Pride Month 2020 – Eine Handvoll (oder auch mehr) Filme

Es ist Juni und damit Pride Month. Bedeutet, dass jedes Jahr im Juni die LGBTQ+ Gemeinde zu verschiedenen Veranstaltungen, inkl. dem Christopher Street Day, aufruft und so für ihren Kampf auf Gleichberechtigung aufmerksam macht. Beginnend waren die Stonewall Unruhen von 1969, die als Beginn des Kampfes für Rechte und Gleichberechtigung angesehen wird. Wir haben seitdem einen wunderbaren Wandel in vielen Ländern erlebt, aber noch immer sind wir weit von realer Gleichberechtigung entfernt. In diesem Beitrag soll es um ein paar Anspieltipps gehen, die sich mit LGBTQ+ befassen. Es handelt sich lediglich um eine kleine Auswahl, gerne könnt ihr mit eure liebsten Filme zu diesem Thema nennen.

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Der verlorene Sohn

Die Handlung: Jared Eamons wächst als Sohn eines Baptistenprediger auf und ist damit sehr christlich erzogen. Auf dem College wird er von einem Kommilitonen vergewaltigt. Als dieser aus Angst, dass Jared ihn verrät, ihn bei seinen Eltern outet, gesteht ihm sein Vater, dass er keinen schwulen Sohn unter seinem Haus wohnen lassen kann. Da Jared sich selbst nicht über seine Gefühle im Klaren ist, stimmt er zu, einer Konversionstherapie beizuwohnen. Unter der Leitung von Victor Syked soll er innerhalb von 12 Tagen im sogenannten „Love and Action“-Zentrum zum Heterosexuellen umerzogen werden. Jared steht nun im Kampf um sich, seiner Familie und seinem Glauben.

Warum dieser Film so wichtig ist: Joel Edgerton verfilmt hier die Geschichte von Garrard Conley. Der Film nimmt sich zwei wichtiger Thematiken an. Zum einen die Intoleranz der Kirche gegenüber allen Mitgliedern der LGBTQ+ Gemeinde. Das dieser Glaube an einen wütenden Gott sich immer noch hält und ganze Familien zerstören kann. Und die daraus resultierende Thematik der Konversionstherapie. Der Glaube, dass wir alle Hetero geboren wurden und alles andere eine Krankheit oder falsche Erziehung sei, hängt darin. Dieser Film prangert niemanden wegen seines Glaubens an. Aber er prangert an, was in diesen Therapien propagiert wird. Er prangert an, dass es Leute gibt, die Eltern einreden, dass mit ihren Kindern etwas nicht stimme, nur wegen ihrer Sexualität und daraus auch noch Profit generieren. Dabei wird selbst der Leiter Victor Sykes nie als großer Bösewicht dargestellt, sondern Edgerton erzählt die Geschichte sehr ruhig, nachdenklich und reduziert. Allein die erzählten Themen stützen die Dramatik des Films.

Love, Simon

Die Handlung: Simon Spier ist ein ganz normaler Jugendlicher. Er hat drei gute Freunde und ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern. Sein einziges Geheimnis ist, dass er schwul ist. Als auf einem Tumblr-Account ein geheimnisvoller Blue sich outet, beschließt Simon mit ihm zu schreiben. Nach und nach verliebt er sich in Blue. Als er vergisst sich am Schulcomputer richtig auszuloggen, erfährt sein Mitschüler Martin sein Geheimnis. Fortan wird Simon von Martin erpresst, da sich Martin in eine Freundin Simons verliebt hat und ein Date will. Simon soll ihn helfen, sonst würde Martin ihn outen.

Warum dieser Film so wichtig ist: Love, Simon wird oftmals als Mainstream-Kitsch kritisiert. Ich sage, es ist gerade gut, dass auch das Mainstream-Hollywood eine Geschichte über das Coming-Out eines homosexuellen Jungen erzählt. Das es einfach kein Tabu-Thema mehr ist oder maximal als schwuler bester Freund toleriert wird. Wir haben hier einen ganz normalen Jungen mit einer ganz normalen Geschichte, der davon träumt, dass es in einer nahen Zukunft nicht mehr nötig ist, sich zu outen. Irgendwo zwischen Drama und Komödie ist diese Geschichte angesiedelt, lässt einen lachen, weinen, mit den Charakteren mitfühlen und ja, die Endszene ist sehr kitschig. Aber das stört uns in anderen Filmen auch nicht.

Porträt einer jungen Frau in Flammen

Die Handlung: 1770 reist die junge Malerin Marianne auf eine abgelegene Insel. Sie soll sich dort als Gesellschaftlerin ausgeben und heimlich ein Porträt von der adligen Heloise anfertigen. Dies soll ihrem Verlobten zur Hochzeit geschenkt werden. Heloise ist jedoch nicht einverstanden mit der Verlobung und verweigert daher auch das Anfertigen des Porträts. Marianne gibt ihr Bestes, doch nach dem ersten Versuch wirft ihr Heloise vor, sie gar nicht richtig zu kennen. Marianne bekommt einen zweiten Versuch und in Abwesenheit von Heloises Mutter kommen sich beide Frauen näher. Dies bringt Mariannes Malerei auf ein ganz neues Level.

Warum dieser Film so wichtig ist: Vergesst alle Romanzen, Liebesgeschichten, berühmte Beziehungen und Schauspieler, die angeblich die Anziehung zweier Personen gut rübergebracht hätten. Denn die Anziehung zwischen Marianne und Heloise ist unglaublich intensiv und wird größtenteils durch Blicke und kleine Berührungen vermittelt. So haben wir eine Geschichte über eine Liebe zwischen zwei Frauen, die zu der Zeit natürlich in keiner Weise toleriert werden würde und die bevorstehende Vermählung Heloises steht immer mit im Raum, dennoch wird nicht die ganze Zeit auf den Umstand hingewiesen. Keine langen Gespräche á la „Wir dürfen das nicht“. So haben wir einen Film, der die Liebe der beiden Frauen als etwas vollkommen natürliches darstellt und die Zwangsverheiratung Heloises mit einem Mann als etwas unnatürliches.

Call me by your name

Die Handlung: Der 17-jährige Elio verbringt den Sommer auf dem Landsitz seiner Eltern in Norditalien. Wie jedes Jahr lädt sein Vater, ein Archäologe, einen Studenten für sechs Wochen zu sich ein, damit dieser ihn bei seinen Forschungen helfen kann. Dieses Jahr ist es der 24-jährige Oliver. Während Elio Oliver wegen seiner Art, die er als Arrogant empfindet, zunächst nicht leiden kann, kommen sich beide schon bald näher.

Warum dieser Film so wichtig ist: Call me by your name spielt im Jahr 1983. Auch wenn wir dies vielleicht als nahe Vergangenheit betrachten, war es damals für homosexuelle Paare nochmal deutlich schwerer als heute. So müssen Elio und Oliver ihre Beziehung von Anfang an geheim halten. Dennoch hat der Film eine unglaubliche Leichtheit und man vergisst einfach alle Probleme, die auftauchen könnten. Und vor allem am Ende der Monolog des Vaters ist unglaublich tiefsinnig und so wichtig.

Danish Girl

Die Handlung: Gerda und Einar Wegener sind Anfang der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein Künstlerpaar in Dänemark. Als ein Model Gerdas ausfällt, springt Einar kurzerhand ein. Dadurch entdeckt er seine feminine Seite wieder. Er springt noch öfter ein und bald entwickelt es sich als Spiel zwischen dem Paar und Einar wird auch immer öfter in der Öffentlichkeit zu Lili. Als Einar beschließt sich einer geschlechts-angleichenden Operation zu unterziehen, wird die Beziehung der beiden auf eine harte Probe gestellt.

Warum dieser Film so wichtig ist: Wir wenden uns von der Homosexualität einem wahrscheinlich noch viel schwierigerem Thema zu: Transsexualität. Genauer gesagt begegnet uns mit Einars Wandel zu Lili Elbe eine der ersten Transsexuellen der Welt. Dabei befasst sich der Film an erster Stelle mit Einars Erkenntnis Lili sein zu wollen und der zunehmenden Nichtakzeptanz seines derzeitigen Geschlechtes. Gleichzeitig begleitet der Film Gerda auf ihrem Weg. Kritisiert wird der Film zwar von vielen Seiten, weil er wichtige Schritte in der Beziehung des Paares ausspare und auch die damaligen Operationsbedingungen beschönige. Das mag zwar alles sein, aber hier wird halt mehr Augenmerk auf Einars Gedanken gelegt. Und allein, dass das Thema angesprochen werden kann, ist schon ein großer Schritt.

Alle Farben des Lebens

Die Handlung: Ray  ist als Ramona geboren, lebt inzwischen aber seit fünf Jahren als Ray. Nun will der 16-jährige auch die offizielle Geschlechtsangleichung vollziehen lassen. Dafür braucht er die Unterschrift beider Elternteile. So muss seine alleinerziehende Mutter ihren Ex ausfindig machen. Dieser ist der Angleichung jedoch abgeneigt. Keine große Hilfe ist Rays lesbische Großmutter, die ebenfalls mit im Haus lebt.

Warum dieser Film so wichtig ist: Wir bleiben beim Thema Transsexualität. Diesmal gehen wir in moderne Zeiten und betrachten die Seiten der Familie. Ray, der sich lange genug im Körper des falschen Geschlechts befunden hat und endlich er selbst sein will, seine Mutter, die es versucht zu verstehen und dennoch damit hadert ihre Tochter aufzugeben und schließlich der Vater, der zwar nie da war, sich nie um die Erziehung gekümmert hat, aber auf einmal meint, er wüsste es besser und gegen die Angleichung ist. Dabei bekommt jede Seite Zeit ihren Standpunkt darzustellen.

Brokeback Mountain

Die Handlung: Ennis und Jack lernen sich als Schafhirten auf dem Brokeback Mountain kennen. Während des einsamen Sommers kommen sich beide näher und erkennen ihre Liebe zueinander. Doch als sie nach der Saison wieder abreisen, kehren beide in ihr Leben zurück. Doch nach einigen Jahren treffen sie sich wieder und entfliehen ihrem Alltag. So geht es zwanzig Jahre lang.

Warum dieser Film so wichtig ist: Wir kehren zurück zum Thema Homosexualität. Und zwar zu einem Film, der eine ziemliche Kontroverse in den USA ausgelöst hat, da er das „Bild des Cowboys zerstöre“. Dabei haben wir hier einfach einen Film über zwei Männer, die ineinander verliebt sind, aber aus Angst vor der Reaktion der Gesellschaft sich in heterosexuelle Ehen flüchten und sich nur zweimal im Jahr sehen. Es geht darum, was das mit ihren Wünschen und Träumen macht. Dabei wird die Gesellschaft an sich gar nicht gezeigt, vor der sie Angst haben, sondern die Konzentration liegt auf beiden Charakteren.

Was sind eure Filme zum Thema Pride im Pride Month Juni? Gerne her mit dem Empfehlungen!

Rückblick auf den Mai 2020

Der Mai ist vorbei, die Kinos sind noch immer geschlossen, daher wird dies nun wieder ein verkürzter Rückblick. Auch im Mai war es größtenteils ruhig bei mir, weswegen ich den Einleitungsteil dann jetzt auch wieder überspringe und einfach gleich zur Sache komme.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Disney Family Sing Along: Gleich zweimal habe ich dieses Disney Corona-Special gesehen, denn es gefiel mir so gut, dass ich es meiner besten Freundin auch noch zeigen musste. Hier wurden Disneystars der verschiedensten Art aufgefordert zu Hause eine musikalische Umsetzung zu filmen. So wurden bekannte Klassiker aus Disneys Filmgeschichte umgesetzt. Qualität variiert zwar stark, doch die Untertitel zum mitsingen, machen es wett.

Titanic – 20 Jahre nach dem Film: Zum Jubiläum seines Welterfolgs hat sich James Cameron an eine Dokumentation gewagt, in der er verschiedene Theorien und Fakten überprüft, die ihn am Mythos Titanic befassten. Zunächst verfolgen wir ihn auf mehreren Tauchfahrten zur Titanic, in der er überprüfen möchte, wie akkurat seine Umsetzungen war. Ein spannender neuer Einblick in mehrere Mysterien, nicht nur für Fans des Films.

Taylor Thomlinson – Quarter-Life Crisis: Im Mai war mal wieder ein Netflix Comedy-Special fällig. Taylor Thomlinson erzählt davon, wie es ist Mitte 20 zu sein. Durchaus eine Comedian, die ich auf dem Schirm behalten werde.

Familie Willoughby: Mutter und Vater Willoughby sind unglaublich verliebt ineinander. Logischerweise sind dabei insgesamt vier Kinder entstanden. Allerdings sind diese ihren Eltern eher lästig und werden komplett vernachlässigt. Wieso sollte man seinen Kindern auch etwas zu essen geben? Also beschließen die Geschwister, dass sie unbedingt Waisen werden wollen und schicken ihre Eltern auf eine mörderische Reise. Ein Animationsfilm an dessen Stil man sich zunächst gewöhnen muss. Er kommt mit einigen erfrischenden Ideen daher, die aber alle nicht für einen Film reichen und daher werden episodenhafte Geschichten zu einem großen Verwoben, was dem Film eindeutig nicht gut tat.

Emo – the Musical: Ethan ist ein Emo und wird nach einem gescheiterten Selbstmordversuch von der Privatschule geschmissen. An seiner neuen Schule wird er zunächst begeistert von den streng Gläubigen aufgenommen, doch als er merkt, dass es eine Emo-Band an der Schule gibt, wird er schnell zum Feindbild der Gläubigen. Als auch noch ein Bandwettbewerb bevorsteht, kochen die Emotionen über. Noch ein Film, den ich im Mai gleich zweimal gesehen habe. Nachdem meine beste Freundin ihn mir voller Begeisterung zeigte, musste mein bester Freund auch gleich dran glauben. Und ja, der Film ist noch viel skurriler als er sich anhört, aber auf gute Weise. Kleine Perle für Musicalfans.

Teen Beach Movie: Brady und McKenzie sind ein Paar und lieben das Surfen. Doch McKenzie will beides aufgeben, um zu ihrer Tante zu ziehen, die eine große schulische Karriere für McKenzie plant. Als diese ein letztes Mal surfen geht, geraten sie und Brady durch einen Sturm in Bradys Lieblingsfilm Wet Side Story. Nun müssen sie einen Ausweg finden. Ja, der Film klingt sehr skuril. Ja, es war ein Disney Channel Original und ist demnach mit sehr wenig Geld produziert worden. Ja, man sieht es dem Film an. Ja, er hat trotzdem Spaß gemacht, aber man darf halt echt nichts erwarten.

Garfunkel & Oates: Trying to be special: Die beiden Comedians Riki Lindhome und Kate Micucci versuchen als Garfunkel & Oates ihr eigenes Netflix-Special zu bekommen. Dafür führen sie in Seattle eine Show auf, bei der sie mit ihren gewagten Liedtexten zu begeistern wissen.

Underwater: Die auf dem Grund des Marianengrabens befindliche Forschungsstation Kepler 822 wird von mehreren Erdbeben erschüttert und stark beschädigt. Eine Gruppe Wissenschaftler versucht nun zu den verbliebenden Rettungskapseln zu kommen. Doch etwas ist erwacht. Ein Thriller tief unten im Meer hat wohl das Potential atmosphärisch gut Ängste zu erzeugen. Dies schafft der Film auch. Auch die Handlung ist rund. Leider hat der Film so gar kein Alleinstellungsmerkmal.

Serien – ein etwas ausführlicherer Überblick

Kim Possible – Staffel 2 (Teenieheldin in weiterhin spannenden Missionen unterwegs, diesmal mit wechselnden Outfits)

The Mandalorian – Staffel 1 (Spannender Star Wars Ableger, der es schafft in wenigen Folgen die Charaktere vorzustellen und zu einem runden Abschluss zu bringen)

The Marvelous Mrs. Maisel – Staffel 2 (Witzige Fortsetzung rund um die charmante aufkommende Stand-up Comedians Midge Maisel. Durch episodenhaftigere Erzählweise nochmal deutlich spannender als die erste Staffel)

Friends – Staffel 9 (Die New Yorker Clique versprüht auch in der neunten Staffel noch Spaß und man bangt mit ihnen mit)

Star Trek: Discovery – Staffel 2 (Fühlt sich endlich nach einer richtigen Star Trek Serie an. Das Auftauchen von Captain Pike und das Zusammenschmelzen der Crew zu einer Familie tut der Serie sehr gut)

Foodhacks mit Nadiya Hussain – Staffel 1 (Kurzweilige Kochshow um allerhand Kniffe für das Kochen trotz Vollzeitarbeit und Familie)

Chip und Chap – Staffel 2 (Die Rettungstruppe hat auch in der zweiten Staffel wieder allerhand zu tun)

Miss Fishers mysteriöse Mordfälle – Staffel 1 (Crimeserie im Australien der 1920er Jahre mit einer etwas ungewöhnlichen Ermittlerin überzeugt durch viel Charme)

Willkommen in Gravity Falls – Staffel 1&2 (Wunderbare Familienserie mit Mysteryanteil und wundertollen Charakteren)

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 7
Seiten gesamt: 3.014
Seiten pro Tag: 97 im Durchschnitt
Taschenbuch: 7

Obsidian & Onyx: Die beiden Auftaktbände der fünfteiligen Reihe ließ mich am Anfang eher zweifelnd zurück, entwickelte sich dann jedoch in eine gute Richtung. Zeitweise war es schwer, die Bücher überhaupt aus der Hand zu legen.

Erbarmen: Nach langer Zeit mal wieder ein Krimi. Leider war mir der Ermittler nicht wirklich sympathisch und der Fall wirkte stark gestreckt. Ist wohl einfach wirklich nicht mehr mein Genre.

Am dunklen Fluss: Ruby kann sich nicht mehr an den Tod ihrer Schwester in ihrer Kindheit erinnern. Als sie in das frühere Anwesen reist, findet sie nicht nur ein altes Familiengeheimnis, sondern fängt auch an sich zu erinnern. Leider konnte mich die Geschichte nicht wirklich fesseln, zu vorhersehbar waren weite Teile. Das Ende konnte mich dann doch noch überraschen, half dem Buch aber nicht mehr.

Someone Else: Die Fortsetzung von Laura Kneidls Someone New. Diesmal geht es um die Nachbarn Auri und Cassie, die schon lange Mitbewohner sind und sich zueinander hingezogen fühlen. Doch das können sie nicht zugeben, das könnte ihre Freundschaft gefährden. Oder? Schöne Fortsetzung mit anderem Schwerpunkt, wenn auch schwächer als der erste Teil. Geschichte wurde an einigen Stellen deutlich gestreckt, was leider zu kleineren Längen führt. Dennoch ein schönes Buch, vor allem durch Kneidls Schreibstil.

Kirschkuchen am Meer: Marie hatte seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater. Doch als auf der Seebestattung ihres Vaters eine geheimnisvolle Frau auftaucht, muss sie mehr erfahren. Der Weg führt nach Norderney, wo sie nicht nur die Frau sucht, sondern auch einige Lebensentscheidungen hinterfragt. Ein neuer sommerlicher Roman von Anne Barns, irgendwo zwischen Trauer, Sommer und Kirschkuchen.

Breathless 1 – Gefährliches Verlangen: Habe ich die Augen verdreht, als dieser Erotikroman mit einem Vertrag anfing? Definitv! Dennoch entwickelt sich die Geschichte weiter und ist definitiv besser als das offensichtliche Vorbild. Ende ist zwar sehr vorhersehbar und die Charaktere bleiben platt, aber für ein sinnliches Lesevergnügen zwischendurch vollkommen ausreichend.

Rückblick auf den März 2020

Was für ein Monat. Eine Pandemie hält die ganze Welt in Atem. Kontaktverbote führten zur Schließung der Kinos, weswegen dies tatsächlich der erste Rückblick ohne Kinoanteil wird. Zwar wurde die Kinos erst Mitte des Monats geschlossen, aber durch meine Schichten und einen kurzen Urlaub im beinahe menschenleeren Rom – ich war leider genau zu der Zeit da, als dort nach und nach alles geschlossen wurde – kam ich tatsächlich auch vor den Kinoschließungen nicht dazu. Ebenfalls entfällt diesmal die Kategorie der im Kino verpassten Filme. Das liegt daran, dass so viele Filme verschoben wurden, dass ich keinen Überblick mehr habe, welche Filme ich wirklich verpasst habe, oder ich zu einem späteren Zeitpunkt im Kino begutachten kann. Hier nun also die abgespeckte Variante meines Monatrückblicks.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

The Report: Nach den Anschlägen vom 11.09.2001 herrscht Angst in den USA vor weiteren Anschlägen. Daher genehmigt die CIA „erweiterte Verhörmethoden“. Diese stellen sich später als Folter heraus. Daniel Jones (Adam Driver) wird damit beauftragt alles darüber herauszufinden. Woher die Idee kam, wie sie umgesetzt wurde und welche Konsequenzen sie hatte. Leider zieht sich der Film ewig und auch Driver schafft es nicht den Film beinahe allein zu tragen. Da gab es schon bessere Aufdeckungsfilme. – Prime Original

Illuminati: Nachdem ich aufgrund der ganzen Schließungen in Rom an einer Illuminati-Führung teilnahm, hab ich mir zu Hause den Film noch einmal angesehen und somit noch einmal Robert Langdons Wettlauf gegen die Zeit auf der Suche nach den entführten Päpsten kreuz und quer durch Rom verfolgt.

Das schönste Mädchen der Welt: Roxy ist vom Internat in England geflogen und muss nun ganz kurzfristig mit auf Klassenfahrt. Sie freundet sich mit Außenseiter Cyril an, der wegen seiner großen Nase gemobbt wird. Für einige ist dies der beste deutsche Film der letzten Jahre. Dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen. Platte Witze, platte Figuren, die nur darauf ausgelegt sind Klischees zu erfüllen und eine Geschichte, dessen Handlung absolut vorhersehbar war. Man kann es aber auch als Hilfeschrei der Lehrergemeinschaft sehen, denn die Klasse ist der absolute Horror.

Die Frau des Nobelpreisträgers: Joe Castleman bekommt die erlösende Nachricht, dass er den Nobelpreis in Literatur gewonnen hat. So reist er mit seiner Frau Joan und ihrem Sohn nach Stockholm. Doch Joan ist zusehens genervt von ihrer Rolle als Frau an der Seite des Nobelpreisträgers. Ein wichtiger Film über die Entwicklungen im Literaturbereich der letzten Jahrzehnte.

The Aeronauts: 1862. Der Meterologe James Glashier (Eddie Redmayne) will eine Ballonfahrt in revolutionärer Höhe unternehmen. Dafür hat er die Ballonfahrerin Amelia Wren (Felicity Jones) engagiert. Die 101 Minuten des Films werden nachezu in Echtzeit erzählt und nur durch Rückblenden unterbrochen. Und trotz des interessanten Themas, kommt keine richtige Spannung auf. Während Redmayne gewohnt zurückhaltent spielt, verliert sich Jones im nervigen Overacting. – Prime Original

Mein Nachbar Totoro: Nach dem Verlust der meisten Disneyfilme durch Disney+, scheint Netflix die Lücke durch die Produktionen von Studio Ghibli ausfüllen zu wollen. So hatte ich aber die Chance endlich einmal nachzuvollziehen, was hinter der Figur Totoro steckt. Und so verbrachte ich gefühlt einen Sommer lang im ländlichen Japan und begleitete die Schwestern Satsuki und Mei.

Unsere Erde 2: Ein Tag auf der Erde ist ein faszinierender Anblick. Von der Jagd im Morgengrauen bis in die tiefe Nacht hinein, kämpfen die verschiedensten Lebewesen ums Überleben. Faszinierende Bilder erzählt von der ruhigen Stimme Günther Jauchs.

Chris Rock – Tamborine: In diesem Netflix Comedy Special widmet sich Rock dem Themaa Männer und Frauen und wer im Haus wirklich die Hosen an hat. Dabei trifft er nicht unbedingt meinen Humor.

Serien – ein etwas ausführlicher Überblick

Der Prinz von Bel Air – Staffel 5 (Will Smith findet diesmal scheinbar die große Liebe, ausgerechnet in einer Studentin, die sich für eine Verbindung bewirbt)

Friends – Staffel 1-3 (In meinem dritten Versuch mit der Serie habe ich es endlich über die erste Folge hinaus geschafft. Sobald man sich einmal an die etwas kuriosen Charaktere gewöhnt hat, kommt man schnell in die Bingewatch-Falle)

Kim Possible – Staffel 1 (Disney+ bietet zahlreiche Serien meiner Kindheit. Eine davon war Kim Possible. Eine Staffel habe ich bereits durchgebinged)

The Witcher – Staffel 1 (Die Einführungsstaffel konnte mich noch nicht richtig überzeugen. Zu viele Nebenhandlungen und Charaktere.)

Doctor Who – Staffel 10 (Kaum habe ich mich mit Peter Capaldi als Doktor angefreundet, musste ich mich auch schon wieder verabschieden)

The Handmaids Tale – Staffel 1 (Wenn man sich damit abfindet, dass die Buchvorlage praktisch nur Stichwortgeber ist und die Serie viel mehr Details und Hintergründe beleuchtet, ist die Serie zwar noch immer nicht wirklich spannend, aber doch irgendwo sehenswert)

Pixar in real life – Staffel 1 (Kurzweilige Unterhaltung mit den altbekannten Pixarhelden)

Brain Games – Staffel 1-2 (Spannende Einblicke in unser Gehirn und wie es immer wieder überlistet wird)

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 7
Seiten gesamt: 3.063
Seiten pro Tag: 99 im Durchschnitt
Gebundenes Buch: 1
Taschenbuch: 4
E-Book: 1
Hörbuch: 1

Poirot – die großen Vier: Agatha Christie erschuf für Hercule Poirot einen unschlagbaren, großen und einflussreichen Gegner. Herausgekommen ist ein Wirrwarr aus Einzelteilen, die irgendwann zu einer Geschichte verschmelzen, aber so gar nicht zu den bisherigen Werken der Autorin passen wollen.

Harry Potter und der Halbblutprinz: Der sechste Band um den Zauberlehrling lässt sie Welt in Angst erstarren. Denn der böse Zauberer Lord Voldemort ist zurück. Nun liegt es an Harry zusammen mit dem Schulleiter Dumbledore möglichst viel über Voldemorts Vergangenheit herauszufinden.

The Ivy Years 5 – Bis wir uns finden: Der inzwischen fünfte Teil der Ivy-Years-Reihe befasst sich mit Schauspielerin Lianne, die sich in DJ Trevi verliebt hat. Doch dieser hat aktuell ein ganz anderes Problem und kann sich nicht auf eine Beziehung einlassen. In den vorherigen Bänden hat es sich schon angekündigt, aber Autorin Sarina Bowen ist nun endgültig die Puste ausgegangen. So zieht sich die Geschichte ewig und Spannung kommt keine mehr auf.

Origin: Symbologe Robert Langdon ist mit seinem inzwischen fünften Abenteuer zurück. Und während die Geschichte wieder deutlich spannender als die Vorgänger ist, hat Langdon in seiner Rolle als Symbologe diesmal erstaunlich wenig zu tun.

Heute hat die Welt Geburtstag: Keyborder Flake erzählt aus dem Touralltag der Band Rammstein und deren Gründungsgeschichte. Humorvolle Erkenntnisse runden das Buch ab.

Das Café der guten Wünsche: Dies führen die drei Freundinnen Julia, Laura und Bernadette. Drei absolut naive Protagonistinnen, die sich mit dem Misanthropen Robert auseinander setzen müssen. Herausgekommen ist eine furchtbare Handlung, die sich erst ewig zieht und am Ende dann ganz übereilt endet.

Wer die Nachtigall stört: Dieser Klassiker führt den Leser in die 1930er Jahre in den Südstaaten. Die Kinder Jem und Scout des Rechtsanwalts Atticus Finch werden mit dem Rassismus ihrer Stadt konfrontiert.

Sonic – the Hedgehog

Ein Vorwort

Spieleverfilmungen haben es in der Regel schwer. Denn während Buchverfilmungen meist akzeptiert werden und nur bei ganz schlechten Umsetzungen dann kritisiert wird – looking at you Allegiant – werden Spieleverfilmungen grundsätzlich zerrissen. Allerdings nicht nur von den Spielern selbst, können die Filme meist auch den reinen Kinogänger nicht überzeugen. So floppten zuletzt Tomb Raider oder auch ein Assassins Creed. Ob dies bei Sonic besser funktioniert, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Sonic muss aus seiner Welt mit Hilfe von Ringportalen flüchten. Er findet sich auf der Erde wieder, in einer Kleinstadt namens Green Hills. Dort versteckt er sich vor den Menschen, um nicht wieder verfolgt zu werden. Doch die Einsamkeit macht ihm zu schaffen und bei einem einsamen Baseballspiel dreht er durch. Dies ruft jedoch Dr. Robotnik (Jim Carrey) auf den Plan, der nun versucht Sonic mit allen Mitteln zu fangen und seine Kraft zu absorbieren. Sonic bekommt dabei Hilfe vom Polizisten Tom Wachowski (James Marsden). Ein Roadtrip der besonderen Art steht bevor.

Meine Meinung

Ich habe Sonic nie gespielt. Soweit erst einmal die Beichte. Dementsprechend egal war mir auch zunächst die ganze Diskussion um sein Aussehen. Denn nach der Veröffentlichung des ersten Trailers gab es von den Fans einen riesen Aufschrei. Zu menschlich sei der Igel geraten. Rufe nach mehr Ähnlichkeit zum alten Videospiel wurden laut. Regisseur Jeff Fowler gab schließlich dem Drängen der Fans nach und ließ den Igel überarbeiten, was auch den Start verzögerte. Hinterher gab es dann zwar Spekulationen, ob dies vielleicht alles nur ein großer PR-Gag gewesen sei, doch auf diese Richtung möchte ich mich nicht einlassen. Ebenfalls gab es große Kritik im Vorfeld, dass Youtuber Julien Bam die Synchronisation von Sonic übernehmen sollte. Grundsätzlich sehe ich auch ein Problem darin, dass bei Animationsfilmen zusehends mehr „Prominente“ statt ausgebildeter Synchronsprecher genutzt werden, um mit den bekannten Namen zu werben, aber auch das ist ein größeres Thema, das diesen Beitrag sprengen würde. Bam konnte bereits bei Everest zeigen, dass er sich durchaus auf Synchronisation versteht und liefert auch hier eine solide Arbeit ab, verfehlt aber gerade die Feinheiten in den Emotionen. Hier wäre mehr möglich gewesen.
Grundsätzlich kann man Sonic auch als Nicht-Spieler gut sehen, da kein Vorwissen nötig ist. Natürlich übersieht man dadurch ein paar Feinheiten. Ich konnte die Begeisterung meiner beiden Begleiter über den Namen der Kleinstadt Green Hills nicht nachvollziehen, bis sie mir erklärten, dass so wohl die erste Welt damals bei den Spielen hieß. So ist der Fanservice durchaus vorhanden, hält sich aber in einem Rahmen, dass der Film auch ohne schlüssig ist.
Letztlich ist das größere Problem am Film, dass er eine ganz normale Origin-Story ist. Man lernt die beiden Hauptcharaktere Sonic und Tom, sowie den Gegenspieler Dr. Robotnik nach und nach kennen und begleitet sie auf ihrem Roadtrip. Doch die Schwierigkeiten der beiden sind eben die Schwierigkeiten, die fast jeder beim Kennenlernen hat. Und so kommt der Film nicht wirklich aus dem immergleichen Schema heraus und schafft es nicht sich irgendwo hervorzutun. So bleibt auch der Spannungsgrad auf einem konstanten durchschnittlichen Level. Nur wenig Überraschungen hat der Film zu bieten. So ist der eigentliche Mehrwert eben doch das Erkunden der kleinen Fanservices.
Auch ist Toms Frau Maddie, gespielt von Tika Sumpter, der interessantere Charakter von beiden, kommt aber etwas zu kurz. Trotzdem bleibt der Ausblick auf eine Fortsetzung positiv, denn dort könnte man sich nun richtig austoben und auch gute Ideen einbringen. Ich freu mich drauf!

Das Fazit

Sonic – the Hedgehog macht im Gegensatz zu anderen Spieleverfilmungen viel richtig, schafft es aber nicht aus dem altbekannten Schema einer Origin-Geschichte herauszukommen. So verbliebt das Grundgerüst in der Durchschnittlichkeit, der Mehrwert ist dann der Fanservice. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Sonic the Hedgehog läuft seit dem 13.02.2020 in den deutschen Kinos.

Ruf der Wildnis

Ein Vorwort

Bereits 1903 erschien Jack Londons Buch über den Hund Buck, der im hohen Norden Alaskas den Ruf der Wildnis hört. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber dem vernehmen nach, soll es sehr rau und brutal sein, kurzum sehr schonungslos. Der Film ist all das nicht. Ob das Konzept des Films aufgeht und ob der CGI Hund wirklich so missraten ist, wie viele behaupten, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Buck ist ein ziemlich großer Hund, der ein sehr beschauliches Leben in Kalifornien führt. Doch gerät er in die Hände von Hundefängern, die ihn in Zeiten des Goldrausches nach Alaska bringen. Dort arbeitet er zunächst als Schlittenhund. Doch die Wildnis ruft nach ihm.

Meine Meinung

Wie nah sich der Film an die Buchvorlage hält, kann ich nicht beurteilen. Viele werfen dem Film vor sehr weich gespült zu sein. Dem kann ich vom Grundsatz her zustimmen, doch wenn man mit keiner anderen Erwartungshaltung an den Film herangeht, ist das in erster Linie nicht störend.
Problematisch sind wohl die ersten Szenen, die Buck sehr cartoonhaft vorstellen und ziemlich überzeichnet sind. Dies ändert sich, wenn Buck in Alaska landet. Zwar merkt man auch hier noch an einigen Stellen, dass Mensch oder Tier viel zu schnell nachgeben, aber es bleibt dann doch halbwegs realistisch.
Regisseur Chris Sanders inszeniert Londons Buch hier eindeutig als Kinderfilm. Zwar müssen Buck und seine Freunde einige Herausforderungen meistern und geraten in allerhand Gefahren, aber immer so, dass es trotzdem auch von den jüngeren Kindern geschaut werden kann, was die FSK ab 6 Kennzeichnung erklärt. Hierzu gehört eben auch, dass die Tiere mit vergleichsweise viel Mimik animiert wurden. Der Vergleich mit Jon Favreaus König der Löwen liegt hier nahe. Dort waren die Tiere sehr hochwertig animiert, und vor allem sehr lebensnah. Dadurch ging jedoch beinahe vollkommen die Emotionalität des Films verloren. Buck und seinen Freunden sieht man an, dass sie animiert wurden. Der Vorteil ist, abgesehen einmal vom Tierschutz, was grundsätzlich für CGI Tiere spricht, dass dadurch Mimik und Gestik so eingesetzt werden kann, dass eben auch Kinder alle Gefühle und Botschaften verstehen. Theoretisch hätte der Hund aber auch sprechen können, dass hätte auch keinen großen Unterschied mehr gemacht.
Stattdessen haben wir Harrison Ford als Erzähler. Er erzählt die Geschichte von Buck, selbst als die beiden noch nicht aufeinander getroffen sind. Auch hier wird der Zuschauer noch einmal an die Hand genommen, um das erzählte noch einmal zu verstärken. Für einen Kinderfilm nicht unbedingt falsch, der Film entfernt sich so aber immer mehr vom Erwachsenenfilm.
Letztlich bleibt Ruf der Wildnis in dieser Form eine schöne Geschichte mit tollen Landschaftsaufnahmen und einen Hund als Protagonisten, der einen mitleiden lässt. Der Witz im Film ist sehr pointiert und lässt die Kinder immer bei der Stange bleiben. Ob es die Geschichte gebraucht hätte, daraus einen Kinderfilm zu machen, ist eine ganz andere Frage. Gelungen ist es auf jeden Fall. Und daran ändert auch kein cartoonhafter Bösewicht, der mehr schlecht als recht in den Film passt.

Das Fazit

Ruf der Wildnis dürfte viele Buchleser verärgern, schafft es ansonsten aber einen schönen Kinderfilm zu produzieren, mit tollen Landschaftsaufnahmen, spannender und emotionaler Geschichte. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Ruf der Wildnis läuft seit dem 20.02.2020 in den deutschen Kinos.

Nightlife

Ein Vorwort

Dass die Deutschen immer nur Komödien auf die Kinoleinwand bringen, ist ein weit verbreitetes Klischee, das allerdings auch immer wieder gefüttert wird. Während zuletzt Enkel für Anfänger noch als Komödie vermarktet wurde, sich darunter aber ein gutes Drama verbarg, bringt uns nun Regisseur Simon Verhoeven eine sehr platte Komödie auf die Leinwand. Warum Nightlife abgesehen von ein paar guten Ideen, nur wenig kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Milo (Elyas M’Barek) und Renzo (Frederik Lau) wollen ihre eigene Bar eröffnen. Doch dafür brauchen sie Geld. Während Renzo dies beschaffen will, schafft Milo es ein Date mit Sunny (Palina Rojinski) klarzumachen, die eigentlich nach diesem Wochenende einen neuen Job in den USA antreten will. Doch das Date gerät schnell außer Kontrolle, da sich Renzo mit den falschen Leuten angelegt hat.

Meine Meinung

Man nehme zwei erfolgreiche Jungdarsteller aus Deutschland, paare dies mit einer erfolgreichen Jungschauspielerin aus Deutschland, schreibe eine ziemlich abgedrehte Handlung, eine in die möglichst viel Slapstick reinpasst und garniere dies mit Klischees. Oh und man vergesse auf gar keinen Fall die obligatorische Liebesgeschichte. Et voila Nightlife.
Aber was läuft in dem Film nun so verkehrt. Zunächst tatsächlich erstmal gar nichts. Wir haben einen sehr überzeugenden Elyas M’Barek, der sich ein eigentlich cooles Leben aufgebaut hat und nun etwas verändern will. Vom Barkeeper zum Barbesitzer. Dann haben wir einen Frederick Lau, der die Rolle des ständig besoffenen oder zugekifften Kumpel spielt. Hier fangen dann die ersten Klischees an, aber es ist alles noch nicht weiter tragisch. Als weibliche Komponente hätten wir dann jedoch Palina Rojinski. Ihre Rolle der verbitterten, aber eigentlich zutiefst romantisch veranlagten Träumerin scheint dann mehr gewollt als gekonnt reingeschrieben zu sein. Denn eigentlich beschwert sie sich in einem fort über ihren Job und vor allem über Männer und das sie mit denen ja nicht mehr zu tun haben will. Trifft dann aber auf Milo, wirft den Vorsatz über Bord, erinnert sich wieder, dass sie kein Date will, wimmelt ihn ab, stimmt dann einem Date zu, wird dabei leicht versetzt, geht aber natürlich nicht, sagt dann während des Dates immer wieder, dass sie aktuell keine Beziehung will und jetzt gehen wird, geht aber einfach nicht. Hier fangen also schon die Probleme des Films an.
Es geht weiter damit, dass Renzo (Lau) in Schwierigkeiten gerät und dann geraten beide Freunde natürlich immer weiter in Schwierigkeiten, aber Milo will auf das Date nicht verzichten und versucht dann beides unter einen Hut zu bekommen. Man kann Nightlife hier noch zu gute halten, dass er durchaus zwischendurch gute Momente hatte und einzelne Witze durchaus auch funken. Leider habe ich bei den meisten Gags zwar reflexartig gelacht, mir direkt danach aber gedacht „Was ist denn das für ein Scheiß?“. Das spricht leider nicht für die Witze, die meist plump und mit spröden One-Linern daher kommen. So sind die Szenen beim Spieleabend durchaus witzig, zeigen aber auch nur billige Klischees von Rollenspielern und stellen sie alle als kostümliebende Trottel dar. Kann man für ein paar billige Gags durchaus machen, die eigentlichen Witze aus den Szenen hätten aber auch ohne die Klischees funktioniert.
Auch die Antagonisten wurden stupide aus dem Lehrbuch für Bösewichte übernommen. Natürlich sind es erstmal Russen, einer davon möchte jederzeit gerne anderen wehtun oder sie verstümmeln. Natürlich gibt es dann das obligatorische Ultimatum. Dann gibt es als Gegenspieler natürlich auch noch die superbösen Gangsterrapper, die es natürlich nicht schaffen unsere Protagonisten einzuholen.
Und so zieht sich der Film gefühlt von einer belanglosen Szene zur nächsten, man kann keinen Charakter wirklich ernst nehmen, die wenigsten Witze zünden richtig und das große Finale ist dann nur ein weiterer enttäuschender Aspekt – du sprichst russisch? Cool, ich spreche ja auch russisch…

Das Fazit

Nightlife ist einer dieser Filme, die das Klischee, dass die deutschen nur schlechte Komödien können, einmal mehr bestätigt. Plumpe Handlung, flache Charaktere, Witze, die sich nur aus One-Liners ergeben und das wohl schwächste Finale seit langem. Dafür gibt es 02 von 10 möglichen Punkten.

Rückblick auf den Februar

Der kürzeste Monat des Jahres war dieses Jahr gar nicht so kurz und brachte uns relativ zeitig die Oscarverleihung. Bei mir wurde der Februar ein sehr filmlastiger Monat, zum einen, was die Kinogänge anging, aber auch was das Heimkino so zeigte. Aber auch von meiner 20 für 2020 Liste konnte ich ein bisschen was abhaken.

Cinemathek

Porträt einer jungen Frau in Flammen: Malerin Marianne reist auf eine einsame Insel, um Eloise zu malen, die davon aber nichts mitkriegen darf. Dabei knüpfen die beiden Frauen ein ganz besonderes Band. Ein Film voller schöner Bilder, interessanter Charaktere, ruhiger Erzählart und eine versprühende Erotik, die gerade durch die Subtilität funktioniert.

Sneak Preview

Bombshell: Die wahre Geschichte über den Missbrauchsskandal bei FOX News gegen den früheren Senderleiter Roger Ailes. Stark gespielt, versinkt aber in Zeitsprüngen und zu vielen Nebencharakteren, das man der eigentlich wichtigen Handlung nicht richtig folgen kann.

The Gentleman: Drogenbaron Mickey Pearson will sein Imperium verkaufen. Das sorgt für allerlei Trubel. Heraussticht die besondere Erzählart, die dem Film einen ganz eigenen Rhythmus gibt. Sobald man sich an den gewöhnt hat, entfaltet der Film einen Sog, den er bis zum Ende durchhält.

Filme – auf der großen Leinwand gesehen

Jojo Rabbit: Jojo ist in der Hitlerjugend zur Zeit des zweiten Weltkriegs und hat Adolf Hitler als imaginären besten Freund. Doch als er feststellt, dass seine Mutter eine Jüdin versteckt, stellt das sein Weltbild auf den Kopf. Ein Film, der einen auf zwei Weisen zum Weinen bringt. Durch die Komik und Satire und durch die dramatische Geschichte.

Little Woman: Jo March wächst mit ihren drei Schwestern in ärmlichen Verhältnissen auf. Schon früh ist es ihr größter Wunsch Schriftstellerin zu werden. Doch Mitte des 19. Jahrhunderts ist es für Frauen schwierig Geld zu verdienen. Dennoch versucht Jo gegen die strengen Konventionen zu rebellieren. Little Woman ist trotz reduzierter Inszenierung ein Film, der tief ins Herz geht. Durch liebevolle Charaktere und ein Schwesterband, das unerschütterlich scheint, braucht es kaum Drama, um einen einfach nur schönen Film zu inszenieren.

Parasite: Eine arme Familie erschleicht sich nach und nach Jobs bei einer reichen Familie.  Parasite ist ein Film, der verschiedene Genres vermischt und doch eine deutliche Systemkritik spüren lässt. Stellenweise sehr extrem inszeniert, kommt er mit einer starken ersten Hälfte und einer überraschenden zweiten Hälfte daher.

Birds of Prey: Harley Quinn hat sich vom Joker getrennt. Dadurch wird sie zu Freiwild. Sie stimmt zu einen Auftrag des Mafiabosses Sionis anzunehmen. Dabei trifft sie auf noch mehr Frauen, die nach Emanzipation suchen. Der Film hat zwei Schwerpunkte, die beide zu kurz kommen. Dies macht er aber mit einer großen Portion Spaß und Frauenpower wett und schafft es trotz Stolpersteine zu funktionieren. Garniert wird das mit dem besten Finale seit Endgame.

Enkel für Anfänger: Drei Renter stehen an einem Punkt, an dem sie etwas im Leben ändern wollen. So legen sie sich – teilweise nicht ganz freiwillig – Patenenkel zu. Da ist das Chaos vorprogrammiert. Eine gutes Drama, das sich hinter einer nicht funktionierenden Komödie verbirgt. Aber genau dann, wenn der Film ruhiger wird und hinter die Masken schaut, zeigt er seine große Stärke.

Nightlife: Milo und Renzo wollen ihre eigene Bar eröffnen. Doch während Renzo sich in Schwierigkeiten bringt, um an Geld zu kommen, versucht Milo ein Date unter außergewöhnlichen Umständen hinzubekommen. Leider eine Komödie, die eher durch plumpe Witze und Klischees versucht vorwärts zu kommen. Bis auf wenige Momente funktioniert das Konzept nicht.

Sonic – the Hedgehog: Die Videospielreihe bekommt ihre Verfilmung. Dabei wird eine einfache Origin Story erzählt, die für Fans der Spiele durchaus funktionieren kann, für alle andere aber wenig Neues bietet.

Ruf der Wildnis: Der Weg eines Hundes nach Alaska. Dort hat er mit immer neuen Herausforderungen zu kämpfen. Auch wenn viele den CGI Hund kritisieren, findet man gerade durch die übertriebene Mimik des Hundes eine Verbindung und verliert sich schnell in den eisigen Kälten Alaskas.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Erneut gesehen habe ich Dogma und Harry Potter und der Gefangene von Askaban

Die zwei Päpste: Der amtierende Papst Benedikt XVI. und der zukünftige Papst Franziskus treffen sich und führen Gespräche, die zum finalen Rücktritt Benedikts führten. Ein Film, der den Drehbuchoscar durchaus verdient gehabt hätte, denn er schafft es allein durch Dialoge den Zuschauer an den Fernseher zu fesseln. – Netflix Original

Late Night: Katherine Newbury hat eine Late Night Show, die nicht mehr so richtig läuft. Also will sie in ihrem rein männlichen Autorenteam eine Frau engagieren. Die verträumte Molly kommt da gerade richtig. Eim Film über zwei Frauen, die es auf unterschiedliche Art in einer Männerdomäne versuchen. Dabei schafft er es nicht durchgehend eine starke Performance hinzulegen und versinkt in Nebenhandlungen.

Long Shot: Die amerikanische Außenministerin will für das Präsidentenamt kandidieren, doch dafür sollen ihre Reden besser werden. Da passt es ihr sehr gut einen alten Bekannten aus Kindertagen wieder zu treffen. Sein Auftreten passt zwar nicht ins Schema, dafür treffen seine Texte ins Schwarze. Wer auch immer auf die Idee kam  Charlize Theron und Seth Rogen in eine romantische Komödie zu stecken, hatte zwar eine gute Grundidee, doch leider funktioniert der Film eher schlecht als recht. Vor allem, wenn man einen Funken Realismus erwartet.

I,Tonya: Die Geschichte Tonya Hardings, die eine vielversprechende Eiskunstlaufkarriere vor sich hatte, bis der Vorfall mit einer zertrümmerten Kniescheibe ihrer Konkurrentin auf sie zurückfällt. Der Film stützt sich dabei auf Interviews, die einen am Ende immer noch zweifeln lassen, was damals wirklich passiert ist. Dafür bietet er eine starke Geschichte mit engagierten Darstellern.

Isle of Dogs: Ein etwas gewöhnungsbedürftig erzählter Animationsfilm über eine Welt, in der Hunde auf eine Müllinsel zum sterben gebracht werden, weil sie angeblich für Seuchen verantwortlich seien. Und die Geschichte eines Jungen, der auf der Suche nach seinem Hund ist. Der Film punktet durch viele kleine Spitzen und viele kleine Momente und fühlt sich eher wie ein Episodenfilm an. Einen Blick riskieren lohnt sich.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Just Mercy: Ein junge Anwalt setzt sich für Todestraktinsassen ein. Starker Trailer mit starker Botschaft. Hier wäre ich gespannt, was der Film noch alles kann.

Ganz knapp nicht auf die Liste geschafft hat es Chaos auf der Feuerwache

Serien – ein kurzer Rückblick

Im Februar habe ich – mal wieder – die ersten beiden Staffeln von IT Crowd geschaut. Außerdem habe ich die außergewöhnlichsten Häuser der Welt mit Staffel 2b fortgesetzt. Auch diesmal waren wirklich interessante Gebäude in den unterschiedlichsten Ländern dabei. Einen Blick gewagt habe ich auf The Kominsky Method mit der ersten Staffel. Die Serie konnte mich zwar irgendwo kriegen, aber ich kann nicht genau sagen, ob ich die mochte. Und zum Schluss konnte ich endlich bei American Horror Story die vierte Staffel beenden. Die Freak Show hatte mich wie die Staffeln zuvor irgendwann durch ihre hundert Nebenstränge verloren, konnte mich jetzt am Ende aber noch einmal kriegen. Vielleicht ist es einfach eine Serie, die ich nicht am Stück gucken sollte.

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 4
Seiten gesamt: 2.256
Seiten pro Tag: 78 im Durchschnitt
Taschenbuch: 3
E-Book: 1

Was perfekt war: Colleen Hoover ist zurück und präsentiert mit Was perfekt war eine gewohnt gute Liebesgeschichte, doch diesmal geht es auch um die gleiche Geschichte acht Jahre später, wo ein Problem eine funktionierende Ehe zu zerstören droht. Wieder widmet sich Hoover einem wichtigen Thema, schafft es aber eher durch die Rückblenden den Leser bei der Stange zu halten, da sie sich an einem gewissen Punkt in Wiederholungen verliert.

Harry Potter und der Orden des Phönix: Da mein Lebensgefährte sich aktuell zum ersten Mal der Bücher in Form der Hörbücher annimmt, lese ich parallel wieder mit. Der fünfte Band ist bekanntlich der zähste der Reihe, allerdings hatte ich ihn schlimmer in Erinnerung.

Wo das Glück zu Hause ist: Nina liebt Bücher. Als nicht nur sie ihren Job als Bibliothekarin verliert, sondern auch die Bücher ihr Zuhause, eröffnet sie einen mobilen Buchladen in Schottland. Weit ab größerer Städte könnte jedoch mehr auf sie zukommen als nur ein beruflicher Neustart. Ich mochte die Grundidee und wollte das Buch wirklich mögen. Leider verliert sich die Autorin in ihren Ideen, hält sich an bestimmten Teilen zu lange auf und hastet dann an anderer Stelle, so dass ihre Charaktere sehr sprunghaft wirken. Und ihre Protagonistin ist leider ein kleines Naivchen, das natürlich trotzdem alles problemlos meistert. Es konnte mich nicht überzeugen.

Someone New: Laura Kneidl nimmt sich einem neuen Thema an, das viel zu lange Tabuthema war. In über 500 Seiten erzählt sie die Geschichte von Micah, die aus gutem Hause kommt, und ihren verschwundenen Bruder sucht, der nach seinem Outing von ihren Eltern verstoßen wurde. Dabei lernt sie Julian kennen, der ebenfalls ein Geheimnis zu haben scheint. Eine starke Geschichte, die am Ende etwas sprunghaft aufgelöst wurde – was jedoch meckern auf hohem Niveau ist. Am liebsten würde ich das Buch jedem in die Hand drücken.

 

 

Neulich in der Sneak: The Gentleman

Ein Vorwort

2014 brachte Kingsman die englische Eleganz abseits des James Bond Franchises auf die große Leinwand. Mit einer Fortsetzung und einem geplanten Prequel scheint der Film den Nerv der Zuschauer getroffen zu haben. In The Gentleman wird die Eleganz wieder aufgegriffen, allerdings nicht mehr in einem Agententhriller, sondern in einem Film über den großen Drogenbaron Britanniens. Warum der Film mich vor allem durch seinen unkonventionellen Erzählstil überzeugen konnte, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Mickey Pearson (Matthew McConaughey) hat ein großes Drogennetz in Großbritannien aufgebaut. Da er sich gerne aus dem Geschäft zurückziehen möchte, will er es an Matthew Berger (Jeremy Strong) verkaufen. Doch zu dem Zeitpunkt taucht Dry Eye (Henry Golding), ein aufstrebener Kopf in der chinesischen Mafia, auf und will das Geschäft ebenfalls kaufen. Ein Kampf um den Mann mit der größten Macht entbrennt.

Meine Meinung

The Gentleman sticht vor allem dadurch hervor, dass er sich an einem neuen Erzählstil versucht. Denn ein Großteil des Films wird erzählt indem der Privatdetektiv Fletcher (Hugh Grant) bei Pearsons Assistent Raymond (Charlie Hunnam) auftaucht und ihm den aktuellen Stand seiner Ermittlung mitteilt. Dies wird jedoch immer wieder auf die Schippe genommen – „ich hab das mal als Drehbuch verfasst, du kannst auch die Rechte kaufen“ – das der Erzählstil immer wieder etwas neues zu bieten hat. Im Prinzip geht es nur um das Gespräch zwischen den beiden, das immer wieder durch den eigentlichen Film unterbrochen wird. Das ist spannend und funktioniert nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sehr gut. Die ersten 10-20 Minuten braucht man tatsächlich um sich an den Rhythmus des Films zu gewöhnen, aber danach ist man voll drin.
Hilfreich ist wohl auch, dass Guy Ritchie hier ein Who is who in Hollywood versammelt. Matthew McConaughey, Michelle Dockery, Jeremy Strong, Colin Farrell, Charlie Hunnam, Henry Golding, Eddie Marsan und Hugh Grant geben sich hier die Klinke und geben sich schauspielerisch an keiner Stelle gegenüber den anderen eine Blöße. So funktioniert das Zusammenspiel der verschiedenen Charaktere wunderbar. Und trotz der Vielzahl an verschiedenen Namen, kann man sich die Funktion der einzelnen Charaktere wunderbar merken, denn jeder spielt einzigartig und auf andere Art, so dass man sich auf jede weitere Szene freut.
Und so versprüht der Film nicht nur britische Eleganz, sondern auch jede Menge Humor und findet sich immer wieder in den abstrusesten Situationen wieder. Diese sind jedoch so akkurat in die Handlung eingebunden, dass sie nie fehl am Platz wirken. Einziger Wermutstropfen des Films ist nur, dass Michelle Dockery als Pearsons Frau Rosalind zwar eine starke Frau an der Seite eines einflussreichen Mannes spielt, dies jedoch nur ein einer überschaubaren Anzahl an kleinen Szenen zeigen darf. Hier wäre wesentlich mehr möglich gewesen.

Das Fazit

The Gentleman kommt mit einer interessanten Erzählstruktur, spannender Handlung, großartigem Cast und einem ganz eigenen Rhythmus daher. Nach einer Eingewöhnungsphase am Anfang macht der Film einfach nur Spaß. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Birds of Prey

Ein Vorwort

2016 brachte DC uns eine Gruppe von Superschurken in die Kinos. Suicide Squad scheiterte trotz genialer Trailer an der unzusammenhängenden, platten und sinnlosen Handlung. Ob James Gunn den kommenden zweiten Teil retten kann, bleibt noch offen. 2017 versuchte es DC erneut mit einer Gruppenformation. Doch auch Justice League konnte das Ruder nicht rumreißen. Der zweite Teil ist wegen misserfolg bis auf weiteres verschoben. Nun versucht es DC erneut und nimmt dafür eine der beliebtesten Figuren aus Suicide Squad, Harley Quinn, und baut um sie eine Gruppe von Frauen auf, die alle nach Emanzipation streben. Ob Harley Quinn auch als Einzelfigur funktioniert, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Harley Quinn (Margot Robbie) hat sich vom Joker getrennt. Zunächst verschweigt sie das, um weiter unter dem Schutz des Jokers zu stehen. Doch nach einer betrunkenen Befreiungstat ist sie auf einmal Freiwild. Mitten in dem Chaos bekommt sie von dem zwielichtigen Roman Sionis aka Black Mask (Ewan McGregor) den Auftrag einen Diamanten zu besorgen, der sich in der kleinen Taschendiebin Cassandra (Ella Jay Basco) befindet. Doch auch Detective Renee Montoya (Rosie Perez) versucht Cassandra zu finden. Und ganz nebenbei taucht auch noch die mit einer Armbrust bewaffnete Huntress (Mary Elizabeth Winstead) auf.

Meine Meinung

Birds of Prey trägt den Beinamen The Emancipation of Harley Quinn. Und beide Titel zeigen dann auch das Problem des Films. Denn eigentlich wäre nur Platz für eine der beiden Handlungen, aber so werden beide irgendwie in einen Film gequetscht, was beiden irgendwie zu wenig Freiraum gibt, um sich richtig zu entfalten.
Doch kommen wir zunächst zu einen der vielen Sachen, die der Film unter der Regie von  Cathy Yan, die hier ihren zweiten Spielfilm inszeniert, absolut richtig macht. Dazu gehört Harley Quinn als Person abseits der Beziehung zum Joker zu zeigen. War sie in Suicide Squad noch eher Sprüchegeber, darf sie nun gleich die ganze Geschichte erzählen. Sie tut dies als ziemlich unzuverlässige Erzählerin, da sie gerne mal ein paar Sachen verdreht oder in willkürlicher Reihenfolge erzählt. Letztlich kann man der Handlung aber trotzdem folgen. Das es immer nur sehr verschwommene Rückblenden zu ihrer Zeit mit dem Joker gibt, dürfte an der Überwerfung Warner Brothers mit Jared Leto liegen, der sich nach seiner Performance in Suicide Squad ungerecht behandelt fühlt, zumal der Jokersolofilm mit Joaquin Phoenix inszeniert wurde, statt mit ihm. Das ist zwar schade, da man dann sicher noch ein paar mehr schöne Rückblenden hätte einfügen können, der Film funktioniert aber auch so. So muss Harley Quinn zum ersten Mal auf eigenen Füßen stehen und bekommt dadurch gleich jede Menge Probleme. Allein diese Loslösung hätte schon zu einem reinen Actionspektakel werden können, hätte man den John Wick Weg gewählt. Doch soll es in diesem Film irgendwo auch noch um die Birds of Prey gehen.
Diese werden irgendwo am Rande eingeführt, obwohl ihre einzelnen Figuren in den Comics wesentlich tiefer gehen. So wurde beispielsweise Black Canary auch in der Serienlandschaft bereits mehrfach vorgestellt. In Smallville noch in ein paar kleineren Folgen als Gastauftritt, in Arrow dann auch in größeren Rollen. Hier übernimmt Jurnee Smollett-Bell die Rolle der Dinah Lance aka Black Canary, bekommt aber relativ wenig Screentime, um ihre Entwicklung richtig zu erzählen. Arbeitet sie am Anfang als Sängerin für Sionis und später als seine Fahrerin, scheint sie doch das Herz am richtigen Fleck zu haben. Dann gibt es Detective Renee Montoya, gespielt von Rosie Perez, die noch in wenigen Sätzen erklärt wird. So erfährt man, dass sie jahrelang in Beförderungen übergangen wird, weil ihre männlichen Kollegen die Lorbeeren für ihre Taten einheimsen. Die letzte im Bunde ist dann noch die mysteriöse Huntress, deren Beweggründe sehr spät offenbart werden. Allein aus der Geschichte, wie sich diese unterschiedlichen Frauen treffen und zu den Birds of Prey werden, hätte sich ein eigener Film machen können. Und genau hier liegt das Problem des Films.
Denn er erzählt diese zwei Geschichten, will an einer Stelle näher auf die Ursprungsgeschichte der Birds of Prey eingehen, versucht an einer anderen Stelle aber Harley Quinn wieder mehr in den Vordergrund zu rücken, weil sie durch ihre Bekanntheit aus Suicide Squad wohl das Zugpferd des Films sein soll. Dies gelingt ihr auch größtenteils, denn gerade Robbies absolutes Overacting bringt der Figur den nötigen Charme, um den Film eine lockere Note mitzugeben. Denn eigentlich werden so ganz nebenbei schwierige Themen versucht zu verarbeiten. Diese noch ein bisschen mehr herauszuarbeiten, hätte dem Film auch nicht wehgetan.
Ewan McGregor merkt man den Spaß am Spielen seiner Rolle auch merklich an. Hier wird versucht dem Bösewicht noch ein bisschen Hintergrundhandlung zu geben, doch letztlich schließt er sich einer Reihe absolut austauschbarer Comicbösewichte an.
Was im Film dann aber absolut gelungen ist und so ein paar Stolperer im vorherigen Abschnitt vergessen lässt, ist das großartige Finale. Hier stimmt so ziemlich alles. Die Fronten sind geklärt, es folgt ein atmosphärisches Setting, das sich gut wandeln lässt und so Abwechslung bietet und vor allem gut choreographierte Action. Das Finale ist spannend, nebenbei durch kurze Oneliner witzig und raubt einem doch immer wieder den Atem. Hier hätte man gerne mehr gesehen.

Das Fazit

Birds of Prey – the Emancipation of Harley Quinn hat zwei Schwerpunkte, die beide zu kurz kommen. Dies macht er aber mit einer großen Portion Spaß und Frauenpower wett und schafft es trotz Stolpersteine zu funktionieren. Garniert wird das mit dem besten Finale seit Endgame. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Birds of Prey läuft seit dem 07.02.2020 in den deutschen Kinos.

Lindenberg! Mach dein Ding

Ein Vorwort

Nach den Erfolgen von Bohemian Rhapsody und Rocketman, war es nur eine Frage der Zeit, ehe der Trend der Künstlerverfilmungen auch in Deutschland ankommt. Mit Udo Lindenberg wurde der Anfang dann auch gleich mit einem der bekanntesten und vor allem interessantesten Künstlern gemacht. Ob Lindenberg mit der Konkurrenz aus Hollywood mithalten kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Udo Lindenberg (Jan Bülow) wächst in einer Familie von Klempnern auf. Das Verhältnis zu seinem Vater ist durch dessen Alkoholkonsum getrübt. Dennoch bekommt er ein Schlagzeug geschenkt, womit er fortan in verschiedenen Bands mitspielt oder in diversen Clubs als Hintergrundbeschallung. Doch Udo ist sich sicher, dass er eigentlich vor das Mikro gehört und will mit seiner eigenen Band durchstarten.

Meine Meinung

Lindenber!: Mach dein Ding richtet sich ähnlich wie die Verfilmungen zu Queen und Elton John an erster Stelle natürlich an die Fans. Blöd ist es natürlich, wenn man eigentlich wenig über die Figur weiß und neben sich einen Hardcore-Fan sitzen hat, die leider den Unterschied zwischen Kino und Couch zu Hause nicht verstanden hat und einem daher bestimmte Änderungen immer kurz vorher spoilert, aber das ist ein anderes Thema. Doch während die Konkurrenz aus Hollywood es geschafft hat, durch gute Darsteller und spannender Handlung auch das breite Publikum anzusprechen, verpasst Lindenberg irgendwo den Sprung von besoffener Möchtegernkünstler zu Weltstar. So wird einem zwar die Kindheit immer wieder nahgebracht, aber ein Großteil der Handlung sieht man Bülow nur besoffen über die Leinwand torkeln. Unterbrochen wird das von regelmäßigen Zeitsprüngen, die einen oft ratlos zurücklassen, da sie eher willkürlich als dramaturgisch sinnvoll wirken. So wird zunächst zwischen den 70er und 50er Jahren hin und her gesprungen, dann befindet man sich auf einmal in den 60er Jahren und dann wieder in den 70ern, dann in den 50ern und dann geht das Spiel wieder von vorne los. Dabei sind es nur wenige Schlüsselszenen, die einen die Figur Lindenberg und sein Verhalten irgendwo näher bringen. Während bei Rocketman eine Therapiesitzung als roter Faden für die Rückblicke herhalten konnte und Bohemian Rhapsody sich chronologisch erzählte, fehlt hier die allumfassende Rahmenhandlung.
Jan Bülow spielt Udo Lindenberg mit einer absoluten Selbstverständlichkeit, die einen durchaus an den echten Herr Lindenberg erinnert. Auch die Nebendarsteller funktionieren in ihren Rollen. Allerdings lebt keiner seine Rolle wirklich. Letztlich fehlt einfach der Funke, der eine Verbindung zwischen Zuschauer und Charaktere entfachen könnte.
Versteht mich nicht falsch. Grundsätzlich ist der Film schon spannend und es ist interessant zu sehen, wie ein Star, wie Udo Lindenberg, mal klein angefangen hat und mit welchem Hintergrund zum Beispiel ein Cello angefangen hat. Aber diese kleinen Informationshäppchen und die tiefgründigen und guten Momente werden unter einer Wolke aus Alkohol begraben. Der Film hätte einfach so viel mehr gekonnt, wenn er auf das wesentliche zusammengekürzt worden wäre und sich mehr an einem roten Faden orientieren würde. So wirkt er gerade durch die starke Konkurrenz der letzten Jahre eben doch eher zusammenhanglos hingeschustert.

Das Fazit

Lindenberg: Mach dein Ding hat eine spannende Grundhandlung, die sich leider unter zu vielen Szenen versteckt, in denen Hauptdarsteller Jan Bülow einfach nur betrunken durch die Gegend torkelt. Ohne roten Faden und mit zu vielen Zeitsprüngen kann der Film beim Zuschauer leider nur wenig punkten. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Lindenberg: Mach dein Ding läuft seit dem 16.01.2020 in den deutschen Kinos