Die 90. Academy Awards – die Verleihung

Und wieder ist ein Jahr vorbei. In der letzten Nacht wurden zum 90. Mal die begehrten Goldjungs verliehen. Die Nominierten und die Gewinner habe ich bereits besprochen, nun soll es noch einmal ganz kurz um die Zeremonie an sich gehen, für all diejenigen, die sich nicht die Nacht um die Ohren schlagen wollten. Ich versuche mich auch kurz zu halten und arbeite stichpunktartig alles ab, was mir positiv aufgefallen ist.

  • Jimmy Kimmel hat wie im letzten Jahr schon die Oscars moderiert und auch diesmal lag er mit seinen Witzen wieder goldrichtig und konnte das Publikum erheitern.
  • Es wird zwar bereits wieder gejammert, wie langweilig die Verleihung wieder war, aber im Vergleich zu den bisherigen, fand ich, dass sie sehr locker geworden ist. Es wurde offen über Politik, Geschlechter (#metoo) und Rassismus gesprochen. Verschiedene Gags durften auch von den Laudatoren gemacht werden, was bisher sehr selten vorkam
  • Jimmy Kimmel stellte gleich am Anfang klar, dass man wenn man als Gewinner ausgerufen wird, noch ein bisschen abwarten soll, ob es sich nicht um ein Missverständnis handelt. Angelehnt war der Gag auf das Missgeschick vom letzten Jahr, wo ausversehen La la Land statt Moonlight zunächst als bester Film bekannt gegeben wurde. Um dem ganzen vorzubeugen, steht die Kategorie jetzt auch groß außen auf dem Umschlag. Mark Hamill wies bei seiner Verkündigung auch noch einmal auf das Missgeschick hin, in dem er laut murmelte „Don’t say La la Land“.
  • Ebenfalls hatte Jimmy Kimmel ein paar Vorschläge, um die ausschweifenden Dankesreden unter Kontrolle zu bekommen. Zum einen verloste er einen Jetski – präsentiert von der umwerfenden Helen Mirren – für den Gewinner mit der kürzesten Rede. Zum anderen brachte er die Idee auf, statt eines Musikeinspielers, einfach jemanden auf den Gewinner zu rennen zu lassen und laut „Get Out“ zu brüllen, angelehnt an die Szene aus dem nominierten Film „Get Out“. Leider wurde es nicht umgesetzt. Ich hätte es sehr lustig gefunden.
  • Im Zug der Me too Debatte, preiste Kimmel noch einmal den Oscar, den Goldjungen, als Mann des Jahres. Immerhin seien seine Hände stets zu sehen.
  • BB-8!!!
  • Im letzten Jahr organsierte Kimmel, dass mitten in der Verleihung eine Gruppe ahnungsloser Touristen in den Saal geführt wurden und völlig überrascht waren, als sie all diese Promis sahen. Dieses Jahr überlegte er sich eine ähnliche Organisation, aber genau anders rum. So schnappte er sich ein paar Freiwillige (wenn ich richtig gezählt habe: Mark Hamill, Armie Hammer, Ansel Elgort, Gal Gadot, Emily Blunt, Guilermo del Toro und Lupita Nyong’o) und ging mit diesen in den gegenüberliegenden Kinosaal, um die Kinozuschauer mit Süßigkeiten und Hot Dogs zu überraschen. „Thank you to the movie-goers“.
  • Während der ganzen Verleihung wurden immer wieder Rückblicke aus der gesamten Kinogeschichte gezeigt. So wurden diesmal nicht im Voraus die einzelnen Anwärter für „bester Film“ präsentiert, sondern es wurden die Genres genommen und daraus ein Rückblick erstellt. So wurde beispielsweise für Dunkirk ein Zusammenschnitt aus 90 Jahre Filmgeschichte zum Thema Kriegsfilm gezeigt. Ebenfalls wurden vor den Kategorien der besten Hauptdarsteller (actor/actress) Zusammenschnitte aus den Filmen der bisherigen Gewinner gezeigt. So wurde immer wieder gekonnt der Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschaffen.

So dann lasst uns nun wieder in die nächste Oscarsaison starten und uns auf das nächste Jahr wieder freuen 🙂

Die 90. Academy Awards – Prognose & Gewinner

Wie jedes Jahr möchte ich nun auch wieder meine Prognosen abgeben und diese dann heute Nacht um die tatsächlichen Gewinner zu erweiteren. Also ohne großes Primborium hier sind die Kategorien:

Bester Film

Offizieller Tipp:               The Shape of Water
Persönlicher Favorit:     Three Billboards outside Ebbing, Missouri

And the Oscar goes to:   The Shape of Water

Beste Regie

Offizieller Tipp:               Guillermo del Toro – Shape of Water
Persönlicher Favorit:     Greta Gerwig – Lady Bird

And the Oscar goes to:   Guillermo del Toro

Bester Hauptdarsteller

Offizieller Tipp:                Gary Oldman
Persönlicher Favorit:      Gary Oldman

And the Oscar goes to:   Gary Oldman

Beste Hauptdarstellerin

Offizieller Tipp:                Frances McDormand
Persönlicher Favorit:      Saoirse Ronan

And the Oscar goes to:   Frances McDormand

Bester Nebendarsteller

Offizieller Tipp:               Sam Rockwell
Persönlicher Favorit:     Richard Jenkins

And the Oscar goes to:   Sam Rockwell

Beste Nebendarstellerin

Offizieller Tipp:              Octavia Spencer
Persönlicher Favorit:    Octavia Spencer

And the Oscar goes to:   Allison Janney

Bestes adaptiertes Drehbuch

Offizieller Tipp:               Mudbound
Persönlicher Favorit:     Logan – The Wolverine

And the Oscar goes to:   Call me by your name

Bestes Orginaldrehbuch

Offizieller Tipp:              Three Billboards outside Ebbing, Missouri
Persönlicher Favorit:    Lady Bird

And the Oscar goes to:   Get Out

Beste Kamera

Offizieller Tipp:               Shape of Water
Persönlicher Favorit:     Dunkirk

And the Oscar goes to:   Blade Runner 2049

Bestes Szenenbild

Offizieller Tipp:              Dunkirk
Persönlicher Favorit:    Shape of Water

And the Oscar goes to:   Shape of Water

Bestes Kostümdesign

Offizieller Tipp:               Der seidene Faden
Persönlicher Favorit:     Die dunkelste Stunde

And the Oscar goes to:   Der seidene Faden

Beste Filmmusik

Offizieller Tipp:               Shape of Water
Persönlicher Favorit:      Dunkirk

And the Oscar goes to:   Shape of Water

Bester Filmsong

Offizieller Tipp:               This is me
Persönlicher Favorit:     This is me

And the Oscar goes to:   Remember Me – Coco

Bestes Make-up und beste Frisuren

Offizieller Tipp:                Die dunkelste Stunde
Persönlicher Favorit:      Wunder

And the Oscar goes to:   Die dunkelste Stunde

Bester Schnitt

Offizieller Tipp:               Dunkirk
Persönlicher Favorit:     Baby Driver

And the Oscar goes to:   Dunkirk

Bester Ton

Offizieller Tipp:               Blade Runner 2049
Persönlicher Favorit:     Blade Runner 2049

And the Oscar goes to:   Dunkirk

Bester Tonschnitt

Offizieller Tipp:              Baby Driver
Persönlicher Favorit:    Baby Driver

And the Oscar goes to:   Dunkirk

Beste visuellen Effekte

Offizieller Tipp:               Blade Runner 2049
Persönlicher Favorit:     Star Wars – Die letzten Jedi

And the Oscar goes to:   Blade Runner 2049

Bester Animationsfilm

Offizieller Tipp:               Coco – Lebendiger als das Leben
Persönlicher Favorit:      Loving Vincent

And the Oscar goes to:   Coco – Lebendiger als das Leben

Bester Animationskurzfilm

Offizieller Tipp:                 ohne Wertung
Persönlicher Favorit:       ohne Wertung

And the Oscar goes to:   Dear Basketball

Bester Kurzfilm

Offizieller Tipp:                 ohne Wertung
Persönlicher Favorit:       ohne Wertung

And the Oscar goes to:   The silent Child

Bester Dokumentarfilm

Offizieller Tipp:                 ohne Wertung
Persönlicher Favorit:       ohne Wertung

And the Oscar goes to:   Ikarus

Bester Dokumentations-Kurzfilm

Offizieller Tipp:                 ohne Wertung
Persönlicher Favorit:       ohne Wertung

And the Oscar goes to:   Heaven Is a Traffic Jam on the 405

Bester fremdsprachiger Film

Offizieller Tipp:                 ohne Wertung
Persönlicher Favorit:       ohne Wertung

And the Oscar goes to:   Eine fantastische Frau – Chile

 

Auswertung

Richtig offizieller Tipp:                   11
zusätzlich persönlicher Favorit:     1
Enthaltungen:                                     5
Falsch gelegen:                                   7

Kategorien:                                         24

Ich finde das ist ein guter Schnitt 🙂 Und nun geht es auf die nächste Saison 😉

Die 90. Academy Awards – Die Nominierten

Die Oscarsaison ist in vollem Gange und wieder einmal presst Deutschland die Kinostarts in ein paar Wochen vor der Verleihung. Natürlich gibt es auch dieses Jahr wieder Filme, die nicht pünktlich vor der Verleihung ihren Kinostart haben. Dazu zählen – nur in den „großen“ Kategorien gezählt – Lady Bird, I, Tonya, The Florida Project und Roman J Israel. Auch werde ich es wohl nicht mehr schaffen Call me by your name mit Kinostart am 01.03. noch rechtzeitig zu sehen. Alle anderen Filme, habe ich nun nachgeholt zu sehen, was wieder mehrere längere Zug/Autofahrten nach sich zog. Hier folgen nun die Kurzkritiken zu ebendiesen Filmen, sowie ein Überblick über die anderen nominierten Filme, zu denen bereits ein Artikel exisitiert:

Der seidene Faden

Nominiert für: Bester Film, bester Hauptdarsteller, beste Regie, beste Nebendarstellerin, beste Filmmusik und bestes Kostümdesign
Die Handlung: Der Designer Reynolds Woodcock verliebt sich in die junge Kellnerin Alma. Ungeachtet ihres Altersunterschieds verlieben sie sich ineinander und Alma zieht bei ihm ins große Haus. Dort lebt ebenfalls Cyrill, Reynolds Schwester. Schnell merkt Alma, dass es gar nicht so einfach ist den exzentrischen Designer zu lieben und er kaum Zeit für sie findet. Doch versucht sie immer wieder seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Meine Meinung: Daniel Day-Lewis offiziell letzter Film – zumindest wurde der Film so beworben. Bei so einer Ankündigung erwartet man schon einen großartigen Film. Und Day-Lewis spielt auch herausragend und haucht dem exzentrischen Designer Woodcock Leben ein. Als Kandidat für den Oscar als bester Hauptdarsteller spielt er Woodcock mit vielen verschiedenen Facetten und kann überzeugen. Leider ist dies auch fast schon das einzige positive, was man über den Film sagen kann. Denn die Handlung, gestreckt auf 130 Minuten, vermag es zwar für die erste halbe Stunde einen interessanten Gedankengang zu zeigen, fällt aber umso schneller wieder ab. Dem hin und her zwischen Liebe und Hass zwischen Woodcock und Alma geht ganz schnell die Luft aus und so richtig wusste der Film dann doch nicht, was er erzählen wollte. Auch kann Vicky Krieps als Alma nicht mit einem Daniel Day-Lewis mithalten, was man leider auch sehr schnell merkt. Hier fehlt es an Mimik und einer eigenen Interpretation des Charakters. Nicht gerade wird es, dass Krieps auch die deutsche Synchronisation ihrer Rolle übernimmt und diese – wie wohl auch im Original –  lustlos und sehr nuschelig und damit unpassend für die Rolle vorgetragen wird.
Das Fazit: Der seidene Faden kann in seiner Gesamtheit leider nicht überzeugen und ist ein eher ungewöhnlicher Oscarkandidat. Lediglich Daniel Day-Lewis sticht mit einer herausragenden letzten Performance hervor. Dafür gibt 04 von 10 möglichen Punkten.

Die dunkelste Stunde

Nominiert für: Bester Film, bester Hauptdarsteller, beste Kamera, bestes Szenenbild, bestes Kostümdesign, bestes Make-up und beste Frisuren
Die Handlung: Anfang Mai 1940 wird Neville Chamberlain als Premierminister Großbritanniens abgesetzt. Ihm folgt der in seiner eigenen Partei unbeliebte Winston Churchill. Ohne Unterstützung von Partei und König versucht Churchill nun in den Anfängen des zweiten Weltkriegs seine Landmänner von der Notwendigkeit eines Kampfes zu überzeugen, während Chamberlain und der Außenminister Halifax auf Friedensgespräche mit Adolf Hitler drängen. Gleichzeitig sitzen über 300.000 junge Männer in Dünkirchen fest.
Meine Meinung: Die dunkelste Stunde erzählt einen begrenzten Zeitraum von ca. einem Monat im Jahr 1940. Und obwohl er mitten im zweiten Weltkrieg spielt, zeigt er nur sehr wenige Kriegsszenen. Denn es geht hier wirklich primär um Churchill uns seine Entscheidungen. Dabei ist der Film durchgehend spannend, interessant und einfach nur mitreißend. Trotzdem lässt der Film dem Zuschauer die freie Entscheidung bei der Meinungswahl. Er versucht nicht mit der Holzhammermethode Churchills Entscheidung zu verteidigen, sondern stellt verschiedene Meinungen und Positionen vor, die man entweder wählen kann oder eine ganz eigene Meinung vertreten kann. Das Setting ist mit den historischen Nachstellungen gut umgesetzt und auch die Musik vermittelt die düstere Grundstimmung. Gary Oldman übernimmt die Rolle des Churchills und ist hier auch als bester Darsteller nominiert. Auf dem ersten Blick erkennt man Oldman auch gar nicht, hier hat die Maske wirklich gezaubert, um den Churchill gut nachgestellt zu bekommen. Oldman selbst spielt sehr konzentriert und schafft es gekonnt alle Eigenarten umzusetzen. So schafft er einen sehr realistischen Churchill und ist damit heißer Kandidat für den begehrten Goldjungen.
Das Fazit: Die dunkelste Stunde kann in allen Belangen überzeugen und schafft es hochpolitisch, aber doch spannend zu bleiben. Gary Oldman liefert eine einmalige Darstellung des Churchills ab. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Shape of Water

Nominiert für: Bester Film, beste Regie, beste Hauptdarstellerin, bester Nebendarsteller, beste Nebendarstellerin, bestes Originaldrehbuch, beste Filmmusik, bester Ton, bester Tonschnitt, bestes Szenenbild, beste Kamera, bester Schnitt, bestes Kostümdesign
Die Handlung: Anfang der 1960er Jahre wird ein Wesen aus dem Amazonas in eine amerikanische Forschungseinrichtung gebracht, halb Mensch, halb Amphibie. Es soll den Amerikanern helfen im Wettlauf gegen die Russen bei der ersten bemannten Raumfahrt. Die stumme Elisa, die dort als Reinigungskraft arbeitet, entwickelt schnell ein ganz eigenes Verhältnis zu dem Wesen.
Meine Meinung: Shape of Water ist ein ruhig erzähltes modernes Märchen. Das unterstreicht die Filmmusik und das gesamte Setting. In einem gleichmäßigen, eher grünlich gehaltenem Setting, kommt man sich mehr als einmal wie in einer fernen Unterwasserwelt vor. Die Handlung ist ebenfalls relativ einfach gehalten und dadurch relativ vorhersehbar. Dennoch weiß sie durch geschickte kleine Kritiken durchaus zu überraschen. So bilden Elisa und ihre Freunde, der schwule Giles und die schwarze Zelda, eine kleine Nischengemeinschaft, die nicht wirklich von der sprechenden, weißen, heterosexuellen Allgemeinheit akzeptiert werden. Jeder von den dreien geht jedoch anders damit um. Als Gegenstück dazu wurde der Sicherheitschef Richard Strickland konzipiert. So ist auch die Frage der Sympathie sehr schnell geklärt, denn Strickland macht es einem sehr leicht ihn zu hassen. So ist der Film in seiner Gesamtheit wunderschön konzipiert, es mangelt ihm aber irgendwo an Ecken und Kanten. Durch das klare Einordnen in Schwarz und Weiß wird dem Film ein Stück Besonderheit genommen. Die Darsteller agieren alle in ihren Rollen herausragend, wobei ich Richard Jenkins Leistung als Giles noch am herausragendsten ansehe.
Das Fazit: Shape of Water erzählt genau das wundervolle Märchen, was es angekündigt hat. Dennoch fehlt irgendwo Guillermo del Toros bekannter Mut, wie man ihn noch in Pans Labyrinth fand. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Die Verlegerin

Nominiert für: Bester Film und beste Hauptdarstellerin
Die Handlung: 1971 veröffentlich die New York Times die sogenannten Pentagon-Papiere, die die Verschleierung über den Vietnam-Krieg durch vier verschiedene US-Präsidenten enthalten. Während das weiße Haus rechtliche Schritte gegen die Times unternimmt, versucht auch die Washington Post an diese Papiere zu kommen, um ebenfalls darüber berichten zu können. Doch hätten sie sich keinen schlechteren Zeitpunkt dafür aussuchen können, denn der Börsengang der Post steht kurz bevor und die Verlegerin Katherine Graham muss nun weitreichende Entscheidungen treffen.
Meine Meinung: Die Verlegerin hat im Original den wesentlich passenderen Titel The Post. Denn es geht im Film nicht einzig und allein um die Verlegerin Katherine Graham, die nach dem Tod ihres Mannes versuchen muss die Redaktion zu halten und sich gleichzeitig in der Männerdomäne zu behaupten, sondern um die Post in ihrer Gesamtheit und wie viele verschiedene Akteure mit der Situation umgehen. So bilden zwar Tom Hanks und Meryl Streep als Chefredakteur Ben Bradlee und Verlegerin Katherine Graham das Gespann, um das es sich hauptsächlich dreht, dennoch kommt der Film nicht ohne seine Nebencharaktere aus. Geschickt schafft es Regisseur Steven Spielberg in wenigen Szenen die Tragödie hinter dem Vietnamkrieg zu umreißen und die Entscheidung des Whistle-Blowers Daniel Ellsberg zu erzählen. In 117 Minuten Spiellänge erzählt Spielberg nun den bevorstehenden Börsengang, die Besorgung der Pentagon-Papers und die schwierige Entscheidung, ob diese veröffentlicht werden sollen. Nur im Nebenton führt er die Probleme Grahams an, sich in der Männerdomäne zu beweisen und aus dem Schatten ihres verstorbenen Mannes zu treten. Dabei beweist Spielberg erzählerisches Geschick und schafft es die Spannung durchgehend hoch zu halten. Schauspielerisch brauch sich keiner der Darsteller hinter der nominierten Streep zu verstecken, die zwar gekonnt und souverän spielt, aber dennoch nicht so wirklich aus ihrem eigenen Schatten heraustritt.
Das Fazit: Die Verlegerin ist eine spannend erzählte und wahre Geschichte, die vom Zusammenspiel verschiedener Erzählstränge und den Einfluss verschiedener Schauspieler aufblüht. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Alles Geld der Welt

Nominiert für: Bester Nebendarsteller
Die Handlung: 1973 wird der Milliardärenkel John Paul Getty III in Rom entführt und ein Lösegeld von 17 Million Dollar gefordert. Die geschiedene Mutter Gail hat jedoch kaum genug Geld für die Miete. So muss sie ihren ehemaligen Schwiegervater, den reichsten Mann der Welt, um Hilfe bitten. Dieser lehnt jedoch jegliche Hilfe ab, bitte aber den Ex-CIA-Agent Fletcher Chase sich der Sache anzunehmen.
Meine Meinung: Alles Geld der Welt hat wohl vor allem deswegen Schlagzeilen gemacht, weil er eigentlich schon komplett mit Kevin Spacey als John Getty abgedreht war und ihm auch schon die Oscarnominierung sicher schien. Bis zum #Metoo-Skandal in dem auch Spacey verstrickt ist und er deswegen komplett aus dem Film gestrichen wurde und durch Christopher Plummer ersetzt wurde, der auch prompt die einzige Oscarnominierung für den Film erhielt. Ob das nun wirklich an Plummers Spiel lag, darüber lässt sich wohl diskutieren, denn seine schauspielerische Leistung ist zwar durchaus souverän, geht aber doch nicht ins außergewöhnliche über. Auch Mark Wahlberg und Charlie Plummer als Fletcher Chase und John Paul Getty III bleiben hinter den Möglichkeiten zurück. Lediglich Michelle Williams als besorgte Mutter kann wirklich überzeugen. Leider bleibt der Film auch ansonsten hinter seinen Möglichkeiten und ist mit 132 Minuten Spiellänge deutlich zu lang. Die erzählte, und wahre, Geschichte über die Entführung Paul Gettys wird zwar in allen Facetten deutlich, doch die einzelnen Entscheidungen werden sehr schwammig angeführt. So rechtfertig sich Getty Senior zwar damit, dass er mehr als nur einen Enkel hätte und wenn er dieses eine Mal zahle, dann würde er auch alle anderen Enkel in Gefahr bringen. Doch dieser Dreizeiler im Film, hätte doch etwas deutlicher gemacht werden können. So wird an keiner Stelle an einer Charakterentwicklung gearbeitet. Getty Senior bleibt der geldgeile Idiot, Gail die bemitleidenswerte Mutter, Getty Junior der entführte Bubi. Tatsächlich gibt es nur einen Charakter, der sich weiterentwickelt und das ist der Entführer Cinquanta.
Das Fazit: Schwammig erzählt, viel zu lang, um Spannung zu erzeugen oder zu halten und auch die Darsteller können nur bedingt überzeugen. Hier wäre deutlich mehr aus der Geschichte herauszuholen gewesen. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Dunkirk

Nominiert für: Bester Film, beste Regie, beste Kamera, bestes Szenenbild, beste Filmmusik, bester Schnitt, bester Ton, bester Tonschnitt
Die Handlung: 1940 sind über 300.000 Soldaten in Dünkirchen von den deutschen Soldaten eingekesselt. Ihre einzige Hoffnung sind zivile Rettungsboote.
Meine Meinung: erfahrt ihr hier in meiner ausführlichen Kritik
Das Fazit: Dunkirk überzeugt durch Darstellung, Dramaturgie und Erzählweise. Dabei ist er brutal ehrlich und versteckt sich nicht hinter Patriotismus. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Three Billboards outside Ebbing, Missouri

Nominiert für: Bester Film, bestes Originaldrehbuch, beste Hauptdarstellerin, bester Nebendarsteller (2x), beste Filmmusik, bester Schnitt
Die Handlung: Mildred Hayes kann mit dem Tod ihrer Tochter nicht abschließen. Denn auch sieben Monate nachdem diese getötet wurde, gibt es noch keine Hinweise auf den Täter. Das lässt Mildred nicht auf sich sitzen und mietet drei Werbetafeln (Billboards) vor der Stadt an, um darauf den ansässigen Polizeichef bloßzustellen. Doch Chief Willoughby ist in Ebbing ein angesehener Mann und so macht sich Mildred schnell Feinde.
Meine Meinung: erfahrt ihr hier in meiner ausführlichen Kritik.
Das Fazit: Three Billboards outside Ebbing, Missouri ist ein Film, der weiß, wie er ordentlich provozieren kann und dabei doch eine starke Geschichte erzählt und den schmalen Grad zwischen ruhiger Erzählweise mit gleichzeitig hoher Spannung trifft.  Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Get Out

Nominiert für: Bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller, bestes Originaldrehbuch
Die Handlung: Chris Washington besucht nach fünf Monaten Beziehung das erste Mal die Eltern seiner Freundin Rose. Ziemlich nervös ist er vor der Reise schon, denn Roses Eltern leben in einer Vorstadtsiedlung, die hauptsächlich von weißen Menschen bevölkert wird, während Chris Afroamerikaner ist. Seine Befürchtungen scheinen auf dem ersten Blick unbegründet, doch benehmen sich alle ein wenig merkwürdig in seinrer Nähe.
Meine Meinung: Get Out ist ein Horrorfilm, der sich in erster Linie doch mit der Rassismusfrage beschäftigt. Dennoch gelingt Regisseur Jordan Peele der Spagat zwischen spannender Geschichte und unterschwelliger Kritik, so dass man diese erst bei genauerem Nachdenken über den Film wirklich gewichtet. So ist Get Out leider an erster Stelle ein nicht so richtig spannender Horrorfilm geworden. Die Einleitung ist etwas zu lang geraten, der mittlere Teil auch, nur der spannende letzte Teil ist zu kurz. Daher scheint die Lösung des Films irgendwo viel zu einfach. Am Ende vergisst man die Zwischenhandlung doch ganz schnell. Nur die eigentliche Kritik bleibt bestehen und klingt im Gedächtnis noch ein wenig nach. Auch sind die schauspielerischen Leistungen zwar alle solide, aber gerade die vom nominierten Daniel Kaluuya reicht nicht an eine oscarwürdige Leistung heran, zusehr verharrt sie auf immer ähnlichen Gesichtszügen.
Das Fazit: Get Out hat von allem leider etwas zu wenig. Zu wenig Spannung, zu wenig Horror, zu wenig Humor. Lediglich der Teil des Films, der kritisiert und sich mit Rassismus beschäftigt ist gelungen. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Mudbound

Nominiert für: Bestes adapiertes Drehbuch, beste Kamera, beste Nebendarstellerin, bester Filmsong
Die Handlung: Südstaaten nach dem zweiten Weltkrieg. Die McAllen haben ein Stück Land gekauft, das kaum zu beackern ist. Das überlassen sie der Familie Jackson, Afroamerikaner, deren Familie das Land früher gehörte. Als nach dem Krieg die Soldaten in beiden Familien heimkehren und sich trotz der Rassentrennung gut verstehen und zusammen das Trauma des Krieges aufarbeiten, stößt das bei beiden Familien auf Unverständnis und bei manchen sogar auf Wut.
Meine Meinung: Mudbound, was laut google Übersetzer matschig bedeutet, beschreibt den Film ganz gut. Denn das erste und letzte, was man vom Film sieht, sowie das Element, das einem wohl am meisten im Gedächtnis bleibt ist der Matsch. Er ist allgegenwärtig im Film. Der sehr langsam erzählte, und dadurch leider sehr zäh gewordene Film, hat viele gute Ansätze. Er durchleuchtet den Unterschied zwischen dem armen Schwarzen und dem armen Weißen. Zwei Familien, ein Stück Land, beide müssen ein Familienmitglied in den Krieg schicken, beide kommen gezeichnet davon wieder. Und beide haben keine Lust mehr auf den Rassismus, der zu Hause vorherrscht. Trotzdem trennen beide Welten. Leider wird die Geschichte etwas zu verworren und deutlich zu langatmig erzählt. Er kommt nicht so richtig auf den Punkt. Dabei bot er sehr viel Potential. Mary J. Blige ist als beste Nebendarstellerin nominiert. Dafür hat sie jedoch erstaunlich wenig Screentime, auch wenn Sie diese nutzt, um eine grundsolide Leistung abzulegen, aber auch nicht mehr.
Das Fazit: Mudbound hat gute Ansätze und ein interessantes Setting. Wirklich überzeugen kann er durch seine langsame und dadurch langatmige Erzählung leider nicht, auch wenn die Geschichte eigentlich unter die Haut gehen könnte. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Blade Runner 2049

Nominiert für: Beste Kamera, bester Ton, bester Tonschnitt, beste visuelle Effekte, bestes Szenenbild
Die Handlung: Im Jahr 2049 gibt es noch immer Replikanten, künstlich erschaffene Menschen, die versklavt werden, um den „reinen“ Menschen zu dienen. Die Blade Runner sind noch immer dafür verantwortlich diese zu jagen und auszuschalten. Bei einer seiner Missionen entdeckt Agent K etwas, das dringend unter den Tisch gekehrt werden muss. So begibt er sich auf die Suche und findet Antworten, die er eigentlich gar nicht finden wollte.
Meine Meinung: erfahrt ihr hier in meiner ausführlichen Kritik.
Das Fazit: Alles in allem ist Blade Runner ein Film, der lange im Kopf bleibt und viele positiven Seiten hat, letztendlich aber mit einem schlechten Nachgeschmack hängen bleibt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Star Wars – die letzten Jedi

Nominiert für: beste visuelle Effekte, bester Ton, bester Tonschnitt, beste Filmmusik
Die Handlung: Der Widerstand widersetzt sich noch immer der ersten Ordnung. Als ihre Hauptflotte jedoch von der ersten Ordnung verfolgt wird und es kaum noch Hoffnung gibt, überlegen sich Finn und Widerständler Poe Dameron einen Alternativplan. Gleichzeitig trifft Rey auf einer abgelegenen Insel auf Luke Skywalker. Sie bittet ihn dem Widerstand zu helfen und sie in den Künsten der Jedi zu unterrichten.
Meine Meinung: erfahrt ihr hier in meiner ausführlichen Kritik.
Das Fazit: Trotz ein paar kleinerer Schwächen ist Star Wars – die letzten Jedi ein gelungener Film und eine würdige Fortsetzung, auch wenn sich hier die Geister streiten werden. Mir hat er in seiner Gesamtheit gut gefallen, auch wenn der Humor eindeutig aus einer Marvel-Schublade geklaut wurde. Szenenbild, Handlung, Schauspiel und Spannung gehen Hand in Hand auf sehr hohem Niveau. Daher bekommt der Film 09 von 10 möglichen Punkten.

Baby Driver

Nominiert für: bester Schnitt, bester Ton, bester Tonschnitt
Die Handlung: Baby hat seit einem Autounfall einen Tinitus auf den Ohren und hört daher Musik, um sich zu konzentrieren. Seit einer Jugendsünde arbeitet er als Fluchtwagenfahrer für Doc und ist trotz seines jungen Alters einer der besten. Doch insgeheim und gerade seit er die Kellnerin Deborah kennenlernte, möchte er gerne aussteigen.
Meine Meinung: erfahrt ihr hier in meiner ausführlichen Kritik.
Das Fazit: Auch ohne große Handlung überzeugt Baby Driver in vielen Bereichen und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Und was sind eure Oscarfavoriten?

Wunder

Am 25.01.2018 erschien ein Film über das Wunder des Lebens in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Kinder können ganz schön gemein sein. Das weiß wohl jeder noch aus seiner Kindheit. Kinder sind nämlich brutal ehrlich, wo Erwachsene versuchen sich hinter schönen Formulierungen zu verstecken. Während Erwachsene bei zu hohem Gewicht einer Person noch vorsichtig sagen, dass derjenige etwas korpulenter ist, sagen Kinder ganz ehrlich, der ist dick. Manchmal ist die Ehrlichkeit von Kindern eine Wohltat, manchmal versucht man ihnen noch Taktgefühl beizubringen. Aber was, wenn man durch ungünstige Umstände entstellt ist. Man kann nichts dafür, aber es wird auch niemals besser werden. Und wenn man dann ständig auf andere Kinder trifft, die einem regelmäßig sagen, wie hässlich man ist? Wie würde man dann reagieren, wie verkraftet man so was? Und wie geht dein Umfeld damit um? Deine Familie, deine Freunde? Genau damit befasst sich der Film Wunder.

Die Handlung

Auggie (Jacob Tremblay) wurde seit seiner Geburt unzählige Male operiert, damit er überhaupt leben kann. Leider ist er dadurch im Gesicht durch viele Narben entstellt. Im Schutze seiner Familie hat er bisher sehr sorglos gelebt. Doch nun wollen seine Eltern, dass er nicht mehr von seiner Mutter (Julia Roberts) zu Hause unterrichtet wird, sondern auf eine Schule geht. Damit ist das Chaos vorprogrammiert.

Meine Meinung

Die größte Befürchtung vor dem Film war, dass dieser wahrscheinlich sehr stark gewollt auf die Tränendrüse drückt. Doch genau diesen Teil hat Wunder geschickt umspielt. Denn Wunder ist zwar hochemotional und die ein oder andere Träne wird durchaus beim Zusehen verdrückt. Aber Wunder erzählt nicht die traurige Geschichte eines hässlichen Entleins, sondern bringt ein vielschichtiges Drama hervor, dass sich mit mehreren Sichtweisen beschäftigt.
Natürlich sind einige Handlungsabschnitte vorprogrammiert. Auggie kommt in die Schule und natürlich kann kaum einer wirklich cool mit seiner Situation umgehen. Gerüchte kursieren und er hat ganz schön mit der Einsamkeit zu kämpfen. Aber es gibt auch Handlungsabschnitte, die man so vorher nicht erwartet hätte und die den Film so besonders machen. Auch versucht der Film möglichst objektiv die verschiedenen Einstellungen zu durchleuchten und lässt daher mehrere Personen auch ihre Geschichten erzählen und wie sie zu Auggie stehen. Natürlich kommt der Film trotzdem nicht ohne einiges Klitsches aus, setzt diese aber subtil genug ein, dass sie den Sehgenuss nicht stören.
Ein großes Lob gehört Jacob Tremblay, der nach Raum erneut zeigt, was für ein Talent bereits mit seinen jungen Jahren in ihm steckt. Er spielt den Auggie mit allem, was dazu gehört. Er lebt seinen Schmerz, aber bringt auch alle anderen Emotionen gekonnt rüber. Das macht die Figur des Auggie so glaubwürdig und fängt das Mitgefühl des Zuschauers gekonnt ein. Verstecken muss er sich auf keinen Fall hinter den Schauspielgrößen Julia Roberts und Owen Wilson, die die Eltern von Auggie verkörpern. Beide spielen sehr zurückhaltend, was dem Film aber unglaublich gut tut. Ein ständiges emotionales Kaleidoskop hätte dem Film eher gestört. Die übrigen schauspielerischen Leistungen sind durchgehend gut, auch wenn die anderen Kinderdarsteller definitiv nicht an Jacob Tremblay heranreichen. Da war dann doch noch etwas Potential nach oben – was aber wieder Kritik auf hohem Niveau ist.

Das Fazit

Wunder ist ein sehr emotionaler Film, aber auf die subtile Art und nicht auf die Holzhammermethode. Die Handlung kann durch verschiedene Erzählebenen überzeugen, die die Sichtweisen verschiedener Charaktere widerspiegelt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Your name.

Am 11.01.2018 erschien ein in Japan sehr erfolgreich laufender Anime in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Da Your Name. in Japan sehr erfolgreich lief – genau genommen die zweierfolgreichste japanische Produktion ist – wurden zunächst zwei Kinotermine für Deutschland bekannt gegeben. Auf Deutsch synchronisiert und mit dem Untertitel „Gestern, heute und für immer“ zeigten 150 deutsche Kinos den Anime. Doch auch hier lief er sehr erfolgreich und so wurden kurz darauf noch einmal fünf Zusatztermine in noch mehr Kinos bekannt gegeben. Auch ohne Fan von Animes zu sein, wurde man so auf den Film aufmerksam und neugierig.

Die Handlung

Mitsuha lebt in einem kleinen Dorf in Japan und träumt davon irgendwann ihrer Situation entfliehen zu können. Taki lebt in Tokio und ist auch nicht allzu zufrieden mit seinem Leben. Beide haben merkwürdige Träume. Bis sie feststellen, dass sie tatsächlich an manchen Tagen die Körper tauschen. Also beschließen sie das beste aus der Situation zu machen und versuchen irgendwie zu planen, wie sich der andere verhalten soll, wenn er im Körper des jeweils anderen ist.

Meine Meinung

Die Handlung klingt zunächst nach einer simplen Rollentauschkomödie, nur dass es diesmal eben als Anime umgesetzt wurde. So weit so bekannt. Doch Your Name geht noch einmal einen Schritt weiter und spinnt zur Rollentauschkomödie noch einige weitere Handlungsstränge mit hinein. Und genau hier setzt das besondere am Film an. Denn Your Name ist alles andere als gewöhnlich – immerhin kommt er aus Japan, da ist nichts gewöhnlich. So schafft er es in 107 Minuten eine Geschichte zu erzählen, die den Zuschauer auf so vielen unterschiedlichen Ebenen berühren. Der Film ist liebevoll, spannend, witzig, berührend und trifft genau den richtigen Nerv. Ganz nebenbei schafft er so vielschichtige Charaktere, mit denen man fühlt und die einem absolut sympathisch sind. Zwar nicht alle, so dass es auch Charaktere gibt, die negativ auffallen, aber in einem überschaubaren Rahmen.
Your Name fängt zunächst relativ verwirrend an. Als Neuling in der Animewelt ist es zudem noch ein bisschen schwieriger die ersten Minuten zu greifen, was genau da versucht wird zu erzählen. Erst nach und nach verläuft der Film in regelmäßigere Muster. Ab dann ist auch die Handlung gut verständlich, wenn sie auch immer wieder mit neuen Überraschungen auftaucht. Trotzdem eilt die Handlung nicht, sondern lässt sich nach und nach mit einer gewissen Ruhe erzählen. Selbst in hektischeren Szenen, bleibt eine gewisse Gelassenheit zu spüren. Trotzdem ist die Handlung fast durchgehend spannend.
Ein weiteres großes Kompliment geht an die Animatoren. Denn Your Name. ist sehr detailliert und sehr ausführlich gezeichnet. Während herkömmliche Animes – was man halt nachmittags beim durchschalten auf RTL2 so sieht – in manchen Szenen die Mimik doch stark vereinfacht darstellt, legt Your Name. hier durchgehend großen Wert aufs Detail.

Das Fazit

Your Name. ist ein sehr schön gezeichneter Film, der über die bekannte Körpertauschthematik hinausgeht und mit einer gut durchdachten und spannenden Handlung überzeugen kann. Auch Animeabgeneigte kommen hier auf ihre Kosten. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Paddington 2

Am 23.11.2017 erschien die Fortsetzung rund um den Bär aus Peru und seinen Abenteuern in London in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Bereits seit 1957 schreibt Autor Michael Bond über den kleinen Bären aus Peru, der von seiner Tante und Onkel nach London geschickt wurde und dort am Bahnhof Paddington von der Familie Brown gefunden wird. 25 Bücher umfasst die Reihe, von der nur zehn auf Deutsch übersetzt wurden. 2014 erschien bereits ein erster Film, der sich mit Paddingtons Ankunft in London beschäftigt und ein Abenteuer nach sich zieht, in dessen Folge Paddington und die Browns eine Familie werden.

Die Handlung

Paddington möchte seiner Tante Lucy zu ihrem 100. Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk machen. Schnell findet er in einem Antiquariat ein Buch über London. Doch um es kaufen zu können, muss er einige Nebenjobs annehmen. Als er endlich das Geld zusammen hat, wird das Buch gestohlen und Paddington des Diebstahls beschuldigt. Nun versucht Familie Brown seine Unschuld zu beweisen.

Meine Meinung

Das es zu dem ersten Film von Paddington eine Fortsetzung geben würde, stand außer Frage. Die eigentliche Frage war eher, um was würde es in der Fortsetzung gehen. Denn der Trailer, so süß er auch gemacht war, ließ keine großen Schlüsse zu und schreckte doch eher von einem Kinobesuch ab, als für ihn zu animieren. So habe ich vergleichsweise lange gezögert mich doch in den Kinosaal zu setzen. Erst nach ausdrücklicher Empfehlung kaufte ich mir das Ticket.
Der Film beginnt zunächst mit einer kurzen Übersicht über das Geschehen zwischen den beiden Teilen und was die Familienmitglieder seitdem tun. So plätschert der Film zunächst ein bisschen vor sich hin, kann aber doch mit süßen kleinen Einfällen wieder punkten und bringt das Publikum bereits hier zum schmunzeln. Erst dann wird das eigentliche „Problem“ erläutert, auf der die Haupthandlung basiert. Paddingtons Tante Lucy wird 100 Jahre alt und Paddington möchte ihr ein ganz besonderes Geschenk machen. Der weitere Verlauf des Films ist ungemein liebevoll gestaltet, auch wenn einige Szenen zunächst etwas befremdlich wirken für einen Kinderfilm. Im Laufe des Films gibt es einige Szenen, die auch absolut „over the top“ sind und auf den ersten Blick einfach nur bizarr wirken. Doch gerade diesen Szenen werden mit einer solchen Herzlichkeit umgesetzt, dass sie doch wieder hervorragend funktionieren und dadurch fast zum Herzstück des Films werden. Ich denke hier nur an einige Szenen, die im Gefängnis spielen.
Paddington hat eine ganz besondere Art Humor zu zeigen. Denn statt mit plumpen Witzen um sich zu schmeißen, bahnen sich die Witze ganz langsam an und überrollen den Zuschauer, bis sich dieser vor Lachen kaum noch auf den Sitzen halten kann. Selbst Szenen, die auf den ersten Blick nicht lustig wirken, schaffen es dann doch durch Kleinigkeiten – oder durch das Auftauchen von Mr. Curry, ich find seine schrullige Art ungemein lustig – wieder das Kino zum lachen zu bringen. So wechseln sich ernste, lustige, traurige und spannende Szenen regelmäßig ab und als Zuschauer fühlt man sich nur bestens unterhalten.
Zum bereits bekannten Cast um Hugh Bonneville und Sally Hawkins gesellen sich diesmal Hugh Grant als Bösewicht und Brendon Gleeson als Gefängniskoch. Ersterer scheint sich ungewollt selbst zu parodieren und spielt einen einst erfolgreichen Schauspieler, der sich selbst noch immer als das größte Talent weit und breit sieht, aber einfach keine ernstzunehmenden Rollen mehr bekommt. Trotzdem passt sein Charakter deutlich besser in den Paddington Film als noch Nicole Kidmans Millicent aus dem ersten Teil. Auch Brendon Gleeson ist ein großer Gewinn für den Paddington Film, spielt er doch den grummeligen Gefängniskoch mit einer Leidenschaft, die seinesgleichen sucht. Auch der bekannte Cast spielt gewohnt auf hohem Niveau.

Das Fazit

Paddington 2 ist ein süßer und liebevoller Familienfilm, der noch mehr als der erste Teil überzeugen kann. Obwohl er manchmal ein bisschen übertreibt, bringt er alle Emotionen gut rüber. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Die kleine Hexe

Am 01.02.2018 erschien die Verfilmung des Buchklassikers von Ottfried Preußler in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Ob das kleine Gespenst, der kleiner Wassermann oder eben die kleine Hexe. Die Kinderbuchklassiker von Ottfried Preußler zierten mein Bücherregal als noch klein war. Immer und immer wieder versuchte ich mit der kleinen Hexe eine gute Hexe zu werden, um endlich auch auf dem Blocksberg mit zu tanzen. So schlug mein Kinderherz wieder höher, als ich sah, dass das Buch von 1957 nun mit Karoline Herfurth verfilmt werden sollte, die sich spätestens mit SMS für dich von ihrem Fack ju Göhte Ruf verabschiedet hat.

Die Handlung

Jedes Jahr zur Walpurgisnach fliegen die Hexen auf den Blocksberg und tanzen dort ums Feuer. Nur die kleine Hexe (Karoline Herfurth) darf nicht mittanzen, denn mit ihren 127 Jahren ist sie noch zu jung. Trotzdem schleicht sie sich heimlich zum Tanz und wird dort prompt erwischt. Als Strafe wird ihr der Besen weggenommen und sie muss innerhalb eines Jahres das große Hexenbuch auswendig lernen und eine gute Hexe werden. Wenn sie das schafft, darf sie im nächsten Jahr mit um den Blocksberg tanzen. Ihr zur Seite steht ihr treuer Freund, der Rabe Abraxas.

Meine Meinung

Die kleine Hexe ist eines dieser kleinen aber sehr feinen Filme, den man nur mit einem Dauerlächeln sehen kann. Denn jede Szene, jedes Detail ist nur darauf ausgelegt irgendwo gute Laune zu verbreiten. Zwar merkt man schnell, dass der Film wirklich komplett auf die Kinder als Zielgruppe ausgelegt ist, aber sobald man sein inneres Kind wieder herausgeholt hat, funktioniert der Film ziemlich gut. Für mich war es ein Wiedersehen mit den Charakteren meiner Kindheit.
Ein wichtiger Punkt für das Funktionieren des Films ist eindeutig Karoline Herfurth, die ihre kleine Hexe mit so einer Hingabe und mit deutlich sehr viel Spaß spielt, dass ihre gute Laune einfach nur ansteckend wirkt. Zunächst muss man sich zwar etwas an ihre verlängerte Nase gewöhnen, damit sie zumindest ein bisschen wie eine Hexe aussieht, aber nichts trübt ihre gute Laune. Trotzdem spielt sie die traurigeren und ernsteren Szenen mit dem nötigen Respekt. So ist die kleine Hexe nicht nur eine süße Geschichte, sondern steckt auch voller Lektionen fürs Leben. Sei nett zu anderen Kindern, oder glaube nicht jedem Vorurteil, sind nur zwei Beispiele dafür.
Das es sich um eine deutsche Produktion mit einem nicht allzu großen Budget handelt, sieht man dem Film leider hier und da immer mal an. So kann beispielsweise der Rabe Abraxas seine CGI-Herkunft nicht verbergen. Das stört den Filmverlauf aber nicht. Die schauspielerischen Leistungen schwanken sehr stark. So spielt Karoline Herfurth sehr stark und auch Suzanne von Borsody kann als Wetterhexe Rumpumpel überzeugen. Therese Affolter als Oberhexe schwächelt hingegen in ihrer Rolle und die Kinderdarsteller spielen ziemlich hölzern. Dafür hat das Setting im Wald und das Häuschen der kleinen Hexe eine ganz eigene Magie und zeigt Deutschlands schöne Seiten.

Das Fazit

Die kleine Hexe ist ein süßer kleiner Kinderfilm, der das Buch gut widerspiegelt und den Zuschauer mit einem Dauerlächeln beglückt. Keine große teure Produktion, aber dafür eine mit einem sehr großen Herz. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone

Am 01.02.2018 erschien der dritte und letzte Teil der Maze Runner Trilogie in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Jugendliteraturverfilmungen liegen noch immer voll im Trend. Nach den Tributen von Panem und der Bestimmungsreihe, lief 2014 der erste Teil von Maze Runner an mit dem Einzeltitel „Die Auserwählten Im Labyrinth“. Nachdem mich der Film sehr begeistern konnte, weil er durchgehend spannend war, legte ich mir die komplette Trilogie in Buchform zu und verschlang sie daraufhin. Im Jahr 2015 erschien dann der zweite Teil „Die Auserwählten in der Brandwüste“ im Kino. Damals schrieb ich in meiner Kritik, dass ich so gar nicht mit dem Film einverstanden war, weil es sich nur noch teilweise an die Bücher hielt und zwischendurch einfach Elemente des zweiten und dritten Buches wild mischte. Die Dreharbeiten zum dritten Maze Runner Teil „Die Auserwählten in der Todeszone“ verzögerten sich dann, weil Hauptdarsteller Dylan O’Brien sich bei einer Stuntszene schwer verletzte und längere Zeit ausfiel. Dadurch verzögerte sich der Kinostart von Anfang 2017 auf Anfang 2018. Genug Zeit, um das Detailwissen aus den Büchern größtenteils zu verdrängen. In Vorbereitung auf das große Finale habe ich dann die Filme noch einmal gesehen und muss sagen, dass mir inzwischen der zweite Film wesentlich besser als damals bei der ersten Sichtung gefällt. Schafft der dritte Teil es nun das große Finale zu werden, wie im Trailer angekündigt? Immerhin wurden diesmal aus drei Büchern auch nur drei Filme gemacht und nicht das letzte Buch auf Biegen und Brechen versucht auf zwei Filme zu spalten. Das verspricht ja schon mal einiges!

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring diesen Absatz einfach.

Im ersten Teil „Die Auserwählten im Labyrinth“ lernen wir Thomas kennen, der ohne Erinnerung an sein bisheriges Leben auf eine Lichtung gesandt wird. Diese ist umgeben von einem riesigen Labyrinth. Mit auf der Lichtung sind Jungen alle in seinem Alter, die ihn vor dem Labyrinth warnen, denn es beherbergt Monster, die sie „Griever“ nennen. Doch Thomas will sein Schicksal nichts akzeptieren und versucht immer wieder die anderen zu überzeugen die Lichtung zu verlassen und einen Ausweg zu finden. Dabei finden sie heraus, dass es sich um ein Experiment handelt, da die halbe Bevölkerung von einem Virus befallen ist und dadurch den Verstand verlieren und sich in „Cranks“ verwandeln. Die Organisation dahinter ist WCKD, die Experimente an den Jungs durchführt, um ein Heilmittel zu finden.
Im zweiten Teil „Die Auserwählten in der Brandwüste“ wurden einige der Jungs von  Soldaten vermeintlich in Sicherheit gebracht, doch schnell stellt sich heraus, dass auch die angeblich sichere Einheit zu WCKD gehört und sie wieder nur Experimente sind. Thomas und seine Freunde wollen sich das nicht bieten lassen und fliehen in die Brandwüste. Doch hier sind sie den Cranks schutzlos ausgeliefert und werden zugleich von WCKD verfolgt. Ziel ihrer Suche ist der rechte Arm, eine Rebellengruppe. Doch der Weg zu denen ist lang und beschwerlich

Die Handlung

Der rechte Arm ist von WCKD zerschlagen worden und versucht nun ein paar Gefangene von WCKD zu befreien, um sie alle in den sicheren Hafen zu bringen. Doch Thomas (Dylan O’Brien) und seine Freunde Newt (Thomas Brodie-Sangster) und Bratpfanne (Dexter Darden), wollen nicht aufgeben, ehe sie Minho (Ki Hong Lee) befreit haben. Dafür müssen sie in die letzte Stadt, die noch nicht vom Virus befallen ist und in das Hauptgebäude von WCKD. Hilfe bekommen sie von Jorge (Giancarlo Esposito) und Brenda (Rosa Salazar), die sie im zweiten Teil in der Brandwüste kennengelernt haben. Das große Finale beginnt.

Meine Meinung

Die Maze Runner Teile zeichneten sich bisher immer dadurch aus, dass sie Dialoge nur da einsetzten, wo es absolut notwendig war, um die Handlung zu erklären, ansonsten setzte Regisseur Wes Ball auf bildgewaltige Settings und einem sehr hohen Spannungsgrad. Die Darsteller waren praktisch immer irgendwo in Bewegung und Flucht scheint das allgemeine  große Thema zu sein. Das funktionierte in den bisherigen zwei Teilen ziemlich gut. Doch nun musste für das große Finale natürlich noch einmal eine Schippe drauf gelegt werden. So ganz ohne Logiklöcher kam es dann nicht mehr aus. Schon die erste Szene zeigte deutlich den Ton des Films, wenn Thomas und ein paar seiner Freunde gegen eine ganze Gruppe von ausgebildeten Soldaten kämpfen. Dies funktionierte natürlich nur mit dem „Stormtrooper“-Effekt. Sprich die gut ausgebildeten Soldaten schossen permanent daneben, während bei den Jungen, die kurz davor noch nie eine Schusswaffe in der Hand hatten, trafen natürlich bei fast jedem Schuss. Wenn man darüber aber hinweg sehen kann, macht der Film gleich von Anfang an großen Spaß. In dieser Manier verfährt der Film dann auch weiter. Kurze Dialoge, in der die nächsten Schritte beschlossen werden, wechseln sich mit langen Actionsequenzen ab. Auch wenn man die Bücher nicht gelesen hat, wird der Film ab hier immer wieder sehr vorhersehbar, da es eine anscheinend aussichtslose Situation gibt und dann immer in letzter Sekunde doch noch eine Rettung gibt. Hätte man auch drauf kommen können. Erst mit Ankunft vor den Toren der letzten Stadt, gibt es wieder eine relevantere Handlung und genau dort beginnt wieder  das Staunen über das geschaffene Universum und die Bilder. Das große Finale kann beginnen und genau das tut es auch! Wer vorher noch ein bisschen locker im Kinosessel saß, wird nun starr vor Spannung auf die Leinwand starren. Zwar sind einige Szenen vielleicht etwas übertrieben – zum Beispiel, wenn ein Bus mit einem Kran über eine Mauer gehoben wird – aber wenn man nicht allzu sehr auf die paar Logiklöcher achtet, findet man hier ein Finale, das einem nicht so schnell wieder aus dem Kopf geht. Am Ende ist auch das klare „Wir gegen die Anderen“-Denken aufgehoben, da jeder nur noch seinen eigenen Plan zu verfolgen scheint, was vielleicht etwas unübersichtlich wirkt, aber dadurch einfach nicht mehr vorhersehbar ist.
Für Gegner von allzu patriotischen Filmen ist der Film definitiv nichts, denn hier kann jeder ein Held werden, der über sich hinauswächst. Doch auch darüber kann man – wenn man denn will – hinwegsehen, weil es keine minutenlangen patriotischen Reden gibt, dafür ist nämlich überhaupt keine Zeit. Leider ist auch keine Zeit für großartige Charakterentwicklungen. Freund und Feind sind zwar nicht immer gut zu bestimmen, aber größtenteils bleiben die Charaktere doch in  ihren vorgefertigten Rollen.

Das Fazit

Die Auserwählten in der Todeszone ist genau das große Finale, was angekündigt wurde und spart zwar wieder mit Dialogen und Handlung, funktioniert aber als Abschluss der Reihe sehr gut. Wer die ersten Teile gerne mochten, findet hier ein würdiges Ende. Wer sich mit den ersten Teilen noch nicht so richtig anfreunden konnte, wird mit dem dritten Teil definitiv nicht glücklich werden. Ich vergebe 07 von 10 möglichen Punkten.

Downsizing

Am 18.01.2018 erschien ein neuer Film mit Matt Damon in der Hauptrolle in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Das Thema Überbevölkerung schwirrt immer mal wieder durch den Raum und behandelt die möglichen Folgen. Eine wirkliche Lösung des Problems scheint es jedoch bisher noch nicht zu geben. Wie gut, dass es Hollywood gibt. Denn bereits 2016 brachte uns Inferno einen Lösungsvorschlag. Dem hat Downsizing nun einen neuen entgegenzusetzen. Während Inferno auf ein Virus zielte, versucht Downsizing zu argumentieren, dass man doch viel weniger Ressourcen verbraucht, wenn man auf einen Bruchteil seiner eigentlichen Körpergröße geschrumpft würde. Doch sind damit wirklich alle Probleme gelöst.

Die Handlung

Paul (Matt Damon) und Audrey Safranek (Kristen Wiig) leben ein bescheidenes Leben in Omaha, Nebraska. Als es norwegischen Wissenschaftlern gelungen ist, Menschen auf eine Größe von fünf Zoll zu schrumpfen, um dem Problem der Überbevölkerung entgegen zu wirken, überlegen auch sie sich schrumpfen zu lassen. Nach einigen Erkundigungen, sind sich die Safraneks einig. Sie wollen sich schrumpfen lassen, vor allem da ihre Ersparnisse hinterher viel mehr wert sind. Aber sind damit wirklich alle Probleme gelöst?

Meine Meinung

Downsizing startet mit einer wirklich starken Prämisse. Die Welt ist bedroht von der Überbevölkerung – Was tun? Der Lösungsansatz liegt hier im Schrumpfen der Menschheit. Natürlich nach und nach und auf freiwilliger Basis. Während Ehepaar Safranek auf der einen Seite mit den Vorzügen überschüttet wird, z.B. mit der Wertsteigerung der Ersparnissen, wird auf der anderen Seite überlegt, ob sie als kleine Menschen dann auch immer noch die vollen Rechte, wie z.B. das Wahlrecht haben sollen. So ist das erste Drittel des Films unglaublich stark, voller berechtigter Fragen und Überlegungen. Auch der Schrumpfvorgang wird gut durchdacht dargestellt.
Die Probleme mit Downsizing fangen erst danach an. Denn nach dem Schrumpfvorgang verliert sich der Film immer mehr in Zeitsprüngen, die Logiklöcher erzeugen, ohne diese zu erklären. Auch versucht Regisseur und Drehbuchautor Alexander Payne seine Sozialkritik an dieser Stelle fortzuführen, diese wird aber immer abstruser und immer weiter hergeholt. Vereinzelnd sind noch gute Ansätze vorzufinden, aber größtenteils verrennt sich der Film in Belanglosigkeiten. Spätestens mit dem Auftauchen von Dušan (Christoph Waltz) hat der Film seinen Zenit überschritten – und warum musste Waltz mit einem absolut grauenhaften Akzent spielen? Hong Chau spielt zwar ihre Ngoc Lan sehr gut, aber die Figur an sich ist sehr nervig und passt nicht mehr ins Grundkonzept. Man hätte sie auftauchen lassen können, um ihre Rolle zu erklären, aber wieso sie zu einer der Hauptcharaktere machen?
Im letzten Drittel des Films versucht der Film die Thematik noch einmal auf ein neues Level zu bringen, macht aber alles noch einmal schlimmer. Denn der Grundthematik der Überbevölkerung wird noch einmal etwas drauf gesetzt, was schon nicht zum Charakter des Films passt. Gleichzeitig wird Matt Damons Charakter noch eine andere Charaktereigenschaft zugesprochen, die ganz plötzlich auf dem Nichts auftaucht und nur noch lächerlich wirkt.
Downsizing ist zwar grandios gespielt – auch wenn Christoph Waltz sich wieder einmal nur selbst spielt, leider inzwischen ein paar Mal zu oft gesehen – und hat eine wirklich gute Grundprämisse, die im ersten Drittel durchaus Spaß macht anzusehen und mit vielen guten Ideen umgesetzt wurde. Leider hat der Film da nicht geendet, sondern sich in Belanglosigkeiten verrannt – ich hätte eine Menge guter Ideen, wie der Film da hätte weitergehen können ohne zu nerven. Trotz eines guten Castes kann der Film daher einfach nicht überzeugen und am Ende geht man sehr enttäuscht aus dem Kinosaal.

Das Fazit

Guter Ansatz, starkes erste Drittel, sehr großer Absturz danach. Downsizing ist so im Resümee leider eine Enttäuschung. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Rückblick auf den Januar

Das neue Jahr ist schon wieder einen ganzen Monat alt, was bedeutet, dass bei mir auf der Arbeit die Hochsaison langsam wieder abnimmt und ein bisschen Ruhe einkehrt (sofern es jemals ruhig wird…). Januar bedeutet bei mir auch immer, dass ich ein Jahr älter werde, was ich in kleiner Runde gefeiert habe und natürlich viele schöne Geschenke bekam, die das Geek-/Filmliebhaber-/Buchliebhaber-Herz höher schlagen ließen.

Cinemathek

Logan Lucky – Der Regisseur der Oceans Reihe brachte uns diesmal ein Heist-Movie aus den Südstaaten. Alles ein bisschen dreckiger und diesmal ist auch kein großes Casino das Ziel. Trotzdem funktioniert der Film sehr gut, in dem was er erzählen möchte.

Aus dem Nichts – Basierend auf den NSU-Prozessen bringt uns Fatih Akin eine Geschichte über eine Frau, die ihren Mann und Sohn bei einem Anschlag verlor, nur weil sie Türken sind. Der Film gewann einen Golden Globe als bester fremdsprachiger Film und das – ohne die Konkurrenz zu kennen – teilweise zu Recht.

Filme – auf der großen Leinwand gesehen

The Greatest Showman – Eine schillernde Geschichte über P.T. Barnum und seine Kuriositäten mit vielen tollen Musicaleinlagen und guten Schauspielern. Hugh Jackman geht in seiner Rolle wunderbar auf.

The Commuter – Liam Neeson in seinem nächsten Actionfilm, der ein bisschen an Non-Stop erinnert, aber diesmal in einem Pendlerzug spielt. Leider funktioniert die eigentlich gute Prämisse in diesem Fall nicht und es kommt ein relativ schwacher Actionfilm dabei heraus.

Ferdinand – Ein süßer Animationsfilm über einen Stier, der einfach nicht kämpfen möchte. Eine wunderbare Umsetzung der Buchvorlage.

Your name. – Im Special Screening wurde dieser Anime in den deutschen Kinos gezeigt und konnte sogar mich überzeugen, obwohl ich normalerweise mit Animes absolut nichts anfangen kann.

Three Billboards outside Ebbing, Missouri – Der Golden Globes Gewinner und Oscaranwärter kann durch seine ruppige und bissige Art absolut überzeugen und steht im Kampf um den Goldjungen an hoher Position.

Downsizing – Ein Film mit faszinierender Grundprämisse, die leider nicht hält, was sie verspricht. Im großen und ganzen leider eine Enttäuschung.

Wunder – Die rührende Geschichte über einen Jungen, der im Gesicht entstellt ist und jeden Tag wieder mit seinem Aussehen zu kämpfen hat. Auch wenn der Film zu Tränen rührt, drückt er in keiner Szene bewusst auf die Tränendrüse.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Willkommen bei den Hartmanns – Eine deutsche Komödie, die sich mit der Flüchtlingsproblematik befasst, aber dabei leider immer wieder am relevanten Vorbeischlittert und sich nicht so ganz entscheiden kann, was für eine Geschichte genau erzählt werden soll.

Ebenfalls habe ich im Rahmen der Filmreise-Challenge meine ersten Filme gesehen. Mit dabei „Mary und Max – schrumpfen Schafe, wenn es regnet?“ aus Australien und „Nader und Simin“ aus dem Iran. Hier werde ich in einem gesammelten Beitrag noch genau auf die Filme eingehen.

Filme – Leider in diesem Monat verpasst zu sehen

Score – die Geschichte der Filmmusik – Eine Dokumentation über den „Herzschlag eines Films“, wie es schon im Trailer heißt. Ein Blick hinter die Kulissen der Filmmusik und der Entstehung unvergesslicher Scores.

Die dunkelste Stunde – Gary Oldman als Winston Churchill in einem weiteren Anwärter auf den diesjährigen Oscar. im Mai 1940 wird Churchill mitten im zweiten Weltkrieg englischer Premierminister und muss in der dunkelsten Stunde des Landes sich gegen die Deutschen und auch gegen seine eigenen Landsmänner durchsetzen.

Serien – ein kurzer Überblick

Im letzten Monat habe ich darauf verzichtet von meinem Serienkonsum zu berichten, diesmal wird es auch nur im Kurzüberblick geschehen.

Zum einen hab ich Leverage mit der finalen fünften Staffel erneut beendet und euch auch eine Kritik dagelassen. Bei Supernatural habe ich mich endlich durch die siebte Staffel gequält, da ich die Serie zwar eigentlich liebe, sie seit ein paar Staffeln aber immer schlechter wird. Wobei ich die siebte Staffel wieder besser als die sechste fand, weil es zwischendurch wieder ein paar „normale“ Folgen gab. Auch gucke ich schon wieder My little Pony, da ich bei ihr sehr gut abschalten kann. Im Januar liefen Staffel Eins und Zwei. Als letztes habe ich noch Die Mockridges mit der ersten Staffel ausprobiert. Eine schöne kleine deutsche Comedyserie mit der Familie Mockridge, die sich selbst spielen.

Mein Lesemonat

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Bücher insgesamt: 7
Seiten insgesamt: 3714 (Statistik etwas verzerrt wegen Es – ca. 2680 realistischer)
Seiten pro Tag: 119 Seiten im Durchschnitt (bzw. 86 Seiten im Durchschnitt)
Taschenbücher: 3
E-Books: 3
Graphic Novels: 1

Platz 6+7: Uns für zwanzig Stunden & Sein für ein ganzes Leben – Ich hatte ja schon angekündigt, dass ich die Reihe zu Ende lesen werde und irgendwie konnte sie mich ab dem dritten Band auch wesentlich mehr in ihren Bann ziehen, aber  mit der starken Konkurrenz diesen Monats kann sie einfach nicht mithalten. Trotzdem habe ich mich am Ende fast mit Jade und Lawrence angefreundet.

Platz 5: Die Stadt der träumenden Bücher – Buchhaim: Der erste Teil der Graphic Novel zu Walter Moers gleichnamigem Buch. Eine wirklich süße Geschichte über Hildegunst von Mythenmetz, einem Lindwurm, der nach dem Verfasser eines Buches sucht und dafür Buchhaim aufsucht, eine Stadt, in der es nur Buchläden gibt. Als Graphic Novel mit wirklich stark detaillierten Zeichnungen, ein Schmaus fürs Auge.

Platz 4: Die magischen Pforten der Anderwelt – Ein Spin-off zu Sandra Regniers Pan-Trilogie, die ich seinerzeit absolut verschlungen habe und die noch immer zu meinen liebsten Büchern gehören. Nach einer gefühlten Ewigkeit gibt es nun endlich ein wiedersehen mit der Welt der Elfen. Die neue Protagonistin kann mich zwar noch nicht so ganz überzeugen, aber die Fortsetzungen haben großes Potential.

Platz 3: Nur noch ein einziges Mal – Mrs. Hoover Sie haben es mal wieder geschafft mich sprachlos zurückzulassen. Diesmal haben Sie sich wirklich ein sehr schwieriges Thema herausgesucht. Aber genau dafür liebe ich Ihre Bücher so. Und wie ernst und gleichzeitig wunderbar Sie mit dem Thema umgingen ist absolut bewundernswert.

Platz 2: Der Report der Magd – Margaret Adwoods Klassiker über den fiktiven Staat Gilead, in dem Frauen keine Rechte mehr haben. Eine Dystopie, die ihresgleichen sucht, auch wenn der Schreibstil etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Platz 1: Es – Stephen Kings Meisterwerk hielt mich für vier Monate in Atem. Meine erste Berührung mit dem Meister des Horrors, die ich gerne wiederhole.  Es ist so viel mehr als nur ein Horrorbuch, es spielt mit den eigenen Ängsten und erzählt auch vom Erwachsenwerden. Mein Buchhighlight im Januar.