Dreierlei Grusel zu Halloween – Special

Es kommt mir wie gestern vor, dass ich die Halloween-Shirts Anfang Oktober ausgepackt habe. Jetzt ist der Herbst endgültig eingezogen, die Blätter verfärbt und von den Bäumen gefallen, die Heizung wurde leicht hochgedreht, beim Aufwachen ist es dunkel und ja, ich kommt zum Punkt: Es ist Ende Oktober und damit erreicht der Gruselmonat seinen Höhepunkt: Halloween.
Während viele zum Horroroctober die Chance nutzen, um 13 Horrorfilme zu schauen, habe ich wieder meine Monsterwochen wöchentlich herausgebracht. Zum Abschluss soll es aber nochmal um einen Gruselfaktor gehen. Dafür habe ich einen Film und eine Serie gesehen und ein Buch gelesen, die thematisch in den Gruselmonat passen.

Horror im Film: Nightbooks

Die Handlung: Alex (Winslow Fegley) stürmt nach einem desaströsen Geburtstag traurig und wütend aus der Wohnung seiner Eltern. Dabei findet er ein Appartement, das ihn magisch anzuziehen schien. Kurz darauf ist er in eben diesen gefangen, denn es gehört einer Hexe. Damit sie ihn nicht frisst, muss er ihr jeden Abend eine Gruselgeschichte erzählen. Dabei hat sich Alex geschworen keine Gruselgeschichten mehr zu erzählen.

Meine Meinung: Nightbooks ist einer dieser Filme, der eine tolle Grundidee hat, eine schöne Atmosphäre versprüht, die Idee an vielen Stellen gut ausarbeitet, aber letztlich doch nicht wirklich rund ist und in seiner Gänze nicht völlig funktioniert. Inspiration kam wahrscheinlich von Scary Stories to tell in the dark, denn Nightbooks hat ebenfalls eine Hauptstory und erzählt zwischendrin durch die nächtlichen Gruselgeschichten, die der Hexe vorgelesen werden müssen, kleinere Geschichten. Diese sind sehr minimalistisch gezeichnet, sehen dabei aber wunderbar aus. Das Hauptproblem des Films ist, dass er sich in kleinen Nebenhandlungen verliert und die Haupthandlung zu wenig ausgearbeitet hat. Dadurch wirkt es halt nur als ganz nett bzw ist man wenig interessiert am Schicksal der Charaktere. Hinzu kommt, dass gerade die Jungdarsteller*innen mitunter sehr unmotiviert wirken, gerade Winslow Fegley. Hier kann allerdings auch viel durch die Synchronisation verloren gegangen sein, denn die Stimme ist sehr nuschelig und schleppend und hat absolut keine Betonung. Krysten Ritter als Hexe scheint hier hingegen vollkommen in ihrer Rolle aufzugehen. Tatsächlich geht von ihr der meisten Charme aus, auch wenn ihr Charakter den bösen Part übernimmt. Letztlich hat mir der Film Spaß gemacht, ich fand die Kurzgeschichten gut und auch die Märchenadaption, die sich im Film verbirgt. Aber man muss über zu viele Schwächen in Handlung und Schauspiel hinwegsehen, was den Sehfluss stört.

Gruselfaktor 3/5 Kürbissen

Horror in Serie: Locke & Key

Die Handlung: Nach der Ermordung ihres Vaters ziehen die Geschwister Tyler, Kinsey und Bode Locke zusammen mit ihrer Mutter Nina in das Familienanwesend des Vaters. Dort finden sie allerlei seltsame Schlüssel, die unterschiedliche Fähigkeiten haben. Doch das Haus birgt ein Geheimnis. Worin war ihr Vater verwickelt und was hat es mit der Brunnenfrau auf sich?

Meine Meinung: Die erste Staffel Locke & Key umfasst zehn Episoden mit einer Lauflänge von durchschnittlich 50 Minuten. Dadurch ist ganz schön viel Zeit für Handlung, die an vielen Stellen durch das Finden neuer Schlüssel gestopft werden konnte, sich an manchen Stellen aber doch in Wiederholungen verliert. Dies merkt man gerade in der Mitte der Staffel, wenn die Charaktere eingeführt sind, aber das große Finale noch nicht vorbereitet wird. Das könnte aber auch nur mein Empfinden sein, da ich generell nicht der größte Fan von aufeinander aufbauenden Folgen bin, sondern in sich geschlossene bevorzuge. Die Handlung selbst ist an sich spannend und interessant. Der Gruselfaktor ist vorhanden, hält sich aber für Schisser wie mich durchaus im Rahmen. Es wird eher auf die mysteriöse Grundstimmung gesetzt als auf großartige Schockeffekte, was mir gut gefallen hat. Das Ende hingegen lässt mich etwas unbefriedigt zurück, deutet sich doch schon die Handlung für die zweite Staffel an. Ob ich mich der nochmal stelle oder die Serie für mich als Miniserie abspeichere, weiß ich noch nicht.

Gruselfaktor 3/5 Kürbissen

Horror im Buch: Halloween in Nebelwald

Die Handlung: Nebelwald ist ein kleiner Ort mitten in Thüringen. Während Michelle auf eine Party in einer alten Fabrik geschleppt wird, versucht Stephan seine Familie vor dem finanziellen Ruin zu bewahren und nimmt ein unmoralisches Angebot an. Doch etwas lauert in dem Wald und möchte keine ungebetenen Gäste.

Meine Meinung: Mit 119 Seiten ist Halloween in Nebelwald eine wunderbar kurzweilige Geschichte, die sich auch gut an einem Abend weglesen lässt. Dabei sind drei Handlungstränge vorhanden, die sich in der Erzählung abwechseln. Trotz der Kürze werden die Protagonist*innen gut charakterisiert, so dass man mit ihnen mitfühlt. Das Setting ist schnell erklärt, so dass der spannende Teil nicht lange auf sich warten lässt. Durch die drei verschiedenen Sichtweisen wird man immer wieder an spannenden Punkten zurückgelassen und kann so das Buch kaum aus der Hand legen. Neben den klassischen Horrorelementen ist es vor allem die Atmosphäre, die geschaffen wurde, die ordentlich für Gänsehaut sorgt. Auch hier ist das Buch selbst für Schisser wie mich gut zu lesen, da viel Mystery und Spannend zum Horror mit reinspielt. Zwischendurch hätte ich mir einzelne Passagen ein bisschen ausführlicher gewünscht, aber das hätte wahrscheinlich den Rahmen gesprengt. Für nächstes Jahr merke ich mir auf jeden Fall den Vorgängerband von Autorin Maria Winter vor.

Gruselfaktor 4/5 Kürbissen

Es ist nur eine Phase, Hase

Ein Vorwort

Deutsche Filme boomen gerade im Kino. Sind nicht nur zeitgleich Es ist nur eine Phase, Hase und Fly gestartet, so erwartet und Christoph Maria Herbst Ende des Monats auch noch in Kontra. Beckenrand Sheriff ist noch nicht lange her, Die Schachnovelle läuft noch und Wunderschön steht auch nach längerer Verschiebung in den Startlöchern. Warum man Es ist nur eine Phase, Hase durchaus aus dieser Aufzählung streichen könnte, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Paul (Christoph Maria Herbst) und Emilia (Christiane Paul) sind verheiratet, haben drei Kinder und werden von ihrem Freundeskreis gerne als das perfekte Paar bezeichnet. Doch beide sind festgefahren und vor allem Emilia ist zunehmend unglücklich. Daher beschließen sie eine Pause einzulegen. Begleitet von ihren Freund*innen diskutieren sie die Alterspubertät und versuchen herauszufinden, was sie vom Leben wollen.

Meine Meinung

Habe ich zuletzt bei Beckenrand Sheriff noch gelobt, dass der deutsche Film sich gebessert hätte und deutsche Komödien auch gut funktionieren können, wird hier wieder jegliches Klischee bedient. Nach dem Trailer hatte ich meine Erwartungen schon stark heruntergeschraubt, doch das war nur die Spitze des Eisberges.
Dabei beginnt der Film gar nicht mal so übel. Wir lernen die Eheleute Paul und Emilia kennen, die auf den ersten Blick eine gute Ehe führen. Doch bald werden die Probleme deutlich. Sie sind gefangen in ihrem Alltag und Beziehungsmustern und sehnen sich nach der Zeit als sie frisch verliebt und spontan waren. Bis hierhin ist der Film und auch die Charaktere absolut nachvollziehbar. Doch bald wird das Niveau des Films deutlich, wenn eine im Poloch steckende Kugel Thema für mehrere komplett ausgespielte Szenen ist. Leider bleibt es auch nicht bei diesem Ausrutscher, den zumindest die Zielgruppe Ü-40 lustig findet, sondern ist lediglich der Auftakt für einen Film voller Fremdschampotential. Seien es die Lack- und Lederversuche, die in einer Absurdität ins Lächerliche gezogen werden, dass es nicht mehr lustig ist, sei es eine minutenlange Szene über eine Prostatauntersuchung, die nach einem kurzen Anfangsgag schon die Messlatte fürs Fremdschämen sehr hoch legte, dann aber noch bis ins unendliche ausgespielt wurde.
Schauspielerisch ist Es ist nur eine Phase, Hase eigentlich gut aufgestellt, passen Christoph Maria Herbst und Christiane Paul doch gut zusammen und bieten für das schlechte Drehbuch ein erstaunlich hohes Niveau. Wobei zwischen den ganzen abstrusen Szenen sich auch ernste und tiefgründige Szenen verstecken. Leider muss man diese zwischen den schnellen Gags und ausgespielten Peinlichkeiten eher suchen.
Es hätte ein Film über das Älterwerden sein können, das sich auf humorvolle Art mit den damit einhergehenden Problemen befasst. Vielleicht hat die Buchvorlage auch genau das – ich hab sie nicht gelesen, kann also die Umsetzung nicht beurteilen. Stattdessen sind alle Klischees übers Älter werden vorhanden und verbreiten nur eine Botschaft: Werdet nicht alt, dann scheitern alle Beziehungen.

Das Fazit

Es ist nur eine Phase, Hase ist seit langem der Film mit dem größten Fremdschäm-Potential. Statt das Thema humorvoll anzugehen, wird auf billige Gags gesetzt, die minutenlang ausgespielt werden. Daran ändern auch die guten Schauspieler*innen nichts. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Es ist nur eine Phase, Hase läuft seit dem 14.10.2021 in den deutschen Kinos

Monsterwochen #4 – Die Musik der Nacht

Herzlich Willkommen zur vierten Ausgabe der Monsterwochen in diesem Jahr. Nach Dracula und Frankenstein im letzten Jahr, wollen wir uns in diesem Jahr mit dem Phantom der Oper auseinander setzen. Heute geht es um die Musicals.

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in vier Beiträgen um Das Phantom der Oper in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und das Phantom der Oper ist ein prominenter Vertreter des Genres!

Das Phantom der Oper

Die Handlung: Nach einem Vorfall bei den Proben zu Hannibal, in der die Übergabe an die neuen Operndirektoren angekündet wurde, ersetzte die junge Baletttänzerin Christin Daae die Diva Carlotta. Dabei entdeckt die der Vicomte de Chagny, der sie aus Kindertagen kennt. Das Wiedersehen der beiden, ruft jedoch Christines heimlichen Lehrer aus den Plan: Das Phantom. Die Eifersucht ist geweckt und es folgt ein Tauziehen der beiden Konkurrenten, um das Herz der jungen Frau. Gleichzeitig gibt es mehrere Vorfälle an der Oper, die auch auf das Phantom zurückzuführen sind.

Meine Meinung: Der einzige Film aus der diesjährigen Reihe, den ich schon vorher kannte und liebe. Die Verfilmung von Andrew Lloyd Webbers Meistermusical. Düstere Klänge, Opernelemente, gepaart mit Musicalmelodien erzeugen ein Gänsehaut erzeugendes Klangmeisterwerk. Auch Schauspielerisch hat der Film einiges zu bieten. In einer Phase, in der Gerard Butler noch nicht mit Vorsicht zu genießen war, gibt er ein Phantom ab, das zwischen Mitleid und Wahnsinn so gekonnt schwankt, dass er einen komplexen Charakter ausbaut. Im Vergleich zum Buch merkt man, dass sich die Geschichte stark daran orientiert, aber auch einige Elemente ändert, ausbaut oder verschiebt. Die größte Änderung dürfte wohl die Hintergrundgeschichte des Phantoms sein, die seine ganze Persönlichkeit verschiebt. Wenn man nur das Musical kennt, kann durchaus die Frage aufkommen, warum er in meinen Monsterwochen behandelt wird, auch wenn hier deutlich Soziapathische Züge aufkommen und man sollte die Leichen beachten, die er hinter sich herzieht. Dennoch sind es alles Änderungen, die nachvollziehbar sind, oder dem Buch eine zusätzliche Ebene geben, die ihm gut getan hätte. Schön fand ich, dass die Rolle der Madame Giry deutlich ausgebaut wurde und wir eine weitere starke und durchsetzungskräftige Frauenrolle gewonnen haben. Dass dafür der Perser (im Buch namenlos und nur darüber definiert) komplett gestrichen wurde und dadurch ein rein weißer Cast genutzt wurde, hinterlässt dagegen einen schalen Nachgeschmack. Dennoch zählt das Musical für mich zur besten Verfilmung.

Love never dies

Die Handlung: Christine und Raoul reisen nach New York und folgen einer mysteriösen Einladung. Nicht ahnend, dass das Phantom noch lebt, treffen sie in Coney Island auf Madame Giry und ihre Tochter. Christine wird spontan für ein Auftritt engagiert. Da das Paar unter Geldproblemen leidet, nimmt sie an. Dort treffen die Eheleute mit ihrem Sohn Gustav auch auf das Phantom. Alte Gefühle und Rivalitäten werden neu entfacht.

Meine Meinung: Wusste ich, dass es eine Fortsetzung zum Musical gab? Nicht, bis ich für die Monsterwochen recherchiert habe. Zunächst stand ich dem Ganzen skeptisch gegenüber, ließ mich dann aber doch darauf ein, da Andrew Lloyd Webber erneut seine Finger mit im Spiel hatte. Diesmal handelt es sich um eine Aufzeichnung des Bühnenmusicals und nicht um einen eigenständig gedrehten Film. Dadurch unterscheiden sich auch die Darsteller*innen der Rollen, was aber nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kein Hindernis darstellt. Die Handlung ist in sich schlüssig und die Lieder gut inszeniert – auch wenn sie nicht an den Gänsehautfaktor des ersten Teil herankommen. Gestört hat mich dagegen, dass die Charaktere sich teilweise sehr gestark gedreht haben und nicht mehr ihrer Persönlichkeit entsprechen. Dem Phantom wird alles aus dem ersten Teil vergeben. Ein paar Leichen? Nicht weiter tragisch, er hatte es halt schwer. Entführung und Nötigung? Es ist halt wahre Liebe! Stalkerei und Obzession? Ich wiederhole: Es ist halt wahre Liebe! Man muss sich halt daran gewöhnen, dass all das vorherige größtenteils ignoriert wird, dann funktioniert auch die Geschichte.

Das Fazit

Andrew Lloyd Webbers Musicalverfilmung zu Das Phantom der Oper ist eine dieser Verfilmungen, die das Buch bereichern. Bei der großen Streitfrage Film oder Buch würde hier der Film gewinnen.
Love never dies als Fortsetzung dazu funktioniert nur bedingt, kommt inszenatorisch nicht an den Vorgänger ran und verfälscht auch die Charaktere stark.

 

Casino Royale – Kritik zu Buch und Film

Ein Vorwort

Nachdem mit No time to die Daniel Craigs Zeit als Doppelnullagent beendet wurde, hatte ich Lust mir nochmal seine Anfänge anzusehen. Casino Royale hatte ich zwar mal gesehen, konnte mich aber nur noch ganz blass dran erinnern. Da ich vor einiger Zeit begonnen habe, die James Bond Bücher nach und nach zu lesen und Casino Royale das erste ist, wurde es mal wieder Zeit für einen Beitrag aus dem Bereich „Buch und Film“. 

Die Handlung

James Bond reist nach Royale-les-Eaux (im Film Montenegro) um Le Chiffre im Baccara (im Film Poker) zu schlagen, da dieser viel Geld verloren hat und das versucht wieder zu bekommen. Unterstützt wird er vor Ort von Vesper Lynd und Rene Mathis. Auch der CIA-Agent Felix Leiter klinkt sich ein und unterstützt Bond finanziell.

Das Buch

1953 erschien James Bonds erstes Abenteuer aus der Feder von Ian Fleming. Im Vergleich zu den folgenden Werken ist Casino Royale ein sehr ruhig erzählter Agententhriller. Im ersten Drittel erzählt Fleming hauptsächlich Bonds Ankunft in Royale-les-Eaux, wie er seinen Alltag bei so einer Mission bestreitet, mit Sicherheitsbestimmungen, er trifft die Kontaktpersonen Leiter, Mathis und Lynd. Danach geht es hauptsächlich um das Baccara-Spiel – wobei ich trotz der Erklärungen nicht verstanden habe, wie das funktioniert – und erst danach kommt es zu einer kurzen Verfolgungsjagd, wo das Buch das erste Mal spannend wird.
Bond ist hier weniger der Frauenaufreißer und knallharte Agent, wie es vor allem die Filme vermitteln, sondern eher ruhiger und in sich gekehrt. Er hinterfragte die Einteilung in Gut und Böse und kritisiert sein eigenes Verhalten im Job, auch wenn es im durchaus Spaß macht.
Mit 240 Seiten gehört Casino Royale zu den kürzeren Büchern der Reihe. Als Einstieg eignet es sich insofern, dass der Charakter James Bond aufgebaut und gefestigt wird. Spannung kommt leider kaum auf, weswegen es ein wenig mühselig zu lesen war.

Der Film

Casino Royale beginnt von der Handlung wesentlich früher als das Buch. So lernt man zunächst Le Chiffre kennen, dann ist Bond bereits auf seiner Spur, handelt sich ordentlich Ärger mit M ein und stoppt Le Chriffres Plan. Erst dann geht es nach Montenegro zum Poker. Da ist aber auch schon über eine Stunde Film vergangen. Im Folgenden tauchen einige Elemente aus dem Buch auf. Felix Leiter tritt auf, Mathis und Lynd, wenn auch in teilweise abgewandelter Form. Statt des Baccara-Spiels wird Poker gespielt. Auch hier wird sich nur grob am Buch orientiert, was dem Film aber gut tut, weil sich so Poker und spannende Szenen abwechseln. Auch das Ende ist in abgewandelter Form, dennoch im großen und ganzen dem des Buches entsprechend. Vesper Lynd ist auch hier die Frau, die Bonds Herz erwärmen kann. Allerdings werden seine Beweggründe und ihre Liebesgeschichte hier weniger deutlich, weswegen der Schritt seiner Kündigung sehr übertrieben wirkt. Vor allem weil Lynd ihn auch in den folgenden Filmen noch prägt. Grundsätzlich ist Casino Royale eine modernere und ausführlicherere Version des Films. Dadurch gehen ein paar kritische Stimmen verloren, die das Buch ansprach, die das Gesamtbild des Films jedoch nicht stört.

Das Fazit

Sowohl Buch als auch Film sind gute Einstiege. Bei ersterem in die Gesamtheit von James Bond, beim zweiteren in die Ära Craig. Beide haben ihre Schwächen, auch wenn der Film die des Buches gut zu drehen weiß.

Monsterwochen #3 – Horror oder so

Herzlich Willkommen zur dritten Ausgabe der Monsterwochen in diesem Jahr. Nach Dracula und Frankenstein im letzten Jahr, wollen wir uns in diesem Jahr mit dem Phantom der Oper auseinander setzen. Heute geht es um eine Horrorfilmvariante oder so.

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in vier Beiträgen um Das Phantom der Oper in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und das Phantom der Oper ist ein prominenter Vertreter des Genres! 

Die Handlung

Budapest, frühes 20. Jahrhundert. Nach einem Fiasko bei ihrem Debut an der Oper von Solistin Elena Korvin, die zuvor einen Annäherungsversuch des Direktors zurückweist, der sich mit einer negativen Kritik rächt, nimmt sie sich das Leben. Ihr trauender Mann Sandor stellt den Kritiker zur Rede, der ihm von der Bestechung des Direktors erzählt. Dabei kommt es zu einem Unfall mit Schwefelsäure, die Sandors Gesicht vollständig entstellt. Vier Jahre lang zieht sich Sandor in das Untergewölbe der Oper zurück. Dann taucht die Zweitbesetzung Maria Gianelli auf, die Elena zum Verwechseln ähnlich sieht.

Meine Meinung

Das Phantom der Oper, oder auch das Phantom von Budapest, ist eine Fernsehadaption des Stoffes von Gaston Leroux. Ausgeschrieben als Horrorfilm und im Gegensatz zu vielen anderen Verfilmungen mit einer FSK 16, war ich neugierig, ob diese Version dem Stoff noch einmal eine völlig neue Richtung geben kann.
Nun zumindest interpretiert sie die Geschichte sehr frei und hält sich wenig an die Romanvorlage. Lediglich das Grundkonzept des Phantoms, das unter einer Oper lebt und sich zum Mentor einer jungen Sängerin aufschwingt, doch durchdreht, nachdem sie sich in einen anderen verliebt. Die Vorgeschichte ist komplett neu und bringt eine neue Ebene ein. Auch im folgenden wird vieles neu hinzuinterpretiert, anderes völlig außen vor gelassen.
Den Film als Horrorfilm zu betiteln, ist dann vielleicht doch etwas hoch gegriffen. Für mich als bekennende Schisserin war das an sich nicht weiter tragisch, dennoch fehlte dadurch das besondere. Man merkt in welchen Szenen versucht wurde Horrorelemente einzubringen, die jedoch an der Atmosphäre komplett scheitern. Hier spielt wahrscheinlich mit rein, dass es sich um eine Fernsehproduktion mit geringem Budget handelt. Denn die Produktion sieht an vielen Stellen einfach billig aus. Die Oper ist gerade im Bühnenbereich sehr klein, es gibt kaum Requisiten und auch andere Räume sind sehr spärlich eingerichtet. Die Räume des Phantoms entsprechen zwar schon eher den Vorstellungen einer Kulisse aus einem Horrorfilm, könnte aber auch in jedem anderen auftauchen. Es fehlt das Spezielle.
Charakterlich ist es vor allem Maria, die hier im Gegensatz zu Lerouxs Christine deutlich stärker ist und heraussticht. Statt ständig herumzuheulen, beweist sie Charakter und kann durchaus das Phantom als etwas Böses und gleichzeitig Hilfreiches erkennen.

Das Fazit

Das Phantom der Oper/von Budapest ist für eine Fernsehproduktion vollkommen okay, hält aber gerade im Horrorbereich nicht, was es verspricht.

Rückblick auf das 3. Quartal 2021

Auch das dritte Quartal des Jahres ist geschafft, daher gibt es hier mal wieder einen Rückblick. Hier also im Kurzüberblick meine Highlights von Juli bis September. Jeweils zu Kino, Film, Serien und Büchern werde ich euch meine Top 5 vorstellen, die sind aber nicht nochmal gerankt.

Meine fünf Kino Highlights

1. Cruella

Estella landet nach dem Tod ihrer Mutter in London, wo sie auf die beiden Gauner Jasper und Horace trifft. Nach vielen Jahren des lockeren Lebens findet sie eine Anstellung in einem Warenhaus und schafft es durch ihre Designkünste bei der Baroness Von Hellman angestellt zu werden. Doch dort erfährt sie Sachen über ihre Vergangenheit, den ihre dunkle Seite Cruella heraufbeschwört. – Stilsicher und doch einfach nur cool. Cruella haut einem als Gesamtkunstwerk einfach vom Hocker.

2. Dune

Haus Atreides wird vom Imperator dazu aufgefordert den Planeten Arrakis von Baron Harkonnen zu übernehmen und die Produktion des allseits beliebten Gewürzes Spice sicherzustellen. Der Planet ist jedoch eine einzige Wüste und spärlich besiedelt, abgesehen von den einheimischen Fremen. Paul Atreides, Sohn des Herzogs, hat vor der Abreise seltsame Träume und fürchtet sich um die Zukunft. Sind es nur Träume oder ist seine Familie in Gefahr? – Ein optischer grandioser, spannender, gut besetzter, also einfach perfekter Film.

3. Promising Young Woman

Cassie Thomas hat ihr Medizinstudium nach dem Selbstmord ihrer besten Freundin abgebrochen. Jetzt arbeitet sie in einem Café und verbringt ihre Abende in Clubs, wo sie so tut, als wäre sie sturzbetrunken und dann mit Männern mitgeht, die sie als leichte Beute ansehen. Nach und nach sucht sie Leute aus der Vergangenheit auf, um die Geschehnisse auf unkonventionelle Art aufzuarbeiten. – Locker erzählt, dabei ein schwieriges, aber wichtiges Thema sehr gut aufgearbeitet.

4. The Father

Anthony ist 80 Jahre alt und dement. Dennoch will er seine Wohnung nicht verlassen und beteuert, dass er gut allein zurecht kommt. Seine Tochter Anne versucht so gut es geht für ihn da zu sein, doch stößt allmählich an ihre Grenzen. – Brilliant gespielt, die Handlung ergibt sich erst gegen Ende vollständig. Überzeugt vor allem durch den unkonventionellen Erzählstil.

5. Free Guy

Guy lebt in Free City. Was er nicht weiß ist, dass er ein Charakter in einem Videospiel ist. Als er auf Molotov Girl trifft, fällt er aus seiner Endlosschleife heraus und versucht sie zu beeindrucken. Diese wiederum ist eine Spielerin, die einen Feldzug gegen den Entwickler des Spiels führt. – Eine wunderbare Videospieladaptionparodie, die viel Spaß macht.

Meine fünf filmischen Highlights

1 Die Vögel

Mitch Brenner spielt Melanie Daniels einen Streich. Sie will sich rächen und fährt dafür zu seinem Haus in Bodega Bay. Dort bleibt sie unerwartet länger und kommt Mitch näher. Doch die Vögel in Bodega Bay fangen an sich sehr merkwürdig zu verhalten. – Klassiker von Hitchcock mit sehr unbefriedigendem Ende.

2. Schindlers Liste

Oskar Schindler ein Mitglied der NSDAP will eine Emaillefabrik bei Krakau zu neume Leben erwecken und benötigt dafür Arbeiter. Aus Kostengründen entscheidet er sich für Juden aus dem neugeschaffenem Ghetto. Über die Jahre setzt er sich immer wieder für seine Arbeiter*innen ein und rettet damit ca. 1200 Juden*Jüdinnen das Leben. – 195 Minuten bedrückende Geschichte und jede Szene ist notwendig und wichtig.

3. Das Phantom der Oper (Musical)

Als die neuen Operndirektoren Andre und Firmin die Oper übernehmen, wollen sie nichts von dem Phantom der Oper wissen. Doch die mysteriösen Vorfälle häufen sich, so dass die Primadonna Carlotta ausfällt. An ihre Stelle tritt Christine Daae, die dadurch ihre Jugendliebe Raoul wiedertrifft. Dies ruft das Phantom, ihren geheimnisvollen Lehrer, der sich in sie verliebt hat. – Atemraubende Verfilmung des Musicals von Andrew Lloys Webber.

4. The guy who didn’t like musicals

Paul mag keine Musicals. Doch nach einem Kometenabsturz fangen alle um ihn rum an zu singen und tanzen. Was hat es damit auf sich? – Leicht abgedrehte Musicalnummer, die total viel Spaß macht.

5. Das wandelnde Schloss

Eine junge Hutmacherin wird von einer Hexe verflucht und wacht als alte Frau auf. Auf ihrer Suche nach Erlösung, trifft sie auf einen Zauberer in einem wandelnden Schloss. Sie heuert als seine Putzfrau an und merkt, dass auch er errettet werden muss. – Bisher eines meiner liebsten Studio Ghibli-Filme.

Meine fünf serienlastigen Highlights

1 Loki – Staffel 1

Loki Laufeyson konnte durch die Zeitreise der Avengers in Endgame mit dem Tesseract fliehen. Doch seine Freude wehrt nur kurz, denn die TVA fässt ihn kurz darauf, weil er gegen den wahren Zeitstrahl verstoßen hat. Er landet vor Gericht und steht kurz vor der Stutzung – also der endgültigen Auslöschung. Doch Agent Mobius setzt sich für ihn ein, da er seine Hilfe braucht, um eine Variante zu finden, die einige Zeitagenten ausgelöscht hat. – in paar Logiklöchern im Zeitreisesegment, funktioniert aber gerade durch die Charaktere und die kleinen Feinheiten. 

2. We bare bears – Staffel 1

Die Bären Eisbär, Panda und Grizz leben in einer Höhle im Wald. In ihrem Alltag oder ihren Besuchen in der Stadt erleben sie allerhand Abenteuer. – Lustige und herzerwärmende Kinderserie

3. The Unicorn – Staffel 2

Wade hat vor einem Jahr seine Frau verloren. Nach der Trauerphase müssen er und seine beiden Töchter Natalie und Grace wieder nach vorne schauen. Immer mit dabei sind die befreundeten Pärchen Forrest und Delia und Ben und Michelle. Die sind es auch, die Wade ermutigen wieder zu daten. Denn als Witwer sei er ein „Unicorn“ und daher sehr begehrt bei den Frauen. – Auch die zweite Staffel war wieder sehr witzig, hat die Charaktere gut weitergeführt und sorgte für gute Laune.

4. Motel Makeover – Staffel 1

April und Sarah wollen in Kanada ein in die Jahre gekommenes Motel mit geringem Budget wieder aufpolieren und mit ihrem eigenen Stil versehen. Dabei kommt es zu allerhand unvorhergesehenem, wobei das gravierendste wohl die Corona-Pandemie sein dürfte. – Ich hatte erst Bedenken, dass eine Staffel für ein Motel zu lang wäre, aber die Folgen sind spannend und interessant gestaltet, das Duo sehr sympathisch und ihr Stil außergewöhnlich.

5. Traumhaus Makeover – Staffel 1-2

Shea McGee hat zusammen mit ihrem Mann eine Renovierungsfirma gegründet. Egal, ob das ganze Haus oder nur einzelne Zimmer, egal ob großes oder kleines Budget, die McGees kümmern sich um alle Wünsche. Mit ihrem unvergleichlichen Einrichtungsstil treffen sie dabei immer ins Schwarze. – Super sympathisches Paar und tolle Serie für Einrichtungsfans.

Meine fünf buchige Highlights

1 Ein Herz voll Leben – Violet Thomas

Isabella Kramer ist stolz auf ihren Cupcake-Laden an der Ostsee. Bis ihre beste Freundin stirbt und sie auf einmal das Sorgerecht für die kleine Leni bekommt. Sie versucht ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen und braucht jemanden, der ihr im Laden hilft. Da kommt Max wie gerufen. Doch seine Beweggründe sind nicht die, die Isabella erwartet. – Herzzerreißend und voller Mitgefühl. Zwischenzeitlich will man einzelne Charaktere einfach nur schütteln, aber letztlich siegt die Wohlfühlseite.

2. Das Meer der Legenden – Babsi Schwarz

Die Halbnixe Mavi landet durch Zufall auf dem Schiff des berüchtigen Piraten Tairon wieder. Da sie auf der Flucht vor einem anderen Mann ist, schließt sie sich der Gruppe an und segelt Abenteuern entgegen. – Spannende Abenteuergeschichte mit tollen Charakteren.

3. Vielleicht Jetzt – Carolin Wahl

Gabriella reist von Brasilien nach Deutschland, um dort ein Praktikum in der Firma ihres Vaters anzutreten, von dem sie zuvor nichts wusste. Im Flugzeug trifft sie auf Anton. Nach einem schlechten Start, funkt es zwischen ihnen. Kurz darauf stellt Gabriella fest, dass Anton ebenfalls in der Firma arbeitet. Nur sind Romanzen am Arbeitsplatz nicht gern gesehen. – Eine tolle Liebesgeschichte mit tollen Charakteren, auch wenn ich Anton das ein oder andere Mal einfach nur schütteln wollte.

4. Mr. Parnassus Heim für magisch Begabte – T.J. Klune

Linus Baker ist Sachbearbeiter beim BBMM (Behörde für die Betreuung magischer Minderjähriger). Auch wenn ihn sein Job nicht gerade glücklich macht, glaubt er doch damit etwas Gutes zu tun. Dann bekommt er vom Allerhöchsten Management den Auftrag das Heim von Mr. Parnassus genauer unter die Lupe zu nehmen. Doch was Linus dort erlebt, darauf konnte ihn kein Bericht vorbereiten. – Erfindet das Rad vielleicht nicht neu, aber bietet eine herzerwärmende Geschichte.

5. Love with Pride – Lea Kaib

Stella hat keine guten Erfahrungen an ihrer Highschool gemacht. Nun soll es am College ganz anders laufen. In Haydensburgh will sie einen Neustart wagen und mutig sein. Trotz ihrer sozialen Ängste bewirbt sie sich Zeta Kappa Sigmas. Dort trifft sie auf Ellie, die ihr ruhiges Leben ganz schön auf den Kopf stellt. – Lea Kaibs Debüt ist vielleicht sprachlich nicht zu 100% ausgefeilt und braucht ein bisschen, um in Schwung zu kommen, doch die Geschichte ist toll und nimmt schwierige Themen auf, die gut umgesetzt sind.

Monsterwochen #2 – Der Klassiker

Herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe der Monsterwochen in diesem Jahr. Nach Dracula und Frankenstein im letzten Jahr, wollen wir uns in diesem Jahr mit dem Phantom der Oper auseinander setzen. Heute geht es um eine der ersten Verfilmungen.

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in vier Beiträgen um Das Phantom der Oper in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und das Phantom der Oper ist ein prominenter Vertreter des Genres! 

Die Handlung

Die Ballerinas der Pariser Oper sind sich sicher: Ein Phantom geht in den Katakomben um. Gleichzeitig bekommt die Solistin Carlotta Drohungen, dass sie ihre Rolle an das Nachwuchstalent Christine Daae abgeben soll. Diese ist fasziniert von ihrem Gönner, bis sie ihn kennenlernt. Gleichzeitig trifft sie ihre Jugendliebe Raoul wieder.

Meine Meinung

Ich versuche bei meinem Monsterwochen immer eine der ersten Verfilmungen mit einzubeziehen. Tatsächlich gab es 1916 bereits die erste Verfilmung des Buches von Gaston Leroux, die jedoch als verschollen gilt. Daher wurde es die Verfilmung mit Lon Chaney als Phantom von 1925.
Stummfilme sind für die heutige Zeit ja schwierig zu sehen, da wir gewohnt sich die Handlung durch Gestik und Dialoge vermittelt zu bekommen. Dennoch funktioniert es gerade durch die gruselige Hintergrundmusik bei Horrorfilmen noch erstaunlich gut.
Das Phantom der Oper ist sogar ein Beispiel, das in seiner Gesamtheit als Stummfilm sehr gut funktioniert, weil viel über Kulissen erzählt wird. Die Oper ist eine spannende Szenerie und bringt viel an Atmosphäre rüber. Unterstützt wird das von der musikalischen Untermalung, die jedoch über die 90 Minuten sehr gleichbleibend ist. So ist sie von Anfang an hochdramatisch und spannend, was sich negativ auf das große Finale auswirkt, weil es hier keine Steigerung mehr gibt.
Besonders positiv ist zu bemerken, dass der Film sehr buchnah ist. Lediglich einzelne Figuren, wie Madame Giry wurden gestrichen oder zusammengelegt. Das es die weiblichen und nicht weißen Charaktere trifft, ist wohl der Zeit geschuldet. Während die Grundhandlung gut als Stummfilm funktioniert, sind es gerade die kleineren Hinweise, die Aufschluss zur Hintergrundgeschichte des Phantoms liefern, die fehlen. So bleibt die Figur und sein Handeln sehr blass. Immerhin ist Christine hier wieder etwas sympathsicher dargestellt, als im Buch.

Das Fazit

Ein guter Einstieg in die Verfilmungen und sehr buchnah, dennoch sind es gerade die Hintergrundinformationen, die hier fehlen.

James Bond 007 – Keine Zeit zum sterben

Ein Vorwort

Ein weiterer Film, an dessen Kinostart man schon nicht mehr glaubte, hat es endlich auf die große Leinwand geschafft. Daniel Craigs letzter Auftritt als Doppelnullagent mit der Lizenz zum töten. Seine bisherigen Filme wurden gemischt aufgenommen, ich mochte gerade Skyfall, für mich einer der stärksten (bisher gesehenen) Bond-Filme. Ob sich das lange Worten gelohnt hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

Die ersten James Bond Filme mit Daniel Craig sind grundsätzlich nicht verkehrt gesehen zu haben: Casino Royal, Ein Quantum Trost und Skyfall. Zusammenfassen werde ich aber nur Spectre, da hier wichtige Figuren eingeführt werden, die direkt in No time to die auftauchen.
Nach einem eigenständigen Auftrag in Mexiko-Stadt, den er von der in Skyfall verstorbenen M erhielt, wird James Bond vom neuen M suspendiert. Denn dieser hat gerade mit dem Chef des Joint Intelligence Service C zu kämpfen, der verschiedene Auslandsgeheimdienste zusammenführen will. Trotz der Anordnung in London zu bleiben, reist Bond nach Rom, um sich mit der Witwe seines Opfers aus Mexiko-Stadt zu treffen. Von ihr erfährt er von einer geheimen Organisation, die sich in Rom trifft. Durch das Vorzeigen eines erbeuteten Ring, bekommt Bond Zugang und trifft dort auf einen tot geglaubten Bekannten aus seiner Jugend: Franz Oberhauser.
Mit Hilfe von Moneypenny findet Bond in Österreich Mr. White (bekannt aus Ein Quantum Trost), der ihn bittet auf seine Tochter Madeleine aufzupassen. In deren Klinik kommt Bond gerade noch rechtzeitig und nimmt sie mit nach Marokko, wo er durch den Nachlass von Mr. White von Oberhausers aktuellem Aufenthaltsort erfährt. Dort kommt es zum ersten Showdown als Oberhauser sich als Ernst Stavro Blofeld vorstellt, der Kopf von Spectre, einer Organisation, zu der auch die bisherigen James Bond Bösewichte (der Daniel Craig Ära) gehörten. Ihr gehört auch C an, der für Blofeld die Weichen zur absoluten Überwachung gestellt hat. Bond und Madeleine schaffen es zu fliehen und das Gebäude in die Luft zu jagen. Zurück in London treffen sie sich mit M, Moneypenny und Q, um C aufzuhalten. Sie werden jedoch getrennt. Während M an C dran bleibt, muss Bond im alten MI6 Gebäude (wurde in Skyfall zerstört), Madeleine suchen und vor der Explosion retten, denn Blofeld hat überlebt und sinnt auf Rache. Letztlich kann Bond sie retten, Blofeld stellen und M schaltet C aus.

Die Handlung

Fünf Jahre nach Spectre wird die Biowaffe „Herakles“ aus einem Labor in London gestohlen. Da der MI6 und M ihre Finger mit im Spiel haben, wird eine Agentin (Lashana Lynch) auf den flüchtigen Forscher Obruchev (David Dencik) angesetzt. Gleichzeitig bittet Felix Leiter (Jeffrey Wright) von der CIA James Bond (Daniel Craig) ebenfalls um Hilfe bezüglich Herakles. Obwohl eigentlich im Ruhestand, muss Bond von Kuba zurück nach London und sich einigen Personen aus der Vergangenheit stellen.

Meine Meinung

Daniel Craigs Bond war anders. Schon seit Casino Royal hob er sich deutlich von den bisherigen Bonds ab. Er war älter, härter und brach mit vielen vorher unumstößlichen Regeln. Mit Skyfall wurde er auch nochmal deutlich persönlicher. Nach einem schwachen Spectre war ich zunächst kritisch, da Akteure wie Lea Seydoux und Christoph Waltz erneut groß präsent im Trailer waren. War doch gerade Waltz in Spectre ein sehr schwacher Bösewicht – zumal er den ganzen Film über riesig aufgebläht wurde, um dann schnell zu fallen.
Doch No time to die schafft es die Balance zu halten, zwischen Aufarbeitung aus Spectre und Übergang zu Neuem. Craigs Bond ist hier verletzlicher denn je, aber auch nahbarer, menschlicher und doch noch immer der knallharte Doppelnullagent. Gleichzeitig ist die Handlung aufgelockert durch kleine Schmunzler. Hier merkt man, dass neben Regisseur Cary Joji Fukunaga und dem Autoren-Duo Purvis & Wade, die schon an einigen Bond-Filmen beteiligt waren, auch Phoebe Waller-Bridge – die Schöpferin der Dramedyserie Fleabag – maßgeblich am Drehbuch beteiligt war.
Handlungstechnisch schließt No time to die beinahe nahtlos an Spectre an. Viele der Szenen aus dem Trailer – bei dem man dachte, dass man das beste vom Film schon gesehen hätte – tauchen genau an diesem Anfang auf. Dann ein Zeitsprung von fünf Jahren. Was ist passiert? Wo kommt der her? Doch die Erklärungen folgen zeitnah. Und sie sind logisch. Bond ist aus bestimmten Gründen aus seinem Leben als Doppelnullagent ausgetreten. Aber auch seine Wiederkehr ist logisch und sorgt gerade im Aufeinandertreffen mit Nomi für viel Schmunzelmaterial.
Die Handlung bietet genau die Elemente, die in den bisherigen Bonds gut funktioniert haben. Die verschiedenen Orte auf der Welt, die als Kulisse dienen, bieten optische Abwechslung und Bond darf auch einmal mehr vom typischen Anzug abweichen.
Rami Malek als Bond-Bösewicht dürfte spalten zwischen sehr gelungen und eher blass, spielt er doch sehr ruhig und eher zurückhaltend. Doch gerade darin liegt der Reiz. Denn statt großer Worten überzeugt er durch kleine Taten.
Mit einer Lauflänge von 165 Minuten könnte man meinen, dass No time to die zu überladen ist und seine Längen besitzt. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Denn der Film versteht es die Spannung auch in ruhigen Szenen zu halten. Das große Finale ist dann noch einmal das Topping eines durchgehend spannendes Films, auch wenn ich einige Entwicklungen zwischendurch für unnötig halte. Daniel Craig bekommt auf jeden Fall ein für seinen Bond würdiges Ende. Die Suche nach einem*r Nachfolger*in dürfte nochmal spannend werden.

Das Fazit

No time to die vereint die gelungenen Elemente aus den bisherigen Craig-Bonds zu einem fulminanten Finale. Kleinere Stolpersteine in der Handlung und eine große Emotionalität dürften die Fans spalten, aber gerade das lockerere Drehbuch belohnt in vielen Kleinigkeiten. Dafür gibt es 08 von 10 Punkten.

James Bond 007 – No time to die läuft seit dem 30.09.2021 in den deutschen Kinos

Rückblick auf den September 2021

Der Herbst hat Einzug erhalten in Deutschland. Vorallem Wettertechnisch ist es immer verregneter geworden, auch wenn gerade Anfang des Monats noch so einige Sommerstunde lachte. Medientechnisch stand der Monat zum einem im Sinne von Dune, dem Kinoereignis des Jahres und zum anderen stand die Vorbereitung für die Monsterwochen im Oktober an. Was es darüber hinaus spannendes zu entdecken gab, erfahrt ihr meinem medialen Rückblick.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Shang-Chi and the legend of the ten rings: Shang-Chi lebt zusammen mit seiner besten Freundin Katy in den USA. Sie arbeiten zusammen für einen Parkservice. Doch Shang-Chi hat ein düsteres Familiengeheimnis, das ihn nun einholt. Denn sein Vater ist der Anführer der zehn Ringe. – Solides Marvelabenteuer mit hohem Fantasyanteil, das nicht ganz überzeugen konnte.

Beckenrand Sheriff: Für Bade… pardon Schwimmeister Karl Kruse gibt es nichts anderes außer seinem Freibad. Mit seiner grantigen und überkorrekten Art hat er sich im Ort leider eher Feinde als Freunde gemacht. Als das Freibad wegen Mängeln am Bau und in der Kasse geschlossen werden soll, muss er sich mit dem örtlichen Wasserballteam zusammentun. – Für eine deutsche Komödie erstaunlich gut, auch wenn es am Ende wieder over the top ist.

Dune: Haus Atreides wird vom Imperator dazu aufgefordert den Planeten Arrakis von Baron Harkonnen zu übernehmen und die Produktion des allseits beliebten Gewürzes Spice sicherzustellen. Der Planet ist jedoch eine einzige Wüste und spärlich besiedelt, abgesehen von den einheimischen Fremen. Paul Atreides, Sohn des Herzogs, hat vor der Abreise seltsame Träume und fürchtet sich um die Zukunft. Sind es nur Träume oder ist seine Familie in Gefahr? – Ein optischer grandioser, spannender, gut besetzter, also einfach perfekter Film.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

In Vorbereitung auf die Monsterwochen habe ich folgende Filme gesehen: Das Phantom der Oper (Stummfilm 1925), Das Phantom der Oper (Horror 1983), Das Phantom der Oper (Musical 2004) und Love never dies (Musical 2011).

Wenn die Gondeln Trauer tragen: Laura und John Baxter reisen nach Venedig, um dort eine Kirche zu restaurieren. Beide trauern noch um den Verlust ihrer Tochter. In einem Restaurant begegnet Laura zwei älteren Schwestern. Eine von beiden ist blind, erzählt Laura aber, dass sie ihre Tochter bei ihnen gesehen hat. Während John das abtut, ist Laura angefixt. Doch dann prophezeit die Schwester den baldigen Tod Johns. – Wieder ein Klassiker, den ich von meiner Liste streichen konnte, auch wenn es nicht mein Film war.

Die Taschendiebin: In den 1930er Jahren ist Korea von Japan besetzt. Taschendiebin Sookee wird als Hausmädchen bei einer Japanerin eingeschleust. Sie soll die Erbin manipulieren, damit sie den Hochstapler Fujiwara heiratet. Dabei ist mehr als nur eine Intrige aktiv. – War mir zu vollgepackt mit Klischees und Übersexualisierung. Ich mochte ihn nicht.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Der Rosengarten von Madame Vernet: Französische Komödie und Kapitalismuskritik rund um einen Rosengarten. Sah wenig spannend aus, aber ein paar positive Stimmen haben mich doch neugierig gemacht.

Helden der Wahrscheinlichkeit: Dänischer Thriller über einen Unfall, der wohl keiner war und einer Gruppe, die Rache nehmen wollen. Der neue Film von Anders Thomas Jensen. Sieht ganz interessant aus.

Die Schachnovelle: Verfilmung des Klassikers von Stefan Zweig mit Oliver Masucci. Sieht spannend aus.

James Bond 007: Keine Zeit zum sterben: Das neuste Abenteuer von Doppelnullagenten darf nach vielen Verschiebungen endlich auf die Kinoleinwand. Kinokarten sind schon gekauft.

Serien – ein etwas ausführlicherer Rückblick

Traumhaus Makeover – Staffel 1-2 (Eine sehr herzliche Renovierungssendung mit tollen Impulsen)

Love Victor – Staffel 1 (Die Serienfortsetzung zu Love Simon. Konnte mich nicht richtig mitreißen, aber die Aufbereitung der Thematik ist sehr stark und ein guter zweiter Blickpunkt zu Simon)

Glück und Freude mit Marie Kondo – Staffel 1 (Nach ihrer Aufräumsendung bekommt Marie Kondo ein zweites Format auf Netflix. Auch hier geht es vordergründig ums aufräumen, doch gleichzeitig hilft es den Kandidat*innen auch andere Bereiche in ihrem Leben zu überdenken)

True Detective – Staffel 3 (Die dritte Staffel hat sich leider viel zu lange gezogen und die Aufklärung am Ende war irgendwie nicht überzeugend)

Instant Hotel – Staffel 2 (Warum Staffel 2 und nicht 1? Weil Netflix der Ansicht war mir erst 2 zeigen zu wollen. Grundsätzlich interessantes Format, die Kandidat*innen waren jedoch durchwachsen)

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 8
Seiten gesamt: 3.250
Seiten pro Tag: 108 im Durchschnitt
Gebundenes Buch: 1
Taschenbuch: 4
E-Book: 2
Manga: 1

Mr. Parnassus Heim für magisch Begabte: Linus Baker ist Sachbearbeiter beim BBMM (Behörde für die Betreuung magischer Minderjähriger). Auch wenn ihn sein Job nicht gerade glücklich macht, glaubt er doch damit etwas Gutes zu tun. Dann bekommt er vom Allerhöchsten Management den Auftrag das Heim von Mr. Parnassus genauer unter die Lupe zu nehmen. Doch was Linus dort erlebt, darauf konnte ihn kein Bericht vorbereiten. – Erfindet das Rad vielleicht nicht neu, aber bietet  eine herzerwärmende Geschichte.

Dune: Herzog Leto Atreides bekommt vom Imperator den Auftrag den Wüstenplaneten Arrakis von Baron Harkonnen zu übernehmen. Arrakis ist ein Planet, der nur spärlich besiedelt ist, da ein Überleben auf ihm sehr schwer ist, vor allem durch die ständig präsente Wasserknappheit. Doch er besitzt etwas, was das ganze Universum will: Das Gewürz. Mit dabei ist auch sein Sohn Paul, der sich einer ganz besonderen Ausbildung ausgesetzt sah und noch eine große Rolle im Kampf um das Schicksal des Planeten spielen soll. – Der Auftaktband zur großen Saga kommt mit einem beeindruckenden Weltenbau daher, auch wenn man sich ein wenig an den Erzählstil gewöhnen muss.

Vielleicht Jetzt: Gabrielle reist von Brasilien nach Deutschland, um dort ein Praktikum in der Firma ihres Vaters anzutreten, von dem sie zuvor nichts wusste. Im Flugzeug trifft sie auf Anton. Nach einem schlechten Start, funkt es zwischen ihnen. Kurz darauf stellt Gabriella fest, dass Anton ebenfalls in der Firma arbeitet. Nur sind Romanzen am Arbeitsplatz nicht gern gesehen. – Eine tolle Liebesgeschichte mit tollen Charakteren, auch wenn ich Anton das ein oder andere Mal einfach nur schütteln wollte.

Love with Pride: Stella hat keine guten Erfahrungen an ihrer Highschool gemacht. Nun soll es am College ganz anders laufen. In Haydensburgh will sie einen Neustart wagen und mutig sein. Trotz ihrer sozialen Ängste bewirbt sie sich Zeta Kappa Sigmas. Dort trifft sie auf Ellie, die ihr ruhiges Leben ganz schön auf den Kopf stellt. – Lea Kaibs Debüt ist vielleicht sprachlich nicht zu 100% ausgefeilt und braucht ein bisschen, um in Schwung zu kommen, doch die Geschichte ist toll und nimmt schwierige Themen auf, die gut umgesetzt sind.

Malady Deeply Moved: Der Schatten ist weiter hinter Malady her, um an die Liste der Almeidas zu kommen. Diese hält dich und genießt ihren Geburtstag. Doch die Bedrohnung kommt näher, ebenso wie sie Jupiter näher kommt. Doch da sind noch die Gefühle für Narcisco. – Dritter Band der Malady-Reihe, der sich am Niveau der Vorbände orientiert.

Mythnoir: Shary versucht auf dem Pferdehof ihrer Großeltern die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Da taucht der geheimnisvolle Nevan auf. Durch einen Unfall landet sie in seiner Welt, in Mythnoir. An einer Akademie muss sie sich ihrem neuen Leben stellen, voller Magie und Insignien. Dabei soll sie eine große Rolle in der Rettung der Welt spielen. Shary ist das alles sehr egal, sie will nur zurück. – Ein magisches Debüt mit einer spannenden Welt, tollen Charakteren, nur ein bisschen wenig Erklärungen.

My roomate is a cat 5: Harus Vergangenheit wird genauer betrachtet und Subaru resümiert, wie sich sein Leben seit der Begegnung mit Haru verändert hat. – Es wird traurig, aber auch hoffnungsvoll. Weiterhin eine Geschichte zum Dahinschmelzen, aber auch mit Fokus auf Soziale Ängste.

Love me forever: Der Abschluss der Reihe um die Zetas. Dante und Amanda haben endlich zusammengefunden und eine heiße Spur zu den Menschenhändlern. Können sie Jenny finden und Andrews Tod rächen? – Schwacher Finalband. Viel zu langes Beziehungshin und her, um dann das Finale in wenige Seiten zu quetschen. Sehr schade!

Dune – der Film

Ein Vorwort

Nachdem ich euch am Montag bereits das Buch vorgestellt habe, folgt nun endlich auch mein Beitrag zu dem Kinoereignis des Jahres. Denn eins ist sicher, James Bond kann einpacken, an Dune wird er nicht rankommen. Denis Villeneuve hat sich wieder einmal selbst übertroffen. Was Dune so besonders macht, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Haus Atreides wird vom Imperator dazu aufgefordert den Planeten Arrakis von Baron Harkonnen (Stellan Skarsgard) zu übernehmen und die Produktion des allseits beliebten Gewürzes Spice sicherzustellen. Der Planet ist jedoch eine einzige Wüste und spärlich besiedelt, abgesehen von den einheimischen Fremen. Paul Atreides (Timothee Chalamet), Sohn des Herzogs (Oscar Isaac), hat vor der Abreise seltsame Träume und fürchtet sich um die Zukunft. Sind es nur Träume oder ist seine Familie in Gefahr?

Meine Meinung

Dune galt lange Zeit als Unverfilmbar. Erste Versuche sind gänzlich gescheitert. 1984 gab es dann bereits eine Verfilmung von David Lynch, die unter schwierigen Bedingungen produziert wurde und so Zuschauer und Kritiker wenig überzeugte. Auch eine Miniserie aus den 2000er konnte sich nicht durchsetzen. Nun durfte niemand geringeres als Denis Villeneuve sich an dem Stoff probieren. Eben jener Schauspieler, der zuvor durch verschiedene Genres stromerte und mit Prisoners, Sicario oder auch einem Arrival eben diese ordentlich aufpolierte und einen neuen Schliff verlieh. Mit Blade Runner 2049 versuchte er sich dann erstmals an einem Blockbuster, der finanzielle Erfolg ließ allerdings zu wünschen übrig.
Nun stand also Dune bevor. Villeneuve verkündete bereits im Vorfeld, dass er nicht das ganze erste Buch verfilmt hat, sondern lediglich die erste Hälfte, um dem gewaltigen Werk genügend Zeit zu lassen. Da ich das buch im Vorfeld gelesen habe, konnte ich mir aber gerade das nicht vorstellen. Zum einen weil das Buch in drei Sinnabschnitte unterteilt ist und so keine logische Hälfte direkt existiert. Zum anderen weil gerade der zweite Teil, wo der Film dann ja enden müsste, einige langatmige Stellen aufweist.
Aber was soll ich sagen: Ich habe Denis Villeneuve unterschatzt. Denn er hält sich beinahe akribisch an die Vorlage. Fast jede Szene taucht auf, wenn auch ab uns an an einer anderen zeitlichen Stelle. Lediglich ganz wenige Szenen wurden dazugedichtet, was aber notwendig war, um an anderer Stelle unnötige erklärende Diskussionen einzustreichen. Auch fehlen nur einige wenige, die es aber auch nicht braucht, um die Handlung des Buches im Film zu vermitteln. Gleichzeitig versteht Villeneuve es auch wunderbar Szenen, die im Buch zu kurz kommen, auf der Leinwand aber wunderbar wirken zu verlängern, um den Spannungsgrad für die Zuschauer zu erhöhen und optisch mehr zu bieten. Dafür wurden ewig lange Kapitel, in denen es um Taktiken und Diplomatie geht, auf das nötigste gekürzt.
So ist Dune mit einer Länge von 155 Minuten spannend, logisch, gut durchdacht und vorallem eins: Optisch absolut herausragend! Die Liebe zum Detail merkt man in jeder einzelnen Szene. Allein der Landeanflug eines Raumschiffes auf einem der Planeten wird so atemberaubend inszeniert, dass man sich nichts spannenderes vorstellen könnte, als genau das anzusehen. Der Film ist einfach für die große Kinoleinwand geschaffen. Wer die Chance hat, sollte ihn also unbedingt im Kino sehen!
Besetzungstechnisch wurde hier alles aufgefahren, was Hollywood zu bieten hat. Timothee Chalamet setzt seinen Siegeszug als herausragender Charakterdarsteller weiter fort. Tatsächlich scheint er auch die einzig logische Wahl zu sein – zumindest fällt mir kein passenderer Darsteller ein. Jede Nuance der Mimik passt perfekt. Er zeigt Paul mit allen Facetten. Was die Buchlesenden in inneren Mologen über den Charakter erfuhren, zeigt Chalamet allein anhand der Mimik. Damit spielt er alle seine Mitdarsteller*innen an die Wand. Und dabei sind einfach mal Namen, wie Ferguson, Issac, Skarsgard, Bardem und Rampling. Wer bisher noch nicht an das Ausnahmetalent glaubte, wird spätestens hier überzeugt.
Auch die anderen Darsteller*innen beweisen hier noch einmal, was in ihnen steckt und beleben den Film auf eine ganz eigene Art. Eine gute Entwicklung ist auch, dass Sharon Duncan-Brewster die Rolle der Dr. Liet Kynes übernehmen konnte, die im Buch männlich ausgelegt war.
Kommen wir noch zur Filmmusik von Hans Zimmer. Eben jener Komponist, der bei vielen großen Produktionen mitwirkte, der aber auch in letzter Zeit kritisch betrachtet wurde, weil er mit seinem gleichen Stil zu sehr in die „Mainstream“-Kerbe haute. Bei Dune hat er sich aber noch einmal selbst übertroffen und einen in sich stimmigen Score erschaffen, der auf jede Nuance des Films eingeht und gerade durch kleine unterschwellige Melodien die nötige Stimmung erzeugt. Natürlich gibt es dann auch wieder die großen epischen Hymnen, wie zum Beispiel Pauls Dream.
Und tatsächlich endet der Film ziemlich auf die Seite genau in der Mitte des Buches. Auch wenn es mir beim lesen nicht bewusst war, so ist es doch eine sehr schlaue Stelle, da im folgenden wieder vieles neues erklärt wird und sich der (hoffentlich bald bestätigte) zweite Teil ausführlich damit befassen kann. Denn so gut der erste Teil jetzt auch ist, es braucht den zweiten, um die Geschichte zu einem halbwegs befriedigenden Ende zu führen.

Das Fazit

Dune beeindruckt auf allen Ebenen. Die Handlung nimmt sich Zeit ist aber gleichzeitig an jeder Stelle spannend, Score und Besetzung ist einfach nur herausragend. Aber gerade optisch ist es wohl einer der besten Filme der letzten Jahre, wenn nicht sogar aller Zeiten. Dafür gibt es 10 von 10 möglichen Punkten.

Dune läuft seit dem 16.09.2021 in den deutschen Kinos