Marry Me – Verheiratet auf den ersten Blick

Ein Vorwort

Fast pünktlich zum Valentinstag wurde es wieder Zeit für eine Romanze auf der großen Kinoleinwand. Das hat sich wohl auch Universal und haute mit Marry Me genau den richtigen Film dafür raus. Nachdem der Trailer bereits sehr vielversprechend aussah, zog es mich auch außerhalb des Tages für alle Pärchen ins Kino. Wie mir der Film gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Die Popikone Kat Valdez (Jennifer Lopez) und ihr Freund Bastian (Maluma) wollen bei einem Liveevent heiraten. Passend dafür haben sie das Duett Marry Me herausgebracht. Doch als sie kurz vor ihrem Auftritt erfährt, dass Bastian sie mir ihrer Assistentin betrogen hat, beschließt sie kurzerhand den Mathelehrer Charlie Gilbert (Owen Wilson) aus dem Publikum zu heiraten. Dieser ist eigentlich gar kein Fan, sondern wollte seine Tochter (Chloe Coleman) beeindrucken, die sich seit der Scheidung immer weiter von ihm entfernte. Dennoch sagt er ja. Beide sind geschockt von ihrer spontanen Hochzeit und beschließen erst einmal herauszufinden, ob die Beziehung funktionieren kann.

Meine Meinung

Romantische Komödien können mich eigentlich nur abholen, wenn sie sich wirklich Mühe geben. Natürlich werden viele Klischees reproduziert, aber wenn sie darüber hinaus eine eigene Idee haben, gebe ich ihnen ja gerne eine Chance. Und die Idee hinter Marry Me hat mich überzeugt. Zwar waren die typischen zwei Welten treffen aufeinander Klischees absehbar, aber die Hochzeit an den Anfang zu setzen, hat gut funktioniert.
Denn so lernen wir im Schnelldurchgang die beiden Protagonist*innen kennen, dann kommt es schon zum Liveevent, auf dem Charlie nur durch Zufall ist und auf dem Kat beschließt Bastian nicht zu heiraten. Erst im folgenden lernen wir beide genauer kennen, während sie selbst versuchen herauszufinden, ob die Ehe funktionieren kann. Dabei stellt sich heraus, dass der Film es schafft ganz nebenbei absolut herzliche Figuren, vor allem auch bei den Nebencharakteren zu schaffen. So sind gerade Charlies beste Freundin Parker und Kats Manager Collin diese Herzensmenschen, die einfach immer da sind, wenn man sie braucht und doch die Grenzen kennen.
Das Motiv zieht sich auch durch den gesamten Film. Immer ein wenig Klischeehandlung gepaart mit den tollen Charakteren, die den ganzen Film einfach sehr herzlich machen. Vielleicht hätte man das ein oder andere Klischee auslassen können, aber im großen und ganzen ist die Handlung sehr rund. Vor allem auch, weil Charlie Gilbert ein sehr geerdeter Charakter ist und doch genug eigene Persönlichkeit besitzt, um nicht in dem neuen Medienrummel komplett unterzugehen. Weil es eben nicht darum geht Charlie in Kats Welt zu pressen, sondern eben auch sie wieder zurückzuholen.
Unterstützt wird der Film von einem tollen Soundtrack. Mit den beiden absoluten Ohrwurmliedern Marry Me und On my way bietet der Film gleichzeitig Klischee-Pop, doch auch hier mit einer herzlichen und persönlichen Note, dass sie sich perfekt in den übrigen Film einschmiegt. Auch schauspielerisch hat Marry Me einiges zu bieten. Während Jennifer Lopez und Owen Wilson gleichzeitig absolut unterschiedlich wirken und doch eine wunderbare Chemie aufbauen, braucht sich der übrige Cast keinesfalls zu verstecken. Während Maluma in seiner Rolle eher blass bleibt, sind es auch hier Sarah Silverman, Chloe Coleman und John Bradley-West, die ihren Rollen das gewisse Etwas geben und mit ihrer Herzlichkeit überzeugen.

Das Fazit

Marry Me – Verheiratet auf den ersten Blick schafft es gleichzeitig die meisten Klischees des Genres zu bedienen und doch mit einer Herzlichkeit herauszustechen, dass er ein positives Beispiel des Genres ist. Musik, Charaktere, Handkung und Schauspiel passen hier einfach perfekt zusammen. Dafür gibtes 08 von 10 möglichen Punkten.

Marry Me läuft seit dem 10.02.2022 in den deutschen Kinos

Sing 2 – Die Show Deines Lebens

Ein Vorwort

Neben ihrem Dauerbrenner rund um die Minions versuchte Illuminations den Niedlichkeits- und Witzfaktor auch in anderen Filmen mit vielen Tieren einzubringen. Während Pets und das dazugehörige Sequel eher im Trailer als im Ganzen funktioniert hatte, war der erste Teil von Sing ein ganz netter Musikfilm rund um ein heruntergekommenes Theater, das es zu retten galt. Da das Einspielergebnis zufriedenstellend war, war es nur eine Frage der Zeit, bis es auch dazu ein Sequel gab. Das wir nun 6 Jahre warten mussten, dürfte wohl auch mit an der Pandemie liegen. Wie Sing – die Show Deines Lebens funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Die Show „Alice im Wunderland“ im Moon-Theater ist fast jeden Abend ausgebucht. Nun erhofft sich Buster Moon von der Casterin Suki ausgesucht zu werden, um in Redshore City im Crystal Tower Theater aufzutreten. Doch diese erteilt dem Ensemble eine Absage. Als sich die Truppe dennoch in das Casting schleicht, sind es die abgedrehten Ideen von Gunther, die Musikmogul Jimmy Crystal überzeugen. Doch dafür muss Buster Moon die Rocklegende Clay Calloway auftreiben, der seit dem Tod seiner Frau komplett zurückgezogen lebt. Für das und für die komplett neue Show „Nicht von dieser Welt“ haben sie nur drei Wochen Zeit. Und einen Jimmy Crystal enttäuscht man besser nicht.

Meine Meinung

Nach dem ersten Trailer war ich eher abgeschreckt von dem Film. So richtig konnte ich mir unter der Handlung nichts vorstellen, außer, dass die Show in allen Bereichen größer und aufregender werden sollte, als die im ersten Teil. Zumal mir die große „Überraschung“ für das Finale bereits im Trailer weggenommen wurde. Doch dann häuften sich die sehr positiven Meinungen anderer Blogger*innen. 8-9 von 10 möglichen Punkten war keine Seltenheit. So beschloss ich dem Film doch eine Chance zu geben.
Sing 2 beginnt mehr oder weniger dort, wo der erste endete. Im Moon-Theater wird mit den üblichen Verdächtigen aus dem ersten Teil eine Show aufgeführt. Doch die Träume sind nach dem Erfolg der Show größer geworden. Es soll nach Redshore City gehen, einer Las Vegas nachempfundenen Stadt. Mit viel Witz und mehr Glück als Verstand bekommt die Gruppe eine Möglichkeit eine sehr große Show auf die Beine zu stellen. Ab dort wird die Handlung etwas wirr und unzusammenhängend, da immer wieder neue Probleme auftauchen. Da diese aber nicht zu dem großen Endproblem passen, werden sie praktisch wie nebenbei aufgeklärt.
Letztlich ist es vor allem eine Kritik an großen Musikmorgulen, die glauben mit ihrer Macht alles durchsetzen zu können. Während vorher noch gute Nebenhandlungen irgendwo zu erkennen waren, läuft es im großen Finale nur noch darauf hinaus. Das ist etwas schade, da mehr möglich gewesen wäre, aber dennoch bekommt der Film ein rundes und befriedigendes Ende. 
Am enttäuschendsten sind wohl die eher raren Musikeinlagen. Außer des Anfangs, dem obligatorischen Casting und nem großen Finale wird kaum gesungen, auch nur selten in Proben. Vielleicht habe ich es auch falsch in Erinnerung, aber ich würde sagen, im ersten Teil gab es da mehr.
Ansonsten ist auch der zweite Teil von Sing ein farbenfrohes und an vielen Stellen sehr witziges Abenteuer, springt aber letztlich nicht über seinen Schatten und bietet zu viel Vorhersehbares. So ist es schön ihn gesehen zu haben, aber der Lobeshymne kann ich mich nicht ganz anschließen.

Das Fazit

Eine würdige Fortsetzung, die viel Witz einbringt. Leider eine zu vorhersehbare und teilweise sehr durcheinander erzählte Handlung mit zu wenig Musikeinlagen, um über die magische Grenze von Gut zu springen. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Sing 2 – Die Show Deines Lebens läuft seit dem 20.01.2022 in den deutschen Kinos

Wunderschön

Ein Vorwort

Ein weiterer Film, der schon oft weiterverschoben wurde, zuletzt im Dezember 2021 endlich anlaufen sollte, hat es jetzt endlich auf die Kinoleinwand geschafft. Zumal ich mich nach SMS für dich sehr auf einen neuen Film von und mit Karoline Herfurth gefreut habe. Ob meine hohen Erwartungen auch nicht enttäuscht wurden, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Sonja (Karoline Herfurth) ist nach der Geburt ihres zweiten Kindes unzufrieden mit ihrem Leben und ihrem Körper. Ihr Mann Milan (Friedrich Mücke) versucht sie zu unterstützen, hat aber selbst gerade eine Beförderung angenommen und ist damit im Stress. Ihre beste Freundin Vicky (Nora Tschirner) hingegen glaubt nicht die große Liebe und Beziehungen, doch der neue Sportlehrer hat es ihr angetan. Julie (Emilia Schüle) will unbedingt an den Laufsteg, doch ihre Agentin ist der Ansicht, dass sie dafür zu dick und zu konventionell sei. Frauke (Martina Gedeck) hat sich auf die Rente ihres Mannes gefreut. Doch eigentlich ist sie nur gefrustet, weil er sie und ihre Wünsche zu ignorieren scheint. Ein Tangokurs soll Abhilfe schaffen. Dann ist da noch Leyla (Dilara Aylin Ziem), die durch ihr Gewicht in der Schule gemobbt wird. Ausgleich findet sie im Baseball.

Meine Meinung

Auch wenn SMS für dich nicht ganz ohne Klischees auskam und den ein oder anderen schrägen Charakter mit dabei hatte, ist er ein absoluter Herzensfilm von mir geworden. Daher war ich sehr gespannt auf Karoline Herfurths neuen Film.
Mit gleich fünf Protagonistinnen schien er sich ziemlich viel vorgenommen zu haben. Doch der Film wirkt an keiner Stelle überladen. Mit kleineren Überschneidungen bei den Charakteren (Familie, Schule, Freunde), wird sinnvoll von einer zur nächsten geschwenkt, jede bekommt ausreichend Zeit, um die Geschichte zu erzählen und das in allen Facetten. So wirkt der Film zwar immer noch sehr episodenartig, aber das ist in diesem Fall gar nicht schlimm, zumal es keinen harten Cut zwischen den Geschichten gibt, sondern sie nebeneinander herfließen.
Wunderschön ist wohl der ehrlichste und aus dem Leben gegriffendste Film der letzten Zeit. Hier wird der weibliche Körper nach zwei Schwangerschaften nicht beschönigt, vermeintliche Tabuthemen werden angesprochen und alles, womit Frauen zurecht kommen sollen. Die typischen Geschlechterrollen werden hinterfragt und dies stets sehr sachte und mit Denkansätzen, nie aber mit dem Vorschlaghammer, was sehr erfrischend ist. Durch die ehrliche Grundebene lassen sich Argumente viel besser einbauen.
Aber auch abgesehen davon werden die Extreme der Magersucht durch den Traum vom Laufsteg und das Mobbing durch ein Gewicht über der gesellschaftlichen Norm sehr lebensnah angesprochen. Dabei geht es nicht darum die Modebranche an sich zu verteufeln, aber der Film zeigt deutlich die Schwierigkeiten die auftreten können und das Missverständnis, was nach außen getragen wird.
Das Ganze wird wieder mit einer solchen Herzlichkeit verkörpert, dass man sich mittendrin statt nur dabei fühlt. Jede*r kann sich wohl in irgendeine Rolle einfühlen oder fühlt zumindest die eigenen Probleme etwas besser verstanden. Auch die Auflösung des Ganzen kommt nicht mit dem großen Paukenschlag und dann sind alle Probleme weggeräumt, sondern die Charaktere wachsen an ihren Problemen und beseitigen sie aus eigenem Antrieb.
Schauspielerisch hat Herfurth hier wieder gut aufgetragen. Neben Nora Tschirner und Friedrich Mücke, mit denen sie schon in SMS für dich zusammengearbeitet hat, konnte sie diesmal Emilia Schüle und Martina Gedeck mit engagieren. Jede*r trägt seine*ihre Rolle mit Bravour und zeigt einmal mehr, was der deutsche Film abseits des Einheitsklamauks kann. Nämlich wunderschönes, trauriges, und doch starkes Drama.

Das Fazit

Wunderschön überzeugt in allen Bereichen durch Ehrlichkeit und dem unaufgeregtem Drama direkt aus dem Leben gegriffen. Er ist gleichzeitig schön, traurig und setzt starke Pointen. Bitte mehr von Filmen wie diesen. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Wunderschön läuft seit dem 03.02.2022 in den deutschen Kinos

Murdoch Mysteries – Staffel 2

Im letzten Jahr stellte ich euch die erste Staffel von Murdoch Mysteries vor. Die spannende Krimiserie aus Kanada, die im Toronto der 1890er Jahre spielt, hatte es mir gleich angetan. Als ich die Anfrage für die zweite Staffel bekam, schlug ich direkt zu. Wie diese mir gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Detective William Murdoch (Yannik Bisson) arbeitet im 4. Polizeirevier von Toronto in den 1890er Jahren. Mit seinem unstillbaren Drang nach neuen Erkenntnissen ist er der Wissenschaft zeitweise voraus, was sein Vorgesetzter Inspector Thomas Brackenreid (Thomas Craig) eher kritisch beäugt. Unterstützt wird er von Pathologin Dr. Julia Ogden (Hélène Joy).

Meine Meinung

Der Einstieg in die zweite Staffel war schnell geschafft. Sie setzt relativ nahtlos an die erste an. Dadurch, dass es weiterhin eher um den Mordfall der Woche geht, braucht man auch nur wenig Vorwissen aus Staffel 1. Die Charaktere werden nicht nochmal vorgestellt, aber bekommen dafür nochmal neue Tiefe.
Leitführend sind diesmal neben den einzelnen Mordfällen Brackenreids Alkoholproblem, aber vor allem die bereits in Staffel 1 angedeutete Liebesgeschichte zwischen Murdoch und Dr. Ogden. Oder auch nicht. Oder doch wieder. Da konnte sich die Handlung nicht so ganz entscheiden, was wohl auch der nervigste Aspekt der Staffel war. Neue Charaktere kommen dazu, ob nur für eine Folge oder für mehrere. Dennoch gibt es für die 13 Folgen der Staffel eine Menge Liebesdrama nebenher, was nur teilweise zum Ton der Serie passen will.
Darüber hinaus bietet aber auch die zweite Staffel wieder spannende Fälle mit neuen Erfindungen (z.B. der Röntgen-Apparat) und alten und neuen Wegbegleiter*innen. Diesmal begegnet unser Ermittler*innenteam unter anderem Houdini. Aber auch „Übernatürliches“ ist diesmal mit dabei, so begegnen sie einem Werwolf, einem Riesen und ein Fall dreht sich sogar rund um Dinosaurierknochen.
Wie schon in Staffel 1 macht auch hier wieder der Reiz die Mischung aus den typischen Crimelementen gepaart mit dem historischen Aspekt aus. Anstatt wie in anderen Crimeserien alle Beweise durch ein Massenspektrometer zu schicken und so auch noch den winzigsten Hinweis zu entdecken, sind es hier gerade die kreativen Methoden Murdochs, die seiner Zeit zwar stets voraus zu sein scheinen und doch für unsere Verhältnisse sehr primitiv wirken. So kommt Abwechslung in jede Folge, auch wenn die Mordfälle trotzdem immer ähnlich aufgebaut sind.
Im großen und ganzen konnte mich auch die zweite Staffel wieder mitreißen, so dass ich sie in einem hintereinander weggeguckt habe. Lediglich das etwas zu große Liebesdrama zwischendrin war etwas nervig, aber auch das war gut auszuhalten.

Das Fazit

Murdoch Mysteries – Staffel 2 schafft wieder einen einzigartig guten Mix aus Krimi und Historie mit spannenden Fällen und schafft es die Charaktere weiter zu entwickeln. Für alle Krimi Fans, die mal einen anderen Ansatz suchen.

Murdoch Mysteries Staffel 2 wurde mir von Glücksstern-PR als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Extraordinary You

Ein Vorwort

Neulich war wieder meine beste Freundin zu Besuch. Freudestrahlend erzählte sie mir von der Serie, die sie vor kurzem durchgebinged hatte. Ich nickte und bestätigte, dass sie echt cool klang und ich sie mir eventuell mal ansehen würde. Doch so leicht kam ich nicht davon. Ich wurde regelrecht vor den Fernseher gezehrt und mein müder Protest, dass ich nicht unbedingt scharf darauf war eine Serie auf koreanisch zu gucken (immerhin gab es deutsche Untertitel) wurde lautstark übertönt. Nach der ersten Folge dachte ich, okay, muss ich nicht unbedingt weitergucken, doch nach der zweiten war es um mich geschehen. Warum das so war, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Dan-o (Kim Hye-yoon) stellt fest, dass ihr Leben Teil eines Comics ist. Doch statt wie vermutet ist sie nicht die Protagonistin, sondern nur die Nebendarstellerin. Sie ist verlobt mit Geyong/Kyung (Lee Jae-wook), der sie aber nicht leiden kann, und hat ein schwaches Herz. Hoffnung schöpft sie als die Nummer 13 in ihrer Klasse kennenlernt, der vom Autor nicht mal einen Namen bekam, daher nennt sie ihn Haru (Rowoon). Zusammen versuchen sie ihr Schicksal und den Willen des Autors zu brechen.

Meine Meinung

Während die erste Folge eine typische Einstiegsfolge war, gab es ab Folge zwei kein halten mehr für mich. Es wurde von Folge zu Folge immer spannender, es wurden neue Ebenen aufgemacht und man verflochte sich immer mehr mit dem Schicksal der Charaktere.
Aber von Anfang an. In der ersten Folge lernen wir Dan-o kennen, die auf eine gehobene Akademie geht. Sie merkt, dass sie sich in einigen Situationen wie ferngesteuert verhält und in anderen nicht. Außerdem scheint sie von Szene zu Szene zu springen und hört dabei immer wieder ein seltsames Geräusch. Während der ersten Folge findet man mit ihr heraus, dass die ganze Welt nur ein Comic ist und lernt den Unterschied zwischen der Phase, also dem Teil der im Comic passiert, und dem Schatten, also der Zeit, wenn die Charaktere frei agieren können. Außerdem findet man heraus, dass Dan-o gar nicht die Protagonistin ist, sondern nur dazu dient, um die eigentlichen Protagonist*innen Nam-joo und Joo-da zusammen zu bringen. Dan-o muss lernen, mit dem Wissen umzugehen. Da sie mit einem schwachen Herzen ausgestattet ist und befürchtet, dass der Autor sie irgendwann sterben lässt, will sie ihr Schicksal ändern. Als sie auf die Nebenfigur ohne Namen trifft, die im Klassenbuch nur als Nummer 13 aufgeführt ist, schöpft sie Hoffnung.
Extraordinary You ist eine Geschichte zwischen Romantik, Drama und mit dem besonderen Touch der Geschichte in einer Geschichte. Da nach und nach mehr Charaktere ihr Bewusstsein im Schatten entwickeln, gibt es immer wieder neue Ansätze in der Geschichte und es wird nie langweilig.
Die Serie ist mit 16 Folgen mit einer durchschnittlichen Länge von einer Stunde abgeschlossen. Dabei wandelt sie sich währendessen immer wieder und bleibt doch der Haupthandlung treu, auch wenn die gegen Ende ein wenig in den Hintergrund tritt. Mir hat besonders der Weltenbau rund um die Comicwelt gefallen und wie alles irgendwie vorherbestimmt ist, auch wenn die Charaktere das nicht wollen und wie sie dennoch versuchen etwas zu ändern.
Dabei ist die Serie in allem sehr herzlich und lädt ordentlich zum mitfiebern ein. Während ich normalerweise romantische Szenen sehr gelassen entgegen sehe, konnte ihr mir hier mehr als einmal ein aufgeregtes Quietschen nicht verkneifen. Ich hab mich da selbst nicht mehr wiedererkannt, aber es war einfach so zuckrig süß und toll und hach. Dabei aber auch nie übertrieben, sondern gerade so dezent, dass auch nicht Romantikfans diese Szenen gut sehen können.
Die Variante die Serie auf koreanisch mit deutschem Untertitel zu sehen hat gut funktioniert, da die Betonungen gut rüberkamen. Dies war mein erstes K-Drama, aber es ist bestimmt nicht mein letztes!

Das Fazit

Extraordinary You hat nicht nur eine tolle Grundidee mit der Handlung innerhalb eines Comics, sondern auch vielschichtige Charaktere, eine spannende und wandelbare Handlung und vorallem ein rundes Ende. Große Liebe für diese Serie!

The 355

Ein Vorwort

Ich bin immer für Frauen in Hauptrollen zu haben. Besonders freue ich mich, wenn sie Klischees aufbrechen und uns ihre starke Seite zeigen. Nachdem mich neulich Gunpowder Milkshake eher enttäuschte, gab ich nun dem nächsten Ensemble eine Chance.Wie mir The 355 gefiel, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Bei einer Razzia in Kolumbien landet ein gefährliches Computermodul in den Händen eines Soldaten, der diese versucht bei einem Geheimdienst sicher unterzubringen. Den Auftrag bekommen Mace (Jessica Chastain) und Nick (Sebastian Stan) von der CIA. Doch sie scheitern und Nick wird getötet. Daraufhin tut sich Mace außerhalb der Regeln mit weiteren Agentinnen anderer Geheimdienste zusammen.

Meine Meinung

Den Grundgedanken das Action- und Agentengenre ein wenig aufzupolieren und mehr Rollen mit starken Frauen zu besetzen finde ich generell gut. Allerdings nicht, wenn die gleichen Klischees nur neu übertragen werden. Diese Hürde nimmt The 355 schon einmal und kreiert Rollen, die auch direkt auf die verschiedenen Frauen zugeschnitten wurden. Dennoch hat der Film deutliche Schwächen.
Zum einen ist die Handlung sehr konstruiert. Ein Masterkey, der auf alle elektrischen System zugreifen kann und der Hersteller wird direkt am Anfang erschossen, so dass er nicht reproduziert werden kann? Was würde jeder vernünftige Mensch machen? Genau Masterkey zerstören! Der Film wäre nach fünf Minuten zu Ende gewesen. Stattdessen wird er mitgenommen und versucht an einen Geheimdienst zu verkaufen. So, dass er immer wieder zwischen den „Guten“ und den „Bösen“ hin und her geschoben werden kann. Teilweise lag er in Kampfszenen einfach auf den Boden und wurde von einer Ecke in die anderen gekickt. Das war ganz schön nervig und man wollte nur noch die Leinwand anschreien, damit das aufgehoben und endlich zerstört wird.
Zum anderen sind auch die Motive der einzelnen Akteur*innen sehr flach. Mein Kollege und ganz kurzfristig jetzt auch mein Lover ist weg, da muss ich mich gleich mal durch die halbe Stadt schlagen. Ich bin die ITlerin der Gruppe und muss bei dem Wort Masterkey natürlich alle meine Prinzipien über Bord werfen. Ich muss meine Vaterfigur beeindrucken, nachdem ich sie enttäuscht habe. Ich bitte euch! Ein wenig Tiefe für die Figuren ist  doch wohl nicht zu viel verlangt.
Dazu muss man sagen, dass die eigentlichen Handlungen der Geheimdienste durchaus durchdacht sind und die meisten Kampfszenen gut choreographiert. Auch der Schlagabtausch zwischen den Agent*innen macht zwischenzeitlich durchaus Spaß. Aber diese guten Aspekte werden immer wieder überschattet von der billigen Handlung und den flachen Charakteren. Hätte man sich hierfür ein wenig mehr Mühe gegeben, könnte sich das Endergebnis durchaus sehen lassen.

Das Fazit

The 355 scheitert an grundlegenden Dingen, wie Handlung und Charaktere und überschattet so die sonst guten Aspekte, wie glaubhafte Geheimdienstarbeit, Schlagabtäusche und Kampfszenen. Einfach viel Potential verschenkt. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

The 355 läuft seit dem 06.01.2022 in den deutschen Kinos

Eine Handvoll Bücher – 01/22

Herzlich Willkommen zur ersten Ausgabe der buchigen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: einem humorvollen Exozismus, einem Leben ohne Obdacht, seltsamen Dingen, der Formel für Weltfrieden und schmusigen Vierbeinern.

Spiritus Daemonis

Die Handlung: Teresa arbeitet in der Online-Beratung eines kleinen Esoterikladens. Dort versucht sich Vincent über einen Fake-Exorzismus zu informieren. Doch Teresa ahnt schlimmes und bleibt mit ihm in Kontakt. Denn der Fake-Exorzismus entpuppt sich als echter.

Meine Meinung: Eigentlich hatte ich auf der Buch Berlin mich bereits für Nafishur von Mary Cronos entschieden und gekauft. Bei der Auswahl hatte ich entschieden pro Autor*in maximal ein Buch zu kaufen. Zumal ein Buch in Chatform für mich eigentlich gar nicht in Frage kam, fand ich doch bisher alle Bücher in ähnlicher Manier total schrecklich. Aber bei dem Sonderangebot, der Anpreisung der Autorin und meiner unendlichen Neugier, konnte ich doch nicht widerstehen. Begleitend zum Buch gab es einen QR-Code, der mit zusätzlichem Material, wie Bildern, Tonaufnahmen, Videos und ähnlichem aufwartet und an bestimmten Stellen im Buch die Handlung noch zusätzlich unterstrich. Und bereits ab Seite 1 konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Es ist zwar Horror und handelt von einem Exorzismus, doch der humorvolle Schreibstil ließ mich immer wieder laut auflachen. Dennoch wird eine ganz besondere Atmosphäre geschaffen, so dass man hinterher – und ja es gibt nur die Möglichkeit dieses Buch in einem Rutsch durchzulesen – sich sowohl gegruselt hat und sich gleichzeitig absolut unterhalten fühlt.

Unter pinken Sternen

Die Handlung: Silke führt ihr Traumleben: Gewinnerin einer Design-Castingshow und Job bei einer angesehenen Designerin. Doch als ihre Eltern bei einem Autounfall sterben, bricht ihre Welt zusammen. Kurz darauf verliert sie auch ihren Job und ihr Dach über den Kopf. Sie wird eine Obdachtlose und muss sich schnell an die Gesetze der Straße anpassen.

Meine Meinung: Nach den schweren Themen in Unter gläsernen Fassaden und der gleichzeitig wunderbaren Verwebung der Märchenthemen war ich neugierig auf ein weiteres Buch von Sabrina Schuh und gleichzeitig zögerte ich. Auf der Buch Berlin ließ ich mich daher von der Autorin ausführlich über die möglichen Trigger aufklären. Auch in Unter pinken Sternen nimmt sich die Autorin wieder einem schweren Thema an, dass gerne – nicht nur in der Buchwelt – tot geschwiegen wird. Dabei hat ihr keine Internetrecherche geholfen, sondern sie ist vor Ort in die Unterkünfte und auf die Straße und hat mit Betroffenen gesprochen. Diese intensive Recherche merkt man auf jeder Seite. Und so unfassbar manche Stellen wirken, sind sie doch leider für viele Alltag. Mit der Protagonistin bin ich schnell warm geworden, auch wenn mir nicht alle ihre Handlungen einleuchteten. Durch den leichten Schreibstil habe ich gut ins buch gefunden, lediglich in der Mitte gab es ein paar Längen, die aber auch der Situation geschuldet waren. Dennoch blieb es bis zum Ende spannend, ob und wie die Protagonistin wieder aus der Obdachlosigkeit herauskommt. Dabei gibt es nicht nur einen Denkanstoß für jeden von uns, die urteilen und sich ihre eigene Meinung gebildet haben. Daher auf jeden Fall eine Leseempfehlung.

Layla

Die Handlung: Leeds lernt Layla auf einer Hochzeit kennen und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Doch seine eifersüchtige Ex-Freundin versucht Layla zu erschießen. Um sich von den Erlebnissen zu erholen, reist er mit ihr an den Ort, wo sie sich kennengelernt haben. Doch dort gehen seltsame Dinge vor sich. 

Meine Meinung: Ich liebe die Bücher von Collen Hoover. Bisher waren nur ganz wenige dabei, die mich nicht so richtig begeistern konnten. Wirklich enttäuschend fand ich bisher nur Weil wir uns lieben, da es als dritter Teil eigentlich nur die anderen beiden Bände wiederholte. Nach Verity habe ich mich auch damit abgefunden, dass Hoover sich noch einmal in einem neuen Genre ausprobieren wollte. Dennoch kann ich Layla leider gar nichts abgewinnen. Während am Anfang eine typische Hoover Liebesgeschichte aufgebaut wird, nur gefühlt im Schnelldurchlauf, weil es diesmal kein Buch, sondern nur das erste Kapitel einnimmt. Dann kommt der Zwischenfall und danach … eine Menge langatmiger Szenen, Andeutungen auf die totale Eskalation am Ende und dazwischen nur noch mehr Wiederholungen der immer gleichen langatmigen Szenen. Jede Seite ist ein Kampf es nicht vor lauter Langeweile wegzulegen. So etwas habe ich bei Hoover noch nie erlebt. Normalerweise ist es immer zumindest ihr Schreibstil, der einen durch die Seiten fliegen lässt. Der war hier zwar noch zu spüren, aber zeitgleich eben auch, dass die Handlung einfach keinen Stoff für ein ganzes Buch bot, aber partout auf die Länge gestreckt wurde. Und dann eben noch ein bisschen mehr, denn mit fast 400 Seiten ist Layla auch für die Autorin ein längeres Werk. Ich freue mich trotzdem auf die nächsten Werke.

Die Friedensformel

Die Handlung: Der Wissenschaftler Alfred Simons wurde nach der Entdeckung einer Formel, die den Klimawandel stoppen konnte, nun beauftragt, die Formel für den Weltfrieden zu finden. Tatsächlich wird er fündig und präsentiert diese. Doch dafür ist der Suizid einer bestimmten Person notwendig. Und die Frage kommt auf: Würde man sich selbst für den Weltfrieden opfern?

Meine Meinung: Ebenfalls auf der Buch Berlin erworben, war dies ein Buch, dessen Handlung mich sofort angefixt hat. Kaum gehört, wusste ich, dass ich wissen wollte, was sich dahinter verbirgt. Der Einstieg war für mich etwas verwirrend, weil wir die Geschichte aus zwei Perspektiven kennenlernen und ich einen Moment gebraucht habe, um zu verstehen, wer von beiden die Hauptprotagonistin ist. Danach ging es auch direkt ans Eingemacht und zwar ganuz anders, als ich es mir vorab vorgestellt hatte. Das ist wohl mit das bemerkenswerteste am Buch. Es konnte mich immer wieder überraschen. Weil bis zum Ende sich nicht an das gehalten hat, was ich erwartet hätte. Trotz der 500 Seiten wirkt keine Szene zu viel, was ich ab einem gewissen Punkt auch befürchtete. Stattdessen bringt es immer wieder neue Aspekte ein und beleuchtet die Thematik noch einmal von einem ganz anderen Standpunkt aus. Der Schreibstil war wunderbar flüssig, die Autorin nahm sich an den richtigen Stellen Zeit und überfliegt andere dafür, so dass man alles wichtige mitbekommt, ohne dass Längen entstehen. Am Ende blieb zwar für mich die ein oder andere Frage offen, aber auch das ist in Ordnung, denn, was das buch erzählen wollte, war auserzählt. Alles Abseits von dem Fokus muss nicht immer aufgeklärt werden.

Pfoten vom Tisch

Die Handlung: Hape Kerkeling ist Katzenfan. Mehrere Katzen haben seinen Weg bereits begleitet. Über diese, ihre Geschichte, ihre Angewohnheiten und ganz allgemein über seine Beobachtungen bezüglich Katzen schreibt er in diesem Buch.

Meine Meinung: Bisher habe ich noch kein Buch von Hape Kerkeling gelesen, aber die beiden Verfilmungen gesehen. Dieses Buch gab es zu Weihnachten, da sich mein bester Freund dachte: Ein Buch über Katzen für jemanden, die Katzen hat und liebt = perfektes Geschenk. Der Schreibstil von Hape Kerkeling ist sehr mitreißend und man verliert sich schnell in den Geschichten, die sich zwischen Anekdoten aus seinem Leben mit Katzen und seinen allgemeinen Beobachtungen über Katzen abwechselt. Diese sind alle sehr nett und es lässt sich gut hintereinander weglesen. Wirklich neues birgt das Buch für Katzenfans nicht, aber ein wenig bei gleichgesinnten Anekdoten mitschwelgen bei einem entspannten Sonntagsnachmittagbuch ist auch mal etwas sehr nettes. Etwas gestört hat mich die Sache, dass das generische Maskulinum genutzt wurde und dies am Anfang begründet wurde, mit einem natürlich sind die anderen Geschlechter immer mitgemeint. Das ist genau das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll. Wenn man darüber hinwegsehen kann, funktioniert das Buch sehr gut. Mir ist es immer wieder negativ aufgefallen, vor allem wenn direkt auf eine Frau angedeutet wird und diese dann mit dem generischen Maskulinum angesprochen wird. Solange der Fokus auf den Vierbeinern liegt, ist es eine nette Unterhaltung für verregnete Tage auf der Couch.

Habt ihr eins davon gelesen? Wie fandet ihr sie?

The King’s Man

Ein Vorwort

Als 2015 der erste Kingsman erschien war ich einfach nur geflasht. Die Eleganz eines James Bonds wurde gepaart mit einem Coolness-Faktor jenseits des messbaren Bereichs. Leider war klar, dass es nicht nur bei einem starken Film bleiben sollte. Der zweite Teil hat sich dann von Großbritannien bereits in die USA zu den Statesman verlagert. Doch trotz des guten Ansatzes, war die Fortsetzung eher enttäuschend. Nun war es folgerichtig, keine zweite Fortsetzung zu drehen. Doch was macht Hollywood, wenn es kein zweites Sequel mehr drehen kann? Genau ein Rebo… äh ich meine Prequel! Wie das funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Der Duke of Oxford (Ralph Fiennes) beobachtet die Geschehnisse im ersten Weltkrieg, beschließt aber nicht einzugreifen und auch seinen Sohn (Harris Dickinson) nicht mitkämpfen zu lassen, da er selbst Pazifist ist und es seiner verstorbenen Frau versprochen hat. Doch im Hintergrund erstellt er ein Netz aus Dienstbot*innen und anderen unsichtbaren Mitarbeitenden, um so eingreifen zu können.

Meine Meinung

Dass der dritte Teil als Prequel funktionieren kann nach einem starken ersten und weniger starken zweiten Teil, hat (meiner Meinung) nach die Underworld-Reihe bewiesen (wir reden nicht über alles nach Teil 3). So war ich trotz mäßigem Trailers und allerlei negativen Kritiken trotzdem noch gespannt, ob mich The King’s Man nicht doch noch überzeugen könnte.
Doch bereits in der ersten Szene wird klar, dass hier wohl mit vielen Klischees gearbeitet wird. Mit einer viel zu langen Sterbeszene wird eine tragische Hintergrundgeschichte geschaffen, die jeder Disneyfilm in der Hälfte der Zeit um ein vielfaches tragischer hätte darstellen können. Sollte so Verständnis und Sympathie geweckt werden, rief es bei mir nur ein Augenrollen hervor. Weiter geht’s mit allerlei belanglosen Szenen, ehe wir Tom Hollander in einer grauenhaften Dreifachrolle kennenlernen, die die Wirren des ersten Weltkriegs auf das simpelste herunterbricht und diese klischeehaft widergibt. Der große Bösewicht, der natürlich im Hintergrund alle politischen Wirrungen auslöst wegen einer Mühle in Schottland – wird sehr früh erwähnt, ist also kein Spoiler – wirkt dann auch sehr übertrieben und gleichzeitig wie eine Witzfigur.
Ebenso unstrukturiert ist auch der Rest des Films. Das Problem ist, dass er irgendwo versteckt immer wieder gute Szenen hat, die auch an die Kreativität des ersten erinnern, doch diese hinter allerlei belanglosen oder leider auch einfach nur widerwärtigen Szenen verpackt. Die ganze im Trailer bereits angedeutete Szene rund um Rasputin ist voller Witze unter der Gürtellinie, inklusive Kotzszene und einer so lächerlichen Kampfszene, dass ich kurz davor war das Kino zu verlassen und erst nach der Szene wieder reinzugehen. Auf so eine Phase folgt dann ein Blick an die Front. Auf einmal ist der Film ein bitterernster Kriegsfilm, der das Leben an der Front ungeschönt widergibt. Gute Umsetzung, aber wie passte das zum restlichen Film?
So hangelt sich The King’s Man von Klischees, platten Figuren, platten Witzen, völlig unterforderten Schauspieler*innen zum bitterernsten Kriegsfilm, zur absoluten Peinlichkeit und zwischendurch eben auch zu ech guten Actionszenen. So richtig weiß man nicht, was man allein in der nächsten Szene zu erwarten hat. Was übrigens völlig untergeht ist die Erstehung der Kingsman. Hier wird irgendwann mitten im Film einfach an einer Buchstütze gedreht und schwupps: Ach übrigens wir existieren und sind bereits sehr gut vernetzt. Wartet, wollte ihr nicht die Vorgeschichte erzählen?
So enttäuscht The King’s Man an jeder Front, auch wenn zwischenzeitlich die guten Intentionen immer wieder hervorscheinen. Spannung kommt auch nur selten auf, weil einem der Ausgang jederzeit bewusst ist, sofern man im Geschichtsunterricht auch nur halbwegs aufgepasst hat. Schade, wie viele gute Schauspieler*innen hier absolut nichts zu tun bekommen oder zwischendurch auch einfach mal vergessen werden.

Das Fazit

The King’s Man variiert pausenlos im Genre und der Tonalität und trifft dabei selten das Passende. Spannung kommt gar nicht auf, da sie zu sehr in Klischees und Abstrusitäten verrant wird, die Charaktere sind unnahbar, Schauspieler*innen werden verbraten. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

The King’s Man läuft seit dem 06.01.2022 in den deutschen Kinos

GrishaVerse

Ein Vorwort

Nachdem so viele immer und immer wieder über das Grishaverse geschwärmt haben, wollte ich auch mal einen Blick wagen. Dann bekam ich den Tipp mit der Grisha-Reihe anzufangen, ehe ich mich den Krähen widme, um die Welt besser zu verstehen. Den ersten Band hatte ich dann auch noch pünktlich vorm Start von Shadow & Bone gelesen. Nun habe ich auch die beiden Folgebände noch verschlungen und möchte euch die heute präsentieren. Wie mir die Reihe gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Band 1 – Goldene Flammen

Die Handlung: Alina ist eine Kartografin in der ersten Armee des Zaren von Ravka. Bei der Durchquerung der Ödsee, kommt es zu einem Angriff. Als Alina ihren besten Freund beschützt, setzt sie ungeahnte Kräfte frei und findet sich kurz darauf in der Ausbildung zur Grisha wieder.

Meine Meinung: Das GrishaVerse wird gerne immer mal wieder mit Harry Potter verglichen. Das stimmt aber wirklich nur im allerentferntesten Sinne. Ravka ist eine Welt, die sich eigentlich dauerhaft im Krieg befindet. Nur wenige sind keiner der beiden Armeen zugeordnet. Die Grisha haben Fähigkeiten, die man als magisch beschreiben könnte, wo wohl auch der Vergleich zu Harry Potter herkommt, und mit dem Dunklen könnte man auch einen Vergleich zum dunklen Lord herstellen – auch wenn hier der Charakter des Dunklen wesentlich vielschichtiger ist. Wir lernen zunächst Alina und ihren besten Freund Mal kennen. Innerhalb weniger Seiten schafft die Autorin es einen guten Überblick über die Welt zu geben, die geprägt ist durch die Ödsee, die das Land durchzieht. Richtig in Fahrt kommt die Geschichte, sobald Alina zu den Grisha kommt. Hier kommen einige Charaktere dazu, doch im Großen und Ganzen behält man den Überblick. Gegen Ende gab es ein paar Entwicklungen, die mir nicht gefallen haben. Sie waren logisch und gut ausgearbeitet, aber ich hätte sie mir anders gewünscht.

Band 2 – Eisige Wellen

Die Handlung: Alina und Mal sind dem Dunklen entkommen, doch ihr Glück wärt nicht lange. Auf der Flucht landen sie ausgerechnet dort, wo sie nie wieder hin wollten. Jetzt muss Alina zeigen, was sie kann. Dabei trifft sie auf neue Verbündete und muss um alte Freunde kämpfen.

Meine Meinung: Der zweite Band schließt nahtlos an den ersten an. Der versuchte Neustart von Alina und Mal geht relativ schnell. Die namensgebende Schlange wird erstaunlich schnell gefunden, bedenkt man die Hürden im ersten Band, was mich überrascht hat. So liegt der Fokus diesmal an einer anderen Stelle. Mit einem tollen neuen Charakter bekommt der Band deutlich mehr Witz, dennoch leidet die Spannung nicht, auch wenn gerade im Mittelteil sich ein paar Längen bemerkbar machen. Dennoch merkt man auch hier wieder den tollen Weltenbau. Auch wenn es nicht viele Handlungsorte gibt, ist es dennoch immer wieder interessant etwas neues über die Welt und ihre Bewohnenden zu erfahren. Das Finale ist hier größer angelegt und bietet fast das aufregendste der ganzen Reihe. Eisige Wellen schafft es die typischen Hürden eines Mittelbandes zu umgehen und eine eigenständige Handlung zu schaffen. Dennoch ist es die Vorbereitung auf das große Finale.

Band 3 – Loderne Schwingen

Die Handlung: Der finale Teil der Grisha-Reihe. Alina und ihre Verbündeten mussten unter die Erde fliehen. Dort sammeln sie ihre Kräfte, um zum letzten Feldzug gegen den Dunklen anzutreten.

Meine Meinung: Das große Finale braucht am Anfang eine ganze Weile, um überhaupt in Schwung zu kommen. Die Charaktere sind in einer scheinbar ausweglosen Situation und vegetieren einige Seiten vor sich hin, ehe es wieder vorwärts geht. Auch dann lässt er sich noch einige Zeit, um die Handlung weiter aufzubauen. Dafür, dass es der Abschlussband ist, fast ein wenig zu viel Zeit. Dennoch bekommt man das große Finale, was man erwartet, auch wenn die Auflösung so ganz anders ist, als erwartet. Zwischendurch habe ich überlegt, ob ich die Auflösung enttäuschend fand, aber letztlich mochte ich Unvorhersehbarkeit und die Message, die damit vermittelt wurde.  Die Charaktere bekamen noch einmal die Chance sich zu entwickeln und haben genau das auch getan. Dennoch war der Abschluss der schwächste Band der Reihe, auch wenn es immer noch ein gutes Buch war. Umso gespannter bin ich als nächsten auf die Krähen-Reihe, die nochmal besser sein soll.

Habt ihr die Reihe gelesen? Wie fandet ihr sie?

Matrix 4: Ressurection

Ein Vorwort

Als die ursprüngliche Trilogie in die Kinos kam, war ich zum einen zu jung, zum anderen habe ich mich so gar nicht für das Genre interessiert. Dies kam erst später, aber dennoch haben die Filme von Anfang an einen starken Sog auf mich ausgewirkt. Auch wenn der erste Teil natürlich unübertroffen ist, konnte ich auch den Fortsetzungen etwas abgewinnen und mochte auch diese. Im Gegensatz zu vielen, mochte ich auch den Trailer zum vierten Teil und war total angefixt. Ob sich meine Erwartung trotz der vielen negativen Kritiken erfüllen, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Bugs (Jessica Henwick) findet ein altes Modul, in dem sie Hinweise auf den Verbleib von Neo (Keanu Reeves) und Trinity (Carrie-Anne Moss) vermutet. Gleichzeitig ist Thomas Anderson (Keanu Reeves) in Therapie, um seine Realitätsentfernungen in Griff zu bekommen. Als gefeierter Game-Designer soll er nun eine Fortsetzung zu seiner erfolgreichen Spielreihe „Matrix“ gestalten.

Meine Meinung

Beim Schauen von Matrix 4 geisterten mir zwei Gedanken immer wieder durch den Kopf. Es hätte diesen Film nicht gebraucht, aber wenn ich mich damit abfinde, dass er existiert ist er die logische Konsequenz. Sprich, er bringt keinerlei neue Aspekte hervor oder war auch nur ansatzweise notwendig, weil er die Handlung nicht bereichert. Aber wenn ich darüber nachdenke, dass Lana Wachowski da saß und einen neuen Film schreiben musste, dann hätte ich mir keinen besseren Ansatz vorstellen können.
Aber fangen wir am Anfang an. Die ersten Szenen sind sehr stark an den Auftakt des ersten Films orientiert. Doch das Nostalgiegefühl, wie beispielsweise bei einem Star Wars mit Episode 7, blieb aus. Nach dieser kurzen Einführungsszene treffen wir Thomas Anderson das erste Mal wieder, der sich ein Leben als erfolgreicher Game-Designer aufgebaut hat. Hier stellt sich die Frage, was ist passiert seit dem Finale der Trilogie? Von hier an hangelt sich die Handlung chronologisch weiter. Sobald diese Frage geklärt ist, dreht sich der Fokus immer weiter Richtung der Liebesbeziehung, aber auch nach der Frage der Weiterentwicklung der Welt und der Matrix.
Das funktioniert an sich rund und die Handlung geht logisch ineinander auf, zumal immer wieder auf bekannte Prinzipien aus den früheren Filmen zurückgegriffen wird. Dies wird unterstrichen mit einer Portion Fanservice, wenn bekannte Figuren auf neue oder alte Weise wieder mit auftauchen. Natürlich könnte man dem Film ankreiden, dass er sich an einigen Stellen ein bisschen zu sehr auf die Vergangenheit besinnt, gerade die Trainingsszene mit Morpheus wirkt etwas zu lang für den reinen Fanservice. Letztlich funktioniert der Film aber trotzdem.
Schauspielerisch sind neben den bekannten Darsteller*innen Keanu Reeves und Carrie-Anne Moss einige Talente dazu gekommen. Vor allem die Dynamik eines Neil Patrick Harris und eines Jonathan Groff fügt sich herrlich in den Film ein und bereichert ihn regelrecht.
An sich ist das größte Problem des Films sein Erbe. Denn in jeder Einstellung wird man gerade an den herausragenden ersten Teil erinnert und vergleich das mindfuck Gefühl von damals mit dem neuen Film. Und daran scheitert er, weil er eben nur ein Ableger ist. Alles überraschende, die Bullettime Einstellungen – auch wenn diese teilweise bewusst aufs Korn genommen werden – und auch die Auflösung dahinter, kennen wir schon. Der Film kann nicht schocken, einem bleibt beim Sehen nicht der Mund offen stehen, die ganzen Emotionen der bisherigen Filme fehlen. Dadurch ist der Film nicht schlecht und wäre er ein Film für sich, würde er auf einem ganz anderen Level funktionieren. Aber so blieb die Erwartungshaltung zu groß, dagegen kommt er nicht an.

Das Fazit

Matrix 4: Ressurection ist bildgewaltig, außergewöhnlich gut besetzt, und die logische Konsequenz, wenn es für die Matrix-Reihe unbedingt eine Fortsetzung geben musste. Gleichzeitig scheitert er an seinem Erbe und der daraus resultierenden Erwartungshaltung. Es war einfach kein weiterer Teil notwendig. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Matrix: Ressurection läuft seit dem 23.12.2021 in den deutschen Kinos