Herbstzeit = Crimezeit – eine Serienauswahl

Ein Vorwort

Neulich präsentierte ich euch meine Sommerlektüren der letzten Jahre, die mich in Urlaubsstimmung versetzt haben. Der Erfahrung nach kommt bei mir einmal im Jahr, meistens wenn der Herbst eintrifft, die Sehnsucht nach einer neuen Crime-Serie. Voraussetzung sind erinnerungswürdige Charaktere, intelligente Fälle und sehr gerne der „Mord der Woche“-Prinzip. Also ein Mordfall pro Folge und nicht ein großes Mysterium über eine ganze Staffel. Hier soll es nun also um meine Entdeckungen der letzten drei Herbste werden.

2017: Castle – 8 Staffeln

Die Handlung: Richard Castle (Nathan Fillion) ist ein sehr erfolgreicher Krimiautor. Als in New York zwei Morde nach dem Vorbild seiner Romane verübt werden, wird er zu den Ermittlungen hinzugezogen. Doch nach den Ermittlungen hat er Blut geleckt und schafft es durch seine Kontakte beim Bürgermeister dauerhaft zum Team zu gehören. Das gelernte verarbeitet er in weiteren Werken. Sein Gegenpart ist Kate Beckett (Stana Katic), die Castle immer wieder auf den Boden der Tatsachen ziehen muss. Ebenfalls mit zum Ermittlerteam gehören der Latino Javier Esposito (Jon Huertas) und der Ire Kevin Ryan (Seamus Dever), sowie die Gerichtsmedizinerin Lanie Parish (Tamala Jones).

Meine Meinung: Castle ist eine dahingehend andere Crime-Serie, weil sie die Welten des NYPD und der eines erfolgreichen Krimiautors vermischt, was viele humorvolle Szenen mit sich zieht. Dabei ist Castle keinesfalls nur Anhang bei den Ermittlungen. Durch seine zahllosen Recherchen für seine Bücher kann er oftmals nützliche Hinweise liefern. Die Serie lebt praktisch von den Dialogen zwischen den Charakteren, vorallem der jeweiligen Zweiergespanne Castle&Beckett, sowie Esposito&Ryan.
Sehr gefallen hat mir am Anfang auch, dass Beckett nicht der typische Stereotyp weiblicher Cop war, der praktisch als Model hätte durchgehen können. Dies ändert sich leider im Laufe der Staffeln immer mehr, die Sinnbild der immer schwächer werdenen Staffeln wird. Versteht mich nicht falsch, ich mochte die Serie bis zum Ende, aber die wachsene Klischeefigur Beckett und die obligatorische Liebesgeschichte mit allerhand Drama zwischen unseren beiden Hauptfiguren nahm der Serie immer mehr von ihrem anfänglichen Biss.

2018: Elementary – 6 Staffeln

Die Handlung: Sherlock Holmes (Jonny Lee Miller) ist von London nach New York gezogen. Nach einem Entzug und im weiteren Kampf mit seiner Drogensucht, bekommt er die Suchttherapeutin Joan Watson (Lucy Liu) an die Seite gestellt. Da Sherlock sich durch unglaubliche kombinatorische Fähigkeiten auszeichnet, steht er dem NYPD als unbezahlter Berater zur Verfügung und nimmt auch privat ermittlerische Fälle an. Beim NYPD unterstützt er das Team von Captain Thomas Gregson (Aidan Quinn) und dessen Hauptermittler Marcus Bell (Jon Michael Hill).

Meine Meinung: 2018 konnte ich die bisher erschienene fünf Staffeln hintereinander wegsehen und sie dieses Jahr endlich mit der sechsten Staffel fortsetzen. Die finale siebte Staffel bekommt bald ihre deutsche Erstaustrahlung ist daher hoffentlich auch bald zum Streaming verfügbar. Sie greift hier das Prinzip der Serie Sherlock auf, in dem sie die auf den Bücher von Sir Arthur Conan Doyle basierenden Geschichten aufgreift, aber in die moderne Welt projiziert. Unterschied ist hier, dass sich Sherlock dichter an den Geschichten orientiert und in London bleibt. Elementary bedient sich eher der bekannten Figuren und modifiziert diese nach Gutdünken. So ist John Watson zu einer Joan Watson geworden. Während ich am Anfang befürchtete, dass dies unweigerlich zu der bekannten Liebesgeschichte führen müsste, wurde es bisher nur zu einer engen Freundschaft und Parnterschaft in geschäftlicher Hinsicht. Allein damit sticht Elementary positiv hervor. Darüber hinaus treten immer wieder Charaktere aus den Büchern auf, wie Irene Adler, Moriarty oder auch Lestrade.
Darüber hinaus verfolgt die Serie dem typischen Crime Auffbau und bringt uns das Mordopfer der Woche, allerdings immer mit einer übergreifenden Handlung pro Staffel bzw. zusätzlich auch einen guten Charakterentwicklungsbogen. So spielt das Zwischenmenschliche zwar eine große Rolle, überschattet aber nie den Mordfall an sich.

2019: Almost Human – 1 Staffel

Die Handlung: 2048. Die Verbrechen haben sich durch neuartige Technologie weiterentwickelt. Da die Polizei nicht mehr mithalten konnte, wurden Androiden soweit entwickelt, dass sie fast menschlich wirken und ihre menschlichen Partner unterstützen können. Detective John Kennex (Karl Urban) kehrt nach einer zweijährigen Auszeit in den Dienst zurück. Er hat eine große Abneigung gegen die Androiden, da diese bei einem Zwischenfall seinen Partner sterben zurückließen. Da es aber Vorschrift ist, einen Androiden als Partner zu haben, lässt sich Kennex zähneknirschen darauf ein, zerstört ihn aber schon bei der ersten Gelegenheit. Als Kompromiss wird ihm ein älteres Modell mit Namen Dorian (Michael Ealy) an die Seite gestellt. Diese können auch Emotionen haben, waren aber auch anfällig für mentale Zusammenbrüche. Nun müssen sich beide Zusammenraffen, um miteinander auszukommen.

Meine Meinung: Das schöne an Almost Human ist, dass es zwar auch wie die meisten Crimeserien nach dem „Mordfall der Woche“ Prinzip arbeitet, aber durch die neuen Technologien noch einmal frischen Wind reinbringt. Normalerweise wird ja gerne der Tatort komplett nach Spuren durchsucht. Doch was, wenn eine „Spurenbombe“ ausgelöst wurde und den Tatort mit allerlei DNS und anderen Hinweisen verunreinigt? Vor genau diesen Herausforderungen steht das Team von Captain Maldonado (Lilly Taylor). So sind die Folgen nicht nur alleine deswegen sehr spannend, weil die Mordfälle gut inszeniert sind, sondern auch, weil man immer wieder ein neues Stück der Zukunftsvision unserer Welt entdeckt. Leider wurde die Serie nach der ersten Staffel bereits eingestellt, denn es gibt einige Andeutungen an eine größere Verschwörung, die wahrscheinlich in späteren Staffeln wieder aufgegriffen worden wäre, wenn die Serie so lange durchgehalten hätte. So hat die erste Staffel sich die Mühe gemacht eine Welt aufzubauen und den Charakteren die nötigen Tiefe zu geben, um nun dies gar nicht ausleben zu können.

2019: Forever – 1 Staffel

Die Handlung: Dr. Henry Morgan (Ioan Gruffudd) ist ein exellenter Pathologe, weswegen er sich dem Team von Detectiv Jo Martinez (Alana de la Garza) anschließt. Doch Henry hat ein Geheimnis. Er kann nicht sterben. Also er kann schon umgebracht werden, aber statt zu sterben, taucht er im nächsten größeren Gewässer auf und ist dabei splitternackt. Da das Ganze bereits seit 200 Jahren so geht, hat er eine Menge Erfahrungen bei seiner Arbeit gesammelt und erlebt. Er lebt zusammen mit seinem Ziehsohn Abraham (Judd Hirsch) in einem Antiquariat. Abe wurde von Henry zusammen mit dessen zweiter Ehefrau Abigail als Baby aus einem KZ gerettet. Da er inzwischen wesentlich älter aussieht als der jung bleibende Henry erzählen sie allen, dass sie nur gute Freunde sind. Detectiv Martinez merkt zwar, dass etwas mit Henry nicht zu stimmen scheint, schiebt es aber immer wieder auf andere Gründe.

Meine Meinung: Dieses Jahr hatte ich mit meinen Crime-Serien in sofern kein Glück, dass ich zwar gleich zwei gute gefunden habe, aber beide nach der ersten Staffel abgesetzt wurden. Auch Forever befasst sich mit dem „Mordfall der Woche“ und darüber hinaus eben mit Henrys unsterblichem Leben. So gibt es immer wieder Rückblicke, wenn bestimmte Ereignisse ihn an Ereignisse aus seiner Vergangenheit erinnern. Wiederkehrendes Motiv ist seine zweite Ehefrau Abigail, die seine große Liebe war und mit der er Abe gerettet und aufgezogen hat. Sie verschwand, als der sichtbare Altersunterschied zwischen ihr und Henry immer größer wurde. Abe ist lange Zeit der einzige, der Henrys Geheimnis kennt. Nach der Hälfte der Staffel wurde mit Adam (Burn Gorman) ein zweiter Unsterblicher eingeführt, der fast 2000 Jahre alt ist und dadurch so verbittert wurde, dass der ein oder andere Mord ihn nicht mehr juckt. Damit ist er der Wiederkehrende Gegner Henrys.
Die einzelnen Folgen sind geprägt von einer wirklich starken weiblichen Detective und dem etwas sonderlichen, aber grundsympathischen Henry. Einige Mordfälle scheinen sehr schnell geklärt zu sein, doch Henry lässt selten locker und ermittelt notfalls auch alleine bzw. mit Hilfe von Abe weiter. Dadurch gibt es so manche Wendung, die die Fälle noch einmal in eine ganz andere Richtung lenken.

Rückblick auf den September

Und schon ist es vorbei mit dem warmen Wetter. Der September ist rum und der Oktober droht mit20190324_1235482 den ersten Minustemperaturen nachts. Im September ist eigentlich erst einmal so gar nichts passiert, bis sich Ende des Monats die Ereignisse überhäuften. Arbeitstechnisch haben wir aktuell allerhand mit der Thomas Cook Insolvenz zu tun, die leider auch einige unserer Kunden getroffen hat. Zur Ablenkung davon stand wieder einmal die German Comic Con in Berlin an. Es wurden wieder allerhand Geekzeug eingekauft, Eroberungen von den Verlagständen mitgenommen und natürlich durften auch diesmal20191006_123838 nicht die Starfotos fehlen. Dieses Jahr gönnte ich mir gleich zwei und ließ mich mit Jason Isaacs (Harry Potter-Reihe & Star Trek: Discovery) und Manu Bennett (Hobbit-Trilogie & Arrow) ablichten.
Und dann kam Anfang Oktober (jaja, gehört eigentlich erst in den nächsten Monatsrückblick, aber ich muss es einfach erzählen) der Moment, in dem wir ein neues Familienmitglied begrüßen durften. Unsere kleine Nermal Alice zog bei uns ein und muss nun versuchen sich mit ihrer großen Schwester anzufreunden. Aber nun wollen wir endlich zum medialen Monatsrückblick kommen 🙂

Sneak Preview

The Kitchen: Während ihre Männer nach einem Raubüberfall festgenommen werden, versuchen drei Frauen ihr Leben innerhalb der irischen Mafia in New York neu zu ordnen. Leider verpasst der Film es eine nachvollziehbare Handlung aufzubauen und scheitert am Großaufgebot an sinnlosen Charakteren und Handlungswendungen.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Doublefeature Es + Es 2: Ich hasse Clowns. Ich hasse Horrrorfilme. Am allermeisten hasse ich Horrorclowns. Auch ich: Oh hey, ein Es Doublefeature. Da muss ich reingehen! Es 2 ist ein würdiger Nachfolger, der mit dem Problem zu kämpfen hatte, den langweiligeren Teil des Buches zu verfilmen. Auch fand ich die humorvollen Einlagen im großen Endkampf eher entspannend und daher wohl auch deutlich besser als die Anhänger des Horrorgenres.

Gut gegen Nordwind: Eine Liebesgeschichte, die praktisch nur über E-Mailverkehr läuft. Ein schwierig zu verfilmender Ansatz, die aber mit guten Schauspielern und vielen kreativen Ideen gefüllt wird und somit überzeugen konnte.

Downton Abbey: Für mich als großer Fan der Serie, war das Wiedersehen mit der Familie Grantham ein absoluter Filmschmaus. Aber auch für Nichtkenner der vorausgehenden sechs Staffeln wurde für witzige Dialoge und allerhand Handlung gesorgt.

Ad Astra: Brad Pitt auf großer Weltraummission. Leider ist Ad Astra ist ein sehr langatmiger Film ohne Identifikationsfigur, die den Zuschauer mit gesellschaftskritischen Bildern überschwemmt, sie durch eine monotone Off-Stimme noch übermäßig erklärt und letztendlich nicht auf den Punkt kommt.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Harry Potter und der Stein der Weisen: Nachdem mein Lebensgefährte endlich einmal das Hörbuch zum ersten Buch angehört hat, folgte nun die erneute Sichtung des ersten Films.

Bernhard & Bianca im Känguruland: Die Fortsetzung zu meinem liebsten Disneyfilm lief durch Zufall im Fernsehen und wir sind gleich hängen geblieben. So ein bisschen Magie und Charme im Vergleich zum ersten Teil ging schon verloren, aber die beiden Mäuse liefern trotzdem wieder ein großes Abenteuer ab.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Everest: Mit dem putzigen Untertitel „Ein Yeti will hoch hinaus“, wäre dies wieder ein Animationsfilm geworden, außerhalb Disneys, der mich interessiert. Leider lief er hier im Kino nicht.

Serien – ein kurzer Überblick

Weitergeführt habe ich Fresh Prince of Bel Air mit der zweiten Staffel und Comedians in Cars getting coffee mit der inzwischen fünften Staffel. Als Wiederholungstäter hab ich mir die erste Staffel (2005) von Doctor Who angesehen. Christopher Eccleston war zwar ein super Doctor, aber als nächstes kam David Tennant und dem kann er nun einmal nicht das Wasser reichen. Neu entdeckt habe ich im Almost Human, eine Serie über die Polizeiarbeit in naher Zukunft, bei der ein menschlicher Cop mit einem fühlenden und denkenden Androiden zusammenarbeitet. Große Empfehlung für alle, die etwas Neues im Crimegenre suchen! Leider wurde die Serie nach nur einer Staffel eingestellt, weswegen die große Verschwörung aus der ersten Folge nie aufgeklärt wird. Ebenfalls kein Glück hatte ich mit der ebenfalls neu entdeckten Serie Forever. Während ich mich sehr schnell in die Serie verliebte, die von einem unsterblichen Pathologen handelt, der der Polizeit in New York bei ihren Ermittlungen hilft, wurde leider auch diese großartige Serie nach nur einer Staffel eingestellt. Immerhin konnte sie noch zu einem halbwegs befriedigendem Ende gebracht werden.

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 3
Seiten gesamt: 1.819
Seiten pro Tag: 61 im Durchschnitt
Taschenbuch: 2
E-Book: 1

Die Mitternachtsrose: Nach Monaten (könnten inzwischen auch Jahre gewesen sein) auf meinem Sub (Stapel ungelesener Bücher) habe ich mich endlich an mein erstes Werk von Lucinda Riley herangewagt. Leider konnte mich weder die Geschichte, noch die Charaktere überzeugen. Es war irgendwie alles zu vorhersehbar, da die Charaktere sehr platt und stereotypisch waren.

Hope again: Der vierte Teil der Again-Reihe von Mona Karsten war wieder eine willkommende Zwischendurchlektüre. Lockere Liebesgeschichte mit der angemessenen Portion Drama.

Harry Potter und der Feuerkelch: Diesen Monat hat sich ein Wiederholungstäter eingeschlichen. Nachdem ich vorletztes Weihnachten alle Bücher wieder geschenkt bekam (vorher hatte ich sie mir regelmäßig von meiner Mutter ausgeliehen), wollte ich eigentlich alle hintereinander weglesen. Bis zum dritten Buch kam ich, nun war doch eine längere Pause dazwischen, in die sich andere Bücher geschmuggelt haben. Aber vielleicht schaffe ich es diesmal etwas schneller – auch wenn ich den fünften Band am wenigsten mag.

 

 

Once upon a time in Hollywood

Ein Vorwort

An den Filmen von Quentin Tarantino kommt man ja nur sehr selten vorbei – glaubt mir, ich habe es sehr lange versucht. Da die Begeisterung in meinem Umfeld bei jeder Neuerscheinung groß ist, war auch ich gezwungen mich mal ein wenig mit seinen Werken auseinander zu setzen. Während ich Inglorius Basterds und Django – Unchained größtenteils gelangweilt geguckt habe, weil mich die Filme einfach nicht abgeholt haben, konnte es gerade der letzte Film The Hateful Eight dann doch schaffen, mich zum einen dazu zu bewegen ins Kino zu gehen und mich dort durchaus überzeugen konnte. Nun präsentiert Tarantino seinen nun neunten Film. Was Once upon a time in Hollywood kann und was nicht, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

1969. Rick Dalton (Leonardo diCaprio) war in den 1950er Jahren mit der Westernserie Bounty Law sehr erfolgreich, bekommt aber kaum noch vernünftige Rollenangebote und fürchtet daher um seine Karriere. Sein Stuntdouble Cliff Booth (Brad Pitt) ist als bester Freund stets an seiner Seite und verrichtet für ihn auch außerhalb des Sets viele Arbeiten. Zeitgleich ziehen gegenüber von Dalton Roman Polanski und Sharon Tate (Margot Robbie) ein. Während Dalton einen Tag am Set verbringt und Tate sich ihren eigenen Film im Kino ansieht, begegnet Booth der Manson-Familie.

Meine Meinung

Once upon a time in Hollywood hat das große Problem, dass er komplett falsch vermarktet wurde. Denn sein großer Aufhänger war, dass es im Film um die Manson-Morde unter anderem an Sharon Tate gehen soll. Das der Trailer auf diesen Handlungsstrang nur in einer Andeutung drauf hinwieß, wurde dann beurteilt mit, dass so die Spannung über diesen Abschnitt nicht verloren gehe. So wurden am Ende viele Zuschauer enttäuscht, denn um die Manson Morde geht es wirklich nur ganz minimal.
Wenn man also diesen Aspekt mal außen vorlässt und sich den Titel und den Trailer einmal etwas genauer ansieht, merkt man, worauf der Film eigentlich hinauswill. Denn ein Großteil der 160 Minuten Laufzeit bildet exakt einen Tag im Leben dreier Männer in Hollywood wieder. Wir haben also den ehemaligen großen Star, der langsam zu einem verblühenden Sternchen wird und den ganzen Tag am Set verbringt, wo er mehrere Szenen dreht. Dabei geht es in diesem Handlungsteil vor allem um seine Ängste, die Qualität von Schauspielern und um ganz übliche Abläufe an einem Filmset. Hier haben wir einen Leonardo diCaprio, der selbst seit er 2016 seinen Oscar für The Revenannt erhielt, eher durch Abwesenheit auf der Kinoleinwand glänzte, und uns hier noch einmal demonstrierte, was für ein guter Schauspieler in ihm steckt. Dabei schafft er es ebenso überzeugend zu versagen, wie zu brillieren und das sagt schon einiges aus. Mr. DiCaprio kann es also durchaus noch. Dann haben wir den in Ungnade gefallenenen Cliff Booth, der angeblich seine Frau umgebracht haben soll, weswegen er kaum noch Jobs bekommt. Dalton bezahlt ihn, da er aber selten noch als sein Stuntdouble auftreten kann, erledigt er auch allerhand Botengänge und andere Aufgaben für Dalton. Auf dem Weg, um Dalton vom Set abzuholen, lernt er das Hippie-Mädchen Pussycat kennen. Als er feststellt, dass sie mit anderen Hippies auf der Spahn-Ranch lebt, macht er sich Sorgen um den Besitzer der Ranch, den er persönlich kennt. Dabei zieht er den Zorn der Hippies auf sich, die sich später als die Manson-Familie rausstellen.
Fernab von der ganzen Geschichte um Cliff und Booth gibt es dann noch Sharon Tate. Da sie das bekannteste Opfer der Manson-Morde ist, erwartete man spätestens hier den Übergang zum spannenden Teil des Films. Doch Tarantino belehrt uns auch hier eines besseren. Denn wir erleben hier eine Schauspielerin in einem absolut ehrlichen Moment und dieser ist so gekonnt eingefangen, dass er mein Herz berührt hat, auch wenn diese Szene so absolut nichts zum eigentlichen Film beiträgt. Denn Tate, hier gespielt von Margot Robbie, beschließt, als sie bei einem Shoppingausflug an einem Kino vorbeiläuft, den aktuellen Film zu sehen, in dem sie selbst mitspielt. Da sie an der Kasse nicht erkannt wird, macht sie die missmutige Verkäuferin darauf aufmersam, dass sie im Film ist. Diese kann es erst nicht glauben und holt ihren Chef dazu. Dieser ist auch erst skeptisch, bietet ihr dann aber einen Freifilm an. Und im Kinosaal merkt man, wie unsicher Tate zunächst ist und wie gerührt sie von den Reaktionen der Zuschauer ist. So kann sie nach kurzer Zeit schon ganz ungehemmt über ihre eigenen Szenen mitlachen.
So vergeht ein einzelner Tag in Hollywood nach gut zwei Stunden Lauflänge des Films. Aber natürlich bleibt es nicht dabei, denn Tarantino hat noch eine Szene für das Ende aufgespart. Hier will ich nicht zu viel verraten, aber ein jeder Tarantino Fan kommt hier noch einmal gut auf seine Kosten, da das Ende voller abstruser Kleinigkeiten steckt, spannend, abgedreht und mit einer Menge Gewalt zu tun hat. Sagen wir mal, hier steckt der eigentliche Bezug zu den Mason-Morden.
Die häufigst genannte Kritik am Film, also nach der Kritik, dass es nicht wie angekündigt um die Manson Morde gehe, ist dass der Film eigentlich keine Handlung hat. Und die Kritiker haben damit durchaus recht, denn wirklich Handlung hat nur die letzte Szene. Alles davor liegende ist wirklich eine reine Momentaufnahme des Hollywoods von 1969. Aber warum ist der Film dann trotzdem so spannend? Nun zum einen, weil die Charaktere einfach echt wirken. Es wird sich Zeit genommen, einmal genauer in sie hineinzuhorchen, und dafür waren weder tiefgreifende Dialoge, noch große Handlungsbögen nötig. Tarantino versteht sein Handwerk, wie kaum ein anderer und lässt die Charaktere mit wenigen gezielten Sätzen und ausdrucksstarker Mimik so viel mehr erzählen. Hinzu kommt, dass die einzelnen Szenen auch gerne einmal mit kleinen Gastauftritten gespickt sind, die alle zu erkennen, eine große Freude machen. Und wir reden hier von Schauspielern, wie Damian Lewis, Luke Perry, Al Pacino oder Kurt Russell.

Das Fazit

Once upon a time in Hollywood ist eine gelungene Momentaufnahme des Lebens in Hollywood, mit wenig Handlung und wenig Bezug zu den Manson-Morden. Wer sich damit anfreunden kann, bekommt einen gewohnt hochwertigen Tarantinofilm, der einmal mehr beweist, dass Tarantino sein Handwerk versteht. Da ich jedoch großer Fan von richtiger Handlung bin, gibt es dafür 07 von 10 möglichen Punkten.

Once upon a time in Hollywood läuft seit dem 15.08.2019 in den deutschen Kinos.

Aus dem Leben: Wo ist Sherlock Holmes?

Ein Vorwort

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Erinnert ihr euch an meine Flucht aus Knast 13? Sagen wir mal, ich kann einfach nicht genug kriegen. Da ich das letzte Mal etwas enttäuscht schrieb, dass ich leider nicht den Sherlock Holmes Escape Room nutzen konnte, war Escape Berlin so großzügig mir noch ein weiteres Gratisspiel anzubieten. Diese Chance konnte ich nicht ungenutzt verstreichen lassen und sagte natürlich sofort wieder zu. Sofort wurde mein Team vom letzten Mal angeschrieben, hatten sie doch fleißig mitgeholfen den Weg aus Knast 13 zu finden, so sollten wohl auch Sherlock Holmes Gemächer keine Gefahr für uns darstellen. Diesmal wurde der Termin noch früher beschlossen und wir schafften es tatsächlich einen Termin zu bekommen.

Die Qual der Wahl

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Hatten wir trotz allem auch diesmal. Während wir unser wieder sehr einig waren, dass wir nicht Kidnapped spielen wollen – übrigens nur noch dieses Jahr verfügbar! – da wir uns noch immer nicht mit der Vorstellung, dass ein Schauspieler als Kidnapper mit im Raum ist, anfreunden können. Da konnte der freundliche Mitarbeiter bei Escape Berlin noch so sehr uns von begeisterten Gruppen erzählen, die, nachdem sie sich einmal überwunden hatten, besonders viel Spaß hatten. Den Schnapsladen haben wir uns fest für einen neuen Termin vorgenommen, bei dem unsere Gruppe noch einmal ein bisschen größer wäre. Da wir Knast 13 bereits durch hatten, blieben also Big Päng und Sherlock Holmes. Für uns war klar, dass es diesmal Sherlock Holmes werden sollte.
Angekommen in Berlin stellten wir erfreut fest, dass es ab nächstem Jahr wohl auch zwei neue Escape Rooms geben würde. Da Kidnapped eingestellt wird und wohl eine neue Fläche angemietet wurde, sollen nach Ankündigung die Escape Rooms Zaubererschule und Wilder Westen neu hinzukommen. Zumindest die Zaubererschule hatte sofort unser Interesse.

Der Ablauf

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Der Ablauf ist wie bei den meisten anderen Escape Rooms auch. Zunächst wählt man einen Raum, Datum und Uhrzeit aus und bucht diese online auf der Internetseite. Dann reist man mindestens 15 Minuten früher an für die Einweisung. Hier wird nochmal alles Wichtige erklärt, unter anderem auch die Notknöpfe, die das Spiel abbrechen, sollte es einen Unfall geben oder jemand Panik bekommen. Bei Sherlock Holmes wird vorab noch einmal daraufhingewiesen, dass im Spiel wohl eine Aufgabe mit einer Spinne zu tun hat und wer eine regelrechte Phobie vor diesen Wesen hat, hätte die Möglichkeit sich vorab einen Hinweis geben zu lassen, wo die Spinne zum Einsatz kommt, um diesen dann zu meiden bzw. die anderen in ihr Verderben zu schicken. Da einer meiner Mitspieler tatsächlich ein großes Problem mit Spinnen hat, wurde dies genutzt. Im Gegensatz zu anderen Escape Rooms wird hier nicht mit Walky Talkys gearbeitet, sondern es befindet sich ein Bildschirm im Raum, der je nach Bedarf Hinweise zeigt. Ich bin leider noch immer eher der Fan der Walky Talky Variante, da es diesmal zwischenzeitlich ein Missverständnis gab. Wir mussten zwei Gegenstände gleicher Art finden, hatten aber nur den zweiten gefunden. Da der Hilfegeber aber dachte, dass wir den ersten gefunden hätten, gab er uns Tipps wo wir den zweiten fänden. Da wir ohne diese Gegenstände aber nicht weitermachen konnte, verloren wir ganz schön an Zeit.

Sherlock Holmes

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Natürlich gibt es von mir keine ausführliche Beschreibung des Raums. Denn die Überraschung soll doch bei allen erhalten bleiben.
Die Aufgabe war es diesmal nicht aus dem Knast zu entfliehen, sondern wir wurden als Beamte von Scottland Yard in die Wohnung von Sherlock Holmes geschickt. Denn seit Moriarty wieder da ist, wurde zur Sicherheit eine ständige Wache vor Holmes Wohnung aufgestellt, die protokolliert, wann der Meisterdetektiv seine Wohnung betritt oder verlässt. Nun hat er seine Wohnung aber seit einiger Zeit nicht mehr verlassen und langsam wird Scotland Yard unruhig.
Die Wohnung von Sherlock Holmes besteht wieder aus mehreren Räumen, die nach und nach „freigeschaltet“ werden müssen. Die Einrichtung wurde dabei mit einer großen Detailliebe hergerichtet. Nach Aussage der Mitarbeiter sollen sogar viele Gegenstände und vorallem die Möbel teilweise sogar wirklich über hundert Jahre alt sein, weswegen die Verrückung auch nur eines Möbelstücks zum sofortigen Abbruch des Spiels geführt hätte. Mit dementsprechend viel Respekt versuchten wir die Rätsel zu lösen, die sich noch einmal deutlich von denen im Knast 13 unterschieden und uns mehr als einmal vor eine ganz schöne Herausforderung stellten.
Gute Nachricht für alle, die im Knast von Kriechen, Klettern und ähnlichen „Sporteinlagen“ abgeschreckt waren. Diesmal gab es nur eine einzige kleine Kriechaktion, der Rest war tatsächlich im aufrechten Gang lösbar.
Mit noch 14 Restsekunden konnte wir dann das Rätsel über Sherlocks Verschwinden lösen und gemütlich wieder in die Scotland Yard Zentrale zurückfahren.

Das Fazit

Sherlock Holmes von Escape Berlin überzeugt mit einer unglaublich guten Atmosphäre durch Lichtflackern und der Geräuschkulisse. Alle Rätsel sind lösbar, auch wenn man manchmal einen kleinen Schubs in die richtige Richtung braucht. Mit einem regulären Preis von 109,- Euro für 4 Personen ist der Preis noch einmal deutlich höher als bei der Konkurrenz, dafür gibt es aber auch Spielvarianten, die die Konkurrenz nicht bietet. Also wer einmal in Berlin ist, sollte hier unbedingt einmal vorbeischauen.

Ihr wollt mehr über Escape Berlin erfahren? Unter https://www.escape-berlin.de/de/ könnt ihr euch alle Spiele ansehen und gleich buchen! Ihr wolltet schon immer ein Escape Room ausprobieren, aber Berlin ist euch zu weit weg. Auf http://www.escape-game.org/ findet ihr den perfekten Raum auch in eurer Nähe.

Ich bedanke mich noch einmal recht herzlich bei Escape Berlin für das kostenfreie Testspiel und kennzeichne diesen Beitrag als Werbung. Dennoch ist hier meine Meinung wiedergegeben, ohne Beeinflussung durch Escape Berlin.

Downton Abbey

Ein Vorwort

Von 2010 bis 2015 erschienen die insgesamt sechs Staffeln der Serie Downton Abbey. Dabei ging es um eine adlige Familie im Herrenhaus Downton Abbey, das nicht nur dem ersten Weltkrieg trotzdem musste, sondern auch so manche Veränderungen in den Gesellschaftsschichten. Der Fokus lag dabei nicht nur auf der Familie Grantham, sondern auch auf deren Dienerschaft. Downton Abbey begeisterte durch eine gesunde Mischung aus Historie, Drama und unglaublich geschickten Dialogen. Ich erwähne wohl nicht das erste Mal, dass ich großer Fan der Serie bin. Nun soll die Geschichte, die an sich abgeschlossen ist, mit einem Kinofilm weitergehen. Dass Serien auf Kinoleinwand weiterzuführen, nicht immer gut ausgeht, hat man leider schon erlebt. Ob dies bei Downton Abbey der Fall ist, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Hoher Besuch wird auf Downton Abbey erwartet. Der König und die Königin haben ihren Aufenthalt für eine Nacht angekündigt. Nicht nur die Familie ist völlig aus dem Häuschen, auch die Dienerschaft kann ihr Glück kaum fassen. Doch die anfängliche Euphorie legt sich schnell, als die Dienerschaft seiner Majestät eintrifft und komplett übernimmt. Doch keiner auf Downton Abbey wird sich so leicht unterkriegen lassen.

Meine Meinung

Da die Serie mit einem wohl für alle Seiten befriedigendem Finale endete, standen die Macher nun vor der Herausforderung dort anzuknüpfen, doch etwas neues zu erzählen und das Ganze dann auch wieder zu einem runden Ende zu führen. Es musste also eine Idee her, bei der genug Raum war, um alle Charaktere wieder miteinzubinden, die genug und gleichzeitig wenig Drama bot, damit alle Handlungsstränge am Ende auch wieder auserzählt waren und die doch dem Zuschauer irgendwo einen gewissen Mehrwert bot. Tatsächlich war die Grundhandlung mit einer Übernachtung der königlichen Familie dafür bestens geeignet.
Denn so bekam jeder Charakter noch einmal die Chance einen mehr oder weniger großen Handlungsstrand zugeteilt zu bekommen. Während die Dienerschaft der Granthams sich mit der mitreisenden Dienerschaft der königlichen Familie anlegt, damit sie nicht wie überflüssiges Gesindel einfach beiseite geschoben werden können, hat Tom Branson Bedenken wegen seiner irischen Gesinnung. Mary ist mit der Planung vollkommen überfordert und überlegt mehr als einmal Downton endgültig aufzugeben, zumal ihr Mann bei einer Auto-Ausstellung in Chicago ist. Natürlich gibt es noch viel mehr kleine Handlungsstränge, aber ich  will natürlich nicht alle vorweg nehmen.
Wem jetzt jedoch schon der Kopf schwirrt vor Namen, der ist in dem Film definitiv falsch. Denn der Film nimmt sich keine Zeit die Charaktere erneut vorzustellen, die der treue Serienzuschauer bereits seit sechs Staffeln in und auswendig kennen gelernt hat. So wendet sich der Film tatsächlich auch genau nur an diese Zielgruppe, die wohl den größten Spaß ma Film haben dürften. Also ist der Film nur etwas für Fans? Jein. Denn natürlich gibt es sehr viele Charaktere und deren genaue Verstrickungen wird man in einem einzelnen Film wohl nicht nachvollziehen können. Dennoch haben sich die Drehbuchautoren große Mühe gegeben keine tausend Insider einzubauen, sondern die Dialoge zwar mit dem gewohnten Biss gestaltet, aber eben auch so, dass ein Downton Abbey Neuling den kompletten Handlungsverlauf nachvollziehen kann.
Wir haben, wenn man mal die Tatsache außer Acht lässt, dass der Film die Serie weitererzählt, einen Film, der mit witzigen und gleichzeitig bissigen Dialogen daher kommt, wir haben mit Highclere Castle, das als Downton Abbey dient, eine atemberaubende Kulisse, wir haben wunderschöne Kleider, gerade in der finalen Ballszene, mit einem tollen Blick für Details. Wir haben Darsteller, die ihre Figur exakt verkörpern und mit einer Inbrunst spielen, die ihresgleichen sucht. Somit an sich einen echt guten Film. Wie gesagt, einziges Manko für Nicht-Serien-Seher ist, dass die Charaktere in ihrer Konstellation nicht vorgestellt werden.

Das Fazit

Downton Abbey ist für Fans die lang ernsehnte Wiedervereinigung aller geliebten und teilweise gehasster Charaktere. Für Neulinge ist es ein Historienfilm, der seinesgleichen sucht, was Detailliebe angeht. Vor allem mit den witzigen und bissigen Dialogen können wohl beide Parteien etwas anfangen. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Downton Abbey läuft seit dem 19.09.2019 in den deutschen Kinos.

Gut gegen Nordwind

Ein Vorwort

Mit Hilfe von E-Mails die große Liebe finden? Erinnert in den Grundzügen sehr an E-Mail für dich, ein Film mit Meg Ryan und Tom Hanks aus den 1990er Jahren. Doch in der modernen Welt scheint diese Kommunikationsform doch nur noch für geschäftlichen Schriftverkehr genutzt zu werden. Dennoch spielt genau dieses Grundprinzip in Vanessa Jopps neustem Film eine wichtige Rolle. Wie Gut gegen Nordwind es schafft sich von Filmen mit ähnlichem Grundprinzip abzuheben, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Leo (Alexander Fehling) ist Linguist und führt eine On/Off-Beziehung mit Marlene (Claudia Eisinger). Als es wieder einmal zu einer Trennung kam, kommt eine E-Mail von Emma (Nora Tschirner). Diese wollte ein Abonnement kündigen, hatte aber einen Tippfehler drin. Es folgt ein erster Schriftverkehr, der immer privater wird. Doch Emma ist verheiratet.

Meine Meinung

Ich kann gut verstehen, warum einige Gut gegen Nordwind nicht mögen werden. Gerade die Fans von großen Romanzen werden hier ihr Glück nicht finden. Denn Gut gegen Nordwind erzählt eine sehr subtile Geschichte, die von ihren großartigen Hauptcharakteren lebt. Es gibt aber keine tränenreichen Dialoge darüber, wie sehr die beiden sich lieben, es gibt kein großes Kennenlernen über die E-Mails hinaus, es gibt kurzum nicht die typischen Handlungsverläufe.
Die größte Schwierigkeit des Films dürfte sein, dass viele der Dialoge nur schriftlich erfolgen. Dennoch mussten diese spannend und immer wieder neu eingearbeitet werden. Hierbei war es wichtig zwei gute Schauspieler zu casten, die durch ihre Mimik den Zuschauer auch dann fesseln können, wenn sie eigentlich gerade nur in ihrem Laptop gucken.
Mit Alexander Fehling und Nora Tschirner ist ihnen genau das gelungen. Beide schaffen es ohne große Gesten oder überbordener Mimik die Zuschauer sofort in ihren Bann zu ziehen. Der erste Teil des Films konzentriert sich größtenteils auf Leo, der an seiner on/off-Beziehung mit Marlene scheitert und sich immer mehr an den E-Mails mit Emma festklammert, um seinen Liebeskummer zu überwinden. Er wird schnell so süchtig nach den Mails, dass er selbst bei einem realen Date flüchtet, um antworten zu können. Der Film ist schon ein ganzes Stück fortgeschritten, als wir das erste Mal Emma wirklich sehen und nicht nur über ihre Mails. Wir lernen ihren Alltag kennen und auch ihren Ehemann. Dieser Fakt überrascht Leo dann wohl ebenso wie den Zuschauer, vor allen da Emma betont, glücklich verheiratet zu sein. Die Realität lässt dann an der Aussage doch etwas zweifeln, denn sie ist die zweite Frau ihres Mannes und damit Stiefmutter zweier Kinder. Während sie mit den Kindern durchaus gut umgeht, ist ihr Mann deutlich älter und ein erfolgreicher Dirigent, der kaum Zeit für seine Familie hat.
Diese beiden Menschen, die irgendwo mitten im Leben und irgendwo doch an einem Scheideweg stehen, finden sich gerade zur rechten Zeit und fangen an sich auch privatere Dinge zu erzählen. So ist der Film herrlich unaufgeregt, versteht es aber trotzdem den Zuschauer in jeder Szene abzuholen und eine gewisse Spannung aufzubauen.

Das Fazit

Gut gegen Nordwind ist eine gelungene Verfilmung eines E-Mailromans mit hochmotivierten Darstellern und einer unaufgeregten Handlung. Fans klassicher Liebesfilme dürften hier weniger auf ihre Kosten kommen, doch wenn man ihm eine Chance gibt, entfaltet er seinen ganzen Charme. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Gut gegen Nordwind läuft seit dem 12.09.2019 in den deutschen Kinos.

Verpasst, aber nicht vergessen – Teil 9.1

Das letzte Mal, dass ich einen Beitrag dieser Reihe geschrieben habe, ist tatsächlich bereits über zwei Jahre her. Mir kam es tatsächlich gar nicht so lange vor, aber natürlich war ich in der Zwischenzeit nicht faul und habe einige Filme meiner – leider immer größer werdenden – Liste geschaut. Ich versuche in diesem Beitrag nun die Filme von meiner Verpasst-Liste 2014 und 2015 abzuarbeiten und versuche mich dabei auch möglichst kurz zu fassen – teilweise ist es auch schon wieder eine ganze Weile her, dass ich die Filme gesehen habe.

2014

1) The Equalizer

Robert McCall (Denzel Washington) ist ehemaliger CIA-Agent und muss mit dem Tod seiner Frau fertig werden. Dafür arbeitet er nachts, wenn er nicht schlafen kann, die Klassiker der Literatur ab. In einem Café lernt er die Prostituierte Alina (Chloe Grace Moretz) kennen. Nachdem diese übel zugerichtet wurde, rächt er sich für sie an den Zuhältern, nicht ahnend, dass er damit der russischen Mafia ans Bein pinkelt.
The Equalizer spielt mit dem Klischee des friedlichen alten Mannes, der es jedoch aufgrund seiner Vergangenheit faustdick hinter den Ohren hat. Eigentlich ist The Equalizer auch ein interessanter und spannender Film. Aber irgendwo verpasst er den Zuschauer richtig abzuholen, so dass man zwischendurch einfach den Anschluss verliert und nicht mehr bis zum Ende dran bleibt.

2) The Purge – Anarchy

Nachdem im ersten Teil die Purge noch versucht wurde auszuschließen und der Film größtenteils zwischen den vier Wänden einer gut gesicherten Familie spielt, geht es nun im zweiten Teil das erste Mal auf die Straße. Diesmal geht es um die ärmere Bevölkerung, die sich eben nicht die im ersten Teil präsentierte Purge Abwehr leisten kann. Wir verfolgenden einen Vater, der sich am Mörder seiner Tochter rächen will, einen Ladenbesitzer, der sich die Purgeversicherung nicht mehr leisten kann, ein Ehepaar, dass aufgrund einer Autopanne nicht rechtzeitig in Sicherheit ist und eine Mutter, die versucht ihre Tochter vor einem betrunkenen Nachbar zu schützen.
The Purge – Anarchy ist brutaler und überzeugt mit vielen Einfällen, wie eine straffreie Nacht aussehen könnte. Hinter jeder Ecke scheint man etwas Neues zu entdecken. Durch die unterschiedlichen Charakter wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt und schafft es so durchgehend spannend zu sein. Eine sehr interessante Fortsetzung.

3) Der 100-jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Nachdem ich das Buch gelesen hatte, wagte ich mich auch an die Verfilmung des Stoffes von Jonas Jonasson. Wir lernen Allan (Robert Gustafsson) kennen, der gerade seinen 100. Geburtstag feiert. Allerdings hat er auf die Feier überhaupt keine Lust und klettert kurzerhand aus dem Fenster. Kurz darauf ist er mitten drin in einem absonderlichen Abenteuer. Nebenbei erfährt man noch seine Lebensgeschichte, die mit den Begegnungen der verschiedensten Persönlichkeiten einher geht.
Der 100-jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand ist nicht nur ein furchtbar langer Titel, sondern eben eine Geschichte, die nur auf dem Papier funktioniert. Schon bei der Buchvorlage musste man sich zunächst an den schwedischen Schreibstil gewöhnen, bekam dann aber eine abenteuerliche Geschichte geboten. Der Film jedoch kann das Besondere der Geschichte nicht einfangen. Wir bekommen eine ähnliche Präsentation des Stoffes, wie seinerzeit bei Forrest Gump, nur eben ohne dessen Charme. So begab es sich, dass mich der Film tatsächlich immer wieder an den Rand des Einschlafens gebracht hat.

2015

4) Aloha – die Chance auf Glück

Hier musste ich tatsächlich erst einmal wieder nachlesen, worum es in dem Film ging. Das finde ich schon sehr vielsagend. Ich kann mich aber noch erinnern, dass mich der Cast mit Bradley Cooper, Emma Stone, Bill Murray, Rachel McAdams und Alec Baldwin dazu brachte, den Film zu sehen.
Grob gesagt geht es um den Militärberater Brian Gilcrest (Cooper), der nach Hawaii gerufen wird, weil er mit den Einheimischen den Segen für ein Bauprojekt für einen Weltraumflughafen aushandeln soll.
Ich glaube, ich fand den Film totlangweilig und nichtssagend und daran konnten auch die vielen guten Darsteller nichts ändern. Aber genaueres fällt mir beim besten Willen nicht mehr ein.

5) Peanuts

Ein neuer Film mit den altbekannten Figuren sollte her, doch stattdessen wurde eher der altbekannte Stoff recycelt. Fand ich selbst aber gar nicht schlimm, denn mir war die Geschichte rund um das „kleine rothaarige Mädchen“, dass neu in die Klasse kommt, nicht bekannt. Dafür gibt es ein Wiedersehen mit den liebgewonnen Charakteren in einem wunderbar kurzweiligen Film, der mit Witz und Charme nur so um sich wirft. Nebenbei darf Snoopy auch wieder gegen den roten Baron antreten. Ein Film für alle, die in Nostalgie schwelgen wollen oder ihren Kindern ihre Kindheitshelden näher bringen wollen.

6) Mr. Holmes

Ian McKellan als Sherlock Holmes. Dies reichte für mich schon als Grund dem Film eine Chance zu geben.
Sherlock Holmes ist inzwischen 93 Jahre alt und lebt zurückgezogen mit seiner Haushälterin und dessen Sohn, dem er die Imkerei näher bringt. Doch immer mehr merkt er, dass er mit Gedächtnisproblemen zu kämpfen hat. So versucht er verzweifelt sich zu erinnern, was vor 30 Jahren geschah, weswegen der seine Detektivtätigkeiten komplett aufgab.
Der Film wird zweigleisig erzählt. Der Part rund um den alten Holmes ist tiefsinnig, ein wenig schwermütig, aberstark erzählt und gespielt. Leider kann man dies über die Rückblenden zu Holmes letztem Fall nicht sagen. Hier bekommt man eine Geschichte, die bis zum Schluss nicht richtig aufgelöst wird, irgendwie auch belanglos wirkt und dem anderen Teil immer wieder die Fahrt nimmt. Dennoch kann ein in beiden „Altern“ brilliant spielender Ian McKellan einiges retten. Dennoch hätte Mr. Holmes ein noch besserer Film sein können.

7) Joy

Eine zeitlang schien Jennifer Lawrence erst einmal grundsätzlich eine Oscarnominierung bekommen zu haben. So auch hier in dem Film über die rebellische Joy Mangano, die etwas komplizierte familiäre Lebensumstände hat. Als sie einen Mopp entwickelt, der Hausfrauen das Leben erleichtern soll, versucht sie alles, um diesen erfolgreich zu vermarkten. Sie muss jedoch immer wieder Rückschläge einstecken, gibt jedoch nicht auf.
Lawrence spielt hier mit ihrem Talent eine Joy, die verzweifelt versucht aus ihrem Leben das beste zu machen. Trotz eines darüber hinaus eigentlich gut klingenden Castes, unter anderem mit Bradley Cooper und Robert de Niro, schafft der Film es nicht eine eigene Dynamik aufzubauen. Auch sind die Charaktere größtenteils so unsympathisch, dass man auch keine nähere Bindung aufbauen will. So plätschert der Film dahin, ohne das der Zuschauer wirklich Anteil nimmt.

8) Black Mass

Johnny Depp hatte zur Zeit als der Film erschien, bereits einige Flops in Kauf nehmen müssen, wie bspw. Mortdecai oder auch Lone Ranger. Zu sehr hatte man sich an seine Rolle als Captain Jack Sparrow gewöhnt. Umso überraschter wurde Black Mass, in dem er den Gangster James J. Bulger verkörperte. Dieser war im Boston der 1970er und 1980er Jahre bekannt für seine Bande, die sich an Drogenhandel, Erpressung, Glücksspiel, Mord und Kidnapping versuchte. Als das FBI auf ihn aufmerksam wird, schließen sie einen Pakt, um die italienische Mafia zu beseitigen.
Eins muss man dem Film lassen. Die Darsteller brillieren in ihrem Rollen, sei es nun Depp selbst oder auch Joel Edgerton oder Benedict Cumberbatch. Das Problem am Film ist eher, dass die Handlung so langatmig ist, dass man sehr schnell abschaltet. Versteht mich nicht falsch, es gibt einge sehr brutale Szenen, die einen eigentlich packen könnten. Aber das ganze drum herum ist dann doch eher unaufgeregt erzählt.

9) Highway to Hellas

Jörg Geissner (Christoph Maria Herbst) arbeitet für eine deutsche Bank. Die fiktive griechische Insel Paladiki hat bei dieser Bank einen hohen Kredit aufgenommen, um für Touristen interessanter zu werden. Vorm Hintergrund der Finanzkrise in Griechenland soll Geissner nun die Sicherheiten der Insel erkunden. Leider hat die Insel gelogen, was die Sicherheiten angeht und versucht nun Geissner an der Nase herum zu führen.
Wieder einmal ein deutscher Film, der an den richtigen Stellen ansetzt und mit einem motivierten Herbst auch durchaus eine gute Basis hat. Aber nachdem ein paar schöne Anekdoten erzählt wurden, fängt der Film leider an zu schwächeln und kann seine eigene Komik nicht über die Laufzeit halten. Dabei geht der Film gerade einmal 89 Minuten. Auch wird hier das griechische Lebensgefühl vielleicht ein wenig zu deutsch erzählt.

10) The perfect guy

Ich finde Michael Ealy klasse. Leider hat er nicht gerade ein gutes Händchen, was seine Filmauswahl angeht. In Underworld – Awakening war er bereits in einem der schwächeren Teile der Filmreihe und About last night war einfach nur langweilig. In the perfect guy durfte er noch einmal eine ganz neue Seite seiner schauspielerischen Fähigkeiten zeigen. Leider war auch dieser Film nicht sonderlich gut.
Leah Vaugn (Sanaa Lathan) hat sich frisch von ihrem langjährigen Freund getrennt, als sie Carter (Ealy) kennenlernt. Dieser scheint zunächst der perfekte Freund zu sein, bis seine Besitzansprüche auch gewalttätig werden. Als Leah sich von ihm trennt, stalkt er sie fortan.
Das Thema Stalking ist ein schwieriges Thema, weil man wenig gegen Stalker tun kann und sie einem aber das Leben buchstäblich zur Hölle machen können. Hier wird es in eine sehr krasse Geschichte verpackt, denn Carter scheint vor nichts zurückzuschrecken. So spannend die Geschichte auch eigentlich sein könnte, so wenig scheint der richtige Funke überzuspringen. So ist der Film leider auch einer, den man sehr schnell wieder vergessen hat.

 

Neulich in der Sneak: The Kitchen

Ein Vorwort

Im letzten Jahr gab es einen Film mit dem Namen Widows, in der die Frauen von kriminellen Männern in deren Fußstapfen treten, um selbst zu überleben. Mit einem ähnlichen Prinzip wird auch in The Kitchen gearbeitet, nur das es diesmal um die irische Mafia geht. Warum der Film jedoch einfach nicht funktioniert, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Bei einem gescheiterten Raubüberfall werden die Ehemänner von Kathy (Melissa McCarthy), Ruby (Tiffany Haddish) und Clair (Elisabeth Moss) verhaftet und für mehrere Jahre ins Gefängnis gesteckt. Finanziell sind sie von der irischen Mafia abhängig, doch das Geld reicht nicht einmal für die Miete, geschweige denn um Kinder zu ernähren. Also beschließen sie die Geschäfte selbst in die Hand zu nehmen. Doch der ein oder andere Gegner muss auch aus dem Weg geschafft werden. Wie passend, dass Gabriel (Domnhall Gleeson) gerade wieder in der Stadt ist.

Meine Meinung

Nachdem das letzte Mal in der Sneak die Agentin lief und ich bereits da fragte, was mir der Regisseur mit dem Film sagen will, muss ich diese Frage leider erneut stellen. Denn The Kitchen scheint eine Geschichte über Frauen zu schreiben, die sich auf dem Schatten ihrer Männer erheben und sich emanzipieren, um für ihren Lebensinhalt selbst aufzukommen. Doch gleichzeitig ist der Film in den Fangstricken der irischen Mafia, dessen Grundstrukturen und Regeln mir vorher nicht bekannt waren, auf die im Film aber auch immer nur am Rande Bezug genommen wird. Ein klärender Dialog nach dem Motto „Bei uns läuft das so, weil“, wäre sehr hilfreich gewesen. Gleichzeitig baut er aber relativ viele Charaktere auf, wo von aber einige kaum mehr als einen Satz haben, die aber dazu dienen sollen, möglichst viele Wendungen einbauen zu können. Jedoch ist der Zuschauer bei dem Film sehr schnell ausgestiegen, wegen zu vieler Charaktere und Handlungsstränge und Intrigen, so dass man die große Auflösung am Ende gar nicht mehr richtig wahrnimmt.
Melissa McCathy, als eine der Hauptrollen, ist besetzungstechnisch ja eine schwierige Entscheidung, hat sie sich in den letzten Jahren doch eher mit unterirdischen Komödien einen Namen gemacht. Jedoch hat sie zwischendurch immer wieder bewiesen, dass sie auch ernst Rollen spielen kann und erhielt zuletzt für Can you ever forgive me eine Oscarnomineriung. In The Kitchen spielt sie auf ähnliche Art, mit einer durchgehenden Leidensmiene, die zwar größtenteils passend ist, dennoch kommt sie schauspielerisch nicht darüber hinaus. Auch Elisabeth Moss scheint ihre Rolle als graues Mäuschen, die regelmäßig von ihrem Mann geschlagen wurde, so sehr verinnerlich zu haben, dass sie selbst als ihr Charakter darüber hinaus gewachsen ist, ihre Mimik nicht darüber hinausgewachsen ist. Tiffany Haddishs Rolle ist dann auch der undurchsichtigste Charakter, was durchaus seine Berechtigung für den Verlauf des Filmes hat, jedoch scheint Haddish daher gleich jegliche Bemühung einer schauspielerischen Leistung abgelegt zu haben.
Am Ende weiß man nicht, was am enttäuschendsten war. Die nichtssagende langsam vor sich hin plätschernde Handlung, die unmotivierten Darsteller, das verwirrende Drehbuch ohne Aussage, oder das der Film endet ohne irgendetwas wirklich erzählt zu haben. Abgesehen von ein paar wenigen Szenen, die einem zum schmunzeln gebracht haben, ist The Kitchen ein vollkommen vergessenbarer Film.

Das Fazit

The Kitchen hat es leider verpasst eine nachvollziehbare Handlung aufzubauen und scheitert am Großaufgebot an sinnlosen Charakteren und Handlungswendungen. Dafür gibt es 03 von 10 Punkten.

The Kitchen – Queens of Crime läuft ab dem 19.09.2019 in den deutschen Kinos.

The Ivy Years

Ein Vorwort

Inzwischen sind meine Buspendelzeiten vorbei, aber vorher fand ich es sehr entspannend im Bus die Fahrzeit mit Lesen zu verbringen. Da ich selten Lust hatte, meine teilweise dicken Wälzer von zu Hause mitzuschleppen, rettete mich mein Kindle regelmäßig, da er gut in die Handtasche passte und leicht genug war. Nun waren meine Busfahrten nie besonders lang, ich brauchte also Bücher, die man schnell weglegen konnte und nach der Arbeit immer noch grob wusste, worum es ging, ohne sich tausend Charaktere und Handlungsstränge merken zu können. Demnach wanderten einige Liebesromane, auch gerne in Reihenform, auf meinen Kindle. Eine Reihe davon war „The Ivy Years“.

Die Handlung

The Ivy Years befasst sich mit den Menschen rund um das Harkness College. Immer mit dabei ist auch die Eishockeymannschaft der Herren. In jedem Band geht es um eine aus dem vorherigen Band als Nebenfigur bekannten Charakter, der/die nun seinerseits/ihrerseits seine/ihre Geschichte bekommt. Dabei sind die Einzelschicksale allesamt sehr hart und den Charakteren wird einiges abverlangt.

Meine Meinung

Band 1: The Ivy Years – Bevor wir fallen

Unsere erste Begegnung am Harkness-College haben wir mit Corey Callahan. Nach einem schweren Sportunfall sitzt sie im Rollstuhl und wird etwas abseits von den anderen Studenten im barrierefreien Teil untergebracht. Direkt nebenan wohnt vorübergehend der heiße Eishockeyspieler Adam Hartley, der sich den Fuß gebrochen hat. Beide freunden sich schnell über ihre Liebe zu Eishockey an und bei Corey entwickeln sich schnell tiefere Gefühle. Doch Hartley hat eine Freundin und dazu noch eine echt heiße.
Im ersten Band geht es darum, wie Corey mit ihrem Rollstuhl zurecht kommen muss. Sie muss akzeptieren, dass sie vielleicht nie wieder laufen kann, aber auf jeden Fall nie wieder Eishockey spielen kann. Hinzu kommen die Alltagsprobleme, weil so eine altrenommierte Uni, wie Harkness, hat natürlich nicht unbedingt barrierefrei gebaut. Corey muss lernen mit solchen Hindernissen umzugehen und auch damit, dass sie von allen nun anders behandelt wird. Ihre Aussichten auf eine Beziehung schätzt sie sehr gering ein und natürlich kann sie wegen ihres Rollstuhls nicht mit Hartleys schöner Freundin konkurrieren.
Sarina Bowen greift hier viele Vorurteile auf und verpackt sie in eine schöne Geschichte. Die Charaktere sind zwar mitunter sehr stereotypisch, Hartleys Freundin ist nämlich unheimlich schön, aber natürlich auch ungemein arrogant und egozentrisch. Dennoch sind auch einige liebenswerte Charaktere dabei und die Geschichte um Corey und Hartley ist zwar sehr vorhersebar, aber dennoch schön geschrieben.

Band 2: The Ivy Years – Was wir verbergen

Scarlet Crowley kommt neu ans Harkness-College und kann es gar nicht erwarten von ihren Eltern wegzukommen. Denn ihrem Vater wird vorgeworfen mehrere Jungen des örtlichen Eishockeyteams missbraucht zu haben. Am College trifft sie auf Bridger McCaulley. Dieser hat frisch seine Karriere im Eishockey-Team aufgegeben und scheint sich von all seinen Freunden zurückzuziehen. Nur Scarlet kommt noch an ihn heran und erfährt bald, dass auch er ein Geheimnis hat. Sie verlieben sich heftig ineinander, können aber durch ihre eigenen Lasten sich nicht wirklich um den anderen kümmern.
Das interessante an dieser Geschichte rund um Scarlet und Bridger, wobei man letzteren als Nebencharakter aus dem ersten Band kannte, ist, dass sie relativ schnell zusammen kommen und es also nicht darum geht, wann sie sich finden, sondern eher um die Lösungen ihrer Probleme, die teilweise wieder ganz schön heftig waren. Dadurch ist die Geschichte wesentlich spannender als der erste Band und auch weniger kurzweilig.

Band -: The Ivy Years – Was wir uns bedeuten (Kurz)

Katie, die Mitbewohnerin von Scarlet, ist in einer Studentenverbindung und hat eine schwierige Trennung von ihrem Ex hinter sich. Dennoch will und kann sie nicht allein auf die anstehende Studentenverbindungsparty gehen. Da beschließen Scarlet und Bridger sie mit dem Basketballspieler Andrew, der Bridgers Nachbar ist, zu verkuppeln. Andrew ist ein sehr netter und freundlicher Mann, jedoch auch sehr schüchtern. Auf der Party kommen sich Katie und Andrew näher, doch Katie muss zunächst mit ihrer Trennung abschließen.
Dieser Band gehört nicht in die offizielle Zählung und ist auch nur eine Kurzgeschichte. Dennoch ist es schön, dass sich Frau Bowen noch einmal mit zwei Charakteren aus dem zweiten Band auseinander setzt und ihre Geschichte erzählt. Für einen ganzen Roman war die Geschichte zu dünn, aber für dieses kurze Zwischenspiel bestens geeignet. Auf 105 Seiten wird eine intensive Geschichte erzählt, die man teilweise in ganzen Romanen vermisst.

Band 3: The Ivy Years – Solange wir schweigen

John Rikker muss die Uni wechseln und stößt neu zum Harkness-College und zur Eishockeymannschaft. Der Hintergrund ist massives Mobbing in seinem alten Eishockey-Team, weil er schwul ist. Auch in seinem neuen Team hat er es nicht einfach, denn nicht alle können einen homosexuellen Eishockeyspieler akzeptieren. Und dann ist da noch Michael Graham, den Rikker von früher kennt, der ihn aber komplett ignoriert.
Solange wir schweigen war für mich der bisher schwächste Band der Reihe. Das liegt nicht daran, dass es diesmal eine homosexuelle Liebesgeschichte ist, sondern eben wie an die Sache herangegangen wurde. Frau Bowen möchte auf die noch immer bestehenden Vorurteile eingehen und die Schwierigkeiten im Sport eingehen. Diese Ansätze nimmt sie auch gut mit in die Geschichte rein und zeigt verschiedene Meinungen auf. Doch die Liebesgeschichte an sich ist viel zu lang gezogen und wiederholt sich gefühlt permanent. Rikker versucht auf Graham zuzugehen, der zieht sich zurück, macht einen Schritt auf Rikker zu und zieht sich dann wieder zurück. Die immer gleichen Gedanken der beiden werden wieder und wieder durchgekaut. Dadurch zieht sich die Handlung wie ein Kaugummi und jegliche Spannung entweicht.

Band 4: The Ivy-Years – Wenn wir vertrauen

Bella, bekannt als Managerin der Harkness Eishockeymannschaft der Herren, ist eine toughe Frau, die sich gerne einmal dem ein oder anderen One-Night-Stand hingibt. So auch dem schüchternen Rafe. Doch eine Mobbingattacke erschüttert Bellas Welt und sie fängt an sich vor der Welt zu verschließen. Nun versucht Rafe zu ihr vorzudringen, was gar nicht so einfach ist.
Man merkt, dass die Qualität der Reihe mit der Zeit immer mehr abgefallen ist. Denn auch die Geschichte rund um Bella und Rafe ist weitaus weniger spannend und prickelnd, als noch die ersten beiden Bände. Die Handlung scheint einfach nicht mehr für die 400 Seiten auszureichen, weswegen sie immer wieder mit inneren Monologen gestreckt wird. Bella ist mir mit ihrer Art schon im dritten Band nicht unbedingt sympathisch gewesen, weswegen ich mich auch sehr schwer mit ihr als Protagonistin getan habe.

Das Fazit

The Ivy Years sind eine gute Romanreihe für zwischendurch, wobei es starke Qualitätsschwankungen unter den Bänden gibt.

Die Reihe wird mit dem fünften Band am 31.10.2019 fortgesetzt, der den Namen „Bis wir uns finden“ tragen wird.

Neulich in der Sneak: Die Agentin

Ein Vorwort

Vom 07.-17.02.2019 fanden die Internationalen Filmfestspiele Berlin, kurz Berlinale, statt. Diesmal mit dabei war die deutsch-französisch-israelische Produktion über eine in Deutschland ausgebildete Mossad-Agentin. Gezeigt wurde der Film außer Konkurrenz. Mit einer Diane Kruger als Spionin und Martin Freeman an ihrer Seite, konnte von der Besetzung her schon wenig schiefgehen. Was der Film darüber hinaus kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Rachel (Diane Kruger) wird vom Mossad angeworben und in Deutschland zur Spionin ausgebildet. Doch auf der Beerdigung ihres Vaters taucht sie unter. Kurz darauf erhält ihr ehemaliger Kontaktmann in Deutschland (Martin Freeman) einen mysteriösen Anruf von ihr. Vor einem Sonderkommando muss er nun die Geschichte noch einmal erzählen.

Meine Meinung

Regisseur Yuval Adler hatte bei seiner Grundidee drei Möglichkeiten der Inszenierung. Er hätte einen Film über die politischen Verstrickungen in der Spionage machen können. Oder Adler hätte einen hochspannenden Spionage-Thriller inszenieren können. Oder aber er hätte aus dem ganzen eine Charakterstudie machen können, was Spionage und die ständige Verstellung aus einem Menschen macht.
Vermutlich hat Adler auf letzteres abgezielt. Scheitert aber in allen Belangen in der Umsetzung. Denn Die Agentin ist leider einfach nur ein nichtssagender Film geworden. Keine Aussage, keine Tiefe, keine verständliche Handlung.
Aber fangen wir mit den positiven Sachen an. Die Dreharbeiten fanden in Deutschland, Israel und Bulgarien statt, da man einen Film über eine Mossad-Spionin im Iran, schlecht im Iran drehen konnte. Dennoch sind die Aufnahmen sehr authentisch und gerade für mich als Ex-Leipzigerin war es sehr schön einzelne Schauplätze in Leipzig zu haben. Die Agentin hat mit Diane Kruger und Martin Freeman durchaus zwei sehr talentierte Schauspieler gewonnen. Leider wurde gerade Freeman eher wegen seines bekannten Namens gecastet, denn an keiner Stelle im Film darf er zeigen, was wirklich in ihm steckt. Man merkt, dass er das beste aus seiner Rolle rauszuholen versucht, nur ist da wenig Potential. Kruger wird da schon mehr gefordert und ist damit auch die engagierteste Darstellerin im ganzen Film. Denn die anderen wussten wohl schon beim Lesen, wie der Film wird: Total langweilig.
Und somit kommen wir auch schon zum großen Problem des Films. Er hat kein Konzept. Während am Anfang noch beschrieben wird, wieso Rachel so geeignet als Kandidatin für den Mossad war, wird ihre eigentliche Tätigkeit dann sehr lasch angerissen. Letztendlich kommt eigentlich nur heraus, dass sie trotz allem immer noch versucht ihren eigenen Kopf durchzusetzen, was ihr Ende für die Mission bedeutet. Trotzdem soll sie wahllos noch einzelne Menschen beschatten oder mal eben Bomben in den Iran schmuggeln. Diese Schmuggelszene ist letztendlich auch die einzige, die wirklich unter die Haut geht und den Zuschauer zumindest für fünf Minuten den Atem anhalten lässt. Aber auch hier wird das ganze wieder mit einer Fast-Vergewaltigung übertrieben. Ansonsten erfährt man weder Rachels Beweggründe, noch etwas über ihre Gedanken, weswegen der Film als Charakterstudie durchfällt. Man erfährt nicht, warum ihre Vorgesetzten Entscheidungen treffen und was der Hintergrund des ganzen ist. Es ist also kein Film über politische Verstrickungen in der Spionage. Und als hochspannender Spionage-Thriller fällt er komplett durch, weil er in einem gemächlichen Tempo erzählt wird, dass er mit einem Thriller erst recht nichts gemein hat.
So verlässt man am Ende das Kino und weiß nicht, was der Film einem nun sagen wollte, ist absolut gelangweilt und über das plötzliche Ende völlig irritiert. Denn nachdem gefühlt der gesamte Film die Vorgeschichte der aktuellen Ereignisse erzählt, bricht Adler genau dort mitten während einer Verfolgungsjagd ab. Im Nachhinein ein mutiger Schritt, aber auch der richtige. Denn der Film wäre durch eine Verfolgungsjagd am Ende kein bisschen spannender oder tiefgründiger geworden. Er wäre einfach nur länger und hatte mit 117 Minuten schon lange seinen Zenit überschritten.

Das Fazit

Die Agentin ist einer der langweiligsten Spionage-Filme, die ich kenne. Er hat kein Konzept, keine Tiefe und keine Handlung. Eine engagiert spielende Diane Kruger konnte daran auch nichts ändern. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Die Agentin läuft seit dem 29.08.2019 in den deutschen Kinos.