Unorthodox

Ein Vorwort

Das Schöne an Netflix Originalen ist, dass es weltweit produzierte gibt, so dass man als Zuschauer ganz leicht auch einmal eine Produktion eines Landes bestaunen kann, die man sonst eher nicht zu Gesicht bekommen würde. Nach Dark schickt Deutschland nun die vierteilige Miniserie Unorthodox ins Rennen. Ob die Serie gelungen ist und ob einiger der kursierenden Kritikpunkte berechtigt sind, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Esther „Esty“ Shapiro lebt in Williamsburg, New York City, in einer Ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde. Aufgewachsen bei ihrer Großmutter, geht sie eine arrangierte Ehe mit Yanky Shapiro ein. Durch anhaltende Schmerzen beim Geschlechtsverkehr wird Esty immer unglücklicher und beschließt schließlich zu fliehen. Ihr einziger Anhaltspunkt außerhalb der Gemeinde ist ihre leibliche Mutter in Berlin. Mit Hilfe ihrer Klavierlehrerin reist sie nach Deutschland und lernt dort einige Musikstudenten kennen mit denen sie schnell Freundschaft schließt. Währenddessen reisen ihr Mann Yanky und dessen Cousin Moische ihr nach, um sie zur Rückkehr zu bewegen.

Meine Meinung

Unorthodox ist eine abgeschlossene Miniserie mit vier Folgen und einer durchschnittlichen Lauflänge von 55 Minuten pro Folge. An sich ist es ein etwas längerer Spielfilm mit unter vier Stunden in gut sehbare Portionen unterteilt.
Die Serie beginnt mit Estys Flucht und erzählt dann abwechselnd ihr Abenteuer in Berlin, in Rückblicken ihr Leben in Williamsburg und parallel in Berlin die Suche von Yanky und Moische. Nach und nach klären sich dadurch viele Dinge, die man am Anfang einfach als gegeben akzeptieren muss. Denn zunächst werden viele Begrifflichkeiten und Traditionen eingeworfen, wobei manche bis zum Ende für den Laien nicht aufgeklärt werden.
Dennoch wird durch den Aufbau der Spannungsbogen von Anfang an hochgehalten und bleibt dort auch bis zum Ende. Mit Shira Haas wurde eine Schauspielerin gefunden, die die Zwiegespaltenheit von Esty perfekt wiedergeben kann. Denn einerseits liebt sie ihre Familie und ist stolz auf ihre Herkunft, hält es aber andererseits nicht mehr in ihrem alten Leben aus. Allein in Berlin sind es dann die einfachsten Sachen, die sie in Begeisterung versetzen können, ihr Angst einjagen oder sie einschüchtern können. Durch die Hilfe der Musikstudenten, die sie sofort in ihre Gruppe aufnehmen, wenn auch mit unterschiedlichen Gefühlen. Durch die Studenten wird auch bewusst ein Kontrast zu der Gemeinde in Williamsburg gesetzt. Denn während diese in ihren Traditionen festhängt und versucht sich nicht an die moderne Welt zu gewöhnen, stellen die Studenten eine offene Gemeinschaft dar, mit verschiedenen Nationalitäten und sexueller Orientierung.
Mit der Darstellung der Gemeinde in Williamsburg wurde sich an Deborah Feldmanns Autobiographie, die ebenfalls den Titel Unorthodox trägt, orientiert, bzw. ist Estys Leben in Williamsburg den Feldmanns nachempfunden. Der Handlungsstrang in Berlin ist hingegen fiktiv. Der Serie wird von einigen Kritikern antisemitische Töne vorgeworfen. Das wird vor allem mit der Darstellung von Estys Vater als „Miethai“ festgemacht. Diese Vorwürfe kann ich nur bedingt nachvollziehen, da es nur eine kleine Szene gibt, in der Esty ihren Vater begleitet, um bei einer Frau, die mit der Miete im Verzug ist, diese einzufordern. Dies wird aber eher als Mittel genutzt, um Esty mit ihrer späteren Klavierlehrerin bekannt zu machen, die ihr bei der Reise nach Berlin hilft. Auch wird das Leben in der Gemeinde nicht grundsätzlich verteufelt, nur einzelne Aspekte etwas kritischer angefasst.
Grundsätzlich ist Unorthodox eine spannende Serie, die interessante Einblicke in eine ultraorthodoxe Gemeinde bietet und gleichzeitig die Emanzipation von Esty zeigt. Ein paar mehr Erklärungen bei einzelnen Aspekten wären schon gewesen, um die Serie noch besser zu verstehen.
Ein Großteil der Serie wird Jiddisch gesprochen. Untertitel sind daher notwendig – außer natürlich man spricht fließend Jiddisch. Dies mag am Anfang gewöhnungsbedürftig wirken, macht die Serie aber auch authentischer.

Das Fazit

Unorthodox ist eine spannende und interessante Serie über das Loslösen einer jungen Frau aus den ihr bekannten Konventionen. Kleinere Schwächen können verziehen werden, so dass sich ein Blick durchaus lohnt.

Netflix Anime Original: Um ein Schnurrhaar (OmU)

Ein Vorwort

Eigentlich war es einer meiner inoffiziellen Vorsätze für 2020, dass ich mich mehr dem Animebereich öffne und meinen Lebensgefährten öfter in die Anime Specials ins Kino begleite. Da die Kinos hier noch immer geschlossen sind, wurde daraus wohl nichts. Nachdem mich im letzten Jahr Penguin Highway nicht richtig überzeugen konnte, bringt Netflix nun einen Originalfilm aus dem gleichen Studio (Studio Colorido) heraus. Da mir Katzen nach Pinguinen wohl die liebsten Tiere sind, und mich die supersüßen Katzen aus dem Trailer bereits überzeugen konnten, stimmte ich der Wahl für einen Filmabend zu. Der Film ist aktuell nur im Original mit Untertitel verfügbar, da die Synchronisation durch Corona verzögert stattfindet.

Die Handlung

Miyo Sasaki muss nicht nur mit der Scheidung ihrer Eltern und der neuen Stiefmutter klar kommen, sondern hat auch Gefühle für ihren Mitschüler Kento Hinode. Diesen kommt sie näher, da sie sich mithilfe einer Katzenmaske in die Katze selbst verwandeln kann. Doch während Hinode Miyo in Katzenform als Taro alles erzählen kann, bleibt er bei der menschlichen Miyo auf Abstand. Miyo fühlt sich missverstanden und dann taucht auch noch der Maskenverkäufer wieder auf, der sie zu überreden versucht ihr menschliches Gesicht endgültig abzulegen und für immer eine Katze zu bleiben.

Meine Meinung

Mein größtes Problem bei Animes ist es, der Handlung folgen zu können. Da sich die Erzählweise stark von den herkömmlichen (Hollywood-)Filmen unterscheidet, ist es eine Umgewöhnung zu der japanischen zu wechseln. Dies gelingt bei Um ein Schnurrhaar jedoch deutlich besser als bei Penguin Highway.
Die Ausgangssituation ist schnell klar. Wir lernen Miyo kennen, die von vielen einfach nur Muge genannt wird, was übersetzt eine Abkürzung für mysteriöses Mädchen ist. Wir finden heraus, dass sie Scheidungskind ist und bei dem Vater und ihrer Stiefmutter lebt. Diese entspricht jedoch keineswegs dem Märchen der bösen Stiefmutter, sondern gibt sich große Mühe allen alles recht zu machen, wird jedoch trotzdem in einem fort von der leiblichen Mutter kritisiert. Dennoch muss sich Miyo dazu zwingen ständig zu lächeln und so zu tun, als wäre alles in Ordnung. In der Schule greift der Film schnell das Thema Mobbing auf, denn bis auf ihre beste Freundin scheinen alle Mitschüler, sie für sehr merkwürdig zu halten. Zumal sie dann auch noch ständig Hinode anflirtet, der doch augenscheinlich nichts von ihr möchte. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit findet der Film dann schnell seine Fantasykomponente. Der Wandel von Mensch zu Katze ist dann die perfekte Metapher für die Leichtigkeit des Katzenseins. Dies versucht ihr die wiederkehrende Figur des Maskenverkäufers auch schmackhaft zu machen. So versucht der Film auf fantastische Weise den Bogen zu bekommen, zwischen dem anstrengenden Menschenleben und dem einfachen Katzenleben.
Grundsätzlich ist dies auch eine schöne Idee, passende Metapher und mal ganz ehrlich die Katzen sind wirklich supersüß. Die Zeichner und Animatoren haben hier großes Herz bewiesen, so dass jeder Katzenliebhaber sofort schmelzen wird. Das Problem ist, dass der Film irgendwo unfertig wirkt. Es wird nicht erzählt, warum Miyo die Situation zu Hause wirklich als so schwierig empfindet. Es wird nicht gesagt, was sie an Hinode so anziehend findet. Es wird behauptet, dass sie ihm nicht richtig sagen kann, was sie empfindet, wobei das Anflirten wohl für alle sehr deutlich sichtbar ist. Es wird vieles angedeutet, aber wenig wirklich gesagt. So kratzt der Film bei vielen Sachen an der Oberfläche, aber schafft es nicht wirkliche Tiefe aufzubauen. Dies ändert sich auch im Laufe des Films nicht, wenn die Fantasykomponente zunimmt.
Hinzu kommt, dass die Protagonistin Miyo ständig überdreht irgendwo rumspringt und dabei nicht unbedingt Sympathiepunkte sammelt, was es umso schwerer macht sie richtig greifen zu können. So bleibt sie unnahbar und man leidet nicht wirklich mit ihr mit. Das nimmt jedoch dem großen Finale die Spannung, da einen der Ausgang relativ egal ist.
Die fehlende Synchronisation ist gerade am Anfang gewöhnungsbedürftig, zumal im japanischen noch einmal ganz andere Betonungen stattfinden. Dennoch war der Film mit den Untertiteln gut verständlich. Die beschriebene Welt ist nachvollziehbar und nimmt am Ende ordentlich Fahrt auf, wenn es auf das große Finale zu geht und setzt die Fantasyelemente in einer guten Dosis ein.

Das Fazit

Um ein Schnurrhaar ist ein liebevoll animierter Film, der mit einer schönen Metapher als Grundidee daher kommt. Während der Film die Fantasykomponente gut beherrscht, schwächelt er jedoch am Tiefgang. Zu wenig wird wirklich erzählt, so dass der Film lediglich an der Oberfläche kratzt. Schade!

Um ein Schnurrhaar (OmU) ist ab sofort auf Netflix abrufbar

Eine Handvoll Serienkritiken

Ich bin aus meiner Auszeit zurück und hoffe euch nun wieder regelmäßig ein paar Artikel präsentieren zu können. Ob und wann die Kinos wieder öffnen, ist weiterhin nicht final entschieden und daher kommen wir nun wieder zu meinen obligatorischen Überbrückungsbeiträgen. Die Serienkritiken machen hier den Anfang.

The Marvelous Mrs. Maisel – Staffel 2

Die Handlung: Miriam „Midge“ Maisel arbeitet weiter an ihrer Karriere als Stand-up-Comedian. Seit ihr Ex-Mann Joel davon Wind bekommen hat, ist es auch um ihre Erneuerung der Ehe vorbei. Dennoch stehen große Abenteuer bevor. Midges Mutter Rose Weismann ist nach Paris abgehauen und Midge muss ihr mit ihrem Vater hinterherreisen, um sie zurückzuholen. Dann steht der Sommer bevor, den die Familie alljährlich in den Catskills verbringt. Und vielleicht gibt es auch für Midge einen neuen Verehrer.

Meine Meinung: Während die erste Staffel ein Warmwerden mit den Charakteren war und vor allem durch die Scheidung von Midge und Joel dominiert wurde, gibt es nun viele kleinere Geschichten, die erzählt werden. Allein die Catskills nehmen drei Folgen ein, was der Serie aber gut tut. Durch den regelmäßigen Tapetenwechsel geht der Serie nicht die Puste aus und gleichzeitig arbeiten alle Folgen weiterhin an Midges Traum. Wir bekommen alte liebgewonnende Charaktere zurück und neue hinzu, die wir genauer betrachten dürfen. Der Witz, aber auch die Spannung, kommen nicht zu kurz. So gesehen eine gelungene Fortführung der Serie. Wobei mir die zweite Staffel noch besser gefiel als die erste.

Star Trek: Discovery – Staffel 2

Die Handlung: Der Krieg mit den Klingonen ist vorbei und die Discovery ist unterwegs nach Vulkan, um ihren neuen Captain zu begrüßen. Unterwegs treffen sie auf die Enterprise mit Captain Pike. Dieser kommt zusammen mit zwei Offizieren an Bord und nimmt das Kommando an sich. Es wurden sieben rätselhafte Signale abgefangen und Pike soll zusammen mit der Besatzung der Discovery diesen nachgehen.

Meine Meinung: Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich die zweite Staffel überhaupt noch sehen mag. Denn die erste hat mir nicht so richtig zugesagt. Die viel zu langgezogene Staffel rund um den Klingonenkrieg hatte zu viele Wendungen und Zwischengeschichten (ich sag nur Spiegeluniversum) um spannend zu bleiben. Dies ändert sich in der zweiten Staffel jedoch vollkommen und mit Captain Pike wird ein cooler neuer/alter Charaktere hinzugefügt, mit dem die Star Trek Formel nun wieder aufgeht. Wir haben durch die Signale zwar eine zusammenhängende Geschichte, aber irgendwo auch Einzelepisoden. Das harmoniert sehr gut zusammen und wird nur mit minimalen kleineren Geschichten gestreckt. Auch die Charaktere harmonieren nun viel mehr miteinander und haben sich zu einer kleinen Familie zusammengerauft. So kommt der typische Charakter der früheren Star Trek Serien wieder durch. Lediglich das Ende stimmt mich wieder nachdenklich, ob die dritte Staffel dann auch wieder so gut funktionieren kann.
PS: Zwischen den beiden Staffeln gibt es vier Kurzfilme. Die sollten vor dem Staffelfinale gesehen werden, sonst versteht man nicht, wo der eine Charakter auf einmal herkommt 😉

Foodhacks mit Nadiya Hussain – Staffel 1

Die Handlung: Die meisten dürften das Problem kennen. Man kommt gestresst von der Arbeit und dann soll man noch für die Familie kochen. Teilweise kommen dann noch Kinder dazu, die ja auch noch bespaßt werden wollen. Nadiya Hussain nimmt sich diesem Problem an und zeigt Rezept mit wenig Aufwand, die man wunderbar vorbereiten kann oder die einfach Zeit sparen. Außerdem begibt sie sich hinter die Kulissen einer Lebensmittel und deren Herstellung.

Meine Meinung: Wunderbar kurzweilige Serie für zwischendurch. Einige interessante Fakten zu Lebensmitteln sind dabei und auch einige Rezepte, die ich vielleicht doch einmal ausprobieren werde. Im großen und ganzen bin ich mir jedoch unsicher, ob die Rezepte wirklich den gewünschten Effekt haben. Denn selbst, wenn ein Essen nur 10 Minuten für die Vorbereitung braucht, finde ich durchschnittlich 40 Minuten im Ofen doch sehr lang. Wenn ich im Schichtsystem von der Spätschicht nach Hause komme, halte ich keine 40 Minuten mehr durch, um auf das Essen zu warten. Auch sind manche Tipps für mich keine Alternative. Zum Beispiel werde ich nicht mit vorgeschälten Kartoffeln aus dem Glas arbeiten. Da plane ich lieber die Schälzeit mit ein. Aber einiges dient dann doch auch einfach zur schönen Inspiration. Freue mich trotz allem auf eine zweite Staffel.

Miss Fishers mysteriöse Mordfälle – Staffel 1

Die Handlung: Phryne Fisher ist Aristokratin und kehrt in den 1920er Jahren nach vielen Jahren in Europa in ihre Heimat Melbourne, Australien zurück. Dort hilft sie bei der Aufklärung eines Mordes mit. Fortan mischt sie sich gerne in die laufenden Ermittlungen bei Mordfällen ein. Detective Inspector Jack Robinson ist davon wenig begeistert, kann Miss Fishers Enthusiasmus aber auch nicht stoppen.

Meine Meinung: Ich präsentiere eine Crimeserie, die in Australien spielt, in den 1920er Jahren und dann noch eine sehr unkonventionelle Ermittlerin hat. Wie bei den meisten Crimeserien, die sich mit dem Fall der Woche befassen, ist es hier vor allem das Zusammenspiel der verschiedenen Charaktere, die den Charme der Serie ausmachen. Tatsächlich ist mir Phryne Fisher fast noch am unsympathischsten, was allerdings nicht viel heißt. Spannend ist es jedoch zu beobachten, wie Miss Fisher die Täter überführt, denn die technischen Mittel  waren damals doch eher mau. Neben dem Crimefaktor hat man also auch noch den Historienfaktor, der sich vor allem in faszinierenden Kleidern niederschlägt. Ein Blick lohnt hier auf jeden Fall.

Küchenhelden – Staffel 1

Die Handlung: Kurz gesagt ist es ein Familien-Koch/Back-Duell mit von Disney inspirierten Themen. Fünf Familien mit jeweils vier Familienmitgliedern treten in 10 Runden gegeneinander an. Thema ist jeweils ein Disneyfilm und es wird die Art vorgegeben (Hauptspeise/Dessert/Snack). Am Ende kostet jeweils ein Chefkoch aus Disney World die Gerichte und bestimmt dann den Gewinner.

Meine Meinung: Eigentlich bin ich für Koch- und Backwettbewerbe wenig zu haben. Das große Backen konnte mich für ein oder zwei Staffeln nochmal fesseln, verloren dann aber auch einfach wegen der Länge den Reiz. Bei den Küchenhelden funktioniert das ganz gut, weil jede Folge nur knapp 30 Minuten geht und der Kochprozess daher nicht in die Länge gezogen wird. Die Folgen beginnen mit der Vorstellung des Disneyfilms, um den es geht und die beiden Familien, die in der Runde antreten, dürfen in Disney World die jeweils passende Abteilung besuchen und Inspiration sammeln. Dann geht es ans Kochen/Backen. Dafür gibt es eine Stunde Zeit. Zwischendurch gibt es noch ein Gartenduell, bei dem jeweils zwei Familienmitglieder gegeneinander antreten, während die anderen weiterkochen dürfen. Der Gewinner des Duells bekommt den goldenen Löffel, der der Siegerfamilie einen Vorteil, wie z.B. Extra-Zeit, einbringt. Am Ende wird verkostet. So gesehen eine schöne Serie für Zwischendurch. Die Folgen sind immer Freitags auf Disney+ erschienen und am kommenden Freitag steht das große Finale bevor.

Netflix Original: The Irishman

Ein Vorwort

Das Netflix aus der Award-Season nicht mehr wegzudenken ist, hat der Erfolg von Roma im letzten Jahr bewiesen. Während Netflix lange den Ruf hatte bei den Filmen weniger auf Qualität als eher auf Quantität zu achten bei den Eigenproduktionen, ist nun nur noch teilweise richtig. Denn auch dieses Jahr ist neben Marriage Story auch ein The Irishman bei den Golden Globes stark vertreten. Über den grundsätzlichen Wandel zum Streaming und warum große Filmemacher, wie Martin Scorsese oder letztes Jahr Alfonso Cuaron, ihre Filme nicht mehr über die klassischen Studios finanziert kriegen und welche Vor- und Nachteile dies mit sich bringt, ist Thema für eine ganz eigene Diskussion. Ob The Irishman über eine Spiellänge von 3,5 Stunden funktioniert, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Der Ire Frank Sheeran (Robert de Niro) gelangt in den 1950er Jahren auf den Radar der Bufalino-Familie, einer Mafia Familie in Pennsylvania. Dort lernt er den Oberhaupt Russell (Joe Pesci) kennen. Über ihn wird er zum Leibwächter des Gewerkschaftsführers Jimmy Hoffa (Al Pacino).

Meine Meinung

Als ich mir vorgenommen habe The Irishman zu sehen, war meine größte Hemmschwelle tatsächlich die Lauflänge. Bereits The Wolf of Wall Street war mit 180 Minuten Lauflänge ein ganz schöner Brocken und schon den konnte ich bisher nie in einem Stück gucken. Nun hat sich Scorsese noch einmal selbst getoppt. Mit 209 Minuten Lauflänge beinhaltet er die Länge von zwei durchschnittlichen Filmen. Kann ein Film es schaffen die Aufmerksamkeit eines Zuschauers so lange zu halten?
Nun hier kommt es gewiss auch ein wenig darauf an, in welcher Umgebung man den Film sieht. Vor Veröffentlichung auf Netflix war The Irishman kurzzeitig in ausgewählten Kinos zu sehen. Unerreichbar also für alle, die nicht in einer großen Metropolregion mit vielen kleinen unabhängigen Kinos wohnen. Hier sind jedoch die Ablenkungsfaktoren durch die Umwelteinflüsse relativ gering. Allerdings kann man hier auch nicht mal eben den Film anhalten, um die Toilette aufzusuchen. Das reguläre Publikum wird den Film also auf Netflix schauen. Allein die Tatsache, dass Scorsese einen Appell an die Zuschauer starten musste, seinen Film doch bitte nicht auf dem Handy zu schauen, sagt viel über das Sehverhalten von Netflix-Zuschauern. Aber selbst ich, die den Film auf einem relativ großen Fernseher zu Hause sehen konnte, konnte mich nicht vollständig vor Unterbrechungen wappnen.
Dennoch sollte man möglichst versuchen den Film als Ganzes zu sehen und nicht in kleine Häppchen zu unterteilen. Dies ist mitunter auch gar nicht möglich, weil es tatsächlich keine Stelle im Film gibt, der man einen Cut anmerkt, also eine Stelle, wo man meinte „Okay, jetzt hab ich diesen Abschnitt gesehen, bevor es weitergeht, kann ich noch schnell etwas anderes erledigen“. Stattdessen ist die ganze Handlung geprägt von Zeitsprüngen und die Schauspieler werden mal jünger, mal älter, mal spiegeln sie ihr tatsächliches Alter wieder. Aber alles in einer laufenden Erzählung. Es gab auch die Überlegung, warum Scorsese, wenn er die Geschichte komplett auserzählen wollte, das Ganze nicht als Serie angelegt hat. Auch dies beantwortet der Film. Denn in einer Serie braucht man Szenen, die jede Folge eröffnen und Szenen die eine Folge in sich schließen. Sei es durch eine schöne Abschiedsmodellage an Bildern oder meinetwegen auch durch einen Cliffhanger. Doch als dies hätte die Erzählstruktur des Films massiv angegriffen, weswegen es die Folgerichtige Entscheidung war, den Film als Film zu belassen. Dennoch schafft der Film es nicht, einen für die gesamte Dauer zu fesseln. Er schafft es stellenweise, aber zwischendurch schweiften dann doch immer wieder die Gedanken ab. Dann kam wieder ein Stichwort und man wusste, wenn man jetzt nicht aufpasst, dann verpasst man etwas Wichtiges. Dann passte man wieder für 20 Minuten auf, bis man für 10 Minuten wieder komplett raus war und immer so weiter. In der Gänze schafft es The Irishman also durchaus den Zuschauer abzuholen.
Aber wieso wurde der Film dann nicht kürzer erzählt? Bei 209 Minuten gibt es doch bestimmt die eine oder andere Szene, die man hätte weglassen können? Grundsätzlich bin ich ein großer Verfechter von kürzeren Filmen. Alles, was über zwei Stunden dauert, braucht für mich eine gute Begründung, warum der Film so lang ist. Auch ist The Irishman einfach zu lang, angenehmer Filmgenuss geht anders. Doch hat Scorsese es geschafft einen Film zu drehen, bei dem wirklich jede Szene wichtig ist. Es gibt keine Szene, bei der man denkt, dass sie nur Füllmaterial ist, um den Film zu strecken. Denn alle Szenen führen zu unserem Protagonisten im Altersheim, der uns seine Geschichte erzählt. Ganz im Gegenteil muss man sogar sagen, dass der Film vielleicht sogar die eine oder andere Szene zu wenig hat. Denn gegen Ende gibt es einen kurzen Dialog zwischen DeNiro und eine seiner Töchter, die ihm erklärt, warum es nie wirklich ein Familiengefühl gab. Und genau dieser Aspekt kommt eigentlich viel zu kurz. In einer kurzen Szene sieht man, warum die Kinder Angst hatten ihrem Daddy etwas zu erzählen. Aber dabei wurde es dann belassen.
Kommen wir zu einem weiteren heiß diskutierten Punkt. Wie Scorsese im The Irishman Gespräch – ebenfalls einsehbar auf Netflix – sagte, war sein Hauptproblem vor der Umsetzung des Films, dass er zwar eine Ahnung hatte, wer der passende Cast sein könnte, jedoch die Handlung so viel Zeit umfasste, dass er eigentlich für viele Szenen weitaus jüngere Darsteller hätte casten müssen. Aber weil er wusste, dass jeder seiner Schauspieler absolut einzigartige Bewegungen und Mimik leisten würde, wollte er den gesamten Film mit den gleichen Darstellern drehen. Also musste eine Verjüngungstechnik her. Er wollte aber auch nicht die gleiche, die in Star Wars benutzt wurde. Schließlich wurde er fündig und konnte nun seine Darsteller anständig digital verjüngen lassen. Das Ergebnis kann sich auch durchaus sehen lassen. Das Problem an der Sache ist, dass seine Darsteller eben nicht jünger werden, sondern nur so aussehen. Auch wenn in vielen Szenen darauf geachtet wurde, dass sie sich eben nicht wie alte Männer bewegen, sieht man es den Herren eben doch an. Wenn de Niro zutritt, dann tritt er wie ein alter Mann. Das lässt sich nicht digital verbergen.
Dennoch leisten die Darsteller einen guten Job. Optisch, schauspielerisch und erzählerisch kann man The Irishman absolut nichts vorwerfen. Das Problem, das ich mit dem Film habe, ist rein persönlich. Ich mag keine Mafiafilme. Ich kann nichts damit anfangen. Mich überfordern die verstrickten Strukturen, die tausend Personen, die irgendwo irgendwann noch einmal wichtig werden können. Aber wer Mafiafilme mag oder gar liebt, der wird hier einen neuen Kandidaten fürs Herz haben.

Das Fazit

The Irishman ist mit 209 Minuten sehr lang. Dennoch besticht er über die gesamte Länge mit spannenden Elementen, guten Darstellern und einer einmaligen Optik. Für das optimale Sehvergnügen sollte man jedoch ein Liebhaber von Mafiageschichten sein. Denn wer vorher damit nichts anfangen konnte, kann es auch nach The Irishman nicht.

The Irishman lief ab dem 14.11.2019 in ausgewählten Kinos und ist seit dem 27.11.2019 auf Netflix abrufbar.

The Umbrella Academy

Ein Vorwort

Nachdem Netflix fast alle ihre Superheldenserien – zumindest die Marvel Serien rund um die Defenders – abgesetzt hat – was wohl auch mit den Plänen Disneys einen eigenen Streaming Dienst zu gründen zusammen hängt – hat Netflix sich mit The Umbrella Academy nun eine neue Comicreihe ausgesucht. Die Serie basiert auf der gleichnamigen Comicreihe von Dark Horse Comics.

Die Handlung

43 Kinder werden am gleichen Tag unter merkwürdigen Umständen geboren. Der exzentrische Milliardär Reginald Hargreeves „erwirbt“ sieben von ihnen. Sie bekommen alle nur eine Nummer als Namen und werden von Kindesbeinen an darauf trainiert Verbrechen zu bekämpfen. Dabei helfen Ihnen verschiedene spezielle Fähigkeiten. Nach jahrelangem getrennt sein, bringt sie erst der Tod ihres Ziehvaters wieder zusammen.

Meine Meinung

The Umbrella Academy hat das typische Superheldengrundthema. Kinder mit speziellen Fähigkeiten sind erwachsen geworden und versuchen teilweise aus dem ihnen vorgeschriebenen Leben auszubrechen. So weit so bekannt. Doch The Umbrella Academy hat durchaus mehr zu bieten. So geht es um ihre Vergangenheit, um ihre Gefühle und natürlich auch darum die nahende Apokalypse zu verhindern. Dabei wird jedes Thema ernst genommen und aus erzählt. Dennoch ist immer eine gewisse Spannung vorhanden. Es wird sich episodenweise für jeden Charakter ein bisschen mehr Zeit genommen, dennoch ist die Geschichte stringent erzählt.

Nummer 1/Luther (Tom Hopper – Game of Thrones) hat die letzten vier Jahre auf dem Mond gelebt, um dort Forschungen anzustellen. Er ist ungewöhnlich groß und kräftig und dies ist auch seine „Kraft“.
Nummer 2/Diego (David Castaneda – Sicario 2) ist sehr geschickt mit Wurfmessern. Zumal er sie auch um Ecken werfen kann. Nach der Auflösung der Umbrella Academy hörte er weiterhin den Polizeifunk ab, um weiterhin gegen Verbrecher zu kämpfen.
Nummer 3/Allison (Emmy Raver-Lampman) kann Menschen manipulieren, indem sie nur die Worte „Ich habe das Gerücht gehört…“ voranstellt. Dadurch hat sie es geschafft eine berühmte Schauspielerin zu werden.
Nummer 4/Klaus (Robert Sheehan – Mortal Engines) kann mit den Toten kommunizieren. Um ein wenig seine Ruhe vor Ihnen zu haben, dröhnt er sich die meiste Zeit mit Drogen zu.
Nummer 5 (Aidan Gallagher – Nicky, Ricky, Dicky & Dawn) verschwand als Teenager, da er seine Fähigkeiten von Ort zu Ort zu springen auch innerhalb der Zeit testen wollte, dann aber feststeckte. Nach über 45 Jahren (seine Zeitrechnung) schafft er den Sprung zurück, um seine Geschwister vor der drohenden Apokalypse zu warnen.
Nummer 6/Ben (Justin H. Hin) starb vor Beginn der Serie. Er konnte Tentakeln aus seinem Bauch sprießen lassen, die alle Feinde überwältigten. Inzwischen kann nur noch Klaus mit ihm kommunizieren.
Nummer 7/Vanya (Ellen Page – Inception) ist die einzige der Geschwister ohne Fähigkeiten. Von ihrem Ziehvater wurde sie deswegen immer ausgeschlossen, was auch ihre Geschwister irgendwann annahmen. Inzwischen ist sie erfolgreiche Geigerin und schrieb ein Buch über ihre Kindheit, weswegen sie bei ihren Geschwistern sehr unbeliebt ist.

The Umbrella Academy vereint die verschiedensten Charaktere, die irgendwie versuchen miteinander klar zu kommen, während sie versuchen die Apokalypse zu verhindern. Dabei ist die Serie durchgehend spannend, aber vor allem auch witzig. Das ist vor allem den gut gezeichneten und gespielten Charakteren zu verdanken. Gerade Klaus schafft es immer wieder in absurde Situationen zu geraten. Damit das ganze aber nicht zu langweilig wird, gibt es dann noch die beiden Profikiller Hazel (Cameron Britton – S.W.A.T.) und Cha-Cha (Mary J. Blige – Rock of Ages), die Jagd auf Nummer 5 machen. Sie bilden ein gutes Gegenteam, das immer wieder geniale Dialoge führt. So gibt es in der Welt der Umbrella Academy immer wieder was neues zu entdecken. Der einzige Haken an der Serie ist, dass sie mit einem Cliffhanger endet…

Das Fazit

The Umbrella Academy ist eine gute Serie für alle, die entweder bereits auf Superheldenserien stehen oder die mit dem bisherigen Material noch nichts anfangen konnten. Der gute Misch aus Spannung und Witz mit den verschiedensten Charakteren bietet Platz für viele Geschmäcker.

Aufräumen – mit Marie Kondo

Ein Vorwort

Netflix haut inzwischen eine Serie nach der nächsten raus, so dass man schon ganz schön aussortieren muss, welche Serie man wirklich sehen möchte. Welche Serie bereitet einem wirklich genug Freude, damit man sie ausführlich sieht. Und genau das ist meine – vielleicht etwas schlechte – Überleitung zu Netflix neustem Streich. Tiding up with Marie Kondo, wie die Serie im Original heißt, entfacht einen neuen Hype rund um das Thema Aufräumen. Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr hier.

Die Handlung

Die Beraterin und Aufräumexpertin Marie Kondo besucht in regelmäßigen Abständen Familien, die im Chaos ertrinken und hilft ihnen mit ihrer Kon-Mari Methode Ordnung zu schaffen. Dabei gibt es verschiedene Anlässe, wie Aufräumen nach einem Trauerfall oder in Vorbereitung auf den Familiennachwuchs.

Meine Meinung

Nachdem die Serie auf einmal in aller Munde war, wurde ich doch neugierig. Was genau hatte es damit auf sich. Und eines schönen Sonntagmorgens schaute ich dann doch mal rein. Da jede Folge ihr eigenes „Thema“ hat, bzw. ihren eigenen Anlass, wählte ich gezielt eine interessant klingende Folge aus. Nach dieser einen Folge dachte ich mir, dass das Prinzip ja schon ganz interessant sei, aber ich keine ganze Staffel darüber gucken müsste. Doch kurz darauf stand mir die Laune nach einer weiteren Folge. Und schon kurz darauf hatte ich auf einmal die ganze Staffel gesehen und erwischte mich dabei, wie ich meinen Lebensgefährten dazubrachte unsere Kleiderschränke auszumisten.
Doch was verbirgt sich genau hinter dieser Serie? Das Prinzip ist ganz einfach. Marie Kondo kommt als Aufräumexpertin in einen Haushalt. Kurz wird die Vorgeschichte angerissen, bzw. die Familie vorgestellt. Dann begrüßt Marie das Haus und erklärt das weitere Vorgehen. Kurzum gibt es fünf Kategorien, die in einer bestimmten Reihenfolge aufgeräumt werden: Kleidung, Bücher, Unterlagen, Komono (Küche, Bad, Garage, Sonstiges), und zu guter Letzt die Dinge mit emotionalem Wert. Dabei soll jeder Gegenstand in die Hand genommen werden und kritisch hinterfragt werden. Die berühmte Frage „Does it sparks joy?“ oder im deutschen „entfacht es Freude?“ ist dabei zu stellen. Wenn die Frage mit Ja beantwortet werden kann, dann soll man es behalten, ansonsten loslassen, dabei sich am besten bei dem Gegenstand bedanken. Einzige Ausnahme sind die Unterlagen, da diese nur selten bei jemandem Freude entfachen. Hier soll sich eher die Frage gestellt werden, ob sie noch benötigt werden.
Gleichzeitig werden immer wieder praktische Tipps und Tricks gezeigt, beispielsweise, wie man Kleidung anständig zusammenlegt.
Die Serie ist in gewohnt hoher Qualität von Netflix produziert mit sympathischen Familien und einer Marie Kondo, die mit ihrer positiven Art bereits beim Zusehen „Freude entfacht“. Die Serie ist bestens geeignet, um sie auch nebenbei zu schauen oder in Vorbereitung auf eine große Aufräumaktion.

Das Fazit

Vielleicht keine Serie für Jederman aber doch sehr interessant und in gewohnt hoher Netflix-Qualität produziert.

PS: James Corden hat sie Serie bereits aufs Korn genommen in dieser sehr lustigen Variante:

Comedians der Welt

Ein Vorwort

Bereits seit längerem bringt Netflix in regelmäßigen Abständen Special zu verschiedenen Comedians auf der ganzen Welt heraus. Im deutschen Netflix sind da die deutschen Varianten, wie beispielsweise von Dieter Nuhr oder Enissa Amani zu sehen. Desweiteren die amerikanischen Varianten, von denen mich zuletzt Ellen DeGeneres und Ali Wong begeistern konnten. Doch nun geht Netflix noch einen Schritt weiter. Denn anstatt jedem Künstler ein eigenes Event zu widmen und dann mit einer Stunde Laufzeit an den Mann zu bringen, bekommen nun Künstler in den verschiedensten Ländern der Welt die Möglichkeit in Länderevents in kurzen Episoden sogenannte Comedy-„Snacks“ zu produzieren.

Die Handlung

12 Länder, 13 Events, 50 Künstler, 30 Minuten Zeit pro Künstler. So sieht Netflix neustes Comedyprojekt aus.

Meine Meinung

Über Stand-up Comedy kann man sich bekanntlich streiten. Manchmal findet man einen Komiker unfassbar lustig, einen anderen wieder gar nicht, den aber wieder ein anderes Publikum unglaublich erheiternd findet. Aber wer hat Zeit und Geld, um sich alle Programme live anzusehen, nur um dann wieder festzustellen, dass man jemanden vielleicht in kurzen Sketchen lustig findet, aber nicht in einem ganzen Programm. Und wie sieht es in den anderen Ländern aus?
Genau dafür hat Netflix nun die Lösung gefunden. Eher zufällig bin ich auf die neue Netflix Serie Comedians der Welt gestoßen. Und gleich in der ersten Folge der deutschen Ausgabe – mit Enissa Amani, Ilka Bessin und Kaya Yanar – erklärt Enissa Amani den Sinn hinter der Serie. Netflix hat sich überlegt, kleine Comedy-„Snacks“ zu produzieren, die weltweit gedreht und weltweit verfügbar sein sollen, damit die Menschen im Bus auf dem Weg zur Arbeit oder in ihrer Mittagspause eine kurze Folge der Serie sehen können und erheitert und mit guter Laune in den Tag starten können.
Dafür hat Netflix in 12 Ländern 13 Events organisiert – Kanada ist mit zwei Events vertreten, einmal in englischer und einmal in französischer Sprache – und die verschiedensten Comedians angefragt. Dabei kommt ein bunter Mix aus allen Themen heraus.
Netflix hat hier auch ganze Arbeit geleistet und überwiegend Comedians herausgesucht, die das breite Publikum durchaus lustig finden könnte. Und wenn dann doch einmal zwischendurch einer dabei ist, den man gar nicht mag, kann man entweder die Folge gleich überspringen oder 30 Minuten durchhalten. Gerade die dreißig Minuten sind ein guter Indikator, weil die Comedians ihre Geschichten nicht ewig strecken können, sondern ab einem gewissen Teil auf den Punkt kommen müssen. Und so erfährt man von so manchen Problemen mit Vorurteilen, Schwierigkeiten beim Reisen oder auch sexuellen Vorlieben. Auch wenn sich das ein oder andere Thema wiederholt, ist es doch immer wieder neu verarbeitet.
Wer Probleme mit den anderen Sprachen hat, dem ist mit Untertitel auch gut geholfen. Diese sind so übersetzt, dass man die Pointe gut mitkriegt und so auch alle Specials sehen kann.

Das Fazit

Wer sich für Comedy interessiert, gerne auch mal in einer anderen Sprache oder aus einem anderen Land, der hat hier die Möglichkeit die kurzen „Snacks“ zu genießen.

Netflix Original – To all the boys I’ve loved before

Ein Vorwort

Netflix haut ja bekanntlich eine Eigenproduktion nach der nächsten raus und die meisten werden mir auch regelmäßig vorgeschlagen, sie doch einmal zu gucken. Bei to all the boys I’ve loved before war es nicht wie letztes Jahr bei To the Bone, wo ich darauf gewartet habe, dass Netflix ihn herausbringt, sondern die vielen positiven Reaktionen auf meinem privaten Facebookprofil brachten mich dazu dem Film eine Chance zu geben. Ob es sich gelohnt hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Lara-Jean lebt nach dem Tod ihrer Mutter zusammen mit ihrem Vater und ihren beiden Schwestern. In ihrem Leben war sie bisher fünfmal verliebt. Jedes Mal wenn sie in der schlimmen Verknalltphase war, hat sie dem Jungen einen Liebesbrief geschrieben, aber nie abgeschickt. Bis dies eines Tages jemand anderes für sie übernimmt und ihr sonst so geordnetes Leben ordentlich aus der Bahn wirft.

Meine Meinung

To all the boys I’ve loved before ist auf den ersten Blick ein typisches Teenagerdrama mit einer gewissen Portion Witz und einer gesunden Portion Romantik. Auch auf dem zweiten Blick bietet der Film nicht mehr, aber man merkt schnell, dass er zwar mit einigen Klischees um sich wirft, diese aber geschickt einsetzt, um die Geschichte zu erzählen. An erster Stelle lebt To all the boys I’ve loved before von seinen liebenswerten Charakteren.
Allen voran ist Lana Condor in der Rolle der Lara Jean. Sie verkörpert die Rolle des Mauerblümchens mit der richtigen Dosis Charme und schafft es so Lara sehr liebevoll darzustellen, so dass man nicht umhin kann sie zu mögen, auch wenn man ihre Gründe die Briefe zu schreiben und zu behalten, vielleicht nicht vollkommen nachvollziehen kann. Viele Couchpotatoes werden sich mit ihr verbunden fühlen, die keine Lust haben/hatten in der Schule immer bei allem mitzumachen oder den Zickenkrieg noch anzufachen, sondern lieber im Schutz der Familie bleiben. Als Bezugsperson hat sie ihren Vater Dan (John Corbett) und ihre Schwestern Margot (Janel Parrish) und Kitty (Anna Cathcart). Der Schicksalsschag durch den Tod der Mutter wird immer wieder thematisiert, aber nie überdramatisiert. Man merkt, dass alle vier ihren eigenen Weg zur Trauerbewältigung gehen, auch wenn Lara Jeans im Laufe des Films mehrfach in Frage gestellt wird.
Die Handlung wird geradlinig erzählt, wirkt mitunter aber doch etwas chaotisch, was dem Film ein Hauch Unvollkommenheit gibt und ihn dadurch noch sympathischer macht.

Das Fazit

To all the boys I’ve loved before ist ein Film, der sehr typisch für sein Genre ist, aber alles mit seinem eigenen Charme überhäuft, was den Film sehr sympathisch macht. So erfindet er am Ende das Rad nicht neu, liefert aber 100 Minuten sehvergnügen. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Stay here

Ein Vorwort

Netflix haut ja bekanntlich eine neue Serie nach der nächsten raus. Das Prädikat Netflix Original hat mich dabei bisher selten enttäuscht. Nachdem ich die Netflix Serie Queer Eye sah, scheint Netflix nun der Ansicht zu sein, dass ich mich durchaus für amerikanisches Reality-TV interessiere und schlug mir nun ihre neue Serie Stay here vor. Nachdem ich mir den Trailer ansah, stand fest: Ich mag eigentlich immer noch kein amerikanisches Reality-TV, aber das Konzept von Stay here hat mich als Tourismuskauffrau durchaus angesprochen.

Die Handlung

Die Innenarchitektin Genevieve Gorder und der Marketingexperte Peter Lorimer werden von Ferienhausbesitzern, denen das Projekt über den Kopf wächst, zur Hilfe gerufen. Mit einem neuen Konzept, den nötigen Renovierungsarbeiten und Tipps und Tricks im Bereich Marketing schaffen Genevieve und Peter die Ferienwohnungen attraktiv zu machen.

Meine Meinung

Stay here hat aktuell eine Staffel mit 8 Folgen, die alle ca. 30 Minuten gehen. Das Prinzip und der Ablauf ist jedes Mal das gleiche. Genevieve und Peter werden zu einem Ferienhaus gerufen. Dieses besichtigen sie und finden gleich die Schwachstellen. Dann stellen sie den Besitzern das neue Konzept vor, das immer mit einer Renovierung einhergeht. Währenddessen wird über Marketing und die Feinheiten gesprochen. Am Ende wird das neue Ferienhaus präsentiert.
Dabei ist besonders schön, dass die Auswahl der Ferienhäuser sehr breit gefächert ist. Vom Strandhaus in Malibu über einem Hausboot in Seattle bis zum ehemaligen Feuerwehrhaus in Brooklyn ist alles dabei. So wird die Serie trotz gleichem Aufbau nicht langweilig.
Auf den ersten Blick wirkt die Serie vielleicht wie ein Abklatsch von Sendungen, wie Fixxer Upper oder auch dem deutschen Wohnen nach Wunsch. Doch genau wie Netflix mit der Serie Chef’s Table den immer gleichen Kochsendungen neuen Wind einhauchen konnte, schaffen sie auch hier eine eigene Dynamik einzubauen, so dass sich auch Stay here von anderen Serien des gleichen Genres abheben kann. Vor allem hat Stay here das Prinzip in der Kürze liegt die Würze begriffen und mit den ca. 30 Minuten Lauflänge gut umgesetzt. Denn während man bei anderen Serien den gesamten Umbau in all seinen Details verfolgt, wird hier nur der grobe Plan vorgestellt, dann über die anderen Probleme gesprochen und am Ende bestaunt man das Resultat.
Ein weiterer Vorteil von stay here ist, dass für jede Destination auch Geheimtipps ausprobiert werden, um den potentiellen Kunden später Empfehlungen aussprechen zu können. So bekommt man aber auch selbst Tipps für die potentielle Reise in die Zielgebiete.

Das Fazit

Stay here schafft es sich durch kleine aber feine Details von der Konkurrenz abzusetzen und Netfix zeigt wieder einmal, dass sie – wie bereits bei Chef’s Table – bekannte Konzepte aufgreifen, dieser aber interessanter und neuartig in eigene Serien verwandeln. Stay here ist eine Serie für alle, die sich für Reisen und Ferienwohnungen interessieren.

Sense 8

Ein Vorwort

Seit mein Lebensgefährte und ich uns entschieden haben, uns einen Netflix-Account zuzulegen, lag eine Serie auf meiner Merkliste: Sense 8. Sie lag da, weil sie gut klang. Allerdings staubte sie nun auch seit beinahe drei Jahren zu, weil immer andere Serien den Vortritt bekamen. Als dann jedoch die Singende Lehrerin ihre Passion in der Serie fand, wagte ich mich doch endlich heran, zumal die Wachowski-Schwestern die Serie gestaltet haben und seinerzeit mit Matrix einen echt guten Job gemacht haben. Ich empfehle beim Lesen dieser Kritik „What’s up“ von den 4 Non Blondes zu hören, da dieser Song in der Serie eine größere Rolle spielt.

Die Handlung

Acht Personen in sieben verschiedenen Ländern über vier Kontinente verteilt, bekommen gleichzeitig eine Verbindung zueinander. Auf einmal können Sie mental zu den anderen reisen, mit ihnen reden oder sich insofern mit ihnen verbinden, dass sie die Fähigkeiten der anderen zu ihrem Vorteil nutzen können. Will, Riley, Sun, Capheus, Lito, Kala, Wolfgang und Nomi müssen die Entdeckungen erst einmal verdauen. Doch viel Zeit haben sie dafür nicht, denn eine geheime Organisation macht Jagd auf sie.

Meine Meinung

Unterschiedlicher könnten die Charaktere nicht sein. Einmal um den ganzen Erdball verstreut lernen wir in den ersten Folgen ihr Leben genauer kennen. Da wäre Will Gorski (Brian J. Smith), ein aufstrebender Chicagoer Polizist, der immer wieder mit den Drogengangs seiner Stadt zusammenstößt und mit seiner sanftmütigen Art eigentlich nur helfen will, aber nicht wirklich viel ausrichten kann. Dann Riley „Blue“ Gunnarsdóttir (Tuppence Middleton) eine Isländerin, die es nach London gezogen hat, um dort eine Karriere als D-Jane zu starten. Ihr größter Wunsch ist es nach Island zurückzukehren, aber sie hat dort ein großes Trauma erlitten und wagt sich daher nicht zurück. Wir lernen Capheus „Van Damme“ Onyango (Aml Ameen/Toby Onwumere) kennen, der in Nairobi einen Bus fährt, der mit Bildern von Jean-Claude Van Damme beklebt ist – daher sein Spitzname. Er versucht durch die Busfahrten genug Geld zusammenzubekommen, um sich und seine Aids-kranke Mutter zu versorgen. Da wäre Sun Bak (Bae Doona) aus Seoul, Südkorea, die in der Firma ihres Vaters arbeitet und dort die Veruntreuung ihres Bruders aufdeckt. Damit die Schande der Familie möglichst gering bleibt, gesteht sie die Veruntreuung und geht für ihren Bruder ins Gefängnis. Doch das hat Konsequenzen. Wir springen nach Mexiko-Stadt zu Lito Rodriguez (Miguel Angel Silvestre), einem aufstrebenden Schauspieler. Dafür muss er seine Sexualität verstecken, denn einen schwulen Schauspielstar gibt es in Mexiko nicht. Dafür sorgt seine Alibifreundin Daniela Velasquez. Wir reisen wieder einmal um die Welt und lernen Kala Dandekar (Tena Desae) in Indien kennen. Sie lebt in Mumbai und steht kurz vor einer arrangierten Ehe mit ihrem Chef. Hilfe sucht sie bei ihren Göttern. Auch Deutschland bekommt seine Rolle. So treffen wir auf Wolfgang Bogdanow (Max Riemelt), der russische Wurzeln hat und sich als Dieb über Wasser hält. Er wird nach einem großen Coup in Familienstreitigkeiten hineingezogen, so dass er eine folgenschwere Entscheidung treffen muss. Als letzte im Bunde ist da noch Nomi Marks (Jamie Clayton), eine Bloggerin und Hackerin. Nach ihrer Geschlechtsumwandlung wurde sie von Michael zu Nomi und verliebte sich in die Lesbe Amanita, mit der sie eine Beziehung führt. Nach einem Unfall wird sie ins Krankenhaus eingeliefert, wo eine Gehirnfehlfunktion festgestellt wird. Genau hier gibt es auch den ersten Berührungspunkt mit der BPO.

Sense 8 war ursprünglich auf fünf Staffeln angelegt. Nach der zweiten setzte Netflix diese leider aus Quotengründen ab, obwohl die Serie weltweit eine große Fangemeinde entwickelt hat. Nach vielen Kämpfen der Fans hat Netflix nun im Juni dieses Jahres ein Special in Spielfilmlänge veröffentlicht, um den großen Cliffhanger am Ende der zweiten Staffel zu lösen und die Serie laut Aussage Netflix zum Ende zu bringen. Für die wirklichen Sense 8 Fans ist der Kampf natürlich noch lange nicht zu Ende!
Allerdings merkt man dem Aufbau der Serie deutlich an, dass da noch mehr kommen sollte. So nimmt sich die Serie zunächst ausführlich Zeit wirklich alle Charaktere und ihre einzelnen Handlungen vorzustellen, ehe sie immer mehr zu einer Handlung verschmelzen. So hat – wie oben vorgestellt – jeder seine eigenen Probleme und Sorgen und muss gleichzeitig auch noch feststellen, dass er/sie mit seinen/ihren Gedanken nicht mehr alleine ist. So helfen Sie sich durch ihre unterschiedlichen Fähigkeiten in verschiedenen Situationen. Erst ganz langsam nach und nach wird stückweise offenbart, dass alle Acht in Gefahr sind und von einer geheimen Gruppe gesucht werden. Durch die sehr langsame Einführung fiel es mir anfangs sehr schwer in der Serie anzukommen. Während mir versichert wurde, dass der Süchtigkeitseffekt ab der vierten Folge der ersten Staffel eintritt, trat er bei mir tatsächlich erst in der zehnten Folge auf. Danach gab es aber auch kein Halten mehr und den Rest der Serie verschlang ich wesentlich schneller.
Die zweite Staffel beginnt auch mit einer Folge in Spielfilmlänge und kann durchaus ebenfalls als Special gesehen werden. Danach hält sich die Serie weiter an das Schema der einstündigen Folgen. In der zweiten Staffel kommt dann auch noch einmal eine größere Dynamik durch. Da der Schauspieler des Capheus ausstieg, wurde dieser neu besetzt und bekam dadurch auch noch einmal eine etwas neuere Handlung, was sich aber gut in das Gesamtkonzept eingefügt hat. In der zweiten Staffel wird sich auch nochmal deutlich mehr auf die große Gesamthandlung konzentriert, die Einzelhandlungen werden aber nie vernachlässigt.
Meine persönliche Lieblingsfolge ist aber tatsächlich das Finale Special! Die Folge trägt den Namen Amor Vincit Omnia, die sehr passend die Folge beschreibt. Hier treffen erstmals alle Charaktere aufeinander. Auch alle, die bisher nur in den Einzelhandlungen eine größere Rolle spielten. Ich möchte eigentlich auch gar nicht viel mehr verraten…

Sense 8 überzeugt neben Handlung, Dramaturgie, Spannungsaufbau und Darstellern vor allem noch durch eine weitere Sache. Ihre Weltoffenheit. Die Serie wurde nicht nur in vielen verschiedenen Ländern gedreht und verbindet damit verschiedene Kulturen und Religionen, sie verbindet auch verschiedene sexuelle Orientierungen. Ob heterosexuell, homosexuell oder Transgender, hier ist alles vertreten. Und jede Liebe hat seine eigenen Probleme, egal bei welcher Orientierung. Und genau das macht Sense 8 zu einer so besonderen Serie.

Das Fazit

Trotz schwerem Einstieg ist mir Sense 8 ans Herz gewachsen und ich kann die Serie nur weiterempfehlen. Die Weltoffenheit, die hier gezeigt wird, wünscht man sich auch für viele andere Serien.