The King’s Man

Ein Vorwort

Als 2015 der erste Kingsman erschien war ich einfach nur geflasht. Die Eleganz eines James Bonds wurde gepaart mit einem Coolness-Faktor jenseits des messbaren Bereichs. Leider war klar, dass es nicht nur bei einem starken Film bleiben sollte. Der zweite Teil hat sich dann von Großbritannien bereits in die USA zu den Statesman verlagert. Doch trotz des guten Ansatzes, war die Fortsetzung eher enttäuschend. Nun war es folgerichtig, keine zweite Fortsetzung zu drehen. Doch was macht Hollywood, wenn es kein zweites Sequel mehr drehen kann? Genau ein Rebo… äh ich meine Prequel! Wie das funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Der Duke of Oxford (Ralph Fiennes) beobachtet die Geschehnisse im ersten Weltkrieg, beschließt aber nicht einzugreifen und auch seinen Sohn (Harris Dickinson) nicht mitkämpfen zu lassen, da er selbst Pazifist ist und es seiner verstorbenen Frau versprochen hat. Doch im Hintergrund erstellt er ein Netz aus Dienstbot*innen und anderen unsichtbaren Mitarbeitenden, um so eingreifen zu können.

Meine Meinung

Dass der dritte Teil als Prequel funktionieren kann nach einem starken ersten und weniger starken zweiten Teil, hat (meiner Meinung) nach die Underworld-Reihe bewiesen (wir reden nicht über alles nach Teil 3). So war ich trotz mäßigem Trailers und allerlei negativen Kritiken trotzdem noch gespannt, ob mich The King’s Man nicht doch noch überzeugen könnte.
Doch bereits in der ersten Szene wird klar, dass hier wohl mit vielen Klischees gearbeitet wird. Mit einer viel zu langen Sterbeszene wird eine tragische Hintergrundgeschichte geschaffen, die jeder Disneyfilm in der Hälfte der Zeit um ein vielfaches tragischer hätte darstellen können. Sollte so Verständnis und Sympathie geweckt werden, rief es bei mir nur ein Augenrollen hervor. Weiter geht’s mit allerlei belanglosen Szenen, ehe wir Tom Hollander in einer grauenhaften Dreifachrolle kennenlernen, die die Wirren des ersten Weltkriegs auf das simpelste herunterbricht und diese klischeehaft widergibt. Der große Bösewicht, der natürlich im Hintergrund alle politischen Wirrungen auslöst wegen einer Mühle in Schottland – wird sehr früh erwähnt, ist also kein Spoiler – wirkt dann auch sehr übertrieben und gleichzeitig wie eine Witzfigur.
Ebenso unstrukturiert ist auch der Rest des Films. Das Problem ist, dass er irgendwo versteckt immer wieder gute Szenen hat, die auch an die Kreativität des ersten erinnern, doch diese hinter allerlei belanglosen oder leider auch einfach nur widerwärtigen Szenen verpackt. Die ganze im Trailer bereits angedeutete Szene rund um Rasputin ist voller Witze unter der Gürtellinie, inklusive Kotzszene und einer so lächerlichen Kampfszene, dass ich kurz davor war das Kino zu verlassen und erst nach der Szene wieder reinzugehen. Auf so eine Phase folgt dann ein Blick an die Front. Auf einmal ist der Film ein bitterernster Kriegsfilm, der das Leben an der Front ungeschönt widergibt. Gute Umsetzung, aber wie passte das zum restlichen Film?
So hangelt sich The King’s Man von Klischees, platten Figuren, platten Witzen, völlig unterforderten Schauspieler*innen zum bitterernsten Kriegsfilm, zur absoluten Peinlichkeit und zwischendurch eben auch zu ech guten Actionszenen. So richtig weiß man nicht, was man allein in der nächsten Szene zu erwarten hat. Was übrigens völlig untergeht ist die Erstehung der Kingsman. Hier wird irgendwann mitten im Film einfach an einer Buchstütze gedreht und schwupps: Ach übrigens wir existieren und sind bereits sehr gut vernetzt. Wartet, wollte ihr nicht die Vorgeschichte erzählen?
So enttäuscht The King’s Man an jeder Front, auch wenn zwischenzeitlich die guten Intentionen immer wieder hervorscheinen. Spannung kommt auch nur selten auf, weil einem der Ausgang jederzeit bewusst ist, sofern man im Geschichtsunterricht auch nur halbwegs aufgepasst hat. Schade, wie viele gute Schauspieler*innen hier absolut nichts zu tun bekommen oder zwischendurch auch einfach mal vergessen werden.

Das Fazit

The King’s Man variiert pausenlos im Genre und der Tonalität und trifft dabei selten das Passende. Spannung kommt gar nicht auf, da sie zu sehr in Klischees und Abstrusitäten verrant wird, die Charaktere sind unnahbar, Schauspieler*innen werden verbraten. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

The King’s Man läuft seit dem 06.01.2022 in den deutschen Kinos

GrishaVerse

Ein Vorwort

Nachdem so viele immer und immer wieder über das Grishaverse geschwärmt haben, wollte ich auch mal einen Blick wagen. Dann bekam ich den Tipp mit der Grisha-Reihe anzufangen, ehe ich mich den Krähen widme, um die Welt besser zu verstehen. Den ersten Band hatte ich dann auch noch pünktlich vorm Start von Shadow & Bone gelesen. Nun habe ich auch die beiden Folgebände noch verschlungen und möchte euch die heute präsentieren. Wie mir die Reihe gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Band 1 – Goldene Flammen

Die Handlung: Alina ist eine Kartografin in der ersten Armee des Zaren von Ravka. Bei der Durchquerung der Ödsee, kommt es zu einem Angriff. Als Alina ihren besten Freund beschützt, setzt sie ungeahnte Kräfte frei und findet sich kurz darauf in der Ausbildung zur Grisha wieder.

Meine Meinung: Das GrishaVerse wird gerne immer mal wieder mit Harry Potter verglichen. Das stimmt aber wirklich nur im allerentferntesten Sinne. Ravka ist eine Welt, die sich eigentlich dauerhaft im Krieg befindet. Nur wenige sind keiner der beiden Armeen zugeordnet. Die Grisha haben Fähigkeiten, die man als magisch beschreiben könnte, wo wohl auch der Vergleich zu Harry Potter herkommt, und mit dem Dunklen könnte man auch einen Vergleich zum dunklen Lord herstellen – auch wenn hier der Charakter des Dunklen wesentlich vielschichtiger ist. Wir lernen zunächst Alina und ihren besten Freund Mal kennen. Innerhalb weniger Seiten schafft die Autorin es einen guten Überblick über die Welt zu geben, die geprägt ist durch die Ödsee, die das Land durchzieht. Richtig in Fahrt kommt die Geschichte, sobald Alina zu den Grisha kommt. Hier kommen einige Charaktere dazu, doch im Großen und Ganzen behält man den Überblick. Gegen Ende gab es ein paar Entwicklungen, die mir nicht gefallen haben. Sie waren logisch und gut ausgearbeitet, aber ich hätte sie mir anders gewünscht.

Band 2 – Eisige Wellen

Die Handlung: Alina und Mal sind dem Dunklen entkommen, doch ihr Glück wärt nicht lange. Auf der Flucht landen sie ausgerechnet dort, wo sie nie wieder hin wollten. Jetzt muss Alina zeigen, was sie kann. Dabei trifft sie auf neue Verbündete und muss um alte Freunde kämpfen.

Meine Meinung: Der zweite Band schließt nahtlos an den ersten an. Der versuchte Neustart von Alina und Mal geht relativ schnell. Die namensgebende Schlange wird erstaunlich schnell gefunden, bedenkt man die Hürden im ersten Band, was mich überrascht hat. So liegt der Fokus diesmal an einer anderen Stelle. Mit einem tollen neuen Charakter bekommt der Band deutlich mehr Witz, dennoch leidet die Spannung nicht, auch wenn gerade im Mittelteil sich ein paar Längen bemerkbar machen. Dennoch merkt man auch hier wieder den tollen Weltenbau. Auch wenn es nicht viele Handlungsorte gibt, ist es dennoch immer wieder interessant etwas neues über die Welt und ihre Bewohnenden zu erfahren. Das Finale ist hier größer angelegt und bietet fast das aufregendste der ganzen Reihe. Eisige Wellen schafft es die typischen Hürden eines Mittelbandes zu umgehen und eine eigenständige Handlung zu schaffen. Dennoch ist es die Vorbereitung auf das große Finale.

Band 3 – Loderne Schwingen

Die Handlung: Der finale Teil der Grisha-Reihe. Alina und ihre Verbündeten mussten unter die Erde fliehen. Dort sammeln sie ihre Kräfte, um zum letzten Feldzug gegen den Dunklen anzutreten.

Meine Meinung: Das große Finale braucht am Anfang eine ganze Weile, um überhaupt in Schwung zu kommen. Die Charaktere sind in einer scheinbar ausweglosen Situation und vegetieren einige Seiten vor sich hin, ehe es wieder vorwärts geht. Auch dann lässt er sich noch einige Zeit, um die Handlung weiter aufzubauen. Dafür, dass es der Abschlussband ist, fast ein wenig zu viel Zeit. Dennoch bekommt man das große Finale, was man erwartet, auch wenn die Auflösung so ganz anders ist, als erwartet. Zwischendurch habe ich überlegt, ob ich die Auflösung enttäuschend fand, aber letztlich mochte ich Unvorhersehbarkeit und die Message, die damit vermittelt wurde.  Die Charaktere bekamen noch einmal die Chance sich zu entwickeln und haben genau das auch getan. Dennoch war der Abschluss der schwächste Band der Reihe, auch wenn es immer noch ein gutes Buch war. Umso gespannter bin ich als nächsten auf die Krähen-Reihe, die nochmal besser sein soll.

Habt ihr die Reihe gelesen? Wie fandet ihr sie?

Matrix 4: Ressurection

Ein Vorwort

Als die ursprüngliche Trilogie in die Kinos kam, war ich zum einen zu jung, zum anderen habe ich mich so gar nicht für das Genre interessiert. Dies kam erst später, aber dennoch haben die Filme von Anfang an einen starken Sog auf mich ausgewirkt. Auch wenn der erste Teil natürlich unübertroffen ist, konnte ich auch den Fortsetzungen etwas abgewinnen und mochte auch diese. Im Gegensatz zu vielen, mochte ich auch den Trailer zum vierten Teil und war total angefixt. Ob sich meine Erwartung trotz der vielen negativen Kritiken erfüllen, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Bugs (Jessica Henwick) findet ein altes Modul, in dem sie Hinweise auf den Verbleib von Neo (Keanu Reeves) und Trinity (Carrie-Anne Moss) vermutet. Gleichzeitig ist Thomas Anderson (Keanu Reeves) in Therapie, um seine Realitätsentfernungen in Griff zu bekommen. Als gefeierter Game-Designer soll er nun eine Fortsetzung zu seiner erfolgreichen Spielreihe „Matrix“ gestalten.

Meine Meinung

Beim Schauen von Matrix 4 geisterten mir zwei Gedanken immer wieder durch den Kopf. Es hätte diesen Film nicht gebraucht, aber wenn ich mich damit abfinde, dass er existiert ist er die logische Konsequenz. Sprich, er bringt keinerlei neue Aspekte hervor oder war auch nur ansatzweise notwendig, weil er die Handlung nicht bereichert. Aber wenn ich darüber nachdenke, dass Lana Wachowski da saß und einen neuen Film schreiben musste, dann hätte ich mir keinen besseren Ansatz vorstellen können.
Aber fangen wir am Anfang an. Die ersten Szenen sind sehr stark an den Auftakt des ersten Films orientiert. Doch das Nostalgiegefühl, wie beispielsweise bei einem Star Wars mit Episode 7, blieb aus. Nach dieser kurzen Einführungsszene treffen wir Thomas Anderson das erste Mal wieder, der sich ein Leben als erfolgreicher Game-Designer aufgebaut hat. Hier stellt sich die Frage, was ist passiert seit dem Finale der Trilogie? Von hier an hangelt sich die Handlung chronologisch weiter. Sobald diese Frage geklärt ist, dreht sich der Fokus immer weiter Richtung der Liebesbeziehung, aber auch nach der Frage der Weiterentwicklung der Welt und der Matrix.
Das funktioniert an sich rund und die Handlung geht logisch ineinander auf, zumal immer wieder auf bekannte Prinzipien aus den früheren Filmen zurückgegriffen wird. Dies wird unterstrichen mit einer Portion Fanservice, wenn bekannte Figuren auf neue oder alte Weise wieder mit auftauchen. Natürlich könnte man dem Film ankreiden, dass er sich an einigen Stellen ein bisschen zu sehr auf die Vergangenheit besinnt, gerade die Trainingsszene mit Morpheus wirkt etwas zu lang für den reinen Fanservice. Letztlich funktioniert der Film aber trotzdem.
Schauspielerisch sind neben den bekannten Darsteller*innen Keanu Reeves und Carrie-Anne Moss einige Talente dazu gekommen. Vor allem die Dynamik eines Neil Patrick Harris und eines Jonathan Groff fügt sich herrlich in den Film ein und bereichert ihn regelrecht.
An sich ist das größte Problem des Films sein Erbe. Denn in jeder Einstellung wird man gerade an den herausragenden ersten Teil erinnert und vergleich das mindfuck Gefühl von damals mit dem neuen Film. Und daran scheitert er, weil er eben nur ein Ableger ist. Alles überraschende, die Bullettime Einstellungen – auch wenn diese teilweise bewusst aufs Korn genommen werden – und auch die Auflösung dahinter, kennen wir schon. Der Film kann nicht schocken, einem bleibt beim Sehen nicht der Mund offen stehen, die ganzen Emotionen der bisherigen Filme fehlen. Dadurch ist der Film nicht schlecht und wäre er ein Film für sich, würde er auf einem ganz anderen Level funktionieren. Aber so blieb die Erwartungshaltung zu groß, dagegen kommt er nicht an.

Das Fazit

Matrix 4: Ressurection ist bildgewaltig, außergewöhnlich gut besetzt, und die logische Konsequenz, wenn es für die Matrix-Reihe unbedingt eine Fortsetzung geben musste. Gleichzeitig scheitert er an seinem Erbe und der daraus resultierenden Erwartungshaltung. Es war einfach kein weiterer Teil notwendig. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Matrix: Ressurection läuft seit dem 23.12.2021 in den deutschen Kinos

Cinemathek: Der Rosengarten von Madame Vernet

Ein Vorwort

Nach langer Coronapause bietet mein Stammkino wieder ihr Format „Cinemathek“ an, also Filme, die bereits liefen, sie aber nicht gezeigt haben und nun nachholen. Zwischen den Filmen, die mich nicht interessiert haben und die ich bereits in anderen Kinos gesehen habe, war tatsächlich auch einer dabei, den ich sehen wollte und noch nicht kannte. So ging ich mit relativ wenig Erwartungen an den Film. Was mich dabei erwartete, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Der einst prestigeträchtige Rosengarten von Eva Vernet (Catherine Frot) steht vor dem Bankrott. Ihre fleißige Assistentin Vera (Olivia Côte) stellt drei Neue ein, die vom Sozialamt geschickt wurden. Diese haben zwar keine Ahnung von Rosen und vom Gärtnern, sind dafür aber sehr bemüht.

Meine Meinung

Französische Filme sind ja immer so eine Sache. Mal funktionieren sie erstaunlich gut, mal so überhaupt gar nicht. Da bei Der Rosengarten von Madame Vernet schon die Grundhandlung laut Trailer sehr stark vermuten ließ, in welche Richtung er sich entwickelt, war es nur noch eine Frage der Umsetzung. Denn es könnte komplett voller Klischees sein oder sich doch anders entwickeln.
Letztlich ist der Film so, wie ich ihn erwartet habe. Ich wusste, was passieren wird, und auch die Charakterentwicklungen haben mich nicht überrascht. Gleichzeitig wurden sehr viele Klischees verbaut, doch dann so gedreht, dass sie doch neu oder zumindest neu interpretiert wirken. Und auch, wenn die Rolle der Madame Vernet extrem unsympathisch aufgezogen wurde, schafft er es dennoch die Handlung sympathisch rüberzubringen.
So schwankt der Film hin und her zwischen wenig spektakulär, da man sich das meiste einfach denken kann, und doch spannend, da gerade die Beziehungen der Figuren zueinander interessant ist. Herausgekommen ist einer dieser kleinen Filme, die wenig aufregend sind, aber doch irgendwie einfach schön beim anschauen. Die wenig Neues bieten und doch entdeckt man beim Schauen immer wieder Kleinigkeiten. Deren Ende man vorhersehen kann und doch hofft und bangt, dass es nicht doch anders kommt. Dabei ist es die Liebe zur Rose, die hier im Vordergrund steht. Nebenbei lernt man noch ein wenig über die Rosenzucht, auch wenn sich die Erklärbärszenen im Rahmen halten.
Schauspielerisch ist es wie beim restlichen Film. Alle spielen ihre Rollen, ohne dabei besonders aufzufallen oder über das Mindestmaß hinaus und doch funktioniert es für den Film. So ist ein finales Urteil irgendwie schwierig, denn der Film ist nicht schlecht, er hat mir durchaus gefallen. Aber er schafft es halt nicht über das Mittelmaß irgendwo hinaus.

Das Fazit

Der Rosengarten von Madame Vernet funktioniert trotz der vorhersehbaren Handlung, der eingebauten Klischees und der unsympathischen Protagonistin erstaunlich gut, auch wenn er sich in allen Bereichen nicht über das Mittelmaß hinaustraut. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Spider-Man 3 – No way home

Ein Vorwort

Kinostart kurz vor Weihnachten ist eigentlich ein Garant für gute Zuschauerzahlen. Doch durch die weitverbreitete 2G-Regelung machen die ersten Filme schon wieder Rückzieher. Dabei hat Spider-Man mit dem besten Einspielergebnis seit der Pandemie erst wieder bewiesen, dass mit dem richtigen Film auch die Zahlen stimmen. Ob der Film mit der Schlagzeile mithalten kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

Welche Filme man vorab aus dem MCU gesehen haben sollte: Spider-Man Homecoming & Far from home – diese stelle ich hier kurz vor.
Welche Filme/Serien aus dem MCU gut wären vorab gesehen zu haben: Avengers – Endgame, Doctor Strange, WandaVision, What if… – hierfür verweise ich auf meine Zusammenfassungen (für die Links einfach die Titel anklicken). Ebenfalls ist es empfehlenswert die bisherigen Spider-Man Filme mit Tobey McGuire und Andrew Garfield zu sehen. Da ich sie selbst nicht gesehen habe, kann ich hier nicht sagen, welche wichtiger und welche unwichtiger sind.

Nach seinem Auftritt in Civil War will Peter Parker unbedingt ein Avenger werden. Doch Tony Stark möchte ihn komplett aus der Schusslinie nehmen. Bei einem Banküberfall merkt Peter das erste Mal, dass sein Handeln auch Konsequenzen haben kann, als beinahe ein Freund von ihm verletzt wird. Bei dem Überfall wurde eine Waffe verwendet, die mit Alientechnik verbessert wurde. Spider-Man versucht den Mann hinter den Waffengeschäften zu finden und trifft auf Adrian Toomes alias The Vulture. Bei der ersten Konfrontation muss Iron Man einschreiten und rügt Spider-Man danach. Dieser lässt sich jedoch nicht aufhalten und stellt mit seinem besten Freund Ned Leeds fest, dass sein Anzug noch mehrere versteckte Funktionen hat, die Ned freischalten kann. Kurz darauf begegnet er wieder the Vulture und seinen Handlangern. Diesmal wird dabei die Staten Island Ferry beschädigt und droht mitsamt aller Zivilisten unterzugehen. Spider-Man bemüht sich alle zu retten, doch wieder muss Iron Man eingreifen. Als Strafe nimmt er Spider-Man seinen Anzug weg. Reumütig versucht sich Peter wieder auf die Schule zu konzentrieren. Als der Homecoming-Ball ansteht, traut sich Peter Liz zu fragen, ob sie ihn begleiten möchte. Doch als er Liz abholt, erkennt er sofort ihren Vater: The Vulture. Er heftet sich an dessen Fersen. Dabei wird er jedoch zunächst überwältigt und hinterfragt seine Spider-Man Identität. Schließlich kann er sich befreien und versucht the Vulture aufzuhalten, der vom Umzug Iron Mans profitieren will und einen Jet in der Luft ausrauben will. Spider-Man schafft es den Jet zum abstürzen zu bringen, ihn aber von New York weg und an den Strand zu bringen, so dass niemand verletzt wird. Ebenfalls rettet er the Vulture, dessen Fluganzug zu explodieren drohte. Tony Stark will ihn daraufhin als neuen Avenger vorstellen, Peter lehnt jedoch ab, da er lieber die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft bleiben will.
In Far from home fährt Peter mit seinen Klassenkamerad*innen auf Klassenfahrt. Durch die Geschehnisse in Endgame ist die Klasse neu zusammengesetzt. Ebenfalls versucht Peter den Tod seines Mentors Iron Man zu verarbeiten. In Venedig taucht ein Wassermonster auf. Bei dem Kampf wird Peter unerwartet von Mysterio unterstützt, dessen Familie durch diese Monster ausgelöscht wurden. Da Peter lieber weiter auf der Klassenfahrt bleibt, leitet Nick Fury diese kurzerhand nach Prag um, wo das nächste Monster vermutet wird. Dort gesteht er seinem Schwarm MJ, dass er Spider-Man ist, was diese jedoch schon wusste. Er findet dabei eine Drohne, die er dem zuvor stattgefundenen Kampf von Mysterio und einem Feuerwesen zuordnet. Dadurch findet er heraus, dass Mysterio ihn angelogen hat und die Kämpfe nur simuliert hat. Zuvor hat er diesem jedoch die Kontrolle über Technologie von Iron Man übertragen. In Berlin versucht er Mytserio zu stellen, muss jedoch feststellen, dass er in einer Simulation gelandet ist. Da nun auch Ned und MJ in Gefahr sind, reist er ihnen nach. In London kommt es zum finalen Kampf, bei dem Mysterio besiegt wird. In der Mid-Credit-Scene beschuldigt J. Jonah Jameson öffentlich Peter als Mörder Mysterios und entlarvt ihn gleichzeitig als Spider-Man.

Die Handlung

Nach Jamesons Enthüllungen steht Peter Parker (Tom Holland) in der Kritik der Öffentlichkeit. Da auch seine Freund*innen da mit reingezogen werden, sucht er Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) auf und bittet ihn um Hilfe. Doch der Zauber geht schief und die Grenzen zum Multiversum verwischen. Kurz darauf tauchen Bösewichte auf, die allesamt Peter zu kennen scheinen.

Meine Meinung

Spider-Man war noch nie mein bevorzugter Superheld. Die früheren Filme habe ich daher nie gesehen. Erst als er zum MCU stieß und man die Filme irgendwie sehen musste, da alle Marvel Filme irgendwo aufeinander aufbauen, habe ich mich mit ihm näher auseinander gesetzt. Während Homecoming für mich noch eine Überraschung war, konnte ich Far from home wenig abgewinnen. Nur kurz zuvor war es Endgame, der irgendwo eine ganze Ära beendete und auf einmal sollte der zweite Spidey Phase 3 beenden? Dementsprechend frustriert ging ich nun in No way home. Immerhin der zweite Trailer ließ mich ein wenig Hoffnung schöpfen, dass es vielleicht doch halbwegs amüsant wird.
Letztlich war No way home eine Achterbahn der Gefühle. Zwischen Euphorie, Spaß aber auch Enttäuschung. Denn die Geschichte an sich konnte mich wesentlich mehr mitreißen und begeistern als zuvor gedacht. Die Idee das Multiversum nach What if… zunächst auf ein paar Bösewichte aus den früheren Spider-Man Filmen zu begrenzen, funktioniert erstaunlich gut und bringt die Handlung gut voran. Zeitgleich verbirgt sich dahinter auch eine Menge Potential für Späße, wovon einiges ausgereizt wird. Selbst wenn man sich im Spider-Man Universum nicht so gut auskennt und die früheren Filme nie gesehen hat, funktionieren viele Anspielungen, auch wenn man wahrscheinlich gar nicht alle mitbekommt, und man kann der Handlung folgen.
Allerdings ist es gerade die sich zunehmends verschiebende Dynamik zwischen Peter und Doctor Strange, die immer mehr ins merkwürdige rutscht. Hier merkt man Benedict Cumberbatch an, dass er wohl von so einigen Dialogzeilen etwas genervt war, da er das nur dezent überspielen konnte. Während Peter durch die Verantwortung und Erwartungshaltung von Strange und seiner Tante May zunehmend überfordert ist, werden auch die Zuschauenden zunehmend verwirrt. Freund und Feind verschwimmt innerhalb von wenigen Minuten, um sich kurz darauf mit dem größtmöglichen Drama neu zu festigen. Ob dies nun wirklich nötig war, bleibt fraglich, denn teilweise scheint es so, als ob dieser nur aus Prinzip und nicht weil er wirklich gepasst hat, eingebaut wurde.
Dafür wird man jedoch am Ende beim großen Finale für alles entschädigt. Das Zusammenspiel aus alten und neuen Charakteren funktioniert hier absolut hervorragend. Es macht Spaß, ist spannend, birgt mehrere Handlungsstränge und bringt das Franchise zu einem würdigen Ende! (PS: Ich habe keine Ahnung, ob weitere Spideys geplant sind, aber es fühlt sich nach einem guten und würdevollen Abschluss an. Das hält in Hollywood zwar niemanden mehr auf, aber vielleicht haben wir ja wieder ein paar Jahre Ruhe)
Das Multiversum wird uns wohl noch die gesamte Phase 4 über begleiten. Vor dem Multiverse of Madness (Doctor Strange 2) fühlte sich dieser sanftere Einstieg unfassbar gut an. Es ist wohl der stärkste Spider-Man Film aus dem MCU (darüber hinaus kann ich nicht beurteilen), auch wenn er eben deutlich spürbare Schwächen hat. Aber mit diesen muss man leben, wenn man die Stärken des Films erkunden will. Das Ende lässt einen dann zwar wieder zwiegespalten zurück, aber auch darin liegt Ende und Anfang zugleich.

Das Fazit

Spider-Man 3 – No way home lässt sich nicht so einfach bewerten. Zeitgleich der stärkste Film der Reihe, hat er doch an einigen Stellen deutliche Schwächen, gerade in bestimmten Handlungsabschnitten, die ein grandioses Finale jedoch größtenteils ausbügeln kann. Die Einführung ins Multiversum funktioniert besser als gedacht und zeigt, was möglich ist. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Spider-Man: No way home läuft seit dem 16.12.2021 in den deutschen Kinos

 

West Side Story

Ein Vorwort

Ein Musical von Steven Spielberg? Das waren für mich schon zwei gute Gründe ins Kino zu gehen. Eine Neuverfilmung eines Klassikers? Da könnte man sehr schön aktuelle Thematiken einbauen und eine … oh es wird keine Neuinterpretation, sondern nur die Verfilmung der bekannten Geschichte? Wie das funktioniert erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Die Upper West Side ist eine einzige große Baustelle. Dennoch rivalisieren hier die Jets und die Sharks um die Vorherrschaft. Während einer Tanzveranstaltung trifft der zu den Jets gehörende Toni (Ansel Elgort) auf Maria (Rachel Zegler), die Schwester des Sharksanführers Bernardo (David Alvarez). Während sich die beiden ineinander verlieben, droht ein alles entscheidender Kampf zwischen den beiden Gruppen.

Meine Meinung

Zwischen Erwartung anhand des Trailers und dem, was hätte sein können, liegt bei diesem Film ein gewaltiger Spalt. Denn in meinem Kopf war die Tatsache, dass Spielberg sich an dieses Musicals wagt, eine große Chance die Problematik der Armutsviertel und die Rassismusthematik auf eine neue Ebene zu heben, zu modernisieren und mit aktuellen Bezügen zu füllen. Nichts davon ist passiert, was mich ziemlich enttäuschte. Nun ist es natürlich unfair dies einem Film anzukreiden, der nie behauptet hat, etwas anderes zu sein als eine Neuverfilmung. Dennoch ist es schade, dass das Potential nicht genutzt wurde.
Entschädigt wird man vor allem von den unfassbaren Bildern, die Steven Spielberg wieder einmal gefühlt aus dem Ärmel schüttelt. Allein die Eröffnungssequenz, in der die Kamera über die Baustellen schweift bis es ins erste Lied übergeht, zeigt welch hohe Qualität wir vom Film erwarten dürfen. Dies ist auch das Element, das sich durch den ganzen Film zieht. Hinzu kommt ein gutes Setdesign und tolle Kostüme.
Handlungstechnisch wird sich hier komplett am Bühnenmusical und an der ersten Verfilmung orientiert. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, gibt es kaum Abweichungen in der Handlung. Lediglich die Inszenierung ist hier noch einmal beeindruckender. Zum Beispiel ist „America“ hier komplett durchchoreographiert und reißt eine ganze Straße mit, während es im Film von 1961 eine Tanznummer auf engstem Raum war. Auch hier zeigen sich die Stärken der Neuinszenierung.
Allerdings hat der Film eine große Schwäche: Ansel Elgort. Obwohl er mit Filmen wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ oder auch „Baby Driver“ sein Schauspieltalent bewies, mag er so gar nicht in die Rolle des Tony passen. Während die anderen Darsteller*innen die Ecken und Kanten für ihre Rollen direkt mitbringen, wirkt Elgort sehr weichgespült. Das alleine wäre vielleicht noch kein Grund für eine Kritik an ihn, sein unterirdisches Schauspiel aber schon. Denn entweder hatte er wenig Lust auf den Film und zeigt das auch in jeder Szene, oder ihm ist sein Talent abhanden gekommen. Eine absolut gelangweilte Miene in jeder Szene, beim singen wird der Mund kaum geöffnet und Emotionen gibt es auch keine.
So funktioniert der Film am besten, wenn er sich weder auf die noch immer holprige Handlung noch auf die Protagonst*innen konzentriert, sondern auf die kleinen aber feinen Nebenhandlungen. So sind etwa „America“ oder auch „Gee, Officer Krupke“ die absoluten Highlights im Film und machen einfach Spaß. Hier zeigt sich, wie die Nebencharaktere sowohl Gesang als auch Tanz und Schauspiel wunderbar beherrschen und die Choreographien in den Settings sind herausragend. Leider hält der Film dieses Niveau nicht durch.
Letztlich ist Spielbergs West Side Story ein guter Film. Er adaptiert die Vorlage – leider zu sehr – und setzt ihr seinen eigenen Stempel auf, was in tollen Bildern und Choreographien mündet. Er kränkelt am Hauptdarsteller, darüber hinaus ist er durch die Bank weg gut besetzt. Das ein Abweichen von der Vorlage vielleicht einige Stolpersteine aus dem Weg geräumt hätte, hinterlässt dennoch einen Wermutstropfen.
Zumindest in der deutschen Fassung gibt es dann natürlich noch den Kritikpunkt an fehlenden Untertiteln, wenn spanisch gesprochen wird. Hier fehlen teilweise ganze Dialoge für den nicht spanisch-sprechenden Zuschauenden. Gleichzeitig sind die Untertitel während der Lieder mitunter etwas zu freizügig interpretiert, gerade, wenn der englische Text gut verständlich ist. Gerade bei America haben Text und Untertitel teilweise überhaupt keinen Zusammenhang. Der Grund erschließt sich mir überhaupt nicht.

Das Fazit

West Side Story ist Spielbergs Variante des Klassikers. Viel Potential verschenkt, leider mit sehr schwachem Hauptdarsteller, kann der Film gerade durch Setdesign und Inszenierung punkten. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

West Side Story läuft seit dem 09.12.2021 in den deutschen Kinos

Anime Special: Josie, der Tiger und die Fische

Ein Vorwort

Nach einigen Anime Specials, die sich direkt auf ein Franchise beziehen, wie die My Hero Academia Filme, kam nun wieder ein unabhängiger Anime ins Kino. Zunächst zog mich gar nichts in diesen Film, auch nicht der Trailer. Selbst in Animeforen haben eher wenige von diesem Film vorab gehört. Was er denn nun kann und ob er zu Recht oder Unrecht im Dunkeln schlummert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Der Meeresbiologie-Student Tsuneo hangelt sich von Nebenjob zu Nebenjob, um seinen Traum von einem Auslandssemester wahr zu machen. Durch einen Zufall trifft er auf die im Rollstuhl sitzende Kumiko, die sich selbst Josie nennt, und ihre Großmutter. Letztere ist es, die versucht Kumiko auf ein Leben als selbstständige Erwachsene vorzubereiten und daher kurzerhand Tsuneo einstellt. Josie ist davon allerdings nicht begeistert.

Meine Meinung

Josie, der Tiger und die Fische ist ein kleiner und sehr ruhig erzähler Film. Am Anfang wird einige Zeit investiert, um Tsuneo vorzustellen, ehe er auf Kumiko trifft. Das Aufeinandertreffen erinnert, dann an Konstellationen, wie Ein ganzes halbes Jahr, wo die Person im Rollstuhl wenig Lust hat, sich auf jemand neues „pflegendes“ einzulassen. Doch hier läuft es nicht auf die große Liebesgeschichte hinaus, sondern auf die fein gespielten Nuancen und eine Freundschaft, die auf einer anderen Grundbasis entsteht.
Auch darüber hinaus ist der Anime eher genreuntypisch – zumindest für Hollywood-Verhältnisse. Es geht darum Hilfe annehmen zu lernen, um Freundschaft, aber auch um den Schritt über sich hinaus zu wachsen und nicht darauf zu hören, was andere glauben, was man schaffen kann und was nicht.
Vor allem ist es aber auch  ein Film, der den alltäglichen Ableismus aufmerksam macht. Wie schwierig es ist mit einem Rollstuhl von einem Ort zum anderen zu kommen. Wie schwierig öffentliche Verkehrsmittel sind, wie einfach man übersehen wird oder als etwas nervendes abgestempelt wird. Das macht unfassbar wütend, ist aber nicht übertrieben dargestellt und eher subtil eingebaut. Daraus wird nicht der Aufhänger für den Film gestaltet, dennoch ist es ein fester Bestandteil, eben auch wie (leider) im realen Leben.
Während die Handlung dennoch eher schleppend vorwärts kommt und gefühlt immer wieder „Rückfälle“ erleidet und die gleiche Entwicklung noch einmal erzählt, sind es gerade die Bilder, die faszinieren. Gerade in einigen „Traum“-Sequenzen zeigt der Film seine künstlerische Ader und beweist wo die Stärken liegen.
Trotz der Länge von 98 Minuten fühlt sich der Film deutlich länger an. Gerade, weil das vermeintliche Ende sich immer noch mal verzögert und nochmal die gleiche Wendung nimmt, wie zuvor schon und so künstlich gestreckt wird.
Letztlich ist es ein Film, dessen Stärken und Schwächen sich größtenteils aufheben. Starke Themenverarbeitung fernab von den gewohnten Mustern, subtiles Aufmerksam machen auf Ableismus im Alltag mit starken Bildern, steht eine gestreckte und sich im Kreis drehende Handlung gegenüber und eine sehr unsympathische Protagonistin.

Das Fazit

Für Fans von ruhigen und eher subtilen Animes auf jeden Fall empfehlenswert. Wer ein bisschen Tempo braucht, wird hier nicht glücklich.

House of Gucci

Ein Vorwort

Gucci – ein Name, der auch heute noch für Mode und vor allem für Geld steht. Doch wie viel weiß man über die Geschichte? Ich zumindest so gut wie gar nichts. Wie viel man in diesem Film über die wahre Geschichte erfährt, ist natürlich auch immer fraglich. Wie es jedoch in Filmform funktioniert, das erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Patrizia Reggiani (Lady Gaga) lernt auf einer Party Maurizio Gucci (Adam Driver) kennen, mit dem sie eine Beziehung anstrebt. Entgegen dem Willen seines Vaters (Jeremy Irons) heiratet er sie. Durch Maurizios Onkel Aldo (Al Pacino) nähert sich Patrizia wieder der Familie an. Fortan folgt Intrige auf Intrige.

Meine Meinung

Wenn man dem Trailer glauben will, hat Ridley Scott einen unfassbar guten Cast zusammengeholt. Schließlich tauchte bei so ziemlich jedem Namen Oscar-Gewinner*in oder zumindest Oscar Nominiert auf. Außerdem hat der Film wohl ein sehr großes Marketingbudget. Kein Kinobesuch ohne diesen Trailer, zusätzlich regelmäßige Werbung auf allen Social Media Kanälen. Da gab es keine andere Chance als diesen Film zu sehen.
Allein die ersten Minuten nehmen einen komplett gefangen. Während Lady Gaga aus dem Off erzähl, was es mit Gucci und der Faszination für die Marke auf sich hat, gepaart mit den Bildern Adam Drivers, wie er den Italian way of life symbolisiert. Es verspricht ein starker Film zu werden.
Nur, dass der Film dieses Niveau nicht halten kann. Schon bald verliert er sich in den ganzen Wirrungen der verschiedenen Genres, die er vereinen will. Mal ist er Familiendrama, mal Biopic, dann wechselt er zum Krimi, dann verzaubert er mit italienischem Charme, nur um dann in Belehrungen über Machtgier zu verfallen. Zusammen mit vielen Zeitsprüngen, die dem Zuschauenden an keiner Stelle visualisiert werden – außer vielleicht durch einen etwas anderen Haarschnitt einzelner Charaktere – ziehen so die Minuten ins Land. Mit 158 Minuten ist der Film sehr lang geraten. Durch den ständigen Wechsel in der Erzählung merkt man die Länge erst gegen Ende. Grundsätzlich ist der Film auch nie langatmig oder langweilig. Aber letztlich lassen einen die ganzen Intrigen und Schicksale der Charaktere einfach kalt, weil man von Anfang an keinen Zugang zu ihnen bekommt. Durch die Zeitsprünge ändern sich pausenlos die Motive, ohne, dass man erzählt bekommt, was dahinter steckt.
Schauspielerisch gibt Lady Gaga hier alles. Leider wirkt sie dadurch zu aufgesetzt, da sie nicht mit dem wesentlich subtileren Spiel eines Adam Drivers oder Jeremy Irons mithalten kann. Auch Jared Leto legt seinen Paolo Gucci mehr mit großen Gesten an. Inwieweit es auf der realen Person fußt, kann ich nicht beurteilen, im Film jedoch wirkt es sehr nervig und unangebracht. Zwischen all dem steht Al Pacino, der sich nicht entscheiden kann, wie er seinen Aldo Gucci nun anlegen will und ihn daher auch eher blass wirken lässt.
So hat House of Gucci noch einen starken Start und kann im folgenden am ehesten durch die erzeugten Bilder überzeugen. Hier haben manche Einstellungen fast etwas künstlerisches. Leider schaffen es diese Bilder nicht über die oberflächliche Handlung hinwegzutäuschen, die sich gerade gegen Ende eher zu einer Parodie auf die Familie entwickelt.

Das Fazit

House of Gucci bietet einen starken Start und starke Bilder scheitert aber an zu vielen Genres, die sich in einer oberflächlichen Handlung vermischen, die einen eher kalt lässt als mitreißt. Schauspielerisch eine bunte Mischung und ein eher nerviges, denn mitreißendes Ende. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

House of Gucci läuft seit dem 02.12.2021 in den deutschen Kinos

Gunpowder Milkshake

Ein Vorwort

Ein Film, der bereits im Sommer in den USA auf Netflix anlief, hat es nun hier in die Kinos geschafft. Obwohl es eine amerikanisch-französisch-deutsche Co-Produktion ist und in Berlin und Babelsberg gedreht wurde, lief er hier nun mit deutlicher Verzögerung an.Trotz hochkarätiger Besetzung waren die Kritiken eher mäßig bis negativ. Was er nun kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Sam (Karen Gillan) ist Auftragskillerin beschäftigt bei „der Firma“. Doch bei einem Auftrag ging etwas schief. Zeitgleich trifft sie auf die achtjährige Emily (Chloe Coleman), die als Geisel gehalten wird. Nun versucht sie zeitgleich Emily zu beschützen und den Rächern aus ihrem letzten Auftrag zu entkommen.

Meine Meinung

Dass der Film kein cinematorisches Meisterwerk wird, war schon nach dem Trailer klar. Dennoch interessierte er mich, da ich nur ein bisschen Frauenpower und ein bisschen Geballer wollte. So viel vorab: Das habe ich bekommen.
Dennoch funktioniert der Film leider selbst mit sehr niedrigem Anspruch nicht so wirklich. Das liegt vor allem daran, dass er einfach nicht weiß, in welche Kerbe er denn schlagen will. So gibt es gerade zu Anfang Elemente aus alten Krimis. Sams charismatischen übergroßen Hut verliert sie genau dann, wenn der Film zum ersten Mal in der Tonalität wechselt. Fortan ist es ein fliegender Wechsel zwischen ironischer Übertreibung, sehr vielen ausufernden und sehr expliziten Gewaltszenen und ein paar guten One-Linern. Der Film versucht die Geschichte von drei Generationen zu erzählen, die miteinander verwoben wird und von Verlassen und Widerfinden handelt, doch letztlich kommt hier wenig Familiengefühl auf.
Sam ist als Protagonistin sehr unnahbar, was an ihrer schroffen und wortkargen Art liegt. Allerdings nutzt Karen Gillan hier auch wenig ihr Schauspieltalent, sondern schaut fast pausenlos stoisch in die Kamera. Zwar scheint ihr Charakter so angelehnt, dennoch trägt die Emotionslosigkeit nicht unbedingt dazu bei, den Film spannender zu gestalten. Denn obwohl hier eigentlich viel los ist und durch die Fluchtsituation eigentlich eine Dauerspannung entstehen könnte, schaut man den Film sehr distanziert. Zwischendurch gibt es einige Szenen, die eher unfreiwillig komisch wirken, auch wenn der Witz wohl durchaus gewollt ist. Die Kombination aus diesen und den übertrieben brutalen sorgt noch weiter für eine Distanz zwischen Film und Zuschauenden.
So richtig kommt er erst ins Rollen, als auch die übrigen weiblichen Charaktere verkörpert von Lena Headey, Angela Bassett, Michelle Yeoh und Carla Gugino auf der Bildfläche auftauchen, was einfach viel zu spät war. Groß im Trailer angekündigt, spielen sie doch lange überhaupt keine Rolle, was sehr schade ist, da gerade die Dynamik zwischen ihnen, den Film erst funktionieren lässt. Hier bekam ich dann endlich die Frauenpower, die mir der Trailer versprach. Ab hier hat der Film dann Charme und bessere Dialoge. 

Das Fazit

Gunpowder Milkshake ist ein Film, der zu sehr zwischen Tonalitäten hin und her schwangt und in keiner davon richtig funktioniert. Die versprochene Frauenpower kommt zu spät, um den Film noch spannend zu gestalten. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Gunpowder Milkshake läuft seit dem 02.12.2021 in den deutschen Kinos

Encanto

Nachdem Disney im Sommer mit Luca einen Sommer-Animationsfilm aus dem heißen Italien direkt auf Disney+ veröffentlichte, dürfen wir die nächste Reise nach Kolumbien wieder auf der großen Leinwand bewundern. Diesmal geht es um nichts geringeres als ein Wunder.

Die Handlung

Familie Madrigal hat nachdem Abuela viele Verluste hinnehmen musste, ein Encanto bekommen. Dadurch leben sie in einem geschützten Dorf und bekommen alle zu einer gewissen Zeit magische Kräfte. Nur Mirabel ist ohne geblieben. Das macht ihr zu schaffen. Als die Magie schwindet, setzt sie daher alles daran sich zu beweisen, und das Wunder zu retten.

Meine Meinung

Disney hat uns schon in so einige Länder und Kulturen entführt. Das kam mal mehr, mal weniger, gut an. Diesmal ging es also nach Kolumbien, nachdem wir mit Coco schon Mexiko und den Dia de Muertos kennenlernen durften. Dabei hat sich Disney diesmal aber auch wieder darauf geeinigt, die Magie mit reinzubringen. So bekam Familie Madrigal ihr Encanto. Während es im Film mit einem Wunder gleichgesetzt wird, birgt die direkte Übersetzung aus dem Spanischen mit „Charme“ einige Fragen.
Im Vordergrund steht das Familiengeschehen, erzählt aus der Sicht von Mirabel, die einzige ohne Begabung. Während ihre Eltern versuchen ihr Selbstbewusstsein zu erhalten, fällt es Mirabel gerade durch die Ablehnung durch die Großmutter immer schwerer ihr Lächeln aufrecht zu erhalten. So stehen die Themen Familie, aber auch Bewältigung von schwierigen Themen diesmal im Vordergrund.
Nach und nach wird gezeigt, dass die Eigenschaften der Familienmitglieder eben auch ihre Schattenseiten haben und die Bürde der Angelpunkt für das ganze Dorf zu sein, nicht immer zu schultern ist. Damit nimmt sich Disney wieder einem schweren Thema an und versucht das mit einer großen Portion betonter Fröhlichkeit auszugleichen. Dennoch stoßen die Themen tief in die Herzen der Zuschauenden. Taschentücher also nicht vergessen!
Und was wäre ein Disneyfilm ohne eine Menge Lieder? Diesmal ist dafür niemand anderes als Mr. Hamilton persönlich: Lin-Manuel Miranda. Doch so ganz wollen sie sich nicht voneinander absetzen und klingen in ihrer Grundmelodie alle sehr ähnlich. Das ist schade, schmälert die Qualität aber nur bedingt.
Letztlich bekommt man das, was man erwartet hat. Einen bunten Disneyfilm, der sich neben allerhand Fröhlichkeit und singender Charaktere, eben auch wieder mit einem Thema befasst, das tief unter die Haut geht. Trotz allerhand vorhersehbarer Wendungen, bietet er aber auch einige Überraschungen. Letztlich ist Encanto ein starker Film aus dem Hause Disney, setzt sich aber nicht über die altbewährte Konkurrenz hinweg.

Das Fazit

Encanto ist ein zugleich herzerwärmender, wie auch herzzerreisender Film über den Platz in der Familie finden. Typische Disneymuster sorgen dafür, dass er an vielen Stellen vorhersehbar ist, wodurch die Qualität dennoch nicht geschmälert wird. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Encanto läuft seit dem 24.11.2021 in den deutschen Kinos