Der König der Löwen

Ein Vorwort

Um Disneys Realverfilmungen kommt man in der aktuellen Kinolandschaft wohl kaum noch herum. Die Notwendigkeit ist stark bezweifelbar, die Zuschauerzahlen sprechen jedoch für sich. Während zuletzt mit Dumbo Tim Burton zumindest die bekannte Geschichte weitererzählte und so zumindest ein bisschen was neues schuf, übernahm diesmal wieder Jon Favreau. Im Jungle Book Remake durfte er ebenfalls auf dem Regiestuhl Platz nehmen und zauberte uns eine düstere Version des nicht mehr ganz so „gemütlichen“ Dschungelbuchs. Würde er nun auch in der König der Löwen neuen Pepp reinbringen? Erfahrt es in meiner Kritik.

Die Handlung

Simba ist der Thronerbe des Königfelsens und wird somit irgendwann König über das gesamte geweite Land. Doch sein Onkel Scar ist rasend eifersüchtig und trachtet sowohl seinem Bruder Mufasa, dem amtierenden König, und Simba nach dem Leben. Durch eine List scheint er sich beiden entledigen zu können, doch sieht man sich immer zweimal im Leben.

Meine Meinung

Bei einer 1:1 Verfilmung des Originalstoffes mit minimalen Anpassungen ging es den Machern bisher wahrscheinlich nur um eins: „Schau mal, was ich kann“. Denn während Alice im Wunderland und Maleficent noch neue Geschichten erzählten, Cinderella einen neuen Schwerpunkt legte, Jungle Book sich auf die düstere Variante konzentrierte und Dumbo die Geschichte über die Originalhandlung hinaus erzählte, hatten Die Schöne und das Biest oder jetzt auch der König der Löwen anscheinend nur den Anspruch der Welt zu zeigen, was mit neuster CGI Technik alles machbar ist. Das Jon Favreau das bereits mit Jungle Book bewiesen hat und trotzdem neue Facetten einbauen konnte, schien bei Disney nur auf geringes Interesse zu stoßen. Und so wurde Favreau anscheinend nur die Aufgabe gestellt Altbekanntes im neuen Gewand zu zeigen. Gemessen an den Zuschauerzahlen geht das Prinzip leider auch auf.
Sein „Schau mal, was ich kann“ muss man allerdings lobend erwähnen. Denn die Tiere der Savanne werden absolut realistisch gezeigt. Gerade die erste Szene, in der sich alle Tiere am Königsfelsen versammeln, um die Geburt des Thronfolgers zu feiern, ist trotz 1:1 Verfilmung absolut Gänsehautwürdig. Die hohe Qualität zieht sich durch den gesamten Film. Auch die Naturaufnahmen sind ein absoluter Augenschmaus.
Der Haken an der ganzen Sache ist natürlich, dass Tiere kaum Mimik haben und so auch die Emotionen der Handlung nicht übermitteln können. Daran wurde auch während des gesamten Films festgehalten. Realismus vor Emotionen durch Mimik. So hatten die Synchronsprecher allerhand zu tun die gesamte Wucht der Emotionen allein durch ihre Stimme rüberzubringen.
Wo wir dann auch schon beim Thema Stimme wären. Der König der Löwen ist tatsächlich einer der wenigen Filme, bei dem ich ganz gerne den Film noch einmal im Originalton sehen würde. Denn die deutschen Synchronstimmen sind teilweise sehr unpassend ausgesucht. Gerade die Stimme des jungen Simba ist unpassend, nervig und überfordert. Die einzige Emotion, die wirklich herüberkam, war der weinerliche Grundton der Stimme. Selten war ich so froh, dass auf Klein-Simba Groß-Simba wurde. Doch auch die Stimme war nicht so richtig passend.
Über die Handlung selbst muss ich wohl nicht viele Worte verlieren, denn sie ist altbekannt. Ein paar geringfügige Änderungen wurden vorgenommen, die teilweise einfach nötig waren – im Gleichschritt marschierende Hyänen sind einfach nicht mehr angemessen – und teilweise kaum zu bemerken.

Das Fazit

Der König der Löwen war optisch zwar gut anzusehen, aber dafür relativ emotionslos. Im Grunde war es ein guter Film, weil er einfach einen guten Film nachstellt. Neue Ideen sucht man jedoch ergebnislos. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Der König der Löwen läuft seit dem 17.07.2019 in den deutschen Kinos.

Streifzüge durch das Abendland

Ein Vorwort

Drei Bücher hatte ich von Bill Bryson bereits gelegen. Nachdem mich das erste (Streiflichter der USA) mittelmäßig begeistern konnte, mich das zweite (Reif für die Insel) eher langweilte und mich das dritte (Frühstück mit Kängurus) dann endlich so richtig packen konnte – vielleicht gebe ich den Briten auch nochmal die Chance und lese das Buch mit anderen Erwartungen – versuchte ich es nun mit dem vierten Buch, in dem Mr. Bryson kreuz und quer durch Europa reiste und von seinen Erfahrungen berichtete.

Die Handlung

Bill Bryson hat wieder das Reisefieber gepackt. Nachdem er im nördlichsten Europa startet, um die Nordlichter zu sehen, führt ihn seine Reise kreuz und quer durch Europa. Dabei vergleicht er Kulturen, erzählt von Städten und Erlebnissen, lässt sich über Gewohnheiten einzelner aus, kurzum bringt uns Europa ein Stückchen näher.

Meine Meinung

Zunächst möchte ich loswerden, dass Streiflichter durch Europa wohl eines der hässlichsten Buchcover hat, die es in mein Bücherregal geschafft haben. Angelehnt an das Cover von Frühstück mit Kängurus, wo thematisch passend ein Känguru in die Kamera guckt und um Hintergrund der Ayers Rock mit Fernweggefühlen lockt, durfte diesmal ein Esel vor einer antiken Ausgrabungsstätte (vermutlich die Akropolis) posieren. Leider ist der Esel nicht wirklich hübsch, das knallige blau des Covers im komischen Kontrast dazu und Griechenland wird nicht einmal besucht. Der Esel wird übrigens auch nie erwähnt. Und ja, ich habe mich eigentlich noch nie so sehr über ein Buchcover geärgert. Oder so viel über Buchcover auch nur nachgedacht.
Aber kommen wir zum Buch selbst. Bill Bryson lässt uns wieder einmal an einem seiner Reiseerlebnisse teilnehmen. Diesmal wollte der gebürtige Amerikaner endlich einmal Europa genauer erkunden. Bewaffnet mit Rucksack, Traveller Checks und vielen guten Vorsätzen springt er auch mal eben schnell in einen Zug, wenn er vor einem Ort flüchten will oder wenn er gehört hat, dass es woanders noch viel schöner sein soll. Gerade diese Spontanität macht seine Reiseberichte so interessant. Mit gewohnt leicht ironischem Unterton berichtet er von seinen Abenteuern. Dabei bekommt jede Stadt/Ort ein paar Seiten gewidmet, manche mehr, andere weniger, aber irgendwie doch zu wenig, um wirklich etwas über die Städte zu erfahren. Mit 320 Seiten ist dieser Europabericht auch gute 100 Seiten dünner als sein Werk über Australien beispielsweise. Dadurch fehlen leider mitunter die liebgewonnenen Ausschweifungen über absurde Gesetze oder seltsame Vorkommnisse in der Vergangenheit. Kurzum dem Buch fehlt ein wenig des erwarteten Peps. Es ging dann sogar soweit, dass ich nach circa der Hälfte das Buch einfach weglegen musste. Das immer gleiche Schema der Kapitel ödete mich zu sehr an. Nach einer gewissen Pause hat sich das wieder gelegt und ich konnte mit neuer Entdeckungslust weiterlesen und fand auch wieder mehr Gefallen am Buch.
Die Auswahl der Städte selbst ist kunterbunt gemischt und bildet einige Stellen Europas gut ab. Natürlich gibt es auch genug Flecken, die nicht besucht wurden, aber ganze Europa repräsentabel zu bereisen und in ein Buch zu stecken, ist bei der Vielfalt wohl auch kaum möglich.

Das Fazit

Mit weniger Biss und skurilen Fakten, aber doch mit allerlei erheiternden Informationen, ist Streifzüge durch das Abendland weder Brysons bestes, noch bisher schlechtestes Werk. Es kann abschnittsweise durchaus begeistern, verfällt aber irgendwann in Monotonie.

Yesterday

Ein Vorwort

Yesterday… Es reicht ein Wort und ich habe die Melodie im Kopf. Die Beatles und ihre Lieder sind so unsterblich wie wohl kaum eine Band – abgesehen vielleicht von ABBA. Noch immer begeistern sie Generationen, dabei haben sie sich bereits 1970 getrennt. Doch ihre Musik bleibt zeitlos. Regisseur Danny Boyle (Slumdog Millionär) beschäftigt sich nun mit der Frage, was wäre, wenn sich fast die gesamte Welt eines Tages nicht mehr an die Beatles erinnern würde? Was daraus geworden ist, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Jack Malik (Himesh Patel) ist ein eher erfolgloser Singer-Songwriter. Seine beste Freundin Ellie (Lily James) fungiert gleichzeitig als Managerin und Fahrerin. Eines Abends, nachdem Jack seine Karriere eigentlich an den Nagel hängen will, fällt auf der gesamten Welt gleichzeitig der Strom aus. Jack wird dadurch von einem Bus angefahren. Nachdem der Strom wieder funktioniert, scheint zunächst alles normal, doch muss Jack bald erkennen, dass abgesehen von ihm wohl alle die Beatles vergessen haben. Er wittert seine Chance und singt die Songs selbst neu ein und bekommt auch prompt einen Plattenvertrag angeboten. Wird seine Lüge auffliegen?

Meine Meinung

Bevor ich in den Film ging, fragte mich mein bester Freund noch vorsichtig, was ich mir denn von dem Film erwarte. Eher eine große Kritik an der Musikbranche oder, ob ich auch mit einer kleinen Liebesgeschichte zufrieden wäre. Ich sagte, dass ich keine tiefere Metaebene und hochtrabende Kritik bräuchte, sondern mich über einen kleinen sympathischen Film mit Witz und Charme und Beatles-Liedern freuen würde. Mir wurde daraufhin grünes Licht gegeben. Leider war meine Erwartung an den Film dann wohl doch noch ein wenig zu hoch.
Also im Großen und Ganzen habe ich grob die Geschichte bekommen, die ich erwartet habe. Zumindest für die erste Stunde. Die unterschwellige Liebesgeschichte, die immer mehr in den Vordergrund trat, hat mich auch wenig gestört, was vor allem an Lily James sympathischer Art liegt. Das Problem ist, dass die Geschichte nach knapp einer Stunde mehr oder weniger auserzählt ist. Danach kommt nur noch der verzweifelte Versuch die Liebesgeschichte zu retten, wobei man auch weiß, was nur noch passieren kann und haargenau so kommt es dann auch.
Aber noch einmal von vorne. Wir haben eine schöne Grundidee, eines etwas merkwürdigen, aber doch sympathischen Protagonisten. Wir haben eine gewohnt sympathisch spielende Lily James. Hinzu kommt der lustige Sidekick, der den ein oder anderen running gag raushaut. Grundszenario also top. Ein wenig braucht der Film um ins Rollen zu kommen, hat dann aber einige gute Einfälle. Vor allem die Szene, in der Jack seinen Eltern Let it be vorzuspielen versucht, ist mir positiv in Erinnerung geblieben. Wir haben einen Ed Sheeran – gut Schauspielkünste mal dahingestellt, aber für die fortschreitende Handlung eine gute Variante. Wir haben eine Kate McKinnon, die den absurden Reichtum in der Musikbranche auf coole Art rüberbringt. Und natürlich haben wir die Beatles-Songs, die Patel auch in wunderbarer Neuinterpretation mit dem gebührenden Respekt performt. Es hätte also durchaus der kleine Nischenfilm werden können, mit ein wenig komödiantischem Einschlag, für den er ausgelegt war. Aber leider wurde der wirklich gute Film in knapp eine Stunde gepresst, damit dann nochmal fast eine weitere Stunde lang sich an Klischees entlanggehagelt wird, in der es sich nur noch um die Liebesgeschichte dreht und kaum noch um den Beatles-Gedächtnisverlust. Kurzum es wurde sehr viel Potential verschenkt.

Das Fazit

Für eine Stunde ist der Film ein super sympathischer „Was wäre wenn“ Film mit tollen Einfällen und einigen Beatlessongs. Leider kippt die Qualität nach knapp der Hälfte völlig und wird danach zu einer einfallslosen Liebesgeschichte. Schade! Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Yesterday läuft seit dem 11.07.2019 in den deutschen Kinos.

Fast and Furious: Hobbs & Shaw

Ein Vorwort zum Vorwort

A: Wir sollten mal wieder zusammen ins Kino gehen
Ich: Klingt gut, aber ich habe alle Filme, die ich sehen will, bereits gesehen
A: Dann müssen wir wohl einen der übriggebliebenen Filme sehen
Ich: Hobbs & Shaw läuft noch
A: Ja, da sah der Trailer lustig aus… und wenn der Film nicht lustig ist, dann machen wir ihn uns einfach lustig
Ich: Stören wir dann nicht die anderen Kinogäste?
A: Also ob uns das jemals gestört hätte
*Beidseitiges diabolisches Lachen*

Ein Vorwort

Wenn es ein großes Filmfranchise der letzten Jahre gibt, mit dem ich absolut nichts anfangen kann, dann ist es wohl Fast & Furious – okay und vielleicht Transformers, aber das ist wieder ein anderes Thema. Dementsprechend habe ich auch noch keinen der bisherigen Filme gesehen. Autorennen – worum es glaub ich am Anfang mal ging – bis hin zu riesigen Auto-Keine-Ahnung- was-das-sein-soll – Hallo, in dem einen Trailer sind die mit ihren Autos aus einem Flugzeug gesprungen und aus Hochhäusern… wie soll man das bitte bezeichnen – interessieren mich herzlich wenig. Wofür ich allerdings zu haben bin, sind zwei Protagonisten, die sich mit witzigen Dialogen gegenseitig anstacheln, wie zuletzt in Killers Bodyguard. Ob mich nun der Spin-off zu Fast and Furious überzeugen konnte, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Die MI6 Agentin Hattie Shaw (Vanessa Kirby) kommt bei einem Einsatz aus der Not heraus in Berührung mit einem gefährlichen Virus, welches sie innerhalb von wenigen Tagen töten wird. Ihr zur Hilfe bestellt werden John Hobbs (Dwayne Johnson) und Deckhardt Shaw (Jason Statham). Das Problem: Hobbs und Shaw können sich auf den Tod nicht ausstehen und versuchen lieber ihr eigenes Ding durchzuziehen, während Hattie der Ansicht ist, das lieber auf eigene Weise lösen zu wollen. Brixton Lore (Idris Elba), ein Cyborg, wiederum will das Virus unbedingt für seine Firma. Lore ist ein alter Bekannter von Shaw. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Meine Meinung

Auf dem ersten Blick scheint Hobbs and Shaw ein typischer Männerfilm zu sein mit zwei Protagonisten, die sich eine reine Testosteronschlacht liefern. Wer ist toller, besser, stärker, klüger? Hinzu kommt noch der Antagonist, der sich durch technischen Fortschritt verbessern ließ, und dadurch das „Battle“ nach eigener Aussage sowieso gewonnen hat. Doch auf den zweiten Blick hat der Film doch einiges mehr zu bieten.
Also ja, es gibt zwischendurch immer wieder eine Testosteronschlacht. Aber die sind so witzig und überzeichnet, dass man sie nicht mehr so ganz ernst nehmen kann, bzw. sie einfach zum Rhythmus des Films passt, ohne anstrengend zu werden. Auch stand die Befürchtung im Raum, dass Vanessa Kirbys Charakter zum typischen „Jungfrau in Nöten muss von starken Männern gerettet werden“ verkommen könnte. Aber auch das ist nicht der Fall. Denn Kirby spielt hier eine starke Frauenfigur, die sich auch durchaus ihren eigenen Weg durch die Bösewichte gekämpft hätte, wären es nicht viel zu viele für einen Menschen. Aber sie ist intelligent, schlagfertig und kann für sich selbst eintreten. Sprich: sie hätte auch die Protagonistin sein können, wären die beiden Männer nicht bereits durch das Franchise bekannt gewesen.
Die Handlung selbst kann trotz gewohntem Aufbau an vielen Stellen überraschen. Auch wenn 137 Minuten Lauflänge ein wenig lang sind und der Film auch ohne Verluste gekürzt hätte werden können, kommt nur selten ein Längegefühl auf. Gerade die Einführung dauert ein Tucken zu lange, ehe der große Wettlauf mit der Zeit beginnt. Am meisten lebt der Film jedoch von der wunderbaren Chemie zwischen Johnson und Statham. Auch wenn sie sich hassende Charaktere spielen und das – vielleicht auch einmal zu viel – in langen Wortgefechten ausdiskutieren, trotzdem ziemlich gut harmonieren.
Natürlich bleibt das ganze irgendwo im Fast & Furious Franchise verankert. Einige Referenzen und Kurzauftritte hat man wohl ohne Hintergrundwissen auch nicht so richtig verstanden – ich meine, Helen Mirren mit keinen fünf Minuten Screentime? Aber dennoch bleibt der Film in sich logisch und kann auch hervorragend als Einzelfilm gesehen werden. Und ja auch hier gibt es größere Autoverfolgungsjagden, die optisch echt gutaussahen, aber irgendwo doch ein wenig zu viel des Guten waren. Dennoch liegt hier nicht der Augenmerk drauf, so dass auch das verzeihlich ist.

Das Fazit

Hobbs & Shaw konnte mich durch eine starke weibliche Fast-Hauptrolle, ein intelligentes Drehbuch, sympathische Charaktere und gut gemachter Action durchaus überzeugen. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Fast and Furious: Hobbs & Shaw läuft seit dem 01.08.2019 in den deutschen Kinos.

PS: Wer das Ende von Game of Thrones noch nicht gesehen hat, noch nicht gespoilert wurde und es unbedingt noch sehen will, sollte unbedingt vor der Midcreditscene das Kino verlassen! Dort wird massiv zum Finale von Game of Thrones gespoilert.

Ein wenig Leben

Ein Vorwort

Wäre ich diesem Wälzer das erste Mal im Buchladen begegnet, ich hätte es wohl bewusst übersehen, da mich der Einband wenig angesprochen hätte. Doch manchmal stolpert man ja auch auf ganz kuriose Weise über neue Bücher. Diesmal passierte es tatsächlich während ich Queer Eye schaute und Antoni – einer der Fab 5 – ein T-Shirt trug, mit der Aufschrift Jude & Willem & Malcolm & JB. Ich startete also eine Internetsuche nach diesem Namen und stieß neben diversen Angeboten auch über ein Interview mit Antoni, wo er genau auf das T-Shirt angesprochen wurde. Seltsamerweise zeigte mir ein paar Tage später mein bester Freund seinen neuesten Fund aus der Buchhandlung. Es war ein wenig Leben. Ein wenig musste ich mich nun also noch gedulden, denn mein bester Freund wollte es natürlich zunächst selbst lesen. Doch dann durfte ich es mir ausleihen und wurde selbst in die Welt der vier Freunde hineingezogen.

Die Handlung

Die vier Freunde Willem, JB, Malcolm und Jude lernen sich am College kennen und auch noch Jahre später verbindet sie eine enge Freundschaft. Das Buch verfolgt ihre Leben über viele Jahre. Doch nach und nach öffnen sich die Abgründe aus Judes Vergangenheit, die er nie jemandem erzählen will.

Meine Meinung

Es ist schwierig das Buch in einer Inhaltsangabe zusammenzufassen. Denn auch wenn das Buch mit 960 Seiten ein richtiger Wälzer ist, gibt es keine klar erkennbare Handlungslinie. Stattdessen wird abwechselnd von einem anderen der vier Hauptcharaktere erzählt. Teilweise wird das Leben von mehrehren Wochen zusammengefasst, teilweise aber auch ein bestimmtes Ereignis oder ein Tag ganz ausführlich beschrieben. Dabei wird das Leben der vier Freunde in einem Zeitraum von circa 30 Jahren durchleuchtet mit allen Höhe- und Tiefpunkten. Von allen erfährt man auch ein bisschen Vor- und Familiengeschichte. Dabei wird schnell klar, dass Jude ein großes Geheimnis um seine Vergangenheit macht. Die Gründe dafür und auch, was ihm alles passiert ist, werden nach und nach erzählt. Somit liegt der Fokus des Buches durchaus auf seiner Figur und nimmt mit fortschreitendem Buch immer mehr Platz ein, während andere Charaktere immer weniger Platz bekommen.
Grundsätzlich finde ich, dass Autorin Hanya Yanagihara eine interessante Geschichte erzählt und auch wenn sie „nur“ einzelne Passagen aus dem Alltag beschreibt, durchaus auch eine erzählenswerte Geschichte erzählt. Dennoch sind 960 Seiten irgendwo einfach zu viel. Man merkt, wie man bei einzelnen Passagen tiefer in der Geschichte ist, als bei anderen. Mit fortschreitendem Buch kommt hinzu, dass bei Judes Lebensgeschichte wohl nach dem Motto „Wie viel kann ein Mensch ertragen“ gearbeitet wurde, als wie viel Leid ist noch realistisch. Das führt dazu, dass es einem mit fortschreitendem Buch immer schwerer fällt, dieses in die Hand zu nehmen und weiterzulesen. Zumal es einen selbst immer wieder mit hinunterzieht. Dennoch finde ich es gut, dass Frau Yanagihara hier scheinbare Tabuthemen offen anspricht und dies ohne Wertung in einer Geschichte erzählt, die die Tabuthemen immer wieder anreißt, sich aber vielmehr auf die Bewältigung des Traumas Jahre später noch konzentriert. Mit Jude hat sie einen Charakter geschaffen, mit dem man als Erwachsenen noch mitfühlt, dem man begreiflich machen möchte, dass er wertvoll ist.

Das Fazit

Ein wenig Leben ist ein Buch ohne klaren Handlungsfaden, was man mögen muss, aber dafür mit starken Charakteren, die über 30 Jahre begleitet werden. Dabei werden absolute Tabuthemen angesprochen, aber respektvoll behandelt. Definitiv kein glücklich machendes Buch, dafür aber ein wichtiges.

Neulich in der Sneak: Fisherman’s Friends

Ein Vorwort

Als Reisewütige gibt es doch noch viele Sehnsuchtsorte auf meiner Liste. Die unendlichen Weiten der so nahen und doch so fernen Nachbarinsel Großbritannien gehören auf jeden Fall dazu. Auch der südliche Zipfel mit dem Namen Cornwall steht definitiv noch auf meiner Liste zu erkundender Regionen. Umso mehr freute ich mich, als in der Sneak ein Film über echte Cornwaller Urgesteine lief. Warum Fishermans Friends noch so viel mehr zu bieten hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Danny (Daniel Mays) und seine Freunde fahren für einen Junggesellenabschied in das kleine Städtchen Port Isaac in Cornwall. Die vier Londoner bringen mit ihrem Übermut so manche Dorfbewohner ein wenig auf dem Konzept. Durch Zufall sehen sie eine Gruppe Einheimischer Männer, die Chantis singen. Da sie bei einem Plattenlabel arbeiten, bringen seine Freunde Danny dazu in Cornwall zu bleiben und den Fishermans Friends einen Plattenvertrag anzubieten. Dass dies nur ein Scherz ist, ahnt dieser zu diesem Zeitpunkt nicht.

Meine Meinung

Fishermans Friends ist ein Film, der von vielen Faktoren lebt. Zum einen ist da natürlich die im Vorwort bereits erwähnte Landschaft. Schroffe Klippen, Häfen, die raue See und immer im Hintergrund die grünen Hügel Cornwalls. Allein das zu sehen ist schon eine Augenweide. Im Mittelpunkt des Films steht das kleine verträumte Dörfchen Port Isaac. Während so manch einer hier wohl gerne Urlaub machen würde, um die Seele baumeln zu lassen, treffen wir auf eine kleine Freundesgruppe aus London, die hier versuchen die Sau rauszulassen, um den Junggesellenabschied eines ihrer Freunde zu feiern. Alle vier arbeiten bei einem großen Plattenlabel und verdienen in London einen Haufen Geld, weswegen sie auch glauben, dass alle ihnen zu Füßen liegen müssten. Die Einheimischen sind von den Urlaubern jedoch eher genervt und erlauben sich gerne kleine Scherze. Auch im späteren Verlauf des Films wird immer wieder auf den Unterschied zwischen Stadt und Land eingegangen.
Der zweite Faktor sind die Charaktere. Während man am Anfang noch nicht weiß, was man von Danny halten soll, der zwischen tollpatschig, arrogant und einfach nur unsicher hin und her schwankt, schließt man die Cornischen schnell ins Herz. Sie sind zwar ein eingeschworener Verein, die kaum Einflüsse von außen an sich lassen, aber dafür zutiefst sympathisch.
Der dritte Faktor sind die Chantis. Denn während mir ein paar durchaus bekannt waren, hab ich auch Neu entdeckt. Zumal es hier eben nicht um die große Rockband oder den großen Sänger und ihren Durchbruch ging – sowie wir es gerade mit Bohemian Rhapsody und Rocketman gefeiert haben – sondern es geht um eine kleine Gesangsgruppe, die es fernab des großen Trubels trotzdem geschafft hat.
Und so ist Fishermans Friends einfach ein zutiefst sympathischer Film, der am Ende natürlich nicht ohne den großen Dramawendepunkt auskommt, dem man dieses kleine Manko aber verzeiht. Denn letztendlich verleiht er einen zum Fernweh nach Cornwall und schafft es ganz dezent gute Laune zu versprühen. Es sind eben diese kleinen Filme, die die Filmlandschaft so vielseitig macht und auch abseits von großen Blockbustern einfach funktionieren.

Das Fazit

Fisherman’s Friends ist ein sympathischer kleiner Film über eine Chantis singende Fischergruppe, mit einer Menge Heimatgefühl, aber eben auch dem Fernwehfaktor. Für den gute Laune Faktor einfach einmal ansehen! Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Fisherman’s Friends läuft seit dem 08.08.2019 in den deutschen Kinos.

Pets 2

Ein Vorwort

2016 brachte Illumination einen Film fernab ihres Dauerbrenners rund um die Minions heraus. Dabei schafften sie es durch den wirlich gelungenen Trailer, der die Haustiere bei verschiedenen Aktionen in den Haushalten zeigt, was diese denn so treiben, wenn die Besitzer aus dem Haus sind, die Leute scharrenweise ins Kino zu locken. Doch die positiven Stimmen blieben aus. Denn die Geschichte wurde dann doch viel mehr zu einem billigen, langweiligen, undurchdachten Toy Story Abklatsch. Dennoch gibt Illuminations nicht auf und präsentierte uns nun den zweiten Teil. Warum dieser deutlich besser funktioniert als der erste Teil, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Die Hunde Max und Duke verstehen sich inzwischen und kriegen erneut Zuwachs. Diesmal jedoch in Form eines Babys. Gerade bei Max drehen die Beschützerinstinkte durch. Während Max und Duke in den Urlaub fahren, soll die Hündin Gidget auf Maxs Lieblingsspielzeug aufpassen. Sie verliert es jedoch an einen Haushalt voller Katzen. Snowball – das verrückte Kaninchen – ist inzwischen zahm geworden und fühlt sich in seinem neuen Umfeld sau wohl. Dennoch sieht er sich weiterhin gerne als großen Helden. Sein großer Auftritt kommt, als die Hündin Daisy ihn um Hilfe bittet, um den Tiger Hu vor einem bösen Zirkusdirektor zu befreien.

Meine Meinung

Nachdem die große Zusammenhängende Handlung im ersten Teil absolut gescheitert ist, die Macher aber anscheinend immer noch genügend Ideen hatten, wurden diesmal kleinere Episoden geschrieben und zusammengestückelt. Dies funktioniert deutlich besser, weil sie nicht irgendwie alle bekannte Charaktere unter Zwang in einen Erzählstrang gesteckt werden musste, sondern sie sich in ihren eigenen Geschichten frei entfalten konnten. Während die Geschichte rund um Max und Duke mit dem neuen Baby noch ein bisschen holprig wirkt, ist gerade die Geschichte rund um Gidget, die verzweifelt versucht eine Katze zu werden, um Maxs Lieblingskuscheltier wieder zu bekommen, das Highlight des Films. Denn die Geschichte ist clever, witzig, spielt mit den Vorurteilen über Katze und Hunde und macht einfach Spaß beim Ansehen. Doch die Episode war zu kurz, um den gesamten Film darüber zu drehen.
Die Episode rund um Snowball und die Rettung des weißen Tigers ist dann vergleichsweise brutal und sollte wohl die Spannung in den sonst sehr ruhig erzählten Film bringen. Leider überstrapaziert Illuminations hier einmal mehr das, was der Zuschauer zu glauben bereit ist. Denn während die Episoden von Max und Gidget im Entferntesten noch glaubhaft waren, ist diese Episode sehr abgedreht. Gerade der böse Zirkusdirektor ist etwas sehr überzeichnet. So hat er natürlich böse Wölfe, die für ihn alles erledigen müssen und immer eine Peitsche in der Hand, man könnte ja hin und wieder mal auf alle Tiere einschlagen. Dabei sticht die Episode so stark heraus und will sich nicht richtig in den restlichen Film einfügen.
Der Lach- und Spaßfaktor ist im zweiten Teil deutlich größer, als noch im ersten, weil zwar viele gute Witze im Trailer vorweg genommen wurden, aber eben nicht alle. Illuminations schafft es die bereits bekannten Charaktere alle wieder unterzubringen und ihnen teilweise auch nochmal mehr Tiefgang zu geben. Die Animationen sind im bekannten Stil gehalten und funktionieren auch weiterhin ausgezeichnet.

Das Fazit

Von drei Einzelepisoden macht eine wirklich Spaß, ist eine für den Tiefgang zuständig und eine leider zu abgedreht. Doch im großen und ganzen funktioniert Pets 2 damit besser als sein Vorgänger. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Pets 2 läuft seit dem 27.06.2019 in den deutschen Kinos.

Sommerlektüren – eine Auswahl

Ein Vorwort

Diesen Beitrag wollte ich eigentlich bereits am Anfang des Sommers geschrieben haben, aber irgendwie kam immer etwas dazwischen. Aber immerhin scheint draußen noch die Sonne und schneit noch nicht, also bin ich wohl noch nicht zu spät dran. Jedes Jahr zu Beginn des Sommers stehe ich vor meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher) und kann mich nicht durchringen auch nur eines davon zu lesen. Genau dann weiß ich, dass es wieder Zeit wird die Buchhandlung meines Vertrauens aufzusuchen und nach dem nächsten Sommerbuch Ausschau zu halten. Dabei gehe ich nach zwei Kriterien: Die Geschichte soll leicht und fröhlich sein und mich in Urlaubsstimmung versetzen. Manchmal geht das gut, manche Bücher musste ich aber auch abbrechen, weil sie mich zu sehr genervt haben. Eine kleine Auswahl von drei guten Sommerlektüren, möchte ich euch heute vorstellen.

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Honigduft und Meeresbrise

Die Handlung: Anna ist nach dem Tod ihrer besten Freundin zu Besuch bei ihrer Oma, die im Garten Bienen hält und ihren eigenen Honig herstellt. Eines Vormittags kommt der Postbote mit einem ganz besonderen Brief vorbei. Denn er wurde 1941 an Omas Mutter, also Annas Urgroßmutter, aufgegeben, fand aber nie seinen Weg nach Deutschland. Auf der Suche nach Antworten zieht es Oma und Enkelin nach Ahrenshoop.

Meine Meinung: Über dieses Buch bin ich tatsächlich über diverse Buchnewsletter gestolpert und habe mich dann ganz vorbildlich im Buchladen meines Vertrauens auf den Titel gestürzt. Gelesen habe ich ihn dann während meiner Kreuzfahrt auf der Ostsee, so dass ich die Meeresbrise permanent im Gesicht hatte. Den Honigduft musste ich mir dazu vorstellen. Zunächst hatte ich ein paar Bedenken, ob die Geschichte nicht zu traurig würde, wegen der Trauerverarbeitung der Protagonistin. Dieser Teil wurde zwar mehrfach mit dem nötigen Respekt erwähnt, aber wiegt tatsächlich nicht so schwer, als dass er einen herunterziehen könnte. Auch der Brief ist eigentlich nur Mittel zum Zweck, um so ein bisschen Geheimnisenthüllung zu betreiben. Soll heißen, es gibt keine langen Rückblenden in das Jahr 1941, als der Brief geschrieben wurde, sondern wir bleiben in der Gegenwart. Im Vordergrund stehen die Charaktere und vor allem unsere Oma/Enkelin-Protagonistin sind zutiefst sympathisch und man möchte sich eigentlich nur den beiden anschließen, eine Strandradtour machen und Honigschnaps trinken. Die Geschichte ist dabei spannend, hat die nötigen Wendungen und bleibt trotzdem locker erzählt. Kurzum eine ideale Strandlektüre, die man auch mal zwischendurch zur Seite legen kann, um in die Wellen zu hüpfen.

Das Fazit: Eine lockere Geschichte über die wirklich wichtigen Dinge im Leben, über Liebe, Freundschaft, aber auch den Tod. Gepaart mit sehr sympathischen Protagonistin, ergibt sich eine stimmige Geschichte, die den Hunger auf Honig verstärkt.

Sommerlektürenfaktor *****

Auch donnerstags geschehen Wunder

Die Handlung: Marianne ist frisch getrennt, arbeitet in einem kleinen Café, backt gerne Kekse, hat einen Kater mit Namen Johnny Depp und sucht die große Liebe. Auf einem Jahrmarkt wird sie von ihrer besten Freundin überredet eine Wahrsagerin aufzusuchen. Diese prophezeit ihr, dass sie den richtigen Mann in Schottland findet. Doch kann Marianne einfach so nach Schottland reisen?

Meine Meinung: Das Buch habe ich im letzten Jahr gelesen. In dem Jahr wollte ich irgendwie so gar nicht meine richtige Sommerlektüre finden. Aber dafür gibt es meine Bücherdealer aus dem Buchladen meines Vertrauens. Ich klagte ihnen also mein Leid und prompt hatte ich mindestens fünf Bücher in den Händen, die mir alle empfohlen wurden. Ich entschied mich letztendlich für dieses Büchlein, weil eines meiner Sehnsuchtsorte (Schottland) drin auftauchte. Also begann ich zu lesen. Nach circa einem Viertel des Buches war ich aber absolut verwirrt. Ich dachte vielleicht ein Bindungsfehler und die Seiten in meinem Exemplar wären vertauscht worden. Das ergab keinen Sinn mehr. Ich habe tatsächlich zwei oder drei Kapitel gebraucht, bis ich merkte, dass das Ganze gewollt war. Denn „Auch donnerstags geschehen Wunder“ wird nach dem was wäre wenn-Prinzip erzählt. So gibt es die gemeinsame Einleitung bis zum Teil mit der Wahrsagerin. Doch dann fährt das Buch zweigleisig weiter und wechselt sich nach jedem Kapitel ab. So erfahren wir, was Marianne erlebt, wenn sie sich für die Reise nach Schottland entscheidet und was sie durchlebt, wenn sie nicht nach Schottland fliegt. Und gerade das, macht für mich den Unterschied zu vergleichbaren Werken. Wir erfahren bis zum Ende nicht, welche Geschichte denn nun passiert ist, nur das beide möglich wären. Dabei treffen wir auf eine absolut chaotische Protagonistin, die wir dennoch sehr schnell ins Herz schließen. Es gibt andere sympathische Charaktere, aber eben auch die unsympathischen, die sich in gleich zwei interessanten Geschichten vermischen und so kommt dieses wunderbare 2-in-1 Buch heraus, dass ich am Anfang nicht erwartet hätte. Auch hier möchte man am liebsten gleich seine Koffer packen und die Welt erkunden, hat aber auch seine Geschichte, wenn man wüsste, dass man sich das nicht trauen würde.

Das Fazit: Eine schöne Geschichte, die das Was wäre wenn ausnutzt, um gleich zwei Varianten zu erzählen. Dabei kann der Sehnsuchtsort Schottland ebenso locken, wie Hamburg.

Sommerlektürenfaktor ****

New York Diaries – Phoebe

Die Handlung: Phoebe wohnt im Knights Building in New York. Nach einer Reise hat sie aber anscheinend den falschen Koffer gegriffen. Auch David starrt wie entgeistert in den Koffer, den er am Flughafen mitgenommen hat, denn es ist offensichtlich nicht seiner. Doch er findet eine Art Tagebuch im Koffer und erhofft sich Ansatzpunkte, um die Besitzerin wiederzufinden. Auch Phoebe sucht nach Hinweisen auf den Besitzer und findet ein unveröffentlichtes Manuskript.

Meine Meinung: Die New York Diaries Reihe habe ich bereits 2017 gelesen und euch auch hier bereits einmal vorgestellt. Dennoch passt gerade dieser Band hervoragend zu meinen Sommerlektüren. Denn diesmal geht es um die unerträglich heißen Sommer in New York, und auch Städtereisen verbinde ich mit Sommer, Sonne und Urlaubsgefühl. Zumal die vertauschten Koffer ja auch irgendwie ein Symptom für Urlaub sind – auch wenn es mir selbst glücklicherweise noch nie passiert ist. Das interessante an der gesamten New York Diaries Reihe ist die Liebe zu der Stadt, in der die Bücher spielen. Bei Phoebe kommen noch zwei wunderbare Protagonisten hinzu, die irgendwie versuchen aus Tagebuch und Manuskript genügend Informationen zu filtern, um den jeweils anderen zu finden. Dabei ist es sanfte und leichte „Popcornliteratur“, kann also bestens zwischendurch gelesen werden, ohne dass man den Anschluss verliert.

Das Fazit: Perfekte Lektüre für Stadturlaub oder für die Daheimgebliebenen. Lockere, romantische Geschichte mit tollen Protagonisten.

Sommerlektürefaktor ****

 

Men in Black – International

Ein Vorwort

Wenn man sich das Kinoprogramm ankommt, dann hat man immer öfter das Gefühl eine kleine Zeitreise gemacht zu haben. Diesmal gehen wir 22 Jahre zurück ins Jahr 1997. Nach seinem Erfolg mit Indenpendance Day zog Will Smith erneut los, um die Welt zu retten, erneut vor Aliens. Diesmal jedoch in einem schicken schwarzen Anzug und mit einem „Blitzdings“, damit wir Normalsterblichen uns an nichts erinnern können. 2002 kam der zweite Teil heraus, der bereits an Qualität verloren hatte. 2012 wurden Smith und Tommy Lee Jones erneut verpflichtet für einen dritten Film, der zwar finanziell der erfolgreichste der Reihe wurde, an den sich aber wohl kaum noch einer erinnern kann, während aus dem ersten Teil noch immer zitiert wird. Nun gibt es einen vierten Teil in den deutschen Kinos, der den Namen International trägt. Diesmal durften Tessa Thompson und Chris Hemsworth in die Anzüge schlüpfen.

Die Handlung

Molly Wright (Tessa Thompson) gerät als kleines Kind in Berührung mit einem Alien. Während ihre Eltern „geblitzdingst“ werden, erinnert sie sich auch als Erwachsene noch daran. Verzweifelt versucht sie die „Men in Black“ zu finden und beobachtet dabei alles sonderbare. Eines Tages trifft sie tatsächlich auf die Organisation und nach einem Vorstellungsgespräch wird sie zur Ausbildung zugelassen. Ihr erster Fall führt sie in die Zentrale nach London, wo sie sich Agent H anschließt, der für einen vergangene Erfolg noch immer gefeiert wird, aber seitdem nichts mehr so richtig auf die Reihe zu bekommen scheint.

Meine Meinung

Während wir 1997 Will Smith als Identifizierungscharakter hatten, begleiten wir diesmal Tessa Thompson auf ihren Weg zu den Men in Black. Wie auch schon zuletzt in X-Men Dark Phoenix darf hier zumindest ein zynischer Satz von Emma Thompson auf das Men im Namen aufmerksam machen, während mit den beiden Thompsons – keine Verwandtschaft – als Frauen wichtige Rollen übernehmen. Das war dann aber auch schon der einzige tiefgründige Satz des Films.
Danach bekommt der Zuschauer jedoch genau das, was Beschreibung und Trailer vermuten ließen. Eine lockere Geschichte ohne Tiefgang mit vielen Actioneinlagen, lustigen Dialogen, Wendungen, Ortswechsel – es soll ja schließlich International sein. All das für das wohl enttäuschendste Finale der Reihe. Denn die Wendung am Ende ist dem geschulten Zuschauer bereits nach der ersten Szene klar und dürfte daher wohl kaum noch überraschend sein. Leider ist dieser Part auch der, der in Erinnerung bleibt und einen enttäuscht und unzufrieden das Kino verlassen lässt.
Dabei macht der Film zwischendurch durchaus Spaß und das liegt an mehreren Faktoren. Zum einen stimmt einfach die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern Tessa Thompson und Chris Hemsworth. Das sie schauspielerisch auf einer Wellenlänge sind, konnten sie bereits in Thor – Ragnarök beweisen. Auch wenn Hemsworth Charakter ein wenig sehr auf seinem einnehmenden Lächeln ausruht und zunächst ein wenig nervig ist, bringt gerade Thompson das Charisma in das Duo. Dazu kommen dann gerade die kleinsten Nebencharaktere, wie Pawny, die so viele Witze mit rein bringen und damit die gesamte Stimmung noch einmal ordentlich heben.
So hat man beim Sehen durchaus seinen Spaß und führt sich unterhalten. Allerdings diese Art von Unterhaltung, die man nach kürzester Zeit wieder vergessen hat. Daher bleibt das enttäuschende Ende leider noch wesentlich mehr in Erinnerung. Und damit ist Men in Black – International leider erneut ein Reboot, das mit nichts Neuem punkten kann, sich auf einen bekannten Titel ausruht, zwar versucht zu unterhalten, aber auch damit nicht bis zum Ende durchhält.Dennoch liefert es größtenteils die leichte Unterhaltung, die er verspricht.

Das Fazit

Men in Black – International ist ein leichter Actionfilm, der sich leider zu sehr auf seinem Namen ausruht. Trotz vieler witziger Einfälle, kann er nicht durchgehend unterhalten und versagt gerade am Ende. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Men in Black – International läuft seit dem 13.06.2019 in den deutschen Kinos.

 

Spider-Man: Far from home

Ein Vorwort

Nach den Nachrichten, dass Avatar (endlich) vom ersten Platz der erfolgreichsten Filme aller Zeiten (zumindest uninflationsbereinigt) gestoßen wurde, ist schon einmal eine gute Nachricht. Umso mehr freut mich, dass es Endgame geschafft hat. Denn damit wurden 11 Jahre Filmfranchise zu einem krönenden Höhepunkt geführt. Umso verwirrter wurde man, als Kevin Feige ankündigte, dass Phase 3 doch nicht mit Endgame ende, sondern eben erst mit dem zweiten Marvel-Spider-Man Versuch. Kann dies ein ebenso guter Abschluss für die dritte Phase werden?

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring diesen Absatz einfach.

Peter Parker wird von Tony Stark aka Iron Man aufgesucht, damit dieser ihm als seine Geheimidentität Spider-Man hilft, um Captain America im Civil War aufzuhalten. Bei dem großen Kampf am Leipziger Flughafen hält er sich wacker.
Wieder zu Hause will er unbedingt ein Avenger werden und ruft Tony Stark regelmäßig mit Updates aus der Nachbarschaft an. Dieser ignoriert ihn jedoch geflissentlich. Als in seiner Umgebung jedoch Waffen mit Centauri-Technologie (wir erinnern uns an den großen Kmapf im ersten Avengers-Teil) auftauchen, macht er sich auf die Suche und trifft auf den Waffenhändler Adrian Toomes, der sich als The Vulture einen Namen gemacht hat. Da weder Stark, noch dessen Bodyguard Happy, ihn ernst nehmen, versucht Peter Toomes selbstständig zu fangen. Nachdem er dabei aber mehrere Menschenleben in Gefahr bringt, gibt es eine große Standpauke von Tony Stark, der ihm seinen Spider-Man Anzug wegnimmt. Beim Homecomingball trifft Peter wieder auf Toomes, der sich als Vater seines Schwarms herausstellt. Nach dem großen Endkampf will Stark ihn endlich als Avenger ankündigen. Peter hält das jedoch für eine Prüfung und beschließt lieber die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft zu bleiben.
In Avengers: Infinity War begleitet Peter eher unfreiwillig Iron Man und Doctor Strange in Thanos Raumschiff auf den Weg nach Titan, Thanos Heimatplaneten. Dort versucht er zusammen mit den Guardians gegen Thanos zu kämpfen. Am Ende fällt er Thanos Schnipsen zum Opfer und zerfällt zu Staub.
Erst im großen Endkampf am Ende von Avengers: Endgame taucht er zusammen mit den anderen „Gefallenen“ wieder auf, nachdem Hulk den Schnipser rückgängig machen konnte. Am Ende betrauert er den Fall seines großen Idols Tony Stark.

Die Handlung

Peter Parker (Tom Holland) versucht über den Verlust seines Idols hinwegzukommen und gleichzeitig die Erwartungen in Spider-Man zu erfüllen. Eine Studienfahrt seiner Klasse nach Europa soll die gelungene Ablenkung sein. Doch nachdem in Venedig ein Wasserungeheuer auftaucht und von dem geheimnisvollen Mysterio (Jake Gyllenhaal) bekämpft wurde, heuert Nick Fury (Samuel L. Jackson) ihn an, um die nächsten erdenbedrohenden Monster zu besiegen.

Meine Meinung

Meine Meinung über die im Vorwort gestellte Frage, ob Spider-Man auch ein guter Abschluss der vierten Phase sein könnte, stand eigentlich schon vorher fest: Nein, Endgame war an dieser Stelle nicht mehr zu übertreffen. Trotzdem bin ich versucht unvoreingenommen an die Sache herangegangen. Und auch, wenn man einmal akzeptiert, dass es diesmal kein Avengers ist, und eben auch kein Gänsehaut-Endgame, ist Far from home leider noch immer kein guter Superheldenfilm. Und das obwohl er durchaus einiges richtig macht.
Aber fangen wir ganz am Anfang an. Zunächst stellte sich die wichtigste Frage: Wann spielt der Film? Denn in Endgame sind zwischenzeitlich vier Jahre vergangen. Wurden die komplett zurückgedreht? Sind die wieder aufgetauchten Charaktere einfach mitgealtert? Diese Frage zumindest wurde gleich am Anfang aufgeklärt. Die vier Jahre sind vergangen und die Menschen, die nicht verschwanden, sind auch vier Jahre gealtert. Die anderen, eben nicht. Das führt zu einigen interessanten kurzen Dialogen, z.B über kleinere Geschwister, die auf einmal älter sind. Praktischerweise war aber wohl nicht nur Peter verschwunden, sondern auch sein bester Freund Ned und sein Schwarm MJ, so dass diese immer noch in die gleiche Klasse gehen.
Handlungstechnisch wurde also zunächst viel richtig gemacht. Die Zeitfrage wurde aufgeklärt und wir treffen auf einen zwiegespaltenen Spider-Man, der sich immer wieder mit der Frage um das Erbe seines Idols auseinander setzen muss. Nach den nervenraubenden Geschehnissen in Infinity War und Endgame schien uns nun auch MARVEL in die Ferien schicken zu wollen und lässt Spider-Man nun auf Klassenfahrt nach Europa fahren. Soweit, so gut. Wir kommen wieder in Berührung mit den alten Charakteren, es tauchen Neue auf und gerade die beiden Lehrer, die die Klassenfahrt begleiten, sorgen für einige Running Gags, die durchaus funktioniert haben.
Was leider nicht so richtig funktioniert ist alles, was danach kommt. Denn sobald das erste Monster und Mysterio auftauchen, gleitet die Handlung mehr und mehr davon. Das passierte bereits in Homecoming, doch während sich dort am Ende die Handlung wieder gefangen hat, was wohl vor allem mit einem gut spielenden Michael Keaton und einem nachvollziehbaren Bösewicht zu tun hat, weiß Far from home am Ende nicht mehr so richtig, was er nun eigentlich erzählen will. Es wird ein Nick Fury wieder eingesetzt, zusammen mit einer Agent Hill, die aber bald sehr untypisch agieren und so gar nicht im Film angekommen wirken. Stattdessen wird sich in die Geschichte rund um Mysterio verrannt, die aber schon bald nicht mehr interessant ist und die Entscheidungen eben diesem nicht so recht nachvollziehbar.
Und so bleibt ein Film zurück, der eigentlich die richtigen Fragen stellt, der eigentlich auch gute Witze hat und der eigentlich sich auch gut mit dem Thema Trauerbewältigung auseinander setzt. Aber eben nur eigentlich, denn den richtigen Bogen schafft er am Ende nicht. Und spätestens nach einer Illusion zu viel, dürfte der Großteil des Publikums abgeschaltet haben. Schade, denn Potential war da.

Das Fazit

Spider-Man: Far from home hat viele gute Ansätze, versucht die Marveltypische Spannung und Humor zu verbinden, scheitert aber letztendlich durch eine verworrene Handlung und einem unnachvollziehbarem Bösewicht. Damit zählt er zu den schwächeren Vertretern aus dem Hause Marvel. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Spider-Man: Far from home läuft seit dem 04.07.2019 in den deutschen Kinos