Suicide Tourist

Ein Vorwort

Wie geht man mit dem Thema Sterbehilfe respektvoll um? Muss es immer ein Für und Wider sein oder kann man es auch einfach nur aus der Sicht eines Betroffenen darstellen? Für diese Fragen holt Regisseur Jonas Alexander Arnby Game of Thrones Star Nicolaj Coster-Waldau in seine dänische Heimat zurück. Warum der deutsche Beititel „Es gibt kein Entkommen“ den Film in eine falsche Richtung drängt, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Max (Nicolaj Coster-Waldau) ist Versicherungsmakler und glücklich verheiratet mit Lærke (Tuva Novotny). Doch als bei ihm ein Gehirntumor festgestellt wird, der nicht mehr aufzuhalten ist, beschließt Max, dass er lieber abtreten möchte, solange er noch er selbst ist, bevor ihn der Tumor verändert. Dafür endet er im Hotel Aurora, einem abgeschiedenen Resort, in dem aktive Sterbehilfe praktiziert wird.

Meine Meinung

Suicide Tourist nimmt sich einem der am stärksten diskutierten Themen an, der aktiven Sterbehilfe. Hier hält er sich aber gar nicht lange mit dem Für und Wider auf, sondern präsentiert uns zunächst mit Max einen Mann, der mitten im Leben stand und durch seine Krankheit herausgerissen wurde. Wir erleben die Hiobsbotschaft des Arztes live mit und auch den Verarbeitungsprozess. Sowohl bei Max, der sich immer mehr in sich zurückzieht, als auch bei Lærke, seiner Frau, die mit allen Mitteln versucht, die verbleibende Zeit so schön wie möglich zu machen und ihn aus seinem Loch herauszuziehen.
Dabei geht uns das Schicksal Maxs besonders nah, da mit Nicolaj Coster-Waldau ein Schauspieler gefunden wurde, der es versteht, die kleinen Nuancen in Gestik und Mimik zu setzen, so dass seine Entscheidungen nachvollziehbar sind. Der Film nimmt sich trotz einer Länge von 90 Minuten die Zeit Max zunächst über verschiedene Methoden nachdenken zu lassen, ehe er das Hotel Aurora entdeckt und sich für die aktive Sterbehilfe entscheidet.
Das er dies seiner Frau nicht mitteilt, spricht auch wieder dafür, dass sich der Film gänzlich gegen eine Diskussion entschieden hat. Max als Betroffener hat die Entscheidung getroffen und kein Außenstehender darf dagegen argumentieren. Im Resort selbst trifft er dann auch verschiedene Charaktere, die in kurzen Andeutungen zwar eine Minidiskussion vorbereiten, die aber nie zu Ende geführt wird. Hier wird natürlich viel Potential verschenkt, denn allein durch die Vielfalt der „Patienten“ und deren Beweggründe hätte man ein vielschichtigeren Film schaffen können. So bleibt der Film bei Max und seinen Gründen.
Suicide Tourist ist langsam erzählt und nimmt sich Zeit für seinen Charakter. Durch ausdrucksstarke Bilder, dem brillanten Schauspiel Coster-Waldaus und der abgelegenen Landschaft Dänemark schafft der Film es eine ernste Stimmung zu schaffen, die einen die Beweggründe Maxs verstehen lässt, auch wenn man die Meinung über das Prozedere nicht teilt. Über 70 Minuten ist der Film sehr stark. Nur um ganz am Ende dann dem deutschen Beititel „Es gibt kein Entkommen“ noch mal alle Ehre zu machen und sich in einen Mysterythriller zu verwandeln. Dies schadet dem Film jedoch sehr, denn zum einen ist die gesamte Stimmung dahin und das ernste Thema wird noch einmal ordentlich mit Füßen getreten. Mit dem offen gehaltenen Ende wird der Zuschauer dann auch noch einmal verwirrt zurückgelassen, so dass die gesamte Botschaft des Films dahinsiecht.
Ich hätte mir in dem Film insgesamt mehr Dialoge gewünscht, die eine Diskussion zum Thema befeuert hätten oder auch verschiedene Beweggründe genauer darlegt. Dafür hätte ich gerne komplett auf den Mystery und Thriller Part am Ende verzichtet, der keinerlei Mehrwert bot, sondern praktisch mit der Keule auf den Zuschauer eindrosch, dass Sterbehilfe wohl doch keine gute Idee sei.*

Das Fazit

Suicide Tourist ein ein Film mit schwierigem Thema, der sich um die nötige Diskussion drückt, dies aber in einem stark gespielten Film auf die Erfahrung eines Betroffenen reduziert. Mit eindrucksvollen Bildern und brillantem Spiel überzeugt der Film bis zu seinem abdriftenden Ende, welches die zuvor gezeigte Geschichte unwürdig abschließt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Suicide Tourist läuft seit dem 02.07.2020 in den deutschen Kinos

 

*Ich möchte hier noch erwähnen, dass ich keine feste Meinung zu dem Thema vertrete, da ich die Argumente beider Seiten nachvollziehen kann, selbst aber noch nie in der Situation war mich dafür oder dagegen zu entscheiden, bzw. auch keinen kenne, der die Entscheidung schon einmal fällen musste und daher nicht aus einem neutralen Posten urteilen möchte.

Eine Handvoll Serienkritiken

Heute mit dabei: Eine gehirnsüchtige Pathologin, ein Meisterdetektiv zwischen London und New York, die Erklärung der alltäglichsten Dinge durch einen Dinosaurier-Experten, ein außer Kontrolle geratener Freizeitpark und ein schauspielender (Ex-)Auftragskiller. 

IZombie – Staffel 1

Die Handlung: Liv Moore (Rose McIver) ist frisch verlobt, ehrgeizige Medizinstudentin und einfach rundum glücklich. Bis auf einer Bootsparty ein Virus ausbricht und sie gekratzt wird. Mit blassem Teint, weißblonden Haaren und einem Heißhunger auf Gehirn, muss sie entsetzt feststellen, dass sie ein Zombie ist. Sie bricht die Verlobung, schmeißt das Studium und sucht in der Pathologie eines Polizeireviers einen neuen Job. Dadurch hat sie Zugriff auf die Gehirne der verstorbenen. Zusammen mit ihrem Kollegen Ravi Chakrabarti (Rahul Kohli) sucht sie nach einem Gegenmittel. Gleichzeitig stellen sie fest, dass Liv nach einem Gehirnmahl Charaktereigenschaften und Erinnerungen der Verstorbenen annimmt, wodurch die Detektive Clive Babineaux (Malcolm Goodwin) tatkräftig unterstützt.

Meine Meinung: Ich bin ein großer Fan von (gut gemachten) Crimeserien. Wohingegen ich mit dem Zombiethema so gar nichts anfangen kann. Daher hatte ich bisher auch einen großen Bogen um die Serie gemacht, auch wenn mein Lebensgefährte bei der Serie durchaus ins Schwärmen geriet. Nachdem ich aber Miss Fishers Mysteriöse Mordfälle beendet hatte, musste doch irgendwo wieder eine Crimeserie bei mir einziehen. Und so gab ich der Serie doch eine Chance. Und ja, man muss sagen, dass sie es sehr schnell schafft durch die Charaktere und Ausgangssituation einen in den Bann zu ziehen, so dass ich die erste Staffel auch in wenigen Tagen durchgeschaut hatte. Bisher haben Crimethemen und Zombiethemen auch noch eine gute Balance, allerdings ist meine Befürchtung, dass weitere Staffeln eher in Richtung Zombiethema gehen, weswegen ich noch vor dem Weiterschauen zurückschrecke. Wobei ich der Serie wahrscheinlich zumindest für eine weitere Staffel noch die Chance gebe.

Elementary – Staffel 7

Die Handlung: Sherlock (Johnny Lee Miller) und Joan (Lucy Liu) sind nach dem Ende der sechsten Staffel nach London gegangen, um so dem FBI zu entgehen. Doch gerade Joan schlägt sich mit Heimweh herum. Als dann auch noch eine Schreckensnachricht vom NYPD die beiden erreicht, reist Joan zurück. Gleichzeitig hat Odin Reichenbach (James Frain), der Kopf hinter einem großen Internetunternehmen, einen Algorithmus geschrieben, mit dem er Verbrechen vorhersagen will, um so die Verbrecher vorab auszuschalten. Er versucht Sherlock und Joan für sein Unterfangen anzuwerben, die jedoch kritisch bleiben.

Meine Meinung: Die finale Staffel Elementary kommt mit 13 Folgen verkürzt daher. Dennoch war es für mich als großer Fan der Serie, gut zu wissen, dass nach dem mehr oder weniger Cliffhanger am Ende der sechsten Staffel noch ein paar Folgen zur Aufklärung kommen. Die Staffel schafft es auch tatsächlich trotz der kurzen Zeit, das offene Ende der sechsten Staffel aufzugreifen, einen neuen Gegner einzuführen und die gesamte Serie zu einem Ende zu bringen. Ganz nebenbei gibt es auch weiterhin die Mordfälle der Woche, die zu lösen sind. Es gibt Wiedersehen mit alten Bekannten und auch den ein oder anderen endgültigen Abschied. Auch wenn die Sherlock Holmes Fans da draußen sich wohl vorstellen können, in welche Richtung die Handlung um den Charakter Reichenbach führen kann, bleibt die Staffel durchgehend spannend. Mit der finalen Episode haben sie mich dann durch ein Wechselbad der Gefühle geschickt. Aber dennoch war es eine runde Sache, auch wenn man aus der finalen Episode vielleicht eine Doppelfolge hätte machen können, um für ein paar Sachen einfach ein wenig mehr Zeit zu haben – oder statt einer Doppelfolge auch gerne nur eine Folge mit Überlänge. Aber all das bleibt Jammern auf hohem Niveau, denn Elementary ist eine sehr gute Serie, geht respektvoll und doch Modern mit seinem literarischen Vorbild um und weiß immer wieder zu überraschen.

The World according to Jeff Goldblum – Staffel 1

Die Handlung: Jeff Goldblum, ja der Schauspieler, hat 12 verschiedene Themen vorgesetzt bekommen, auf die er einen Blick werfen soll. Dabei sind es ganz alltägliche Themen, wie Fahrräder, Pools oder Grillen. Dafür hat er sich möglichst wenig informiert, um durch Gespräche mit den verschiedensten Personen neue Einblicke zu erhalten und seine Gedanken dazu mitzuteilen.

Meine Meinung: Disney+ hat nach seinem Release gleich daran gesetzt Publikum mit eigenen Originals die wöchentlich ausgestrahlt werden, an die Plattform zu binden. Neben Erfolgsrezepten wie The Mandalorian, durfte Jeff Goldblum (Jurassic Park, Independence Day) uns in 12 Folgen seine Sicht auf die Welt mitteilen. Dabei ist das Interessanteste, dass er sich mit ganz alltäglichen Dingen auseinander setzt und dann immer zu einer Großveranstaltung oder einzelnen Personen geschickt wird, um dort neue Eindrücke zu gewinnen. Untermauert wird dies immer wieder mit diversen Bildermontagen, die Geschichte und Entwicklung des Themas zeigen. Dabei wird alles mit Goldblums Charme und einer gewissen Lockerheit behandelt, so dass neben reinen Fakten auch ein echter Mehrwert geboten wird. Und auch wenn ein Thema mal so gar nicht interessant klang, gibt es doch in jeder Folge einen Aspekt, den man so vielleicht gar nicht beachtet hätte und der das Thema dann irgendwo doch interessant macht. Und nun bleibt mir nichts anderes übrig, als sehnsüchtig auf die nächste Staffel zu warten.

Westworld – Staffel 2

Die Handlung: Am Ende der ersten Staffel brachen die Hosts aus ihren vorbestimmten Rollen aus und Chaos kam über den Park, in dem jeder Gast in ein vorgefertigtes Szenario in einer Wild-West-Welt schlüpfen kann, um seine Gewalt- und andere Fantasien ausleben zu können. Doch der Aufstand der Hosts ist blutig und die Angestellten des Parks haben alle Hände voll zu tun die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Und was ist das für ein großes Geheimnis, das unbedingt beschützt werden muss?

Meine Meinung: Die ganzen einzelnen Charaktere und ihre Handlungsstränge aufzuzählen, würde diese Kurzkritik definitiv sprengen. Sagen wir der Zuschauer verfolgt mehrere Gruppen, teilweise Mitarbeiter, teilweise Host, teilweise Gäste, um den Aufstand der Host aus mehreren Gesichtspunkten darzustellen. Dabei tauchen zwischendurch Charaktere auf und verschwinden wieder. Manche bekommen erst gegen Ende der Staffel eine Bedeutung. Selbst der Aufstand besteht nicht aus der einen Gruppe, sondern ist in mehrere Splitterparteien unterteilt. Hier nicht den Überblick zu verlieren ist schon schwer. Doch den Machern der Serie war dies noch nicht Verwirrung genug, stattdessen haben sie auch noch beschlossen die Staffel nicht linear zu erzählen. Mit Hilfe des Charakters Bernard werden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft immer wieder wild gemischt. Dies wird leider auch bis zum Ende nicht wirklich aufgeklärt. Der Kunstgriff sollte wohl genutzt werden, um immer wieder überraschende Wendungen einbauen zu können, führt aber lediglich dazu, dass der Zuschauer immer verwirrter wird. Tatsächlich hätte ich mir am Ende gewünscht, dass ich noch einmal an die Hand genommen werde und mir ganz genau erklärt wird, was wann und warum passiert ist. Dies ist leider nicht passiert, weswegen ich auch gar nicht so genau sagen kann, ob mir die Staffel wirklich gefallen hat. Qualitativ ist sie auf einem weiterhin sehr hohen Niveau und auch schauspielerisch kann man nichts negatives sagen. Vielleicht hätte ein Handlungsstrand, eine andere Zeitlinie weniger schon geholfen. Denn am besten gefiel mir tatsächlich eine Folge, in der es hauptsächlich um einen Nebencharakter ging, der auf einmal eine viel wichtigere Rolle spielte. Einfach weil er mir seine Geschichte einfach von vorne bis hinten chronologisch erzählte. Auch die Erweiterung der Settings – neben Westworld gibt es noch mindestens zwei weitere Parks – war zwar eine interessante Idee, führte aber letztlich einfach zu weit. Weniger ist eben manchmal doch mehr.

Barry – Staffel 2

Die Handlung: Barry Berkman (Bill Hader) muss mit den Konsequenzen seiner Tat aus der finalen Episode der ersten Staffel leben, die auch seinen Schauspiellehrer Gene Cousineau (Henry Winkler) aus der Bahn wirft. In der Schauspielschule soll jeder ein traumatisches Erlebnis in einem kurzen Stück verarbeiten, was Barrys Freundin Sally (Sarah Goldberg) ganz in den Bann zieht. Und ganz nebenbei wird Barry wieder von der tschetschenischen Mafia eingespannt, da Hank (Anthony Carrigan) seine Zusammenarbeit mit den Bolivianern in Gefahr sieht, als die Anführerin der burmesischen Mafia anfängt sich einzumischen.

Meine Meinung: Die Grundidee der ersten Staffel einen Auftragskiller zu schaffen, der viel lieber Schauspieler wäre, war so kurios, dass ich sie mir einfach ansehen musste. Und Bill Haders Barry war einfach so kurios, dass ich mich regelrecht auf die zweite Staffel freute. Doch musste ich leider feststellen, dass die zweite Staffel bei weitem nicht mehr so gut funktionierte wie die erste. Das liegt zum einen daran, dass der Schatten der finalen Episode der ersten Staffel (ich möchte hier ungern spoilern, für alle, die die Serie noch schauen wollen) noch über der Handlung liegt. Und auch, weil an gewissen Stellen einfach der Witz raus ist. Dies merkt man vor allem an Folge Fünf die einfach nur völlig over the top ist und einfach nicht wusste, wann man besser aufhören sollte. Auch NoHo Hank schafft es nur mit der immer gleichen Masche für ein wenig Witz zu sorgen, was irgendwann auch nicht mehr erheitern kann. So hat die zweite Staffel von Barry zwar durchaus noch einige gute Ideen, aber irgendwo zu wenig, um ein ganze Staffel zu füllen, weswegen einzelne Aspekte immer und immer wieder durchgekaut werden. Vielleicht war der Stoff grundsätzlich nur geeignet für eine Miniserie. Es kann natürlich auch sein, dass nun durchaus ganz neue Ansätze gefunden werden, und mich die dritte Staffel dann noch einmal ganz neu überrascht.

 

Sommerlektüren – Ausgabe 2

Ein Vorwort

Im letzten Jahr präsentierte ich euch meine liebsten Sommerlektüren der letzten drei Jahre. Dieses Jahr soll das Format etwas anders aussehen. Denn durch mangelnden richtigen Sommerurlaub – ich muss das über uns schwebende Stichwort bestimmt nicht erwähnen – habe ich mir den Urlaub versucht ins heimische Wohnzimmer zu holen. Herausgekommen sind sechs Bücher, die mich mal mehr und mal weniger in Sommerstimmung versetzt haben. Daher gibt es diesmal auch ein Ranking und ansonsten die gewohnten Buchkurzrezensionen. Vielleicht ist ja für den ein oder anderen noch die passende Lektüre dabei 🙂

Sommerlektüren

Platz 6: Das Café der guten Wünsche – Marie Adams

Die Handlung: Die Freundinnen Julia, Bernadette und Laura führen ein kleines Café im Herzen einer großen Stadt. Gerade Julia ist eine große Träumerin und alle drei glauben an die Macht der gedachten Wünsche. Und so wünschen sie jedem Gast stets etwas Gutes. Julia trifft auf den Pessimisten Robert, der ihr Leben ganz schön durcheinander wirbelt.

Meine Meinung: Das Buch war dieses Jahr mein erster Versuch einer leichten Sommerlektüre, auch wenn noch kein Sommer war. Das war dann wohl auch das sichere Zeichen dafür, dass das Buch nicht in die Kategorie passt. Denn Das Café der guten Wünsche ist einfach nur nervig. Zunächst muss man sich schon an die fehlenden Kapitel gewöhnen. Stattdessen wird mit Absätzen gearbeitet. Dadurch hat man aber irgendwie keinen Anhaltspunkt, wo gedanklich etwas neues beginnt. Die Autorin wollte dies wohl auch gar nicht ordnen, denn sie hat nicht den einen Erzähler und sei es ein allwissender, sondern sie lässt einfach alle Charaktere mal gedanklich zu Wort kommen. Dadurch kann man zwar die Handlungen dieser nachvollziehen, aber man muss auch damit klar kommen, dass auf einer Doppelseite gerne dreimal die Erzählperspektive gewechselt wird. Mir hat das nicht gefallen. Aber selbst, wenn man damit gut klar kommt, ist da dann noch die Geschichte an sich und ihre schrecklichen Charaktere. Alle handeln mit einer Naivität, die absolut unsympathisch wirkt. Es gab keinen Charaktere, den ich auch nur ansatzweise mochte, stattdessen wollte ich permanent alle schütteln und ins Gesicht schreien, dass sie bitte nicht so bescheuert sein sollen. Zusätzlich dreht sich die Geschichte auch immer wieder im Kreis und will einfach nicht vorkommen, nur um dann mit dem absolut offensichtlichen Ende aufzuwarten, dass dann komplett überstürzt und hastend auf einen zugerast kommt. Keine Empfehlung für dieses Buch.

Sommerlektürenfaktor: *

Platz 5: Die kleine Traumküche in Cornwall – Jane Linfoot

Die Handlung: Clemmie ist eine Weltenbummlerin. Lieber nimmt sie immer kleine Jobs für Zwischendurch an und zieht dann regelmäßig weiter, als sich an einen Ort zu binden. Durch eine Erbangelegenheit muss sie dann doch in das kleine Küstenstädtchen St. Aiden, wo sie aufwuchs, zurückkehren. Ihre besten Freundinnen aus Kindheitstagen sind begeistert sie wieder da zu haben. Doch für Clemmie steht fest: Sie wird die geerbte Wohnung verkaufen und dann wieder nach Paris zurückkehren. Doch als sie Wohnung mit der charmanten Einrichtung und dem traumhaften Ausblick sieht, gerät ihr Entschluss ins Wanken. Doch eine große Renovierung des Hauses steht bevor, an dem sich alle Besitzer zu beteiligen haben.

Meine Meinung: Die kleine Traumküche in Cornwall ist wohl genau das. Eine süße kleine Wohnung, in der man wunderbar mit Gebäck und abends einem Sommerdrink da sitzen kann und dem Wellenrauschen lauscht. Doch diesem Glück stehen noch ein paar schwere Entscheidungen im Weg. Dabei hat die Handlung und auch die mal mehr, mal weniger unterschwellige Liebesgeschichte genau die richtige Dosis von allem für die perfekte Sommerlektüre. Also was ist passiert, das es nur für einen fünften Platz gereicht hat?
Tatsächlich ist es der Schreibstil Jane Linfoots. Ich fand das Buch mit dem Hinweis „Für Fans von Manuela Inusa und Jenny Colgan“. Während Inusa mich bereits zweiten Mal überzeugen konnte, gefiel mir das einzige Werk von Colgan, das ich gelesen habe, überhaupt nicht. Trotzdem habe ich diesem Buch eine Chance geben wollen. Leider ist Linfoots Schreibstil eine Katastrophe. Zum einen wird die Handlung unnötig gestreckt, zum anderen, und das ist der weit schlimmere Teil, schreibt sie so wirr, dass ich ihre Sätze teilweise einfach nicht nachvollziehen konnte. Es war mit mitunter nicht klar, welcher Charakter welchen Satz gesagt hat, gerade in Dialogen. Denn teilweise würden die Sätze nur Sinn ergeben, wenn jemand anderes sie sagen würde, aber in einem abwechselndem Dialog geht das einfach nicht auf. Ich habe teilweise ganze Seiten mehrfach gelesen, weil mir ganze Szenen nicht klar wurden. Als würden zwischendurch Gedankensprünge gemacht werden, die dem Leser nicht erklärt werden. Dadurch bekommt man aber auch die Charaktere nicht zu fassen, weil die ebenso wirr und sprunghaft wirken. Teilweise sind mir die Charaktere regelrecht unsympathisch geworden, weil ich ihre Handlungen nicht logisch nachvollziehen konnte und ihre Dialoge dann sehr fehl am Platz wirkten. Das ist sehr schade, denn eigentlich hätte es ein richtig schönes Buch werden können.

Sommerlektürenfaktor: ***

Platz 4: Jane Austen bleibt zum Frühstück – Manuela Inusa

Die Handlung: Penny Lane hat Liebeskummer seit mit Trevor Schluss ist. Warum ist das wahre Leben auch nicht so einfach, wie in ihren geliebten Büchern? Zumal sie sogar in Bath in einer WG lebt, in deren Wohnung früher sogar einmal Jane Austen lebte. Kurzerhand wünscht sich Penny Jane Austen her, damit sie ihr mit ihrem Kummer helfen kann. Und findet tatsächlich am nächsten Morgen die berühmte Autorin in ihrem Bett vor. Direkt aus dem Jahr 1802. Nun muss sie Jane die moderne Welt erklären und bekommt dafür Ratschläge in Sachen Liebe.

Meine Meinung: Jane Austen bleibt zum Frühstück ist nicht Inusas aktuellstes Werk, allerdings reizte mich der Titel und die Beschreibung. Und wie bereits bei Auch Donnerstags geschehen Wunder konnte mich das Buch sogleich in den Bann ziehen. Die Geschichte ist wunderbar lockerleicht und lässt sich schnell weg lesen. Der Schreibstil ist sehr flüssig, die Charaktere größtenteils sympathisch und die Idee bietet einfach viele Ansatzstellen, die mal mehr und mal weniger ausführlich behandelt werden. Man merkt Inusa auch an, dass sie viel zum Thema Jane Austen recherchiert hat und die Begebenheiten – meiner Laienmeinung nach – chronologisch richtig eingeordnet hat. Warum hat das Buch es also nicht viel weiter vorne ins Ranking geschafft? Nun das hat zwei Gründe. Der eine ist der, dass es sich um ein Sommerlektürenranking handelt und obgleich die Handlung im Sommer angesiedelt ist, eben dies nicht größer als Thema hat. Und dies ist zumindest für mich ein wichtiges Kriterium bei meinen Sommerlektüren. Der andere Grund ist der, dass mir die Darstellung Jane Austens nicht immer gefallen hat. Wie bereits erwähnt, hat Inusa ordentlich recherchiert. Dennoch schafft sie es nicht, Austen als sympathischen Charakter zu etablieren. Denn der Zeitreisenkonflikt ist allgegenwärtig und Austen ist mit der modernen Welt nicht vertraut. Sie dadurch zu einem „Dummdummchen“ verkommen zu lassen, erscheint mir dennoch nicht gerecht. Auch möchte Inusa ihre Jane natürlich weiterhin altmodisch sprechen lassen, wie es in ihrer Zeit nun einmal üblich war. Dabei werden gewissen Formeln jedoch einfach in Endlosschleife wiederholt („Es ziemt sich nicht“), anstatt den Sprachanteil wirklich auszubauen. Nun mag man böse sagen, dass es für diese kleine Geschichte durchaus ausreicht, dennoch machen solche Kleinigkeiten den Unterschied zwischen gut und großartig aus. Der eigentlichen Geschichte schadet es aber nur wenig, weswegen ich das Buch gerne außerhalb des Sommerlektürenfaktors deutlicher bewerben möchte.

Sommerlektürenfaktor: ***

Platz 3: Der Duft von Sommerregen – Tania Schiele

Die Handlung: Lena ist begeisterte Assistentin eines Kunsthändlers. Sie lebt praktisch für ihre Arbeit und genießt nebenbei das Singleleben. Mit 40 wird das jedoch im Familien- und Freundeskreis immer mitleidiger wahr genommen. Als sie auf der Hochzeit einer Freundin dann den charmanten Jonas kennenlernt, überlegt sie ihren Vorsatz noch einmal. Doch wieso überkommt sie dann immer die Sehnsucht, wenn sie das Klavierspiel eines Nachbarn hört?

Meine Meinung: Wer mit 40 noch nicht den passenden Deckel gefunden hat, hat es schwer mit dem Mitgefühl der Mitmenschen. Dies muss Lena merken. Damit ist Der Duft von Sommerregen erst einmal eine sehr erwachsene Liebesgeschichte, denn es geht um Charaktere, die bereits mit beiden Beinen fest im Leben stehen und ihre eigenen Angewohnheiten und Abläufe haben. Dennoch wird Lena nicht verbittert oder schrullig dargestellt, sondern einfach als unabhängige Frau, die sich bisher einfach nicht binden wollte. Die Geschichte nimmt einen beschwingten Verlauf und kreiert eine Dreiecksgeschichte, die hinten raus vielleicht ein paar Stellen zu kurz kommt. Hier hätte man durchaus die sehr leidenschaftlichen Beschreibungen der beruflichen Tätigkeiten etwas herunterfahren können, da die für den Laien dann doch einfach überflüssig sind, da sie die Handlung nur sehr bedingt vorwärts treiben. Zumal man nach der ersten Beschreibung bereits Lenas Begeisterung für ihren Job nachvollziehen kann und dies zur Charakterisierung durchaus ausreicht und keiner weiteren ausschweifenden Szenen bedurfte. Mit der Szenerie Hamburgs im Sommer bekommt der Name dann auch gleich eine doppelte Bedeutung, da ich Hamburg gerne verregnet kennengelernt habe. Und obwohl es sich grundsätzlich um eine schöne Geschichte handelt, fehlte mir der letzte Funken, sowohl beim Sommergefühl, als auch in der Geschichte an sich. Ein letztes Aufleuchten. Dennoch ein verdienter Platz 3.

Sommerlektürenfaktor: ***

Platz 2: Schmetterlinge im Bauch – Daniela Böhle

Die Handlung: Mitten in der Hauptstadt, Berlin, lebt Nina. Frisch geschieden, erstmals alleinerziehend. Als Chefsekretärin in einem großen Krankenhaus fühlt sie sich ziemlich aufgehoben. Doch der neue Chefarzt integriert gegen sie und dann steht sie auf einmal vor einer traumhaften kleinen Konditorei mit dem Schild „Praktikantin gesucht“. Spontan nimmt sie unbezahlten Urlaub und stellt sich mit über 40 nochmal einem ganz neuen beruflichen Abenteuer.

Meine Meinung: Darf man mit über 40 noch von einem vollständigen Neuanfang träumen? Wenn man in seiner beruflichen Laufbahn eigentlich längst in einem Job angekommen ist, darf man dann noch eine neue Richtung einschlagen? Dieser Frage geht Daniela Böhle in ihrem ersten Roman, das sich an eine erwachsene Zielgruppe richtet, auf den Grund. Dabei nimmt sie uns aber auch auf eine Reise ins sommerliche Berlin, inklusive Baden im See, Picknick im Park oder einfachen Radtouren. Neben der beruflichen Veränderung, soll es aber auch um das Finden einer neuen Liebe gehen, bzw. erst einmal um die Suche dieser. Dabei stehen neben mehren Online Dates auch die ein oder andere reale Katastrophe bevor. Letztlich schafft Böhle es einen lockeren Sommerroman zu schreiben, der zwischendurch vielleicht eine Baustelle zu viel behandelt, so dass es am Ende etwas gehetzt aufgelöst wurde. Ein Rückschlag, alles wird hingeschmissen, nur um sich dann doch noch einmal zu drehen. Ich sage das nicht oft, aber hier wären entweder ein Handlungsstrang weniger oder vielmehr ein paar Seiten mehr doch eine gute Lösung gewesen, damit sich nach einem tollen Buch nicht alles in einem übereilten Ende auflöst. Aber letztlich bleibt das Jammern auf hohem Niveau. Sommerfeeling ist hier auf jeden Fall ausreichend vorhanden und das trotz dem Setting der Großstadt.

Sommerlektürenfaktor: ****

Platz 1: Kirschkuchen am Meer – Anne Barns

Die Handlung: Marie reist zusammen mit ihrer Mutter und Oma zur Beerdigung ihres Vaters, zu dem sie seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr hatte, was vor allem an der garstigen Stiefmutter lag. Doch bei der Seebestattung taucht eine geheimnisvolle Frau auf, die ihr ein paar Unterlagen zusteckt und dann verschwindet. Anscheinend war sie vor dem Tod mit Maries Vater zusammen. Auf der Suche nach der Frau und Antworten reist das Dreiergespann weiter nach Norderney. Mit dabei ein großer Eimer Kirschen, der schnell für neue Bekanntschaften sorgt.

Meine Meinung: Anne Barns habe ich im letzten Jahr erstmals kennengelernt. Mit Honigduft und Meeresbrise hatte ich meinen Sommerroman gefunden – der allerdings auch auf hoher See gelesen wurde, was vielleicht das Gefühl auch etwas beeinflusst hat. Nun musste die Autorin in ihre eigenen Fußstapfen treten. Dies gelingt ihr auch stellenweise sehr gut, auch wenn sich beide Geschichten in einigen Punkten vielleicht zu sehr ähneln. Beide Geschichten führen nach einem Trauerfall an die See. Beide Geschichten werden mit Familienmitgliedern mehrerer Generationen bestritten. In beiden Geschichten verweben sich die Abenteuer an der See mit Backerlebnissen und neuen Bekanntschaften. So steht Kirschkuchen am Meer zwar im Schatten des vorherigen Sommerromans, und schafft es auch nicht aus diesem auszubrechen, erzeugt aber dennoch erneut wieder Sommergefühle und versetzt einen selbst weit ab vom Meer in diese ganz besondere Stimmung, die nur Wellenrauschen sonst erzeugen kann.

Sommerlektürenfaktor: *****

Der Spion von Nebenan

Ein Vorwort

Der offizielle Kinostart dieses Films war zwar bereits im März, aber durch Corona ist halt alles ein bisschen anders. Und da der Spion von Nebenan Mitte März zwar noch anlief, aber schon bald von den Kinoschließungen betroffen war, läuft er jetzt halt immer noch. Ob sich der Gang ins Kino zu Dave Bautista als CIA-Agent der Nachbarschaft lohnt, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

JJ (Dave Bautista) wurde nach seiner Zeit bei den Special Forces von der CIA rekrutiert. Doch sein erster Undercover-Einsatz geht schief und ein Plutonium-Kern gerät in die falschen Hände. Nun wird er nach Chicago strafversetzt, wo er Schwägerin und Nichte des Kriminellen beobachten soll. Als Partnerin bekommt er die ambitionierte Bobbi (Kristen Schaal) als Hackerin zugeteilt. Doch die Nichte Sophie (Chloe Coleman) findet schnell die Überwachungskameras und nutzt ihr Wissen als Druckmittel, um JJ dazu zu bringen, mit ihr mehr Zeit zu verbringen, da sie seit dem Umzug nach Chicago keine Freunde hat und ihre Mutter viel arbeiten muss. Dieser ist zunächst wenig begeistert, ist jedoch auch froh für ein bisschen Abwechslung.

Meine Meinung

Der Spion von Nebenan verfolgt das Schema einer typischen Actionkomödie. Mission am Anfang, die schiefläuft, schnelles Briefing, damit der Zuschauer grob weiß, wer der böse Junge ist, dann werden die Zelte beim Beobachtungssubjekt aufgeschlagen, dort wird Freundschaft geschlossen, es folgen ein paar witzige Szenen mit den unterschiedlichen Protagonisten, noch schnell eine Liebesgeschichte mit reingeschrieben und schon geht es ans große Finale. Dort trifft man dann auch fast das erste Mal auf den bösen Jungen, Showdown und Ende. Ach ich vergaß, zwischendurch muss unser Held natürlich noch Probleme mit seinem Boss bekommen.
Dieser Film weicht von dieser bekannten Formel kein Stück ab, schafft es aber sie liebevoll umzusetzen. Das liegt vor allem an einem guten Mutter-Tochter-Gespann in Form von Sophie (Chloe Coleman) und Kate (Parisa Fitz-Henley). Beide verkörpern nicht die Frau in Nöten, die vom großen starken Mann beschützt werden müssen, sondern beweisen, dass sie es beide faustdick hinter den Ohren haben. Dennoch darf unser Held Held bleiben, schließlich wissen die Damen ja nicht, dass sie in Gefahr sind. Hinzu kommen passende Nebencharaktere, wie die Partnerin Bobbi, die zu JJs Stimme der Vernunft mutiert und das schwule Nachbarpärchen – und ja sie dürfen durchaus mehr sein als nur das schwule Nachbarpärchen.
Schwieriger ist es tatsächlich beim Bösewicht und beim Helden. Denn Dave Bautista mag in den Guardians of the Galaxy als Drax durchaus funktioniert haben, wurde ihm da auch nicht gerade eine große Schauspielleistung abverlangt. Auch hier reicht es an vielen Stellen den harten Kerl zu spielen, aber in einzelnen Szenen hätte man doch gerne ein bisschen Mimik gehabt, um die Veränderungen im Charakter auch irgendwo nachvollziehen zu können. Auch unser Bösewicht Victor Marquez (Greg Bryk) bleibt sehr platt. Das liegt aber vor allem daran, dass das Drehbuch ihm nur ganz wenige Szenen gibt und der Großteil im Finale ist. Da gab es schauspielerisch überhaupt keine Möglichkeit seinen Charakter irgendwie auszubauen.
Was den Actionanteil angeht, bleibt Der Spion von Nebenan hinter seinen Möglichkeiten zurück. Dies wird jedoch durch den Komödienanteil wett gemacht. Denn hier beweist der Film, dass er es durch gut ausbalancierte Witze, popkulturelle Andeutungen und Situationskomik durchaus versteht eine größtenteils intelligente Komödie zu bauen.
Letztlich haben wir einen sehenswerten Film mit kleineren Logiklöchern, der sich zwar nichts wirklich traut, sondern lieber im immergleichen Schema bleibt, aber dies wurde wenigstens gut umgesetzt, so dass der Film durchgehend unterhalten kann. Ein bisschen neuer Input wäre trotzdem schön gewesen.

Das Fazit

Der Spion von Nebenan hält sich schematisch strikt an sein Genre und wagt leider nichts neues. Dies macht er aber mit viel Charme, tollen Charakteren und viel Witz durchaus wett. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Der Spion von Nebenan läuft seit dem 12.03.20 in den deutschen Kinos

Rettet den Zoo

Ich war im Kino. Sätze, von denen ich dachte, dass es noch eine ganze Weile dauern würde, ehe ich sie wieder sagen könnte. Doch die Wiedereröffnungen der Kinos gehen langsam voran. Ich muss dafür zwar immer noch ein ganzes Stückchen fahren, da hier in der Umgebung nur ein einziges privates Kino, mit süßen drei Kinosälen, offen hat und wir waren auch die einzigen Zuschauer, was nicht gerade dafür spricht, dass es sich für die Kinos wirklich lohnt wieder zu öffnen, aber hey, ich war im Kino!

Ein Vorwort

Mit dem Oscarsieg von Parasite wurde wohl ein deutliches Zeichen gesetzt, dass Hollywood nicht mehr die einzige Filmschmiede ist, die bei den größten „Hollywood“-Preisen abräumen kann. Auch wurde der koreanische Film noch einmal als nicht zu unterschätzende Instanz gestärkt. Mit Rettet den Zoo zeigt Südkorea nun, dass es auch Komödien kann. Wie mein erster Kinofilm nach den Coronaschließungen war, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Kang Tae-soo (Ahn Jae-hong) ist Assistent in einer großen Anwaltskanzlei in Seoul. Für eine Festanstellung bekommt er die Aufgabe einen bankrotten Zoo zu retten. Doch als er dort ankommt, muss er feststellen, dass die meisten Tiere mitgenommen wurden und er nicht einfach neue kaufen kann. Mit den vier verbliebenden Angestellten schmiedet er einen folgenschweren Plan. Die Angestellten sollen in lebensechte Tierkostüme schlüpfen und so die Besucherzahlen wieder ankurbeln.

Meine Meinung

Ich mag Zoos. Auch wenn man über das Für und Wider durchaus diskutieren kann, ist es für mich doch immer eine einzigartige Erfahrung. Demnach konnte mich der Titel des Films auch gleich bekommen. Der Film beginnt im hektischen Großstadttummel in Seoul und schickt Tae-soo bald in die ruhige Umgebung des Zoos. Hier wird der engagierte Anwalt schnell mit allen Problemen konfrontiert und muss feststellen, dass es eigentlich keine Möglichkeit für ihn gibt, die „interessanten“ Tiere zu besorgen – also ich für meinen Teil weigere mich die Erdmännchen als uninteressant zu bezeichnen. Also muss er mit einer etwas ungewöhnlichen Idee sich behelfen. So werden die Tierkostüme geordert und die Mitarbeiter üben fleißig ihre Rollen. Doch fällt den Besuchern nicht auf, dass es keine echten Tiere sind? Nun, wer rechnet in einem Zoo damit, dass es dort unechte Tiere sind?
Rettet den Zoo schafft es in der Lauflänge von 117 Minuten den typischen Aufbau eines Dramas auszuspielen und einige Wendungen waren dadurch auch ziemlich vorhersehbar. Dennoch weiß der Film es an den richtigen Stellen zu überraschen und sich immer wieder aufzuraffen, wenn die Handlung am Boden scheint. Der Film wird als Komödie angepriesen, versteht sich aber darauf eher unterschwelligen Humor einfließen zu lassen und eher auf die Komik der verzwickten Situation anzuspielen, als verzweifelt irgendwelche Schenkelklopfer einzubauen. So ist es eher ein starkes Drama mit großem Komödieneinfluss als direkt eine Komödie. Aber gerade dieser Genremix hebt den Film positiv ab. Die herzerwärmende Geschichte tut ihr übrigens, um dem Film eine ganz eigene charmante Note zu geben.
Auch verklärt der Film die Bedingungen in einem Zoo nicht. Gerade am Beispiel des Eisbären Black Nose wird deutlich gemacht, dass viele Tiere im Zoo gewisse Ticks entwickeln und diese selten positiv für das Tier sind. So nimmt sich der Film einerseits der Begeisterung von Jung und Alt für die Zoos an, zeigt aber im Umkehrschluss auch die Kehrseite für die Tiere. So müssen sich die verkleideten Mitarbeiter eben auch mit rüpelhaften Besuchern auseinandersetzen, die die Tiere bewerfen und anschreien, wenn sie sich nicht genug zeigen.

Das Fazit

Rettet den Zoo ist eine kleine Filmperle die es versteht aus charmanter Grundidee einen guten Komödien-Dramen-Mix zu kreieren, gleichzeitig Denkanstöße gibt und dabei durchgehend unterhält. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Rettet den Zoo läuft seit dem 04.06.2020 in den deutschen Kinos.

Back to the 90’s – Ein Serienkritik Duo

Ein Vorwort

Sitcoms sind aus der Fernsehlandschaft nicht mehr wegzudenken. In den letzten Monaten habe ich aus einer Laune heraus mit zwei Sitcoms aus den 1990er Jahren begonnen und musste feststellen, dass sie auch heute noch sehr gut funktionieren – auch wenn es manchmal schon sehr witzig war, wenn die Handys frisch erfunden waren und neu eingeführt wurden. Hier nun meine abschließende Meinung zum jungen Will Smith, der von Philadelphia nach Bel Air zieht und einer Freundesclique in New York.

Friends

Die Handlung

Monica lebt in New York. Zu ihren engsten Freunden gehört die exzentrische Phoebe und ihre Nachbarn Chandler und Joey. Ebenfalls zur Clique gehört ihr Bruder Ross. Sie treffen sich regelmäßig im Café Central Perk. Dort findet sie eines Tages auch Rachel, mit der Monica in der Highschool gut befreundet war, deren Wege sich danach aber trennten. Rachel ist in guten Verhältnissen aufgewachsen und wollte soeben einen Zahnarzt heiraten, als sie kalte Füße bekam. Sie beschließt bei Monica einzuziehen und entwickelt sich schnell zu einem festen Mitglied der Gruppe.

Meine Meinung

Ich bin lange Zeit nicht an die Serie rangekommen. Ich habe die Pilotfolge bestimmt dreimal gesehen, ehe ich mich nun doch einmal an die zweite Folge gewagt habe. Und ja, die Serie braucht ein wenig um ihren Rhythmus zu finden. Aber schon nach kürzester Zeit konnte ich es mir gar nicht mehr ohne die Serie vorstellen. Umso trauriger war es nach zehn Staffeln dann auch wieder Abschied nehmen zu müssen.
Die Serie lebt zweifellos vom Zusammenspiel der Charaktere. Da haben wir zu einem Monica, Köchin und Überordentlich. Alles in ihrer Wohnung, die auch der Hauptschauplatz der Serie ist, muss immer am gleichen Platz stehen. Alle Freunde haben Schlüssel zur Wohnung und kommen und gehen auch, wann sie wollen. Rachel stößt neu zur Clique. Sie kommt aus gutem Haus und hat bisher lieber Daddys Geld ausgegeben und sich einen ebenfalls gut verdienenden Mann gesucht, als sich um eine Ausbildung zu kümmern. Mit Hilfe der Freunde löst sie sich aus der Spirale und fängt an im Stammcafé zu jobben. Sie macht im Laufe der Serie wohl die größte Entwicklung durch, vom verwöhnten Naivchen zu einer starken unabhängigen Frau. Phoebe ist die dritte Frau im Bunde. Sie lebt einen ausgeprägten Hippiestil, arbeitet als Masseurin und hat ihre Jugend auf der Straße verbracht. Durch ihre quirlige Art bringt sie stets frischen Schwung in die Runde. Chandler ist derjenige mit dem langweiligen Bürojob und den unangebrachten Witzen. Doch gerade dieser Humor kontrastiert sehr gut zu dem der anderen und lässt einen ziemlich oft schmunzeln. Joey ist Schauspieler, leider aber eher erfolgslos. Seine wechselnden Jobs sorgen oft für einen Lacher. Und – um es liebevoll auszudrücken – er ist nicht unbedingt die hellste Kerze auf dem Kuchen. Zu guter Letzt haben wir noch Ross, Monicas Bruder. Er ist Paläontologe und wird damit gerne als der Nerd der Gruppe bezeichnet.
Die Themen wechseln mit den Staffeln. Während es am Anfang noch vermehrt um das Leben in New York geht und sich mit beruflichen Entscheidungen befasst wurde, geht es in den letzten Staffeln beinahe ausschließlich um die Beziehungen, die zuvor zwar auch immer eine große Rolle spielten, aber sich mit anderen Themen die Waage hielten. Dennoch haben sie es geschafft zum richtigen Zeitpunkt die Bremse zu ziehen und konnten so nach 10 Staffeln in Würde enden.
Friends verfolgt den typischen Aufbau einer Sitcom, schafft es aber trotzdem seinen ganz eigenen Charme einfließen zu lassen. Nicht umsonst ist es auch heute noch eine der beliebtesten. Umso gespannter können die Fans sein, wenn es nach Corona doch noch zur lang ersehnten Reunion kommt.

Fresh Prince of Bel Air

Die Handlung

Will Smith lebt mit seiner Mutter in Philadelphia. Nach einer Schlägerei beim Basketballspiel auf der Straße, schickt ihn seine Mutter besorgt zu ihrer Schwester Vivian. Diese lebt mit ihrem Mann Phil, einem erfolgreichen Anwalt, in Bel Air. Durch das bessere Umfeld soll Will behüteter aufwachsen. Doch der Kulturschock ist nicht zu verachten.

Meine Meinung

Fresh Prince of Bel Air ist eine Serie, mit der ich lange Zeit gar nichts anfangen konnte, so ignorierte ich sie einfach. Während mir viele auch nach Jahren noch das Rapintro vorsingen konnten, zuckte ich nur die Schulter. Doch Netflix ließ nicht locker. Immer aggressiver wurde mir die Serie vorgeschlagen, weil sie angeblich perfekt zu meinem Sehverhalten passe. Schließlich gab ich nach – immerhin hatte mir Netflix auch schon so manche Perle vorgeschlagen. Und nach einem ziemlich holprigen Start, begleitete ich die Serie dann auch bis zum Ende.
Denn gerade am Anfang wird der Witz allein durch das Zusammentreffen zwischen Will und der Familie Banks, die unterschiedlicher nicht sein konnten, herausgearbeitet. Nach einigen Folgen sind dann aber die Charaktere herausgearbeitet, so dass die Serie gesetzter und weniger gezwungen wirkt. Ab dann funktioniert das Konzept auch deutlich besser.
Denn zum einen haben wir hier einen jungen Will Smith, der auch in der Serie Will Smith heißt, da sie wohl lose auf seinen eigenen Erfahrungen basiert, der in Philadelphia und da in ärmlicheren Verhältnissen aufwuchs, also auch ein sehr lockeres Leben führt. Dazu wird der Kontrast der gut situierten Familie Banks in Bel Air gebildet. Aber auch die einzelnen Figuren der Familie bilden noch einmal große Unterschiede, wodurch auch die Witze in den weiteren Staffeln gut funktionieren. Da gibt es zum einen Onkel Phil, das Oberhaupt der Familie. Er ist erfolgreicher Anwalt, verdient dadurch gut und versucht seiner Familie alles zu bieten, was er niemals hatte. Seine Frau, Tante Vivian, ist die gute Seele im Haus, die ihre Kinder, aber auch ihren Mann, gerne wieder auf den Boden der Tatsache holt. Oft vermittelt sie zwischen Will und anderen Familienmitgliedern. Hilary, die älteste Tochter, ist die typisch verwöhnte Frau aus reichem Haus. Nicht mit sonderlich viel Intelligenz gesegnet, liebt sie es zu shoppen und Daddys Geld auszugeben. Carlton, das mittlere Kind, ist in Wills Alter und repräsentiert in jeglicher Hinsicht das komplette Gegenteil Wills. Er ist snobistisch, sehr ehrgeizig und will unbedingt in die Fußstapfen seines Vaters treten. Ashley ist das jüngste Kind und nimmt Will am Anfang am ehesten auf. Im Laufe der Serie kommt sie in die Pubertät. Ihr erwachsen werden inklusive einer Rebellenphase wird immer wieder aufgegriffen. Ab der vierten Staffel kommt noch Baby Nick dazu. Auch wurde mit der vierten Staffel die Schauspielerin der Mutter ausgetauscht, was leider auch mit einem ziemlichen Charakterwechsel daher kommt. War Vivian vorher die gute Seele, wird sie nun zum vernachlässigbarem Nebencharakter.
Ebenfalls in jeder Folge dabei ist der Buttler Geoffrey. Er hat das Jammern über sein Leben perfektioniert, ist aber auch nie um einen spitzen Kommentar verlegen. Auch das Auftauchen von Wills Freund Jazz wird zu einem running gag, da Onkel Phil ihn nicht im Haus haben mag, da er einen schlechten Einfluss hätte und ihn daher desöfteren wortwörtlich aus dem Haus wirft.
Die Serie hat den grundsätzlichen fröhlich-heiteren Ton einer Sitcom drauf, schafft es aber auch an den richtigen Stellen ernst zu werden. Rassismus, Armut und Vaterlosigkeit sind Themen, die regelmäßig aufgegriffen werden. Auch Coming-of-Age wird viel thematisiert.

Das Fazit

Sowohl Friends als auch Fresh Prince of Bel Air sind Sitcoms, die in der heutigen Zeit noch genauso gut funktionieren, wie früher. Auch wenn viele technische Entwicklungen fehlen, funktionieren die Witze immer noch und das ist doch ein gutes Zeichen. Und jetzt alle: So, this is the story, all about how, my life…

Unorthodox

Ein Vorwort

Das Schöne an Netflix Originalen ist, dass es weltweit produzierte gibt, so dass man als Zuschauer ganz leicht auch einmal eine Produktion eines Landes bestaunen kann, die man sonst eher nicht zu Gesicht bekommen würde. Nach Dark schickt Deutschland nun die vierteilige Miniserie Unorthodox ins Rennen. Ob die Serie gelungen ist und ob einiger der kursierenden Kritikpunkte berechtigt sind, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Esther „Esty“ Shapiro lebt in Williamsburg, New York City, in einer Ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde. Aufgewachsen bei ihrer Großmutter, geht sie eine arrangierte Ehe mit Yanky Shapiro ein. Durch anhaltende Schmerzen beim Geschlechtsverkehr wird Esty immer unglücklicher und beschließt schließlich zu fliehen. Ihr einziger Anhaltspunkt außerhalb der Gemeinde ist ihre leibliche Mutter in Berlin. Mit Hilfe ihrer Klavierlehrerin reist sie nach Deutschland und lernt dort einige Musikstudenten kennen mit denen sie schnell Freundschaft schließt. Währenddessen reisen ihr Mann Yanky und dessen Cousin Moische ihr nach, um sie zur Rückkehr zu bewegen.

Meine Meinung

Unorthodox ist eine abgeschlossene Miniserie mit vier Folgen und einer durchschnittlichen Lauflänge von 55 Minuten pro Folge. An sich ist es ein etwas längerer Spielfilm mit unter vier Stunden in gut sehbare Portionen unterteilt.
Die Serie beginnt mit Estys Flucht und erzählt dann abwechselnd ihr Abenteuer in Berlin, in Rückblicken ihr Leben in Williamsburg und parallel in Berlin die Suche von Yanky und Moische. Nach und nach klären sich dadurch viele Dinge, die man am Anfang einfach als gegeben akzeptieren muss. Denn zunächst werden viele Begrifflichkeiten und Traditionen eingeworfen, wobei manche bis zum Ende für den Laien nicht aufgeklärt werden.
Dennoch wird durch den Aufbau der Spannungsbogen von Anfang an hochgehalten und bleibt dort auch bis zum Ende. Mit Shira Haas wurde eine Schauspielerin gefunden, die die Zwiegespaltenheit von Esty perfekt wiedergeben kann. Denn einerseits liebt sie ihre Familie und ist stolz auf ihre Herkunft, hält es aber andererseits nicht mehr in ihrem alten Leben aus. Allein in Berlin sind es dann die einfachsten Sachen, die sie in Begeisterung versetzen können, ihr Angst einjagen oder sie einschüchtern können. Durch die Hilfe der Musikstudenten, die sie sofort in ihre Gruppe aufnehmen, wenn auch mit unterschiedlichen Gefühlen. Durch die Studenten wird auch bewusst ein Kontrast zu der Gemeinde in Williamsburg gesetzt. Denn während diese in ihren Traditionen festhängt und versucht sich nicht an die moderne Welt zu gewöhnen, stellen die Studenten eine offene Gemeinschaft dar, mit verschiedenen Nationalitäten und sexueller Orientierung.
Mit der Darstellung der Gemeinde in Williamsburg wurde sich an Deborah Feldmanns Autobiographie, die ebenfalls den Titel Unorthodox trägt, orientiert, bzw. ist Estys Leben in Williamsburg den Feldmanns nachempfunden. Der Handlungsstrang in Berlin ist hingegen fiktiv. Der Serie wird von einigen Kritikern antisemitische Töne vorgeworfen. Das wird vor allem mit der Darstellung von Estys Vater als „Miethai“ festgemacht. Diese Vorwürfe kann ich nur bedingt nachvollziehen, da es nur eine kleine Szene gibt, in der Esty ihren Vater begleitet, um bei einer Frau, die mit der Miete im Verzug ist, diese einzufordern. Dies wird aber eher als Mittel genutzt, um Esty mit ihrer späteren Klavierlehrerin bekannt zu machen, die ihr bei der Reise nach Berlin hilft. Auch wird das Leben in der Gemeinde nicht grundsätzlich verteufelt, nur einzelne Aspekte etwas kritischer angefasst.
Grundsätzlich ist Unorthodox eine spannende Serie, die interessante Einblicke in eine ultraorthodoxe Gemeinde bietet und gleichzeitig die Emanzipation von Esty zeigt. Ein paar mehr Erklärungen bei einzelnen Aspekten wären schon gewesen, um die Serie noch besser zu verstehen.
Ein Großteil der Serie wird Jiddisch gesprochen. Untertitel sind daher notwendig – außer natürlich man spricht fließend Jiddisch. Dies mag am Anfang gewöhnungsbedürftig wirken, macht die Serie aber auch authentischer.

Das Fazit

Unorthodox ist eine spannende und interessante Serie über das Loslösen einer jungen Frau aus den ihr bekannten Konventionen. Kleinere Schwächen können verziehen werden, so dass sich ein Blick durchaus lohnt.

All in: 1000 Augenblicke & Zwei Versprechen

Ein Vowort

Bei den meisten meiner Bücher kann ich ziemlich genau sagen, wann und wie ich auf sie aufmerksam geworden bin. Diesmal ist die Geschichte allerdings nicht ganz so spannend. Als ich Ende letzten Jahres meine Liste der 20 für 2020, also 20 Bücher, die ich 2020 lesen möchte, geschrieben habe, fielen mir ein paar Titel natürlich sofort ein. Um aber auf die 20 zu kommen, stöberte ich durch ein paar Buchblogs und ließ mich von den Empfehlungen bei Büchern, die ich unbedingt lesen wollte, inspirieren. Dadurch stieß ich auf den ersten Band. Und als ich den eher zögerlich anfing, verliebte ich mich sogleich in die Geschichte. So war mein erster Gang, als die Buchläden wieder öffnen durften, sofort in die Buchhandlung meines Vertrauens, um auch noch den zweiten Band zu erwerben. Ich möchte hier auch gleich am Anfang eine große Spoilerwarnung aussprechen! Ich kann unmöglich über den zweiten Band sprechen, ohne den Twist des ersten Bandes zu verraten. Daher hier die Warnung, wer den ersten Teil interessant findet und überlegt ihn zu lesen, bitte nichts über den zweiten Teil lesen!

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1000 Augenblicke

Die Handlung: Kacey ist ein Rockstar. Ihre Band hat den totalen Durchbruch gerade geschafft, doch die Tour verlangt Kacey einiges ab. Dem ständigen Druck und der Erfolgserwartung kommt sie mit nur einem Mittel bei. Alkohol. Viel Alkohol. Auch bei der Show in Las Vegas hat sie wieder einen Absturz. Doch diesmal wacht sie in der Wohnung von Jonas Fletcher auf. Der junge Künstler verdient sich als Chauffeur ein wenig was dazu und konnte Kacey nicht wie gewollt in der Bandvilla abliefern. Kacey ist fasziniert von Jonas, der, im Gegensatz zu ihr, sein Leben ein bisschen zu gut unter Kontrolle hat. Doch die Tour soll noch eine ganze Weile laufen und Jonas verbirgt ein großes Geheimnis. Wird es eine Zukunft für beide geben?

Meine Meinung: Die letzte Frage ist natürlich absolut vorhersehbar. Autorin Emma Scott löst die Frage nach dem Ob auch sehr schnell auf, ziemlich untypisch für einen klassischen Liebesroman. Dieses Buch ist auch alles andere als klassisch. Denn die Konzentration liegt weniger auf dem Ob als vielmehr auf dem Wie. Kacey kämpft mit dem Druck als erfolgreicher Rockstar und ihrem Alkoholproblem und auch Jonas hat einige Probleme, die nach und nach immer deutlicher werden. Man könnte Emma Scott vorwerfen, dass sie einige der Probleme ein bisschen zu schnell löst und ganz schnell neue Wege eingeschlagen werden können. Allerdings hätte ein Ausweiten dieser Themen auch die Essenz des Buches angegriffen. Denn wir erleben hier eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich seit langem gelesen habe. Da die äußeren Umstände schon genug Drama bieten, wird in der Liebesgeschichte an sich, größtenteils darauf verzichtet.
Kacey ist als Charakter am Anfang sicher gewöhnungsbedürftig. Sie entwickelt sich aber schnell in eine gute Richtung. Für einen Außenstehenden ist es wohl auch schwer nachvollziehbar, warum sie so viel Alkohol braucht. Aber eine Sucht, ist nun einmal von außen nicht nachzuvollziehen und Scott gibt sich hier große Mühe es aus Kaceys Sicht dennoch verständlich rüberzubringen. Jonas hingegen ist von Anfang an ein sehr greifbarer Charakter. Und tatsächlich war es einmal sehr erfrischend, dass die Dame der Rockstar ist und nicht der Mann. Außerdem ist er sehr bodenständig und daher eigentlich erst einmal nicht der potentielle Herr in einem Liebesdrama. Dennoch passt er perfekt in die Geschichte – zumal ich gerne mal mehr Bücher lesen würde, in dem der Kerl nicht von Anfang an nur als anbetungswürdig beschrieben wird.
Das Ende ist dann ab einem gewissen Punkt zwar vorhersehbar, dennoch erhofft man sich einen anderen Ausgang. Aber es ist konsequent und macht nicht die Ernsthaftigkeit des ganzen vorherigen Buches zu nichte.
Ein weiterer Pluspunkt ist Scotts Schreibstil, der sehr flüssig zu lesen ist, das richtige Maß aus Gedanken und Dialog hat und es schafft trotz eines gewissen Alltages sich auf einige wenige Wiederholungen zu beschränken. Hierfür gibt es eine absolute Leseempfehlung!

Zwei Versprechen

Ich weise noch einmal daraufhin, dass der Inhalt des zweiten Bandes ein großer Spoiler für den ersten Band ist. Es lässt sich aber nicht vermeiden!

Die Handlung: An Jonas Sterbebett wurden zwei Versprechen gegeben. Kacey versprach zu versuchen erneut zu lieben. Jonas wusste, dass sein Bruder Theo der richtige für sie ist und das Theo sich bereits in sie verliebt hatte. So nahm er ihm das Versprechen ab, dass Theo alles versuchen sollte, um Kacey wieder glücklich zu machen. Nach dem Tod Jonas‘ ist die Welt für Kacey zusammengebrochen. Egal, wie gut sie sich auf diesen Moment vorbereitet hat, sie kann es sich doch nicht vorstellen, ohne ihn zu leben. Theo versucht ihr zu helfen und gleichzeitig seine Familie, die ebenfalls unter dem Verlust leidet, zusammenzuhalten. Doch dann ist Kacey auf einmal verschwunden. Theo hofft, sie wiederzufinden und tatsächlich bekommt er schließlich einen Anruf aus New Orleans. Er reist zu ihr und findet sie einem desaströsen Zustand wieder. Wie sollen beide ihr Versprechen einhalten können?

Meine Meinung: Der zweite Band steht hier einmal mehr im Schatten des ersten. Denn eine so wunderbare Liebesgeschichte zu toppen, ist wohl kaum möglich. Autorin Emma Scott versucht das auch gar nicht. Sie nimmt den Schatten des ersten Buches bewusst auf und spielt damit. Und tatsächlich schafft sie es den Wandel von Theo, dem distanziertem Bruder aus dem ersten Band, zu einem Mann, dessen innere Zerrissenheit man vollständig nachvollziehen kann. Auch ist der Wandel von Kacey von einem zum anderen Bruder bereits im ersten Band vorbereitet worden. Dennoch wird mit dem Thema Trauerarbeit respektvoll umgegangen. Auch hier gibt es einige Entwicklungen, die relativ schnell abgearbeitet wurden – und teilweise dadurch auch etwas unrealistisch waren. Dann gab es wiederum Entwicklungen, die sehr lange aufgebaut wurden, nur um am Ende wieder zunichte gemacht wurden. Das dürfte dann wohl auch mein einziger Kritikpunkt sein, dass die Fernbeziehung Las Vegas-New Orleans ein wenig merkwürdig aufgelöst wurde. Allerdings ist es auch hier wieder jammern auf hohem Niveau, denn auch die zweite Liebesgeschichte konnte mich hier vollständig in den Bann ziehen. Beide Geschichten funktionieren unabhängig und auch zusammenhängend sehr gut, weil sie auf unterschiedliche Art aufgezogen wurde und gut miteinander harmonieren. Ebenso wie Kacey musste man als Leser den Verlust von Jonas erst noch verarbeiten und konnte sich nicht sofort auf Theo einlassen. Aber nach und nach, verstand man, warum es sich bei beiden Brüdern um unterschiedliche Abschnitte handelte und kann Kacey Anziehung zu Theo sogar nachvollziehen. Ich könnte letztendlich nicht sagen, welches Buch von beiden mich mehr begeistern konnte.

Eine Handvoll Bücher

Heute mal mit einem Thriller/Krimi, einer Geschichte über verblasste Erinnerungen, Liebe zwischen Mitbewohnern, dem Auftakt der Breathless-Erotik-Trilogie und dem Abschluss der Engel-Apokalypse. Klingt interessant? Dann unbedingt weiterlesen!

Erbarmen – Jussi Adler-Olsen

Die Handlung: Carl Mørck ist Ermittler bei der Kopenhagener Polizei. Nach einem Zwischenfall ist sein einer Partner tot und der andere querschnittsgelähmt. Da er bei den anderen Kollegen nicht unbedingt beliebt ist, kommt das von der Regierung geforderte Sonderdezenat Q, das sich mit unaufgeklärten Fällen befassen soll, gerade richtig. Carl soll die Abteilung alleine leiten. Er holt sich noch einen Angestellten. Hafez el-Assad ist Syrer und sollte eigentlich nur für die Reinigung zuständig sein, doch hängt er sich gerne in die Fälle rein. So auch in den der verschwundenen Merete Lynggaard, einer Politikerin. Während Carl am Anfang wenig Lust hat, wirklich zu arbeiten, stellt er doch bald fest, dass bei der damaligen Ermittlung Spuren nicht genauer verfolgt wurden.

Meine Meinung: Für meine 20 für 2020 wollte ich auch einen Thriller mit einbauen und die ersten vier Bände rund um Carl Mørck staubten eh schon lange auf meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher) ein, da sie mir mehrfach wärmstens empfohlen wurden. Ich weiß allerdings auch wieder, warum ich Thriller/Krimis aktuell lieber in Serienform sehe, gerne mit einem abgeschlossenen Fall pro Folge. Denn diese langgezogenen Fälle schaffen es selten mich bis zum Schluss zu fesseln. Zu lange brauchen sie, um Fahrt aufzunehmen und selbst dann ziehen sie sich ewig. Hier kam noch hinzu, dass mir der Ermittler ziemlich unsympathisch war. Seine Rolle war wohl auch darauf ausgelegt, aber Ermittler mit Trübsalmiene, ständig schlechter Laune und tragischem Hintergrund hab ich wohl auch einfach einmal zu viel gelesen. Der Fall an sich war letztlich trotzdem spannend! Aber es war einfach ein Fall, den man auch auf halb so vielen Seiten hätte aufklären können.

Am dunklen Fluss – Anna Romer

Die Handlung: Ruby führt ein ganz normales Leben. Sie führt eine kleine Buchhandlung und ihr Freund Rob ist erfolgreicher Arzt. Doch auch nach vielen Jahren beschäftigt sie immer noch der Tod ihrer Schwester Jamie in ihrer Kindheit. Doch sie kann sich an das gesamte Jahr nicht mehr erinnern, obwohl sie bei Jamies Tod dabei gewesen sein müsste. Als sie eine alte Bekannte ihrer Mutter von früher trifft, die sie auf das alte Anwesen der Familie einlädt, zögert sie. Soll sie sich wirklich den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen?

Meine Meinung: Eigentlich ist so ein Familiengeheimnis, das es zu entschlüsseln gilt, total mein Genre. Auch die Tatsache, dass der gesamte Roman in Australien spielt und es eben kein altes Anwesen in Großbritannien ist, hat mich magisch angezogen. Ich bin auch sehr leicht in die Geschichte reingekommen, der Schreibstil war angenehm, aber auch nichts besonderes. Neben der Geschichte um Ruby gibt es auch noch eine weitere Anfang des 20. Jahrhunderts. Am Ende wird zwar versucht beide Geschichten zu beginnen, dennoch ist die zweite Geschichte eigentlich vollkommen überflüssig – und dazu ist die Protagonistin aus der zweiten Geschichte auch ziemlich nervig. Doch selbst, wenn man den Teil ausblendet, wird die Hauptgeschichte an einigen Stellen künstlich in die Länge gezogen. Kaum kommt Ruby am alten Anwesen an, scheint die ganze Geschichte für eine mögliche Liebesgeschichte still zu stehen. Auf den letzten Seiten nimmt die Geschichte noch einmal deutlich an Fahrt zu, doch da hatte mich das Buch bereits verloren. Während davor viele Sachen vorhersehbar waren, hat mich das Ende noch einmal überraschen können.

Someone Else – Laura Kneidl

Die Handlung: Nachdem sich Micah und Julian im ersten Teil am Ende gefunden haben, ist Julian gänzlich bei Micah eingezogen. Dadurch leben seine Mitbewohner Auri und Cassie nun alleine zusammen. Und die Anziehung zwischen den beiden, die sie eher beim LARP rauslassen, ist weiterhin da. Doch auch, wenn sie sich beide zueinander hingezogen fühlen, wollen sie nicht ihre Freundschaft gefährden.

Meine Meinung: Zweite Bände sind tückisch. Und während ich schon dankbar war, dass der Schwerpunkt im zweiten Band nicht mehr auf den Protagonisten aus dem ersten lag und sich damit die Geschichte nicht ewig hinziehen konnte, war der Einstieg dennoch schwerer als beim ersten Band. Das lag wohl auch daran, dass man Cassie und Auri irgendwie schon kannte und auch die Probleme der beiden im ersten Band schon ein wenig angesprochen wurden. Da gibt es zum einen eben die Tatsache, dass sie beide nicht ihre Freundschaft gefährden wollen, dann ist Auri für die Außenwelt auch der Sportler und hält daher seinen inneren Geek gerne geheim, außer wenn er mit Cassie zusammen ist und ganz nebenbei wird eben auch noch das Rassismusproblem mit angesprochen. Eigentlich genug Themen für ein Buch, doch selbst eine wirklich gute Autorin, wie Laura Kneidl, schafft es dann doch nicht Längen zu vermeiden. Denn die Geschichte dreht sich eigentlich immer wieder im Kreis. Dann wird ein Vorstoß gewagt und ein paar Seiten weiter, ist dieser wieder vergessen. Hier hätten es ein paar Seiten weniger dann doch besser gemacht, zumal hier auch einfach die Einleitung und Einführung der Charaktere nicht mehr nötig war und sich damit die Geschichte noch mehr streckte, um auf die gleiche Seitenanzahl wie bei den anderen Werken zu kommen. Nichtsdestotrotz ist es eine schöne Geschichte! Ich möchte diesen Band nicht missen, aber kürzer wäre eben besser gewesen.

Breathless 1 – Gefährliches Verlangen – Maya Banks

Die Handlung: Gabe Hamilton ist erfolgreicher Geschäftsmann und hat sein Liebesleben gut im Griff. Doch schon länger hat er ein Auge auf Mia, die kleine Schwester seines Geschäftspartners und besten Freundes Jace geworfen. Als er auf einer Feier Mia ohne Jace antrifft, nutzt er die Chance ihr ein Angebot zu machen. Ein Vertrag, in dem festgelegt wird, dass Mia fortan seine Geliebte sei. Damit dies besser funktioniert, bietet er ihr gleichzeitig einen Job in seinem Unternehmen. Mia ist hin- und hergerissen, doch begehrt sie Gabe ebenfalls schon lange. Und da sie ihn nur nach seinen Regeln bekommen kann, lässt sie sich darauf ein.

Meine Meinung: Ein erfolgreicher Geschäftsmann und ein Vertrag, in dem die sexuellen Belange geregelt werden. Wem kommt es noch bekannt vor? Aber bevor ihr alle genervt die Augen verdreht, lässt mich dazu noch sagen, dass sich dieser Roman schnell weiter entwickelt und die schlimmsten Fehler des Vorbilds auslässt. Zum einen ist Mia nicht das kleine Mauerblümchen, sondern kennt durch ihren Bruder die Welt der erfolgreichen Geschäftsmänner, zum anderen wird nicht eine dazu gezwungen die Wünsche des anderen zu erfüllen, sondern es ist von vornherein ein beidseitiges Verlangen, das mit dem Vertrag eher festhält, dass es in beidseitigem Einverständnis ist. Auch gibt es keine Safewörter, sondern Mia kann zu allem einfach Nein sagen, wenn sie es nicht möchte. Also keine Vergewaltigung und keine häusliche Gewalt. Dennoch sind Handlung und Charaktere ziemlich platt angelegt. Aber für das sinnliche Lesevergnügen zwischendurch durchaus eine Empfehlung.

Angelfall 3 – Am Ende der Welt – Susan Ee

Die Handlung: Penryn und Raffe sind ein weiteres Mal Uriels Engeln entkommen. Raffe hat zwar seine Flügel wieder, doch muss er noch jemanden finden, der die Dämonenschwingen gegen seine Flügel austauscht. So suchen beide erneut das Widerstandscamp auf und bereiten sich auf den finalen Kampf vor. Doch dafür könnte es nötig werden hinabzusteigen in die Hölle. Werden die Menschen doch noch über die Engel siegen?

Meine Meinung: Eigentlich habe ich sehr lange auf den finalen Band gewartet, nur damit er dann doch auf meinem SuB einstaubt. Irgendetwas hat mich immer wieder davon abgehalten das Buch in die Hand zu nehmen. Und so ist der zweite Band bereits im Mai 2017 von mir gelesen worden. Dementsprechen schwer fiel es mir nun wieder in die Geschichte reinzukommen. Denn während mich bei vielen Autoren die ewig langen Wiederholungen aus den vorherigen Bänden stören, verzichtet Susan Ee fast vollständig darauf. Dadurch geriet ich nicht nur einmal ins schwimmen, wenn ich versuchte mich zu erinnern, was denn nun genau passiert war. Zumal gerade der Anfang ein reines Aneinanderreihen von spannenden Szenen war, was zwar den Spannungsbogen hoch halten soll, mich aber eher zweifelnd zurück ließ. Dies ändert sich zwar nicht wirklich, aber zumindest gab es dann doch wieder ein gutes Maß an Handlung. Ab der Hälfte konnte ich das Buch dann auch wieder gut lesen und war bereit für das große Finale. Letztlich ist es ein würdiger Abschluss einer größtenteils spannenden Reihe.

Eine Handvoll Filme

Wie beim letzten Mal geht es hier wieder um fünf Filme, die ich in keiner anderen Kategorie bespreche, euch aber trotzdem meine Meinung nicht vorenthalten möchte. Vielleicht sind für euch ja auch ein paar Anregungen dabei, auch wenn die Kinos aktuell wieder schrittweise öffnen 😉

Whale Rider

Die Handlung: Paikea (Keisha Castle-Hughes) wächst bei ihren Großeltern auf, nachdem ihre Mutter und ihr Zwillingsbruder bei der Geburt starben und ihr Vater sich danach komplett von der Familie zurückzog. Da ihr Großvater der Häuptlings ihres Maori Stammes in Neuseeland ist, wächst sie zwischen Liebe und Abneigung auf, da sie als Mädchen niemals die Nachfolge antreten kann. Obwohl sie die Traditionen und Anforderungen am besten erfüllt, will ihr Großvater in einem Ausbildungscamp die anderen Jungs aus dem Dorf trainieren.

Meine Meinung: Whale Rider ist einer der ersten Filme, an die ich mich noch aktiv erinnere dafür im Kino gewesen zu sein. Es ist ein Film, der einem zum einen die Situation der Maori in Neuseeland gefangen zwischen Moderne und Tradition näher bringt, sich aber vor allem auf die zwischenmenschlichen Töne konzentriert. Mit Paikeas Kampf um Anerkennung ist es auch ein Film über Emanzipation. Man fiebert mit ihr, leidet mit ihn und versteht, was in ihr vorgeht. Dafür hilft es, dass Castle-Hughes schon in jungen Jahren versteht, die Emotionen ihrer Rolle durch ihre Mimik wiederzugeben. Die innere Zerissenheit zwischen ihrer bedingungslosen Liebe ihres Großvaters gegenüber und dem Schmerz, den sie durch seine ständige Zurückweisung erfährt, schwingt in jeder Emotion mit. Nicht umsonst wurde sie 2004 als damals jüngste Darstellerin für einen Oscar als beste Darstellerin nominiert. Als Zuschauer ist man ebenfalls hin und hergerissen zwischen der traurigen, aber doch hoffnungsvollen Geschichte, die sich wunderbar in Einklang mit der Umgebung bringen lässt. Neuseelands Landschaft ist rau und doch wunderschön.

Whale Rider ist bei keinem gängigen Anbieter in der Flatrate enthalten. Er kann bei iTunes geliehen werden.

Familie Willoughby

Die Handlung: Familie Willoughby, dass sind Vater und Mutter Willoughby, die einer einflussreichen Familie entstammen, und sich unsterblich lieben. Dadurch sind die Kinder Tim, Jane und die Zwillinge, beide mit Namen Barnaby, entstanden. Doch Vater und Mutter sind genervt von allem, was sie von ihrer Liebe zueinander ablenkt. Und so hungern die Kinder und verwahrlosen. Bis sie eines Tages keine Lust mehr haben und beschließen ihre Eltern auf eine Abenteuerreise zu schicken, von der sie hoffentlich nie wiederkommen, damit sie zu Waisen werden. Das sich daraus noch ganz andere Abenteuer entwickeln könnten, ahnen die Kinder nicht.

Meine Meinung: Familie Willoughby ist ein Film, an dessen Animationsstil man sich erst einmal gewöhnen muss. Dies gelingt jedoch schnell und man kann sich auf die Geschichte einlassen. Diese kommt auch mit einigen guten Ideen daher und nimmt – trotz kurzzeitiger Befürchtung einer etwas brutaleren Version – einen kinderfreundlichen Verlauf. Die Themen Kindervernachlässigung und Adoption werden hier im spielerischen Kontext behandelt und bekommen keine Tiefe, was aber auch der Grundstimmung entgegen wirken würde. Das Problem an der Handlung ist eher, dass die Macher zu viele gute Ideen hatten, aber keine für einen runden ganzen Film ausgereicht hätten. So fühlt sich die zusammengesetzte Handlung, die an sich zwar immer noch rund wirkt, aber doch stark episodenartig erzählt wurde. So gibt es eine Episode mit einem Baby, dann geht es um die Reise der Eltern, dann muss ein Hausverkauf verhindert werden, die Willoughbys bekommen eine Nanny und so weiter. Irgendwo ergibt das alles zwar eine Geschichte, aber eigentlich ist es eher eine Kurzgeschichtensammlung, die versucht wurde zu einer Gesamthandlung zu drehen. Hier hätte ich es schöner gefunden, sich auf einen Aspekt zu konzentrieren.

Familie Willoughby ist ein Netflix Original und bei diesem Streaming-Dienst zu sehen.

Emo – The Musical

Die Handlung: Ethan ist ein Emo. Doch an seiner Privatschule in Australien ist er damit alleine. Durch ständiges Mobbing beschließt er sich zu erhängen. Dies scheitert und er fliegt von der Schule. An seiner neuen staatlichen Schule wird er sofort von den Christen aufgenommen, doch als er entdeckt, dass es eine Emo-Rock-Band gibt, ist er Feuer und Flamme in dieser zu spielen. Doch er fühlt sich zu Trinity hingezogen, die jedoch sehr gläubig ist, weswegen sie nicht nur austesten müssen, wie sie zusammenpassen, sondern sich auch vor ihren jeweiligen Freunden verstecken müssen. Als dann auch noch beide Gruppen beim Rock-Bandcontest teilnehmen, herrscht erst richtig Chaos.

Meine Meinung: Ein Musical über Emos, die in einem Bandcontest gegen eine christliche Schulgruppe antritt? Klingt herrlisch schräg und genau nach einem Film für meine beste Freundin. Die war dann so begeistert, dass sie mich dazu zwang diesen Film mit ihr zu sehen. Ich war sehr skeptisch, zumal der Film keine deutsche Synchronisation hat. Es hat keine Woche gedauert, da musste ich den Film unbedingt meinem besten Freund zeigen, weil ich ihn absolut herrlich fand. Auch dieser war zunächst wenig begeistert von den Wörtern Emo, Musical und keine Synchronisation in einem Satz. Doch auch ihn konnte der Film absolut begeistern. Das liegt wohl vor allem daran, dass sich der Film an vielen Stellen selbst nicht so ganz ernst nimmt, an anderen dafür umso mehr. Es wird mit Vorurteilen und Klischees gespielt und diese durcheinander geworfen. Über viele Sachen kann man lachen, wenn jedoch ein Mitglied der Christengruppe aus einem Umerziehungscamp wiederkommt und sich noch immer bei jedem Gedanken an einen Jungen Elektroshocks verabreicht, dann ist das im ersten Moment zwar witzig, aber sobald der Gedanke gesackt ist, überlegt man, warum man eigentlich darüber lachen konnte. Und genau mit solchen Tabus spielt dieses Musical. Versteht mich nicht falsch, es ist an erster Stelle ein Feel-Good-Film mit vielen humorvollen Einlagen und einprägsamen Liedern. Doch im Hintergrund brodelt auch noch die richtige Botschaft.
Wer noch immer nicht überzeugt ist, den möchte ich darauf hinweisen, dass es ein Lied gibt, in dem überlegt wird, ob Jesus nicht vielleicht ein Emo gewesen wäre. Also gebt diesem Film durchaus eine Chance.

Emo – The Musical ist bei Netflix enthalten

Underwater

Die Handlung: Eine Forschungs- und Bohrstation auf dem Grund des Marianengrabens wird durch mehrere Erdbeben erschüttert und größtenteils zerstört. Nur eine kleine Gruppe Wissenschaftler überlebt und versucht über den Meeresboden zu einer anderen Sektion zu kommen, wo noch Rettungskapseln verfügbar sein sollen. Doch etwas ist durch die Erdbeben erwacht und macht nun Jagd auf die Crew.

Meine Meinung: Underwater trägt den Beititel „Es ist erwacht“ und das sagt so ziemlich alles über den Film. Mit nur einer kurzen Exposition wird der Zuschauer gleich in die Katastrophe geworfen. Charaktere werden mit wenigen kurzen Sätzen charakterisiert. Der dunkle Meeresboden und die Beengung durch das umgebende Wasser geben dem Film ohne großes Zutun eine bedrückende Atmosphäre, die allein schon für eine Menge Gruselfaktor sorgt, spielt sie doch mit unseren Urängsten. Hinzu kommen dann jedoch die Unterwasserwesen, die ebenfalls durch die Erdbeben aufgerüttelt wurden. Hier spielt Regisseur William Eubank mit dem sehr wenig Sehen und doch wissen, dass da etwas sein muss. Allein diese Voraussetzung hätte aus dem Film viel machen können. Leider bedient Eubank im darauffolgenden die üblichen Klischees, so dass man mögliche Tode der Charaktere in der exakten Reihenfolge voraussagen kann. So fehlt dem Film Tiefe bei den Charakteren, die so absolut austauschbar sind und es kein Trauern um sie gibt, und ein Alleinstellungsmerkmal, abgesehen vom Setting, das sich von anderen Filmen des Genres abhebt. So ist ein grundsolider Film herausgekommen, der aber relativ schnell wieder aus dem Gedächtnis gespült wird, was schade ist, da hier deutlich mehr möglich wäre.

Underwater ist bei Prime zum Kauf oder Leihen verfügbar. Nicht in der Flatrate enthalten

Everybody’s Fine

Die Handlung: Frank Goode (Robert deNiro) will nach dem Tod seiner Frau seine vier Kinder, die im ganzen Land verstreut wohnen, zu einer Grillparty einladen. Doch nach und nach sagen alle ab. Da Frank durch eine Lungenkrankheit nicht fliegen darf, beschließt er sie alle mit dem Zug zu besuchen, kündigt dies aber nicht an. Auf seiner Reise muss er feststellen, dass seine Kinder ihm wohl nicht immer die Wahrheit über ihre Lebensumstände erzählt haben.

Meine Meinung: Everybody’s Fine ist ein Film, wo man einige Zeit darauf warten muss, bis er klar macht, worauf er hinauswill. Doch sobald er den Punkt erreicht hat, wird es ein Familiendrama, das mit wenig Worten auskommt, und doch tief unter die Haut geht. Wir haben einen sympathischen Familienvater, der noch um seine frisch verstorbene Frau trauert und sich auf einmal ganz alleine in einem großen Haus wiederfindet. Seine Kinder lieben ihn, es fiel ihnen aber immer leichter mit ihrer Mutter über die Probleme zu sprechen und erzählten dem Vater lieber nur die guten Sachen. Im Laufe des Films fallen einem viele kleine Dinge auf, die daraufhin deuten, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Am Ende werden diese Dinge natürlich noch einmal für den abgelenkten Zuschauer aufgezählt, falls man sie übersehen hat. Einige waren sehr deutlich, andere jedoch auch sehr subtil, so dass die Zusammenfassung gar nicht schlecht war. So harmonisiert sich ein schönes Familiendrama zusammen, ruhig erzählt und geht doch sehr tief.

Everybody’s Fine ist bei Prime zum Kauf und Leihen verfügbar. Nicht in der Flatrate enthalten.