Star Wars Episode 8 – Die letzten Jedi

Am 14.12.2017 erschien der achte Episodenfilm und der neunte Star Wars Film in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Kaum ein Film wurde in diesem Jahr so gehypted, wie der neuste Star Wars Film. Hier kommen die alten Hasen wieder aus ihren Löchern gekrochen und bevölkern das Kino, hinzu gesellen sich die jüngeren Fans und hier und da sieht man dann die Hardcore-Fans, die ihre geliebten Charaktere direkt als Cosplayer darstellen und so den Kinosaal betreten. Dieser bunte Haufen mit allen Altersklassen, allen Geschlechtern und allem, woran man Menschen sonst noch unterscheiden mag, hat sich versammelt und wieder einmal einen neuen Star Wars Film zu bewundern. Doch heraus kommen sie alle wieder mit gemischten Gefühlen. Zum einen weil die Werbung wieder unnatürlich lang war, weil inzwischen ja wirklich jeder mit Star Wars wirbt (vom Wasser bis zur Christbaumkugel ist alles dabei). Zum anderen, weil Regisseur Rian Johnson diesmal sehr bemüht war, ein etwas anderes Star Wars zu kreieren. Aber neben unzähligen Cameo-Auftritten – habt ihr die Prinzen Harry und William als Sturmtruppler erkannt? – gab es wohl eine Sache, die das Kino verstummen ließ: „In Loving Memory of Our Princess – Carrie Fisher“ heißt es im Abspann. Denn Schauspielerin Carrie Fisher verstarb im Dezember 2016 und präsentierte sich damit zum letzten Mal als Prinzessin Leia Organa und ebenfalls ist sie zum letzen Mal auf einer Kinoleinwand zu sehen.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring diesen Absatz einfach.

In den Prequel-Episoden 1-3 „Die dunkle Bedrohung“, „Angriff der Klonkrieger“ und „Die Rache der Sith“ lernten wir den jungen Jedi-Schüler Anakin Skywalker kennen und sahen seinen Weg zur dunklen Seite der Macht, bis er schließlich zum Sith wurde und im neu gegründeten Imperium als Darth Vader zum Vollstrecker wurde. (Handlung stark zusammengefasst)
In den Episoden 4-6 (die zuerst gedreht wurden und die Grundtrilogie bilden) „Eine neue Hoffnung“, „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ lernten wir Luke Skywalker kennen, der auf einem abgeschiedenen Planeten bei Tante und Onkel aufwuchs. Durch Zufall trifft er auf die Droiden R2D2 und C3PO, die versuchen eine geheime Botschaft der Rebellenanführerin Leia Organa zu Obi-Wan Kenobi zu bringen. Dadurch gerät er mitten in die Rebellion und versucht nun mit dem Kopfgeldjäger Han Solo und dessen Freund Chewbacca Prinzessin Leia zu retten und der Rebellion beizustehen. In Folge der Ereignisse wird das Imperium um den Imperator und Darth Vader besiegt. (Handlung stark zusammengefasst)
Episode 7 „Das Erwachen der Macht“ ist der erste Teil der Sequel-Episoden. Das Imperium ist zwar besiegt, aber in ihre Fußstapfen ist die erste Ordnung getreten. Doch wieder bildet sich um Leia Organa ein Widerstand. Davon unbehelligt wächst die Waisin Rey als Schrotthändlerin auf. Nur durch Zufall begegnet sie dem Flüchtigen Finn und dem Droiden BB-8, der sie auf eine Mission für den Widerstand schickt. Dabei findet sie erstaunliches über sich heraus und beschließt gegen Ende Luke Skywalker zu suchen, um von ihm in den Künsten der Jedi unterrichtet zu werden. Finn und BB-8 schließen sich unterdessen dem Widerstand an.

Die Handlung

Der Widerstand widersetzt sich noch immer der ersten Ordnung. Als ihre Hauptflotte jedoch von der ersten Ordnung verfolgt wird und es kaum noch Hoffnung gibt, überlegen sich Finn und Widerständler Poe Dameron einen Alternativplan. Gleichzeitig trifft Rey auf einer abgelegenen Insel auf Luke Skywalker. Sie bittet ihn dem Widerstand zu helfen und sie in den Künsten der Jedi zu unterrichten. (Stark gekürzt, um Spoiler zu vermeiden)

Meine Meinung

Regisseur Rian Johnson trifft mit Die letzten Jedi für das Star Wars Franchise ganz neue Töne. Denn es gab wohl bisher noch keinen Star Wars Film, der so hoffnungslos daherkam- auch wenn Episode V Das Imperium schlägt zurück schon nah dran war. Allerdings gab es wohl auch noch keinen, der mit so viel Witz, Humor und Sarkasmus punkten konnte. Das kommt nicht bei der gesamten Fangemeinde gut an. Doch der konnte man es in letzter Zeit sowieso nicht Recht machen. Die Grundtrilogie wird noch immer hoch gelobt, die Prequel-Trilogie sollte man nach der Meinung vieler aus den Geschichtsbüchern streichen und das Erwachen der Macht sei ja nur ein billiger Abklatsch der vierten Episode Eine neue Hoffnung. Also wenn man etwas komplett neues erschaffte war es falsch, wenn man sich stark ans Original hielt, war es auch falsch. Also beschloss Johnson einfach seine Vision von Star Wars zu verfilmen und egal, was viele sagen: Es funktioniert. Die Handlung ist sehr reduziert und dadurch in sich schlüssig. Spannende Szenen werden von nachdenklichen abgelöst, um in lustige überzugehen und dann in die Hoffnungslosigkeit zu versinken, um wieder bei den spannenden anzufangen. Dadurch entsteht eine richtig gute Mischung. Denn wäre der Film nur dominiert von der hoffnungslosen Grundstimmung gewesen, ohne die actionreichen und witzigen Ausbrüche zu haben, wäre es wohl eine harte Kost und kein guter Star Wars Film geworden.
Mit 152 Minuten ist Episode VIII der längste Star Wars Film bisher. Doch das wird nur am Ende einmal deutlich, als man das Ende bereits in Reichweite wähnte und dann doch noch ein zweites Finale dazukam. Hätte reduziert werden können, funktioniert bei der ersten Sichtung durch eine hohe Spannungskurve sehr gut. Bei einer zweiten Sichtung dürfte es vermutlich zu einer kleinen Länge führen. Auch der Anfang gestaltete sich etwas holprig, konnte selbst Domnhall Gleeson nicht über seine etwas holprigen Dialoge hinwegspielen. Doch nach kurzer Eingewöhnungsphase findet Die letzten Jedi einen guten Rhythmus.
Die schauspielerischen Leistungen der Darsteller konnte sich sogar noch einmal steigern und endlich ist auch ein Adam Driver als Kylo Ren ein anerkennenswerter Charakter. Mark Hamill hingegen legt wohl die Leistung seines Lebens ab. Noch nie spielte er so stark.
Natürlich hat auch dieser Star Wars Teil gewisse Schwächen. So ist ein gewisser Gegner letztendlich ziemlich leicht zu besiegen und ein paar Figuren agieren mitunter doch sehr naiv – genauere Details würden leider die Handlung zu sehr spoilern. Doch weiß der Film gekonnt über diese hinwegzuspielen, so dass man sie erst bei genauerem nachdenken nach Ende des Films wirklich bemerkt.

Das Fazit

Trotz ein paar kleinerer Schwächen ist Star Wars – die letzten Jedi ein gelungener Film und eine würdige Fortsetzung, auch wenn sich hier die Geister streiten werden. Mir hat er in seiner Gesamtheit gut gefallen, auch wenn der Humor eindeutig aus einer Marvel-Schublade geklaut wurde. Szenenbild, Handlung, Schauspiel und Spannung gehen Hand in Hand auf sehr hohem Niveau. Daher bekommt der Film 09 von 10 möglichen Punkten.

Rückblick auf den Dezember

Bevor wir uns wieder ins mediale Getümmel im neuen Jahr werfen, möchte ich noch kurz – und damit sehr pünktlich! – auf den Dezember zurückblicken. Damit möchte ich mein bisheriges Format „Verpasst im … & mein Lesemonat“ etwas überarbeiten. Hier sollen nun neben den bisher bekannten Rubriken „Verpasste Kinofilme“ und „Gelesene Bücher“ auch die „Gesehenen Filme“ sowohl im Kino als auch zu Hause angerissen werden. Mit den Serien werde ich mich nur bei expliziten Highlights befassen, denn es interessiert wohl kaum eine Aufstellung von „von Serie X habe ich vier Folgen gesehen“.

Filme – auf der großen Leinwand gesehen

Im Dezember habe ich 5 Filme im Kino gesehen. Davon war keiner aus der Cinemathek (kollidierte mit meinen Arbeitsschichten bzw. konnte mich nicht reizen). Interessant ist, dass ich effektiv nur zweimal im Kino war. Denn ich habe einen freien Tag genutzt, um gleich vier Filme hintereinander zu sehen. Bisher lag mein Rekord bei 3 Filmen. Das werden nun viele vielleicht als verrückt bezeichnen, aber für mich gab es anders keine Möglichkeit alle Filme zu sehen. Wie bereits im letzten Beitrag erwähnt, ist auf Arbeit aktuell Hochsaison.

Paddington 2 – Wesentlich besser als erwartet und noch viel spannender und niedlicher als der erste Teil.
Star Wars – Die letzten Jedi – Hier streiten sich aktuell die Geister. Ich bin begeistert vom aktuellen Star Wars Teil!
Dieses bescheuerte Herz – Ich erwartete einen 08/15 deutschen Film und bekam einen so gefühlvollen Film, der weitab von durchschnittlich berühren konnte.
Pitch Perfect 3 – Wer hat sich eigentlich diese dämliche Handlung ausgedacht? Konnte mich nur noch mäßig begeistern.
Jumanji – Schon jetzt eines meiner Filmhighlights für mein laufendes Kinojahr! Er hatte Action, Witz, Humor und Charme und von allem genug, um einen gelungenen Film zu machen!

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Hier möchte ich nur kurz auf die Filme aufmerksam machen, die ich neu gesehen habe, sei es im Fernsehen, DVD oder durch Streaming-Dienste. Gerade um Weihnachten herum habe ich viele Filme nochmal gesehen, die zählen hier aber nicht mit rein.

Where to invade next – Eine interessante Dokumentation über verschiedene Vorteile in Europa gegenüber den USA. Natürlich alles sehr überspitzt, aber sehr gut, wenn man sich darauf einlässt.
Der 100 jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand – Das Buch gefiel mir stellenweise sehr gut, stellenweise war es mir zu abstrus. Der Film konnte aber den Charme des Buches nicht so richtig einfangen und ist daher nur abstrus und konnte bei mir nicht punkten.

Filme – leider in diesem Monat verpasst zu sehen

Die Lebenden reparieren – Ein schwerer Autounfall und ein versagendes Herz. Zwei Menschen, die auf einmal miteinander verbunden sind, ohne vom anderen zu wissen.

S.U.M. 1 – Die Menschen verstecken sich in einem unterirdischen Bunkersystem. Nur einer wird an die Erdoberfläche gelassen, um aufzupassen. Doch Isolation und Einsamkeit fordern bald ihren Tribut.

Zwischen zwei Leben – The Mountain between us – Journalistin Alex und Chirurg Ben müssen beide dringend einen ausgebuchten Flug kriegen. Also chartern sie zusammen einen Privatflug, stürzen aber in einer endlegenden Bergregion ab. Nun müssen sie der Kälte und anderen Gefahren trotzden, wenn sie überleben wollen. Dabei sind sie einander eigentlich fremd.

Ferdinand – Ferdinand ist ein harmoniesuchender Stier. Bis er von einer Biene gestochen wird und auf einmal als gefährlich angesehen wird und in Spanien in eine Stierkampfarena gesteckt wird.

Mein Lesemonat

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Bücher insgesamt: 4 Bücher
Seiten insgesamt: 1935 Seiten
Seiten pro Tag: 62 Seiten im Durchschnitt
Gebundene Bücher: 3
E-Book: 1

Platz 4 – Mein für 7 Tage: Jade ist Lawrence nach Ibiza gefolgt, da sie ihre Jungfräulichkeit an ihn versteigert hatte. Nun hatte sie ihren ersten Sex und noch lange nicht genug davon. Der erste Teil hatte mich wegen der Grundhandlung interessiert – und eine Freundin schwärmte immer und immer wieder von der Autorin – und konnte mich schon nicht so richtig begeistern. Trotzdem gab ich dem zweiten Teil eine Chance. Und wurde wieder nicht wirklich begeistert. Wahrscheinlich lese ich die ganze Reihe noch zu Ende, weil ich doch wissen will, wie es ausgeht.

Platz 3 – Breaking Dawn: Bella und Edward kriegen vermeintlich endlich ihr großes Happy-End in Form einer pompösen Hochzeit. Doch ihr Glück könnte zerstört werden, und sie müssen noch ein letztes Mal mit allem kämpfen, was sie haben. Der Abschluss der Biss-Reihe ist der längste Teil, aber auch mit Abstand der langweiligste. Hier wollte Autorin Stephenie Meyer es wohl den ganzen Fans Recht machen und brachte ein relativ undurchdachtes Werk zu Stande, das nicht mehr mit den Vorgängern mithalten kann.

Platz 2 – Eclipse: Bella und Edward haben sich wiedergefunden. Doch noch immer gibt es eine Gefahrenquelle: Victoria, die Bella töten will, seid Edward im ersten Band ihren Gefährten James tötete. Kann Edward seine Bella auch vor dieser Gefahr schützen? Der dritte Teil, der inhaltlich wieder stärker als der zweite Teil war, aber bei weiten nicht mehr den sehr guten ersten Teil heranreichen konnte.

Platz 1 – Eine Weihnachtsgeschichte: Ebenezer Scrooge ist geizig und nur am Geld scheffeln und nicht an seiner Umgebung interessiert. Bis ihn in der Weihnachtsnacht drei Geister erscheinen und ihm die vergangene, gegenwärtige und zukünftige Weihnacht zeigen. Ein Buchklassiker von Charles Dickens, das ich zuvor zwar in unzähligen Verfilmungen gesehen habe, aber tatsächlich nie gelesen hatte. Ich kann es aber nur wärmstens empfehlen, denn hier verstecken sich noch viel mehr Aussagen als in den Filmen zu sehen ist. Mein Buchhighlight im Dezember.

Jahresrückblick #4 – Filme 2017

In den letzten Jahren strebte ich jedes Jahr wieder die magischen 100 Kinobesuche an. Dieses Jahr gab ich diesen Vorsatz schon von Anfang an auf, da mein Standartkino in meinem Städtchen eben nicht mehr mit der großen Kinolandschaft Leipzigs zu vergleichen ist, wo ich bis Mitte 2016 wohnte. Trotzdem komme ich auf 63 Kinobesuche im Zeitraum Januar-November 2017. Zuzüglich der Cinemathek mit 16 Filmen im Kino liege ich bei 79 Filmen, was trotzdem ein guter Schnitt ist. Hier schafften es filmreiche Monate, wie Januar, Februar und Oktober, die schwachen Sommermonate auszugleichen. In meinem finalen Ranking (basierend auf der gegebenen Bewertung, bei gleicher Bewertung subjektiv nach Bauchgefühl angeordnet) entfallen die Cinemathek-Filme, die ihr eigenes Ranking bekamen, und wurde das Special um Hans Zimmer durch das Netflix-Original To the bone ersetzt. So komme ich auf 63 Plätze, die zu vergeben sind. Also ohne weiter viele Worte zu verlieren, hier ist mein Ranking der gesehenen Filme 2017:

Platz 63: Schneemann
Platz 62: Fluch der Karibik 5 – Salazars Rache
Platz 61: Valerian – Stadt der tausend Planeten
Platz 60: The Lego Batman Movie

Platz 59: Kundschafter des Friedens
Platz 58: The Boss Baby
Platz 57: Ghost in the Shell
Platz 56: Power Rangers
Platz 55: Fack ju Göhte 3 – Final Fuck
Platz 54: High Society
Platz 53: Barry Seal – Only in America
Platz 52: Unter deutschen Betten
Platz 51: My little Pony – der Film
Platz 50: mother!

Platz 49: Elle
Platz 48: Girls Night Out
Platz 47: Baywatch
Platz 46: Die Mumie
Platz 45: Happy Burnout
Platz 44: Abgang mit Stil
Platz 43: Passengers
Platz 42: Hell or high water
Platz 41: xXx 3 – Die Rückkehr des Xander Cage
Platz 40: Mein Blind Date mit dem Leben

Platz 39: Die Schöne und das Biest
Platz 38: Kong
Platz 37: Spider-Man – Homecoming
Platz 36: Bullyparade – der Film
Platz 35: Der dunkle Turm
Platz 34: American Assassin
Platz 33: Wonder Woman
Platz 32: Thor 3 – Ragnarök
Platz 31: The Founder
Platz 30: King Arthur – Legend of the Sword

Platz 29: John Wick 2
Platz 28: Life
Platz 27: Justice League
Platz 26: The Great Wall
Platz 25: Manchester by the Sea
Platz 24: To the Bone
Platz 23: Bad Moms 2
Platz 22: Fences
Platz 21: Split
Platz 20: Happy Deathday

Platz 19: A cure for Wellness
Platz 18: Blade Runner 2049
Platz 17: Mord im Orient Express
Platz 16: Rammstein – Live in Paris
Platz 15: Atomic Blonde
Platz 14: Lion
Platz 13: Logan
Platz 12: Verborgene Schönheit
Platz 11: La la Land
Platz 10: Hacksaw Ridge

Platz 9: Killers Bodyguard
Platz 8: Baby Driver
Platz 7: Es
Platz 6: Coco – Lebendiger als das Leben
Platz 5: Jackie
Platz 4: Guardians of the Galaxy – Volume 2
Platz 3: Kingsman 2 – The golden Circle
Platz 2: Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen
Platz 1: Dunkirk

Was waren eure Highlights? Welche Filme hättet ihr anders positioniert?

Justice League

Am 16.11.2017 erschien der nächste Teil des DC Extended Universe in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Die Konkurrenz Marvel hat es bereits zweimal vorgemacht. Einmal haben sie ihre Helden aus verschiedenen Filmen genommen und einen gemeinsamen Film produziert, heraus kam Marvels The Avengers, welche weltweit sehr erfolgreich waren. Damit nicht genug hat Marvel inzwischen auch seine Serienhelden aufeinander treffen lassen und mit The Defenders gleich eine eigene Kurzserie produziert. Das konnte DC jetzt natürlich nicht auf sich sitzen lassen und bringt nun nach Man of Steel, Batman v. Superman – Dawn of Justice und Wonder Woman bereits mit dem vierten Film das Bündnis in Justice League auf die Leinwand (Marvel wartete damit bis zum sechsten Film). Doch geht das Konzept auch hier wieder auf?

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring diesen Absatz einfach.

In Man of Steel sahen wir die Geschichte von Superman. Wie er vom Planeten Krypton gerettet wurde und auf der Erde landete und von der Kent-Familie groß gezogen wurde. Während seiner Kindheit entdeckte Clark Kent – wie er auf der Erde genannt wird, sein richtiger Name ist Kal-El – dass er übernatürliche Fähigkeiten hat, die er unbedingt verstecken muss. Nach dem Tod seines Ziehvaters verlässt er Smallville auf der Suche nach seiner Identität und stößt dabei im ewigen Eis auf Antworten. Dort trifft er auch auf Lois Lane und versucht nun als Superman Gutes zu tun. Lane kommt zwar hinter sein Geheimnis, beschließt aber niemandem etwas zu sagen. Doch ein großer Angriff steht bevor, denn General Zod, der bereits Krypton zerstörte, versucht nun aus der Erde ein neues Krypton zu erschaffen. Es folgt eine Schlacht, bei der Smallville und Metropolis beinahe völlig zerstört werden.
Genau hier setzt der zweite Film Batman v. Superman – Dawn of Justice an. Batman muss mit ansehen, wie Superman beinahe die komplette Stadt zerstört und wie viele Menschen dabei sterben, darunter auch Mitarbeiter von Wayne Enterprises. Somit will Batman, dass Superman Einhalt geboten wird. Gleichzeitig ist Superman unter seiner Tarnidentität als Reporter beim Daily Planet wenig begeistert von der Selbstjustiz, die Batman ausübt. Als dann auch noch Lex Luthor, ein Großunternehmer, auftritt und für einen politischen Kampf gegen Superman sorgt, kommt es zu einem Bombenattentat, das nur Superman überlebt. In seiner Wut bereitet sich Batman auf einen finalen Kampf vor, um Superman zu besiegen. Doch hat Lex Luthor in der Zwischenzeit aus der Leiche von General Zod das mächtige Monster Doomsday erschaffen. Im finalen Kampf müssen sich Batman und Superman zusammenschließen und auch die Amazone Wonder Woman kommt ihnen zu Hilfe. In Folge des Kampfes stirbt Superman.
Der dritte Solofilm beschäftigt sich dann mit der Vorgeschichte von Wonder Woman, die als Amazone Diana auf der Insel Themyscira aufwächst. Ihre Insel ist vor den Augen der Welt verborgen, bis sich ein Soldat aus dem ersten Weltkrieg auf die Insel verirrt. Sich völlig sicher, dass der Kriegsgott Ares dahinter steckt, folgt Diana dem Ruf des Krieges und schließt sich dem Soldaten Steve Trevor an und verfolgt den deutschen General Erich Ludendorff, den sie für Ares hält und mit dessen Tod der Krieg beendet sein sollte. Nach beendeter Schlacht beschließt Diana nicht in ihre Heimat zurückzukehren, sondern nach Paris zu ziehen und als Restauratorin im Louvre zu arbeiten.

Die Handlung

Durch die Abwesenheit von Superman auf der Erde werden alle möglichen Wesen angezogen. Besorgt über die Entwicklung versucht Bruce Wayne alias Batman ein Team mit außergewöhnlichen Leuten zusammen zu stellen. Die Amazone Diana Prince alias Wonder Woman hilft ihm dabei. So treffen sie auf Arthur Curry alias Aquaman, Barry Allen alias The Flash und Victor Stone alias Cyborg. Und das gerade rechtzeitig, denn Steppenwolf ist auf die Erde zurückgekehrt und versucht die Mutterboxen an sich zu reißen, die zuvor zwischen Amazonen, Atlanten und Menschen aufgeteilt wurden.

Meine Meinung

Das DC Extended Universe hat es schon nicht leicht. Egal, wie viel Mühe sie sich geben, nach einigen Fehlversuchen – unter anderem der zuvor hoch gehypte Suicide Squad, der auch zum DCEU gehört, aber nicht in direkter Verbindung zu den Geschehnissen in Justice League steht – ist das Image der Film bereits im Vorfeld sehr schlecht. Die vorgefertigte Meinung wurde durch die Nachricht, dass Regisseur Zack Snyder aus persönlichen Gründen kurz vor Drehende aussteigen musste und sein Nachfolger erst einmal wieder Nachdrehs verordnete, natürlich noch unterstützt. Dennoch hatte der direkte Vorgängerfilm Wonder Woman einige Fans gewinnen können. In welche Reihe würde sich nun Justice League eingliedern?
Die Handlung wird stringent erzählt. Zunächst taucht die neue Bedrohung in Form von Steppenwolf auf. Dann wird das neue Team zusammengestellt und zu guter Schluss folgt der finale Kampf. So weit so bekannt. Exakt der gleichen Abfolge bediente sich auch Marvels The Avengers. Doch während Marvel seine Filme bekannterweise eher bunt und voller Humor ausstattet, wählt DC bewusst dunkle Töne und spart sich den Humor ein bisschen auf. Und obwohl der Handlungsablauf so vorkonstruiert bekannt ist, schafft es Justice League doch ein ganz eigenes Tempo zu entwickeln und den Film doch nur im ganz groben aber nicht im Detail vorhersehbar zu machen. Dadurch wird der Spannungsbogen oben gehalten. Dafür sorgen viele gute Ideen, die üblichen Probleme beim Aufeinandertreffen von verschiedenen Charakteren und Flash, der eben doch ein bisschen Humor mitbringt. Lediglich das Ende ist dann doch ein bisschen „zu einfach“ gehalten und stört die bisherigen Ideen sehr.
Eine Schwäche von Justice League ist jedoch, dass sie sich zwar die Zeit nehmen den Bösewicht vorzustellen – auch wenn dieser natürlich wieder als übermächtiges Wesen dargestellt wird, der eigentlich gar nicht besiegt werden könnte – aber sich nicht die Zeit nimmt die neuen Charaktere intensiver vorzustellen. Es mag zwar sein, dass für Aquaman inzwischen auch ein Solofilm geplant ist, aber trotzdem wären ein paar mehr Minuten Vorstellung durchaus angebracht gewesen. Der Länge von 120 Minuten hätte es nicht geschadet. Auch über Flash erfährt man mitunter viel zu wenig, lediglich Cyborg bekommt noch ein paar Minütchen Vorgeschichte. Dadurch bekommt man Charaktere vorgesetzt, die man nicht einschätzen kann und dessen Bedeutung daher kleiner erscheinen.
Wobei sich Justice League definitiv nicht verstecken muss, ist das Setdesign und die visuellen Effekte. Denn fürs Auge wird hier sehr viel geboten. Auch die Musik von Danny Elfman, der eigentliche immer ein Garant für einen coolen Soundtrack ist, ist genau passend, auch wenn sie nicht zwangsläufig dauerhaft in Erinnerung bleibt.
Die schauspielerischen Leistungen sind alle solide, auch wenn keiner so richtig heraussticht. Lediglich Jason Momoa als Aquaman schafft es mit seiner Präsenz einen sofort in den Bann zu ziehen und die Rolle direkt von der festgefahrenen Vorstellung auf den Comics – ich sag nur Seepferdchen! – zu lösen.

Das Fazit

Justice League ist zwar nicht der erhoffte Durchbruch des DCEU, aber trotzdem in sich ein grundsolider Film. Wenn sich DC weiterhin von Film zu Film steigert, schaffen sie vielleicht noch den Durchbruch. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Coco – Lebendiger als das Leben

Am 30.11.2017 erschien ein neuer Disney/Pixar-Film in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Im letzten Jahr entführte uns Disney wortwörtlich ins Paradies. Da dies einen Haken hatte – ja der deutsche Untertitel ist ein schlechter Wortwitz – musste die Häuptlingstochter Vaiana losziehen, um ihre Insel zu retten. Auch schon in früheren Filmen wurde sich gerne einmal mit anderen Kulturen auseinander gesetzt, wie beispielsweise in Mulan. In diesem Jahr zeigt uns Disney eine mexikanische Tradition in ganz neuem Licht. Denn am Día de los Muertos, dem „Tag der Toten“, nimmt uns Disney tatsächlich mit in das Land der Toten.

Die Handlung

Miguels größter Traum ist es Musik zu machen. Doch seit sein Ururgroßvater die Familie für die Musik verließ, hasst die Familie alles was mit Musik zu tun hat. Am Día de los Muertos will Miguel bei einem Talentwettbewerb teilnehmen und klaut dafür die Gitarre seines großen Vorbilds Ernesto de la Cruz. Da er aber am Totentag einen Toten bestiehlt, befindet er sich von nun an in der Totenwelt und braucht den Segen seiner Familie, um wieder zurück in seine Welt zu gelangen. Zeit dafür hat er bis Sonnenaufgang.

Der Vorfilm

Bei Disney ist es ja üblich, dass es vor dem Hauptfilm noch einen kleinen Vorfilm gibt. Da Coco pünktlich zur Weihnachtszeit in die Kinos kommt und man eben doch gerne öfter auf Altbewährtes setzt, ist es diesmal ein neuer Kurzfilm mit den Charakteren aus „Frozen – Die Eiskönigin“. In Arendelle wird Weihnachten gefeiert, doch da Anna und Elsa jahrelang nicht miteinander gesprochen haben, haben sie keine Weihnachtstradition. Also beschließt Olaf einfach alle Bewohner Arendelles nach ihren Traditionen zu befragen.
An sich einer süßer kleiner Film mit den liebgewonnen Charakteren. Leider wurde in die 20-Minuten dann ein ganzer Dramaaufbau wie in einem 90 Minuten Film eingebaut, weswegen der Vorfilm einfach viel zu überladen ist. Es hätte eigentlich der kurze Teil gereicht, in dem Olaf von Tür zu Tür geht und nach verschiedenen Weihnachtstraditionen fragt. Hier steckte Liebe, Musik und Weihnachtsstimmung in vielleicht fünf Minuten. Ohne das andere Drum und Dran, wäre es vollkommen ausreichend gewesen.

Meine Meinung

Coco – Lebendiger als das Leben heißt der neue Film aus Disneys Traumfabrik, wieder einmal in Zusammenarbeit mit Pixar, was in den letzten Jahren immer für gute Filme stand. Auch diesmal wieder ist der Film gut überlegt und bringt den Kindern eine neue Kultur bei. Denn der Dias de los Muertos ist im Gegensatz zu der weit verbreiteten Darstellung in Film und Fernsehen nicht nur ein großes Fest mit aufwändigen Verkleidungen, sondern auch ein Familienfest. Denn jede Familie stellt die Bilder der verstorbenen Verwandten auf einen Altar und feiert zusammen mit der Familie, dass die Toten noch einmal zu Besuch kommen, weswegen auch immer Gaben auf den Altar gestellt werden. Coco verbindet die Festlichkeiten dann gleich noch mit einem direkten Übergang in die Totenwelt. Gerade hier zeigt Disney/Pixar wieder ihre komplette kreative Spannweite, denn das Totenreich ist bunt gemalt, hat viele schöne Einfälle, um den Übergang in die Menschenwelt zu beschreiben und wirkt daher auch auf kleine Kinder nie beängstigend.
Hinzu kommt eine Handlung, die zwar irgendwo dem üblichen Schema folgt und daher kaum Überraschungen bietet, aber durch das ganze Ambiente den Zuschauer doch durchgehend ins Staunen versetzt. Die Charaktere sind alle ordentlich gestaltet und charakterisiert und bis auf eine Ausnahme, folgen sie kaum den üblichen Klischees, was den Film trotz vorhersehbare Handlung doch sehr erfrischend macht. Natürlich darf die Tränendrüse diesmal auch wieder nicht fehlen, ist aber nicht so penetrant wie bei anderen Disneyfilmen.
Musik spielt auch hier wieder eine große und wichtige Rolle, schließlich will Miguel unbedingt in die Fußstapfen seines großen Vorbilds treten. Dabei wird sich hier auf Folklore festgelegt, die wunderbar zur Handlung und zum Ambiente des Films passt, jedoch fehlt letztendlich so ein bisschen die Hymne, also das eine Lied, das jeder aus dem Film kennt. Es fehlt praktisch das „Hakuna Matata“ von Coco.

Das Fazit

Alles in allem hat Coco – Lebendiger als das Leben alles, was ein guter Film braucht. Eine schöne Geschichte, gutes Ambiente, stimmungsvolle Musik und verschiedene Charaktere. Punktabzug gibt es dennoch für die etwas zu vorhersehbare Handlung. Alles in allem kommen wir damit auf 08 von 10 möglichen Punkten.

 

Bad Moms 2

Am 09.11.2017 erschien die Fortsetzung der Bad Moms Reihe in den deutschen Kinos

Ein Vorwort

Erst im letzten Jahr überraschten die Bad Moms in den deutschen Kinos. Endlich ein Film, der die Aufopferungsbereitschaft einer Mutter würdigte, der Mütter nicht als perfekt darstellte, aber doch als immer bemüht perfekt zu sein. Der erste Teil überzeugte durch eine gute Handlung, einen starken Cast, viele verschieden Klischees und deren Bereinigung und vor allem viel Witz, der gar nicht so häufig unter der Gürtellinie landete, wie vorher angekündigt. Die Gags waren gut durchdacht und funktionierten immer an den richtigen Stellen. Wie es bei erfolgreichen Filmen so ist, bleibt eine Fortsetzung nicht aus. Und so müssen die Bad Moms in diesem Jahr Weihnachten überstehen.

Die Handlung

Weihnachten steht vor der Tür. Für alle Mütter eine stressige Zeit. Auch die „Bad Moms“ Amy (Mila Kunis), Kiki (Kristen Bell) und Carla (Kathryn Hahn) haben in den Jahren zuvor immer stark geschuftet, um das perfekte Weihnachtsgefühl zu überzeugen. Doch damit ist in diesem Jahr Schluss. Es soll endlich einmal ein gemütliches Weihnachten werden, auch für die Mütter. Doch da haben noch ein paar mehr Menschen ein Wort mitzureden. Denn auch Mütter haben Mütter. Und Ruth (Christine Baranski), Isis (Susan Sarandon) und Sandy (Cheryl Hines) kommen alle zu Weihnachten zu Besuch und mischen die dortigen Vorbereitungen ordentlich auf.

Meine Meinung

Wenn ein Film erfolgreich ist, dauert es bekanntlich nicht lange, bis eine Fortsetzung in die Kinos kommt. Beispiele aus der letzten Zeit zeigen jedoch, dass das Erfolgsrezept nicht unbedingt mit einer Fortsetzung vereinbar ist. Man nehme als Beispiel nur den Reinfall um die Fack ju Göhte-Reihe, die nach einem gelungenen ersten Teil nicht mehr mithalten konnte. Doch Bad Moms 2 hat die grundlegenden Probleme einer Fortsetzung verstanden und sich damit auseinander gesetzt. Als Ergebnis bekommen wir einen Film geliefert, der tatsächlich immer noch rund ist und funktioniert. Denn während im ersten Teil noch das Hauptthema „Wie ist man eine gute Mutter“ auf unsere Bad Moms bezogen wurde und ihre Konflikte mit ihren Männern und Kindern gezeigt wurden, lässt der zweite Teil nun die Mütter der Mütter aufkreuzen und das Thema in „Bin ich eine gute Tochter und wie fühlt sich meine Mutter“ umändern. Dadurch werden thematisch noch einmal ganz neue Aspekte beleuchtet, die wieder auf andere Art und Weise zum Nachdenken anregen. Natürlich brodeln auch diesmal die ernsten Themen unter der Oberfläche, denn als Komödie macht auch Bad Moms 2 einfach nur Spaß. Die Witze sind pointiert, durchdacht und selten unter der Gürtellinie. Dadurch wird Bad Moms 2 zwar auch nicht gerade zum Familienfilm, aber die Zielgruppe wird abgeholt.
Handlungstechnisch verläuft Bad Moms nach einem bekannten Schema und die Wendungen sind relativ vorhersehbar. Aber darauf will der Film gar nicht aus, denn der Spaß kommt an keiner Stelle zu kurz, weswegen die Spannung auch gerne einmal ein bisschen unter den Tisch fallen darf. Die etwas kuriose Liebesgeschichte zwischen Carla und dem Weihnachtsmann wirkt im ersten Moment zwar etwas befremdlich, im Endeffekt passt es aber zur Charakterisierung Carlas und bringt noch einmal neuen Schwung hinein.
Die Treffsicherheit der Gags hat leider im Vergleich zum ersten Teil doch etwas nachgelassen, weswegen der zweite Teil bei aller Mühe doch ein bisschen hinter dem ersten zurück bleibt. Aber dennoch wird man gut unterhalten, was man sich von einer Komödie auch erhofft.

Das Fazit

Vom Spaßfaktor leicht hinter dem ersten Teil, aber dennoch eine würdige Fortsetzung mit gut pointierten Witzen, einer interessanten Handlung, auch wenn etwas vorhersehbar, und einem Wiedersehen mit unseren Chaos-Müttern. Dafür gibt es 07 von 10 Punkten.

Cinemathek: Rückkehr nach Montauk

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Rückkehr nach Montauk. Der Film lief ursprünglich ab dem 11.05.2017 in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Montauk ist ein kleines Küstendörfchen auf Long Island. Das Wahrzeichen ist der Leuchtturm und viel mehr hat Montauk auch nicht zu bieten. Trotzdem zieht es immer wieder Filme oder Bücher als Handlungsort an. Dazu gehören der fiktive Ort Amity aus der weiße Hai, der bei Montauk liegen soll, die Serie „the Affair“ spielt zu großen Teilen in Montauk und Frank Schätzings Roman „Der Schwarm“ spielt teilweise beim Leuchtturm von Montauk. Auch der Schriftsteller Max Frisch widmete sich in seinem Werk „Montauk“ einer autobiographischen Erinnerung. An eine Liebe, die er nie vergessen konnte und die er unmittelbar mit Montauk verbindet. Diesem Werk widmet der Regisseur Volker Schlöndorff seinen Film „Rückkehr nach Montauk“, der irgendwo auf Frischs Werk basiert, aber trotzdem vielen verschiedenen Einflüssen unterzogen wurde.

Die Handlung

Der in Berlin lebende Autor Max Zorn (Stellan Skarsgård) ist für ein paar Tage in New York, um sein neustes Werk zu präsentieren. Darüber freut sich besonders seine jüngere Lebensgefährtin Clara (Susanne Wolff), die in New York lebt. Doch eine alte Geschichte lässt Zorn nicht los. Und so sucht er seine ehemalige Liebe Rebecca (Nina Hoss) auf, die aber nichts mehr von ihm wissen will. Dennoch brechen sie ein paar Tage später zu einem Ausflug nach Montauk auf, wo Rebecca sich ein Haus ansehen möchte und wo sie einst so glücklich zusammen waren.

Meine Meinung

Dass der Film sehr literarisch angehaucht ist, merkt man bereits in der allerersten Einstellung, in der Stellan Skarsgård als Max Zorn mindestens fünf Minuten lang nur aus Zorns neustem Werk vorliest. Hier bleibt die Kamera zu 100% an Skarsgårds Gesicht, was aber dennoch erstaunlich gut funktioniert, zumindest im Originalton. In der deutschen Synchronisation fällt zuerst auf, dass Skarsgårds eigentliche Synchronisationsstimme ausgetauscht wurde. Die neue passt weder zum Wesen des Schauspielers noch sind die Lippenbewegung wirklich synchron. Wenn man hierrüber aber hinweg sieht, ist es eine sehr interessante Art der Einleitung, weil der Zuschauer zunächst nicht weiß, wem wird diese Geschichte gerade erzählt. Erst nach über fünf Minuten wird die Kamera geschwenkt und man sieht die faszinierten Gesichter der Zuhörer.
Nach dieser Einleitungsphase beginnt eine etwas zähe Geschichte, die zwischen verschiedenen Presseterminen, Lesungen und privaten Ausflügen von Zorn hin und her schwenkt. Die zähe Erzählweise passt zwar zu Skarsgårds Interpretation seiner Rolle, die er sehr schwerfällig und grüblerisch mimt. Wirkliche Sympathien kann man aber an keiner Stelle zu ihm aufbauen, ebenso wenig wie zu seiner Freundin Clara. Im Gegensatz dazu stehen seine PR-Agentin Lyndsay, die durchgehend für den lockeren Teil und eine gute Atmosphäre sorgt und die ehemalige Freundin Rebecca. Auch wenn diese am Anfang sehr forsch, abweisend und leicht arrogant rüberkommt, ändert sich dies im Laufe des Films sehr stark und sie entwickelt sich zur Sympathieträgerin des Films.
So richtig ins Rollen kommt der Film aber erst nachdem bereits die Hälfte vorbei ist und der Ausflug nach Montauk ansteht. Ab hier entwickelt der Film eine ganz eigene Dynamik und wird trotz langer Phasen ohne ein gesprochenes Wort und dann wieder längerer Phasen mit langen Monologen spannend. Hier entfaltet sich erst das gesamte schauspielerische Können von Skarsgård und Hoss, die in ihren Rollen brillieren. Die Gefühle überrollen die Charaktere, wie die Wellen des Atlantiks den Strand von Montauk. Leider muss man erst den ersten Teil über sich ergehen lassen, um zu diesem interessanten und spannenden Teil überzugehen. Und obwohl der zweite Teil sehr spannend gestaltet ist, bleibt der Film in Montauk doch immer etwas verträumt und in der Erzählweise doch sehr ruhig.

Das Fazit

„Rückkehr nach Montauk“ ist wie ein alter Klassiker. Man muss wissen, dass man sich auf einen Film einlässt, der stark literarisch geprägt ist und daher sehr ruhig erzählt wird. Die schwächere erste Hälfte wird mit einer umso viel stärkeren zweiten Hälfte getoppt, muss den Zuschauer aber erst einmal wieder aus einer gewissen Trance herausholen. Für Fans von stark gespielten und ruhig erzählten Stücken. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Happy Deathday

Am 16.11.2017 erschien eine neue Variante von Täglich grüßt das Murmeltier mit Horroreinschlag in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort:

1993 erschien der Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray in der Hauptrolle in den Kinos. Die Faszination den gleichen Tag immer und immer wieder zu erleben und bei jedem Neustart die Möglichkeit zu haben, etwas zu verbessern, fasziniert die Kinowelt bis heute. Seither wird das Handlungsprinzip regelmäßig wieder aufgegriffen, entweder in ganzen Filmen, zuletzt in Tom Cruises „Edge of Tomorrow“, der bereits den passenden Originaltitel „Live, Die, Repeat“ trug, oder in dem Drama mit dem viel zu langen Titel „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“. Alternativ wird das Prinzip auch gerne in einzelnen Serienfolgen verwendet, wie beispielsweise in Supernatural. Happy Deathday ist also auch kein gänzlich neuer Film. Aber sind wir dem Murmeltier inzwischen überdrüssig oder funktioniert das Filmprinzip noch immer?

Die Handlung

Tree führt ein relativ normales Collegeleben. Als Mitglied einer Studentenverbindung lebt sie ein ziemliches Partyleben und wacht auch prompt zu Beginn des Films in einem fremden Bett auf. Da Carter aber nicht so wirklich ihren Ansprüchen genügt, flieht sie schnell in ihr eigenes Zimmer. Unterwegs begegnet sie mehreren Personen, die nicht ganz gut aus sie zu sprechen sind. So beginnt ein durchschnittlicher Tag am College. Doch etwas ist anders. Denn an diesem Abend wir Tree ermordet… und wacht wieder im Bett von Carter auf. Völlig verwirrt, erlebt sie von nun an den gleichen Tag immer und immer wieder und wird jeden Abend wieder ermordet. Als sie sich schließlich Carter anvertraut, ist dieser ganz zuversichtlich: Immerhin hat sie unbegrenzt Möglichkeiten den Mord an sich aufzudecken.

Meine Meinung

Als Horrorkomödie ausgeschrieben und mit einer Altersfreigabe ab 12 Jahren gekennzeichnet. So richtig für voll, wurde der Film von Anfang an nicht genommen. Dementsprechend gering war die Erwartungshaltung, mit der ich den Kinosaal betrat. Und natürlich zeigt Happy Deathday viele Elemente, die man bereits viel zu oft gesehen hat. Aber gerade das Prinzip College-Bitch muss sich bessern, mit ein paar Horrorelementen – der Film orientiert sich zeitweise eher an einem Thriller als an einem Horrorfilm – und dann dem Murmeltierteffekt dazu, scheint gut zu harmonieren. So ist zwar einiges vorhersehbar, aber Happy Deathday hat trotzdem die eine oder andere Überraschung parat und überzeugt vor allem durch seine grandiose Selbstironie. So nimmt er sich durchgehend nicht so ganz ernst, was viele lustige Szenen hervorruft, bleibt aber doch in sich logisch und präsentiert ein gut durchdachtes Werk.
Mit einer Lauflänge von 97 Minuten, hat Happy Deathday genau die richtige Länge, um durchgehend spannend zu bleiben. Wäre der Film länger geworden, wäre man dem Thema irgendwann überdrüssig, wäre er kürzer geworden, hätte die logische Aufklärung viel zu gehetzt gewirkt. So aber lässt sich Happy Deathday an genau den richtigen Stellen Zeit und überfliegt die anderen. Gerade das Ende wird dann noch einmal herausgezögert, was ein mutiger Schritt ist und positiv im Gedächtnis bleibt – hier mehr zu sagen, würde leider stark spoilern – weil es doch eine Überraschung birgt.

Das Fazit

Happy Deathday hat weder die College-Bitch muss sich bessern-Handlung neu erfunden, noch Täglich grüßt das Murmeltier revolutioniert. Aber in der Kombination und dem gewissen Etwas an Selbstironie macht der Film einfach Spaß und eignet sich perfekt für einen verregneten Sonntagnachmittag, wenn man über einen Film nicht allzu sehr nachdenken möchte, sondern sich eher der leichten Unterhaltung widmet. Der Spannungsbogen wird gut gehalten. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Fack ju Göhte 3 – Final Fuck

Am 26.10.2017 erschien der dritte und (hoffentlich) letzte Teil der Fack ju Göhte Reihe in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort:

Als im Jahr 2013 der erste Teil der Fack ju Göhte Reihe in die deutschen Kinos kam, hätte wohl niemand mit dem unbeschreiblichen Erfolg des Filmes gerechnet. Zeki Müller und seine Chaosklasse trafen genau den richtigen Punkt. Die überforderten Lehrer und die missmutigen Schüler wurden angesprochen und das ganze als Komödie mit sozialkritischem Inhalt konzipiert. Alle Figuren waren irgendwo überzogen dargestellt, aber es funktionierte. Der Erfolg wurde dann im Jahr 2015 noch einmal getoppt, auch wenn die Fortsetzung inhaltlich weit hinter dem starken ersten Teil zurück blieb. Nun sollte der Erfolg noch einmal getoppt werden mit dem großen Final Fuck. Doch schafft der dritte Teil die Kurve zur Qualität des ersten oder orientiert er sich doch an dem allzu abgedrehten des zweiten Teils?

Was bisher geschah:

Hier soll es einen kleinen Überblick über die ersten zwei Filme geben, für alle, die diese entweder verdrängt haben oder den dritten Teil sehen möchte, ohne die anderen zu kennen. Spoiler sind dadurch nicht vermeidbar.

Im ersten Teil lernten wir den Sträfling Zeki Müller kennen, der nach einem Bankraub seine Strafe abgesessen hat. Nun will er eigentlich nur noch sein Geld holen und ein neues Leben beginnen. Doch eben jene Person, der er das Geld anvertraut hat, hat dieses auf einer Baustelle vergraben, auf der inzwischen die neue Turnhalle der Goethe-Gesamtschule steht. Also will er sich als Hausmeister in der Schule einschleusen, um nachts heimlich nach seinem Geld zu graben. Leider gibt es ein kleines Missverständnis mit der Direktorin und er wird promt als Lehrer engagiert. Damit nicht genug, bekommt er auch noch die assozialste Klasse der ganzen Schule zugeteilt. Dumm und doch absolut von sich eingenommen und dabei um keinen Streich verlegen. Herr Müller hat ebenso wenig Lust Unterricht zu geben. Doch müssen sie sich alle zusammenreißen und wachsen so zusammen.

Im zweiten Teil findet Zeki Müller Diamanten im hohen Wert, die jedoch durch blöde Zufälle als Spende in Thailand landen. Um diese zurückzuholen, muss er zusammen mit der Klasse der Konkurrenzschule und seiner Chaosklasse auf Klassenfahrt nach Thailand. Natürlich sind seine Schüler kaum zu bändigen. Trotzdem erleben sie zusammen ein großes Abenteuer.

Die Handlung:

Eine Schulprüfung steht in der Goethe-Gesamtschule an und diese verläuft absolut katastrophal. Jetzt steht der 11. Klasse auch noch ein Eignungstest bevor, damit sie überhaupt zum Abitur zugelassen werden. Gerade Herr Müllers Klasse trifft das besonders tief, da sie noch immer ein Problem mit ihrem Selbstvertrauen haben. Können sie sich noch ein letztes Mal zusammenreißen?

Meine Meinung:

Wenn in der Anfangssequenz einmal das Schulgebäude der Goethe-Gesamtschule gezeigt wird, ist sie vorallem eins: völlig verdreckt. Hier möchte man weder Lehrer noch Schüler sein. Umso verständlicher, dass alle ein bisschen unmotiviert sind. Die Lehrer haben kaum noch Lust zu unterrichten, die Schüler sind aufgedreht, wie eh und je. Doch neben den in Fack ju Göhte üblichen Themen, wie Versagensangst und das unter Kontrolle kriegen von ausgeflippten Teenagern, nimmt sich der dritte Teil noch ganz fest dem Thema Mobbing an und dem Druck der Eltern. Aber natürlich können diese Themen nicht einfach so angesprochen werden, sondern es muss einen großen Knall geben. Auf diesen großen Knall arbeitet der Film jedoch handlungstechnisch nicht wirklich hin. Hier und da verwebt er einzelne Handlungsstränge, die vielleicht, vielleicht aber auch nicht, irgendwann mal etwas miteinander zu tun haben.
Zum einen ist da die Handlung über Zeki Müller, der um seinen Job bangt, weil die Schule kurz vor der Schließung steht, wenn nicht einige Maßnahmen getroffen werden. Dann geht es um die 11. Klasse mit Danger, Chantal & Co, die natürlich kein bisschen Bock auf Schule haben, andererseits aber auch eine Menge Angst vor der Zukunft haben. Dann gibt es den Handlungsstrang über die Lehrerin Frau Enzberger, die in den vorherigen Teilen nie auftauchte und nun wohl die Lücke von Frau Schnabelstedt füllen soll, da Karoline Herfurth im dritten Teil nicht mehr mitspielt – die Gründe wurden in zwei Sätzen abgehandelt und an keiner Stelle sinnvoll im Film untergebracht. Dafür geht es gleichzeitig noch um eine andere Klasse, in der ein Schüler sehr stark gemobbt wird und weil das alles noch nicht ausreicht, geht es noch um ein paar Schüler, die einen Selbstmord planen. Somit ist der gesamte Film eigentlich völlig überladen, um auch nur ein einziges Thema richtig ausführen zu können. Aber darum wird sich auch gar nicht bemüht, kann man die Lauflänge doch erreichen, in dem man einen schlechten Witz nach dem nächsten reißt. Während die Charaktere Chantal, Danger & Co im ersten Teil mit ihrer Art noch belustigen konnten, sind sie inzwischen so sehr überzeichnet, dass man die Grundidee hinter ihnen kaum noch erkennen kann. So scheint der dritte Teil auf dem ersten Blick lediglich wie ein stark überzeichneter und überladener Abklatsch des ersten.
Aber dennoch verbirgt sich unter der dreckigen Schale irgendwo doch eine Moral und einzelne Augenblicke zeigen doch, dass sich mit den Problemen der Schüler auseinander gesetzt wird und man auch den Zuschauer irgendwo ernst nimmt. Ohne diese einzelnen Szenen wäre der dritte Teil wohl wie der zweite ein kompletter Reinfall geworden. Im großen und ganzen kann er aber durch seine inzwischen vollkommen abgedrehten Gags nicht mehr überzeugen.

Das Fazit:

Fack ju Göhte 3 – Final Fuck lädt wieder ein, mit den gleichen bekannten Charakteren, noch derberem Humor und einer völlig abgedrehten Handlung. Dabei will der Film gleichzeitig zu viel und zu wenig und kann sich so weder auf ein Thema, noch auf eine Aussage einigen und bleibt irgendwo in der Belanglosigkeit stecken. Ein gelungener Abschluss einer erfolgreichen Reihe sieht anders aus. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Mord im Orient Express

Am 09.11.2017 erschien eine Neuverfilmung des Agatha Christie Romans in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort:

Agatha Christie gilt nicht umsonst als „Queen of Crime“. Ihre 66 Kriminalromane, unter anderem mit den weltberühmten Detektiven Hercule Poirot oder Miss Marple, und ihre Kurzgeschichten wurden weltweit über 2 Milliarden Mal verkauft und gehören zu den meistübersetzten Werken weltweit. Während sie der Theaterwelt wenig vertraute und die auf ihren Werken basierenden Theaterstücke immer selbst inszenierte, sieht es in der Filmwelt anders aus. Denn hier sind ihre beiden Meisterdetektive Miss Marple und Mr Poirot altbekannte Figuren. Trotzdem schien es an der Zeit zu sein, die Werke Christies erneut auf die Leinwand zu bringen. So begeisterte sich Kenneth Branagh sowohl für die Neuverfilmung eines der Christie-Werke, als auch für die Darstellung des Detektivs Hercule Poirot. Wie schon in der Fassung von 1974 liest sich auch die Besetzungsliste von Branaghs Remake des Stoffes wie ein Who-is-Who in Hollywood. Der Trailer setzte die Erwartungen sehr hoch. Doch kann der Film diese Erwartungen halten?

Die Handlung:

Der Orient-Express von Istanbul bis Paris ist gut gefüllt, als der Detektiv Hercule Poirot (Kenneth Branagh) einsteigt. Die Wagen der ersten Klasse sind komplett gefüllt, weswegen er sich ein Abteil mit dem Sekretär MacQueen (Josh Gad) teilt. Doch mitten in der Nacht kommt es zu einem Mord. Nun ist die Liste der Verdächtigen zwar überschaubar, immerhin müsste es einer der Passagiere sein, doch steht Poirot vor seiner größten Aufgabe, obwohl er doch eigentlich nur seinen Dickens lesen wollte. Waren es der Graf und die Gräfin Andrenyi (Sergei Polunin & Lucy Boynton), die Prinzessin Dragomiroff (Judy Dench) mit ihrer Zofe Hildegarde Schmidt (Olivia Coleman), der Butler Masterman (Derek Jacobi), der mit dem Sekretär MacQueen und dem Gangsterboss Ratchett (Johnny Depp) reist? Oder waren es vielleicht doch die Einzelreisenden? Die Witwe Hubbard (Michelle Pfeiffer), die Missionarin (Penelope Cruz), die Gouvernante (Daisy Ridley), der Arzt Arbuthnot (Leslie Odom Jr.) oder doch der Professor Hardman (Willem Dafoe)?

Meine Meinung:

Mord im Orient-Express beginnt zunächst mit der Aufklärung eines anderen Falls, in dem der Protagonist Poirot vorgestellt wird. So soll der Zuschauer schnell einen Zugang zu ihm kriegen und als Sympathiefigur des Films verstehen. Leider ist Poirot so exzentrisch, dass er nicht wirklich als Identifikationsfigur herhalten kann. Wenn man sich trotzdem an seine Art gewöhnt, hat man mehr Freude an seiner Aufklärungstechnik. Denn Branaghs Mord im Orient Express orientiert sich sehr stark an den Vorlagen und erzählt die Geschichte immer mit einer gewissen Ruhe. Wer aufregende Dialoge, spannende Verfolgungsjagden oder ausgeklügelte Verhörmethoden sucht, sitzt eindeutig im falschen Film. Christies Werk wird voller Respekt behandelt. Der Spannungsbogen selbst ist dadurch zwar nicht sonderlich hoch, aber der Mörder bleibt doch lange Zeit unentdeckt. Die Vermutungen überschlagen sich und wechselns ebenso häufig. Mit seinen 114 Minuten fehlt dem Film die Zeit alle Figuren bis ins Detail vorzustellen, weswegen der Zuschauer gebannt Poirots Ausführungen folgt, da er als einziger den Überblick bei den Charakteren zu halten scheint und ihm Sachen auffallen, die jedem Laien entgangen wären – ganz so wie es sich für einen Meisterdetektiv gehört.

Durch die bedrückende und einengende Atmosphäre des Zuges wird das Katz und Maus Spiel doch noch spannender als zunächst vermutet. Keiner kann weg, jeder könnte der Mörder gewesen sein. Die Enge des Zuges lässt auch das Kamerateam sehr kreativ sein, was die Einstellungen betrifft. So sind nicht nur die üblichen Einstellungen zu sehen, sondern auch immer mal wieder neuartige, die frischen Wind in den Film bringen. Und zwischendurch gibt es dann doch kleine Szenen, die die Spannung durchaus erhöhen.
Ebenfalls ein interessanter Schachzug ist es, neben den ganzen hochkarätigen Namen der Schauspielriege auch wenige unbekannte hinzuzufügen. Während sich Branagh, Dafoe, Dench und viele weitere einer Oscarnominierung oder sogar eines Oscargewinns rühmen können, schafft es trotzdem sich Daisy Ridley (Star Wars – das Erwachen der Macht) ebenfalls in den Vordergrund zu spielen, auch wenn sie vor Star Wars kaum Rollen vorzuweisen hatte. Einen Schritt weiter geht Branagh dann noch bei der Besetzung von Sergei Polunin als Graf Andrenyi, der bisher erfolgreicher Ballettänzer war und zum ersten Mal für einen Kinofilm vor der Kamera stand. Dennoch muss auch er sich nicht verstecken. Castingtechnisch macht Mord im Orient Express also auch vieles richtig.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Mord im Orient Express interessante Kameraführungen hat, den Cast gut ausgewählt hat und sich gleichzeitig auch nah an die Romanvorlage hält. Doch der schmale Grad zur Modernisierung des Materials gelingt letztendlich nicht. So fesselt der Film nicht genug, erzeugt zu wenig Spannung und auch die Auflösung wird im komplett ruhigen Ton des Films gezeigt. Dadurch fehlt dem Film das gewisse Etwas, den gewissen Pepp, der das Werk außergewöhnlich gemacht hätte. So ist Mord im Orient Express zwar ein guter Film, bleibt aber doch hinter den Erwartungen zurück.

Das Fazit:

Wer einen ruhig erzählten Kriminalfall, der in sich an jeder Stelle schlüssig ist – dank der guten literarischen Vorlage – mit einem starken Cast und nicht allzu viel Wert legt auf das außergewöhnliche oder einem hohen Spannungsbogen ist mit Mord im Orient Express genau richtig bedient. Für alle anderen dürfte der Film an der einen oder anderen Stelle doch enttäuschend wirken. Dafür gibt es 7,5 von 10 möglichen Punkten und damit das erste Mal, dass auf dieser Seite halbe Punkte vergeben werden.