Netflix Original: Enola Holmes

Ein Vorwort

Bevor ich überhaupt irgendetwas von dem Inhalt des Films wusste, sprangen mir bereits die Schlagzeilen über die Klage der Doyle-Erbengemeinschaft entgegen. Was war passiert? Nun vereinfacht gesagt, wird der Sherlock im Film Enola Holmes wohl relativ menschlich dargestellt, er zeige Gefühle und respektiere Frauen, was die literarische Figur wohl nur in den letzten zehn Geschichten von Doyle tat, die der Autor erst nach dem 1. Weltkrieg schrieb. Und genau an diesen hat die Erbengemeinschaft noch Rechte dran. Während andere Adaptionen, wie die BBC Serie Sherlock oder auch Elementary auch ohne es zu müssen, an die Erbengemeinschaft zahle, weigere sich Netflix hier. Wie die Geschichte ausgeht? Ich habe keine Ahnung. Ob mir der Film trotzdem gefallen hat? Oh ja, warum verrate ich euch in meiner Kritik.

Die Handlung

Enola Holmes (Millie Bobby Brown) wächst weitgehend allein bei ihrer Mutter (Helena Bonham Carter) auf, da ihre beiden älteren Brüder Sherlock (Henry Cavill) und Mycroft (Sam Claflin) bereits ausgezogen sind und der Vater früh verstarb. Dadurch wächst sie sehr untypisch für Mädchen ihrer Zeit auf. Sie kann kämpfen, spielt Tennis im Haus und lernt das Entschlüsseln von Anagrammen. Als ihre Mutter an ihrem 16. Geburtstag spurlos verschwindet, will sich Mycroft ihrer Erziehung annehmen und sie in ein Mädcheninternat stecken. Sherlock soll sich unterdessen der Suche nach der Mutter widmen. Doch Enola hat keine Lust auf das Internat und flüchtet. Mit ein wenig Geld, dass ihre Mutter für sie versteckt hatte, schafft sie es nach London und trifft unterwegs auf den ebenfalls flüchtigen Lord Viscount Tewksbury (Louis Partridge).

Meine Meinung

Ich mag Sherlock Holmes und viele seiner Adaptionen. Daher fiel mir die Entscheidung diesen Film zu sehen nicht schwer. Und ich wurde auch nicht enttäuscht. Denn Enola Holmes mag zwar „nur“ die kleine Schwester des berühmten Detektiv zu sein, aber ihre Geschichte hat den typischen Charme der Geschichten, eine schöne Geschichte, eine tolle Protagonistin und spannende Rätsel zum entschlüsseln. Aber fangen wir vorne an.
Wir lernen zunächst Enola und ihre Mutter kennen. Dabei erzählt Enola ihre Geschichte selbst und durchbricht dadurch gerne einmal die vierte Wand, was den Zuschauer von Anfang an mitten in die Geschichte eintauchen lässt. Man erfährt in kürzester Zeit alle wichtigen Informationen und schon geht die Geschichte los mit dem Verschwinden der Mutter. 
Enola ist dabei ein sympathischer kleiner Wildfang, die sich nicht an bestehende Konventionen halten will, und auch ihre Kindheit war alles andere als normal. Millie Bobby Brown schafft es die verschiedenen Stimmungen und Emotionen unserer Protagonistin sehr gut einzufangen und umzusetzen. Egal, ob sie sich als Junge verkleidet, kämpfen muss oder eine Lady spielt. Dabei muss sie sich keinesfalls hinter ihren Schauspielkollegen Cavill, Claflin oder Bonham-Carter verstecken. 
Henry Cavills Sherlock ist dann schon ein wenig seltsamer. Denn er passt nicht in das bekannte Bild des Meisterdetektivs. Das ist an dieser Stelle aber durchaus nichts schlechtes, spielt er ihn doch als eleganten Mann, der sich hinter einer eisernen Fassade versteckt und nur ganz selten Emotionen zeigt. Er ist ein sehr nachdenklicher und grüblerischer Sherlock, was zur Stimmung des Films passt und einen guten Kontrast zu Claflins Mycroft bildet. Dieser ist nämlich eine ebenfalls gewagte Darstellung. Während man vielleicht zu sehr an Mark Gatiss Darstellung aus der BBC Variante gewöhnt ist, haben wir hier zwar noch immer einen eleganten Mycroft, aber eben auch einen sehr eitlen und eingebildeten. Claflin schafft es seine Rolle an die Grenze zum Übertriebenen zu treiben, ohne diese zu überschreiten. 
Kommen wir also zur Handlung. Diese ist in mehrere Rätsel unterteilt, die gelöst werden wollen, laufen aber schließlich zu einer großen Handlung zusammen. Dabei ist sie durchgehend spannend, Enola hat einige gute Ideen zur Entschlüsselung, die auch optisch sehr gut umgesetzt wurden. Vor allem die Optik des Films sticht hervor. Man merkt, dass für den einst als Kinofilm geplanten Film ausreichend Budget zur Verfügung stand, so dass man sich an den Bildern und auch einem realistisch verdrecktem London kaum satt sehen kann. Die Rätsel reichen aus, um einen kompletten Film zu füllen, ohne das man von Schauplatz zu Schauplatz hetzen muss. 
Und zu guter Letzt möchte ich noch erwähnen, dass Burn Gorman mitspielen durfte, den ich immer wieder sehr gerne sehe. Und ja, das mag vielleicht lediglich für mich ein Pluspunkt sein, aber ich wollte es nicht unerwähnt lassen.

Das Fazit

Enola Holmes ist ein intelligent geschriebener Film mit tollen Schauspieler, schöner Optik, spannender Handlung, interessanten Rätseln und vor allem toller Protagonistin. Eine absolut Sehempfehlung! 

Doctor Sleep – Kritik zu Buch & Film

Ein Vorwort

Eigentlich sollte es in dieser Kategorie ein bisschen mehr Vielfalt geben, als der dritte Beitrag über Stephen King, aber aus Doctor Sleep musste ich einfach eine Doppelkritik machen, weil ich das Buch letztes Jahr eigentlich nur in die Hand genommen habe, um es vor dem Kinostart gelesen zu haben. Dass ich den Film dann im Kino gar nicht sehen konnte, war ärgerlich, aber dafür gab es nun meine Heimkinopremiere. 

Die Handlung

Dan Torrance kennt der treue Leser noch aus Shining. Er hat die Ereignisse im Overlook-Hotel überlebt und erliegt Jahre später, wie einst sein Vater, dem Alkohol. Für einen Neuanfang zieht er in ein kleines Städtchen, wird trocken und bekommt schließlich einen Job als Pfleger in einem Hospiz. Dort macht er sich einen Namen als Doctor Sleep, weil er den Patienten in ihren letzten Minuten beisteht. Das er diese mit Hilfe seines Shinings besonders angenehm gestaltet, weiß außer ihm keiner. Er hat eine besondere Verbindung zu dem Mädchen Abra, das er noch nie gesehen hat. Sie können über ihr Shining kommunizieren. Von ihr erfährt er, dass es eine Gruppe von Wesen gibt, die sich selbst als Wahren Knoten bezeichnen, die sich vom Shining und der Angst von Kindern ernähren, da sie dadurch nicht sterben. Als der Wahre Knoten es nun auf Abra abgesehen hat, versucht Dan alles, um den Knoten entgültig aufzuhalten.

Meine Meinung zum Buch

Stephen King schreibt keine Mehrteiler und keine Fortsetzungen. So hieß es lange Zeit. Tatsächlich ist Doctor Sleep seine erste Fortsetzung. Die Geschichte, was aus dem kleinen Danny wurde, sollte einfach erzählt werden. Dabei stellt er wieder ein paar sehr ernste Beobachtungen an. Zum einen, dass Kinder mit Alkoholikern als Eltern oft ins gleiche Schema verfallen. King selbst kämpfte mit Alkohol und Drogen, weswegen er die Sitzungen der anonymen Alkoholiker im Buch auch sehr ausufernd beschreibt und die Grundsätze an vielen Stellen in die Geschichte einwebt. Zum anderen, dass das Shining bedrohlich sein kann. In diesem Fall durch den Wahren Knoten, die Kinder mit Shining suchen, quälen, töten und dann das Shining aufsaugen. Beide Beobachtungen führen zu einer logischen Schlussfolgerung, nämlich dieser Geschichte. Allerdings lebt sie hauptsächlich von Kings unfassbar gutem Erzählstil. Denn für das erzählte ist die Geschichte zu lang. Vieles hätte man weglassen können, dann wäre das Buch vielleicht ein bisschen spannender gewesen. Versteht mich nicht falsch, nach normalen Maßstäben war das Buch durchaus spannend. Wenn man es aber beispielsweise mit seinem direkten Vorfahren „Shining“ vergleicht, dann merkt man dem Buch die Längen an, da es einfach nicht die gleiche bedrohliche Stimmung schafft. Letztlich würde ich das Buch als Gut, aber nicht als Herausragend bezeichnen. King schafft es wieder auf die Charaktere und ihre Zwiespalte einzugehen und eine Fortsetzung zu schaffen, die sich von ihrem Vorgänger löst und gleichzeitig mit ihm verbunden bleibt. 

Meine Meinung zum Film

Mit Verfilmungen von Stephen King Werken ist es so eine Sache. Gerade seit dem Erfolg von dem Es-Remake sprießen sie wieder aus dem Boden. Friedhof der Kuscheltiere konnte an den Erfolg schon nicht anknüpfen. Doctor Sleep – oder Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen, wie der deutsche Verleih ihn nennt – hatte nun das Problem, das auch noch Stanley Kubricks Shining-Verfilmung irgendwo mit drin steckt. Während für viele dadurch wohl die Messlatte hoch gelegt wurde, war für mich eher das Problem, das Kubrick einige Änderungen vornahm, die nun zwangsläufig wieder mit aufgegriffen wurden. Um es kurz zu machen: Ich mag Kubricks Shining nicht. Ich gehe da ganz mit Stephen King mit, dass die Stimmung und der langsame Spannungsaufbau mit steigendem Wahnsinnslevel im Overlook-Hotel von Kubrick nicht eingefangen wurde, sondern viel zu plakativ dargestellt wurde. Für mich musste Doctor Sleep also eine Hürde mehr nehmen. 
Das vordergründigste Problem, das ich mit der Doctor Sleep Verfilmung habe, ist die Länge von 152 Minuten unter Streichung vieler interessanter Elemente. Das eine Verfilmung immer Elemente und Handlungsstränge aus einer Buchvorlage – gerade einer so umfangreichen, wie Kings – streichen muss, ist mir völlig bewusst. Aber wenn die Entscheidung nun so fiel, dann hätte der Film auch deutlich kürzer sein können. Denn die noch übrigen Elemente werden nun so langatmig erzählt, dass man bereits 90 Minuten sah und sich fragt, wann denn die eigentliche Handlung nun ansetzt. Hier wäre eine kompaktere Erzählung besser gewesen, oder wenn man die Länge hätte halten wollen, dann bitte mit mehr Inhalt. 
Das letztlich auch der finale Kampf stark vom Buch abweicht, ist dann wohl wieder Kubrick geschuldet, der einfach sein eigenes Ende schrieb und im Film daher ganz andere Möglichkeiten geschaffen wurden. Hier versucht der Film auch nochmal alles aus diesen Möglichkeiten auszuschöpfen, letztlich hat er den Zuschauer aber an diesem Punkt schon verloren, so dass der finale Kampf einen auch nicht mehr zurückbringt. 
Schauspielerisch ist der Film auf einem guten Niveau, vor allem Rebecca Ferguson merkt man ihren Spaß und ihren Enthusiasmus an ihrer Rolle deutlich an. Ewan McGregor spielt gewohnt solide, holt aus seiner Rolle aber auch nicht mehr raus. 

Das Fazit

Während das Buch sich wieder voll und ganz auf die Charaktere konzentriert und eine solide Handlung um diese baut und vor allem durch Kings Erzählstil lebt und spannend bleibt, verliert sich der Film in seiner Oberflächlichkeit. Durch die lange Lauflänge bei vergleichsweise wenig adaptiertem Inhalt kann der Film keine Spannung aufbauen.  Während das Buch wohl zu Kings schwächeren Erzählungen gehört, was aber dem ansonsten sehr hohem Niveau geschuldet ist, und trotzdem noch eine solide Leistung abliefert, ist die Verfilmung irgendwo knapp unterm Mittelmaß. 

Eine Handvoll Serien

Heute mit: einer faszinierenden Familiengeschichte, einer ungewöhnlichen Superheldenfamilie, ein Weckruf der Erde, einen Einblick in die indische Tradition der Heiratsvermittlung und einer Geisterband. 

This is us – Staffel 1

Die Handlung: Familie Pearson ist nicht unbedingt alltäglich. 1980 erwarten die Eltern Jack (Milo Ventimiglia) und Rebecca (Mandy Moore) Drillinge. Kevin (Justin Hartley) und Kate (Chrissy Metz) kommen zur Welt, doch das dritte Baby stirbt bei der Geburt. Wie es der Zufall so will, wurde am gleichen Tag ein Baby vor einer Feuerwache ausgesetzt und ins gleiche Krankenhaus gebracht. Die Pearsons adoptieren Randall (Sterling K. Brown). Die Serie wechselt zwischen der Geschichte der Eltern in den 1980er Jahren und denen der erwachsenen Kinder hin und her.

Meine Meinung: Vielfach bei den Emmys nominiert, vereinzelte auch gewonnen, auf jeden Fall immer hoch gelobt. Schon länger hatte ich die Serie auf dem Schirm, nun habe ich sie endlich auch mal angefangen. Grundsätzlich gefällt sie mir auch richtig gut. Die Probleme und Dramen sind realitätsnah und durch die drei sehr unterschiedlichen Wege der Kinder auch sehr anders und jedes auf seine Art und Weise interessant. Durch den Wechsel zwischen den Geschichten bleibt auch die Spannung stets erhalten. Hinzu kommen die wirklich guten Schauspielleistungen aller Darsteller. Problematischer ist für mich die Menge an Drama. Nie gibt es einen Stillstand oder irgendetwas ist einfach mal gut. Ständig wird nur auf den nächsten großen Knall hingearbeitet. Und da das in den insgesamt 18 Episoden der ersten Staffel einfach so oft vorkam, gibt es dann auch kein richtiges Staffelfinale mehr, da gefühlt schon alles an Drama aufgebraucht war. Bedeutet, dass ich This is us immer nur in kleinen Häppchen sehen kann, damit es mir nicht zu viel wird. Dennoch weicht das Drama oft auch vom Schema ab und Entscheidungen werden nicht stereotypisch, sondern zum Charakter passend getroffen, was wirklich erfrischend ist. 

This is us ist bei Amazon Prime im Abo enthalten

The Umbrella Academy – Staffel 2

Die Handlung: Die sieben Mitglieder der Umbrella Academy konnten dem Weltuntergang, hervorgerufen durch Nummer 7/Vanya (Ellen Page) mit Hilfe von Nummer 5 (Aidan Gallagher) entgehen. Sie landen alle in den 1960er Jahren, aber nicht im gleichen Jahr. Als schließlich auch Nummer 5 ankommt, herrscht erneut Weltuntergang. Nur mit Hilfe schafft es Nummer 5 noch einmal ein paar Tage vor die Apokalpyse zu springen und muss nun seine Geschwister zusammen suchen. Doch die haben sich teilweise schon ein ganz neues Leben aufgebaut.

Meine Meinung: Schon die erste Staffel der Umbrella Academy konnte begeistern. Auch wenn es schwer vorstellbar war, aber die zweite Staffel schafft es spielerisch noch einmal ordentlich einen drauf zu legen. Durch die unterschiedlichen Leben, die sich die Geschwister aufgebaut haben, bleibt genügend Zeit um ihre Charaktereigenschaften noch einmal näher zu betrachten. Dennoch wird es wieder spannend durch die drohende erneute Apokalypse, die sie wieder verhindern wollen. Dabei hat die Serie es inzwischen geschafft eine gute Grunddynamik zwischen den Charakteren aufzubauen, die hier wieder voll ausgeschöpft wird. Hinzu kommen einige altbekannte Gesichter und einige neue in mehr oder weniger wichtigen Nebenrollen. Es kommt zu einigen absurden Situationen, die auch den Humoraspekt der Serie wieder befeuern. So klebt man am Bildschirm vor Spannung und kann zwischendurch auch herzlich lachen. Auch wenn Teilaspekte wie eine Wiederholung der ersten Staffel wirken, kommen immer genügend neue Ideen dazu. Das ganze wird unterstrichen von einem auf den Punkt gebrachten Soundtrack. Wer auch immer in einer großen Schlacht die Backstreet Boys spielen wollte, verdient gefälligst einen Preis. Es war auf jeden Fall wieder ein Wechselbad der Gefühle und das ist absolut positiv gemeint.

The Umbrella Academy ist bei Netflix im Abo enthalten

Down to Earth with Zac Efron – Staffel 1

Die Handlung: Zac Efron hat sich mit Wellness-Experten Darren Olien zusammengetan. Zusammen reisen sie um die Welt, um verschiedene Konzepte zum den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu begutachten und der Erde einfach mal zuzuhören.

Meine Meinung: Down to Earth hat im deutschen den wenig passenden Titel „Um die Welt mit Zac Efron“. Der Titel ist nicht nur unaussagekräftig, sondern verfehlt wohl auch die Zielgruppe. Denn Zac Efron kennt man wohl am ehesten durch seine Schauspieltätigkeit. Von seinen Anfängen mit High School Musical zu seinen gewöhnungsbedürftigen Komödien, wie Bad Neighbors oder Dirty Grandpa. Doch hier erleben wir Efron fern ab von Hollywood und dadurch auch von einer ganz anderen Seite. Denn schon seit längerem befasst er sich selbst mit den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Inspiriert hat ihn das Buch von Darren Olien, woraus eine Freundschaft entstand, die schließlich zu dieser Serie führte. Zusammen bereisen die beiden Orte auf der Welt, die faszinierende Konzepte für gewisse Probleme entwickelt haben. Zum Beispiel bereisen sie Frankreich mit dem öffentlichen Wasserkonzept und einer Heilquelle. Oder sie untersuchen in Sardinien die hohe Lebenserwartung der Einheimischen. Durch die sehr unterschiedlichen Themen bleibt es stets spannend und man kann durchaus für sich etwas mitnehmen. 

Down to Earth ist bei Netflix im Abo enthalten

Indian Matchmaking – Staffel 1

Die Handlung: Sima Taparia ist eine Heiratsvermittlerin. Sie lebt in Mumbai, hat aber Klienten in Indien und den USA. Die Serie verfolgt sie bei ihrer Arbeit und erzählt die Hintergründe der indischen Tradition der Heiratsvermittlung und wie sich die moderne Variante von der früheren unterscheidet.

Meine Meinung: Zu dem Thema Heiratsvermittlung hatte ich eine Menge Vorurteile. Deswegen sprach mich die Serie durchaus an, konnte sie mich doch entweder bestätigen oder widerlegen. Und tatsächlich bestehen meine Vorurteile nicht umsonst, wurde es noch bis vor ein paar Jahren tatsächlich von den Eltern bestimmt, wen die Kinder zu heiraten haben. Inzwischen ist dies aber wesentlich fortschrittlicher. So ist die Heiratsvermittlerin eigentlich nur eine Zwischeninstanz, die verschiedene Profile vergleicht und versucht eine gemeinsame Basis zu finden. Die Dates machen die Vermittelten dann unter sich aus und können dann entscheiden, ob sie sich weiter treffen wollen. Natürlich hat der Familienaspekt noch immer einen großen Stellenwert. In Indien vielleicht auch nochmal etwas intensiver als in den USA. Da aus beiden Länder Kunden gezeigt werden, kann man auch hier noch einmal sehr gut die Unterschiede sehen. Die Kunden selbst sind sehr unterschiedlich. Bei manchen fiebert man mit, ob es zu einem Match kommt, während einem der Ausgang bei anderen relativ egal ist. So ganz ohne fragwürdige Aspekte kommt das ganze dann aber doch noch nicht aus. So wird regelmäßig ein Gesichtsleser und ein Astrologe dazu gerufen, die mithilfe der Gesichter oder der Sterne entscheiden sollen, ob das Match unter einem guten Stern steht. Schade finde ich es auch, dass die Kunden vom Anfang der Serie am Ende gar nicht mehr erwähnt wurden und man teilweise nicht richtig nachvollziehen konnte, ob sie jetzt den passenden Partner gefunden haben. Also wer sich einmal etwas intensiver mit der indischen Tradition auseinander setzen möchte, dem sei die Serie empfohlen.

Indian Matchmaking ist bei Netflix im Abo enthalten

Julie and the Phantoms – Staffel 1

Die Handlung: 1995 steht die Band Sunset Curve kurz vor dem musikalischem Durchbruch. Doch abgelaufene Hotdogs führten zum verfrühten Ableben drei der vier Bandmitglieder. 25 Jahre später, landen sie als Geister in der Garage von Julie (Madison Reyes). Die Highschoolschülerin trauert noch immer um ihre Mutter und hat dadurch ihre Liebe zur Musik verloren. Sie kann als einzige die Jungs sehen und findet dadurch zurück zur Musik. Und sobald sie auf einer Bühne auftritt, können auch die anderen die Jungs sehen. So gründen sie die Band Julie and the Phantoms, wobei alle denken, dass es sich bei den Jungs um Hologramme handelt. Hinzu zu den alltäglichen Probleme kommen noch ein paar Geisterprobleme.

Meine Meinung: 9 Episoden umfasst die erste Staffel und ich habe alle an einem Tag verschlungen. Wenn man sich mit der Grundprämisse der Musical-Comedy anfreunden kann, zieht einen die Serie sehr schnell in den Bann und man will einfach wissen, wie es weitergeht. Während Julie stellenweise noch etwas gewöhnungsbedürftig ist, sind die Jungs von Sunset Curve einfach nur liebenswert. Stellenweise ein bisschen trottelig, manchmal ein bisschen zu Klischee, aber schlussendlich einfach zum knuddeln. Die Geschichte geht zügig voran und bietet mehr als nur Bandproben und Auftritte. Neben Julies Probleme an einer Highschool inklusive Zicke und Crush, steht auch die Frage im Raum, wieso Julie die Jungs sehen kann, wieso sie beim Auftritt sichtbar werden und was ihre Aufgabe ist. Hier stellt die erste Staffel schon erste Vermutungen an, lässt einige Geisterprobleme einfließen, lässt aber auch noch einiges für eine zweite Staffel offen. Einen kleinen miesen Cliffhanger konnte sich die Serie dann am Ende doch nicht verkneifen.

Julie and the Phantoms ist bei Netflix im Abo enthalten

Welche Serien habt ihr schon gesehen? Konnte ich euch von einer neuen Serie überzeugen?

Hello Again

Ein Vorwort

Das Prinzip der Zeitschleife hat sich seit „Und täglich grüßt das Murmeltier“ immer mehr durchgesetzt und ist inzwischen in allen möglichen Varianten ausprobiert worden. Nun hat es auch der deutsche Film entdeckt und gleich in die nächste romantische Komödie gesteckt. Warum die Umsetzung leider nicht so richtig funktioniert, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Quelle

Die Handlung

Zazie (Alicia von Rittberg) erhält kurzfristig eine Einladung zu der Hochzeit von Philipp (Tim Oliver Schultz) und Franziska (Emilia Schüle). Während Philipp in ihrer Kindheit Zazies bester Freund war, erinnert sie sich an Franziska als Sadistin. Also überredet sie ihren Mitbewohner Anton (Edin Hasanović) sie auf die Hochzeit zu begleiten. Durch sehr viel Alkohol verwandelt Zazie die Hochzeit jedoch in ein Desaster. Zum Glück wacht sie jeden Tag wieder am gleichen Morgen auf. Doch was ist ihre Aufgabe, um aus dieser Zeitschleife zu erwachen?

Meine Meinung

1993 lief „Und täglich grüßt das Murmeltier“ in den Kinos an. Seitdem hat sich am Prinzip der Zeitschleifenfilme wenig geändert. ProtagonistIn erlebt den gleichen Tag immer und immer wieder, bis sie das Geschehen richtig abgeändert hat und endlich am darauffolgenden Tag aufwachen darf. Nachdem das Murmeltier als romantische Komödie gut ankam, wurde das Prinzip auch in anderen Genres versucht. So konnten beispielsweise Edge of Tomorrow im Sci-Fi-Action Bereich und Happy Deathday im Horrorfilmgenre das Prinzip gelungen umsetzen. 
Wenn man schon am Grundprinzip und -ablauf nichts ändert, dann muss wenigstens die Geschichte irgendwo interessant und spannend bleiben. Und genau hier liegt das große Problem an Hello Again. Er verliert den Zuschauer sehr schnell und kann ihn nicht mehr zurückgewinnen. Aber fangen wir am Anfang an. Das Szenario ist schnell klar. Zazie wacht jeden Morgen auf, kommt verspätet auf der Hochzeit an, kann sie also nicht mehr verhindern und verhält sich dann total daneben. Anton wird eigentlich immer nur mit in die Katastrophe reingezogen und kann einfach nicht Nein sagen. Zazie erhält immer mehr Informationen und versucht auf alle möglichen Arten die Hochzeit noch zu verhindern. Doch während die Möglichkeiten, wenn man sie kurz zusammengefasst erzählt, durchaus Potential haben und für viele Lacher hätten sorgen können, verlieren sie leider durch die Länge einzelner Szenen diese Kraft und sorgen nur ab und an für einen müden Lacher. Obwohl der Film mit 92 Minuten kurz und knackig erzählt wirkt, fühlt er sich einfach sehr lange an. 
Das könnte auch daran liegen, dass man zu keinem der Charaktere eine wirkliche Bindung aufbaut. Von Rittbergs Zazie ist ein komplettes Wrack und zeigt das auch in jeder Szene. Ihre Abneigung gegenüber Beziehungen und Hochzeiten wird anhand einer kurzen Einleitung mit ihren immer streitenden Eltern versucht zu erklären, was aber auch nur bedingt funktioniert. Hinzu kommt, dass man sich mitunter bei ihrer dauerhaft brüchigen Stimme, was nicht immer passend ist, leider eine geübte Synchronsprecherin gewünscht hat und das für einen deutschen Film. Dabei hat von Rittberg eigentlich mehrfach bewiesen, dass sie durchaus starke Rollen spielen kann (Ballon, Herz aus Stahl, Verräter wie wir). Auch ihr Gegenpart, die Braut Franziska, wird nur als arrogantes Biest dargestellt, wogegen Emilia Schüle in ihrem Spiel auch wenig versucht anzugehen.
Lediglich die beiden Herren im Spiel Bräutigam Philipp und Mitbewohner Anton versuchen noch die Sympathien der Zuschauer durch ihre „Eigenheiten“ auf sich zu ziehen, sei es der Ordnungstick des Bräutigams oder die Narkolepsie des Mitbewohners. 
Die Auflösung des Ganzen ist dann halt auch genau das, was der geübte Zuschauer von Anfang an vorhergesehen hat. Absolut kein Überraschungseffekt, der das Ende vielleicht doch noch ein bisschen spannender gemacht hätte. 
Kurzum der Film hangelt sich am altbekannten Schema entlang, punktet zwischendurch ein bisschen durch Ideen, schafft es aber nicht die pointiert genug darzustellen, so dass sich der Film ziemlich zieht und verliert die Punkte dann wieder durch ein einfallsloses Ende und nervige Charaktere.

Das Fazit

Hello Again schafft es leider nicht sich vom Altbekanntem zu lösen und setzt die eigenen Ideen langatmig um, so dass er weder wirklich lustig noch wirklich spannend ist. Mit kürzeren Szenen hätte es vielleicht noch funktionieren können. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Hello Again läuft seit dem 17.09.2020 in den deutschen Kinos

Eine Handvoll Bücher

Heute mit: dem Finale des Kampfes zwischen Chimären und Seraphim, einem magischen Constable in London, dem Finale der Again-Reihe, dem Auftakt eines Kampfes mit den sieben Todsünden und einer chaotischen Irin. 

Dreams of Gods and Monsters

Die Handlung: Als die Dominion-Armee der Seraphim unter Führung des brutalen Jael das Tor von Eretz in die Welt der Menschen durchquert, beschließen Seraphim und Chimären ein wackliges Bündnis, das Akive und Karou wieder zusammenführt. Doch wie sollen sie gegen die zahlenmäßig überlegende Armee Jaels bestehen?

Meine Meinung: Der Abschluss der Zwischen den Welten Reihe kommt zunächst ziemlich ernüchternd daher. Nach einem richtig starken Auftakt bei Daughter of Smoke and Bone, einem eher langatmigen Zwischenteil bei Days of Blood and Starlight, sind nun alle Weichen für das große Finale gestellt. Das dieses mit fast 800 Seiten noch einmal deutlich dicker ist als die Vorgängerbände hätte schon ein Warnzeichen sein können. Denn Autorin Laini Taylor hat noch eine ganze Reihe von Ideen, die sie einbringen wollte. Leider verliert sie sich dabei in ewigen Wiederholungen, dreht sich ständig im Kreis, ehe das Buch nach über 500 Seiten doch endlich mal in Schwung kommt, und bringt dann nochmal so viele neue Wendungen gegen Ende ein, dass sie den finalen Kampf ganz einfach vergisst. Das, worauf die ganze Zeit hingearbeitet wurde, gibt es einfach nicht. Was es aber gibt, und was die wenigsten Fantasybücher schaffen: ein richtiges Ende. Es wird nicht einfach nach einer großen Schlacht aufgehört und vielleicht noch ein Epilog eingeführt. Nein, es werden alle Rätsel und Andeutungen aufgelöst, erklärt und zu Ende gebracht. Das macht zwar vieles wett, aber ich habe mich gerade am Anfang echt durch das Buch gequält und nach ca. 200 Seiten eine sehr lange Pause eingelegt, weil ich es einfach nicht mehr weiterlesen wollte.

Die Flüsse von London

Die Handlung: Constable Peter Grant wollte eigentlich eine ganz normale Karriere bei Scotland Yard. Doch als er an einem Tatort auf einen Geist trifft, wird er dem mysteriösen Detective Chief Inspector Nightingale zugeteilt. Dieser eröffnet ihm, dass er ein Zauberer ist und Peter auch magische Fähigkeiten hat. Zusammen fahnden sie nicht nur nach dem Mörder, sondern sollen auch einen Streit zwischen Mutter und Vater Themse schlichten.

Meine Meinung: Ich habe das Hörbuch schon vor einigen Jahren mal gehört, aber ehrlich gesagt, hatte ich das meiste schon wieder vergessen. Das könnte man als schlechtes Omen nehmen, wahrscheinlicher ist, dass ich damals nicht richtig aufgepasst habe, weil ich Hörbücher meistens bei längeren Autofahrten höre. Bevor ich mich jedoch an einen zweiten Band der Reihe wagen wollte, hörte ich also noch einmal den ersten Band, um mich an alle wichtigen Figuren zu erinnern. Und zu meiner Verteidigung: Es gibt hier wirklich eine Menge an Figuren. Grundsätzlich handelt es sich aber um eine fantastische Idee, die spannend und interessant umgesetzt wurde. Gerade die Kombination aus normaler Polizeiarbeit und den fantastischen Elementen, fand ich sehr gut umgesetzt. So wirkt es wie ein „normaler“ Krimi mit starken Charakteren, aber hebt sich eben doch durch das fantastische Element stark ab. Durch eine ordentliche Länge von 480 Seiten im Taschenbuch und knapp 4 Stunden Hörbuch bleibt genug Platz/Zeit um die Charaktere vorzustellen, die Arbeit von Nightingale zu erkunden und trotzdem den Kriminalfall nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Ich bin auf jeden Fall auf die weiteren Teile gespannt!

Dream Again

Die Handlung: Jude hat sich an einer Schauspielkarriere in LA versucht und ist tief gefallen. Nun flieht sie zu ihrem Bruder Ezra nach Woodshill. Doch ihr Ex-Freund Blake ist Ezras Mitbewohner und alles andere als begeistert. Nun versucht Jude nicht nur irgendwie nach vorne zu sehen, sondern auch das Zerwürfnis mit Blake zu regeln. Denn eigentlich hat sie nie aufgehört ihn zu lieben.

Meine Meinung: Der fünfte und voraussichtlich letzte Teil der Again-Reihe zieht noch einmal ein ganz neues Gesicht in die Geschichte. Die Verbindung zu den vorherigen Teilen stellt diesmal Blake dar, der zusammen mit Hope und Everly in Nolans Seminar war. Natürlich dürfen auch einige der bereits bekannten Charaktere wieder auftauchen, wenn auch eher kurz. Die Geschichte selbst verfolgt das bekannte Schema und schafft es nur selten zu überraschen. Irgendwo war Jude auch nicht der greifbarste Charakter der Reihe. Versteht mich nicht falsch, sie war durchaus sympathisch und ihre Handlungen waren auch größtenteils nachvollziehbar. Aber die Geschichte von ihr und Blake hätte auch in ein wesentlich schmaleres Buch gepasst, dabei ist es mit 321 Seiten schon eher schmal. Kurzum: Auch der Abschluss der Again-Reihe hat mir wieder großen Spaß beim Lesen gemacht, ist aber mit der schwächste Band der Reihe, da er etwas zu vorhersehbar verläuft und sich in Wiederholungen verliert.

Seven Sins – hochmütiges Herz

Die Handlung: Avery hatte sich ihren 18. Geburtstag wohl ganz anders vorgestellt. Doch als der gutaussehende Dämon Nox ihr enthüllt, dass ihr Vater ihre Seele verpfändet hat und sie sterben wird, geht sie auf einen folgenschweren Deal ein. Sie kann versuchen die Prüfung der sieben Todsünden zu bestehen, dann wäre ihre Seele frei. Auf einmal muss sie feststellen, dass ihr bester Freund Adam ein Engel ist und sie beschützen soll. Und eigentlich weiß auch keiner so genau, was die Prüfungen beinhalten. Und so gehen die drei auf die Suche, um sich der ersten Prüfung zu stellen.

Meine Meinung: Autorin Lana Rotaru hatte sie Sevens Sins Reihe bereits vor ein paar Jahren angefangen und im Selfpublishing veröffentlicht. Schon damals habe ich sie verfolgt. Nun hat der Impress Verlag sie von der Autorin überarbeiten und auch endlich weiterschreiben lassen. Der erste Band beinhaltet nun den ursprünglich ersten Band und große Teile des zweiten Bands. Damit ist er immer noch ein reiner Einleitungsband. Das eigentlich spannende fängt erst im zweiten Band an. Das muss man allerdings wissen, um Hochmütiges Herz nicht voreilig wieder wegzulegen. Dennoch versteht sich Frau Rotaru darauf die Charaktere vorzustellen, einem näher zu bringen und die Handlung zu ebnen, damit es danach richtig losgehen kann. Durch ihren flüssigen Schreibstil hatte ich beim Lesen trotzdem Spaß. Umso gespannter bin ich auf die nächsten Bände.

OMG – Diese Ashling

Die Handlung: Aisling lebt mit 28 noch bei ihren Eltern im beschaulichen Ballygobbard. Sie pendelt regelmäßig zu ihrem Job in Dublin. Mit ihrem Freund John ist sie seit 7 Jahren zusammen. Doch als John ihr eröffnet, dass er sie noch lange nicht heiraten will und auch nicht mit ihr zusammenziehen will, beschießt Aisling ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie zieht zu ihrer Kollegin Sadhbh in eine hippe WG und probiert neue Dinge aus. Wenn das mal nicht im Chaos endet.

Meine Meinung: Ich bin durch den Youtube Kanal von Anabelle Stehl auf dieses Buch aufmerksam geworden. Dort findet man auch ein hilfreiches Video zur Aussprache der irischen Namen, die nicht ganz ohne sind (Link hier). Zu 100% bin ich aber nicht warm geworden mit dem Buch. Denn gerade zum Anfang konnte ich Aisling und ihre Handlungen noch irgendwo nachvollziehen und dann kam noch ein bisschen Sehnsucht nach Irland dazu, eigentlich eine gute Kombination. Doch mit fortschreitendem Buch wurde mit Aisling immer unsympathischer. Sie wird immer unselbstständiger und gerade wenn sie auf ihre hippere Kollegin Sadhbh trifft, wirkt sie eher wie ein Trampel, als eine starke Frau. Während ich einige Aufreger ihrerseits nachvollziehen konnte und auch wenig Probleme mit ihrer ständigen Weight Watchers Zählerei hatte, steigert sie sich mit fortlaufender Geschichte in immer mehr Belanglosigkeiten rein. Auch die Geschichte an sich, die in mehrere Kurzgeschichten unterteilt scheint, verrennt sich immer mehr. Zwar ergibt sie am Ende eine zusammenhängende Handlung, doch scheint den Autorinnen am Ende ein wenig die Ideen auszugehen.

Vicious

Ein Vorwort

Ich habe voller Entsetzen festgestellt, dass ich euch meine Lieblingssitcom noch nie richtig vorgestellt habe. Vielen sagt der Titel vielleicht etwas von meinen Bemerkungen zwischendurch oder erinnert sich, dass er es relativ weit nach oben in meinen Top 25 Serien der letzten 10 Jahre geschafft hat. Doch was verbirgt sich dahinter und warum sticht sie meiner Meinung nach alle anderen Sitcoms aus? Erfahrt es in meiner Kritik.

Die Handlung

Freddie Thornhill (Ian McKellan) und Stuart Bixby (Derek Jacobi) sind schwul und leben nun seit 50 Jahren zusammen. In der Zeit hat sich ihre Beziehung zu einer gewissen Hassliebe entwickelt. Dennoch halten sie zusammen. Zum Beispiel wenn ihre Freundin Violet (Frances de la Tour) wieder einmal von einer gescheiterten Beziehung erzählt. Frischen Wind in den Alltagstrott bringt der neue junge Nachbar Ash (Iwan Rheon).

Meine Meinung

Vicious ist an vielen Stellen eher ein Theaterstück als eine Fernsehserie. So spielen 90% der Serie im Wohnzimmer von Freddie und Stuart. Dort wurde die Serie auch vor Live-Publikum und am Stück gefilmt. Dadurch gibt es sehr wenig Schnitte. Ebenfalls ist die Besetzungsliste sehr klein. Dennoch weist sie die typischen Merkmale einer Sitcom auf. Was macht diese Serie also besser als die anderen Sitcoms?
Nun zum einen sei gesagt, ich mag generell Sitcoms. Wer mit dem Format absolut nichts anfangen kann, wird wohl auch hier nicht glücklich werden. Wer hingegen nur mit den all-time-favourites von Pro7, wie How I met your mother, The Big Bang Theory oder auch Two and a half man nichts anfangen kann, findet hier vielleicht sein Glück. Denn die Serie ist zum einen keine Hollywood-Produktion, sondern kommt aus Großbritannien. Und hier sticht vor allem der schwarze Humor der Briten gerne hervor. Wenn Freddie und Stuart sich mit der typischen englischen Eleganz ihrer Darsteller bewegen und sich auf höflichste Weise zutiefst beleidigen, dann ist das absolut sehenswert und einfach unfassbar lustig. 
Das funktioniert allerdings nur mit einer guten Charakterkonstellation, was hier gegeben ist. Auch einige running-gags konnten sich so etablieren. An vorderster Stelle stehen natürlich Freddie und Stuart, da sich auch 90% der Serie in ihrem Wohnzimmer abspielt. Freddie ist Schauspieler und wenn man ihm zuhört, möchte man meinen, dass er ein begnadeter Star ist. Allerdings hält er sich eher mit kleinen Nebenrollen über Wasser. Hier einmal der Bösewicht in Dr. Who, dort zweimal in Downton Abbey durchs Bild gelaufen. Stuart ist eher der Hausmann, der alles am Laufen hält. Ebenfalls in jeder Folge zu sehen sind Violet, die gute Freundin der beiden, und Ash, der junge Nachbar. 
Violet ist im gleichen Alter, wie Freddie und Stuart, hat es aber bisher nicht geschafft einen Mann zu finden. Dafür berichtet sie ständig von neuen Bekanntschaften. Sie ist ein Freigeist und hält sich für unwiderstehlich, was sie in kleinen Flirts mit Ash auslebt. Ash ist neu nach London gezogen. Er bezieht die Wohnung über Freddie und Stuart und holt sich gerne Tipps bei den beiden, da seine Eltern beide im Gefängnis sitzen. Zunächst wird er von Freddie und Violet des öfteren angeflirtet, entwickelt dann aber freundschaftliche Gefühle für beide. Die kontrastreichen Leben des älteren Paares und des jungen Ash werden gerne für ein paar Gags genutzt, z. B. wenn Ash die beiden mit auf eine Party nimmt.
Ebenfalls wiederkehrende Charaktere sind Penelope (Marcia Warren) und Mason (Philip Voss). Sie sind Freunde von Freddie und Stuart und tauchen immer zu kleinen Feiern auf. Dabei ist Mason immer pikiert über die geringe Gastfreundschaft der beiden, während Penelope immer ein wenig abwesend und durcheinander wirkt.  
Während Staffel 1 und 2 aus jeweils 6 Episoden – plus ein Weihnachtsspecial – bestehen, besteht Staffel 3 mit dem Namen „The Final“ aus einer 60 minütigen Episode, die in die vier Jahreszeiten unterteilt wurde und die Geschichte zu einem runden Ende bringt. Damit ist die Serie beendet. Sehr schade, denn ich hätte gerne noch viel mehr gesehen, doch das wichtigste war erzählt und man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist. 

Das Fazit

Vicious ist irgendwo zwischen Sitcom und Theaterstück angeordnet und kann mit einmaligen Charakteren, faszinierenden Schauspielern und dem unverwechselbarem schwarzen britischem Humor begeistern. Eine große Empfehlung, wer in den klassischen Sitcoms nicht fündig wird und auch für jeden anderen.

X-Men: New Mutants

Ein Vorwort

Nach einer langen Leidensgeschichte hat es nun der letzte X-Men Film in die Kinos geschafft. Zwischendurch standen die Chancen dafür ja sehr schlecht. Regisseur Josh Boone (Das Schicksal ist ein mieser Verräter) hatte zunächst eine große Vision, sie sollte nah an den Comics bleiben und einem Horrorfilm gleichen. Seitdem wurde der Film immer weiter nach hinten verschoben und immer mehr wurde daran herumgedoktert, bis er schließlich fast neu gedreht wurde. Was der letzte X-Men Film nun wirklich kann und warum er kein Vollfiasko, wie zuvor Dark Phoenix war, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Danielle Moonstar (Blu Hunt) erwacht nach einem Angriff auf ihr Reservat in einem eher ungewöhnlichen Krankenhaus. Unter der Leitung der Ärztin Dr. Reyes (Alice Braga) sind hier eine Handvoll Patienten untergebracht, alle mit ungewöhnlichen Fähigkeiten. Laut Dr. Reyes sollen sie diese kontrollieren lernen, um auf eine größere Sache vorbereitet zu werden. Doch etwas scheint dort nicht zu stimmen.

Meine Meinung

Nach der langen Entstehungsgeschichte habe ich ehrlich gesagt eine absolute Katastrophe erwartet. Ähnlich wie bei Venom, wo man zu viele Handschriften erkannt hat. Zumal die letzten X-Men Filme Apocalypse und Dark Phoenix sich ja eher zu übertreffen versuchten, wer die Reihe unwürdiger beendet hätte. Nun fällt diese Aufgabe den New Mutants zu. Und ganz ehrlich, der Reihe hätte es wesentlich schlechter ergehen können, allerdings auch wesentlich besser.
Mit New Mutants wird sich zum ersten Mal vom klassischen Schema weggetraut. Wir haben hier keine Superhelden im Superheldenanzug und auch keinen klassischen Bösewicht. Wir haben keine Cameos von bekannten Mutanten und auch nur ganz wenig Anspielungen auf die bekannte Welt. Stattdessen haben wir eine Anstalt, die grundsätzlich einem Horrorfilm entsprungen sein könnte, was wohl auch der ursprüngliche Wille des Regisseurs war, und drinnen haben wir eine Mutanten Coming of age Story, die aus gutem Grund mit dem Breakfast Club verglichen wird. 
Das Ganze wurde mit einem überwiegend guten Cast unterstrichen, auch wenn Hauptdarstellerin Blu Hunt ihre Danielle eher blass darstellt. Hier kommt sie gegen ihre erfahreneren Kollegen, allen voran Anya Taylor-Joy, einfach nicht an. Die Stärke des Films liegt auch deutlich in den Charakteren und ihrem Miteinander. Denn solange sich der Film auf das Coming-of-age konzentriert, funktioniert er. 
Das ändert sich leider, sobald er versucht sich auch als Horrorfilm zu präsentieren. Was mir als Schisser vielleicht noch zu Gute kommt, ist leider eine ziemliche Verschwendung des Settings. Die zwischendurch auftauchenden Monster sind wenig gruselig und eigentlich beobachten wir eher die Charaktere, die schreien, wenn es sie selbst betrifft und die anderen die von einem zum anderen rennen. Gerade hier hätte man viel mehr aus dem Setting machen können, mehr mit den Ängsten der Charaktere spielen und die Fähigkeiten der Mutanten mehr einsetzen können.
Denn dann hätte man sich das sehr plumpe Finale wohl auch sparen können. Denn so ist es ein reines „Wir lassen noch einmal alle Charaktere ihre Fähigkeiten zeigen! Und zwar schön nach einander, damit auch alle richtig zur Geltung kommen“. Das ist für das Finale des Finalfilms einer solchen Reihe dann doch sehr billig. 
Letztlich passt der Titel, denn der Film zeigt neue Mutanten, die mit den Filmen zuvor nichts zu tun hatte. Letztlich lässt er sich auch mit den wenigen Referenzen trotzdem ins X-Men Universum einordnen. Was hier aber hätte draus werden können, wenn man dem Regisseur einfach vertraut hätte, bleibt nur zu erahnen.

Das Fazit

X-Men: New Mutants ist wohl nicht der schlechteste Abschluss der Reihe, aber kränkelt dann doch an zu vielen Stellen, um wirklich gut zu sein. So bleibt es nur ein netter Versuch eines Horrorfilms mit Coming-of-Age und Mutantenelementen. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

X-Men: New Mutants läuft seit dem 10.09.2020 in den deutschen Kinos

Alexa & Katie

Ein Vorwort

In meiner kurzen Blogpause hatte ich Besuch von meiner besten Freundin. Und wenn wir nicht gerade die Gegend unsicher gemacht haben, neue und alte Spiele entdeckt haben oder einen Film sahen, dann wurde Alexa & Katie geguckt. Eine Serie über zwei beste Freundinnen, gesehen von zwei besten Freundinnen. Warum mich aber die Serie auch noch so sehr überzeugen konnte, dass wir innerhalb einer Woche alle vier Staffeln gesehen haben, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Alexa Mendoza (Paris Berelc) hat Leukämie. Doch zusammen mit ihrer besten Freundin seit Kindheitstagen Katie Cooper (Isabel May) hat sie die Chemo überstanden. Nun steht der erste Tag der Highschool bevor, doch Alexa fallen nun doch die Haare aus. Doch zusammen meistern die beiden jedes Hindernis. Egal, ob durch den Krebs verursacht oder ein ganz alltägliches Teenagerproblem. Unterstützung bekommen beide durch ihre Familien, die ebenfalls gut befreundet sind.

Meine Meinung

Alexa und Katie ist in vier Staffeln fertig erzählt und abgeschlossen. Mit insgesamt 39 Folgen und einer durchschnittlichen Laufzeit von 25 Minuten gut zwischendurch ansehbar. Die Serie erzählt die Geschichte der beiden besten Freundinnen Alexa und Katie. Grundsätzlich ist die Serie im Stil einer Sitcom aufgebaut. Doch bleibt die Krebsthematik ein zentraler Bestandteil der Serie, so dass auch viele ernste Themen angesprochen werden. 
Dabei halten sich ernste Themen und heitere Themen die Waage. Dabei wird die Krankheit an keiner Stelle klein geredet oder ins Alberne gezogen. Stattdessen wird versucht mit humorvollen Dialogen die Stimmung zu heben, aber trotzdem werden immer wieder wichtige Abschnitte nach einer Krebsbehandlung angesprochen. Der Haarausfall ist lediglich der Anfang, weiter geht es um die Angst vor der Rückkehr, die ständigen Sorgen der Familie und dass Alexa den „Krebsbonus“ nicht haben möchte. Ansonsten geht es um die ganz alltäglichen Sorgen zweier Highschoolschüler und deren Familien. 
Dabei sind es neben den beiden Hauptcharakteren Alexa und Katie gerade die beiden Familien, die im Mittelpunkt stehen und die Serie so sehenswert machen. Da haben wir zum einen Alexas Familie. Mutter Lori (Tiffani Thiessen) ist eine echte Powerfrau. Sie koordiniert ihren Businessjob – später Eventmanagerin – die Erziehung der Kinder und den Haushalt. Sie mag manchmal etwas zu beschützend sein, lernt aber mit Alexa die Freiheiten zu akzeptieren. Vater Dave (Eddie Shin) ist Pilot, aber die Episoden sind so getimt, dass er die meiste Zeit zu Hause ist. Er ist ein liebevoller Vater, der seine Frau gerne mal bremsen muss. Dann gibt es im Haus Mendoza noch Lucas (Emery Kelly) den älteren Bruder Alexas. Er wird als typischer Schönling mit wenig Grips dargestellt, schließlich beginnt er aber trotzdem ein Medizinstudium. Er ist der perfekte Gegenpart zu Alexa, was für viele Witze sorgt, hat am Ende das Herz aber immer am rechten Fleck.
Gegenüber wohnt Katie mit ihrer Mutter Jennifer (Jolie Jenkins). Sie ist alleinerziehend und kämpft daher immer wieder mit den Finanzen. Neben ihrem Bürojob nimmt sie Abendkurse und erzieht noch zwei Kinder. Der Vater hat die Familie verlassen und reist um die Welt. Jennifer kennt Lori und Dave ebenfalls seit der Highschool, daher stehen sich die Familien sehr nah. Zu guter Letzt gibt es noch Jack (Finn Carr), Katies jüngerer Bruder. Er ist ein kleiner Wirbelwind und bringt noch den kindlichen Charme zu den öfter mal ernsten Themen. 
In den vier Staffeln, die jeweils ein Schuljahr repräsentieren, lachen, weinen, bangen, hoffen wir mit den Charakteren. Dabei wachsen sie einem sehr schnell ans Herz. Durch die kurze Dauer einer Episode lässt sich die Serie gut weggucken. Die Krebsthematik ist zwar sehr präsent, wird aber nicht zu sehr ausgeschlachtet, sondern findet die richtige Balance. 

Das Fazit

Alexa & Katie ist eine Teenagersitcom voller Herz. Durch die ernste Thematik rund um Alexas Krebserkrankung unterscheidet sie sich stark von den typischen Disneyvarianten, kommt aber trotzdem mit einer typischen Heiterkeit daher. Vor allem die Charaktere machen die Serie absolut liebenswert. 

Alexa & Katie ist auf Netflix verfügbar

Verity

Ein Vorwort

Ihr habt hoffentlich noch nicht genug von Bücherkritiken? Denn ich habe noch eine für euch! Wie schon bei den Beiträgen zuvor, handelt es sich um ein Buch, dass ich nicht in einer Kurzkritik abhandeln wollte. Außerdem ist die Kinolandschaft aktuell wieder etwas Mau, es haben wohl viele Filme Platz für Tenet gemacht. Also geht es hier jetzt um das aktuelle Werk von Colleen Hoover, das so anders ist, als ihre bisherigen.

Die Handlung

Lowen ist Autorin, doch keine sonderlich erfolgreiche. Zu sehr wehrt sie sich gegen alles, was mit Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zu tun hat. Doch nun steht sie kurz vor der Pleite, nachdem sie sich eine längere Auszeit genommen hat, um ihre kranke Mutter zu pflegen. Nach deren Tod nimmt sie nun einen Termin im Verlag wahr, um sich eine neue Einnahmequelle zu sichern. Auf dem Weg dorthin begegnet sie Jeremy unter denkbar schlechten Bedingungen. Kurz darauf trifft sie ihn wieder. Im Verlagsgebäude bei ihrem Meeting. Denn Jeremy ist der Ehemann der Starautorin Verity Crawford, die nach einem Autounfall nicht mehr in der Lage ist zu schreiben. Nun soll Lowen die begonnene Thrillerreihe Veritys weiterschreiben. Dafür bekommt sie nicht nur ein gutes Honorar, sondern wird auch von Jeremy eingeladen, in seinem Haus die Unterlagen Veritys durchzusehen. Doch dabei macht sie eine folgenreiche Entdeckung.

Meine Meinung

Von Colleen Hoover ist der treue Leser gewohnt eine absolut hinreißende Liebesgeschichte zu bekommen, doch immer irgendwo mit einem schwierigen Thema. Diesmal hat sich Frau Hoover jedoch über die „Schranken“ eines herkömmlichen Liebesromans hinaus gewagt und sich dem Genre des Psychothrillers genähert. So hat sie eine interessante Verwebung beider Genres geschaffen, die nur in Ansätzen den beiden Genres zugeordnet werden kann, aber beide nicht weitergehend vertieft. 
So hat sie mit der Anziehung, die ab der ersten Sekunde zwischen Lowen und Jeremy herrscht, den typischen Auftakt einer Liebesgeschichte. Durch die Geschichte mit der Thrillerautorin Verity, also Jeremys Ehefrau, und der beängstigenden Geschichte des Ehepaares, die von Verlust geprägt ist, nähern wir uns dem Thrillerbereich. Durch Aufzeichnungen, die Lowen in Veritys Büro findet, kommen wir in den Bereich des Psychothrillers. Letztlich ist es eine interessante Mischung, aber durch die Kürze des Buches kommt beides ein wenig zu kurz. Mit 357 Seiten hat es zwar die durchschnittliche Seitenzahl eines Hoover-Buches, aber kann sich einfach nicht richtig entfalten, weil irgendwo beide Genres abgedeckt werden wollen. Zumal sich auch einige Stellen einfach wiederholen. Man weiß zwar früh, worauf die Geschichte hinaus will, aber das Erreichen dieses dauert durch die vielen Wiederholungen einfach an. 
Dennoch kann man dem Buch nicht absprechen, dass es spannend ist, gerade zum Ende hin wird nochmal einiges rausgeholt und die Auflösung lässt einen reichlich unentschlossen und verwirrt zurück, was aber ein Geniestreich der Autorin ist, weil man sich hier wirklich fragen kann, wem man trauen kann/sollte. Dadurch wird einiges von den Wiederholungen zuvor, die sich aber keiner Stelle wirklich ziehen oder fehl am Platz wirken, wieder gut gemacht. 
Ich schreibe selten von der Covergestaltung der Bücher. Diesmal möchte ich aber doch mal darüber sprechen. Denn viele haben das Cover wegen der Farbauswahl kritisiert, die nicht zu dem eher düsteren Thema passe. Dem stimme ich zwar zu, finde das Cover aber dennoch gut gestaltet, da es eben den Kontrast zwischen den beiden Genres irgendwo widerspiegelt. Die rosa Wolken der verliebten und dazu die Vögel, die spätestens seit Hitchcock bedrohlich wirken können. Und ein düsterer Einband hätte einfach nicht zu der Geschichte gepasst.
Charakterlich ist wieder wenig auszusetzen. Hier beweist Mrs. Hoover wieder, dass sie einfach ein Talent dafür hat, Charaktere kurz vorzuführen und schon fühlt man sich ihnen verbunden. Hier ist es bei Familie Crawford allerdings wesentlich schwieriger, was ja aber auch durch die Grundunsicherheit der Charaktere gegenüber geschuldet ist. 

Das Fazit

Verity bleibt in der Grundstruktur ein gewohnt starkes Buch von Colleen Hoover. Durch den Ausflug ins Psychotrillergenre und der Verwebung mit der typischen Liebesgeschichte überzeugt das Buch aber nicht völlig, da beide Genres irgendwo zu kurz kommen und sich nicht richtig entfalten können. Dennoch ist es eine spannende Geschichte mit großartigem Ende.

Verity ist seit dem 13.03.2020 in den deutschen Buchläden verfügbar

Alice im Düsterland – Ein Spielbuch

Ein Vorwort

In meiner kurzen Bloggerpause vor ein paar Wochen war meine beste Freundin zu Besuch. Genau wie ich, ist sie ein großer Bücherwurm und wir zeigen uns gerne unsere Neuanschaffung. Diesmal hatte sie eine ganz besondere Neuentdeckung im Gepäck. Ein Spielbuch. Damit ist der Leser mittendrin, statt nur dabei. Was es damit genau auf sich hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Alice kann sich an ihre Abenteuer im Wunderland kaum noch erinnern. Doch als sie Jahre später wieder zurückkehrt, kehren Erinnerungen zurück. An das weiße Kaninchen, ihren Fall durch das Kaninchenloch und noch vielem mehr. Doch etwas ist passiert im Wunderland. Die wunderlichen Gestalten von früher scheinen nun Alpträumen entsprungen zu sein. Begleite Alice bei ihrem Weg zur roten Festung.

Meine Meinung

Seid ihr auch noch genauso verwirrt über den Begriff Spielbuch, wie ich es war, als mir davon erzählt wurde? Kurz erklärt bedeutet das, dass man nicht nur rein eine Geschichte liest, sondern direkten Einfluss auf das Geschehen nehmen kann. Hierzu trifft man Entscheidungen, würfelt Kampfe und Proben aus und muss Rätsel lösen.
Dafür gibt es keine Kapitel im klassischen Sinne, sondern mal kürzere oder mal längere Abschnitte. Am Ende jedes Abschnitts gibt es entweder eine Entscheidung, eine Probe oder einen Kampf. Je nachdem, was man wählt, springt man zu einem neuen Abschnitt im Buch. Dadurch entwickelt sich eine ganz persönliche Geschichte. Man kann das Buch daher auch mehrfach spielen, da es immer wieder Abschnitte gibt, die man vorher gar nicht gelesen hatte, einfach weil man diesmal andere Entscheidungen trifft. Schlechte Entscheidungen können aber auch zum sofortigen Ende des Abenteuers führen. Daher kann es passieren, dass man mehr oder weniger gezwungen wird, noch einmal von vorne anzufangen und andere Entscheidungen zu treffen.
Zum Spiel braucht man natürlich das Buch, zwei Würfel, Stift und einen Zettel für Notizen. Im Buch gibt es Alices‘ Abenteuerblatt. Ich empfehle es zu kopieren, damit man während des Spiels weniger blättern muss. Hier werden Alices Fähigkeiten, Kampfwerte und der Wahnsinnslevel notiert, die sich im Laufe des Spiels verändern können. Außerdem gibt es zwei Sonderfähigkeiten „Seltsam und seltsamer“ sowie „Die Feder ist mächtiger“, die man begrenzt und an bestimmten Stellen einsetzen kann. Außerdem dient das Abenteuerblatt zur besseren Übersicht bei den Kämpfen. 
Wenn man alle Spielutensilien bereit gelegt hat, kann es auch schon losgehen. Zunächst folgt eine kurze Einleitung, wie einzelne Anweisungen auszuführen sind und wie das Buch generell aufgebaut ist. Gerade die Erklärung über den Ablauf von Kämpfen ist ein wenig länger. Hier empfiehlt es sich beim ersten Kampf nochmal zur Anleitung zurückzublättern und diese dann anzuwenden, da man sich die einzelnen Besonderheiten sonst nur schwer merken kann. Dann geht es auch schon los mit der Einleitung und die ersten Entscheidungen sind zu treffen. 
Grundsätzlich hat mir die Geschichte und die Entscheidungen, die man treffen konnte, gut gefallen. Es war spannend, gab immer wieder etwas zu entdecken und hatte viel Bezug zu Alice im Wunderland, auch wenn es eine komplett neue Geschichte war. Zwischendurch gab es zwar ein paar Stellen, die ein wenig langatmiger waren, zum Beispiel sind wir relativ lange durch ein Labyrinth geirrt – ich empfehle das Anlegen einer Karte! – doch auch das gehört irgendwo zum Spiel dazu. Begleitet wird der Text auch oft von ganz wunderbaren Illustrationen, die viele Beschreibungen von Kreaturen verdeutlichen.
Das einzige, was mich wirklich gestört hat, war, dass es zwischendurch ein paar Rätsel gab, die wirklich ganz schön schwer waren, selbst wenn man beide Originalbücher kennt. Außerdem gibt es eine Stelle im Buch, die ohne Möglichkeit zu entkommen, zum sofortigen Ende des Buches führt, wenn man vorher nicht durch Zufall an einer ganz bestimmten anderen Stelle im Buch war. Außerdem muss man hier dann noch ein halber Schachmeister sein. Hier hätte es zumindest die Möglichkeit geben müssen, eine der beiden Spezialfähigkeiten einsetzen zu können. Sonst wird man an der Stelle ganz schnell gefrustet. 

Das Fazit

Alice im Düsterland ist ein Spielbuch voller Geheimnisse und finsterer Gestalten, so dass die Erkundung der Welt unglaublich viel Spaß macht, bis auf ein kleines Manko, dass den Spielspaß ziemlich trüben kann. Eine Empfehlung für jeden, der Rollenspiele mal ganz vereinfacht spielen will, oder für jeden, der schon immer beim Lesen mehr Mitbestimmen wollte.