Picard & Inhumans – Ein Duo Serienkritiken

Eigentlich sollte es hier wieder eine Handvoll Serienkritiken geben, genug Staffeln hatte ich zusammen. Doch dann schrieb ich die ersten beiden Beiträge und sie wurden immer länger. Also beschloss ich, es bei einem Duo zu belassen. Passenderweise gefiel mir eine Serie richtig gut, während mich die andere nicht überzeugen konnte.

Star Trek – Picard – Staffel 1

Die Handlung: 2399. Jean-Luc Picard hat 14 Jahre zuvor die Sternenflotte verlassen, nachdem es durch den Zerfall des romulanischen Imperiums und einem Androiden-Angriff auf dem Mars zum Zerwürfnis kam. Als jedoch die junge Dahj ihn um Hilfe ersucht, stellt er eine neue kleine Mannschaft zusammen, um ihre Zwillingsschwester Soji zu retten. Auf seiner Reise trifft er auf alte Freunde und neue Feinde.

Meine Meinung: Ich war nie der größte Trekkie. Während mein Lebensgefährte alle bisher erschienenden Serien gesehen hat, habe ich immer mal wieder eine mitgesehen. Star Trek – Next Generation kannte ich bereits aus meiner Kindheit, da meine Mutter großer Fan der Serie ist. Mit Discovery habe ich es selbst probiert, bin bisher aber nicht über die erste Staffel hinaus gekommen. Erst Picard konnte mich so richtig in seinen Bann ziehen. Obwohl ich eigentlich großer Fan von Einzelepisoden – dem sogenanten „Monster of the Week“-Prinzip – konnte ich mir hier mit der großen Handlung über eine Staffel anfreunden und war jede Woche wieder gespannt auf die neue Folge.
Für alle Star Trek-Neulinge, bietet die Serie genug Erklärungen, um die Rahmen-handlung zu verstehen. Natürlich werden einige Dinge vorausgesetzt. Man soll wissen, wie die einzelnen Spezies sind, was also ein Romulaner ausmacht und was es mit den Borg auf sich hatte. Aber auch ohne dieses Wissen kann man sich relativ schnell in die Serie reinfuchsen und kann sie gut verstehen. Für Star Trek-Fans gibt es dann natürlich die Anspielungen auf frühere Abenteuer. Es gibt mehrere Gastauftritte, die immer wieder für ein freudiges Wiedersehen sorgen. Trotzdem ist es eine komplett neue Handlung, in der man auch als Fan immer wieder neues entdeckt.
Die Geschichte an sich, ist gut durchdacht, hat überraschende Wendungen und schafft es interessante neue Charaktere einzuführen. Lediglich eine etwas überambitionierte Gegenspielerin strapaziert die Nerven der Zuschauer, hat sie doch keinen Tiefgang. Ihre einzige Motivation ist ihr Ziel zu erreichen. Während man am Anfang das neue Team einfach vorgesetzt bekommt, erhalten jedoch alle Charaktere immer wieder Raum in den Folgen, um auf ihre Hintergründe einzugehen und ihnen Tiefgang zu geben. So fiebert man auch mit ihnen mit und auch Handlungsstränge, an denen Picard nicht teilnimmt, bleiben interessant und spannend.
Die erste Staffel ist in sich geschlossen, kann also als alleinstehendes Abenteuer gesehen werden. Dennoch freue ich mich auf die angekündigte zweite Staffel.

Das Fazit: Star Trek – Picard bietet zugleich Auftakt für viele neue Abenteuer, als auch eine in sich geschlossene Geschichte. Es werden neue Charaktere, Welten und Szenarien geboten, ebenso wie ein Wiedersehen mit Altbekanntem. Die geschickte Verflechtung von beidem macht Picard zu einem spannenden Weltraumabenteuer.

Star Trek: Picard ist auf Amazon Prime verfügbar

Inhumans – Staffel 1

Die Handlung: Inhumans sind eine eigene Spezies, die bei einer Prozedur einzigartige Fähigkeiten erhalten, und sich dadurch von den Menschen unterscheiden. Sie leben im Verborgenen auf dem Mond, in der Stadt Attilan. Durch ein strenges Kastensystem wird der Unmut in der Bevölkerung immer größer. Doch König Black Bolt und Königin Medusa halten an dem alten System fest. Ebenfalls mit zur königlichen Familie gehören die Cousins Karnak und Gorgon, sowie Medusas Schwester Crystal.  Black Bolts Bruder Maximus, der durch die Prozedur zu einem gewöhnlichen Mensch wurde, neidet seinem älteren Bruder und putscht schließlich mit Hilfe der königlichen Leibgarde. Die königliche Familie kann zur Erde fliehen, landet jedoch an unterschiedlichen Punkten in Hawaii. Nun müssen sie sich wieder finden und ein Plan muss her. Maximus verspricht dem Volk die Aufhebung des Kastensystems, verfolgt aber ganz eigene Ziele.

Meine Meinung: Eine schwierige Serie, die nicht ohne Grund bereits nach der ersten Staffel wieder eingestellt wurde. In acht Folgen wird der Fall und die Rückkehr der königlichen Familie erzählt. Dabei bleibt der Spannung wegen vieles auf der Strecke. Alle Gefallenen finden auf der Erde Verbündete. Hier entstehen ein paar interessante Geschichten, auf die lediglich kurz eingegangen wird. Eigentlich hastet die Serie von Schauort zu Schauort und findet keine Zeit, um etwas zu erklären. So wird vieles angedeutet, aber nicht fertig erklärt.
Die erste Hälfte der Serie ist man noch damit beschäftigt aufzuzeigen, was für ein schlechter Herrscher Black Bolt war, nur um ihn direkt danach wieder zum Helden zu deklarieren. Maximus, der von Anfang an zwischen eigenen Interessen und dem Wohl des Volkes hin und herschwankte, wird dann komplett zum egoistischen Herrscher erklärt. Man macht es sich also sehr einfach, ohne wirkliche Diskussion, was alles falsch lief. Lediglich Medusa darf am Ende dann doch noch ein paar Sachen auf beiden Seiten anzweifeln. Die Zahl der agierenden Charaktere bleibt stets übersichtlich, so dass man kein Problem hat, sich die wichtigsten Namen einzuprägen.
Ich bin zwar ein großer Fan von kürzeren Staffeln, damit die Handlung nicht künstlich gestreckt wird, doch hier wäre eine längere Staffel tatsächlich angebracht. Man hätte sich zunächst mit den Inhumans und Attilan auseinander setzen können. Dann wäre man zu dem Disput der beiden Brüder übergegangen, die im Putsch geendet hätte. Nun hätte jeder gefallene Charakter eine eigene Folge bekommen, um die kleinen Einzelgeschichten etwas näher beleuchten zu können. Dann geht es wieder nach Attilan und zeigt Maximus, der wirklich Änderungen und Maßnahmen vornimmt. Danach finden sich die Gefallenen wieder und kehren nach Attilan zurück. Dort versuchen sie ihre Macht wieder zu erlangen. Maximus wird dadurch immer paranoider und es stellen sich seine eigennützigen Absichten heraus. Black Bolt und Maximus vernichten sich gegenseitig und Medusa wird Königin, die von beiden Seiten lernt. Genauso hätte ich mir die Staffel gewünscht und dann hätte sie vielleicht auch besser funktioniert.

Das Fazit: Inhumans gehört zwar zum Marvel Cinematic Universe, erzählt aber eine schwache unausgereifte Geschichte, die zu sehr springt und ständig versucht neue Spannungsszenen einzubauen, dabei aber vergisst den Zuschauer in die neue Welt einzuführen.

Inhumans ist auf Disney+ verfügbar

Police Academy

Ein Vorwort

Quarantäne Tag 33, oder wie andere es nennen: Ostermontag. Natürlich ist mir bewusst, dass ich nicht direkt unter Quarantäne stehe, sondern mich nur durch Social Distancing an die Kontaktbeschränkungen halte. Auf jeden Fall hat Sky über die Osterfeiertage alle Police Academy Filme zum streamen verfügbar gemacht. Obwohl ich zumindest Teil 1-5 schon einmal gesehen hatte und manche davon auch nicht gerade wenig, keimte bei mir die Idee eines Filmmarathons, den ich tatsächlich über alle sieben Teile durchzog.

Die Handlungen der einzelnen Teile

Police Academy – Dümmer als die Polizei erlaubt (1984)

Ein neues Gesetz ermöglicht es auch Personen, die eigentlich für den Polizeidienst sofort ausgemustert worden wären, sich zu bewerben. Dadurch entsteht an der Poilzeiakademie eine Ansammlung mehrerer Gestalten, denen man wohl eher keine Chancen gegeben hätte. Auch Carey Mahoney findet sich beim Appell ein. Er ist allerdings nicht freiwillig dabei, wurde er doch bei einer Festnahme vor die Wahl gestellt. Er konnte entweder ins Gefängnis gehen oder musste das ganze Ausbildungsjahr an der Academy durchhalten. Zu seiner Seite stehen bald Larvell Jones, der mit seiner Stimme allerlei Geräusche imitieren kann, Eugene Tackleberry, der eine ganz besondere Affinität zu Waffen hat, Moses Hightower, ein freundlicher Riese und Laverne Hooks, eine kleine Frau mit zartem Stimmchen. Gemeinsam müssen sie sich gegen Ausbilder Thaddeus Harris behaupten, der sich gerne auf die alte Schule beruft und gerne die Leitung der Academy übernehmen würde.

Police Academy 2 – Jetzt geht’s erst richtig los (1985)

Die ausgebildeten Kadetten werden in den Dienst berufen. Dort haben sie es direkt mit einer Gang unter der Leitung des verrückten Zed zu tun, die den Beziekt terrorisiert. Dabei bekommen die Kadetten auf dem ersten Teil „erfahrende“ Polizisten an die Seite gestellt. Sollte sich die Verbrechensquote nicht innerhalb von 30 Tagen bessern, wird der aktuelle Captain ersetzt und der zweithöchste Polizist Mauser versucht nun die Einsätze zu manipulieren, um an den Posten zu kommen. Dabei steht ihm sein Assistent Proctor stets zur Seite.

Police Academy 3 – …und keiner kann sie bremsen (1986)

Da zwei Polizeischulen in einem Bundesstaat zu viel seien, soll eine von beiden nun geschlossen werden. Commandant Lassard ruft daher seine besten Schüler als Ausbilder zurück, um eine nicht minder kuriose Kadettengruppe auszubilden. Ihr Konkurrent ist niemand geringeres als Captain Mauser, der erneut alle Versuche der Gruppe um Mahoney zu manipulieren versucht.

Police Academy 4 – Und jetzt geht’s rund (1987)

Commandant Lassard hat eine neue Idee. Sein Programm heißt „Bürger gehen Patrouille“ und soll normale Bürger enger in die Polizeiarbeit einbinden. Sein Hauptteam stehen ihn sofort zur Seite und rekrutieren einige Bürger, die fortan in der Academy trainiert werden und dann bei Captain Harris – wir erinnern uns, er war der Gegenspieler im ersten Film – eingesetzt werden. Dieser ist nur mäßig begeistert und will das Programm zum scheitern bringen.

Police Academy 5 – Auftrag Miami Beach (1988)

Captain Harris hat herausgefunden, dass Commandant Lassard das Pensionsalter bereits erreicht hat und sorgt nun für dessen Pensionierung. Lassard soll in Miami zum Polizisten des Jahrzehnts gekürt werden, bei dem ihm sein treues Team – außer Mahoney, der ab diesem Film ausscheidet – begleitet. Doch in Miami kommt es zu einem Taschenwechsel zwischen Lassard und einer Gruppe Diamontdiebe. Diese versuchen nun die Diamanten zurückzubekommen und entführen dafür sogar Lassard.

Police Academy 6 – Widerstand zwecklos (1989)

Captain Harris hat sich in einen Bezirk weit entfernt von Lassards Akademie versetzen lassen. Doch eine Reihe von Raubüberfällen lässt ihn ratlos zurück. Commissioner Hurst beschließt daher ein unabhängiges Team zu rufen. Zu Harris Entsetzen handelt es sich um Lassard und dessen erfolgreichste Schüler und seinen Neffen Nick, der seit Auftrag Miami Beach zum Team gehört. Doch die Überfälle stellen sie alle vor Probleme. Es muss einen Maulwurf geben, den es nun zu finden gilt.

Police Academy 7 – Mission in Moskau (1994)

Ein Computerspiel des russischen Bösewichts Konali ist weltweit sehr erfolgreich. Nun plant er ein neues Spiel, mit Hilfe dessen er Zugriff auf alle weltweiten Computersysteme hat. Da Konali bereits in den USA aktiv war, wird von dort ein Team geordert, das sich als Lassard, Harris und einem engen Team (Callahan, Tackleberry und Jones) herausstellt.   – Direct to Video, keine Kinofassung

Meine Meinung

Alle Police Academy Teile waren darauf ausgelegt einfacher Klamauk zu sein. Dennoch gibt es qualitative Unterschiede. So ist gerade der siebte Teil, der auch fünf Jahre nach dem sechsten erst veröffentlicht wurde und keine Kinofassung erhielt, mit Abstand der schlechteste. Auch Teil 4 und 6 haben deutliche Schwächen gegenüber den anderen Teilen, bleiben aber bei einer halbwegs sinnvollen Handlung. Das ist in sofern tragisch, da sich im siebten Ron Pearlman und Schauspiellegende Christopher Lee vorstellten.
Wenn man sich jedoch einmal an den Ton der Filme gewöhnt hat und sich mit dem Humor anfreunden kann, dann liegen einige Stunden an Spaß vor einem. Bei einigen Späßen merkt man zwar, dass die Filme bereits einige Jahre auf den Buckel haben. So wird beispielsweise die Figur der Ausbilderin Debbie Callahan zwar von Anfang an als starke und intelligente Frau gezeigt, jedoch in vielen Szenen auf ihre großen Brüste reduziert. Auch den running gag mit der Blue Oyster Bar würde man (hoffentlich) heute nicht mehr so darstellen. Doch darüber hinaus sind Gags gut pointiert und treffen einen Nerv. Vor allem schafft der Cast es allerlei verschiedene Typen eine Bühne zu geben und auch über sich hinaus zu wachsen. So ist die durchgehende Botschaft, dass man alles schaffen kann, egal, welche Voraussetzungen man hat.
Was man in den Teilen weniger suchen sollte, ist Logik. Denn die beiden Hauptgegenspieler Harris und Mauser wechseln die Ränge gerne mal von einem Film zum nächsten. Aber wie gesagt, der Hauptaugenmerk liegt auf dem Klamauk und das kann die Reihe. Schade ist es, dass liebgewonnene Charaktere zwischendurch einfach nicht mehr auftauchen, erinnern wir uns nur an die seltsame Freundschaft von Zed und Sweetchucks.

Das Fazit

Klamauk, der einfach immer wieder Spaß macht über eine chaotische Gruppe, die eigentlich nie eine Polizeischule besuchen sollte.
Wer übrigens an meinem persönlichen Ranking der Teile interessiert ist (vom schlechtesten zum besten):
7 – 6 – 4 – 5 – 2 – 1 – 3

 

 

Verpasst, aber nicht vergessen – Teil 9.7

So hier nun vorläufig der letzte Beitrag zu meiner großen Aufräumaktion. Wahrscheinlich gibt es in nächster Zeit noch mehr Beiträge aus dieser Kategorie, einfach weil ich derzeit viele Filme zu Hause schaue, da die Kinos geschlossen sind. Aber dann wird die Zählung wieder ganz normal mitlaufen. Hier noch einmal die Vorgängerbeiträge: 2014/2015, 2016, 2017, 2018.1, 2018.2 und 2019.1

2019

1) Fighting with my family

Saraya Knight wächst in einer Familie voller Wrestler im beschaulichen Norwich, England auf. Als die WWE sie und ihren Bruder zu einem Casting einlädt, scheinen die Wünsche der Familie in Erfüllung zu gehen. Doch ihr Bruder Zak wird nicht genommen und so reist Saraya alleine in die USA, um sich dem harten Training zu stellen. Dort eckt sie überall an und fühlt sich fehl am Platz. Unter ihrem Bühnennamen Paige versucht sie sich durchzukämpfen und hat gleichzeitig Schuldgefühle ihrem Bruder gegenüber.
Die biographische Geschichte über die Wrestlerin Paige, die bis 2018 in der WWE wrestelte, nimmt das Ende natürlich wieder vorweg. Daher liegt hier der Fokus auf der Geschichte, wie sie es geschafft hat. Denn sie scheint nirgendwo richtig ins Raster zu passen und eckt daher überall an. Doch der Fokus ist zweigeteilt und liegt ebenfalls auf der Familie, die Eltern, die sich auf kurioseste Art getroffen haben, ein Bruder im Knast und ein Bruder, der ihr nach seiner Absage zu entgleiten droht. Die Zweiteilung tut dem Film ganz gut und ist so nicht ein reines Trainingscampvideo der WWE. Und neben den ganzen dramatischen Anbandungen schafft der Film es auch noch irgendwo ein wenig Komik unterzubringen, auch wenn es zu viel wäre den Film als Komödie zu bezeichnen. Auch als nicht Wrestler-Fan kann man den Film gut sehen, auch wenn er die Faszination, die dahinter steckt, nicht greifbar vermitteln kann. Fighting with my family kann man duchaus mal gucken, Wrestling bleibt bei mir etwas Abstoßendes.

2) The sun is also a star

Natasha Kingsleys Familie soll am nächsten Tag abgeschoben werden. Doch statt zu packen, versucht sie noch einmal alle Stellen abzuklappern, die ihre Eltern bereits angelaufen sind, in der Hoffnung den Bescheid doch noch kippen zu können. Dabei trifft sie auf Daniel, der eigentlich auf dem Weg war, um sich ein Empfehlungsschreiben für Dartmouth zu sichern. Bei einem Zusammenstoß versucht Daniel Natasha zu überzeugen, dass es Schicksal ist und das er es schaffen könnte, dass sich beide ineinander verlieben. Natasha gibt zunächst nach und gewährt ihm eine Stunde Zeit. Als der neue Anwalt sich durch einen Unfall verspätet, gibt sie ihm einen ganzen Tag.
The sun is also a star ist ein Film, der etwas schwierig zu fassen ist. Denn das Aufeinandertreffen der beiden Parteien wirkt sehr konstruiert, gleichzeitig scheint man die stimmende Chemie beinahe ab der ersten Minute zu spüren. Dann wird das jedoch wieder durch die Gegensätzlichkeit der beiden zerstört und dann verzweifelt wieder versucht aufzubauen. Gerade die zweite Hälfte scheint ein heilloses Wirrwarr aus Finden und Verlieren. Dennoch wird hier eine faszinierende Liebesgeschichte erzählt, die sich tatsächlich innerhalb eines Tages entwickelt. Und während es ganz nebenbei eine Hommage an die Stadt New York ist, obwohl beide gefühlt Ewigkeiten brauchen, um von A nach B zu kommen, wird die Geschichte logisch aufgelöst. Getragen irgendwo von einer Magie und trotzdem verliert sich der Film in seinen eigenen Wendungen. Ein Film, bei dem man nicht weiß, ob man ihn lieben soll oder ob er zu platt geworden ist.

3) Aladdin

Das Realfilmremake des Disneyklassikers entführt einmal mehr in den Orient in die Stadt Agrabah. Der Straßenjunge und Dieb Aladdin trifft auf die Prinzessin Jasmin, die sich unerkannt auf den Markt geschlichen hat. Sie gibt sich als ihre Zofe aus, da sie sich nicht außerhalb des Palastes aufhalten darf, da ihr Vater seit dem Tod ihrer Mutter überfürsorglich ist. Die beiden kommen sich näher. Als Aladdin sich in den Palast stiehlt, um sie wiederzusehen, wird er vom Wesir Dschafar aufgegriffen. Er soll in einer Höhle in der Wüste eine Lampe für ihn holen. Dabei kommt es zu einem Unfall und die Höhle stürzt ein. Doch in der Lampe steckt ein Dschin, der ihn nun helfen will.
Während sich das Remake in weiten Teilen an das Original hält, schafft Guy Ritchie es dennoch dem Film eine ganz neue Tiefe zu geben. So ist Prinzessin Jasmine keine stille Beobachterin mehr, was mit dem neuen Lied „Ich werde niemals schweigen“ deutlich gemacht wird. Mit leicht umgetexteten Liedern und ein paar weiteren Einlagen werden schwierigere Passagen umschifft. So ist es nun nicht mehr Prinz Ali „Muskeln wie nie“, sondern Prinz Ali „mächtig wie nie“. Auch ist der Sultan weniger kindlich, sondern viel besonner in seinen Entscheidungen. So ist das Remake tatsächlich an vielen Stellen besser als das Original. Auch Will Smith als Dschinni funktioniert erstaunlich gut.

4) Brittany runs a marathon

Brittany Fogler ist übergewichtig und nimmt gerne Amphetamine zusammen mit ihrer Mitbewohnerin Gretchen. Als sie den Arzt wechselt, um neue Rezepte zu bekommen, gibt dieser ihr eine schockierende Prognose. Sie muss dringend abnehmen. Da sie sich die Mitgliedschaft in einem Fitnesstudio nicht leisten kann, beschließt sie zu joggen. Zunächst nur einmal um den Block und dann langsam immer weiter. Dabei lernt sie Seth kennen, der die gleichen Ziele hat und kommt ihrer Nachbarin Catherine näher, die sie bisher eher verachtet hat. Doch an einem Punkt in ihrem Leben muss sie feststellen, dass sich nicht alle Probleme durch Joggen vertreiben lassen.
Das Abnehmen in Brittany runs a marathon wird hier nicht aufgrund eines Schönheitideals aufgegriffen, sondern aus gesundheitlichen Gründen und steht zeitgleich als Metapher für das Aufräumen in Brittanys Leben. Damit schafft der Film es über die üblichen Plattetüden hinauszuwachsen und kann eine viel vielschichtigere Geschichte erzählen. Mit Jillian Bell wurde eine Darstellerin gecastet, die trotz groß angelegter Worte, die Zwischenräume mit einer Verletzlichkeit füllt, dass man trotz unsympathischer Ausraster an ihrer Seite steht und auch versteht, warum keiner ihr den Rücken kehrt. Auch verzichtet der Film auf ausufernde philosophische Erklärungen oder Monologe über die Schönheit des Lebens, sondern belässt es bei der Marathon-Metapher. Am Ende zählt der Zusammenhalt von Familie und Freunden eben doch.

5) The Report

Daniel Jones, ein Senatsmitarbeiter, wird beauftragt Ermittlungen bei der CIA durchzuführen, betreffend des Verhaltens nach dem 11.09.2001. Dabei stößt er auf „alternative Verhörmethoden“, die sich als Folter herausstellen. Doch seine Ergebnisse stoßen auf taube Ohren und es wird mit allen Mitteln versucht, die Veröffentlichung zu verhindern.
Investigative Filme gibt es immer wieder, prominente Beispiele aus der letzten Zeit sind zum Beispiel Oscargewinner Spotlight oder auch The Big Short. Dabei nähern sie sich ihren Themen auf verschiedene Art, doch bieten vor allem eins: Eine gute Spannungskurve. Denn genau die vermisst man bei The Report sehr schmerzlich. Denn hier sieht man hauptsächlich einen Adam Driver auf einen Monitor starren, ab und an mal ein paar Papiere aufhängen oder Akten von Person A zu Person B bringen. Dann wird wieder über die Ergebnisse gesprochen, dann taucht wieder eine neue Person auf und erklärt, warum das niemand wissen darf und wieso es angeblich gerechtfertigt war. Driver sagt, dass das nicht stimmt und schon geht das Spiel wieder von vorne los. Was hier wohl nah an der Realität ist, funktioniert aber auf filmischer Ebene nicht. Denn auch wenn der Film mit 120 Minuten normale Spielfilmlänge hat, geht er gefühlt einige Stunden länger. Dennoch ist er irgendwo höchst brisant und die Entdeckungen so abstoßend, dass es irgendwo richtig war, den Film zu machen, da so eine größere Reichweite für das Thema geschaffen wird. Dennoch ist die Umsetzung unfassbar langweilig. Von Adam Driver wird verlangt den Film auf eigenen Schultern zu tragen, was ihm nicht gelingt.

Eine Handvoll Filmkritiken

Natürlich gibt es in diesen Zeiten größere Probleme als geschlossene Kinos und natürlich sind die Maßnahmen auch sinnvoll, aber dennoch vermisse ich die regelmäßigen Kinogänge. Und umso größer wird die Liste meiner im „Heimkino“ gesehenen Filme. Und daher wird die Kategorie „eine Handvoll“ nun auch um den Bereich Filme erweitert. Hier soll es nun um Filme gehen, die ich zu Hause gesehen habe und die nicht in der Kategorie Verpasst, aber nicht vergessen auftauchen. Vielleicht ist ja die ein oder andere Filmempfehlung dabei und ich versuche auch dazuzuschreiben, über welche Streamingdienste die Filme abrufbar sind (vorausgesetzt das sie es sind und nicht aus meinem DVD-Stapel sind). So das nächste Mal sollte die Einleitung wieder kürzer werden.

The Final Girls (2015)

Die Handlung: Max Carthwright betrauert noch immer den Tod ihrer Mutter, die eine Schauspielerin war und deren größte Rolle die naive Nancy aus dem Slasher „Camp Blutbad“ war. Nun soll es zum dritten Todestag ihrer Mutter ein großes Screening der beiden Camp Blutbad-Teile geben, für die Max eingeladen wurde. Doch durch ein paar unglückliche Zufälle landen sie und ihre Freunde unerwartet im Film. Sie wissen genau, dass es ein Final Girl geben muss, doch wer von ihnen wird es sein?

Meine Meinung: The Final Girls verbindet spielerisch die klassischen Elemente eines Slasher-Films und die einer Komödie. So ist Camp Blutbad wohl eines der klischeebelasteten Slashers – was wohl auch gewollt war – inklusive des Dummchens, der naiven Gitarrenspielerin und des Aufreißers. Das ganze beginnt natürlich mit einer gruseligen Lagerfeuergeschichte, die leider Realität wird. In dieses Szenario stolpern die Freunde rund um Max, die den gesamten Film und daher auch das Ende kennen. Und dann wird gekonnt mit genau den Klischees gespielt, etwa, wenn die Freunde beschließen sich einfach an das Final Girl ranzuhängen, damit sie alle überleben. Dass das Ganze dann doch nicht so einfach ist, wird schnell klar. Dabei wird das Horrorgenre und gerade die Slasher zwar ziemlich aufs Korn genommen, aber alles noch mit Niveau. Es gibt keine billigen Scary Movie Witze, sondern ausgereifte, auf die hingearbeitet wurde. Dazu gehören natürlich auch die verschiedenen Charaktere, die für eine gute Mischung sorgen.

The Final Girls ist bei Amazon Prime zum Lauf oder zum Leihen verfügbar. Nicht in der Flatrate enthalten.

Elliot, das Schmunzelmonster (1977)

Die Handlung: Pete ist Waise und wurde von den Gogans aus dem Waisenhaus frei gekauft. Diese leben auf einer Farm und nutzen Pete für die schweren Arbeiten und schlagen ihn dabei oft. Als Pete den Drachen Elliot kennen lernt, schafft er es zu fliehen und landet in dem Ort Passamaquoddy. Elliot kann sich unsichtbar machen und erscheint meistens nur für Pete, was diesem viel Ärger einbringt. Nur der Leuchtturmwärter Lampie und dessen Tochter Nora schließen Pete sofort ins Herz und nehmen ihn zu sich. Da kommt der Quacksalber Dr. Terminus in die Stadt und auch die Gogans tauchen auf der Suche nach Pete auf. Chaos ist hier vorprogrammiert.

Meine Meinung: Und jetzt alle: „Ich schau dich nur an und das macht mich fröhlich..“. Elliot, das Schmunzelmonster ist ein fröhlicher Familienfilm, der sich eigentlich mit einer harten Kindheit beschäftigt. Während Pete Waise ist und bei seinen Adoptiveltern nur ausgenutzt und misshandelt wurde, sind Lampie und Nora die ersten netten Menschen. Denn auch die anderen Bewohner in Passamaquoddy stehen ihm sehr skeptisch gegenüber, da Elliots Tollpatschigkeit für seine gehalten wird. So schwankt der Film immer wieder zwischen lustigen und fröhlichen Szenen und traurigen. Das ganze wird jedoch mit einem zuckersüßen Schmunzelmonster überspielt, um so den üblichen Disneyton zu treffen. Ein Film für alle, die sich schon einmal einsam gefühlt haben und sich dann einen Freund wünschten. Ein Film, der die Hoffnung hoch hält, dass es für alle ein liebevolles Zuhause gibt.

Elliot, das Schmunzelmonster ist bei Disney+ in der Flatrate enthalten.

Susi und Strolch (2019)

Die Handlung: Cockerspaniel Susi wächst bei Darling und Jim Dear behütet auf. Als sie eines Tages den Streuner Strolch trifft, ist sie zunächst von ihm und seiner Sichtweise abgeschreckt. Doch dann bekommt Darling ein Baby und Susi ist auf einmal nicht mehr die Nummer Eins. Wirklich schlimm wird es doch erst, wenn Tante Clara mit ihren Katzen zu Besuch kommt. Denn die Katzen sind ziemlich durchtrieben und Susi wird am Ende beschuldigt und soll ein Maulkorb bekommen. Als sie flieht, begegnet sie wieder Strolch, der ihr helfen will nach Hause zu kommen.

Meine Meinung: Während der Originalfilm von 1955 78 Minuten ging, wird hier versucht exakt die gleiche Handlung in 104 Minuten zu stecken. Dementsprechend wirkt es einfach nur wie ein Film, der mit sinnlosen Füllszenen gestreckt wurde. So eine Fahrt mit einem Schaufelraddampfer, die weder die Handlung voranbringt, noch zur Charakterisierung beiträgt. Wobei sich diesmal gerade um  eine tiefergehende Charaktersierung Strolchs bemüht wurde. So erfährt man, warum er Streuner ist. Gleichzeitig wird er aber auch verbitterter und unloyaler gezeigt, was vor allem in dem umgetexteten Lied von „Strolch ist toll“ zu „So ein Strolch“ zu sehen ist. Während 1955 noch gesungen wurde „und ich wünschte nur, dass er mit mir geht“, heißt es nun „und eins ist klar, er ändert sich nie“. Desweiteren hadert der Film wieder mit seiner realistischen Animation der Tiere. Wie schon bei König der Löwen sind die Hunde nun äußerlich sehr unemotional, was mit der Synchronisation versucht wurde zu überdecken. Und während man im Original noch dahinschmolz, wenn die berühmte Spaghettiszene kommt, wirkt sie nun vollkommen fehl am Platz. So schafft es die Neuverfilmung nicht, richtige Neuaspekte einzubringen, zeigt sich zwar leicht kritischer über Strolchs Charakter, entschuldigt das aber sofort wieder mit seiner Vorgeschichte. Stattdessen wird die Handlung unnötig gestreckt und ist erneut eine vollkommen sinnlose Neuverfilmung aus dem Hause Disney.

Susi und Strolch (beide Versionen) sind bei Disney+ in der Flatrate enthalten

The Aeronauts (2019)

Die Handlung: 1862 will Meterologe James Glashier mit einem Heißluftballon einen neuen Rekord aufstellen, um seine Forschungen zur Wettervorhersage zu verbessern. Dafür wirbt er die Witwe Amelia Wren an, die Pilotin ist. Doch in eisiger Höhe kommt es zu einigen Problemen.

Meine Meinung: The Aeronauts basiert auf wahren Ereignissen rund um den Meterologen James Glashier. Seine Begleitung Henry Coxwell wurde im Film durch die fiktive Amelia Wren ersetzt, die sich an realen Pilotinen und Abenteuerinnen orientiert. Grundsätzlich bin ich ja ein Fan, wenn in einem Film Frauenpower demonstriert wird, jedoch schafft es Felicity Jones nicht diese auch umzusetzen. Zwar ist sie es, die in brenzligen Situationen den Überblick behält, ist dabei aber absolut unsympathisch und wirkt in der Mimik und Gestik regelrecht fehl am Platz. Ihr Gegenüber steht ein Eddie Redmayne, der seine Figur gewohnt minimalistisch auslegt und durch Schüchternheit glänzt. Hinzu kommt, dass der Film mit 101 Minuten Lauflänge gefühlt in Echtzeit gezeigt wird und nur durch einzelne Rückblenden unterbrochen wird. Da allerdings auch auf genauere Details von Glashiers Forschungen komplett verzichtet wird, lieber darf Redmayne mit einigen seltsamen Instrumenten rumfuchteln, hat der Film nicht genug Material für die Lauflänge, was dazu führt, dass er größtenteils vollkommen uninteressant ist. Und die wenigen spannenden Szenen schaffen es dann auch nicht mehr einen Spannungsgrad zu erzeugen.

The Aeronauts ist bei Amazon Prime in der Flatrate enthalten

Isn’t it romantic (2019)

Die Handlung: Natalie ist Architektin, wird aber nicht richtig ernst genommen und gerne ausgenutzt. Während ihr Kollege Josh immer an ihrer Seite steht, trifft Natalie den ungehobelten reichen Josh. Da Natalie nichts mit romantischen Komödien anfängt und darüber bei ihrer Assistentin herzieht, ist es für sie ein wahr gewordener Albtraum als sie nach einem Unfall in eben so einer aufwacht. Nun muss sie versuchen einen Weg zurückzufinden.

Meine Meinung: Zum Abschluss hier erneut ein Film, der sich einem Genre annimmt, in diesem Fall romantische Komödien, und diese so verdreht, dass alle Klischees aufgedeckt werden. Dabei ist es gerade die Liebe zum Detail, die einen immer wieder zum schmunzeln bringt. Wenn Natalie auf einmal in New York ein großes Appartement hat, wenn sie im Off mit sich spricht und immer wenn sie ihn braucht, der beste Freund auftaucht. Und wer glaubt, dass man den Ausgang komplett vorhersehen kann, dann mag das zwar über weite Strecken der Fall sein, aber eben doch nicht komplett. Rebel Wilson gibt sich hier weniger derbe als in anderen Filmen, bringt aber gleichzeitig neuen Wind mit. Liam Hemsworth variiert im Original je nachdem ob Realität oder alternative Welt seinen Akzent von britischem zu australischem. Dies wurde in der deutschen Synchronisation mit deutschem und österreichischem Akzent übernommen, was für einige etwas befremdlich wirken kann. Letztlich ist es eine schöne Komödie für zwischendurch, in der sich die romantischen Klischees verstecken und doch komplett anders ist.

Isn’t it romantic ist bei Netflix in der Flatrate enthalten

Verpasst, aber nicht vergessen – Teil 9.6

Meine große Aufräumaktion in dieser Kategorie läuft gut, immerhin bin ich nun bereit für die Filme aus 2019. Auch diese teile ich wieder in zwei Teile, womit hier 2019.1 kommt. Hier noch einmal die vorherigen Beiträge in der Übersicht: 2014/2015, 2016, 2017, 2018.1, 2018.2

2019:

1) Die Frau des Nobelpreisträgers

Joe Castleman erhält den Literaturnobelpreis. Zusammen mit seiner Frau Joan und seinem Sohn reist er nach Stockholm zur Übergabe. Während alle ganz begeistert von seiner Anwesenheit sind, wird Joan als Anhängsel abgestempelt, obwohl sie selbst Literatur studiert hat. Nach und nach versinkt sie in ihre Erinnerungen, als ihr klar gemacht wurde, dass Frauen in der Literaturbranche keine Chance haben. Dann taucht Nathaniel Bone auf, der ein großer Fan Joes ist und gerne dessen Biographie schreiben möchte, jedoch abgewiesen wird. Im Zuge seiner Recherche scheint er jedoch herausgefunden zu haben, dass Joan die Bücher eigentlich geschrieben habe und nur unter dem Namen ihres Mannes veröffentlicht. Ein Ehestreit nimmt seinen Lauf.
Während Glenn Close für ihre Darstellung der Joan Castleman noch einen Golden Globe gewinnen konnte, unterlag sie bei der Oscarverleihung Olivia Coleman und ihre Darstellung von Queen Anne in The Favourite. Dennoch leitet sie durch den gesamten Film. Hinter der sehr minimalistisch angelegten Mimik liegt so viel Bedeutung, die erst im fortschreitenden Film deutlich werden. Auch der ganze Film ist sehr ruhig angelegt, einzig durch Nathaniel Bones auftauchen, merkt man, dass etwas im argen ist. Und während man am Anfang noch vermutet, dass es bei Joan einfach die Verbitterung darüber ist, hinter dem Rampenlicht ihres Mannes zurückzubleiben, merkt man schnell, dass noch viel mehr dahinter steckt. Die Auflösung dessen lässt den Film noch einmal in einem ganz anderen Licht erscheinen und ist so auch gleich ein herausragendes Werk über die lange Unterdrückung der Frau.

2) Fahrenheit 11/9

Michael Moore ist zurück. In Fahrenheit 9/11 befasste er sich mit den Terroranschlägen vom 11.September 2001. Mit diesem 2004 erschienen Film sollte dieses Werk nicht verwechselt werden, auch wenn die Titel sehr ähnlich klingen. Denn am 09. November 2016 gewann Donald Trump die Präsidentschaftswahl der USA. Wie es dazu kommen konnte, will Moore nun untersuchen. Dafür stellt Moore einige wacklige Theorien auf. Letztlich konzentriert er sich darauf zu zeigen, wie sowohl Republikaner als auch Demokraten das Land immer wieder enttäuscht haben. So waren Dronenabschüsse unter Obama übrigens am höchsten. Dafür zeigt er erschreckende Bilder aus seiner Heimatstadt Flint, redet mit Beteiligtem am großen Schulstreik in West Virginia und den Schülern nach dem Parkland-Amoklauf. Aber auch politische Machenschaften will er aufdecken und erklärt seine Theorie, wie Hillary Clinton überhaupt die Kandidatin der Demoktraten werden konnte.
Bei Michael Moore muss man durchaus vorsichtig sein. Denn zwar spricht er auch diesmal wieder spannende Punkte an, doch hinterfragt er nichts kritisch, sondern stellt seine Überlegungen als Fakten hin. Während sein vorletzter Film Where to invade next seine Überlegungen durchaus auf humoristische Weise unterstrichen werden, fehlt diesem Film jeglicher Humor – wenn man mal von ein paar abstrusen Überlegungen absieht. So ist der Film in seiner Recherche nicht nur fragwürdig, sondern auch in weiten Teilen sehr langsam. Kein Wunder, dass das Einspielergebnis das niedrigste eines Moore Films ist.

3) Crawl

Haley erreicht ihren Vater nicht. Da dieser in Florida lebt und dort eine Hurrikanwarnung der Stufe 5 herausgegeben wurde, macht sie sich trotz Evakuierung der Region mit Straßensperren auf den Weg. Sie findet ihn verletzt unter ihrem Haus. doch beim Versuch ihn zu retten, macht die Bekanntschaft mit  ein paar Alligatoren, sie sich ebenfalls im Keller eingenistet haben. Und sie Alligatoren sind hungrig.
Bei diesem Film ist es sehr wichtig, dass man alles, was man über das Verhalten von Alligatoren gelernt hat, vergisst. Denn er funktioniert wirklich nur, wenn man sie als Killermaschinen ansieht, die alles fressen wollen, was sich bewegt. Auch im weiteren kommt der Film nicht ohne ein paar Logiklöcher aus und einer starken Verharmlosung von Verletzungen – wenn ich meinen Arm in das Maul eines Alligators stecke, um ihn zu erstechen, dann ist mein Arm ab. AB! Im Film sind es jedoch nur ein paar kleine Zähneritzer. Aber wenn man über all dies hinwegsehen kann, dann bietet Crawl auf 88 Minuten Länge spannungsgeladenen Tierhorror vom feinsten. Denn trotz niedrigem Budget kann der Film sehr ansehliche Effekte bieten. Man verfolgt einen Überlebenskampf, der es in sich hat.

4) Late Night

Katherine Newbury ist eine erfolgreiche Moderatorin einer Late Night-Show. Doch ihre Einschaltquoten sinken und ihre Show soll nun der Comedian Daniel Tennant übernehmen, den Newbury jedoch für seinen Fäkalhumor verachtet. Denn obwohl sie durch ihre Sendung ein starkes Symbol für die Frauen in der Branche sendet, besteht ihr gesamtes Schreiberteam aus Männern. Das soll sich so schnell wie möglich ändern und so wird Molly Patel eingestellt. Da sie aber absolut keine Erfahrung in der Branche hat, wird sie eher belächelt. Doch Molly hat große Ambitionen und versucht sich durchzubeißen.
Ich will mal ein paar bekannte Namen der amerikanischen Late Night-Szene aufzählen: Jimmy Kimmel, Jimmy Fallon, Trevor Noah, Seth Meyers, Stephen Colbert und James Corden. Was haben alle gemeinsam? Genau, es sind Männer. Genau dieser Thematik nimmt sich Late Night an, geht jedoch noch ein bisschen weiter und stellt die These auf, das selbst wenn eine Frau moderiert im Hintergrund immer noch die Männer die Show schreiben würden. Die Kritik an dem gesamten System wird hier jedoch in einer süße Komödie versteckt. So gut die Ansätze im Film auch sind, es bleibt die Spitze des Eisbergs, die angesprochen wird. Davon aber abgesehen, macht Late Night deutlich Spaß beim Sehen, auch wenn die Gagdichte relativ gering ist.

5) Tolkien

J.R.R. Tolkien ist ein Waisenjunge, der sich seinen Weg bis aufs College erkämpfen muss und schließlich im ersten Weltkrieg kämpft. Der Film verfolgt seinem Weg über sein Studium, bei dem er seine eigene Sprache erfindet, die schließlich in seinem Roman Der Herr der Ringe verarbeitet wird. Dabei geht es um seine Kameraden aus Kindheitstagen und seine große Liebe Edith Bratt.
Wenn man an den Namen Tolkien denkt, denkt man automatisch an wunderbare Geschichten aus Mittelerde. An große Schlachten, aber auch an die vielen kleinen Geschichten über Freundschaft. So erwartet man eigentlich, dass in so einem biographischen Film unweigerlich die Ideen für diese Welt durch die Geschichte entstehen. Dies ist hier tatsächlich nicht der Fall und bis auf wenige Ausnahmen gibt es überhaupt keine Anspielungen auf das literarische Schaffen Tolkiens. Dafür wird dessen Kindheit und Jugend ziemlich genau unter die Lupe genommen. Hier entsteht durchaus eine spannende Geschichte über Freundschaft und das Erwachsenwerden. Einen Großteil nimmt auch die Liebesgeschichte zu Edith Bratt in Anspruch. So bekommt man zwar einen schönen Film, aber eben nicht den, den man erwartet hat.

The Green Mile – Buch & Film

Ein Vorwort

Das Stephen King Verfilmungen nicht immer funktionieren zeigte zuletzt das Friedhof der Kuscheltiere Remake. Das sie aber auch durchaus funktionieren können, dürften die Verurteilten bewiesen haben – auch wenn ich die Buchvorlage dazu bisher noch nicht gelesen habe. Nun kannte ich The Green Mile bereits als Film, aber noch nicht als Buch. Dies habe ich nun nachgeholt und will hier einmal beide Medien gegenüberstellen.

Die Handlung

Paul Edgecombe arbeitet im Gefängnisblock E von Cold Mountain, in dem sich der elektrische Stuhl befindet. 1932 kommt John Coffey in diesen Block. Er soll zwei Mädchen vergewaltigt und getötet haben. Doch von Anfang an kommt Paul die Sache komisch vor. Doch er hat größere Probleme. Etwa den bösartigen Wärter Percy Wetmore, der alle durch seine Beziehungen nach Washington in Schach hält. Oder auch Billy Wharton, den verrückten und bösartigen Insassen. Doch mit Coffeys Erscheinen passieren ein paar merkwürdige Sachen.

Meine Meinung zum Buch

Stephen King startete mit The Green Mile das Experiment einen Fortsetzungsroman zu schreiben. Und so ist das Buch in sechs Teile unterteilt, die ursprünglich nacheinander veröffentlicht wurden. So gibt es zwar immer noch einen roten Faden, der alles verbindet, dennoch stehen die Geschichten auch gut für sich. Dabei sind die Geschichten nicht chronologisch geordnet, dem Leser wird aber immer wieder vermittelt an welcher Stelle der Gesamthandlung man sich befindet.
King selbst schreibt in seinem Vorwort, dass er eigentlich gar keine Zeit hatte, um richtig für den Roman zu recherchieren und entschuldigt sich im Nachwort wegen ein paar historischer Ungenauigkeiten. Dennoch hat er wohl die Atmosphäre eines Todesblocks gut eingefangen. Die Abläufe, die Gedanken und auch die Insassen könnte es wohl wirklich so gegeben haben – außer vielleicht John Coffey.
Die Geschichte orientiert sich im Rahmen daran, dass Paul Edgecombe im hohen Alter seine Erinnerungen an eben jene Zeit nieder schreibt. So hat King immer wieder einen Anfang für die einzelnen Bücher. Die Geschichten unterscheiden sich in ihrer Spannung, lassen sich aber alle gut weglesen. Denn trotz der bedrückenden Stimmung eines Todestrakts, schafft King es interessante, wenn auch teilweise sehr bösartige, Charaktere zu schaffen und mit ihnen fantastische Geschichten zu kreieren.

Meine Meinung zum Film

Regisseur und Drehbuchautor Frank Darabont hatte bereits Kings Kurzgeschichte Die Verurteilten verfilmt. Fünf Jahre später widmete er sich seinem nächsten Projekt. Mit The Green Mile hatte er sich erneut ein King Werk, das in einem Gefängnisblock spielt, ausgesucht. Prominent besetzt mit Tom Hanks, der Paul Edgecombe spielt, hatte der Film also beste Voraussetzungen. Seine große Stärke ist es wohl, dass er sich eng an die Buchvorlage hält. Die größten Änderungen dürften sein, dass der Film die Bücher in der veröffentlichten Reihenfolge erzählt, aber so tut, als wären diese chronologisch erzählt. Auch große Teile der Geschichte um den alten Paul im Altenheim wurden weggelassen, z. B. den tyrannischen Pfleger Brad Dolan, der Pauls Erinnerungen an Percy Wetmore stärkt. Diese Änderungen verändern jedoch nicht den Charakter der Geschichte.
Mit 181 Minuten ist The Green Mile sehr lang geworden, dadurch konnte aber auch jede Geschichte auserzählt werden, ohne irgendetwas streichen zu müssen. Die Spannung wird trotzdem durchgehend hoch gehalten. Auch die weiteren Rollen sind gut besetzt. Selbst Szenen, die eigentlich nur mit der Gedankenwelt Pauls funktionieren dürften, werden durch kleine Ausschmückungen so umgesetzt, dass man auch ohne gelesene Buchvorlage alles versteht. So kriegt man durch den Film einen guten Überblick über die Geschichte. Richtig rund wird es allerdings trotzdem erst im Buch durch die erläuternden Gedanken.

Das Fazit

Egal, ob als Buch oder als Film, The Green Mile funktioniert durch seine fantastischen Geschichten in beiden Medien und vermittelt so einen Einblick in einen Todestrakt in den 1930er Jahren und spielt mit den Motiven von Gut und Böse.

Eine Handvoll Serienkritiken

Ich glaube die Kategorie hat sich durchgesetzt. Zumindest funktioniert sie aktuell sehr super 😉

The Witcher – Staffel 1

Die Handlung: Geralt von Riva ist ein Hexer. Im Laufe der Staffel stellt er sich verschiedenen Monstern, wobei wohl keine Spezies so niederträchtig ist, wie die Menschen. Parallel dazu werden die Geschichten der Magierin Yennefer von Vengerberg und der Prinzessin Ciri von Cintra erzählt.

Meine Meinung: Die erste Staffel hangelt sich an mehreren Kurzgeschichten entlang und wird auf drei unterschiedlichen Zeitebenen erzählt, die erst am Ende zusammenlaufen. Dies muss man aber wissen, sonst kann es in einigen Folgen zu ein wenig Verwirrung kommen, bzw. wird das erst in späteren Folgen aufgeklärt. So muss man zunächst gespannt sein, welche Gewichtung die verschiedenen Figuren einnehmen werden. Letztlich wird die gesamte Staffel genutzt, um die Charaktere vorzustellen und die Welt ein bisschen genauer vorzustellen. Das scheint zum einen auch notwendig, denn die Welt ist ziemlich komplex, zum anderen scheint es aber auch ein bisschen übertrieben, da man wohl einige Handlungsstärnge hätte weglassen können. Denn so wird der Zuschauer mit Namen und Orten überschüttet, die wohl im weiteren Verlauf keine weitere Bedeutung haben werden, aber die Namen und Orte, die man sich wohl merken sollte, gehen dabei leider mit unter. So hat die Serie für weitere Staffeln wohl großes Potential, konnte mich aber in der ersten Staffel nicht richtig überzeugen – ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich nie die Bücher gelesen habe und auch die Spiele nie gezockt habe.

Doctor Who – Staffel 10

Die Handlung: Der Doktor ist ein großes Versprechen eingegangen einen Tresor unter der Universität zu bewachen und sich nicht von dort wegzubewegen. Dabei lernt er Bill Potts kennen, die er schließlich als Art Privatlehrer unterrichtet. Nachdem Bill von einer Pfütze verfolgt wird, beschließt er sich zu offenbaren, um sie zu retten. Trotz der stetigen Belehrungen von Nardole (bekannt aus den vorangegangenen Weihnachtsspecials) kann der Doktor nicht wiederstehen und reist fortan mit Bill durch Zeit und Raum.

Meine Meinung: So richtig warm geworden mit Peter Capaldi als 12. Doktor bin ich bisher nicht. Nun musste ich feststellen, dass einfach nur die Kombination aus dem 12. Doktor und Clara (Jenna Coleman) aus den beiden vorherigen Staffeln nicht funktioniert hat. Nun schienen sich die Schöpfer wieder zurückzubesinnen und schaffen mit Bill Potts eine neue Figur, die wieder bei jeder Folge über die Wunder der Tardis staunen kann und auch den Doktor wieder auf den Boden der Tatsachen holt. Zusammen mit Nardole für die kleinen, aber feinen, Momente, schaffen sie so eine wirklich starke Staffel. Umso trauriger ist es, dass am Ende die Rekarnation zum 13. Doktor folgt. Ich kann zwar nicht beurteilen, wie Jodie Whittaker ihren Doktor anlegt, aber jetzt hätte ich gerne noch eine Staffel mit Peter Capaldi gehabt.

The Handmaids Tale – Staffel 1

Die Handlung: Der Staat Gilliad ist aus den USA hervorgegangen, nachdem die Geburtenrate immer weiter zurückging. Der totalitäre Staat hat die wenigen Frauen, die noch schwanger werden können, zusammengetrieben und halten sie als Mägde in wohlhabenden Familien. Dabei haben sie keine Rechte mehr, selbst ihre Namen wurden ihnen aberkannt. Die Serie verfolgt die Erlebnisse der Magd Desfred.

Meine Meinung: 2018 habe ich durch Empfehlung die Buchvorlage der Serie für mich entdeckt. Das Buch ist ruhig und unaufgeregt erzählt und begleitet Desfred durch ihren Alltag und zeigt dabei die Schattenseiten Gilliads. Das man daraus eine ganze Serie produzieren konnte, war mir unvorstellbar. Und so legte ich mir die Serie zu, nur um nach den ersten drei Folgen wieder abzubrechen. Denn in diesen drei Folgen war gefühlt das ganze buch vertreten. Was sollte nun in den noch folgenden sieben Episoden passieren? Nachdem nun zwischen Buch und den ersten drei Folgen einige Zeit vergangen ist, habe ich mich doch noch einmal an die Serie herangewagt. Letztlich ist die Serie eine Weitererzählung des Buches. Es werden die Hintergrundgeschichten anderer Charaktere erzählt, die Desfred gar nicht wissen konnte und uns deswegen im Buch auch nicht erzählen konnte. Wenn man sich also von den eigenen Vorstellungen lösen kann, sind die Erweiterungen durchaus sinnvoll und gebem dem Ganzen noch mehr Tiefe. Dennoch sind Längen nicht vermeidbar bei 10 Folgen. Nun bin ich hin und hergerissen, ob ich nun doch auch die anderen Staffeln mal versuche, oder ob ich nun mit endgültigem Ende des Buches auch die Serie für mich für beendet erkläre.

Pixar in real life – Staffel 1

Die Handlung: Die Helden aus den Pixarfilmen sind wohl einem breiten Publikum bekannt. Doch wie würden wir reagieren, wenn uns diese Helden in bekannten Filmszenen in der Realität begegnene würden? Dieses Experiment wurde in dieser Serie mit Kurzepisoden gewagt.

Meine Meinung: Disney+ ist nun endlich auch in Deutschland verfügbar. Neben den altbekannten Filmen und Serien, wurden auch Neuproduktionen aufgenommen – leider erscheinen bei den meisten nur pro Woche eine Folge. Diese Serie jedoch hatte schon eine Staffel. Dabei begegnen wir in Kurzepisoden (5-10 Minuten) die altbekannten Pixarhelden im realen Leben. So hilft Wall-E bei der Ringsuche im Müll, taucht Merida beim Bogenschießstand auf oder versuchen Dorie und Hank in einem Kinderwagen zu fliehen. Dabei sind es vor allem die Reaktionen der überraschten Passanten, die damit natürlich nicht gerechnet haben. Wer also eine kleine Serie zum schmunzeln braucht, ist hier an der richtigen Adresse.

Brain Games – Staffel 1 & 2

Die Handlung: Können wir unseren Sinnen oder unserem Erinnerungsvermögen wirklich immer trauen? Die Serie befasst sich mit optischen Täuschungen und anderen Illusionen und erklärt dabei die Phänomene, die uns täuschen können, die aber für uns auch recht nützlich sein können.

Meine Meinung: Natürlich will die Serie, dass man darauf einfällt. Da ich das weiß, treffe ich natürlich ganz andere Entscheidungen, als die von mir erwarten! Oh, doch nicht… Brain Games schafft es einen immer wieder zu verblüffen und zu überraschen. Dabei lernt man einiges über sich und seine Sinne. Am schönsten ist es die Serie mit einer anderen Person zu gucken, um auch nur sicher zu gehen, dass auch die Person auf die Täuschungen reinfällt. Während in der ersten Staffel noch drei Folgen mit 45 Minuten Lauflänge enthalten sind, sind es ab der zweiten Staffel circa 10 Folgen mit 22 Minuten Lauflänge pro Staffel. Beide Varianten haben gut funktioniert.

Eine Handvoll Bücherkritiken

Wir haben März und ich habe bereits 9 Bücher meiner 20 für 2020 Liste abgearbeitet, und konnte sogar noch ein paar andere Bücher dazwischen quetschen. Läuft also bisher ganz gut. Hier nun fünf neue kurze Bücherkritiken:

Was perfekt war – Colleen Hoover

Die Handlung: Quinn und Graham sind seit acht Jahren verheiratet. Und obwohl die Beziehung auf undenkbare Weise begann, lieben sie sich innig. Doch nun steht ihre Ehe vor dem Aus und es scheint kein Entrinnen zu geben.

Meine Meinung: Mrs. Hoover, Sie wissen, dass ich Ihren Schreibstil und auch viele Ihrer Ideen sehr bewundere und einige Ihrer Werke zu meinen absoluten Lieblingen zählen. Doch bei Ihrem aktuellsten Werk bin ich etwas hin- und hergerissen. Sie erzählen die Geschichte einmal im Jetzt, wo Quinn und Graham nach acht Jahren vor den Trümmern Ihrer Ehe stehen, obwohl Sie sich noch immer lieben. Diese Abschnitte waren ein wenig langatmig, da Sie sich sehr lange weigern zu sagen, worum es eigentlich geht. Die Beiden tanzen umeinander und keiner spricht das Thema wirklich an. Bei jeder anderen Autorin hätte ich da das Buch schon lange aus der Hand gelegt und mich anderem gewidmet. Sie wiederholen Passagen immer und immer wieder und man will doch nur wissen, worum es denn eigentlich geht. Zum Glück schaffen Sie es auch diese Stellen durch Ihren unvergleichlichen Schreibstil irgendwie erträglich zu machen. Gerettet hat dieses Buch dann irgendwann die liebenswerten Charaktere und die Thematik irgendwann an sich, die sich einem ernsten Thema nähert, das einmal zu oft verschwiegen wurde. Sie nähern sich der Thematik vorsichtig und umsichtig und schaffen es dadurch es aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Dennoch wirklich gerettet hat das Buch die Passagen von Damals. Damals als Quinn und Graham sich kennenlernten. Hier beweisen Sie einmal mehr, dass Sie es schaffen supersüße kleine Geschichten zu erzählen, die so voller Liebe sind, das einem das Herz ganz warm wird. Auch wenn es hier irgendwann ziemlich sprunghaft zuging, ist das doch genau so eine Geschichte, die einem den Glauben an die Liebe zurückgibt. Und auch die finale Auflösung ist nichts geringeres als eine reine Hommage an die Liebe.

Wo das Glück zu Hause ist – Jenny Colgan

Die Handlung: Nina ist Bibliothekarin und igelt sich am liebsten mit einem guten Buch ein. Doch aufgrund der vielen Schließungen verliert sie ihren Job. Da kommt ihr der Gedanke sich mit einem kleinen Bücherbus selbstständig zu machen und von der großen Stadt Birmingham nach Schottland zu ziehen. Denn dort brauchen die Menschen dringend neuen Lesestoff. Und Nina als Expertin weiß natürlich auch genau, welches Buch sie jedem in die Hand drücken muss. Nur bei der Liebe fällt es ihr etwas schwerer.

Meine Meinung: Manchmal sehe ich ein Buch und verliebe mich sofort in ihre Idee. Und die Idee vom Bücherbus in Schottland begeisterte mich auf zweierlei Weise. Zum einen die damit einhergehende Liebe zu Bücher und zum anderen das Fernweh – meine eigene Schottlandreise im April wird wohl durch die aktuelle Situation ausfallen müssen. Leider schafft es Frau Colgan nur mich mit der Idee, nicht aber mit dem Buch an sich zu überzeugen. Denn hier wird uns eine absolut naive Protagonistin präsentiert, die mich nicht authentisch durch die Geschichte führen konnte. Mir waren ihre Ängste und Probleme sehr schnell sehr egal. Ihr wortkager, stets miesepetriger Vermieter, ist natürlich trotz seiner Grumpy-Art heiß, was Nina aber erst nach 3/4 des Buches auffällt. Man merkt, dass die Autorin eine Menge Ideen hat und alle versucht irgendwie unterzubekommen, letztlich aber jede nur kurz anspricht und dann relativ schnell eine Lösung findet. So wirkt die Handlung viel zu sprunghaft und es baut sich kein Lesefluss auf. Lediglich die beiden Liebesgeschichten nehmen einige Seiten in Anspruch, kommen aber irgendwie auch nicht voran. So schleppt man sich Seite für Seite vorwärts, verdreht mehr als einmal die Augen, wenn Nina wieder etwas unglaublich naives macht und erhofft sich ein baldiges Ende.

Someone New – Laura Kneidl

Die Handlung: Micah kommt aus gutem Haus und beginnt ihr Jurastudium, um ihren Eltern zu gefallen, die erfolgreiche Anwälte sind. Doch ein Schatten liegt über der Familie, da Micahs Bruder Adrian nach seinem unfreiwilligem Outing verschwunden ist. Eigentlich würde Micah lieber Kunst studieren, aber damit würde ihre Hoffnung auf eine wiedervereinte Familie entgültig zerstört werden. Dann trifft sie auf ihren Nachbarn Julian, der seltsam verschlossen wirkt. Doch Micah gibt nicht locker.

Meine Meinung: Mit Berühre mich. Nicht und Verliere mich. Nicht schaffte es Frau Kneidl bereits einen großen Vertrauensvorsprung bei mir zu haben. Auch diesmal konnte mich ihr Schreibstil sofort wieder gefangen nehmen, auch wenn über lange Strecken gefühlt nichts passiert. Man fragt sich immer wieder, was mit Julian los ist und fiebert doch mit Micah mit, ob sie Adrian irgendwann findet. Die ersehnte Auflösung kommt leider sehr spät, dafür steigert sich hier die Qualität des Buches ins unermessliche, weswegen ich dieses Buch eigentlich absolut jedem in die Hand drücken möchte. Denn hier wird mit einem Thema umgegangen, das sonst eher totgeschwiegen wird. Dabei dürfen dann auch alle Meinungen einmal geäußert werden, auch wenn das Buch sich eindeutig für eine Meinung entscheidet und diese vertritt. Ich möchte hier nicht die Auflösung vorweg nehmen, finde es nur schade, dass das Buch sich nach zwei Schlüssenszenen am Ende bereits verabschiedet. Gerade hier hätte ich mir noch ein paar Seiten mehr gewünscht. Mit der Protagonistin Micah bin ich zwar schnell warm geworden, konnte ihre Entscheidung aber nicht immer nachvollziehen. Ich freu mich auf jeden Fall auf den zweiten Teil, der die Geschichte von Julians Mitbewohnern erzählen wird.

Die großen Vier – Ein Fall für Poirot – Agatha Christie

Die Handlung: Poirot steht vor seinem bisher größten Fall. Eine Geheimorganisation mit vier einflussreichen Mitgliedern versucht ihn zum Schweigen zu bringen. Unterstützt wird er dabei von seinem alten Freund Hastings. Doch die großen Vier wollen sich einfach nicht schnappen lassen.

Meine Meinung: Bisher war ich von Mrs. Christie sehr angetan und verschlang Poirots Fälle. Doch diesmal wollte mich der Fall einfach nicht packen. Es wirkte eher wie eine verwirrende Ansammlung an Kurzepisoden, die viel zu schnell gelöst wurden und irgendwie immer unbefriedigend endeten. Mit den großen Vier wurde ein Gegner geschaffen, der viel zu groß angelegt wirkte und so gar nicht in das übliche Whodunnit Schema passen wollte. Also habe ich ein bisschen nachgeforscht und anscheinend war Mrs. Christie bei der Arbeit an diesem Buch in finanziellen Nöten und hat dann tatsächlich die Kapitel einzelnd veröffentlicht, um möglichst schnell an ein wenig Geld zu kommen. Leider wirkte dadurch die Gesamthandlung sehr unausgewogen und verlor sich in seinen ständigen Hinweisen auf die großen Vier, die doch immer gleich endeten. Dadurch wurde es ein regelrechtes Durchquälen durch 224 Seiten, die nicht zu enden schienen. So freue ich mich nun auf weitere Werke und versuche diesen Fehlschlag einfach zu vergessen.

Heute hat die Welt Geburtstag – Flake

Die Handlung: Flake ist Keyborder bei Rammstein. In seinem zweiten Buch beschreibt er den ganz normalen Ablauf eines Tages auf Tour. Gespickt wird dies mit Erinnerungen aus der Gründungszeit von Rammstein bis zum dritten Album und auch sonst allerlei Gedanken, die einem Keyborder so kommen.

Meine Meinung: Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung Heute hat die Welt Geburtstag als Hörbuch zu konsumieren. Flake schafft es durch seine ruhige Stimme den Worten seine ganz eigene Betonung zu geben, die rein auf dem Papier wohl beim Lesen anders rübergekommen wäre. Der humorvolle Stil dürfte auch nicht eingefleischte Rammstein-Fans ansprechen. Allerdings ist es als Fan wahrscheinlich noch einmal schöner auf diese Weise vermittelt zu bekommen, wie alles angefangen hat. Auch die Gedanken eines Musikers während des Konzerts sind erfrischend und interessant, kennt man es in der Regel ja nur von der anderen Seite. So begleitete mich das Hörbuch auf Reisen, ließ mich schmunzeln, wundern, lachen, grübeln und vorallem konnte es die Reisezeit gefühlt verkürzen.

Sonic – the Hedgehog

Ein Vorwort

Spieleverfilmungen haben es in der Regel schwer. Denn während Buchverfilmungen meist akzeptiert werden und nur bei ganz schlechten Umsetzungen dann kritisiert wird – looking at you Allegiant – werden Spieleverfilmungen grundsätzlich zerrissen. Allerdings nicht nur von den Spielern selbst, können die Filme meist auch den reinen Kinogänger nicht überzeugen. So floppten zuletzt Tomb Raider oder auch ein Assassins Creed. Ob dies bei Sonic besser funktioniert, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Sonic muss aus seiner Welt mit Hilfe von Ringportalen flüchten. Er findet sich auf der Erde wieder, in einer Kleinstadt namens Green Hills. Dort versteckt er sich vor den Menschen, um nicht wieder verfolgt zu werden. Doch die Einsamkeit macht ihm zu schaffen und bei einem einsamen Baseballspiel dreht er durch. Dies ruft jedoch Dr. Robotnik (Jim Carrey) auf den Plan, der nun versucht Sonic mit allen Mitteln zu fangen und seine Kraft zu absorbieren. Sonic bekommt dabei Hilfe vom Polizisten Tom Wachowski (James Marsden). Ein Roadtrip der besonderen Art steht bevor.

Meine Meinung

Ich habe Sonic nie gespielt. Soweit erst einmal die Beichte. Dementsprechend egal war mir auch zunächst die ganze Diskussion um sein Aussehen. Denn nach der Veröffentlichung des ersten Trailers gab es von den Fans einen riesen Aufschrei. Zu menschlich sei der Igel geraten. Rufe nach mehr Ähnlichkeit zum alten Videospiel wurden laut. Regisseur Jeff Fowler gab schließlich dem Drängen der Fans nach und ließ den Igel überarbeiten, was auch den Start verzögerte. Hinterher gab es dann zwar Spekulationen, ob dies vielleicht alles nur ein großer PR-Gag gewesen sei, doch auf diese Richtung möchte ich mich nicht einlassen. Ebenfalls gab es große Kritik im Vorfeld, dass Youtuber Julien Bam die Synchronisation von Sonic übernehmen sollte. Grundsätzlich sehe ich auch ein Problem darin, dass bei Animationsfilmen zusehends mehr „Prominente“ statt ausgebildeter Synchronsprecher genutzt werden, um mit den bekannten Namen zu werben, aber auch das ist ein größeres Thema, das diesen Beitrag sprengen würde. Bam konnte bereits bei Everest zeigen, dass er sich durchaus auf Synchronisation versteht und liefert auch hier eine solide Arbeit ab, verfehlt aber gerade die Feinheiten in den Emotionen. Hier wäre mehr möglich gewesen.
Grundsätzlich kann man Sonic auch als Nicht-Spieler gut sehen, da kein Vorwissen nötig ist. Natürlich übersieht man dadurch ein paar Feinheiten. Ich konnte die Begeisterung meiner beiden Begleiter über den Namen der Kleinstadt Green Hills nicht nachvollziehen, bis sie mir erklärten, dass so wohl die erste Welt damals bei den Spielen hieß. So ist der Fanservice durchaus vorhanden, hält sich aber in einem Rahmen, dass der Film auch ohne schlüssig ist.
Letztlich ist das größere Problem am Film, dass er eine ganz normale Origin-Story ist. Man lernt die beiden Hauptcharaktere Sonic und Tom, sowie den Gegenspieler Dr. Robotnik nach und nach kennen und begleitet sie auf ihrem Roadtrip. Doch die Schwierigkeiten der beiden sind eben die Schwierigkeiten, die fast jeder beim Kennenlernen hat. Und so kommt der Film nicht wirklich aus dem immergleichen Schema heraus und schafft es nicht sich irgendwo hervorzutun. So bleibt auch der Spannungsgrad auf einem konstanten durchschnittlichen Level. Nur wenig Überraschungen hat der Film zu bieten. So ist der eigentliche Mehrwert eben doch das Erkunden der kleinen Fanservices.
Auch ist Toms Frau Maddie, gespielt von Tika Sumpter, der interessantere Charakter von beiden, kommt aber etwas zu kurz. Trotzdem bleibt der Ausblick auf eine Fortsetzung positiv, denn dort könnte man sich nun richtig austoben und auch gute Ideen einbringen. Ich freu mich drauf!

Das Fazit

Sonic – the Hedgehog macht im Gegensatz zu anderen Spieleverfilmungen viel richtig, schafft es aber nicht aus dem altbekannten Schema einer Origin-Geschichte herauszukommen. So verbliebt das Grundgerüst in der Durchschnittlichkeit, der Mehrwert ist dann der Fanservice. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Sonic the Hedgehog läuft seit dem 13.02.2020 in den deutschen Kinos.

Origin

Ein Vorwort

Dan Brown veröffentlichte bereits im Jahr 2017 sein inzwischen fünftes Werk über den Symbologen Robert Langdon. Doch nach einem ziemlich langgezogenem Inferno und einem zuvor bereits sehr schwachem Verlorenem Symbol, hatte sich meine Begeisterung für Browns Werke stark abgekühlt. So wollte ich Origin gar nicht erst kaufen, zumal Browns Werke auch gerne mal 25€ kosten. Als Thalia das Buch dann bei einer Lagerräumung für 4€ raushaute, wurde ich dann doch schwach. Und nun war die Zeit gekommen, um Origin doch eine Chance zu geben.

Die Handlung

Robert Langdon wurde von seinem ehemaligen Studenten, dem Zukunftsforscher Edmond Kirsch, zu einer bahnbrechenden Enthüllung seiner Forschung ins Guggenheim Museum in Bilbao eingeladen. Doch durch ein Unglück wird die Ausstrahlung, die die Welt in eine Glaubenskrise stürzen soll, verhindert. Langdon versucht zusammen mit Ambra Vidal, der Direktorin des Museums, Kirschs Entdeckung doch noch zu enthüllen. Dabei gerät er in einen Strudel mit den Anführern der drei großen Weltreligionen und des spanischen Königshauses.

Die Thematik der Brown-Werke

1998 schrieb Dan Brown seinen ersten Roman Diabolus (in Deutschland 2005 erschienen). Hier befasste er sich mit einem Supercomputer der NSA, der alle Verschlüsselungen knacken kann. Hier probierte sich Brown noch aus, schaffte es aber schnell Erfolg zu haben. Illuminati wurde der zweite Roman Browns, 2000 erschienen (in Deutschland 2003 und damit vor Diabolus). Hier erschuf er den Symbologen Robert Langdon, der in Origin seinen inzwischen fünften Auftritt hat und in den Verfilmungen von Tom Hanks gespielt wird, was ihn noch einmal wesentlich sympathischer erscheinen lässt. In Illuminati lässt Brown vier Kardinäle während des Konklaves entführen und zu bestimmten Uhrzeiten hinrichten. Langdon muss einer alten Fährte Galileis folgen und es folgt eine Hetzjagd gegen die Zeit durch Rom. Hier griff Brown zum ersten Mal die Kirche an, auch wenn das Ende einen versöhnlichen Ton annimmt und auf eine Vereinbarkeit zwischen Kirche und Wissenschaft pocht.
2001 (in Deutschland 2003) erschien dann Browns drittes Buch Meteor. Hier verzichtete Brown noch auf Langdon als Helden. Meteor ist leider noch immer eines der Werke, die wohl meinen SuB nie verlassen wird.
2003 (in Deutschland 2005) erschien dann der zweite Teil um den Symbologen Robert Langdon mit Sakrileg. Verfilmt unter dem Originaltitel The Da Vinci Code ist Langdon diesmal in Paris und London auf der Suche nach dem heiligen Gral. Mit seinen Vermutungen über die Rolle Maria Magdalenas schien sich Brown entgültig mit der Kirche überworfen zu haben. Beide Werke Sakrileg und Illuminati brauchten Langdon als Symbologen und er bringt durch seine Geschichtskenntnisse die Handlung deutlich voran. Eine zeitlang wurde es ruhig um Brown. Erst 2009 ging es mit den Abenteuern Langdons weiter. Das Verlorene Symbol spielte diesmal auf amerikanischem Boden und hatte die Freimaurer als Thematik. Leider schien Brown trotz der langen Vorbereitung die Puste ausgegangen zu sein. Ich könnte die Handlung des Buches nicht einmal mehr wiedergeben, so schnell hatte ich sie nach dem Lesen wieder vergessen. So wurde auch die geplante Verfilmung auf unbestimmte Zeit verschoben und Langdons vierter Fall Inferno vorgezogen.
Die Buchvorlage für Inferno erschien 2013. Auch hier hatte sich Brown wieder ausgiebig Zeit genommen, um eine detaillierte Recherche vorzunehmen. Diesmal ging es um Danthes Inferno, ein Teil seines Buches die Göttliche Komödie. Zunächst schien die Geschichte auch wieder deutlich spannender als das Verlorene Symbol zu werden. Doch nachdem sich Brown offensichtlich in die Stadt Florenz verliebt hatte und sich in seinen Beschreibungen, gerade der Kunstwerke in den Uffizien, verlor, wurde das Buch zunehmend langatmiger, obwohl die Ansätze und Gedankengänge durchaus interessant waren und das Ende durchaus spannend. Der Film konnte jedoch gerade die Botschaft am Ende nicht vermitteln und hat sie einfach umgeschrieben, was den Film belanglos wirken lässt.
2017 erschien nun Langdons fünfter Fall Origin. Diesmal zog es Brown nach Spanien. Auch schien er sich mal wieder mit der Kirche anlegen zu wollen, so dass bereits im Klappentext berichtet wird, dass sich die Entdeckung des Zukunftsforschers Edmond Kirsch mit allen großen Religionen anlegt. Ebenfalls erfindet er diesmal einen neuen Supercomputer, was an seine Anfänge mit Diabolus erinnert. Geht Brown also in doppelter Sicht zum Ursprung (Origin) zurück?

Meine Meinung

Dan Brown versteht sich darauf am Anfang erst einmal allerlei Handlungsstränge aufzumachen und gefühlt jedes Kapitel mit einem Rätsel enden zu lassen. Dafür nimmt er sich die ersten hundert Seiten Zeit um das Grundgerüst seiner Geschichte zu bauen. Sobald man diese überstanden hat, fängt die Geschichte an langsam spannend zu werden. Etwas nervend ist lediglich, dass einem immer wieder von verschiedenen Personen gesagt wird, dass Kirschs Forschung und Erkenntnisse „bahnbrechend“ seien und „unser Denken, aber vor allen den Glauben, auf den Kopf stellen würden“. Durch die Entwicklungen bei der Präsentation gelangt diese aber erst einmal in den Hintergrund. Etwas frustrierend war es beim Lesen schon immer wieder hingehalten zu werden.
Der Mittelteil ist eine spannende Hetzjagd durch Bilbao und schließlich Barcelona. Ähnlich wie seine Figur Langdon scheint sich Brown aber mit der modernen Kunst schwer zu tun. So tauchen gerade die Werke Gaudis immer wieder auf, aber große Geheimnisse verbergen sich hier nicht. Dies ersparte uns zwar endlose Kunstvorträge, wie zuletzt in Inferno, aber Langdon bekam in seiner Funktion als Symbologe erstaunlich wenig zu tun. Auch ohne ihn hätte die Geschichte funktioniert und damit wird das Rätsel, das es zu lösen gilt, ihm nicht gerecht.
Achtung! Ich werde noch ein paar Worte über das Ende verlieren. Auch wenn ich versuce mich allgemein zu halten, kann es sich je nach Definition um Spoiler handeln!
Auch das Ende lässt einen dann etwas ratlos zurück. Die große Ankündigung entpuppt sich als teils durchdachte Version der Evolution und als teils an den Haaren herbeigezogene Zukunftsvision. Darauf über 500 Seiten hinzustreben, scheint es am Ende irgendwie nicht so richtig wert. Auch die danach noch offenen Handlungsstränge scheinen sich zunächst im Nichts zu verlaufen, ehe sie auf den letzten Seiten dann doch noch gelöst werden. Allerdings ist auch die Lösung ein bisschen einfach gehalten. Alle nebenbei eingeführten Personen verlieren mit einem Mal an Bedeutung. Hier hatten die Leser doch etwas mehr verdient. Spoiler Ende
Wirklich überwerfen dürfte sich Brown diesmal wohl mit der Kirche nicht, findet er doch diesmal – ähnlich wie in Illuminati – am Ende tröstende Worte über Kirche und Wissenschaft und wieso sie nicht gänzlich das gegensätzliche predigen. Seine zentralen Themen, wie die Schöpfung bzw. die Evolution, ziehen sich zwar wie ein roter Faden durch das Buch, doch so richtig auf den Punkt kommt Brown leider nicht. So ist Origin zwar nach Das Verlorene Symbol und leider auch Inferno wieder auf einem richtigen Weg gewesen, kann aber nicht an Illuminati und Sakrileg heranreichen. Ein paar mehr Rätsel und vielleicht ein paar ernst gemeinte Symbolentschlüsselungen für Langdon hätte das Buch gut verkraften können. Dennoch bin ich nun fast wieder gespannt auf ein weiteres Werk Browns.

Das Fazit

Origin hält seine eigenen Versprechen nicht. Trotz spannendem Mittelteil kann das Ende die hohen Erwartungen nicht halten. Auch hat Symbologe Langdon wenig zu tun, vielmehr darf er sich lediglich über die moderne Kunst beschweren. Dennoch wieder ein starker Fortschritt zu Browns beiden Vorgängerwerken.