My genderless Boyfriend

Ein Vorwort

Nachdem ich sehr lange auf den Abschlussband warten musste, endet meine liebste Mangareihe nach nur fünf Bänden. Dabei war jeder Band wundervoll und sehr intensiv und daher will ich nun gesammelt darüber berichten.

Die Handlung

Meguru ist ein Influencer mit einem genderlosen Stil, bekannt für seine Mode und Make-up Tipps. Doch seine Freundin Wako hält er lieber aus der Öffentlichkeit heraus oder versucht es zumindest. Denn was würde seine Fans sagen, würden sie von der Beziehung wüssten?

Meine Meinung

Hallo, ich bin eine Bloggerin und mir fehlen die Worte dafür, euch meine liebste Mangareihe angemessen zu präsentieren. Also lest sie einfach, okay?
Ja, gut, hätte ja funktionieren können. Also versuch ich mal ein bisschen mehr zu formulieren. Zu Anfang lernen wir direkt Meguru und Wako kennen und erhalten Einblick in ihr privates, aber auch in ihr berufliches Leben. Während Wako als Magaredakteurin gerade kurz vor Deadlines sehr müde nach Hause kommt, lebt Meguru etwas entspannter und arbeitet in einer Boutique und nebenbei baut er seine Influencerkarriere aus.
Nach und nach wird die Handlung immer weiter ausgebaut. Meguru bekommt größere Projekte und damit auch mehr Aufmerksamkeit, während Wako immer mehr Verantwortung bekommt und zwischenzeitlich sogar einen Magaka betreut, der ein riesen Fan von Meguru ist. Doch die beiden respektieren die Privatsspähre des jeweils anderen, weswegen sie berufliches und privates strikt trennen, auch wenn Wako Megurus größer Fan ist.
Dabei wird das Ganze stets als feel good Geschichte erzählt. Auch, wenn mitunter Themen angesprochen werden, wie die Arbeitskultur in Japan, die kaum Freizeit zulässt, oder eben auch die Geschlechterklischees, die aufgebrochen werden. Dennoch liegt der Fokus auf der cosy Beziehung der beiden. Und dieses Gefühl ist es auch, was sich beim Lesen überträgt. So habe ich mich nach jedem Band wesentlich entspannter und besser gelaunt gefühlt. Die Mangas waren wie eine kleine Auszeit von allem.
Und das obwohl der Aufbruch der Geschlechterklischees auch einiges an Problemen beherbergen könnte. Das diese nicht genauer beleuchtet wurden, kann man kritisch sehen, aber im Endeffekt wurden hier Zweifler und Vorurteile benannt, aber eher mit dem sonnigen Gemüt Megurus fort gewischt. Gerade in späteren Bänden gibt es auch einen weiteren wichtigen Charakter, der sich mit seinem Image als geschlechtsloses Modell schwer tut, da er lieber seinem Idol einem „männlichen Mann“ nacheifern will. Aber auch mit diesen Ängsten wird sich auseinander gesetzt, aber halt eine cosy Lösung gefunden.
Ich habe mich beim Lesen einfach geborgen gefühlt und habe es geliebt, dass auf so eine cosy Art versucht wurde Klischees abzubauen. Leider ist die Geschichte nun zu Ende, auch wenn es ein sehr rundes und berührendes Finale gab und die Geschichte wirklich auserzählt zu sein scheint. Es wird wohl bald mal Zeit für einen Re-Read …

Das Fazit

My genderless Boyfriend sagt Geschlechterklischees den Kampf an, strahlt dabei aber voller Glücksgefühle und ist eine cosy Geschichte zum wegträumen. Einfach eine Herzensreihe, die ich geliebt habe und daher sehr empfehle.

My genderless Boyfriend Band 1-5 ist bei Hayabusa erschienen

Die Dark Knight Trilogie – Batman Nachgeholt #1

Ein Vorwort

Was wäre das Leben ohne Projekte? Nach einer ausufernden Diskussion mit meiner besten Freundin über Superheldenfilme, kamen wir immer wieder auf die sehr ikonischen Bösewichte aus den Batman-Filmen zu sprechen. Nur, dass ich dort kaum mitsprechen konnte, weil ich bisher erst sehr wenig Batman Filme gesehen habe. Tatsächlich war es wohl gerade Ben Affleck als Batman, den ich am meisten gesehen hatte (ja Schande über mich). Also holen wir die zurzeit nach. Den Auftakt macht die Dark Knight Reihe von Christopher Nolan, die von vielen als Meisterwerk betitelt wird.

Batman begins

Die Handlung: Bruce Wayne, verbittert nach der Begnadigung des Mörders seiner Eltern, reist um die Welt, um seine Ängste zu überwinden. Dabei trifft er auf die Geheimorganisation Ra’s al Ghul, die ihn aufnehmen. Nach seiner Rückkehr in Gotham beschließt er dem organisiertem Verbrechen den Kampf anzusagen und legt sich seine Deckidentität als Batman zu.

Meine Meinung: Batman begins war der einzige Teil der Reihe, den ich schonmal gesehen hatte. Aber dann bin ich irgendwie davon abgekommen, die Reihe weiterzuschauen. An ein paar Sachen konnte ich mich noch erinnern, an andere gar nicht mehr. Auf jeden Fall haben wir hier eine typische Origin-Story, allerdings in gut. Sprich es wird nachvollziehbar erklärt, wieso sich Batman für den Weg entschieden hat, wie er an seine Höhle und sein Arsenal an Ausrüstung kam. Wie diese entwickelt wurden und wie er nach und nach Stärken und Schwächen festgestellt hat. Das Ganze wird von Christopher Nolan mit einem einzigartigen Soundtrack, geschrieben von Hans Zimmer und James Newton Howard, untermalt und bringt das düstere und rohe der Batman Comics auf die Leinwand. Damit unterscheidet sich die Reihe deutlich von den vorherigen Verfilmungen. Wir bekommen einiges von Gotham und die Entwicklung der Stadt zu spüren. Lediglich mit den Bösewichten wurde sich ein wenig überkalkuliert und mit Scarecrow und Ra’s al Ghul gleich zwei Feine geschaffen, die irgendwie miteinander verwoben sind, aber dafür für viel Furore sorgen. Aber insgesamt ist es ein guter Auftaktfilm, der vieles zur Figur Batman erklärt, was auch hilfreich ist um die folgenden besser nachvollziehen zu können.

The Dark Knight

Die Handlung: Der Joker ist nach Gotham gekommen und fordert Batman heraus. Er spielt den Untergrund gegeneinander aus und fordert, dass Batman die Maske abnimmt, sonst würde er weiter töten. Im Zwiespalt tut er sich mit dem Anwalt, und neuen Liebhaber seiner Ex Rachel, Harvey Dent zusammen, um gegen den Joker anzutreten. Doch dabei sind Verluste vorprogrammiert.

Meine Meinung: Wohl der meistgenannte Film, wenn es um die gelungensten Batman Filme geht. Gerade Heath Ledger als Joker ist so ikonisch, dass ich einige Szenen kannte, ohne überhaupt den Film je gesehen zu haben. So starten wir hier gleich dynmaisch und spannend in den Film. Der Joker wird ziemlich schnell nicht nur zum Antagonisten und Stichwortgeber gemacht, sondern er dominiert und führt den Film. An ihm wird die Handlung entlanggehangelt und Batman ist mehr oder weniger dazu verdammt, zu reagieren, anstatt proaktiv zu sein. Damit unterscheidet sich der Film aber auch von so ziemlich jedem anderen Superheldenfilm, was eine schöne Abwechslung ist und gut funktioniert. So muss sich Batman weiterentwickeln und anpassen, was ebenfalls spannend zu sehen war. Lediglich gegen Ende verliert sich der Film leicht, wenn das Drama um Harvey Dent zunimmt und wir auf einmal einen weiteren Bösewicht mit im Spiel haben. Hier wird es leicht wirr und der gute Fokus mit dem Joker verschwimmt. Dadurch bekommt der Film noch einmal eine neue Ebene und die große Zerstörungskraft des zuvor aufgebauten Konstrukts kommt eindrucksvoll zum Vorschein.

The Dark Knight Rises

Die Handlung: Nach den Ereignissen im vorherigen Film hat Bruce Wayne die Rolle des Rächers an den Nagel gehängt. Doch dann taucht Bane auf und fordert eine Revolution in Gotham. Während sich Batman mit Catwoman einlässt, merkt er jedoch schnell, dass er gegen Bane nicht ankommt. Auch Comissioner Gordon kommt an seine Grenzen. Und während Batman von Bane weggesperrt wurde, nimmt er die Stadt Stück für Stück ein. Wird der dunkle Ritter aufsteigen? 

Meine Meinung: Nach The Dark Knight konnte es ja nur bergab gehen, oder? Nun ganz so einfach macht es uns The Dark Knight Rises nicht. Aber eins ist sicher: Christopher Nolan hat sich hier mit der Geschichte und der Menge an zu erzählendem Material ordentlich verhoben. Nachdem Harvey Dent im vorherigen Teil als Held dargestellt wurde, gibt es hier nun das Problem, dass Batman eigentlich nicht mehr exisitiert. Wir brauchen also einen ordentlichen Grund, um ihn zurückzukriegen. Zeitgleich wird uns Anne Hathaways Catwoman präsentiert. Soweit funktioniert der Film auch noch, bietet neues und ist spannend. Dann kommt Bane ins Spiel und mir gefiel auch der Teil, wo Batman eben nicht direkt eine Chance hatte, sondern erst einmal gehörige Probleme bekam. Und dann kommt das Problem. Die Geschichte verliert sich so sehr in seiner kompletten Anarchie und Gotham wird komplett von der Außenwelt abgeschottet. Die Handlung geht über Monate hinweg weiter und die Stadt verkommt noch deutlich mehr. Das war der Part, wo ich mehr oder weniger mental ausgestiegen bin. Hier kommt dann die Stelle, wo Joseph Gordon-Lewitt eigentlich der Alleinunterhalter des Films wird. Ein neuer Charakter, man erfährt erst später, wie relevant er ist, und dann soll er gleich einen Großteil des Films tragen? Funktioniert nur bedingt, zumal ich erst zum Finale hin mich überhaupt wieder erinnerte, dass es ja ein Batman Film ist. Der Charakter wird über so lange Zeit komplett vergessen und ungenutzt gelassen, dass man ihn zwischenzeitlich gut vergessen konnte. So wird das Finale noch einmal spannend, aber insgesamt ist der Film mit einer Lauflänge von 164 Minuten viel zu lang und treibt die Handlung zu weit. Daher leider der schwächste Teil der Reihe.

Was ist eure liebste Batman Verfilmung?

Eine Handvoll Serien/Bücher – Disability Pride Month Special 2024

Juli ist der Disability Pride Month.
Nachdem im Juni die Sichtbarkeit der queeren Gemeinschaft gefeiert wurde, geht es im Juli darum, auf Behinderungen aufmerksam zu machen, Menschen mit Behinderung sichtbar zu machen und Klischees und Vorurteile abzubauen.
Wie schon im letzten Jahr, will ich euch auch diesmal eine Auswahl an diversen Repräsentationen in Serien und Büchern geben – Filme habe ich leider keine im vergangenen Jahr gesehen.

Der Weihnachtosaurus und die Winterhexe

Die Handlung: Weihnachten steht im Hause Trudel bevor. Dieses Jahr sind auch Pamela und Brenda Pein mit dabei, die inzwischen bei den Trudels wohnen. Zu Beginn der Weihnachtsferien holt niemand geringeres als der Weihnachtsmann zusammen mit dem Weihnachtosaurus die Vier ab und zeigt ihnen den Nordpol. Dabei macht William eine verhängnisvolle Begegnung mit der Winterhexe.

Warum das Buch so wichtig ist: Bereits im Kindesalter werden wir durch Klischees und Vorurteile geprägt. Umso wichtiger ist es bereits in Kinderbüchern Diversität zu repräsentieren. Und damit sind eben auch Behinderungen und Menschen mit Behinderungen gemeint. Der Weihnachtosaurus bietet uns auch im zweiten Band mit William Trudel nicht nur eine Jungen, dessen Traum eines echten Dinos ins Erfüllung geht und eine bunte Abenteuergeschichte erlebt. Sondern eben auch die Realität eines Kindes im Rollstuhl. Dabei geht es um alltägliche Schwierigkeiten, Mobbing in der Schule und der Verzweiflung, weil William doch nichts für seine Behinderung kann. Dabei werden diese Schattenseiten zwar angesprochen, dominieren aber nicht die Handlung. Soll heißen, sie sind da, sie werden nicht ignoriert und doch zeigt das Buch, dass trotz – oder gerade wegen – des Rollstuhls William ein wunderbares Abenteuer erleben kann. 

Waldsterben in Vertikow

Die Handlung: Peer Wesendonks zweiter Fall, diesmal geht es um einen Waldraub. Der ortsansässigen Firma wurden viele Bäume abgeholzt und geklaut. Nun steht diese vor dem finanziellen Ruin. Die Baronin höchst selbst beauftragt Peer mit den Ermittlungen, denn die Polizei soll nicht eingeschalten werden. 

Warum das Buch so wichtig ist: Was macht ein Organist, der seinem Beruf nicht mehr nachgehen kann, weil er nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt und nicht mehr die Treppen zur Orgel hochkommt? Genau Detektiv spielen und einen Mord aufklären. Dabei haben wir diesmal wirklich eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Thematik. Unser Protagonist sitzt jetzt schon ein bisschen länger im Rollstuhl als noch in Band Eins, kommt aber mit einigen Einschränkungen noch nicht so gut zurecht. Sein kleines Dorf ist nicht wirklich barrierefrei, auch wenn hier versucht wurde ein bisschen Abhilfe zu schaffen und auch wenn ihm die Bewohnenden viel versuchen zu helfen, so kämpft er doch mit der Frustration, hadert mit sich und seinem Körper und hinterfragt selbst seine Beziehung. Wir bekommen hier also eine schonungslose Erfahrung hautnah und bekommen als Bonus noch eine spannende Cozy Crime Geschichte. 

A sign of Affection – Staffel 1

Die Handlung: Yuki Itose ist gehörlos. Ihre Schulzeit hat sie auf dafür spezialisierten Schulen verbracht, nun stellt sie sich dem Unileben. Über Textnachrichten kann sie gut mit ihren Komilitoninnen kommunizieren und diese schreiben auch fleißig für sie mit. Durch Zufall lernt sie Itsuomi Nagi kennen, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt. Auch Itsuomi ist fasziniert von ihr und beginnt Gebärden zu lernen. Nach und nach kommen sich die beiden immer näher.

Warum die Serie so wichtig ist: Liebesgeschichten haben wir unzählige, aber wie ist es für gehörlose Menschen? Nur die wenigsten, die nicht unmittelbar mit einer betroffenen Person zu tun hat, spricht Gebärden. Genau das wird hier angesprochen und wir bekommen gleichzeitig einen guten Einblick in Yukis Alltag. Was sind Probleme, die wir hörenden Menschen gar nicht wahrnehmen. Allein, dass sie in der Uni auf die Hilfe der anderen angewiesen ist, dass diese für sie mitschreiben. Oder eben wie viel Kommunikation über das Smartphone geschieht. Hier werden die Barrieren im Alltag gut angesprochen, aber wir erleben Yuki trotzdem als starke Frau, die ihren Weg geht und versucht diese Barrieren zu umgehen oder gar abzubauen. Das Ganze verpackt als süße Liebesgeschichte, die sich mehr auf Gemeinsamenkeiten, denn auf Unterschiede besinnt. Mit Itsuomi haben wir auch einen sehr einfühlsamen Charakter, der Yuki verstehen will, um richtig reagieren zu können.

Echo – Staffel 1

Die Handlung: Maya Lopez hat Kingpin erschossen. Nun versucht sie seine Institution, der sie selbst einmal anhörte, zu destabilisieren. Dabei macht sie sich jedoch eine Menge Feinde. Für Unterstützung muss sie in ihre Heimatstadt zurückkehren. Doch nicht alle dort, nehmen sie mit offenen Armen wieder auf.

Warum die Serie so wichtig ist: Auch wenn die Serie an sich, nicht die gelungenste ist, so haben wir hier eine gehörlose Protagonistin, die zeitgleich mit einer Beinprothese zu kämpfen hat – in dem Sinne, dass diese nicht richtig angepasst ist und ihr daher immer mal wieder Probleme macht. Das Problem wird dadurch gelöst, dass sie eine Super-Prothese kriegt, die gefühlt alles kann. Das ist dann vielleicht nicht ganz im Sinne der Repräsentation, aber allein, dass wir sie als Antagonistin in Hawkeye und nun als Protagonistin in Echo haben und somit das MCU es auch endlich mal geschafft hat, ein wenig Repräsentation in das Superheldengenre zu bringen, ohne ihr gleich eine Wunderheilung zu verschaffen, ist schon hervorzuheben. Und auch, dass hier versucht wurde ihre Behinderung mit Technik anzugehen und hier aber deutlich dagegen gesprochen wurde, ist nur ein weitere Punkt, warum die Serie trotz der miesen Handlung hier einen Platz gefunden hat.

Queer Eye – Staffel 8 Folge 4

Die Handlung: Die Fab 5 sind Antoni, Tan, Karamo, Bobby und Jonathan. Sie sind alle schwul und haben jede Woche die gleiche Aufgabe. Sie reisen zu unterschiedlichen Menschen in Georgia, verbringen eine Woche mit ihnen und helfen ihnen wieder in Form zu kommen. Dazu gehört zum einen den Kleiderschrank auszumisten und die Körperpflege voranzutreiben, aber auch die Wohnung neu zu gestalten, das Kochverhalten zu überprüfen und die kulturellen und sozialen Kontakte zu überprüfen. In der vierten Folge der achten Staffel treffen sie auf Denton Mallas. Er ist gehörlos und arbeitet an einer Highschool, die spezialisiert auf gehörlose Kinder ist als Footballtrainer. Gleichzeitig setzt er sich für den Erhalt der Schule ein, obwohl immer weniger Kinder dort angemeldet werden.

Warum die Folge so wichtig ist: Man kann natürlich krisitieren, dass es acht Staffeln für diese Folge gebraucht hat, aber wir wollen mal nicht so sein und sie lieber positiv hervorheben. Da es sich in jeder Folge um andere Kandidat*innen handelt, geht es hier tatsächlich mal nicht um eine Serie oder eine ganze Staffel, sondern nur um diese Folge. Aber diese geht einfühlsam mit dem Thema um und zeigt eben auch die Realität der Kids an der Schule von Denton. Dabei steht auch mehr Dentons Engagement im Fokus und der Hilfe seinen Alltag etwas zu strukturieren, damit er dafür mehr eintreten kann, als dass die ganze Zeit auf seiner Behinderung herumgeritten wird, ohne diese aber herunter zu spielen. Gern mehr von diesen Folgen in der nächsten Staffel!

Habt ihr Empfehlungen für eine gute Repräsentation von Behinderungen in Film/Serien/Büchern? Dann immer her damit!

 

Natürlich Blond

Ein Vorwort

Nachdem ich mit meiner besten Freundin regelmäßig Film- und Serienquizze mache, ist uns aufgefallen, dass man Natürlich Blond meist relativ gut erkennt. Allerdings hatte ich den Film noch nie gesehen. Als Prime mir dann anzeigte, dass sie dabei waren die Filme aus dem Programm zu nehmen, habe ich das als Anlass genommen und mir gleich die ersten beiden Teile an einem Filmabend reingezogen. Wie ich sie fand, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Natürlich Blond

Die Handlung: Elle Woods studiert Mode und lebt auch für diese. Als ihr Freund ihr nicht den erwarteten Antrag macht, sondern sie abserviert, um in Harvard Jura zu studieren, schreibt sie sich ebenfalls ein und wird trotz eines unkonventionellem Bewerbungsvideo genommen. Doch ihr Freund ist inzwischen verlobt und glaubt auch nicht, dass sie ihr Studium schaffen könnte. Sie beschließt es allen zu zeigen, auch wenn ihr Weg, manchmal merkwürdig ist. 

Meine Meinung: Wir haben Anfang der 2000 Jahre und seichte Komödien sind voll im Trend. Neben einem Plötzlich Prinzessin und wie die ganzen Vertreter heißen, erblickt auch die Natürlich Blond Reihe das Licht der Kinos. Und für das angesprochene Genre macht der Film eigentlich eine ganz gute Figur. Zumindest, wenn man über eine ganze Reihe von fragwürdigen Handlungsentscheidungen hinwegsieht.
Das fängt schon am Anfang an, wo Elles einzige Motivation für das Jura-Studium in Harvard ist, dass sie ihren Ex-Freund zurückgewinnen will. Also ist – wie leider sehr oft – die Motivation der Frau die Liebe eines Mannes. Haben wir diesen Fakt einmal verdaut, macht der Film eine ganze Weile auch Spaß. Denn Elles ungewöhnliche Herangehensweise ist irgendwie gleichzeitig charmant und doch sehr lustig. Auch hier muss man wieder damit klar kommen, dass einer der begehrten Plätze in Harvard an jemandem mit sehr experimentellem Bewerbungsvideo vergeben wurde. bei dem sie größtenteils im Bikini und im Pool zu sehen war. Hat auch wieder eine fragwürdige Aussage, aber gut, sehen wir auch hier nochmal drüber hinweg. Dann haben wir natürlich noch den obligatorischen Zickenkrieg, weil natürlich die Verlobte von Elles Ex keineswegs begeistert über die Konkurrenz ist.
Aber genau hier schafft der Film dann seine Stärken zu zeigen. Denn die beiden freunden sich an und beweisen, dass Frauen mehr sind als nur das Drama um einen Mann. Die eigentliche Liebesgeschichte baut sich auch wunderbar dezent im Hintergrund auf und ist sehr süß geworden. Denn hier werden die eigentlichen Stärken von Elle auch erkannt. Auch die sexuelle Nötigung, die zwischendurch versucht wird, wird stark ausgespielt und auch hier ist die Message, dass Frauen alles schaffen können und nicht auf die Machtspiele der Männer angewiesen sind. So zeigt der Film gerade gegen Ende seine eigentliche Stärke, man darf halt vorher nicht abgeschalten haben.

Natürlich Blond 2 – Red, White & Blonde

Die Handlung: Im zweiten Teil plant Elle Woods, inzwischen als Anwältin praktizierend, ihre Hochzeit. Dafür will sie auch die leibliche Mutter ihres Hundes einladen. Dieser ist jedoch eingesperrt für Tierversuche. Ihre einzige Chance ist es, ein Gesetz gegen Tierversuche auf den Weg zu bringen. Also beschließt Elle kurzerhand ihre Kontakte in Washington aufzusuchen und dort eben dies zu versuchen. Dabei rennt ihr allerdings die Zeit weg, denn ihre Hochzeit steht bereits kurz bevor.

Meine Meinung: Nach dem ersten Film war ich irgendwie motiviert genug, um zu sehen, was der zweite Teil so kann. Und zunächst war ich positiv überrascht. Denn wir haben hier zwar auch den typischen Zeitsprung, aber es ist eben nicht alles wieder bei Null. Wir kriegen nicht wieder eine neue Liebesgeschichte präsentiert, weil die große Liebe plötzlich und unerwartet diese eben doch nicht war, sondern die Beziehung der beiden hat gehalten und sie stehen sogar kurz davor zu heiraten. Dann wurde ein Anlass gesucht, um Elle aus Uni und Anwaltskanzlei gleich ganz groß nach Washington zu kriegen. Das Thema Tierversuche wird dabei leider sehr einseitig behandelt und nicht größer diskutiert, sondern nur als Anlass genommen, um Elle das politische System ordentlich durchwirbeln zu lassen.
Und hier muss man auch einfach wieder über eine ganze Menge Logiklöcher hinwegsehen, denn so einfach, wie es dargestellt ist, ist das System natürlich nicht. Und auch Elle kommt nur durch eine ganze Menge Zufälle ans Ziel, weil gefühlt jede zweite Person bei ihrer Studentinnenverbindung dabei war oder ebenfalls Tiere besitzt. Aber wenn man darüber hinwegsehen kann, macht der Film wieder gute Laune. Reese Witherspoon lebt auch einfach ihre Rolle als Elle Woods.
Leider wurde das ein wenig zu sehr ausgereizt und irgendwann ist ihr sonniges Gemüt durchaus ein wenig angestrengend. Hat der Zusammenhalt der Frauen im ersten Teil am Ende noch gut funktioniert, wirkt hier alles ein wenig zuviel. Es musste einfach überall noch eine Schippe drauf gelegt werden und das bekommt dem Film nicht. Damit kann der zweite Teil zwar durchaus noch unterhalten, wenn man über die sehr konstruierte und unlogische Handlung hinwegsieht, aber kommt nicht mehr mit einer starken Botschaft am Ende daher. Lediglich die Liebesgeschichte, die sich weiter durch den Film zieht, ist mal ein schönes Beispiel.

Das Fazit

Die Natürlich Blond Reihe reiht sich in die typischen 2000er seichten Komödien ein, macht dabei keine allzu schlechte Figur für die Verhältnisse, kann in seiner Gesamtheit aber nicht wirklich überzeugen. Für ein paar kleine Lacher an einem verregneten Sonntag kann man sich aber gerade den ersten Teil doch einmal geben.

Haikyu!! – Das Playoff der Müllhalde

Ein Vorwort

Nach vier Staffeln voller Volleyball-Action aus Japan wird Haikyu nicht mit einer fünften Staffel, sondern mit Kinofilmen fortgesetzt. Den Anfang macht das lang ersehnte und seit Staffel Eins angeteaserte „Playoff der Müllhalde“ gegen Nekoma. Ob die Spannung auch über einen ganzen Film gehalten werden kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Filmklappe mit Kinokarte und selbstgemaltem Titel zum Film Haikyuu mit zwei Mangabänden und einem Acrylständer zu der Reihe.

Die Handlung

Die Oberschule Karasuno hat es ins Achtelfinale der japanischen Meisterschaften im Volleyball geschafft. Hier stehen sie nun der Nekoma Oberschule gegenüber, die sie bereits aus vielen Testspielen kennen. Zumal die beiden Teams eine lange Geschichte haben. Anpfiff für das Schlacht am Müllplatz.

Meine Meinung

Vier Staffeln hat es gebraucht, um endlich zu dem lang angeteaserten Play-off an der Müllhalde zu kommen. Nun sollte dies auch nicht über eine weitere Staffel, sondern über einen Kinofilm geschehen. Die Zweifel waren groß, immerhin fehlten noch etliche Mangakapitel bzw -bände. Zumindest soll noch ein zweiter Film kommen, aber ob der es schafft die Geschichte final zu erzählen, bleibt auch abzuwarten.
Aber zunächst soll es um den bereits erschienen Film gehen. Hier werden wir ohne große Exposition ziemlich direkt in das Spiel gezogen. Nochmal kurz die wichtigsten Charaktere kurz gezeigt, schon geht es los. Hier ist deutlich, dass es sich nicht um einen unabhängigen Film handelt, sondern dieser direkt die Animeserie fortführt. Zunächst wirkt das fast enttäuschend, weil für die zuschauenden Fans hier viele Gefühle dran hängen – was man schon an den unzähligen Cosplays im Kino gesehen hat. Doch die Geschichte baut sich um das Spiel herum auf und wir bekommen Rückblenden geboten, die die Intensität zwischen den Charakteren noch einmal verdeutlicht. Hier wird das Augenmerk auch stark auf Nekoma gelegt, denn über die Jungs der Karasuno haben wir in den vier Staffeln bereits sehr viel erfahren, da es sich immerhin um ihr Team dreht.
Wir bekommen mehr Einblicke in die tiefe Freundschaft von Kuroo und Kenma, aber auch wie Kenma zu Volleyball steht, und wie er seine Fähigkeiten einsetzt, obwohl er eigentlich kein Fan von Sport ist. Das wird dann auch schnell das Hauptaugenmerk des Films, denn er setzt die Taktiken der Nekoma und versucht so die Karasuno immer wieder auszuspielen. Diese versuchen zwar dem ganzen etwas entgegen zu setzen, aber müssen ihre Schwächen eingestehen.
Es wird eine nervenaufreibende Jagd um den nächsten Punkt und man hat dem ganzen Kinosaal angemerkt, wie die Spannung auf jeden einzelnen überging. Bei jedem Ballwechsel wurde mitgefiebert und die Macher des Films wussten ganz genau, wie sie mit den gezeigten Informationen umzugehen hatten. So gab es zwischenzeitlich immer mal wieder Fragezeichen über den Köpfen der Zuschauenden, die zwar kurz danach aufgeklärt wurden, aber so fühlte man sich noch einmal mehr mitten im Film, statt nur als Zuschauender auf eine Leinwand. Geschickt wurden die Emotionen aller gesammelt und man konnte beinahe spüren, wie das ganze Kino kollektiv den Atem anhielt, wenn es um die Entscheidung ging, ob beispielsweise ein Ball im Aus war oder nicht.
Kurzum jeder Haikyu Fan kommt hier klar auf seine Kosten. Es ist spannend, es ist intensiv und die Emotionen sind auf dem Höhepunkt. So sehr habe ich wohl seit dem Finale von Staffel Drei nicht mehr mitgefiebert. Dennoch wird auch über das Spiel hinaus mehrere Geschichten erzählt, die uns nochmal Charaktere näher bringen. Also alles, was das Fanherz begehrte.

Das Fazit

Haikyu!! – Das Playoff der Müllhalde bietet alles, was sich Fans wünschen konnten. Starke Konzentration auf das Spiel, aber auch viel charakterbasiert und kann über die ganze Filmlänge Spannung und Emotionen halten und weiß durch geschickte Erzähltechniken diese voll auszunutzen. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Haikyu!! – Das Playoff der Müllhalde läuft seit dem 25.06.2024 in den deutschen Kinos

Alles steht Kopf 2

Ein Vorwort

Pixar war irgendwie nie das Studio, was meine Lieblingsfilme produzierte. Mit Toy Story, dem Steckenpferd, konnte ich nie etwas anfangen und nach ein paar ganz süßen Filmen, wie Findet Nemo, kamen auch nicht so die Filme, die mich unbedingt interessierten oder begeistern konnten. Bis 2015 Alles steht Kopf heraus kam. Der Film konnte mich nachhältig begeistern und hat einen ewigen Platz in meinem Herzen bekommen. Umso aufgeregter war ich, dass nun nach fast 10 Jahren doch noch ein zweiter Teil herauskam. Gleichzeitig war die Angst groß. Was, wenn er mit meinen Erwartungen nicht mehr mithalten konnte? Ob diese Befürchtung berechtigt ist oder nicht, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Riley ist inzwischen 13 Jahre alt und plant mit ihren Freundinnen an einem Eishockey-Camp teilzunehmen. Doch dort eröffnen ihre Freundinnen ihr, dass sie im nächsten Jahr nicht auf die gleiche Highschool gehen werden. Gleichzeitig herrscht in Rileys Kopf helle Aufregung, denn nicht nur wurde die Kontrollkonsole der Emotionen angepasst, es ziehen auch vier neue Emotionen ein. Und gerade Zweifel versucht das beste aus Rileys Situation rauszuholen, sieht in Freude aber eine Bedrohung. Kann das gut gehen?

Meine Meinung

Während wir im ersten Teil die Emotionen Freude, Ekel, Wut, Angst und Kummer kennenlernten und die Probleme nach einem Umzug in eine neue Stadt durchlebten, steht nun die Pubertät vor der Tür. Riley durfte also auch in der Zeit zwischen den Filmen wachsen und sich weiter entwickeln.
Und wie es so in der Pubertät üblich ist, treten die Emotionen wesentlich stärker auf, die Stimmungsschwankungen sind größer und ganz neue Probleme treten auf. Dies wird im Film verdeutlicht durch das Auftauchen von vier neuen Emotionen. Während Peinlich, Neid und Ennui (französisch für Langweile und wird als Emotionen mit der typischen Kein Bock Einstellung von Pubertierenden gleichgesetzt) vergleichsweise kleine Auftritte haben, ist es vor allem Zweifel, die hier voll in ihrem Element ist.
Und auch, wenn sie zwischendurch beinahe als Antagonistin genutzt wird, ist der Beweggrund die Geschichte so zu erzählen, durchaus nachvollziehbar. Denn Entscheidungen, die man früher ganz anders getroffen hätte, bekommen nun auf einmal eine ganz neue Wichtigkeit. Das Bedürfnis dazuzugehören und die Angst vor der Zukunft (die hier auch Zweifel zugesprochen wird) sind vermutlich jedem noch gut bekannt.
So werden die Themen der Pubertät gut angesprochen und die Entwicklung zur Akzeptanz der eigenen Zweifel wird gut aufgezeigt. Manko an der Geschichte ist allerdings, dass dieser komplette Pubertätsentwicklungsschritt an einem einzigen Wochenende erzählt wird. Dass das natürlich länger Zeit braucht und teilweise auch im Erwachsenenalter noch nicht geschafft ist, kommt leider etwas zu kurz. Aber so ist das nun mit einem Film, der eine begrenzte Länge hat.
Auch wird hier vieles aus dem ersten Film wieder verwertet, so dass das Entdecken des Kopfes und wie sich alles vorgestellt wird, etwas kürzer kommt. Zeitgleich ist es natürlich auch verständlich, weil es nicht logisch wäre, hier alles abzuändern, und die ein oder andere Neuerung wurde auch versucht einzuführen, wie beispielsweise das Ich-Gefühl. Dennoch fehlt ein bisschen das Neu-Gefühl und insgesamt kann der Film durch weniger Innovativität punkten. Das ist aber auch einfach das Schicksal einer Fortsetzung.
Dennoch hat der Film wieder seine deutlichen Stärken und beweist wieder einmal das Feingefühl, sowohl Jung als auch Alt abzuholen und einen Film zu schaffen, den man auch gut mit Kindern schauen kann, um einige Dinge zu erklären und besprechen zu können. Gerade in Vorbereitung auf die Pubertät ist der Film gut geeignet, schafft es aber auch darüber hinaus zu unterhalten.
Mit ein paar weniger zitierfähigen Onelinern, dafür aber nochmal mehr Tiefgang als der erste Film, schafft er es seine positive Grundhaltung aufrecht zu halten und zeigt wieder einmal, was Animationsfilme noch alles können. Der Kinobesuch lohnt sich dafür auf jeden Fall!

Das Fazit

Alles steht Kopf 2 bleibt zwar im Schatten seines herausragenden ersten Teils zurück, schafft es aber wieder, mit kleineren Abstrichen, eine tolle Geschichte zu erzählen, mit ordentlich Tiefgang und doch kindergerecht zum verstehen. Ein Spaß für Jung und Alt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Alles steht Kopf 2 läuft seit dem 13.06.2024 in den deutschen Kinos

Sommerlektüren – Ausgabe 2024

Es ist Sommer!
Und da ich frisch von einer Auszeit an der Küste komme, wird es doch direkt wieder Zeit für meine alljährlichen Sommerlektüren. Drei Bücher habe ich mir dieses Jahr herausgesucht und stelle euch die heute vor – natürlich mit Sommerlektürenfaktor!
Die Beiträge der letzten Jahre findet ihr hier: 2023 2022 2021 2020 2019

Wie das Leuchten von Bernstein

Die Handlung: Marie ist glücklich mit ihrem Verlobten und ihren Blumenladen in München. Doch als beides zerbricht, bleibt ihr nichts anderes übrig als zu ihrer Oma nach Hiddensee zu fliehen. Der Ort, von dem sie damals ebenfalls geflohen ist und nie zurückkehren wollte.

Meine Meinung: Sommer, Sonne, Strand, ab und an mal ein kleineres Gewitter. Das ist die Situation in Das Leuchten von Bernstein, die sehr gut zu meinen üblichen Sommerlektüren passt. Auch die Pension ihrer Oma und die Liebe zum Essen und Kuchen passt perfekt. Auch über die Situation, wie sie nach Hiddensee kommt, die schon etwas konstruiert wirkt, kann man noch gut hinwegsehen. Die Charaktere sind liebevoll gestaltet, auch wenn mir eine gewisse Inselschamanin zwischendurch ein bisschen zu überzeichnet war. Leider ist es gerade die Liebesgeschichte, die Schwächen aufweist. Denn die Geschichte, wie sie sich von ihrer Jugendliebe entfernt hat, nur um ihn jetzt wiederzutreffen, hätte schon in wenigen Sätzen geklärt sein können. Stattdessen wurde viel Drama gemacht, anstatt, dass Leute mal miteinander reden. Doch auch hier gab es witzige Szenen und ich bin durch den angenehmen Schreibstil gut durch die Seiten geflogen. Aber am Ende kommt dann doch alles etwas schnell und übertrieben und nimmt irgendwie den Wind aus den Segeln. Zumal mir erst dann aufgefallen ist, dass „Dein Flüstern im Meereswind“, das ich 2022 gelesen habe, tatsächlich der zweite Band dazu ist und ich so den Ausgang irgendwie schon kannte. Grundsätzlich also kein schlechtes Buch, aber irgendwie doch zu viele Stolpersteine, um sich gänzlich drin verlieren zu können.

Sommerlektürenfaktor: ****

Nordseesterne

Die Handlung: Louisa wollte immer Köchin werden. Stattdessen arbeitet sie in der Firma ihrer Mutter und sieht sich einem Antrag des stellvertretenden Chefs gegenüber. Von ihrer Mutter gedrängt, kommt sie nicht einmal dazu, den Antrag abzulehnen, doch ein Gehirntumor ihrer Mutter veranlasst die beiden zu einer Auszeit in Greetsiel. Die Heimat ihrer Mutter birgt einige Überraschungen. Und dann ist da Holger, der Koch, dem Louisa aushilft, und ihr Herz höher schlagen lässt.

Meine Meinung: Eigentlich wollte ich von der Autorin das Buch „Strandkorbbriefe“ lesen, habe aber beim Bestellvorgang festgestellt, dass es erst im nächsten Jahr erscheint und ich beim Stöbern in den Vorschauen wohl darüber gestolpert bin. Dabei fiel mir aber auch auf, dass es der zweite Teil der Nordsee-Reihe der Autorin Marie Merburg sein wird und warum dann nicht mit Band Eins anfangen? So richtig warm geworden bin ich mit der Geschichte leider nicht. Louisas Mutter war so unsympathisch und unfassbar übergriffig, dass sich keine richtige Mutter-Tochter-Geschichte aufbauen konnte. Immer, wenn die Annäherung stattfand, kam ein neues Geheimnis der Mutter ans Licht, was alles wieder zunichte machte. Die Geschichte rund um Holger, das Restaurant und die typischen ostfriesischen Gerichte war dann schon deutlich angenehmer und barg eine schöne Liebesgeschichte. Sobald es um den Teil ging, habe ich das Buch sehr gern gelesen, leider mussten wir immer wieder zum anderen Plotstrang zurückkehren. So ist das Buch insgesamt nicht wirklich schlecht, aber teilweise schwierig und keinesfalls eine fluffige Sommergeschichte.

Sommerlektürenfaktor: **

Herzklopfen im kleinen Bonbonladen am Meer

Die Handlung: Marla träumt schon ihr ganzes Leben davon nach Sylt zu ziehen. Als sie kurz davor ist, sich ihren Traum zu erfüllen, taucht ich Freund Johann einfach ab. Kurzerhand versucht Marla das beste aus der Situation zu machen und besucht eine Freundin auf der Insel. Schon auf dem Autozug lernt sie den sympathischen Peer kennen, der sie ins Zuckerhüs einlädt, dem Bonbonladen seiner Großmutter. Dort verliebt sich Marla nicht nur in den kleinen Laden. Doch kann ein Neuanfang so einfach sein?

Meine Meinung: Der Anfang erinnerte mich sehr an „Wie das Leuchten von Bernstein“, was irgendwie ein seltsamer Zufall in diesem Jahr war. Doch das Buch schafft sich schnell davon zu distanzieren und eine eigene Geschichte zu erschaffen. Wir haben hier Sonne, Strand, Meer und die Autorin versuch möglichst viel vom Charme der Insel einzufangen. Das gelingt ihr auch stellenweise sehr gut, auch wenn es manchmal fast zu viel ist. Die ganzen Orte werden zwar gut beschrieben, aber ich bin einfach nicht richtig reingekommen. Obwohl ich es sogar in meinem Strandurlaub gelesen habe und selbst im Strandkorb saß, das Rauschen der Wellen und das Kreischen der Möwe im Ohr, konnte sich die Urlaubsstimmung des Buches nicht auf mich übertragen. Vielleicht liegt es auch an der Handlung, denn die ist ganz schön konstruiert. So oft, wie sich Marla und Peer „zufällig“ über den Weg laufen, ist es einfach nicht mehr glaubwürdig. Gefühlt in jedem Kapitel treffen sie sich ganz zufällig wieder. Und das, obwohl Sylt mehrere Orte hat und durchaus zu den größeren Inseln zählt. Wenn man darüber hinwegsehen kann, bekommt man aber eine schöne Liebesgeschichte und gerade die Szenen im Zuckerhüs sind zuckersüß. Und auch, wenn der Anfang sich ganz schön zieht, gibt das Ende noch einmal ordentlich Gas. So ist es hintenraus doch irgendwie eine schöne Geschichte, braucht aber viel zu lange, um sich zu entwickeln und dreht sich zwischendurch einmal zu oft im Kreis.

Sommerlektürenfaktor: ***

Habt ihr eins der Bücher gelesen? Wie hat es euch gefallen?

Furiosa – A Mad Max Story

Ein Vorwort

2015 konnte George Miller mit Fury Road beweisen, wie gute Action geht. Trotz geringer Handlung war man an die Filmleinwand gefesselt und kam aus dem Staunen kaum heraus. Nun beinahe 10 Jahre später darauf ein Spin-off zu gestalten, ist irgendwie schon ein Zeichen dafür, dass es Hollywood weiterhin an neuen Ideen fehlt. Warum auch der Film nicht wirklich überzeugt, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Inmitten einer größtenteils unbewohnbaren Welt wächst Furiosa im grünen Tal auf, eine grüne Oase im Outback. Von dort wird sie entführt und Dementus, dem Anführer einer Motorradgang, gebracht, der sie adoptiert, um den Weg zum grünen Tal zu erfahren. Doch selbst die Folter ihrer Mutter, die ihr folgte, bringt Furiosa nicht zum reden. Also versucht Dementus stattdessen die Zitadelle von Immortan Joe einzunehmen.

Meine Meinung

Furiosa trägt den Beinamen A Mad Max Story, da namensgebender Herr nicht auftaucht. Furiosa – ein Drama in fünf Akten wäre aber genauso passend – oder gar passender – gewesen. Denn der Film ist tatsächlich in fünf Akte unterteilt, wie wir direkt am Anfang erfahren. Inklusive Schwarzblende und Kapitelüberschrift. Diese fünf Sinnabschnitte der Geschichte sind zwar irgendwie zusammenhängend, zeigen aber auch, dass in der Geschichte immer wieder größere Zeitsprünge dabei sind. Denn von Furiosas Kindheit bis zum Beginn von Fury Road ist so ziemlich alles dabei. Die einzelnen Abschnitte lassen sich dennoch zu einer großen Geschichte zusammenfügen.
Dabei haben sie alle das gleiche Problem: Sie sind viel zu lang. Hatte Fury Road eine Lauflänge von 120 Minuten, bringt es die Vorgeschichte nun auf stattliche 148 Minuten. Macht durchschnittlich ca. 30 Minuten pro Abschnitt. Diese haben aber selten genug Handlung dafür bzw. wiederholen sich auch gern in ihrem gezeigten immer wieder. So haben wir nicht eine atemraubende Verfolgungsjagd, die in allen Facetten gezeigt wird und in ihrer Brachialität die Zuschauenden vom Hocker zu hauen weiß, sondern immer wieder einzelne Verfolgungsjagden, die aber nie an den Vorgänger heran zu kommen weiß. Dabei will er natürlich auch kein zweites Fury Road sein.
Die Actionszenen sind zwar weiterhin auf hohem Niveau, aber die Verfolgungsjagden scheinen sich einfach nur zu doppeln und holen einen einfach nicht mehr ab. Egal, wie viel Zerstörung angerichtet wird und wie gut die Stunts aussehen. Man hat sie gesehen und dabei bleibt es. Hier hätte es vermutlich wirklich geholfen, wären die Abschnitte zusammengekürzt worden. Auch der Soundtrack kann nicht so richtig für Spannung sorgen. Nur, wenn das Theme aus Fury Road wieder eingespielt wurde, hatte ich einmal mehr das Gefühl voll in der Szene drin zu sein. Darüber hinaus hatte der Soundtrack keinerlei Wiedererkennungswert.
War ich nach dem Trailer von der Besetzung von Anya Taylor-Joy und Chris Hemsworth nicht wirklich überzeugt, so kann der Film doch zeigen, dass die beiden defintitiv nicht das Problem sind. Während Hemsworth seine Rolle geradezu lebt, zeigt Taylor-Joy endlich mal wieder, warum sie als Schauspielerin so groß gefeiert wird. Denn gerade in ihren letzten Filmen hatte ich das Gefühl, dass sie ihren halb arrogant-herablassenden Gesichtsausdruck zu sehr perfektioniert hatte, um ihn wieder ablegen zu können. Sei es in Das Damengambit, Last Night in Soho, New Mutants oder zuletzt The Menu überall war dieser typische Gesichtsausdruck omnipräsent. Doch diesen vermochte sie durchaus abzulegen und konnte ihre Furiosa gut umsetzen und die Emotionen gut rüberbringen, auch wenn vieles gewollt hinter einer unbeeindruckten Fassade blieb.
So hatte Furiosa eine interessante Protagonistin, deren Geschichte durchaus Potential hatte, gute Schauspieler und ein gutes Setting. Abe durch die Länge und die Wiederholungen bei der Action, konnte er mich nicht final abholen.

Das Fazit

Furiosa bietet eine interessante Vorgeschichte der namensgebende Protagonistin, schafft es aber nicht sich über die Länge zu halten, da alle fünf Akte zu lang geraten sind. Selbst ein tolles Setting und gute engagierte Darstellende konnten die Langatmigkeit nicht aufhhalten. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Furiosa – A Mad Max Story läuft seit dem 23.05.2024 in den deutschen Kinos

Eine Handvoll (oder mehr) Bücher – 5/24 – Pride Month Special

Es ist Juni und damit Pride Month. Bedeutet, dass jedes Jahr im Juni die LGBTQIAP+ Gemeinde zu verschiedenen Veranstaltungen, inkl. dem Christopher Street Day, aufruft und so für ihren Kampf auf Gleichberechtigung aufmerksam macht. Beginnend waren die Stonewall Unruhen von 1969, die als Beginn des Kampfes für Rechte und Gleichberechtigung angesehen wird. Wir haben seitdem einen wunderbaren Wandel in vielen Ländern erlebt, aber noch immer sind wir weit von realer Gleichberechtigung entfernt. In diesem Beitrag soll es um ein paar Lesetipps gehen, die sich mit LGBTQIAP+ befassen. Es handelt sich lediglich um eine kleine Auswahl, gerne könnt ihr mit eure liebsten Bücher zu diesem Thema nennen.

Loveless

Die Handlung: Georgia hat nur ein Ziel: Geküsst zu werden, bevor es aufs College geht. Doch sie verspürt so gar keine Anziehung zu egal welchem Geschlecht. Auch auf dem College geht die Sehnsucht weiter. Küssen und Beziehungen gehören doch zum Erwachsen werden Prozess dazu, oder? Doch wieso fühlt Georgia nichts davon?

Warum das Buch so wichtig ist: Mein erster Roman von Alice Oseman und definitiv nicht der Letzte! Hier haben wir auch eine Repräsentation, die noch mit am wenigsten im Buchmarkt vorhanden ist (belehrt mich gern eines besseren): Das A in LGBTQIAP+. Wir reden von Ace und Aro, also A-Sexualität und A-Romantik. Hier herrschen noch so viele Vorurteile und die Unaufgeklärtheit ist selbst in queeren Reihen teilweise noch stark vertreten, was hier ebenfalls wunderbar angesprochen wurde. Es geht nicht nur um Georgia, sondern auch um ihr Umfeld, deren Reaktionen und auch die Reaktionen in einer queeren Gruppe, die eigentlich unterstützen sollte. Ein Buch, das mit der Nähe zur Protagonistin so viel Aufklärungsarbeit leistet und doch immer wieder betont, dass sie nur eine Geschichte von vielen erzählt und es nicht alle als gleich erleben.

Boris

Die Handlung: Boris, ein Vampir, hat seine Ausbildung beim thaumaturgischen Notdienst beendet und fängt in der Abteilung von Martin van Helsing, ein Werwolf, an. Gleich an seinem ersten Tag gibt es einen Anschlag auf eine Blutbank und kurz darauf eine gescheiterte Vampirverwandlung. Boris lassen beide Fälle nicht los. Gibt es eine größere Verschwörung? 

Warum das Buch so wichtig ist: Während die queere Repräsentation in Liebesromane schon deutlich zugenommen hat, wie meine diesjährige Auswahl zeigt, so sind die anderen Genres leider noch etwas schwieriger zu finden. Denn auch, wenn ich versuche diese Liste so breitgefächert wie nur möglich zu gestalten, waren diesmal einfach kaum andere Bücher dabei (vielleicht sind sie auch einfach nur an mir vorbei gegangen). Aber mit Boris haben wir die Genres Fantasy und Krimi abgedeckt. Das Spin-off zur Mona Reihe beschäftigt sich diesmal mit Boris. Dieser ist in seinen Vorgesetzen verknallt. Das wird auch immer wieder mit thematisiert, aber an vorderer Stelle steht die Charakterentwicklung und der Kriminalfall. Wir treffen auch wieder auf das polyamuröse Dreiergespann aus dem letzten Mona Band, was mich zusätzlich noch freute.

You are my sun

Die Handlung: Jae-Sun hat sich seinen Traum erfüllt und seinen eigenen Mangaladen eröffnet. Seit zwei Jahren beobachtet er nun schon den schweigsamen Henry, der jeden Freitag kommt, um ein Gacha zu ziehen. Bis er sich endlich traut ihn um ein Treffen zu bitten. Doch Jae-Sun muss mit seiner Angst vor Ablehnung zurecht kommen und auch Henry trägt Geheimnisse mit sich rum.

Warum das Buch so wichtig ist: Hier haben wir die Geschichte einen jungen Mangabesitzers, der sein Coming Out bereits hinter sich hatte und seines Schwarms, der erst nach und nach versucht sich und seine Sexualität zu entdecken. Der sich auch gar nicht labeln möchte, sonder nur weiß, dass er verliebt ist. Doch die beiden haben beide ihre Probleme, sei es mit Zurückweisungen, weil sie einfach zu oft schon erlebt wurden, oder mit der erfahrenen Ausgrenzung durch Queerness. Das alles ist leider real und in dieser wunderbaren Geschichte verarbeitet.

The 99 boyfriends of Micah Summers

Die Handlung: Micah hatte in seinem Leben bereits 99x einen Crush auf einen Jungen. Diese hat er auf seinem Instagramkanal als Zeichnungen festgehalten. Leider hatte er aber noch nie ein Date bzw eine Beziehung. Mit Crush 100 soll alles anders werden. Und als er in der Bahn den perfekten Jungen trifft, ist er sich sicher. Das ist Crush 100. Aber sie wurden getrennt, ehe er auch nur den Namen erfahren konnte. Und so beginnt eine Suche durch Chicago. 

Warum das Buch so wichtig ist: Hier haben wir eine Geschichte, die zeigt, dass es als queerer Mensch halt auch schwierig sein kann, wenn man einen Crush hat, aber einfach nicht weiß, ob der andere ebenfalls passend queer ist. Als hetero Mensch ist die Auswahl einfach wesentlich größer. Und selbst, wenn alles zu passen scheint, ist eben doch nicht alles sofort perfekt. Und ganz nebenbei ist es auch einfach eine süße Geschichte.

Wie Wellen im Sturm

Die Handlung: Louise bekommt die Chance ihr Schreibtalent im Internat Schloss Mare zu verbessern. Dafür lässt sie ihre Familie zurück und stellt sich der ganz neuen Welt. Im Fußballteam findet sie schnell Anschluss und Freundinnen. Nur ihre Mitbewohnerin Mika ist ziemlich verschlossen, vor allem da Louise durch Zufall ein Geheimnis von ihr erfährt. Zeitgleich schlägt ihr Herz in Mikas Nähe unglaublich schnell. Was haben diese Gefühle zu bedeuten? 

Warum das Buch so wichtig ist: Auch hier haben wir eine queere Liebesgeschichte, diesmal reden wir über das L in LGBTQIAP+. Auch dieses kommt gefühlt immer noch kürzer als das männliche Pendant. Da wir hier auch ein relativ junges Paar haben, geht es hier auch viel um Selbstfindung, um das akzeptieren der eigenen Sexualität und natürlich auch um Coming Outs. Wir lernen, wie man als Ally helfen kann, wie man richtig zuhört und den Leuten ihre eigenen Entscheidungen überlässt. Auf jeden Fall eine Empfehlung und ich freu mich auf weitere Teile der Reihe.

Check & Mate

Die Handlung: Mallory hat Schach einst geliebt, doch inzwischen scheint es ihr ein Fluch zu sein. Doch als sie in einem Wohltätigkeitsturnier ausversehen den amtierenden Weltmeister Nolan Sawyer schlägt, wird sie wieder in die Welt des Profischachs gerissen. Denn Nolan will unbedingt erneut gegen sie antreten und Mallory braucht Geld für ihre Familie.

Warum das Buch so wichtig ist: Wieso das Buch drin ist, obwohl wir hier doch eine typische hetero Romanze zwischen einer Frau und einem Mann haben? Weil es das eben genau nicht ist. Mallory ist Bi und geht damit auch offen um. Sie hat sowohl Ex-Freunde als auch Ex-Freundinnen und nur, weil sie sich in diesem Buch in einen Jungen verliebt, macht sie das nicht weniger queer oder gar hetero. Bi-Sexuelle Menschen haben es in der Gemeinschaft immer noch sehr schwer, weil ihnen gern von beiden Seiten die Sexualität aberkannt wird. Nicht queer genug für die einen, weil sie eben auch in heteronormativ-gelesenen Beziehungen sind, und doch zu queer für die Heteronormative Mehrheit. Es ist auch nicht so, dass bisexuelle Personen sich nicht entscheiden können. Daher mag ich die Repräsentation in diesem Buch, wo offen damit umgegangen wird. Zwar werden die genannten Probleme hier ausgeschwiegen, da Mallorys Sexualität niemanden stört, aber der Fokus liegt hier auch auf Schach und der Charakterentwicklung. Trotzdem finde ich es schön, wenn bi sein auch einfach mal als normal dargestellt wird.

Die Kunst des Verschwindens

Die Handlung: Nico trifft durch Zufall die Schauspielerin Ellen Kirsch und freundet sich mit ihr an. Während jede Begegnung mit ihr, sich beinahe magisch anfühlt, scheint Ellen etwas zu bedrücken. Und dann verschwindet die Schauspielerin ohne ein Wort. Doch Nico kommt mit der Leere, die ihr Verschwinden hinterlassen hat, nicht zurecht. 

Warum das Buch so wichtig ist: Die Kunst des Verschwindens ist keine normale Romanze, sondern ein sehr nachdenkliches Buch. Durch die Aufmachung und Vermarktung gehört es vermutlich eher zur „gehobenen“ Literatur, also mit einem höheren Anspruch als der reinen Unterhaltung. Wir haben hier philosophische Ansätze und generell ist die Geschichte sehr nachdenklich. Und das schönste? Eine der beiden Protagonistinnen ist lesbisch und geht damit auch offen um. Also praktisch queere Repräsentation in einem Buch, das nicht unbedingt für eine junge Zielgruppe geschrieben wurde, zumal die Protagonistinnen auch schon etwas älter sind. Weil man eben nicht im Älterwerden merkt, dass alles nur „eine Phase“ ist.

Was sind eure queeren Leseempfehlungen? Schreibt mir gern!

IF

Ein Vorwort

Ryan Reynolds hat sich in letzter Zeit einen gewissen Ruf für Komödien erworben, beispielsweise mit Free Guy oder seiner ikonischsten Rolle Deadpool. So warb auch IF wieder mit witzigen Szenen und einem gewissen Humor. Trotzdem hat mich das Thema genug gereizt, um ins Kino zu gehen. Warum ich einen gänzlich unerwarteten Film, aber dennoch einen herzerwärmenden, bekam, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Bea ist 12 Jahre und hat bereits ihre Mutter an den Krebs verloren. Nun ist ihr Vater für einen Eingriff im Krankenhaus, weswegen sie seit Jahren wieder bei ihrer Großmutter einzieht. Dabei begegnet sie zwei merkwürdigen Wesen aus dem Dachgeschoss und einem Mann namens Calvin, der diese zu betreuen scheint. Es stellt sich heraus, dass es sich dabei um IFs, also ehemalige imaginäre Freunde handelt, deren Kinder inzwischen erwachsen sind. Bea nimmt sich der Aufgabe an, ihnen neue Kinder zu suchen und taucht dabei ein eine faszinierende Welt ein.

Meine Meinung

Zu Beginn war ich ja ein wenig skeptisch, was IF sein will. Witzige Kindergeschichte? Trauriges Drama? Ein typischer Film mit Ryan Reynolds, der zumindest in letzter Zeit ein Faible für ähnliche Rollen seit seinem Erfolg mit Deadpool. Sei es Free Guy, Killer’s Bodyguard (inkl. des desaströsen zweiten Teils) oder auch sein Meisterdetektiv Pikachu. Schon der Trailer schwankte irgendwie zwischen süßer Kindergeschichte und doch wieder dem bekannten Humor aus zuvor genannten Filmen – wenn auch weiterhin kindertauglich. Zeitgleich haben wir John Krasinski als Regisseur, der zuvor mit seinen A Quiet Place Filmen zwar überzeugen konnte, sich dort jedoch im Horrorgenre aufhielt. Nun auf einmal ein Kinderfilm. Konnte das funktionieren?
IF ist davon alles und zeitgleich nichts. Aber fangen wir doch am Anfang an. Denn hier dachte ich kurz augenrollend, dass Disney ihre traurige Vorgeschichte zurück haben will. Aber nein, schon hier beweist der Film sein Feingespür dafür komplexe Geschichten mit wenigen Bildern lebendig werden zu lassen. Wir erkennen die tiefe Verbundenheit der Familie, die zwar von der Krebserkrankung der Mutter geprägt ist, sich aber dennoch an den schönen Seiten des Lebens fest hält. Hier wurde nicht mit aller Macht auf die Tränendrüse gedrückt, sondern die kamen ganz natürlich, weil wir den Schmerz trotz der schönen Bilder fühlen konnten.
Dann müssen wir die Situation erst einmal neu erfassen. Bea kommt zu ihrer Großmutter, hat sich aber deutlich von ihrer Kindheit distanziert. Man erkennt den Schmerz über den Tod ihrer Mutter hinter der Fassade. Ihr Vater ist nun auch im Krankenhaus. Hier dauerte es ein wenig, um zu erkennen, dass es sich bei ihm eigentlich nur um einen kleinen Eingriff handelt, denn Beas Angst ist greifbar, nun auch ihr verbliebendes Elternteil zu verlieren.
Ab hier beginnt auch die Geschichte mit den IFs. Relativ spät, da wir vorher viel Exposition hatten, was aber für die Charakterentwicklung durchaus angebracht war. Auch die Welt und die verschiedenen IFs lernen wir nach und nach kennen und hier kommen beim Schmunzeln defintiv nicht nur Kinder auf ihre Kosten. Die Welt wird schrittweise vorgestellt und wird immer faszinierender. Hier zeigt sich einmal mehr die faszinierende Fantasy eines Kindes, die mit wundervollen Bildern gezeigt wird. Hiervon hätte es gerne mehr geben dürfen, aber die Geschichte hat andere Pläne.
Grundsätzlich ist der Trailer einfach schlecht geschnitten, da er tatsächlich die wenigen rein lustigen Szenen zeigt und so ein ganz falsches Gefühl des Films vermittelt. Denn er hat zwar seine witzigen Parts, aber geht doch viel tiefer. IF ist wie eine Umarmung an unsere Kindheit und zeigt, wie schön es ist, ein Kind zu sein, und wie gut uns unser inneres Kind auch beim Erwachsen sein helfen kann. Der Film geht tief unter die Haut und hinterlässt trotz teilweise trauriger Szenen und einer gut dosierten Portion Drama ein gutes Gefühl und füllt das Herz mit ganz viel Glücksgefühlen an.
Sowohl optisch als auch schauspielerisch kann IF eindeutig überzeugen. Er vermittelt nicht nur eine schöne Geschichte, sondern transportiert auch tolle Botschaften und holt damit Kinder wie Erwachsene gleichermaßen ab. Also wieder ein perfektes Beispiel, wie er schlecht vermarktet wurde und so viel mehr in sich birgt. Also lasst euch nicht abschrecken und gebt dem Film eine Chance.

Das Fazit

IF vereint eine traurige Grundstory mit jeder Menge Hoffnung und fühlt sich wie eine große Umarmung an. Eine tolle Optik und fantastische Szenen wechseln sich mit einer schönen Botschaft ab und hinterlässt eine Menge Glücksgefühle. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

IF läuft seit dem 16.05.2024 in den deutschen Kinos