die ersten zweifelnden Stimmen laut. Kann Mary Poppins‘ Rückkehr mit dem Erfolg und vor allem der Nostalgiebrille mithalten?

Die Handlung

Michael Banks (Ben Wishaw) ist inzwischen erwachsen und alleinerziehender Vater dreier Kinder. Da ihn finanzielle Sorgen plagen, soll er ein Wertpapier der Bank finden, um sein Haus behalten zu können. Seine Schwester Jane (Emily Mortimer) steht ihm dabei zur Seite. In dieser schweren Zeit kehrt Mary Poppins (Emily Blunt) zurück und sorgt für die Kinder. Immer mit dabei ist Straßenlampenanzünder Jack (Lin-Manuel Miranda).

Meine Meinung

Ich bin ein sehr großer Mary Poppins Fan. Die Lieder laufen bei mir bis heute regelmäßig rauf und runter. Inzwischen habe ich auch die ersten beiden Bände der Bücher von P. L. Travers nachgeholt. Als ich hörte, dass es eine Fortsetzung geben sollte, war ich also alles andere als Begeistert. In Zeiten von Prequels, Sequels, Remakes und Reboots war also nun einer meiner absoluten Lieblingsfilme betroffen. Ein bisschen beruhigter war ich dann, als Emily Blunt als Mary Poppins bekannt gegeben wurde. An eine Julie Andrews würde für mich zwar sowieso niemand herankommen, aber Blunt schien eine würdige Nachfolgerin.
Ich habe wirklich versucht sehr neutral an den Film zu gehen, aber natürlich war da die große Nostalgiebrille. Dennoch hat mich der Film am Ende mitgerissen. Während ich am Anfang sehr lange brauchte, um in die Geschichte reinzukommen und mich auch einige Dinge gestört haben, konnte ich am Ende doch mit einem halbwegs guten Gefühl aus dem Film gehen.
Das dürfte vor allem daran liegen, dass ich doch einige Elemente aus den Büchern wiedererkannt habe. Während die Bücher episodenartig erzählt werden, haben beide Filme eine übergeordnete Handlung. Und da im Film nur wenige Monate vergangen sind, im Film aber viele Jahre, war klar, dass einiges angepasst werden musste.
Grundsätzlich ist zu sagen, dass Mary Poppins erneut ein Film ist, der zu verzaubern weiß. Mit den verschiedensten Charakteren bringt der Film größtenteils ein Lächeln auf die Lippen der Zuschauer. Mary Poppins zeigt den Kindern verschiedene „Welten“, die optisch einfach herrlich anzusehen sind. Dennoch gibt es ein paar Abstriche, die einfach nicht richtig funktioniert haben.
Zum einen wäre da die übergeordnete Handlung an sich. Die Suche nach dem Wertpapier der Bank ist zum einen in ihrem Ausgang sehr vorhersehbar, was nicht weiter tragisch wäre, wenn wir nicht Colin Firth in der Rolle des Bänkers hätten. Was weniger an Firth liegt, als vielmehr am Charakter seiner Rolle. Denn hier haben wir tatsächlich eine Art Bösewicht. Das passt leider so gar nicht in die bunte supercalifragilisticexpialigetische Welt und wirkt bis zum Ende sehr stereotypisch angelegt.
Zum anderen liegt es leider an den Liedern. Im ersten Teil noch ein wichtiger Bestandteil für den Erfolg des Filmes, sind die neuen Lieder leider sehr uninspiriert, klingen sehr ähnlich und sind leider überhaupt nicht eingängig. Sobald ein Lied endet, hat man es schon wieder vergessen. Als ich diesen Kritikpunkt gegenüber meines besten Freundes äußerte (der den ersten Teil noch nicht kennt), meinte er, dass er das Grundtheme schon sehr eingängig fand. Ich musste ihm zustimmen, jedoch beruht das Grundtheme auf den Song „Ein Löffelchen voll Zucker“ aus dem ersten Film. Wirklich schön fand ich nur das Lied der Straßenlaternenanzünder, welches sich aber auch stark am Lied der Schornsteinfeger – in Gesang und Tanz – orientiert.
Emily Blunt als neue Mary Poppins funktioniert sehr gut und die wesentlichsten Züge des Charakters hat sie sehr verinnerlicht. Dennoch hat sie ein bisschen zu viel Spaß beim Dreh gehabt, was ihr die Strenge der Mary Poppins nimmt. Dennoch ist sie eine würdige Erbin von Julie Andrews – die im Gegensatz zu Dick van Dyke leider keinen Gastauftritt hatte.

Das Fazit

Mary Poppins‘ Rückkehr ist leider eine der Sequels, die nicht notwendig gewesen wären. Obwohl einige Stellen großen Spaß machen, bleibt der Gesamtfilm uninspiriert in Handlung und Liedern. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Mary Poppins‘ Rückkehr läuft seit dem 20.12.2018 in den deutschen Kinos.

Mortal Engines – Krieg der Städte: Kritik über Buch und Film

Ein Vorwort

Durch Zufall stieß ich im letzten Jahr auf das Buch Mortal Engines von Philip Reeves, als es mir als Leseexemplar angeboten wurde. Vom Klappentext begeistert, sagte ich zu und begann zu lesen. Kurz darauf erschien der erste Trailer zu Peter Jacksons neuestem Werk. Ich war noch mehr angefixt von der Geschichte, denn durch Jacksons Vision wurde die Geschichte nun beim Lesen noch lebendiger. Leider enttäuschte mich das Buch immer mehr. Trotzdem gab ich dem Film eine Chance. Konnte er die Fehler des Buches richten?

Die Handlung

Im dritten Jahrtausend hat sich die Menschheit im sogenannten 60-Minuten-Krieg fast vollständig selbst zerstört. Die übrig gebliebenen Städte haben sich mobil gemacht und versuchen nun nach dem Städtedarwinismus zu überleben. Das heißt, das die größeren Städte die kleineren „fressen“, um sich Sklaven, Rohstoffe und Lebensmittel zu sichern. Der junge Tom Natsworthy (Robert Sheehan) lebt als Historiker in London, eine der größten der rollenden Städte. Sein großes Vorbild Thaddeus Valentine (Hugo Weaving) wird nach einem erfolgreichen Beutezug von der geheimnisvollen Hester Shaw (Hera Hilmar) angegriffen, die jedoch fliehen kann. Valentine voller Angst vor dem was Hester weiß und Tom erzählt haben könnte, der die Verfolgung aufnahm, stößt ihn ebenfalls durch einen Müllschacht. Auf einmal ist er auf Hesters Hilfe angewiesen und erfährt ihre Geschichte. Eine Verfolgungsjagd beginnt, denn Valentine will mit Hilfe der geheimnisvollen Waffe Medusa den Wall der Anti-Traktions-Liga durchbrechen will. Tom und Hester wollen aus unterschiedlichen Gründen zurück nach London.

Das Buch

Ihr seid ein wenig verwirrt durch die lange Handlungszusammenfassung? Dann wisst ihr, wie es mir ging, als ich das Buch las. Denn ständig wurden neue Orte und Personen in den Raum geworfen, die man als Leser aber nicht so schnell zuordnen kann. Hinzu kommen Begriffe, wie Städtedarwinismus und Anti-Traktions-Liga, die man sich zwar noch irgendwie logisch herleiten kann, die aber als selbstverständlich vorausgesetzt werden.
Aber fangen wir noch einmal ganz von vorne an. Reeve versetzt den Leser direkt in eine Welt, die der unseren zwar noch entfernt ähnelt, aber durch den sogenannten 60-Minuten-Krieg fast vollständig ausgelöscht wurde. Was es genau damit auf sich hat, bleibt bis zum Ende ungeklärt. So lernt der Leser zunächst den Historiker-Lehrling Tom kennen, der die Geschichte bis zum Ende begleitet. Er kann uns zwar das Leben in London ein wenig erklären, aber alles darüber hinaus ist auch für ihn neu.
Handlungstechnisch hat sich Reeve leider sehr auf den Spannungsfaktor konzentriert. So werden Tom und Hester auf ihren Weg zurück nach London von einer brenzligen Situation in die nächste gestoßen und kommen daher leider nicht dazu ihre Situation genauer zu beschreiben oder ihre Welt zu erklären. Bis zum Ende bleibt alles ein Mysterium. Sie treffen auf Charaktere, die man ein paar Seiten später schon wieder vergessen hat.
Der zweite Handlungsstrang spielt auf London und begleitet Valentines Tochter Catherine. Dieser ist dann zwar sehr actionarm, dafür voller Geheimnisse, die es zu lüften gilt. Leider braucht Catherine dafür sehr viel Zeit, so dass man am Ende fast schon wieder vergessen hat, auf welche Auflösung man genau noch wartet. Dennoch sind die Passagen ganz gut, um wieder Ruhe einkehren zu lassen.
Leider verwirrt sich das Ende dann wieder in einer Actionwut. Tom und Hester haben zwischenzeitlich Hilfe von Anna Fang erhalten, eine Pilotin der Anti-Traktionisten. Irgendwo zwischendrin ging es auch noch um eine Art Roboter und warum Valentine Hesters Mutter ermordet hat. Das ist übrigens ihr Motiv für den Mord an Valentine. Ihr seid jetzt noch mehr verwirrt? Ist okay, war ich am Ende des Buches auch. Spannend ist es übrigens ab einem gewissen Punkt auch nicht mehr, da man nur noch frustriert ist, dass nichts aufgelöst oder erklärt wird.

Der Film

Man spricht immer von Peter Jacksons neustem Werk. Der Fairness halber sollte man erwähnen, dass er zusammen mit seinem Herr der Ringe Team das Drehbuch schrieb, die Regie selbst übernahm Christian Rivers. Rivers war bisher bei den Jackson Filmen meist als Visual Effects Supervisor beteiligt. Mit Mortal Engines gibt er sein Regiedebüt unter Jackson als Produzent.
Dennoch zeigt der Film deutlich Jacksons Handschrift, gerade was die Gestaltung der Welt angeht. Im Buch war die Beschreibung von London doch immer ein wenig seltsam, konnte ich sie mir doch nicht wirklich auf Rädern vorstellen. Doch genau dies wurde ausgezeichnet umgesetzt und so bekommt Reeves Welt Konturen. Vom Aussehen her macht die Verfilmung auf jeden Fall schon einmal alles richtig!
Auch Castingtechnisch sind die Charaktere sehr gut besetzt. Sei es die isländische Schauspielerin Hera Hilmer als Hester Shaw oder ein Hugo Weaving als Thaddeus Valentine oder letztendlich Robert Sheehan als Tom. Hinzu kommen Neuentdeckungen, wie Jihae oder Leila George, die ihre Rollen gut umsetzen.
Auch Drehbuch-/Handlungstechnisch macht der Film erst einmal viel richtig. Denn er schreibt einige Passagen des Buches komplett um und charakterisiert ebenfalls teilweise neu. Dadurch bekommt der Film einen wesentlich besseren Drive als noch das Buch und ergibt an vielen Stellen auch mehr Sinn. Leider ist die Handlung immer noch der Hauptkritikpunkt, denn das Buch wird nun einmal nicht komplett neu erfunden. So wird zwar schon mehr erklärt als im Buch, aber immer noch zu wenig. Und auch ist der Actionanteil weiterhin viel zu hoch und die Dialoge werden auf ein nötigstes beschränkt.

Das Fazit

Als vom Buch enttäuschte Leserin war ich von der Verfilmung wahrscheinlich begeisterter als die reinen Filmseher. Trotzdem kann ich leider nicht sagen, dass ein spannender und runder Film herauskam. Letztlich bleibt es ein Film, der rein auf die Optik beschränkt herausragend ist, aber leider zu starke Schwächen in der Handlung hat. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Mortal Engines – das Buch gibt es 24.10.2018 im örtlichen Buchhandel zum kaufen.
Mortal Engines – der Film läuft seit dem 13.12.2018 in den deutschen Kinos.

Aquaman

Das Vorwort

Diesen Dezember versucht sich DC an einem neuen Solofilm. Diesmal darf der aus Justice League bereits bekannte Aquaman ran. Ob er die Flops des DC Extended Universe (DCEU) retten kann, oder zu einem neuen Misserfolg wird, war nach dem Trailer noch nicht ganz eindeutig. Denn Jason Momoa lebt seine Rolle sichtlich und hat vorab ordentlich die Werbetrommel gerührt. Andererseits dürfte es sich auf ein reines CGI-Feuerwerk belaufen. Aber was kann Aquaman nun wirklich? Ihr erfahrt es hier in meiner Kritik.

Die Handlung

Arthur Curry (Jason Momoa) wurde als Kind einer Königin von Atlantis (Nicole Kidman) und eines menschlichen Leuchtturmwärters Thomas Curry geboren. Jahre später hat er kein Interesse daran den Thron von Atlantis zu erobern, auf dem sein Halbbruder Orm (Patrick Wilson) sitzt. Doch Orm will der Oberwelt den Krieg erklären. Daher sucht Prinzessin Mera (Amber Heart) Arthur auf, da er der Aquaman ist und den Krieg verhindern kann. Dafür benötigt er jedoch den verschollen Dreizack von Atlan.

Meine Meinung

Schon als in Justice League angekündigt wurde, dass Aquaman eine Rolle bekommt, dachten die meisten Comicfans wohl an jemandem im lächerlichen Kostüm auf einem pinken Seepferdchen. Die nicht Comicleser wohl an die gleiche Variante, aber so wie sie Raj in The Big Bang Theory darstellte (im lächerlichen Kostüm auf pinkem Seepferchen). Doch dann wurde Jason Momoa gecastet und den ersten Frauen lief der Sabber aus dem Mund, als er sich mit gestähltem Oberkörper präsentierte. In Justice League selbst kam seine Rolle noch nicht groß zur Geltung. Nun war man gespannt, was sein Solofilm bringen würde.
Konzentrieren wir uns zunächst auf das, was der Film absolut richtig macht. An vorderster Stelle steht da natürlich Jason Momoa. Ihm ist die Rolle wie auf den Leib geschnitten und er spielt ihn mit so viel Herz, dass man sich nie wieder jemand anderen in der Rolle vorstellen kann. Wurde der Aquaman in den Comics noch belächelt und bei Big Bang Theory ordentlich durch den Kakao gezogen, kann man nun nur noch sagen, dass Aquaman echt cool ist.
Die Unterwasserwelt rund um Atlantis und den anderen Königreichen ist natürlich sehr CGI lastig. Aber das ist genau dann zu verzeihen, wenn man die Welt das erste Mal sieht. Denn es ist kreativ, mit viel Liebe zum Detail gestaltet und einfach ein Augenschmaus. Auch die Kreaturen der Tiefe wurden gut gestaltet. So wirken selbst die Seepferdchen gefährlich und als würdige Gegner von Haien.
Dann wäre noch die interessante Kameraführung zu erwähnen. Hier wird viel experimentiert, wodurch sich der Film von anderen Vertretern des Genres positiv abhebt.
Leider waren dies dann auch schon die einzigen positiven Aspekte. Denn wirklich gelungen ist Aquaman leider nicht. Und das beläuft sich auf folgende Ursachen.
Zum einen die Handlung. Denn hier werden drei Handlungsthemen aufgegriffen, die richtig ausgearbeitet auch für drei Filme gereicht hätten. Stattdessen wurden sie gekürzt und zusammengeschnitten, damit sie alle in einen passen und letztendlich wirkt jede nur noch absolut Belanglos. Wir haben zum einen die Geschichte der Geschwisterrivalität. Arthur Curry ist das uneheliche Kind der Königin gewesen und gilt damit als Bastard. Orm hingegen ist aus der Ehe von König und Königin hervorgegangen, ist aber letztendlich nur der Zweitgeborene. Hier kommt es zum Kampf der beiden Brüder, wer nun der rechtmäßige Thronerbe ist. Dann gibt es den Handlungsstrang rund um Orm und sein geplanter Krieg gegen die Oberwelt. Hierfür will er die Königreiche der Meere vereinen und als alleiniger Herrscher antreten. Und zu guter Letzt hätten wir noch den Handlungsstrang um den verschollenen Dreizack von Atlan. Hierfür wird erst einmal die komplette restliche Handlung unterbrochen, um eine Art Odyssee gestaltet. Natürlich darf zwischendrin die obligatorische Verfolgungsjagd mit großen Zerstörungspotential nicht fehlen, die die Handlung dann aber auch nur streckt und nicht voranbringt.
Zum anderen sind da die unausgereiften stereotypischen Charaktere. Der einzige wirklich ausgearbeitete Charakter ist Aquaman selbst. Sein Vater bekommt wenigstens noch ein bisschen Herz. Die anderen sind dann alle nach Belieben austauschbar. Orm als Hauptbösewicht ist der typische machthungrige jüngere Bruder. Sein grundsätzlicher Hintergrundgedanke mit der Vermüllung der Ozeane hätte man viel deutlicher herausarbeiten müssen. Als Berater des Königs wurde Willem Dafoe gecastet. Das Potential aus der Besetzung wurde dann aber überhaupt nicht genutzt, denn mehr als ein paar Mal im Bild zu stehen und einen schlauen Oneliner von sich zu geben, schafft Vulko auch nicht. Kommen wir zu Amber Hearts Mera. Sie ist praktisch die zweite Protagonistin. Eigentlich versucht sie die Oberwelt zu retten und verbündet sich daher mit Arthur, obwohl sie eigentlich in anderer Verantwortung steht. Doch ihr innerer Konflikt wird weder über das Drehbuch wirklich deutlich, noch durch Hearts Schauspiel, was man als reduziert bezeichnen kann – man kann es aber auch einfach als nicht vorhanden beschreiben.
Kommen wir nun noch zur Musik. Hier hatte ich eine längere Diskussion mit meinem Lebensgefährten, ob sie gewollt trashig war (mein Lebensgefährte) oder ungewollt komisch (meine Meinung). Denn während mein Lebensgefährte darauf besteht, dass ein hartes Gitarrenriff, das einen Kampf ankündigt, dem Charme der Trashfilme aus den 80er Jahren entspricht, finde ich genau dies in der heutigen Zeit zwar witzig, aber doch fehl am Platz. Wirklich auf dem Boden vor Lachen lag ich aber, als sich die beiden Kontrahenten gegenüber standen und beide jeweils eine Kampfansage losließen und die Musik ein dramatisches Dum-dum-duuum von sich ließ und das leider nicht nur einmal.

Das Fazit

Auch wenn Aquaman im weltweiten Boxoffice der erfolgreichste DCEU Film ist, bleibt er leider in großen Teilen ein Reinfall. Dabei birgt er Potential, wenn man sich eben auf eine Handlung konzentriert und dafür die Charaktere besser herausgearbeitet hätte. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Aquaman läuft seit dem 20.12.2018 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: Bumblebee

Ein Vorwort

2007 brachte Michael Bay seinen ersten Film über die bekannten Spielzeuge von Hasbro in die Kinos. Obwohl die schwache Handlung und die übertriebenen Schlachten von Anfang an große Kritikpunkte waren, gab es noch vier Fortsetzungen. Transformers – Die Rache 2009, Transformers 3 – Die dunkle Seite des Mondes 2011, Transformers – Ära des Untergangs 2014 und Transformers – The last Knight 2017. Nun hat sich Travis Knight als Regisseur für den ersten Spin-off Film Bumblebee verpflichtet. Knight hat sich bisher mit kleineren Zeichentrickfilme, wie Coraline oder zuletzt Kubo, der tapfere Samurai, hervorgetan.
Diese Kritik wird ohne Kenntnis von den bisherigen Transformer Filmen geschrieben.

Die Handlung

Charlie Watson (Hailey Steinfeld) findet auf einem Schrottplatz einen gelben VW-Käfer. Als sie ihn zu Hause untersuchen will, muss sie feststellen, dass es sich um einen Transformer handelt. Während sich Charlie über einen neuen Freund freut, suchen aber das Militär und auch die bösen Decepticons nach Bumblebee.

Meine Meinung

Als der erste Trailer zu Bumblebee auftauchte ging ein großes Augenrollen durch die Kinos. War man doch inzwischen übersättigt mit Transformers-Teilen und brauchte nicht zeitgleich mit Aquaman noch einen Film in der Weihnachtszeit, der sich rein auf brachiale Schlachten versteift. Doch schon tauchten die ersten Kritiken auf, die Bumblebee eher mit E.T als mit den Transformervorgängern verglich. Dies machte Hoffnung.
Und tatsächlich vereint Bumblebee tatsächlich Elemente aus beiden Filmwelten, was wohl auch daran liegen dürfte, dass die Idee ursprünglich von Steven Spielberg kam. So beginnt der Film mit einer großen Schlacht auf dem Heimatplanet der Autobots. Hier passiert genau das, was man von einem Transformers spin-off erwartet. Große Autobots kloppen sich die Köpfe ein und verursachen eine große Explosion und viel Schaden. Dann wird Bumblebee auf die Erde geschickt, kommt dort aber zugleich mit dem Militär in Konflikt und trifft auf einen Feind, der ihm gefolgt ist. Als Resultat darauf beschließt er sich erst einmal zu verstecken und verstaubt als VW Käfer auf einem Schrottplatz. Bis ihn Charlie Watson findet. Ab hier kommt dann der Part, der an E.T. erinnert, bis wir gegen Ende wieder in die großen Schlachten verfallen.
Glücklicherweise lernen wir jedoch zwischendurch Charlie genauer kennen. Hier nimmt sich der Film tatsächlich Zeit, um sie als Charakter vorzustellen und ihre Ängste und Sorgen zu beleuchten. So gibt es tatsächlich eine Identifikationsfigur. Und gerade das Zusammenspiel mit Bumblebee, der in einigen Szenen einfach nur wie ein tollpatschiger Junge wirkt ist herzallerliebst. So haben wir eine E.T. Figur nur mit einer älteren Protagonistin und ihrer Coming-of-Age Geschichte.
Das Problem an Bumblebee ist, dass er zwar den starken Mittelteil hat, der teilweise auch richtig Spaß beim Gucken macht, aber das Niveau nicht durchhält. Denn immer wieder taucht das Militär rund um John Cena auf und auch die böse Decepticons suchen weiter nach Bumblebee. Und immer genau dann wird der Film völlig banal und vorhersehbar und büßt eine Menge von seinem Rhythmus ein. Denn die Decepticons sind die typischen Bösewichte, die sich überlegen gegenüber den Menschen fühlen und natürlich die Erde zerstören wollen. Das Militär agiert gleichzeitig natürlich nach dem Motto „Erst schießen, dann fragen stellen“ und lässt sich sehr einfach von den Decepticons beeinflussen.

Das Fazit

Bumblebee nimmt die guten Eigenschaften eines E.Ts und mischt sie mit den schlechten Elementen des Transformers-Franchises. Herausgekommen ist ein Film, der an vielen Stellen durchaus Spaß macht und ans Herz geht. Leider kann er das Niveau nicht durchgängig halten. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Silvesterspecial: Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch

Ein Vorwort

Michael Ende war wohl neben Astrid Lindgren der Autor meiner Kindheit. Ich habe seine Geschichten immer und immer wieder verschlungen und kann selbst jetzt als Erwachsene immer noch in seinen Welten versinken. Sei es nun auf einer große Reise von Lummerland bis ins Reich der Drachen oder an der Seite von Atreyu auf seinem Glücksdrachen Fuchur die grenzenlose Welt von Fantasien entdecken. Ebenfalls mit dazu gehörte der  satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch (und ja es hat mich viele Jahre gekostet, bis ich dieses Wort sowohl fehlerfrei aussprechen als auch schreiben konnte). Da das Buch am Silvesterabend spielt und mit den Neujahrsglocken endet, dachte ich, es wäre wieder einmal Zeit das Werk aus dem Regal zu holen und zwischen den Feiertagen zu lesen.

Die Handlung

Der Zauberer Beelzebub Irrwitzer hat ein Problem. Er hat in diesem Jahr noch nicht alle bösen Taten vollbracht, zu denen er sich verpflichtet hat. Nun ist Silvesterabend und er sieht keine Chance mehr. Schuld gibt er seinem Kater Mauricio di Mauro, der vom Rat der Tiere geschickt wurde, um ihn auszuspionieren. Doch dann kommt seine Tante Tyrannja Vamperl zu Besuch und bittet ihn um die zweite Hälfte eines Rezepts für einen ganz besonderen Punsch. Denn auch sie ist im Verzug durch den Raben Jakob Krakel, der ihr ebenfalls vom Rat der Tiere geschickt wurde. Aber zusammen können Zauberer und Hexe den satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch brauen und damit bis Mitternacht alle Schreckenstaten nachholen. Und das Beste: Man wünscht sich nur gute Sachen und Böses geschieht, so dass auch der Rat der Tiere ihnen nichts nachweisen kann. Doch Mauricio und Jakob haben alles mitbekommen und versuchen nun das Werk zu verhindern.

Meine Meinung

„Punsch aller Pünsche, erfüll mir meine Wünsche“. Wie praktisch wäre doch so ein Punsch hin und wieder und was man sich nicht alles wünschen könnte. Allerdings ist die Zubereitung so kompliziert, dass wirklich nur erfahrene Zauberer diesen zubereiten können.
Michael Ende entwirft hier keine komplett neue Welt, aber doch ein interessantes Gedankenspiel. Was wäre wenn am Klimawandel und ähnlichem einfach nur ein böser Zauberer Schuld wäre. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich aber überwiegend um ein Kammerspiel im Hause Irrwitzer. Als Kapitelüberschriften dienen Abbildungen von Uhren, womit der Leser den Wettlauf mit der Zeit genau mitverfolgen kann. Beginnend um 17Uhr am Silvesterabend geht es bis Punkt Mitternacht und damit endet es im neuen Jahr.
Wettlaufende Parteien gibt es zwei. Irrwitzer und Vamperl, die versuchen den Wunschpunsch noch rechtzeitig fertigzustellen, und Jakob und Mauricio, die versuchen den Punsch zu verhindern.
Beelzebub Irrwitzer und Tyrannja Vamperl können sich eigentlich nicht wirklich leiden. Das Problem ist jedoch, dass beide jeweils eine Hälfte des Punschrezeptes haben, weswegen sie auf den anderen angewiesen sind. Ihr Handlungszweig besteht vor allem aus dem großen Streit am Anfang, als einer dem anderen deren Hälfte des Rezeptes abluchsen will, und der Zubereitung des Punsches, der aus allerlei verschiedenen Zubereitungsstadien besteht. Hier hat Herr Ende zwar viel von dem Rezept verraten, um zu zeigen, wie aufwändig und kompliziert die Zubereitung des Trankes ist, aber natürlich auch immer wieder Stellen weggelassen. Nicht das ein böser Zauberer das Buch liest und auf einmal das vollständige Rezept hat.
Auch Mauricio di Mauro und Jakob Krakel kommen am Anfang nicht wirklich gut miteinander aus. Während Mauricio vertrauensselig von Irrwitzer regelmäßig betäubt und dick gefüttert wurde, damit er nicht allzu viele Fragen stellt, ist Jakob eher kratzbürstig und wenig begeistert von Mauricios Unvermögen. Als sie die Pläne von Hexe und Zauberer belauschen, wissen sie sofort, dass sie handeln müssen. Doch wie sollen sie heimlich den Wunschpusch ruinieren?

Das Fazit

Michael Ende schafft es eine relativ kurze Geschichte zu erzählen, dabei jedoch gekonnt Charaktere vorzustellen, ein Szenario zu entwickeln und dann noch eine Spannungskurve aufzubauen. So entsteht eine süße Geschichte, die bequem am Silvesterabend durchgelesen werden kann. Wer jetzt also noch nichts vorhat, los geht’s 😉

100 Dinge

Ein Vorwort

Wenn der Name Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer in einem Film auftaucht, ist das für mich eigentlich ein guter Grund nicht ins Kino zu gehen. Bei Florian David Fitz bin ich hingegen schon geneigt, zumindest genauer hinzusehen, da er mir beispielsweise auch zuletzt in Der Vorname gut gefiel. Nun stand der neue Film von Fitz mit ihm und Schweighöfer in den Hauptrollen an. Der Trailer sah bereits wieder nach einer typischen deutschen Komödie aus, weswegen ich mich wieder vor dem Kinobesucht drücken wollte. Leider wollte meine Kollegin davon nichts wissen und bestach mich mit einem Schichtentausch. Ob der Film nun wirklich der angekündigte Reinfall wurde, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Die Freunde Paul (Florian David Fitz) und Toni (Matthias Schweighöfer) haben zusammen eine App entwickelt. Während Paul diese nutzen wollte, um die Nutzer glücklich zu machen, schafft es Toni Pauls Abläufe zu analysieren und ihn zum Konsum anzuregen. Bei der Feier über den Verkauf der App an ein großes Unternehmen, betrinken sich beide und wetten, dass der jeweils andere es nicht ohne Konsum aushält. So kommen sie auf die Idee, dass ihre Mitarbeiter ihnen die gesamte Wohnung ausräumen und alles einlagern. Jeden Tag, über 100 Tage hinweg, dürfen Sie sich einen Gegenstand zurückholen.

Meine Meinung

100 Dinge ist einer der deutschen Filme, die man von Anfang an abstempelt, die aber unter der Fassade doch einiges zu bieten haben. Florian David Fitz führt hier Regie und schrieb auch das Drehbuch. Hier merkt man, dass er sich mit der Grundthematik durchaus befasst hat und weiß, wovon er spricht.
Natürlich steht die Komödie hier im Vordergrund. Und ein paar Witze unter der Gürtellinie sind auch vorhanden, so wie die obligatorischen Nacktszenen, die wohl vor allem die Zielgruppe (Frauen mittleren Alters) ansprechen sollen. Darüber hinaus gibt es aber auch viele niveauvolle Witze und am wichtigsten: Die Witze sind auch lustig, so dass auch jemand, der den ansonsten typischen Humor für Schweiger/Schweighöfer-Komödien nicht lustig findet, sich durchaus zwischendurch den Bauch vor Lachen halten muss.
Abgesehen von der typischen Komödie hat 100 Dinge aber auch eine Handlung und Tiefgang. Die Hauptthematik ist der Konsum. Diese wird von mehreren Stellen beleuchtet und hinterfragt. Zum einen steht natürlich die Wette im Vordergrund. 100 Tage ohne Konsum und jeden Tag müssen sich die Protagonisten neu entscheiden, was man unbedingt im Leben braucht. Zunächst sind es die offensichtlichen Sachen. Kleidung, eine Matratze zum Schlafen, sehr schnell kommt dann auch das Smartphone dazu. Doch die ganze Überlegung geht weiter. Wieso kaufen wir so viel? Und macht uns Konsum wirklich glücklich? Als Beispiel kommt dann die von Katharina Thalbach gespielte Oma hinzu, die während des Krieges nur einen einzigen Koffer packen durfte und dort alles Wichtige unterbringen musste. Für die anderen Generationen hat Konsum noch eine ganz andere Bedeutung als für uns. Der ganze Gedanke wird dann noch weitergesponnen bis zum Kaufrausch und möglichen psychologischen Erkrankungen, die aus dem Konsum heraus entstehen.
Wir fassen zusammen. 100 Dinge hat eine gut durchdachte Handlung, Tiefgang, nachdenkliche Dialoge, aber schafft trotzdem das Komödienfeeling. Hinzu kommt, dass Fitz und Schweighöfer sich durch ihre unterschiedlichen Darstellungen und Charaktere gut ergänzen. Also ein kompletter Erfolg? Leider nicht ganz, denn 100 Dinge kann das Niveau leider nicht über die gesamte Spieldauer von 111 Minuten halten. Gerade gegen Ende verliert er sich in seinen eigenen Erzählsträngen und versucht mit aller Gewalt noch schnell eine Liebesgeschichte einzubauen, die zunächst subtil begann, am Ende aber doch wieder ins Vorhersehbare abdriftet. So kommt man am Ende weniger überwältigt aus dem Kino, als man am Anfang glauben konnte.

Das Fazit

100 Dinge macht für eine deutsche Komödie sehr viel richtig, da er sich auf die Handlung konzentriert und eine Charakterentwicklung zulässt. Dabei ist er beinahe durchgängig witzig, verliert sich leider am Ende in den zu viel aufgebauten Handlungssträngen. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

100 Dinge läuft seit dem 06.12.2018 in den deutschen Kinos.

Der Grinch

Ein Vorwort

Illumination hatte es nach ihrem Erfolg mit Ich – einfach Unverbesserlich nicht leicht. Es mussten zwei Fortsetzungen, sowie ein Spin-off zu den Minions herhalten, um sich überhaupt am Markt zu etablieren. Weitere Eigenproduktionen wie Sing liefen noch relativ gut, während Pets überhaupt nicht überzeugen konnte – und dennoch eine Fortsetzung erhält. Nun versucht sich Illumination an ein einem Remake vom Grinch mit Jim Carrey. Zumindest der Trailer sah schon einmal witzig aus. Was der Film nun wirklich kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Der Grinch (Otto Waalkes) lebt außerhalb von Whoville. Während die ganze Stadt im Weihnachtsfieber ist, hasst der Grinch Weihnachten. Nach Ankündigung der Whos, dass Weihnachten dieses Jahr dreimal so groß werden soll, beschließt der Grinch ihnen das Weihnachtsfest zu ruinieren.

Meine Meinung

Der Grinch, ursprünglich basierend auf dem Kinderbuch von Theodor Seuss Geisel, ist aus der Weihnachtszeit nicht mehr wegzudenken. Jedes Jahr wieder erscheint Jim Carrey als grünes Wesen im Fernsehprogramm. In Zeiten voller Remakes und Reboots war es auch nur eine Frage der Zeit, bis dieser Stoff wieder aufgegriffen wurde. Das sich Illumination ran wagte, war dann doch überraschender. Da ich weder das Buch noch den ersten Film kenne, kann ich wenig zu den Parallelen sagen, oder inwiefern die Geschichte sich weiterentwickelt hat.
Illuminations Grinch ist auf jeden Fall der Griesgram, als der der Grinch immer beschrieben wird. Er hasst Weihnachten und nach und nach erfährt man auch die Hintergründe. Diese sind zwar etwas einfach und offensichtlich gehalten, aber stimmen doch leicht traurig. Während des Films macht er verschiedenen Stadien durch. Diese werden unterschiedlich ausführlich erzählt und die eine oder andere Wendung wird auch wieder aus sehr einfachen Gründen heraus herbeigeführt, aber letztendlich ist die Zielgruppe wirklich die jüngeren Kinder.
Und genau diese werden vor allem mit dem sehr gelungenen Humor angesprochen. Denn während die Erwachsenen noch über den ein oder anderen niveauvollen Witz lachen, den man erst als Erwachsener versteht, haben die Kinder vor allem durch einige Slapstickeinheiten Spaß. So ist der Spaß für alle Generationen garantiert.
Ein weiterer Garantiefaktor ist Otto als Synchronstimme des Grinches. Denn während man sich bei vielen Animationsproduktionen vor Laien (Sänger, YouTuber…) kaum noch retten kann, schafft Otto es immer genau die richtige Stimmung mit der Stimme einzufangen und erhöht so den Spaßfaktor noch einmal deutlich.
Aber der Grinch hat natürlich mehr zu bieten, als nur den einen Handlungsstrang. So begleiten wir als Zuschauer auch noch die kleine Cindy-Lou Who, ein Whomädchen, dessen alleinerziehende Mutter deutlich überfordert ist. Also versucht sie den Weihnachtsmann zu treffen, um ihm ihren sehnlichsten Wunsch mitzuteilen. Durch diesen Nebenstrang der Handlung bekommt der Grinch noch einmal eine neue Nuance.

Das Fazit

Der Grinch ist ein großer Spaß für die ganze Familie. Die sehr einfache Handlung mit den offensichtlichen Wendungen wird mit einer guten Menge an Humor gekonnt überspielt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Der Grinch läuft seit dem 29.11.2018 in den deutschen Kinos.

Tabaluga

Ein Vorwort

Tabaluga, der kleine grüne Drache, dürfte vielen spätestens seit der gleichnamigen Kinderserie ein Begriff sein. Geschaffen unter anderem von Peter Maffay und Rolf Zuckowski, diente er zunächst lediglich als Figur eines Rockmärchens. Doch Tabaluga ist inzwischen längst darüber hinausgewachsen und kann nun auch einen eigenen Kinofilm vorweisen. Was dieser kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Tabaluga (Wincent Weiss) wächst in Grünland auf, großgezogen vom Raben Kolk (Rufus Beck). Doch als letzter Drache kann er weder fliegen noch Feuer speien. Zusammen mit seinem besten Freund, dem Glückskäfer Bully (Michael Herbig), reist er nach Eisland, um dort sein Feuer zu finden. Dort trifft er auf Lilly (Yvonne Catterfeld) und den Eisbär Limbo (Rick Kavanian), die ihn zu Arktos (Heinz Hoenig) führen. Doch dieser führt Böse im Schilde.

Meine Meinung

Deutsche Filme haben es ja immer wieder schwer sich gegen die Konkurrenz aus Hollywood durchzusetzen. Und manchmal versuchen sie es leider auch nicht einmal. So ist Tabaluga leider nicht der süße Kinderfilm mit dem kleinen grünen Drachen, die er hätte werden können. Denn wirklich Mühe hat sich bei diesem Film niemand gegeben.
Fangen wir damit an, dass er auf billigstem Niveau animiert wurde. Hier reicht die Qualität nicht über eine stinknormale Fernsehproduktion hinaus. Dafür hätte ich zu Hause lediglich den Fernseher anmachen müssen und mir irgendeine Kika-Sendung ansehen können. Im Kino erwarte ich schon ein bisschen mehr Liebe zum Detail und zumindest den Ansatz von Emotionen in Gesichtsausdrücken.
Weiter geht es mit den beiden Hauptsynchronsprecher. Wer auch immer auf die Idee kam Wincent Weiss und Yvonne Catterfeld Tabaluga und Lilly sprechen zu lassen, hätte vielleicht nur mal einen Blick auf die Synchronsprecherkartei werfen sollen. Denn da sind ausgebildete Sprecher zu finden, die selbst ohne sich großartig anzustrengen bessere Ergebnisse erzielt hätten. Denn beide haben so wenig Emotionen in der Stimme, dass ihre Dialoge leider sehr einschläfernd wirken und man mit keinen von beiden Charakteren noch mitfiebern kann. Herbig, Kavanian und Beck hingegen merkt man an, dass es sich um Schauspieler handelt und sie daher ihre Rollen souverän meistern.
Kommen wir zum größten Manko: die Handlung. Denn Tabaluga ist nicht nur billig animiert, auch die Handlung strotzt vor Einfalllosigkeit. Basieren dürfte sie wohl größtenteils auf dem Musical Tabaluga und Lilly. Während sich Regisseur Sven Unterwaldt am Anfang noch an einer Disneywürdigen Szene versucht – Spoiler! Die Eltern sterben – und diese schon so emotionslos umsetzt, dass es einen einfach kalt lässt, während man bei so manchen Disneyszenen Rotz und Wasser geheult hat – na, wer kommt bis heute nicht über Mufasas Tod hinweg? – zieht sich dies symptomatisch durch den restlichen Film. Jeder Konflikt der aufgegriffen wird, wird mit wenigen Sätzen abgehandelt. So entstehen keine Emotionen und keine Spannung und erst Recht keine Bindung an den Film. Schon am Ende hat man den Anfang bereits wieder verdrängt.
Bleibt nur noch zu sagen, dass Tabaluga leider nicht einmal witzig ist. Die versuchten Witze sind leider so platt und emotionslos rübergebracht, dass selbst die Zielgruppe – Kinder – nicht lachen konnten. Zwischendurch wurde immer mal wieder ein Lied angestimmt, was dann wohl auch Weiss und Catterfeld rechtfertigen sollte, leider wurden auch diese einfach nur unpassend eingesetzt.

Das Fazit

Tabaluga hätte ein süßer Kinderfilm werden können. Aber dafür hätte man sich Mühe geben müssen. So wirkt der komplette Film leider schnell hingeschludert und mit möglichst wenig Aufwand lieblos gestaltet. Es scheint so, als ob jemand dringend aus dem Namen Profit schlagen wollte, ohne dafür wirklich einen Finger krumm zu machen. Leider wieder ein Hinweis darauf, dass gerade im Bereich Animationsfilm Deutschland weit hinter dem großen Vorbild Hollywood hinterher hängt. Dafür gibt es 02 von 10 möglichen Punkten.

Tabaluga läuft seit dem 06.12.2018 in den deutschen Kinos.