Eine Handvoll Bücher

Heute mit: dem Finale des Kampfes zwischen Chimären und Seraphim, einem magischen Constable in London, dem Finale der Again-Reihe, dem Auftakt eines Kampfes mit den sieben Todsünden und einer chaotischen Irin. 

Dreams of Gods and Monsters

Die Handlung: Als die Dominion-Armee der Seraphim unter Führung des brutalen Jael das Tor von Eretz in die Welt der Menschen durchquert, beschließen Seraphim und Chimären ein wackliges Bündnis, das Akive und Karou wieder zusammenführt. Doch wie sollen sie gegen die zahlenmäßig überlegende Armee Jaels bestehen?

Meine Meinung: Der Abschluss der Zwischen den Welten Reihe kommt zunächst ziemlich ernüchternd daher. Nach einem richtig starken Auftakt bei Daughter of Smoke and Bone, einem eher langatmigen Zwischenteil bei Days of Blood and Starlight, sind nun alle Weichen für das große Finale gestellt. Das dieses mit fast 800 Seiten noch einmal deutlich dicker ist als die Vorgängerbände hätte schon ein Warnzeichen sein können. Denn Autorin Laini Taylor hat noch eine ganze Reihe von Ideen, die sie einbringen wollte. Leider verliert sie sich dabei in ewigen Wiederholungen, dreht sich ständig im Kreis, ehe das Buch nach über 500 Seiten doch endlich mal in Schwung kommt, und bringt dann nochmal so viele neue Wendungen gegen Ende ein, dass sie den finalen Kampf ganz einfach vergisst. Das, worauf die ganze Zeit hingearbeitet wurde, gibt es einfach nicht. Was es aber gibt, und was die wenigsten Fantasybücher schaffen: ein richtiges Ende. Es wird nicht einfach nach einer großen Schlacht aufgehört und vielleicht noch ein Epilog eingeführt. Nein, es werden alle Rätsel und Andeutungen aufgelöst, erklärt und zu Ende gebracht. Das macht zwar vieles wett, aber ich habe mich gerade am Anfang echt durch das Buch gequält und nach ca. 200 Seiten eine sehr lange Pause eingelegt, weil ich es einfach nicht mehr weiterlesen wollte.

Die Flüsse von London

Die Handlung: Constable Peter Grant wollte eigentlich eine ganz normale Karriere bei Scotland Yard. Doch als er an einem Tatort auf einen Geist trifft, wird er dem mysteriösen Detective Chief Inspector Nightingale zugeteilt. Dieser eröffnet ihm, dass er ein Zauberer ist und Peter auch magische Fähigkeiten hat. Zusammen fahnden sie nicht nur nach dem Mörder, sondern sollen auch einen Streit zwischen Mutter und Vater Themse schlichten.

Meine Meinung: Ich habe das Hörbuch schon vor einigen Jahren mal gehört, aber ehrlich gesagt, hatte ich das meiste schon wieder vergessen. Das könnte man als schlechtes Omen nehmen, wahrscheinlicher ist, dass ich damals nicht richtig aufgepasst habe, weil ich Hörbücher meistens bei längeren Autofahrten höre. Bevor ich mich jedoch an einen zweiten Band der Reihe wagen wollte, hörte ich also noch einmal den ersten Band, um mich an alle wichtigen Figuren zu erinnern. Und zu meiner Verteidigung: Es gibt hier wirklich eine Menge an Figuren. Grundsätzlich handelt es sich aber um eine fantastische Idee, die spannend und interessant umgesetzt wurde. Gerade die Kombination aus normaler Polizeiarbeit und den fantastischen Elementen, fand ich sehr gut umgesetzt. So wirkt es wie ein „normaler“ Krimi mit starken Charakteren, aber hebt sich eben doch durch das fantastische Element stark ab. Durch eine ordentliche Länge von 480 Seiten im Taschenbuch und knapp 4 Stunden Hörbuch bleibt genug Platz/Zeit um die Charaktere vorzustellen, die Arbeit von Nightingale zu erkunden und trotzdem den Kriminalfall nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Ich bin auf jeden Fall auf die weiteren Teile gespannt!

Dream Again

Die Handlung: Jude hat sich an einer Schauspielkarriere in LA versucht und ist tief gefallen. Nun flieht sie zu ihrem Bruder Ezra nach Woodshill. Doch ihr Ex-Freund Blake ist Ezras Mitbewohner und alles andere als begeistert. Nun versucht Jude nicht nur irgendwie nach vorne zu sehen, sondern auch das Zerwürfnis mit Blake zu regeln. Denn eigentlich hat sie nie aufgehört ihn zu lieben.

Meine Meinung: Der fünfte und voraussichtlich letzte Teil der Again-Reihe zieht noch einmal ein ganz neues Gesicht in die Geschichte. Die Verbindung zu den vorherigen Teilen stellt diesmal Blake dar, der zusammen mit Hope und Everly in Nolans Seminar war. Natürlich dürfen auch einige der bereits bekannten Charaktere wieder auftauchen, wenn auch eher kurz. Die Geschichte selbst verfolgt das bekannte Schema und schafft es nur selten zu überraschen. Irgendwo war Jude auch nicht der greifbarste Charakter der Reihe. Versteht mich nicht falsch, sie war durchaus sympathisch und ihre Handlungen waren auch größtenteils nachvollziehbar. Aber die Geschichte von ihr und Blake hätte auch in ein wesentlich schmaleres Buch gepasst, dabei ist es mit 321 Seiten schon eher schmal. Kurzum: Auch der Abschluss der Again-Reihe hat mir wieder großen Spaß beim Lesen gemacht, ist aber mit der schwächste Band der Reihe, da er etwas zu vorhersehbar verläuft und sich in Wiederholungen verliert.

Seven Sins – hochmütiges Herz

Die Handlung: Avery hatte sich ihren 18. Geburtstag wohl ganz anders vorgestellt. Doch als der gutaussehende Dämon Nox ihr enthüllt, dass ihr Vater ihre Seele verpfändet hat und sie sterben wird, geht sie auf einen folgenschweren Deal ein. Sie kann versuchen die Prüfung der sieben Todsünden zu bestehen, dann wäre ihre Seele frei. Auf einmal muss sie feststellen, dass ihr bester Freund Adam ein Engel ist und sie beschützen soll. Und eigentlich weiß auch keiner so genau, was die Prüfungen beinhalten. Und so gehen die drei auf die Suche, um sich der ersten Prüfung zu stellen.

Meine Meinung: Autorin Lana Rotaru hatte sie Sevens Sins Reihe bereits vor ein paar Jahren angefangen und im Selfpublishing veröffentlicht. Schon damals habe ich sie verfolgt. Nun hat der Impress Verlag sie von der Autorin überarbeiten und auch endlich weiterschreiben lassen. Der erste Band beinhaltet nun den ursprünglich ersten Band und große Teile des zweiten Bands. Damit ist er immer noch ein reiner Einleitungsband. Das eigentlich spannende fängt erst im zweiten Band an. Das muss man allerdings wissen, um Hochmütiges Herz nicht voreilig wieder wegzulegen. Dennoch versteht sich Frau Rotaru darauf die Charaktere vorzustellen, einem näher zu bringen und die Handlung zu ebnen, damit es danach richtig losgehen kann. Durch ihren flüssigen Schreibstil hatte ich beim Lesen trotzdem Spaß. Umso gespannter bin ich auf die nächsten Bände.

OMG – Diese Ashling

Die Handlung: Aisling lebt mit 28 noch bei ihren Eltern im beschaulichen Ballygobbard. Sie pendelt regelmäßig zu ihrem Job in Dublin. Mit ihrem Freund John ist sie seit 7 Jahren zusammen. Doch als John ihr eröffnet, dass er sie noch lange nicht heiraten will und auch nicht mit ihr zusammenziehen will, beschießt Aisling ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie zieht zu ihrer Kollegin Sadhbh in eine hippe WG und probiert neue Dinge aus. Wenn das mal nicht im Chaos endet.

Meine Meinung: Ich bin durch den Youtube Kanal von Anabelle Stehl auf dieses Buch aufmerksam geworden. Dort findet man auch ein hilfreiches Video zur Aussprache der irischen Namen, die nicht ganz ohne sind (Link hier). Zu 100% bin ich aber nicht warm geworden mit dem Buch. Denn gerade zum Anfang konnte ich Aisling und ihre Handlungen noch irgendwo nachvollziehen und dann kam noch ein bisschen Sehnsucht nach Irland dazu, eigentlich eine gute Kombination. Doch mit fortschreitendem Buch wurde mit Aisling immer unsympathischer. Sie wird immer unselbstständiger und gerade wenn sie auf ihre hippere Kollegin Sadhbh trifft, wirkt sie eher wie ein Trampel, als eine starke Frau. Während ich einige Aufreger ihrerseits nachvollziehen konnte und auch wenig Probleme mit ihrer ständigen Weight Watchers Zählerei hatte, steigert sie sich mit fortlaufender Geschichte in immer mehr Belanglosigkeiten rein. Auch die Geschichte an sich, die in mehrere Kurzgeschichten unterteilt scheint, verrennt sich immer mehr. Zwar ergibt sie am Ende eine zusammenhängende Handlung, doch scheint den Autorinnen am Ende ein wenig die Ideen auszugehen.

Vicious

Ein Vorwort

Ich habe voller Entsetzen festgestellt, dass ich euch meine Lieblingssitcom noch nie richtig vorgestellt habe. Vielen sagt der Titel vielleicht etwas von meinen Bemerkungen zwischendurch oder erinnert sich, dass er es relativ weit nach oben in meinen Top 25 Serien der letzten 10 Jahre geschafft hat. Doch was verbirgt sich dahinter und warum sticht sie meiner Meinung nach alle anderen Sitcoms aus? Erfahrt es in meiner Kritik.

Die Handlung

Freddie Thornhill (Ian McKellan) und Stuart Bixby (Derek Jacobi) sind schwul und leben nun seit 50 Jahren zusammen. In der Zeit hat sich ihre Beziehung zu einer gewissen Hassliebe entwickelt. Dennoch halten sie zusammen. Zum Beispiel wenn ihre Freundin Violet (Frances de la Tour) wieder einmal von einer gescheiterten Beziehung erzählt. Frischen Wind in den Alltagstrott bringt der neue junge Nachbar Ash (Iwan Rheon).

Meine Meinung

Vicious ist an vielen Stellen eher ein Theaterstück als eine Fernsehserie. So spielen 90% der Serie im Wohnzimmer von Freddie und Stuart. Dort wurde die Serie auch vor Live-Publikum und am Stück gefilmt. Dadurch gibt es sehr wenig Schnitte. Ebenfalls ist die Besetzungsliste sehr klein. Dennoch weist sie die typischen Merkmale einer Sitcom auf. Was macht diese Serie also besser als die anderen Sitcoms?
Nun zum einen sei gesagt, ich mag generell Sitcoms. Wer mit dem Format absolut nichts anfangen kann, wird wohl auch hier nicht glücklich werden. Wer hingegen nur mit den all-time-favourites von Pro7, wie How I met your mother, The Big Bang Theory oder auch Two and a half man nichts anfangen kann, findet hier vielleicht sein Glück. Denn die Serie ist zum einen keine Hollywood-Produktion, sondern kommt aus Großbritannien. Und hier sticht vor allem der schwarze Humor der Briten gerne hervor. Wenn Freddie und Stuart sich mit der typischen englischen Eleganz ihrer Darsteller bewegen und sich auf höflichste Weise zutiefst beleidigen, dann ist das absolut sehenswert und einfach unfassbar lustig. 
Das funktioniert allerdings nur mit einer guten Charakterkonstellation, was hier gegeben ist. Auch einige running-gags konnten sich so etablieren. An vorderster Stelle stehen natürlich Freddie und Stuart, da sich auch 90% der Serie in ihrem Wohnzimmer abspielt. Freddie ist Schauspieler und wenn man ihm zuhört, möchte man meinen, dass er ein begnadeter Star ist. Allerdings hält er sich eher mit kleinen Nebenrollen über Wasser. Hier einmal der Bösewicht in Dr. Who, dort zweimal in Downton Abbey durchs Bild gelaufen. Stuart ist eher der Hausmann, der alles am Laufen hält. Ebenfalls in jeder Folge zu sehen sind Violet, die gute Freundin der beiden, und Ash, der junge Nachbar. 
Violet ist im gleichen Alter, wie Freddie und Stuart, hat es aber bisher nicht geschafft einen Mann zu finden. Dafür berichtet sie ständig von neuen Bekanntschaften. Sie ist ein Freigeist und hält sich für unwiderstehlich, was sie in kleinen Flirts mit Ash auslebt. Ash ist neu nach London gezogen. Er bezieht die Wohnung über Freddie und Stuart und holt sich gerne Tipps bei den beiden, da seine Eltern beide im Gefängnis sitzen. Zunächst wird er von Freddie und Violet des öfteren angeflirtet, entwickelt dann aber freundschaftliche Gefühle für beide. Die kontrastreichen Leben des älteren Paares und des jungen Ash werden gerne für ein paar Gags genutzt, z. B. wenn Ash die beiden mit auf eine Party nimmt.
Ebenfalls wiederkehrende Charaktere sind Penelope (Marcia Warren) und Mason (Philip Voss). Sie sind Freunde von Freddie und Stuart und tauchen immer zu kleinen Feiern auf. Dabei ist Mason immer pikiert über die geringe Gastfreundschaft der beiden, während Penelope immer ein wenig abwesend und durcheinander wirkt.  
Während Staffel 1 und 2 aus jeweils 6 Episoden – plus ein Weihnachtsspecial – bestehen, besteht Staffel 3 mit dem Namen „The Final“ aus einer 60 minütigen Episode, die in die vier Jahreszeiten unterteilt wurde und die Geschichte zu einem runden Ende bringt. Damit ist die Serie beendet. Sehr schade, denn ich hätte gerne noch viel mehr gesehen, doch das wichtigste war erzählt und man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist. 

Das Fazit

Vicious ist irgendwo zwischen Sitcom und Theaterstück angeordnet und kann mit einmaligen Charakteren, faszinierenden Schauspielern und dem unverwechselbarem schwarzen britischem Humor begeistern. Eine große Empfehlung, wer in den klassischen Sitcoms nicht fündig wird und auch für jeden anderen.

X-Men: New Mutants

Ein Vorwort

Nach einer langen Leidensgeschichte hat es nun der letzte X-Men Film in die Kinos geschafft. Zwischendurch standen die Chancen dafür ja sehr schlecht. Regisseur Josh Boone (Das Schicksal ist ein mieser Verräter) hatte zunächst eine große Vision, sie sollte nah an den Comics bleiben und einem Horrorfilm gleichen. Seitdem wurde der Film immer weiter nach hinten verschoben und immer mehr wurde daran herumgedoktert, bis er schließlich fast neu gedreht wurde. Was der letzte X-Men Film nun wirklich kann und warum er kein Vollfiasko, wie zuvor Dark Phoenix war, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Danielle Moonstar (Blu Hunt) erwacht nach einem Angriff auf ihr Reservat in einem eher ungewöhnlichen Krankenhaus. Unter der Leitung der Ärztin Dr. Reyes (Alice Braga) sind hier eine Handvoll Patienten untergebracht, alle mit ungewöhnlichen Fähigkeiten. Laut Dr. Reyes sollen sie diese kontrollieren lernen, um auf eine größere Sache vorbereitet zu werden. Doch etwas scheint dort nicht zu stimmen.

Meine Meinung

Nach der langen Entstehungsgeschichte habe ich ehrlich gesagt eine absolute Katastrophe erwartet. Ähnlich wie bei Venom, wo man zu viele Handschriften erkannt hat. Zumal die letzten X-Men Filme Apocalypse und Dark Phoenix sich ja eher zu übertreffen versuchten, wer die Reihe unwürdiger beendet hätte. Nun fällt diese Aufgabe den New Mutants zu. Und ganz ehrlich, der Reihe hätte es wesentlich schlechter ergehen können, allerdings auch wesentlich besser.
Mit New Mutants wird sich zum ersten Mal vom klassischen Schema weggetraut. Wir haben hier keine Superhelden im Superheldenanzug und auch keinen klassischen Bösewicht. Wir haben keine Cameos von bekannten Mutanten und auch nur ganz wenig Anspielungen auf die bekannte Welt. Stattdessen haben wir eine Anstalt, die grundsätzlich einem Horrorfilm entsprungen sein könnte, was wohl auch der ursprüngliche Wille des Regisseurs war, und drinnen haben wir eine Mutanten Coming of age Story, die aus gutem Grund mit dem Breakfast Club verglichen wird. 
Das Ganze wurde mit einem überwiegend guten Cast unterstrichen, auch wenn Hauptdarstellerin Blu Hunt ihre Danielle eher blass darstellt. Hier kommt sie gegen ihre erfahreneren Kollegen, allen voran Anya Taylor-Joy, einfach nicht an. Die Stärke des Films liegt auch deutlich in den Charakteren und ihrem Miteinander. Denn solange sich der Film auf das Coming-of-age konzentriert, funktioniert er. 
Das ändert sich leider, sobald er versucht sich auch als Horrorfilm zu präsentieren. Was mir als Schisser vielleicht noch zu Gute kommt, ist leider eine ziemliche Verschwendung des Settings. Die zwischendurch auftauchenden Monster sind wenig gruselig und eigentlich beobachten wir eher die Charaktere, die schreien, wenn es sie selbst betrifft und die anderen die von einem zum anderen rennen. Gerade hier hätte man viel mehr aus dem Setting machen können, mehr mit den Ängsten der Charaktere spielen und die Fähigkeiten der Mutanten mehr einsetzen können.
Denn dann hätte man sich das sehr plumpe Finale wohl auch sparen können. Denn so ist es ein reines „Wir lassen noch einmal alle Charaktere ihre Fähigkeiten zeigen! Und zwar schön nach einander, damit auch alle richtig zur Geltung kommen“. Das ist für das Finale des Finalfilms einer solchen Reihe dann doch sehr billig. 
Letztlich passt der Titel, denn der Film zeigt neue Mutanten, die mit den Filmen zuvor nichts zu tun hatte. Letztlich lässt er sich auch mit den wenigen Referenzen trotzdem ins X-Men Universum einordnen. Was hier aber hätte draus werden können, wenn man dem Regisseur einfach vertraut hätte, bleibt nur zu erahnen.

Das Fazit

X-Men: New Mutants ist wohl nicht der schlechteste Abschluss der Reihe, aber kränkelt dann doch an zu vielen Stellen, um wirklich gut zu sein. So bleibt es nur ein netter Versuch eines Horrorfilms mit Coming-of-Age und Mutantenelementen. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

X-Men: New Mutants läuft seit dem 10.09.2020 in den deutschen Kinos

Alexa & Katie

Ein Vorwort

In meiner kurzen Blogpause hatte ich Besuch von meiner besten Freundin. Und wenn wir nicht gerade die Gegend unsicher gemacht haben, neue und alte Spiele entdeckt haben oder einen Film sahen, dann wurde Alexa & Katie geguckt. Eine Serie über zwei beste Freundinnen, gesehen von zwei besten Freundinnen. Warum mich aber die Serie auch noch so sehr überzeugen konnte, dass wir innerhalb einer Woche alle vier Staffeln gesehen haben, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Alexa Mendoza (Paris Berelc) hat Leukämie. Doch zusammen mit ihrer besten Freundin seit Kindheitstagen Katie Cooper (Isabel May) hat sie die Chemo überstanden. Nun steht der erste Tag der Highschool bevor, doch Alexa fallen nun doch die Haare aus. Doch zusammen meistern die beiden jedes Hindernis. Egal, ob durch den Krebs verursacht oder ein ganz alltägliches Teenagerproblem. Unterstützung bekommen beide durch ihre Familien, die ebenfalls gut befreundet sind.

Meine Meinung

Alexa und Katie ist in vier Staffeln fertig erzählt und abgeschlossen. Mit insgesamt 39 Folgen und einer durchschnittlichen Laufzeit von 25 Minuten gut zwischendurch ansehbar. Die Serie erzählt die Geschichte der beiden besten Freundinnen Alexa und Katie. Grundsätzlich ist die Serie im Stil einer Sitcom aufgebaut. Doch bleibt die Krebsthematik ein zentraler Bestandteil der Serie, so dass auch viele ernste Themen angesprochen werden. 
Dabei halten sich ernste Themen und heitere Themen die Waage. Dabei wird die Krankheit an keiner Stelle klein geredet oder ins Alberne gezogen. Stattdessen wird versucht mit humorvollen Dialogen die Stimmung zu heben, aber trotzdem werden immer wieder wichtige Abschnitte nach einer Krebsbehandlung angesprochen. Der Haarausfall ist lediglich der Anfang, weiter geht es um die Angst vor der Rückkehr, die ständigen Sorgen der Familie und dass Alexa den „Krebsbonus“ nicht haben möchte. Ansonsten geht es um die ganz alltäglichen Sorgen zweier Highschoolschüler und deren Familien. 
Dabei sind es neben den beiden Hauptcharakteren Alexa und Katie gerade die beiden Familien, die im Mittelpunkt stehen und die Serie so sehenswert machen. Da haben wir zum einen Alexas Familie. Mutter Lori (Tiffani Thiessen) ist eine echte Powerfrau. Sie koordiniert ihren Businessjob – später Eventmanagerin – die Erziehung der Kinder und den Haushalt. Sie mag manchmal etwas zu beschützend sein, lernt aber mit Alexa die Freiheiten zu akzeptieren. Vater Dave (Eddie Shin) ist Pilot, aber die Episoden sind so getimt, dass er die meiste Zeit zu Hause ist. Er ist ein liebevoller Vater, der seine Frau gerne mal bremsen muss. Dann gibt es im Haus Mendoza noch Lucas (Emery Kelly) den älteren Bruder Alexas. Er wird als typischer Schönling mit wenig Grips dargestellt, schließlich beginnt er aber trotzdem ein Medizinstudium. Er ist der perfekte Gegenpart zu Alexa, was für viele Witze sorgt, hat am Ende das Herz aber immer am rechten Fleck.
Gegenüber wohnt Katie mit ihrer Mutter Jennifer (Jolie Jenkins). Sie ist alleinerziehend und kämpft daher immer wieder mit den Finanzen. Neben ihrem Bürojob nimmt sie Abendkurse und erzieht noch zwei Kinder. Der Vater hat die Familie verlassen und reist um die Welt. Jennifer kennt Lori und Dave ebenfalls seit der Highschool, daher stehen sich die Familien sehr nah. Zu guter Letzt gibt es noch Jack (Finn Carr), Katies jüngerer Bruder. Er ist ein kleiner Wirbelwind und bringt noch den kindlichen Charme zu den öfter mal ernsten Themen. 
In den vier Staffeln, die jeweils ein Schuljahr repräsentieren, lachen, weinen, bangen, hoffen wir mit den Charakteren. Dabei wachsen sie einem sehr schnell ans Herz. Durch die kurze Dauer einer Episode lässt sich die Serie gut weggucken. Die Krebsthematik ist zwar sehr präsent, wird aber nicht zu sehr ausgeschlachtet, sondern findet die richtige Balance. 

Das Fazit

Alexa & Katie ist eine Teenagersitcom voller Herz. Durch die ernste Thematik rund um Alexas Krebserkrankung unterscheidet sie sich stark von den typischen Disneyvarianten, kommt aber trotzdem mit einer typischen Heiterkeit daher. Vor allem die Charaktere machen die Serie absolut liebenswert. 

Alexa & Katie ist auf Netflix verfügbar

Verity

Ein Vorwort

Ihr habt hoffentlich noch nicht genug von Bücherkritiken? Denn ich habe noch eine für euch! Wie schon bei den Beiträgen zuvor, handelt es sich um ein Buch, dass ich nicht in einer Kurzkritik abhandeln wollte. Außerdem ist die Kinolandschaft aktuell wieder etwas Mau, es haben wohl viele Filme Platz für Tenet gemacht. Also geht es hier jetzt um das aktuelle Werk von Colleen Hoover, das so anders ist, als ihre bisherigen.

Die Handlung

Lowen ist Autorin, doch keine sonderlich erfolgreiche. Zu sehr wehrt sie sich gegen alles, was mit Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zu tun hat. Doch nun steht sie kurz vor der Pleite, nachdem sie sich eine längere Auszeit genommen hat, um ihre kranke Mutter zu pflegen. Nach deren Tod nimmt sie nun einen Termin im Verlag wahr, um sich eine neue Einnahmequelle zu sichern. Auf dem Weg dorthin begegnet sie Jeremy unter denkbar schlechten Bedingungen. Kurz darauf trifft sie ihn wieder. Im Verlagsgebäude bei ihrem Meeting. Denn Jeremy ist der Ehemann der Starautorin Verity Crawford, die nach einem Autounfall nicht mehr in der Lage ist zu schreiben. Nun soll Lowen die begonnene Thrillerreihe Veritys weiterschreiben. Dafür bekommt sie nicht nur ein gutes Honorar, sondern wird auch von Jeremy eingeladen, in seinem Haus die Unterlagen Veritys durchzusehen. Doch dabei macht sie eine folgenreiche Entdeckung.

Meine Meinung

Von Colleen Hoover ist der treue Leser gewohnt eine absolut hinreißende Liebesgeschichte zu bekommen, doch immer irgendwo mit einem schwierigen Thema. Diesmal hat sich Frau Hoover jedoch über die „Schranken“ eines herkömmlichen Liebesromans hinaus gewagt und sich dem Genre des Psychothrillers genähert. So hat sie eine interessante Verwebung beider Genres geschaffen, die nur in Ansätzen den beiden Genres zugeordnet werden kann, aber beide nicht weitergehend vertieft. 
So hat sie mit der Anziehung, die ab der ersten Sekunde zwischen Lowen und Jeremy herrscht, den typischen Auftakt einer Liebesgeschichte. Durch die Geschichte mit der Thrillerautorin Verity, also Jeremys Ehefrau, und der beängstigenden Geschichte des Ehepaares, die von Verlust geprägt ist, nähern wir uns dem Thrillerbereich. Durch Aufzeichnungen, die Lowen in Veritys Büro findet, kommen wir in den Bereich des Psychothrillers. Letztlich ist es eine interessante Mischung, aber durch die Kürze des Buches kommt beides ein wenig zu kurz. Mit 357 Seiten hat es zwar die durchschnittliche Seitenzahl eines Hoover-Buches, aber kann sich einfach nicht richtig entfalten, weil irgendwo beide Genres abgedeckt werden wollen. Zumal sich auch einige Stellen einfach wiederholen. Man weiß zwar früh, worauf die Geschichte hinaus will, aber das Erreichen dieses dauert durch die vielen Wiederholungen einfach an. 
Dennoch kann man dem Buch nicht absprechen, dass es spannend ist, gerade zum Ende hin wird nochmal einiges rausgeholt und die Auflösung lässt einen reichlich unentschlossen und verwirrt zurück, was aber ein Geniestreich der Autorin ist, weil man sich hier wirklich fragen kann, wem man trauen kann/sollte. Dadurch wird einiges von den Wiederholungen zuvor, die sich aber keiner Stelle wirklich ziehen oder fehl am Platz wirken, wieder gut gemacht. 
Ich schreibe selten von der Covergestaltung der Bücher. Diesmal möchte ich aber doch mal darüber sprechen. Denn viele haben das Cover wegen der Farbauswahl kritisiert, die nicht zu dem eher düsteren Thema passe. Dem stimme ich zwar zu, finde das Cover aber dennoch gut gestaltet, da es eben den Kontrast zwischen den beiden Genres irgendwo widerspiegelt. Die rosa Wolken der verliebten und dazu die Vögel, die spätestens seit Hitchcock bedrohlich wirken können. Und ein düsterer Einband hätte einfach nicht zu der Geschichte gepasst.
Charakterlich ist wieder wenig auszusetzen. Hier beweist Mrs. Hoover wieder, dass sie einfach ein Talent dafür hat, Charaktere kurz vorzuführen und schon fühlt man sich ihnen verbunden. Hier ist es bei Familie Crawford allerdings wesentlich schwieriger, was ja aber auch durch die Grundunsicherheit der Charaktere gegenüber geschuldet ist. 

Das Fazit

Verity bleibt in der Grundstruktur ein gewohnt starkes Buch von Colleen Hoover. Durch den Ausflug ins Psychotrillergenre und der Verwebung mit der typischen Liebesgeschichte überzeugt das Buch aber nicht völlig, da beide Genres irgendwo zu kurz kommen und sich nicht richtig entfalten können. Dennoch ist es eine spannende Geschichte mit großartigem Ende.

Verity ist seit dem 13.03.2020 in den deutschen Buchläden verfügbar

Alice im Düsterland – Ein Spielbuch

Ein Vorwort

In meiner kurzen Bloggerpause vor ein paar Wochen war meine beste Freundin zu Besuch. Genau wie ich, ist sie ein großer Bücherwurm und wir zeigen uns gerne unsere Neuanschaffung. Diesmal hatte sie eine ganz besondere Neuentdeckung im Gepäck. Ein Spielbuch. Damit ist der Leser mittendrin, statt nur dabei. Was es damit genau auf sich hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Alice kann sich an ihre Abenteuer im Wunderland kaum noch erinnern. Doch als sie Jahre später wieder zurückkehrt, kehren Erinnerungen zurück. An das weiße Kaninchen, ihren Fall durch das Kaninchenloch und noch vielem mehr. Doch etwas ist passiert im Wunderland. Die wunderlichen Gestalten von früher scheinen nun Alpträumen entsprungen zu sein. Begleite Alice bei ihrem Weg zur roten Festung.

Meine Meinung

Seid ihr auch noch genauso verwirrt über den Begriff Spielbuch, wie ich es war, als mir davon erzählt wurde? Kurz erklärt bedeutet das, dass man nicht nur rein eine Geschichte liest, sondern direkten Einfluss auf das Geschehen nehmen kann. Hierzu trifft man Entscheidungen, würfelt Kampfe und Proben aus und muss Rätsel lösen.
Dafür gibt es keine Kapitel im klassischen Sinne, sondern mal kürzere oder mal längere Abschnitte. Am Ende jedes Abschnitts gibt es entweder eine Entscheidung, eine Probe oder einen Kampf. Je nachdem, was man wählt, springt man zu einem neuen Abschnitt im Buch. Dadurch entwickelt sich eine ganz persönliche Geschichte. Man kann das Buch daher auch mehrfach spielen, da es immer wieder Abschnitte gibt, die man vorher gar nicht gelesen hatte, einfach weil man diesmal andere Entscheidungen trifft. Schlechte Entscheidungen können aber auch zum sofortigen Ende des Abenteuers führen. Daher kann es passieren, dass man mehr oder weniger gezwungen wird, noch einmal von vorne anzufangen und andere Entscheidungen zu treffen.
Zum Spiel braucht man natürlich das Buch, zwei Würfel, Stift und einen Zettel für Notizen. Im Buch gibt es Alices‘ Abenteuerblatt. Ich empfehle es zu kopieren, damit man während des Spiels weniger blättern muss. Hier werden Alices Fähigkeiten, Kampfwerte und der Wahnsinnslevel notiert, die sich im Laufe des Spiels verändern können. Außerdem gibt es zwei Sonderfähigkeiten „Seltsam und seltsamer“ sowie „Die Feder ist mächtiger“, die man begrenzt und an bestimmten Stellen einsetzen kann. Außerdem dient das Abenteuerblatt zur besseren Übersicht bei den Kämpfen. 
Wenn man alle Spielutensilien bereit gelegt hat, kann es auch schon losgehen. Zunächst folgt eine kurze Einleitung, wie einzelne Anweisungen auszuführen sind und wie das Buch generell aufgebaut ist. Gerade die Erklärung über den Ablauf von Kämpfen ist ein wenig länger. Hier empfiehlt es sich beim ersten Kampf nochmal zur Anleitung zurückzublättern und diese dann anzuwenden, da man sich die einzelnen Besonderheiten sonst nur schwer merken kann. Dann geht es auch schon los mit der Einleitung und die ersten Entscheidungen sind zu treffen. 
Grundsätzlich hat mir die Geschichte und die Entscheidungen, die man treffen konnte, gut gefallen. Es war spannend, gab immer wieder etwas zu entdecken und hatte viel Bezug zu Alice im Wunderland, auch wenn es eine komplett neue Geschichte war. Zwischendurch gab es zwar ein paar Stellen, die ein wenig langatmiger waren, zum Beispiel sind wir relativ lange durch ein Labyrinth geirrt – ich empfehle das Anlegen einer Karte! – doch auch das gehört irgendwo zum Spiel dazu. Begleitet wird der Text auch oft von ganz wunderbaren Illustrationen, die viele Beschreibungen von Kreaturen verdeutlichen.
Das einzige, was mich wirklich gestört hat, war, dass es zwischendurch ein paar Rätsel gab, die wirklich ganz schön schwer waren, selbst wenn man beide Originalbücher kennt. Außerdem gibt es eine Stelle im Buch, die ohne Möglichkeit zu entkommen, zum sofortigen Ende des Buches führt, wenn man vorher nicht durch Zufall an einer ganz bestimmten anderen Stelle im Buch war. Außerdem muss man hier dann noch ein halber Schachmeister sein. Hier hätte es zumindest die Möglichkeit geben müssen, eine der beiden Spezialfähigkeiten einsetzen zu können. Sonst wird man an der Stelle ganz schnell gefrustet. 

Das Fazit

Alice im Düsterland ist ein Spielbuch voller Geheimnisse und finsterer Gestalten, so dass die Erkundung der Welt unglaublich viel Spaß macht, bis auf ein kleines Manko, dass den Spielspaß ziemlich trüben kann. Eine Empfehlung für jeden, der Rollenspiele mal ganz vereinfacht spielen will, oder für jeden, der schon immer beim Lesen mehr Mitbestimmen wollte.

Kiss me never

Ein Vorwort

2017 entdeckte ich Autorin Lana Rotaru mit ihrer damals im Selfpublishing erschienen Reihe „Deadly Sin Saga“. Es folgte ihre bereits abgeschlossene Reihe „Black – die Panther Trilogie„. Und ab dann hieß es für mich warten. Bis Frau Rotaru schließlich bekannt gab, dass sie wohl nicht mehr schreiben würde. Verzweiflung machte sich in mir breit. Doch manchmal geschehen noch Wunder. Und so kehrte Frau Rotaru als Autorin zurück und diesmal mit dabei: Der Impress-Verlag. Dies bedeutete nicht nur, dass sie Seven Sins-Reihe wieder aufgenommen wurde und (hoffentlich) endlich beendet wird, sondern auch, dass Impress noch eine weitere Reihe von Frau Rotaru ins Programm aufnahm. Die Crushed Trust-Reihe bestehend aus vier Bände rund um Amanda und den Frauenschwarm Dante wollte ich eigentlich erst nach der Seven Sins Reihe beginnen, doch als ich nach einer Ausschreibung der Autorin ein Rezensionsexemplar erhielt, wurde es nun Zeit, der Reihe jetzt schon eine Chane zu geben. Wie mir der Auftakt der Reihe gefiel, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Amanda ist sich sicher, dass der Tod ihres Bruders Andrew kein Motorradunfall war. Es war Mord. Und seine beiden besten Freunde Van und Dante sind darin verwickelt. Doch ausgerechnet für Dante hat sie selbst jahrelang geschwärmt. Nun versucht sie der Sache selbst auf den Grund zu gehen. Dabei kommt sie Dante gefährlich nah. Doch was hat es mit den Zetas auf sich? Und hatte Andrew vielleicht mehr Geheimnisse als Amanda dachte?

Meine Meinung

Wenn Liebesgeschichten über mehrere Bände erzählt werden, bin ich zunächst immer skeptisch. Denn in den meisten Fällen bedeutet das, dass sich die Geschichte an vorgeschriebene Muster hält. So verhält es sich meistens so, dass die Charaktere langsam zueinander finden, am Ende des ersten Bands auseinander gerissen werden, meistens einfach nur ein Missverständnis, dass sich irgendwann im zweiten Band aufklärt, nur um dann am Ende des zweiten Bands wieder auseinander gerissen zu werden und so weiter und so fort. Meistens funktioniert das bei Romantasy besser, als bei romantischen Fantasy-Geschichten, da sich hier die einzelnen Bände eher mit dem Aufbau zum großen Finale befassen und die Liebesgeschichte nur an zweiter Stelle steht. Und so versucht Lana Rotaru hier einen guten Kompromiss aus beiden Varianten zu bauen. Denn neben der aufkommenden Liebesgeschichte geht es eben auch um das Rätsel um den Tod von Amandas Bruder Andrew. 
Hierzu werden im ersten Band bereits einige Hinweise gestreut und so kommt bereits erste Spannung auf. Dennoch tappt Amanda und auch der Leser hier größtenteils noch völlig im Dunkeln. Vor allem bleibt es völlig offen, wem man trauen kann und wer die Wahrheit erzählt und wer nur falsche Fährten legt. So will man unbedingt mehr erfahren, muss sich aber zunächst durch eine Menge Wiederholungen graben. 
Dafür wird man aber mit einem wunderbar flüssigem Schreibstil entlohnt. Auch ist die Protagonistin zwar sehr hartnäckig in ihren Forderungen, wird dadurch aber nicht unsympathisch, sondern bleibt menschlich. So fiebert man mit ihr, stolpert über neue Erkenntnisse, hinterfragt alles, was ihr erzählt wird und hofft darauf, dass sich die Geschichte aufklärt.
Wesentlich undurchsichtiger ist ihr Gegenstück Dante. Der Inbegriff eines Bad Boys, aber trotzdem lernt man seine menschlichen Seiten kennen. Bei Bad Boys habe ich immer das Problem, dass ich ihren Wandel nachvollziehen muss. Bzw. dürfen sie am Anfang nicht so unfassbar unsympathisch werden, dass man ihnen ihr Verhalten nicht mehr verzeihen kann. Hier steht Dante zwischenzeitlich ziemlich auf der Kippe, dennoch merkt man ihm seine gute Seite stets noch an, was mir eine weitere Geschichte mit ihm realistisch macht.
Letztlich merkt man dem Band an, dass er als Einleitung für das kommende konzipiert wurde. Dafür funktioniert er noch erstaunlich gut und macht Lust auf die nächsten Bände. Wirklich störend ist nur eins: Das sehr abrupte Ende. Hier ist man gerade mitten in einer neuen Spur und kann es kaum erwarten herauszufinden, was dort passiert, als die Worte „Ende des ersten Bands“ auftauchen. Allerdings stellt Frau Rotaru so tatsächlich sicher, dass man auf jeden Fall zum nächsten Band greift. 

Das Fazit

Kiss me never ist ein guter Auftakt, der Spannung aufbaut, die Charaktere einführt, aber leider auch nicht versucht mehr als das zu sein. So endet die Einleitung sehr plötzlich. Doch sympathische Charaktere und ein schöner flüssiger Schreibstil entschuldigen einiges. Dann brauch ich wohl nun dringend den zweiten Band.

Kiss me never ist am 01.09.2020 als Taschenbuch erschienen

Kiss me never wurde mir von der Autorin und dem Impress Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Tesla

Ein Vorwort

Am Montag erschien mein Beitrag zu Edison – ein Leben voller Licht, der mich eher weniger überzeugen konnte. Bereits dort teaserte ich diesen Beitrag an, scheint er doch ein mehr oder weniger ein indirektes Sequel zu sein. Passenderweise hatte ich beide sogar direkt hintereinander und auch in der „richtigen“ Reihenfolge gesehen. Warum mir Tesla besser gefiel als Edison, mich aber trotzdem nicht vollständig überzeugen konnte, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Quelle

Die Handlung

Nikola Tesla (Ethan Hawke) kommt als Immigrant in die USA. Er startet seine Karriere in der Firma von Thomas Edison (Kyle MacLachlan), wechselt aber noch während des Stromkrieges zur Konkurrenz. Mit Westinghouse (Jim Gaffigan) an seiner Seite, und später J.P. Morgan als Geldgeber (Donnie Keshawarz), beginnt er die Ideen in seinem Kopf umzusetzen.

Meine Meinung

Warum Leonine die beiden Filme Edison und Tesla so kurz hintereinander in die Kinos geschickt hat, bleibt eine gute Frage. Denn zum einen könnte es durchaus gewollt sein, schließlich schließen sie thematisch aneinander an. Andererseits könnte es auch eines dieser komischen Zufälle durch Corona sein, denn so vergleicht man unweigerlich die beiden Filme miteinander, da neben Handlungsabschnitten sich auch viele der Charaktere überschneiden. So kommt man nicht umher das Casting miteinander zu vergleichen.
Während in ‚Edison‘ Tesla noch von Nicholas Hoult verkörpert wurde, gibt sich hier Ethan Hawke die Ehre. Der Unterschied hätte nicht größer sein können. Während Hoult seinen Tesla zwar als verkanntes Genie, aber auch als vornehmen Lebemann anlegt, der sich gerne als durchgehend reich ansieht, auch wenn er mal wieder in Geldnöten ist. Hawke hingegen zeigt ihn als stark introvertierten Mann, der stets etwas abweisend ist und eher schlecht als recht seine Ideen verteidigt. Welche Darstellung dem realen Tesla nun am nächsten kommt, dürfen gerne die Historiker beurteilen. Problematisch an Hawkes Tesla ist eher seine Unnahbarkeit. Hätte dies in ‚Edison‘ als Nebencharakter wohl noch funktioniert, birgt es hier seine Probleme, da ein Hauptdarsteller, der wenig sagt und mehr zu denken scheint, den Zuschauer leider schnell verlieren kann.
Regisseur Michael Almereyda versucht allerdings sehr viel um diesem Gefühl entgegenzuwirken. Da er aber nur ein Budget von ca. 5 Millionen Dollar zu Verfügung hat, muss er auch hier viel experimentieren oder tricksen. So fühlt sich der Film letztlich sehr zweigeteilt an. Es gibt den Lexikon-Teil und den Kunst-Teil.
Der Lexikon-Teil dauert ca. das erste Drittel des Films an. Hier wird mithilfe von Anne Morgan, Tochter des Finanziers J.P. Morgan, als Erzählerin noch einmal die wichtigsten Aspekte des Stromkrieges, also praktisch der gesamte Inhalt des Films ‚Edison‘, zusammengefasst, die auftauchenden Figuren werden erklärt und Teslas Rolle wird noch einmal entschlüsselt. Dafür werden ein Laptop, ein Beamer und Google verwendet. Tatsächlich erfährt man hier mehr über die Figuren und Zusammenhänge der verstrickten Personen als im gesamten Film ‚Edison‘, was noch einmal beweist, wie wenig dieser erklärt hat. Allerdings fühlt sich der Film hier auch eher nach einer Lehrstunde mit einfallsloser Präsentation an.
Abgelöst wird dieser vom Kunst-Teil. Das bedeutet zum einen, dass unsere immer unzuverlässiger werdende Erzählerin Anne Morgan, teilweise von Begegnungen erzählt, die auch dargestellt werden, wie beispielsweise zwischen Edison und Tesla, die es allerdings gar nicht gab, wie der Zuschauer am Ende der Szene aufgeklärt wird. Hier zieht Edison am Ende ein Smartphone aus der Hosentasche und spielt darauf. Während dies im ersten Moment wie ein großer Filmfehler wirkt, häufen sich solche Kleinigkeiten und sollen wohl eine sehr seltsame Art des „Foreshadowing“ sein. Zum anderen bedeutet es aber auch, dass, wahrscheinlich aus Kostengründen, ganze Filmsets nicht gebaut/bereist wurden, sondern durch Leinwand ersetzt wurden, vor der Hawke agiert. Das Ganze gipfelt schließlich in eine etwas befremdlich wirkende Karaokeszene.
Leider verliert Tesla ab dem Kunst-Teil irgendwo seinen roten Faden und während ich nach Tesla zwar das Gefühl hatte, nun endlich Edison richtig verstanden zu haben, kann ich nicht genau sagen, was Tesla mir danach erzählen wollte. Mal sieht man Hawke mitten in einem Experiment sitzen, das wohl eine große Entdeckung sein könnte, aber nicht genauer erklärt wird, nur um sich dann wieder mitten in Gesprächen über Geld zu verlieren. So zieht sich gerade die zweite Hälfte des Films mit einer Lauflänge von 102 Minuten irgendwann und man vermisst die immer spärlicher werdenden Erklärungen Anne Morgans.
Doch auch wenn man irgendwo den Faden der Erzählung verloren hat, wirkt Tesla irgendwo mit seinem geringen Budget viel sympathischer erzählt, als Edison. Gerade diese kleinen Kunstgriffe wirken irgendwo so herrlich ironisch, dass sie wieder Spaß machen. Es bleibt spannend, was Tesla hätte sein können, wenn er das Budget von Edison gehabt hätte.

Das Fazit

Tesla ist ein Film, der am Anfang etwas zu viel und am Ende etwas zu wenig erklärt, aber aus seinem geringen Budget wunderbare Ideen zur Umsetzung entwickelt. Mit einem leider sehr schweigsamen und introvertierten Hauptcharakter verliert der Film zwischendurch leider seinen roten Faden. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Tesla läuft seit dem 20.08.2020 in den deutschen Kinos.

Edison – Ein Leben voller Licht

Ein Vorwort

Nach Marie Curie scheint es die Zeit der Filmographien zu sein. Denn fast zeitgleich lief dann auch Edison mit dem Beititel „Ein Leben voller Licht“ in den deutschen Kinos an. Dieser wird dann indirekt weitergeführt von Tesla. Warum ich jedoch so meine Probleme mit Edison hatte, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Quelle

Die Handlung

Thomas A. Edison (Benedict Cumberbatch) setzt bei seinem Versuch die Stromanschlüsse in den USA auszubauen und das ganze Land mit elektrischem Licht zu versorgen auf Gleichstrom. Dies nutzt sein Konkurrent George Westinghouse (Michael Shannon) und entwickelt ein ähnliches System, allerdings mit Wechselstrom. Und so geben sich die beiden Herren in den 1880er Jahren ein Wettrüsten.

Meine Meinung

Während Marie Curie mit dem Beititel Elemente des Lebens aufschlug, wusste man mit dem deutschen Titel so ziemlich, dass es sich um eine vollumfängliche Filmographie handelte. Hingegen wurde man mit dem englischen Titel ‚Radioactive‘ ein wenig in die Irre geführt, glaubte man doch den Schwerpunkt auf der Entdeckung der Radioaktivität zu finden. Nun verhält es sich bei Edison genau anders herum. Der deutsche Titel ‚Edison – Ein Leben voller Licht‘ lässt einen glauben, hier ebenfalls eine allumfassende Filmographie zu finden oder auch nur ansatzweise eine Filmographie. Hier ist der Originaltitel deutlich präziser. Mit ‚The current war‘, übersetzt ‚der Stromkrieg‘, konnte man sich darauf einstellen, dass es zwar viel um Edison geht, aber eben hauptsächlich um das Wettrüsten. So ging ich leider mit falschen Vorstellungen an den Film. Was aber nicht weiter schlimm wäre, wenn der restliche Film eben diesen ‚Krieg‘ auch spannend erzählt hätte. Leider kränkelt der Film bereits genau hier.
Aber fangen wir zunächst mit einem positiven Aspekt an. Hier ist auf jeden Fall das Casting zu nennen. Wahrscheinlich wäre es niemandem so gut gelungen Edisons aufbrausendem Charakter irgendwo gerecht zu werden und dennoch ein Fünkchen Sympathie einzubringen, wie Benedict Cumberbatch. Auch Nicholas Hoult als Nikola Tesla, der hier zwar eine kleinere Rolle hat, aber trotzdem ausreichend Screentime, um seinen Charakter zu definieren, sticht eindeutig positiv hervor. Ein bisschen blasser hingegen wirkt Michael Shannon als George Westinghouse, was aber auch daran liegen kann, dass Westinghouse eher zurückhaltend agierte und weniger Starstatus hatte, wie Edison.
Kommen wir nun aber zum großen Problem des Films, selbst wenn man sich von dem Gedanken einer Filmographie verabschiedet hat: Die Erzählweise. Denn leider schafft Edison es nicht Spannung, geschweige auch nur Interesse, am Stromkrieg beim Zuschauer zu erzeugen. Denn leider vergisst er über seine inbrünstigen Dialoge über Gleich- und Wechselstrom dem Zuschauer das Geschehene zu erklären. Das beginnt bereits am Anfang. Edison ist unterwegs um mit seinem Geldgeber über neue Zuschüsse zu verhandeln, um eben jene Versorgung des Landes mit Strom zu starten. Wer im Physikunterricht nicht aufgepasst hat, steigt bereits hier aus, weil man keine Ahnung hat, was Edison bisher eigentlich genau gemacht hat. Kurz darauf wird im Labor Edisons ein großes Schaubild mit den USA installiert, wo für jede Stadt, die einen Vertrag mit Edison abschließt, eine Glühlampe eingedreht wird. Nachdem sich Westinghouse für das Konkurrenzprodukt entschließt, wird für jede Stadt die mit Westinghouses Wechselstrom arbeitet, eine rote Glühlampe eingedreht. Leider sieht man das Schaubild immer nur ausschnittsmäßig, kann als Zuschauer also nicht einschätzen, wer jetzt im Stromkrieg die Nase vorne hat. Auch wird nicht versucht dem Zuschauer die Vor- und Nachteile von Gleich- oder Wechselstrom erklärt, sondern nur Edisons Beteuerung, dass Gleichstrom die Leute töten wird, und Westinghouses Gegenargument, dass Wechselstrom effektiver sei. Keine Chance für den Zuschauer sich ein eigenes Urteil zu bilden, außer man hat früher Im Physikunterricht zu dem Thema aufgepasst und nach der Schule nicht wieder alles vergessen. Kurzum der Film vergisst den Zuschauer irgendwo an die Hand zu nehmen und ihm ein bisschen was zu erklären. Dadurch kommt allerdings auch keine Spannung auf, denn letztlich ist es dem Zuschauer einfach auch egal, wer gewinnt.
Und so ziehen sich 103 Minuten viel zu sehr in die Länge und man verfolgt den Film, wie er von Dialog zu Dialog rennt. Irgendwo kann man zwar den groben Sinn des ganzen verstehen, aber Erklärungen und/oder aussagekräftigere Bilder wären hier eindeutig angebracht gewesen.

Das Fazit

Edison – ein Leben voller Licht verpasst es leider den Zuschauer in den vielen Dialogen über das wirklich Wichtige aufzuklären und lässt diesen daher eher im Dunkeln zurück als zu erhellen. Trotz starker Schauspieler wirkt der Film so ungemein zäh. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Edison – Ein Leben voller Licht läuft seit dem 23.07.2020 in den deutschen Kinos

P.S.: Wenn ihr wissen wollt, warum ich den Film letztlich doch verstanden habe, dann schaut doch am Freitag wieder rein, wenn ich euch von Tesla berichte.

Tenet

Ein Vorwort

Der Hoffnungsschimmer der Kinos, der vielverschobene Film, der langersehnte Blockbuster oder einfach der neue Christopher Nolan. Nach einer langen Zeit des Zitterns hat er nun endlich seinen Starttermin in Deutschland gehabt. Bereits lange bevor wir uns mit dem Thema Corona auseinandergesetzt haben, angekündigt, war er lange das Hoffnungslicht der Kinos, weil er im Gegensatz zu den anderen Blockbustern nicht verschoben wurde. Und dann doch, aber immer nur für ein paar Wochen. Und nun ist er tatsächlich im europäischen Markt veröffentlicht wurden, obwohl im Hauptmarkt USA noch immer die Schotten der Kinos dicht sind – was zuvor nicht einmal zur Diskussion stand. Nun sind die Erwartungen an Nolan hoch. Nicht nur, dass er viele Zuschauer in die Kinos zieht, sondern auch, dass er seine Mindfuck-Zeitexperiment-Filmreihe weiterführt. Warum er genau hier leider ein bisschen übertreibt, erfahrt in in meiner Kritik.

Die Handlung

Der Protagonist (John David Washington) wird bei einem CIA-Einsatz in Kiew gefangen genommen und gefoltert. Als er sich aber dagegen entscheidet seine Leute zu verraten und lieber den Tod wählt, wird er in ein künstliches Koma befördert. Als er aufwacht, wird ihm eröffnet, dass er damit einen geheimen Eignungstest für das Geheimprojekt Tenet bestanden hat. Diese befasst sich mit temporal invertierten Waffen und versucht diese zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen. Dabei bekommt er Neil (Robert Pattinson) an die Seite gestellt. Eine erste Spur führt sie nach Mumbai.

Meine Meinung

Was verrät man über diesen Film und was nicht? Eine gute Frage, wo doch jede Äußerung ein potenzieller Spoiler sein kann, zumal sich die Trailer wunderbar bedeckt gehalten haben, wo der Film genau hinführt. Demnach werde ich versuchen möglichst wenig auf die Handlung an sich einzugehen. 
Befassen wir uns zunächst mit den Rahmenbedingungen des Films. Denn hier macht Nolan so ziemlich alles richtig, was man richtig machen kann. Er baut wunderbare Settings auf, die sich alle irgendwo unterscheiden und jedes für sich eindrucksvoll und doch realistisch sind. Dann wechselt er den Film passend mit spannenden Szenen und dialoglastigeren Szenen ab, so dass aber das Spannungsniveau von Anfang bis Ende ganz oben ist. Vor allem die Actionszenen an sich sind ein absoluter Augenschmaus. Gut choreographiert und gerade noch auf einem „Nur ein bisschen abgehoben“-Niveau. Flugzeug am Boden in Gebäude krachen lassen ist zwar beeindruckend, aber weniger abstrus als Sprünge oder Kletterpartien aus/an Flugzeugen – looking at you Tom Cruise. So nimmt man der ganzen Mission irgendwo noch ab, dass sie so abgelaufen sein könnte, aber trotzdem warten beeindruckende Bilder und spannende Stunts auf den Zuschauer. Hier behält man durch die sichere Kamerafahrt von Hoyte van Hoytema, der mit Nolan bereits bei Dunkirk und Interstellar zusammenarbeitete, immer den Überblick über den Fokus der Szene, auch wenn teilweise vieles gleichzeitig passiert. Positiv hervorzuheben ist auch der Soundtrack von Ludwig Göransson, der die Szenen sehr gut unterstreicht, permanent präsent ist und doch nie zu vordergründig wird. 
Kommen wir nun also zu dem schwierigeren Teil bei Tenet. Ich habe es bereits in meiner Einleitung Mindfuck-Zeitexperiment genannt. Eben jenes Spiel mit der Zeit, das Nolan gerne in seine Filme einbaut. Sei es die Rückwärtserzählung von Memento, die drei Zeitebenen in Dunkirk oder die unterschiedlichen Zeitgefühle in den verschiedenen Traumebenen in Inception. Nolan spielt gerne mit der Zeit und auch gerne so, dass am Ende (oder irgendwo mittendrin) ein Mindfuckmoment entsteht. In Tenet hat er nun gleich sein beliebtes Spiel mit der Zeit zum Hauptthema gemacht. Hier konnte er sich einmal richtig austoben und alles rauskitzeln was ging. Nun wenn man den Film als Gesamtkonstrukt sieht, funktioniert das ganze auch erstaunlich gut. So verlässt man am Ende den Kinosaal und ist von den ganzen Eindrücken absolut überwältigt und gerade nach dem großen Finale auch irgendwo wieder mit allem im reinen. Doch gerade zwischendurch merkt man, dass Nolan mehr als einmal in Erklärungsnöte gerät und diese einfach zu überspielen versucht. Dabei wirft er einfach mit ein paar Fachbegriffen um sich, die den Zuschauer mehr verwirren als aufklären und behauptet dann, dass er ja nun alles erklärt hat. Und wenn es daran geht, dass ein paar Logiklöcher auftauchen, werden die einfach mit ein paar Paradoxen erklärt. So ist man am Ende zwar durchaus noch verwirrt, weil einige Handlungsstränge nicht wirklich erklärbar sind. Man muss halt ein paar Dinge akzeptieren. Dazu gehören gewisse Paradoxe, aber vor allem die Ausgangsidee hinter Tenet. Wenn man die einfach als gegeben akzeptiert, hat man einen richtig guten Film. Wenn man anfängt einzelne Sachen zu hinterfragen, fällt aber das Kartenhaus sehr schnell in sich zusammen. 
Mit einer Lauflänge von 150 Minuten ist Tenet streckenweise zu lang. Hier hätte man Zeit gehabt, um dem Zuschauer ein paar mehr Details zu erklären, aber darauf wird verzichtet. Vielleicht auch einfach, weil Nolan es selbst nicht genauer erklären kann. Dennoch ist Tenet an keiner Stelle langweilig. 
Bleibt mir zum Schluss nur noch über die Schauspielleistungen zu sprechen. Fangen wir mit John David Washington an, der als Protagonist den Film größtenteils auf seinen Schultern trägt. Hier macht er grundsätzlich eine gute Figur, spielt dezent, auch wenn man sich manchmal ein bisschen mehr als nur das Pokerface gewünscht hätte. Positiv sticht hingegen Robert Pattinson hervor – und ja ich gehöre zu denen die nach Twilight alle Filme mit Pattinson gemieden haben, vielleicht ein Fehler wie sich hier zeigt. Auch der übrige Cast liefert eine gute Performance ab. Lediglich mit Kenneth Branagh als russischer zwielichtiger Geschäftsmann hatte ich so meine Probleme. Vielleicht weil er für mich immer noch ein wenig Professor Lockhardt (Harry Potter) oder Poirot (Mord im Orient-Express) ist. Auf jeden Fall habe ich ihm den Schläger nicht abgenommen. 

Das Fazit

Tenet ist der Blockbuster auf den wir gewartet haben. Nolan hat sich aber ein bisschen zu sehr in seinen eigenen Anforderungen an die Mindfuck-Zeitexperimente verstrickt, dass man das Gesamtkonstrukt akzeptieren muss, ohne es zu hinterfragen. Wer das kann, wird mit einem wunderbaren Actionthriller sehr gut unterhalten. Dafür gibt es 08 von 10 Punkten.

Tenet läuft seit dem 26.08.2020 in den deutschen Kinos