Rückblick auf den Januar

Das neue Jahr ist schon wieder einen ganzen Monat alt, was bedeutet, dass bei mir auf der Arbeit die Hochsaison langsam wieder abnimmt und ein bisschen Ruhe einkehrt (sofern es jemals ruhig wird…). Januar bedeutet bei mir auch immer, dass ich ein Jahr älter werde, was ich in kleiner Runde gefeiert habe und natürlich viele schöne Geschenke bekam, die das Geek-/Filmliebhaber-/Buchliebhaber-Herz höher schlagen ließen.

Cinemathek

Logan Lucky – Der Regisseur der Oceans Reihe brachte uns diesmal ein Heist-Movie aus den Südstaaten. Alles ein bisschen dreckiger und diesmal ist auch kein großes Casino das Ziel. Trotzdem funktioniert der Film sehr gut, in dem was er erzählen möchte.

Aus dem Nichts – Basierend auf den NSU-Prozessen bringt uns Fatih Akin eine Geschichte über eine Frau, die ihren Mann und Sohn bei einem Anschlag verlor, nur weil sie Türken sind. Der Film gewann einen Golden Globe als bester fremdsprachiger Film und das – ohne die Konkurrenz zu kennen – teilweise zu Recht.

Filme – auf der großen Leinwand gesehen

The Greatest Showman – Eine schillernde Geschichte über P.T. Barnum und seine Kuriositäten mit vielen tollen Musicaleinlagen und guten Schauspielern. Hugh Jackman geht in seiner Rolle wunderbar auf.

The Commuter – Liam Neeson in seinem nächsten Actionfilm, der ein bisschen an Non-Stop erinnert, aber diesmal in einem Pendlerzug spielt. Leider funktioniert die eigentlich gute Prämisse in diesem Fall nicht und es kommt ein relativ schwacher Actionfilm dabei heraus.

Ferdinand – Ein süßer Animationsfilm über einen Stier, der einfach nicht kämpfen möchte. Eine wunderbare Umsetzung der Buchvorlage.

Your name. – Im Special Screening wurde dieser Anime in den deutschen Kinos gezeigt und konnte sogar mich überzeugen, obwohl ich normalerweise mit Animes absolut nichts anfangen kann.

Three Billboards outside Ebbing, Missouri – Der Golden Globes Gewinner und Oscaranwärter kann durch seine ruppige und bissige Art absolut überzeugen und steht im Kampf um den Goldjungen an hoher Position.

Downsizing – Ein Film mit faszinierender Grundprämisse, die leider nicht hält, was sie verspricht. Im großen und ganzen leider eine Enttäuschung.

Wunder – Die rührende Geschichte über einen Jungen, der im Gesicht entstellt ist und jeden Tag wieder mit seinem Aussehen zu kämpfen hat. Auch wenn der Film zu Tränen rührt, drückt er in keiner Szene bewusst auf die Tränendrüse.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Willkommen bei den Hartmanns – Eine deutsche Komödie, die sich mit der Flüchtlingsproblematik befasst, aber dabei leider immer wieder am relevanten Vorbeischlittert und sich nicht so ganz entscheiden kann, was für eine Geschichte genau erzählt werden soll.

Ebenfalls habe ich im Rahmen der Filmreise-Challenge meine ersten Filme gesehen. Mit dabei „Mary und Max – schrumpfen Schafe, wenn es regnet?“ aus Australien und „Nader und Simin“ aus dem Iran. Hier werde ich in einem gesammelten Beitrag noch genau auf die Filme eingehen.

Filme – Leider in diesem Monat verpasst zu sehen

Score – die Geschichte der Filmmusik – Eine Dokumentation über den „Herzschlag eines Films“, wie es schon im Trailer heißt. Ein Blick hinter die Kulissen der Filmmusik und der Entstehung unvergesslicher Scores.

Die dunkelste Stunde – Gary Oldman als Winston Churchill in einem weiteren Anwärter auf den diesjährigen Oscar. im Mai 1940 wird Churchill mitten im zweiten Weltkrieg englischer Premierminister und muss in der dunkelsten Stunde des Landes sich gegen die Deutschen und auch gegen seine eigenen Landsmänner durchsetzen.

Serien – ein kurzer Überblick

Im letzten Monat habe ich darauf verzichtet von meinem Serienkonsum zu berichten, diesmal wird es auch nur im Kurzüberblick geschehen.

Zum einen hab ich Leverage mit der finalen fünften Staffel erneut beendet und euch auch eine Kritik dagelassen. Bei Supernatural habe ich mich endlich durch die siebte Staffel gequält, da ich die Serie zwar eigentlich liebe, sie seit ein paar Staffeln aber immer schlechter wird. Wobei ich die siebte Staffel wieder besser als die sechste fand, weil es zwischendurch wieder ein paar „normale“ Folgen gab. Auch gucke ich schon wieder My little Pony, da ich bei ihr sehr gut abschalten kann. Im Januar liefen Staffel Eins und Zwei. Als letztes habe ich noch Die Mockridges mit der ersten Staffel ausprobiert. Eine schöne kleine deutsche Comedyserie mit der Familie Mockridge, die sich selbst spielen.

Mein Lesemonat

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Bücher insgesamt: 7
Seiten insgesamt: 3714 (Statistik etwas verzerrt wegen Es – ca. 2680 realistischer)
Seiten pro Tag: 119 Seiten im Durchschnitt (bzw. 86 Seiten im Durchschnitt)
Taschenbücher: 3
E-Books: 3
Graphic Novels: 1

Platz 6+7: Uns für zwanzig Stunden & Sein für ein ganzes Leben – Ich hatte ja schon angekündigt, dass ich die Reihe zu Ende lesen werde und irgendwie konnte sie mich ab dem dritten Band auch wesentlich mehr in ihren Bann ziehen, aber  mit der starken Konkurrenz diesen Monats kann sie einfach nicht mithalten. Trotzdem habe ich mich am Ende fast mit Jade und Lawrence angefreundet.

Platz 5: Die Stadt der träumenden Bücher – Buchhaim: Der erste Teil der Graphic Novel zu Walter Moers gleichnamigem Buch. Eine wirklich süße Geschichte über Hildegunst von Mythenmetz, einem Lindwurm, der nach dem Verfasser eines Buches sucht und dafür Buchhaim aufsucht, eine Stadt, in der es nur Buchläden gibt. Als Graphic Novel mit wirklich stark detaillierten Zeichnungen, ein Schmaus fürs Auge.

Platz 4: Die magischen Pforten der Anderwelt – Ein Spin-off zu Sandra Regniers Pan-Trilogie, die ich seinerzeit absolut verschlungen habe und die noch immer zu meinen liebsten Büchern gehören. Nach einer gefühlten Ewigkeit gibt es nun endlich ein wiedersehen mit der Welt der Elfen. Die neue Protagonistin kann mich zwar noch nicht so ganz überzeugen, aber die Fortsetzungen haben großes Potential.

Platz 3: Nur noch ein einziges Mal – Mrs. Hoover Sie haben es mal wieder geschafft mich sprachlos zurückzulassen. Diesmal haben Sie sich wirklich ein sehr schwieriges Thema herausgesucht. Aber genau dafür liebe ich Ihre Bücher so. Und wie ernst und gleichzeitig wunderbar Sie mit dem Thema umgingen ist absolut bewundernswert.

Platz 2: Der Report der Magd – Margaret Adwoods Klassiker über den fiktiven Staat Gilead, in dem Frauen keine Rechte mehr haben. Eine Dystopie, die ihresgleichen sucht, auch wenn der Schreibstil etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Platz 1: Es – Stephen Kings Meisterwerk hielt mich für vier Monate in Atem. Meine erste Berührung mit dem Meister des Horrors, die ich gerne wiederhole.  Es ist so viel mehr als nur ein Horrorbuch, es spielt mit den eigenen Ängsten und erzählt auch vom Erwachsenwerden. Mein Buchhighlight im Januar.

 

Three Billboards outside Ebbing, Missouri

Am 25.01.2018 erschien der Oscarkandidat und Golden Globe-Gewinner in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Nach sechs Golden Globe Nominuerungen konnte der Film mit dem unglaublich sperrigen Titel bereits vier Kategorien für sich entscheiden. Unter anderem die Darsteller Sam Rockwell und Francis McDormand. Nun wird der Film auch als heißer Kandidat für die Oscars gehandhabt. Denn auch hier ist er für sieben Oscars nominiert. Doch hält der Film die Erwartungen nach den vielen Nominierungen?

Die Handlung

Mildred Hayes (Francis McDormand) kann mit dem Tod ihrer Tochter einfach nicht abschließen. Denn auch sieben Monate nachdem diese getötet wurde, gibt es noch keine Hinweise auf den Täter. Das lässt Mildred nicht auf sich sitzen und mietet 3 Werbetafeln (Billboards) vor der Stadt an, um darauf den ansässigen Polizeichef bloßzustellen. Doch Chief Willoughby (Woody Harrelson) ist in Ebbing ein angesehener Mann und so macht sich Mildred schnell Feinde.

Meine Meinung

Three Billboards outside Ebbing, Missouri hat zwar einen ziemlich sperrigen Titel, hat es aber gleichzeitig faustdick hinter den Ohren. So ist das erst dritte Werk von Regisseur Martin McDonagh (7 Psychos, Brügge sehen… und sterben) so voller schwarzem Humor, dass es sich doch um einen recht seltsamen Oscaranwärter handelt. Doch sind seine Chancen dadurch größer oder niedriger? Das vermag wohl nur die Jury der begehrten Goldjungs uns am 04. März zu sagen.
Der Film beginnt zunächst ganz gemächlich. Wir lernen die Protagonistin Mildred Hayes kennen und man merkt ihr sofort eine innere Gebrochenheit an, aber auch einen starken Kampfwillen. Zu diesem Zeitpunkt weiß man noch nicht, was genau passiert ist. Auch als sie die drei Werbetafeln anmietet tappt der Zuschauer noch im Dunkeln. Denn Three Billboards outside Ebbing, Missouri versteht sich darauf Informationen nach und nach erst preiszugeben und damit einen gewissen „What the hell?“ Moment zu kreieren. Das passiert nicht nur bei der Enthüllung der Werbetafeln mit den provozierenden Sätzen, sondern auch im späteren Filmverlauf immer wieder. Im Verlauf der nächsten halben Stunde lernt man dann auch alle weiteren wichtigen Charaktere kennen – und fängt teilweise schon an gewissen Personen zu hassen. Denn nicht nur Mildred Hayes provoziert in Ebbing, auch Regisseur Martin McDonagh provoziert Reaktionen im Kinosaal, die unvermeidbar sind. Denn ein zentrales Stilmittel des Films ist der unglaublich schwarze Humor. So fängt der Zuschauer ganz reflexartig in manchen Szenen an zu lachen, bis das Gehirn hinterher kommt und merkt, dass man über diesen Witz vielleicht doch nicht lachen sollte. So kam es mehrfach vor, dass der gesamte Kinosaal schallend zu lachen anfing und ein paar Sekunden später sofort innehielt und sich verstohlen umsah.
Ein weiterer zentraler Bestandteil ist der allgemeine Ton des Films. Dieser ist brutal ehrlich und mit allerlei Schimpfwörtern untermalt, so dass es sich vermutlich auch einmal lohnt ihn im Originalton zu sehen.
Three Billboards outside Ebbing, Missouri hat außerdem einige grandiosen Schauspielleistungen zu bieten. Seien es nun Francis McDormand, als auf ihre ganz eigene Art trauernde Mutter, oder Sam Rockwell, die beide dafür auch schon mit einem Golden Globe ausgezeichnet wurden oder einem Woody Harrelson als Chief Willoughby. Aber auch die kleineren Rollen sind gut besetzt. So zeigt Lucas Hedges nach dem letztjährigem Oscaranwärter Manchester by the Sea erneut, dass er gerade die Zwischentöne gut umsetzen kann und mit einer stillen Präsenz überzeugt. Peter Dinklage ist auch in einer kleinen Rolle dabei und bringt eine gewisse Ruhe in den Film, so dass seine Szenen „angenehm“ wirken, auch wenn sie es vielleicht nicht sind.

Das Fazit

Three Billboards outside Ebbing, Missouri ist ein Film, der weiß wie er ordentlich provozieren kann und dabei doch eine starke Geschichte erzählt und den schmalen Grad zwischen ruhiger Erzählweise mit gleichzeitig hoher Spannung trifft. Ein würdiger Oscarkandidat. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

 

 

The Commuter

Am 11.01.2018 erschien ein neuer Actionthriller mit Liam Neeson in der Hauptrolle in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Liam Neeson ist in den letzten Jahren durch seine Actionthriller bekannt geworden. Nach dem Tod seiner Frau, widmete er sich keinem ernsten Film mehr, wie noch Schindlers Liste. Aber auch in diesem Segmentsetzte er seine Erfolgsstory fort und konnte uns mit 96 Hours und Non-Stop überzeugen. In letzter Zeit wurden es leider immer mehr und auch nicht alle konnten mit dem Erfolg mithalten. Nun ist er in The Commuter wieder zu sehen. Das Prinzip sieht ähnlich aus wie in Non-Stop, aber diesmal ist die Action nicht über den Wolken, sondern in einem Pendlerzug. Non-Stop zeigte, dass auch ein Actionthriller, der auf beengtem Raum spielt, funktionieren kann. Knüpft The Commuter an den Erfolg an?

Die Handlung

Michael McCauley (Liam Neeson) ist ein Pendler (engl=Commuter). Jeden Tag fährt er mit dem Zug die gleiche Strecke. Eines Tages setzt sich eine Frau ihm gegenüber und verwickelt ihn in ein Gespräch. Es gäbe jemandem in dem Zug, der nicht dahin gehört. Wenn er die Person findet, bekommt er sehr viel Geld. Doch seine Taten werden Konsequenzen haben.

Meine Meinung

Der Film baut die Handlung zunächst ganz langsam auf. Wir sehen über Wochen oder sogar Monate hinweg den allmorgendlichen Ablauf im Hause McCauley. Dann fährt Michael wie jeden Tag mit dem Pendlerzug. Dort trifft er immer wieder auf die gleichen Gestalten. Die üblichen Pendler, die wie er zur Arbeit müssen. Dadurch werden auch wichtige Gesichter für die Rückfahrt gezeigt. Denn dort bekommt er sein Angebot. Natürlich wurde vorher ganz genau erklärt, warum Michael dringend Geld braucht und wieso er das Angebot annimmt, auch wenn es moralisch fragwürdig ist. Dann merkt er sehr schnell, dass es sich nicht um einfaches Spiel handelt. Seine Familie wird bedroht. Und so muss er nun immer und immer wieder durch den Zug hetzen, um die gesuchte Person zu finden. Dabei trifft er immer wieder auf Verdächtige und zunächst macht es auch durchaus Spaß ihm dabei zuzusehen. Doch nach der vierten oder fünften falsch verdächtigten Person geht dem Film langsam die Puste aus. Die am Anfang gut gesteigerte Spannung und der Spaß am Enträtseln der Personen verliert immer mehr an Höhe bis es einem irgendwann total egal wird, wer die gesuchte Person ist, hauptsache der blöde Zug kommt endlich an seinem Ziel an. Daraus wird aber erst einmal nichts, denn die Auftraggeber haben einige Möglichkeiten, um den Zug weiterfahren zu lassen.
Nach ca. dreiviertel des Films ist er nicht mehr einfach nur langweilig, er wird auch noch so abstrus und abgehoben, dass er seine Glaubwürdigkeit verliert. Was als gut durchdachter Spaß anfing, ist nun ein CGI Spektakel der untersten Qualität.
Liam Neeson – bisher konnte er noch jeden Film erträglich machen (sogar Star Wars Episode 1) – scheint in The Commuter an seine Grenzen zu kommen. Zwar spielt er mit seiner gewohnten Brillianz und der guten Balance zwischen Charme und Stärke. Doch hier wird er irgendwann zu einer Person, mit der man einfach nicht mehr mitfiebert. Das liegt weniger an seinem Talent, als vielmehr an dem immer schlechter werdenden Drehbuch. Ihm ist ein ganz genauer Charakter zugeschrieben worden, der sehr konstruiert wirkt und sich daher irgendwann nicht mehr aufrecht halten lässt.
Aus einem einfachen „Was würdest du tun“ wurde in nur 105 Minuten Spiellänge ein „Hör bitte einfach auf, was auch immer du da tust“. Das ist sehr schade, denn das Anfangsszenario ist wirklich gut und ein gekürzter Mittelteil und ein sinnvolleres Ende hätte aus The Commuter einen wirklich guten Film machen können.

Das Fazit

The Commuter hat gerade am Anfang seine Stärken, verspielt die aber mit fortschreitender Laufzeit und gipfelt in einem undurchdachten und viel zu übertriebendem Ende. Sogar Liam Neeson kann den Film nicht mehr retten. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Der Report der Magd

Ein Vorwort

Zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse wird alljährlich der Friedenspreis des deutschen Buchhandels vergeben. 2017 erhielt diesen Margaret Atwood. Bereits zuvor bin ich auf ihr 1985 erschienendes Werk Der Report der Magd aufmerksam geworden, da die dazugehörige Serie The Handmaids Tale bei den Emmys und Golden Globes bereits gut abräumte. Mein Interesse war geweckt und so suchte ich kurzerhand den Buchladen meines Vertrauens auf und kaufte mir das Buch.

Die Handlung

In dem totalitären Staat Gilead – einst die USA bis zu einem Putsch durch die „Söhne Jakobs“ – haben die Frauen keine Rechte. Sie werden unterteilt in ihre Funktionen. In einem Haushalt eine Kommandanten leben immer die Ehefrau, die Marthas (zuständig für den Haushalt) und eine Magd. Die Mägde wurden zu Gebärmaschinen erzogen, da in Gilead Sterilität in Folge von Naturkatastrophen eine große Rolle spielt. Desfred, die Protagonistin, ist eines dieser Mägde. In der Stille ihres Zimmers erzählt sie uns ihre Geschichte.

Meine Meinung

Margaret Atwood hat eine ganz eigene Art eine Geschichte zu erzählen. Sie ist nicht bedacht darauf, dass ihre Geschichte sonderlich spannend erzählt wird oder das der große Knall irgendwo passiert. Stattdessen erzählt sie ihre Geschichte authentisch, so als würde der Protagonistin das alles wirklich passieren. Und der ganz normale Alltag lässt sich eben nicht mit einem großen Knall erzählen. Daher beginnt die Geschichte auch sehr ruhig, fast ein bisschen zäh. Die Magd Desfred – das ist natürlich nicht ihr richtiger Name, sondern ihre Zugehörigkeitsbezeichnung, sie gehört dem Kommandanten Fred – wird in ihren neuen Haushalt gebracht. Hier soll sie bei einer allmonatlichen Zeremonie mit dem Kommandanten Sex haben, damit dieser Kinder mit ihr zeugt. Das ist im Haushalt ihre einzige Aufgabe, abgesehen von den täglichen Einkäufen. Atwood schafft es erst einen ganz normalen Alltag zu kreiieren, in dem sie nur immer mal wieder Andeutungen macht, dass alles nicht so gewöhnlich ist, wie es klingt. So plätschert gerade der Anfang des Buches so ein bisschen vor sich hin, weil der Leser gar nicht so genau weiß, in was für einer Welt mit was für Regeln er sich gerade befindet. Erst nach und nach mit immer mehr Informationen wird das Bild immer klarer. Wir befinden uns in den USA der nahen Zukunft. Naturkatastrophen haben einen großen Teil der Bevölkerung unfruchtbar gemacht und Empfängnisverhütung und Abtreibungen haben die nachwachsende Bevölkerung stark geschrumpft. Die Söhne Jakobs, eine christlich-fundamentalistische Gruppierung, hatte daraufhin die Regierung gestürzt und den totalitären Staat Gilead gegründet. Frauen wurden aller Rechte enthoben. Frauen, die entweder noch ledig oder in zweiter Ehe verheiratet waren, wurden eingezogen und in verschiedene Aufgabenbereiche unterteilt. Die großen Gruppierungen sind die Ehefrauen, die Marthas und die Mägde. Wer rebelliert oder gegen die strengen Regeln und Gesetze verstößt, wird umgebracht oder in die Kolonien gebracht, wo sie zu Zwangsarbeit unter sehr schlechten Umständen gezwungen werden.
Nach ungefähr der Hälfte des Buches dachte man beim Lesen, dass man inzwischen eigentlich alles Wichtige über Gilead wissen müsse. Trotzdem schafft es Atwood einen immer wieder zu überraschen. Trtozdem bleibt der Schreibstil ruhig und etwas distanziert. In regelmäßigen Rückblenden erfährt man immer wieder etwas über Desfreds Vergangenheit und den Anfängen von Gilead. Man hätte vielleicht viel mehr erfahren, wenn jemand anderes die Geschichte erzählt hätte, aber Desfred erfährt selbst nicht mehr.
Das schockierendste am Report der Magd ist, dass viele Elemente nicht ausgedacht sind, sondern einfach nur in einem anderen Kontext verwendet werden. So ist der Bezug zur Realität allgegenwärtig. Der Schreibstil und die relativ nüchterne Erzählung bleibt während des gesamten Buches bestehen, womit man zurecht kommen muss. Daher kann ich durchaus verstehen, wenn jemand wenig mit dem Schreibstil anfangen kann, ich verstehe aber auch, warum jemand den Schreibstil sehr gut findet. Der Report der Magd ist kein Buch, das jeden gleich begeistert. Ich persönlich empfand den Schreibstil als sehr angenehm, wenn auch ungewohnt.

Das Fazit

Der Report der Magd ist schockierend realistisch, nüchtern erzählt und kann doch mitreißen. Wer am Anfang schon Probleme mit dem Schreibstil hat, wird nicht glücklich mit dem Buch werden. Allen anderen kann ich es nur wärmstens empfehlen! Ich freue mich im März auf den DVD Realase von der ersten Staffel The Handmaids Tale.

Cinemathek: Logan Lucky

Willkommen in der Cinemathek, heute mit Logan Lucky. Der Film lief ursprünglich ab dem 14.09.2017 in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Vor ein paar Jahren konnte Regisseur Steven Soderbergh mit seinen Filmen Ocean’s Eleven/Twelve/Thirteen die Kinolandschaft überzeugen. Gut angezogene Männern bilden ein Team und rauben mit spektakulären Plänen Casinos in Las Vegas aus. Der bekannte Cast rund um Brad Pitt, George Clooney, Matt Damon und vielen mehr, tat sein übriges. Doch bereits danach faszinierte Regisseur Soderbergh ein ganz anderes Prinzip. Was wenn die Räuber keine Anzüge trugen, kein Geld hätten und über keine Technik verfügten. Und was wenn nicht die schillernde Stadt Las Vegas das Ziel wäre, sondern eine Rennstrecke mitten in den Südstaaten? Diese Vision setzte Soderbergh nun mit Logan Lucky um.

Die Handlung

Die Logan Familie scheint vom Pech verfolgt. So hat Jimmy Logan (Channing Tatum) ein zertrümmertes Knie, was ihn hinken lässt und dafür sorgt, dass er immer wieder seine Jobs verliert. Sein Bruder Clyde (Adam Driver) verlor im Krieg seinen einen Arm, was bei seinem Job als Barkeeper immer wieder für Spott sorgt. Nur Schwester Mellie (Riley Keough) scheint nicht betroffen zu sein. Als Jimmys Exfrau (Katie Holmes) droht mit seiner Tochter umzuziehen, beschließt er die NASCAR Rennstrecke auszurauben. Dafür brauchen die Logan Brüder die Hilfe von Joe Bang (Daniel Craig), der wegen mehrerer Raubüberfälle aktuell einsitzt.

Meine Meinung

Wie startet man einen großen Raub, wenn man eigentlich keine Ahnung davon hat, keine technische Ausrüstung und eigentlich die Familie auch von Pech verfolgt wird? Diesen Ansatz verfolgt Soderbergh in seinem neusten Film. Und man muss sagen, dass es verdammt gut funktioniert. Denn Logan Lucky ist ein Film geworden, der verdammt gut funktioniert, gerade weil er nicht versucht es allen Recht zu machen. Es gibt keinen hochkomplizierten und super gut durchdachten Plan, sondern einfach nur einen Plan. Es wird kein Team von Profis zusammengestellt, sondern ein Profi aus dem Gefängnis geholt, um ihnen zu helfen. Hinzu kommt, dass Logan Lucky kein Hochglanzfilm ist, sondern in den Südstaaten spielt und das Feeling auch gut aufgreift und dem Zuschauer nahe bringt. Es gibt keine gestelzten Dialoge, in denen Machtpositionen geklärt werden. Mit Dialogen wird sowieso ein wenig gespart. Dafür hat er so subtilen Witz – man denke nur an die Game of Thrones Buchdiskussion – das man mit einem guten Gefühl aus dem Kino geht und sich gut unterhalten fühlt, ohne ständig auf dem Boden liegen zu müssen vor Lachen. Er hat keinen allzuhohen Spannungsbogen, aber dafür einen ausreichend hohen, um mit den Charakteren mitzufiebern. Heißt im Endeffekt er hat eigentlich alles, was man bei einem „normalen“ Heist Movie bemängelt werden würde. Aber hier ist es goldrichtig eingesetzt und funktioniert damit sehr gut.
Einen Channing Tatum etwas verwarlost aussehen zu lassen, braucht schon ein gewisses Talent. Dafür schafft es Tatum noch einmal eine ganz andere Seite seines schauspielerischen Könnens zu beweisen, fernab von 21 Jump Street oder Magic Mike. Adam Driver hingegen scheint seine Rolle hier gefunden zu haben, denn als Clyde Logan passt er sehr gut – im Gegensatz zu seinem Kylo Ren. Auch Daniel Craig scheint sichtlich Spaß zu haben einmal nicht den steifen 007 zu spielen, sondern einfach ein bisschen verrückt sein zu dürfen.

Das Fazit

Logan Lucky versucht gar nicht erst ein gewisses Niveau zu erreichen und deswegen funktioniert der Film sehr gut. Er erzählt seine Geschichte, die in sich stimmig ist und fügt an ein paar Stellen subtilen Humor hinzu. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Pitch Perfect

Am 21.12.2017 lief der dritte Teil der Pitch Perfect Reihe in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Nachdem in diesem Jahr bereits die Fack ju Göhte Reihe zu einem Abschluss kam, präsentiert uns Hollywood dieses Jahr den Abschluss der Reihe um die Barden Bellas, die den A-Capella Gesang wieder beliebter machten. Haken an der Sache: Der Autor der Buchreihe Mickey Rapkins hatte nicht das Bedürfnis eine Buchvorlage für einen dritten Teil zu schreiben. Kann der Film trotzdem funktionieren?

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring diesen Absatz einfach.

Im ersten Teil lernten wir Becca Mitchell kennen, die zum Studium an die Barden Universität kommt. Eine der dortigen A-Cappela Gruppen die Barden Bellas suchen dringend Verstärkung, da die bisherigen Mitglieder größtenteils ihren Abschluss gemacht haben. Die neuen Mitglieder sind sehr unterschiedlich und sie brauchen einige Zeit, um sich aneinander zu gewönnen. Mit einigen Teamschwierigkeiten versuchen sie die nationalen A-Capella-Meisterschaften zu gewinnen.
Im zweiten Teil haben die Barden Bellas nach ihrem Sieg bei den nationalen A-Capella-Meisterschaften eine Menge Erfolg. Bis sie durch einen Faux-pas bei der Geburtstagsfeier des Präsidenten in Ungnade fallen. Danach müssen sie erst einmal alle wieder zu sich finden und erneut an ihrem Teamgefühl arbeiten, ehe sie an den internationalen A-Capella-Meisterschaften teilnehmen können.

Die Handlung

Die ursprüngliche Besetzung der Barden Bellas hat inzwischen ihren Abschluss gemacht. Doch so ganz glücklich ist keiner in seinem neuem Beruf. Also beschließen sie noch ein letztes Mal zusammen zu singen. Dafür reisen sie nach Europa, wo sie in einem Wettbewerb vor den Gruppen der Army singen. Doch ihre Konkurrenten haben diesmal Instrumente.

Meine Meinung

Auf Biegen und Brechen einen dritten Teil zu konstruieren, obwohl dafür eine Buchvorlage fehlt, war wohl von Anfang an keine gute Idee. Aber auch aus unseren Lieblingspitches musste unbedingt eine Trilogie geschaffen werden. Das der zweite Teil schon weit hinter dem unglaublich starken ersten zurückblieb, wurde ebenfalls nicht berücksichtigt.
Zu Gute halten muss man dem Film, dass er sich musikalisch wieder mehr am ersten Teil orientierte und Lieder mit Ohrwurmqualität erschuf – bzw. man die Cover-Songs diesmal wieder erkennen konnte, weil nicht zu viele übereinander gesungen wurden, was einer meienr großen Kritikpunkte am zweiten Teil war. So machten wenigstens die Gesangteile Spaß. Nicht so gut hat der Rest der Handlung funktioniert. Denn irgendwo war die Luft raus und die Haupthandlung wurde auch nur noch teilweise verändert. Diesmal ist es eben nicht der nationale oder internationale A-Capella-Wettkampf, sondern es geht um einen Plattenvertrag. Natürlich musste die Konkurrenz auch hier wieder schlimmer werden, also warum nicht den anderen Musikinstrumente geben, damit die A-Capella Pitches langweilig dagegen wirken – was sie zum Glück nicht tun. Ebenfalls wurden die Charaktere dabei noch mehr überzeichnet, als sie ohnehin schon waren und so scheint Fat Amy nur noch da zu sein, um ab und an einen Oneliner rauszuhauen und die Pitches richten noch mehr Chaos an, als je zuvor. Was bisher noch Charme hatte, ist nun einfach nur noch nervig.
Das schlimmste am Film dürfte jedoch die völlig hirnrissige Geschichte um Fat Amys Vater sein gepaart mit einem Entführungsdrama. Dies zerstört die ohnehin sehr schwache Handlung noch mehr, so dass man beim Sehen des Films immer wieder verzweifelt mit dem Kopf schüttelt. Dies sollte das große Finale, der finale Pitch sein?
Immerhin am Ende gab es doch noch einen Lichtblick, denn die wirklich letzte Performance holt noch einmal viel aus dem zuvor sehr langweiligen Film heraus. Zumindest die letzte Verbeugung hatte wieder Würde. Einerseits wäre es dem Franchise zu gönnen, dass dies nicht das grottenhafte Ende ist, andererseits ist ein weiterer Teil auch nicht mehr vielversprechend. Das Pitch Perfect Frachise hat sich mit dieser letzten schlechten Performance den Gnadenschuss gegeben. Der erfolgreiche und sehr gute erste Teil bekam einfach keine würdigen Fortsetzungen.

Das Fazit

Der dritte Teil der Pitch Perfect Reihe hält nicht, was er verspricht und kommt mit einer schlechten Handlung daher. Lediglich das große Finale und allgemein der musikalische Aspekt geben dem Film ein paar Lichtblicke. Das Franchise dürfte sich damit selbst beerdigt haben – wobei das andere Franchises bisher auch nicht von weiteren Fortsetzungen abgehalten hat. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Leverage

Ein Vorwort

In den letzten Wochen habe ich wieder einmal eine meiner Lieblingsserien aus dem DVD-Regal geholt und durchgesuchtet. Leverage – was auf Deutsch soviel wie Einfluss oder Druckmittel bedeutet – besteht auf fünf Staffeln mit insgesamt 77 Folgen und wurde von 2008-2012 produziert. Und auch nach dem bestimmt fünften Mal, dass ich die komplette Serie gesehen habe, konnte sie mich immer noch mit jeder Folge begeistern.

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Die Handlung

In der Pilotfolge sucht der Geschäftsmann Victor Dubenich ein Team aus kriminellen zusammen, da aus seiner Firma wichtige Dokumente entwedet wurden und er sie gerne zurückstehlen würde. Dafür heuert er die Diebin Parker (Beth Riesgraf), den „Mann fürs Grobe“ Eliot Spencer (Christian Kane) und den Hacker Alec Hardison (Aldis Hodge) an. Bisher haben alle drei weltweit große Dinger gedreht, arbeiten aber grundsätzlich nicht als Team. Also braucht Dubenich noch jemanden, der auf alle aufpasst. Er heuert Nathan Ford (Timothy Hutton) an. Dieser war einst ein guter Versicherungsdetektiv, bis er nach dem Tod seines Sohnes dem Alkohol verfallen ist. Doch der Plan geht nicht ganz auf und das Team braucht noch einen fünften Mitspieler. Nate schlägt seine alte Bekannte Sophie Devereaux (Gina Bellman) vor, die zwar eine leidenschaftliche aber gänzlich unbegabte Schauspielerin ist. Doch als Trickbetrügerin ist sie unschlagbar. Nach diesem ersten Coup trennen sich vorerst wieder ihre Wege, aber eigentlich hat es allen gefallen im Team zu arbeiten und sie betteln Nate an das Team aufrecht zu erhalten. Fortan spielen sie moderne Robin Hoods, in dem immer wieder Leute mit Problemen zu ihnen kommen können. In den meisten Fällen weil sie von großen Firmen ausgebeutet, ausgenutzt oder betrogen wurden.

Meine Meinung

Das Grundschema fast jeder Episode ist, dass man zunächst sieht, wie ein „Unrecht“ geschieht, dann wird das Team von Leverage aufgesucht, diese planen dann durch die Stärken der einzelnen Charaktere einen Coup, der aber nicht immer ganz reibungslos funktioniert. Am Ende scheint aber doch alles aufzugehen und man sieht in Rückblenden, wann genau der Plan geändert wurde, so dass er dann doch funktioniert hat. Der große Spaß daran liegt eben auch darin das Rätsel zu lösen, wie genau der Plan jetzt doch funktionieren konnte.
Der weitaus größere Spaß an der Serie liegt aber an den völlig unterschiedlichen Charakteren, die aufeinander treffen und eigentlich müsste man meinen, dass sie gar nicht miteinander könnten.
Da haben wir zum einen Nate Ford, der Kopf hinter dem Team. Seit dem Tod seines Sohnes – und der Tatsache, dass die Versicherungsfirma für die er gearbeitet hat die Behandlung seines Sohnes nicht weiterbezahlt hat – kam er mit seinem Leben nicht mehr auf einen grünen Zweig. Zunächst scheint es sein persönlicher Kreuzzug gegen immer neue große Firmen vorzugehen. Mehr als einmal muss er vom Team wieder auf den Boden der Tatsachen geholt werden, da seine Pläne immer riskanter wurden.
Sophie Devereaux wird schnell zur rechten Hand Nates. Im Theater ist sie zwar eine Katastrophe, aber als Trickbetrügerin unschlagbar. Sie ist ab und an in ihren Methoden etwas exzentrisch, schafft es aber immer wieder ihre Rollen zu spielen. Sie ist die gute Seele des Teams. Sie vermittelt bei Streitigkeiten und hat immer ein Auge auf Nate.
Alec Hardison ist mit Leib und Seele Nerd. Als Hacker hat er meistens die Aufgabe Systeme zu knacken, wird aber auch gerne für Besorgungen oder Anschaffungen eingesetzt. Eine grundsätzliche Situation ist, dass Nate oder ein anderes Teammitglied von ihm irgendetwas möchte und er erst einmal lang und breit erklärt, warum er dafür ewig brauchen wird oder warum etwas nicht geht. Seine Monologe werden dann immer unterbrochen und er sucht eine Lösung. Oft fühlt er sich überschätzt, dann direkt wieder unterschätzt. Dabei hat er immer mal wieder eine geekige Anspielung auf Lager.
Eliot Spencer ist der „Mann fürs „Grobe“ – in den ersten Staffeln noch schlicht als Schläger bezeichnet. Er hat in seiner Vergangenheit viele Tode auf seinem Konto und gibt sich immer wieder kalt und hart. Nach und nach kann man aber auch hinter seine Fassade sehen. Im Grundsatz ist er das genaue Gegenteil von Hardison, weswegen es zwischen den beiden immer wieder zu Reibereien kommt. Eliots Ausspruch „Verdammt Hardison!“ kommt bestimmt in jeder Folge einmal vor.
Parker ist schlichtweg verrückt. Sie ist in nicht gesetzten familiären Verhältnissen groß geworden und hat daher wenig Gespür für Sarkasmus, Ironie oder verschiedene gesellschaftliche Konzepte. Sie ist eine ausgezeichnete Diebin und springt leidenschaftlich gerne von irgendetwas herunter. Ihre Verrücktheit werden von Beth Riesgraf aber so liebevoll gespielt, dass sie eine große Sympathieträgerin der Serie ist.
Während Staffel 1-4 sehr gelungen sind, schwächelt die fünfte dann doch stellenweise. Gerade das große Ende der Serie konnte dann nicht überzeugen. Doch der Weg dahin macht sehr viel Spaß, vorallem weil sich die Drehbuchautoren auch immer wieder neue Handlungen einfallen lassen und es zwischendurch auch immer Folgen gibt, die aus dem Grundkonzept rausfallen.

Das Fazit

Wer Leverage bisher noch nicht gesehen hat und mit dem oben beschriebenen Grundkonzept etwas anfangen kann, sollte auf jeden Fall mal einen Blick wagen, denn die Serie kann süchtig machen! Auch nach wiederholtem Sehen, macht mir die Serie noch großen Spaß und bleibt spannend.

Dieses bescheuerte Herz

Am 21.12.2017 erschien ein Drama mit realem Hintergrund in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Auf dem ersten Blick scheint die Geschichte von Dieses bescheuerte Herz einem bekannt vorkommen, zumindest wenn man die erfolgreiche französische Komödie Ziemlich beste Freunde gesehen hat. Doch der erste Unterschied ist, dass diesmal nicht der Arme dem kranken Reichen helfen muss, sondern der Reiche dazu verdonnert wird dem kranken Armen zu helfen. Das ganze basiert auf dem Buch von Daniel Meyer und Lars Amend, die realen Akteure des Films.

Die Handlung

Lenny ist fast dreißig, hat aber keine Lust etwas sinnvolles mit seinem Leben anzufangen. Lieber verprasst er bei ausufernden Partys das Geld seines Vaters, eines erfolreichen Arztes. Doch eines Tages übertreibt es Lenny so sehr, dass sein Vater ihm den Geldhahn zudreht. Um wieder an sein heiß geliebtes Geld zu kommen, muss Lenny den herzkranken David für eine Weile betreuen. Denn dieser ist seit seiner Geburt herzkrank und hat mit 15 Jahren inzwischen alle Lebenslust verloren.

Meine Meinung

Dieses bescheuerte Herz hat zwar einen sehr bescheuerten Titel – immer wenn ich jemandem erzählt habe, welchen Film ich gesehen habe, wurde ich fragt, ob mir der Film nicht gefallen hätte… Nein das ist wirklich der Titel des Films – hat aber ansonsten einiges auf dem Kasten. Denn er befasst sich gleich mit einer Vielzahl von Themen und Charakterentwicklungen.
Da haben wir zum einen Lenny, den reichen Arztsohn. Zunächst wird er als das übliche Beispiel vorgeführt. Mit zu viel Geld aufgewachsen, also wofür Verantwortung für irgendwas übernehmen? Doch nach und nach kommen immer mehr Aspekte dazu. Der nicht überwundene Tod der Mutter, das distanzierte Verhältnis zum Vater. Erst durch David und seine Probleme den Alltag zu bewältigen, merkt er, was er alles hat und fängt auch an seinen Vater zu verstehen. Dabei passiert auch das nicht von jetzt auf gleich. Denn zunächst kämpft er mit seiner ihm zugeteilten Aufgabe. Denn wie soll er einen kranken Teenager dazu bringen das Leben wieder zu mögen? Er versucht es zunächst mit den materiellen Dingen, stößt aber bald an seine Grenzen. Diese zu überwinden sind der interessante Aspekt des Films.
Als nächstes lernen wir David kennen. Er ist zum einen der typische Teenager mitten in der Pubertät. Er möchte unbedingt ein Mädchen kennenlernen, ist genervt von seiner Mutter und auf die Schule hat er auch nicht wirklich Lust. Und dann kommt hinzu, dass er herzkrank ist. Doch sein schwaches Herz sind nicht die einzigen Symptome mit denen er zu kämpfen hat. Daher fallen viele normale Unternehmungen für ihn immer flach und sein Leben ist stark eingeschränkt. Darunter leidet er, aber gleichzeitig ist er so frustriert immer wieder sehr heftige Schmerzen zu haben, die ihm auch psychisch immer mehr zusetzen. Erst durch Lennys sehr einfach Art zu leben und den vielen „Abenteuern“ die die beiden miteinander erleben, wird es langsam aber stetig besser.
Als dritte wichtige Figur ist Davids Mutter Betty zu nennen. Sie ist wohl die ehrlichste Figur des Films, der die größte Sympathie zufliegt und mit der man am meisten mitleidet. Denn sie schwankt immer wieder zwischen sehr großer Sorge um David, da sie auch schon sehr viel miterlebt hat, gleichzeitig muss sie aber auch immer die strenge Mutter sein, damit David regelmäßig seine Tabletten nimmt oder muss ihm viele Unternehmungen einfach verbieten. Alles zusammen bringt sie immer wieder ans Ende ihrer Nerven und sie weiß oft einfach nicht mehr weiter.
Das Zusammenspiel aus den Charakterentwicklungen und einer zwar in seiner Grundstruktur relativ einfachen Handlung, im Detail aber doch liebevollen, logischen und teilweise auch überraschenden Handlung und sehr ehrlichen Darstellungen ergibt einen Film, der ganz tief ins Herz geht, berührt und einen auch zum nachdenken anregt. Elyas M’Barek scheint zwar aktuell in gefühlt jedem zweiten deutschen Film mitzuspielen, aber auch hier gibt er wieder eine gute Leistung ab und schafft die Balance zwischen reichem Erben und verzweifeltem Mentor. Philip Noah Schwarz gibt sein Kinodebüt in diesem Film und überzeugt sogleich auf voller Linie. Emotionale Szenen, lustige Szenen, schwierige Szenen, alles schafft er mit großer Bravour. Man kann es sich gut vorstellen ihn auch in anderen Produktionen auf der großen Leinwand zu sehen.
Der Soundtrack ist gut gewählt und passt in die einzelnen Szenen. Szenenbilder sind gut inszeniert und stimmig.

Das Fazit

Dieses bescheuerte Herz schafft es das Drama zwar komödisch anzuhauchen, aber nimmt seine Themen sehr ernst und zeigt so sehr realistisch das Leben eines herzkranken Teenagers, ohne zu beschönigen, aber trotzdem mit durchgehend hoher Spannung. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Jumanji: Willkommen im Dschungel

Am 21.12.2017 erschien ein zweiter Teil zu dem 1995 erschienenden Jumanji Film, damals mit Robin Williams, in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Schon wieder ein Reboot, mag der eine gestöhnt haben. Können die sich nicht endlich mal was neues einfallen lassen? Nun ja, haben „die“ in diesem Fall tatsächlich. Denn natürlich basiert Willkommen im Dschungel auf dem Jumanji Film mit Robin Williams, der 1995 erschienen ist. Aber gleichzeitig wurde alles etwas modernisiert. So kommt zum Beispiel nicht der Dschungel zu den Brettspielenden, sondern ein Videospiel saugt die Spielenden ein und sie landen im Dschungel. Klingt im Ansatz erstmal gut? Ist es auch!

Die Handlung

Die Schüler Spencer (Alex Wolff), Fridge (Ser’Darius Blain), Bethany (Madison Iseman) und Martha (Morgan Turner) werden allesamt zum Nachsitzen verdonnert. Dabei entdecken sie ein altes Videospiel. Da keiner Lust auf die Strafarbeit hat, wählen sie ihre Avatare aus und werden schwupps ins Spiel gesogen. Auf einmal sind sie Ihre jeweiligen Charaktere Dr. Smolder Bravestone (Dwayne Johnson), Moose Finbar (Kevin Hart), Professor Shelly Oberon (Jack Black) und Ruby Roundhouse (Karen Gillan). Von nun an müssen sie sich durch den Dschungel kämpfen, um wieder in ihr altes Leben zurückkehren zu können.

Meine Meinung

Mit Guns N’ Roses „Welcome to the Jungle“ wusste schon der erste Trailer zu locken. Doch auch darüber hinaus hat der Film einiges zu bieten. Vor allem das Setting – Hauptdrehort war Hawaii – kann von der ersten Dschungelszene an begeistern. Hinzu kommt ein sehr gelungener Soundtrack. Beides bietet die Basis für den Film.
Doch auch der Rest muss sich an keiner Stelle verstecken. Die Handlung ist gut durchdacht. Zunächst werden die Schüler vorgestellt und kurz charakterisiert. So ist grob gesagt Spencer der Nerd ohne Freunde, Fridge der Sportler, der Spencer nur für seine Hausaufgaben braucht, Bethany das It-Girl, das ohne Internet und das tägliche Selfie nicht auskommt, und Martha das typische Mauerblümchen. Aus verschiedenen Gründen müssen sie nachsitzen. Nachdem sie ins Spiel gesaugt wurden, müssen sie erst einmal damit zurecht kommen, dass ihre Avatare nicht ihren eigentlichen Charakteren entspricht. So wurde der schüchterne Spencer zu dem muskelbepackten Anführer Dr. Smolder Bravestone, der ansonsten gut durchtrainierte Sportler Fridge wird zu dem kleinen und schwächlichen Moose Finbar, Bethany zu dem fetten, alten Shelly Oberon – sie wechselt also auch noch das Geschlecht und Mauerblümchen Marthy wird zur sexy Ruby Roundhouse. Auf dieser Umkehrung der Charaktere baut Jumanji auch zu größten Teilen seinen Humor auf. Und es funktioniert tatsächlich, denn jeder muss sich nun mit anderen Problemen auseinander setzen, was zu einer guten Charakterentwicklung führt. Die Szenen innerhalb Jumanjis sind aufgebaut, wie ein richtiges Videospiel. Die Charaktere auf die sie treffen, haben größtenteils nur einen begrenzten Handlungsrahmen oder reagieren nur auf bestimmte Signale. So bringt es nichts einen Jumanjicharakter ausfragen zu wollen, da er nur ganz bestimmte Phrasen sagen kann.
In Jumanji treffen Action und Humor in einer guten Portion aufeinander, so dass keins von beidem zu kurz kommt. Zusammen mit den Finden des eigentlich Ichs bringt Jumanji auch einige ernstere Gespräche zustande, die den Filmverlauf aber nicht belasten. Der Cast ist gut gewählt – nur ein Jack Black könnte ein It-Girl verkörpern, ohne dabei lächerlich zu wirken – und harmonisiert gut miteinander. Auch ist Kevin Hart diesmal nicht ganz so überdreht und nervig, wie in anderen Filmen. Der „Bösewicht“ Van Pelt gespielt von Bobby Cannavale passt ebenfalls gut in die Welt.

Das Fazit

Jumanji – Willkommen im Dschungel ist spannend, witzig und ernst und das immer an den richtigen Stellen. Der Film weist ein gutes Setting und einen guten Soundtrack auf und kann mit den Darstellern punkten. Dennoch ist die Handlung relativ einfach gehalten und rein darauf ausgelegt zu unterhalten. Und genau das schafft Jumanji. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Es

Ein Vorwort

Seit einiger Zeit schlich ich immer wieder um den von mir vorher nicht beachteten Meister des Horrors herum. Natürlich geht es um Stephen King. Nach den Sichtungen von The Green Mile und dem stark kritisierten Der dunkle Turm, überlegte ich, ob es nicht langsam an der Zeit wäre mich auch literarisch mit Mr. King auseinander zu setzen. So legte ich mir schließlich Friedhof der Kuscheltiere zu. Das Buch landete jedoch vorerst wieder auf meinem SuB (=Stapel ungelesener Bücher). Dann erschien Es in der Neuverfilmung in den deutschen Kinos. Obwohl ich eine Abneigung gegen Horrorclowns habe, ließ ich mich überreden. Wie Platz 7 in meinem Jahresrückblick belegt, konnte mich der Film dann durchaus begeistern. Kurzerhand ging ich die Buchhandlung meines Vertrauens und kaufte mir Es. Das zweitdickste Buch, das Stephen King jemals schrieb, mit 1534 Seiten. Ich begann im Oktober damit zu lesen und beendete es nun im Januar (weswegen meine Lesestatistiken in den Monaten etwas verfälscht sind…) Und ich bereue es nicht!

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Die Handlung

Derry ist eine Kleinstadt in Maine, in der alle 27 Jahre erstaunlich viele Morde passieren. Besonders hoch ist die Rate unter Kindern. Eine Gruppe von Kindern, die sich selbst Club der Looser nennen, kommen dahinter, dass ein böses Wesen dahinter zu stecken scheint. Sie nennen es Es, da sie keine andere Bezeichnung finden. Denn Es tritt zwar häufig als Pennywise der Clown auf, kann aber auch andere Gestalten annehmen und zeigt sich für jeden in einer anderen Horrorgestalt. So beschließen Bill, Ben, Beverly, Eddie, Stan, Richie und Mike Es zu jagen. 27 Jahre später erhalten sie alle Anrufe aus Derry. Es ist zurück. Wieder treffen sie sich, um Es ein für alle Mal den Garaus zu machen.

Meine Meinung

Es zu lesen war eigentlich eine Kurzschlussreaktion durch den Hype, den der Film auslöste. Eigentlich hätte mich nämlich die hohe Seitenanzahl nämlich durchaus abgeschreckt. Doch einmal begonnen zog mich das Buch in seinen Sog und ich musste immer wieder wissen, wie es weitergeht. Denn natürlich war mir einiges durch das Sehen des Films schon bekannt, aber ich stieß auch immer wieder auf Unterschiede zwischen Buch und Film. Auch waren die Abschnitte aus dem Erwachsenenteil für mich neu.
Das Buch teilt sich in zwei Zeitebenen, einmal den Kinderpart und einmal den Erwachsenenpart. Diese wurden in insgesamt fünf Abschnitte eingeteilt, wobei Abschnitt eins sich mit den Vorgeschichten der beiden Zeitebenen befasst, Abschnitt zwei sich um den Kinderpart kümmert, Abschnitt drei um den Erwachsenenpart, Abschnitt vier wieder mit dem Kinderpart und in Abschnitt fünf wechseln sich beide Zeitebenen immer wieder ab, da von beiden Zeitebenen das Finale erzählt wird. Die Aufteilung ist sehr sinnvoll, auch wenn sich Abschnitt zwei und drei mitunter doch ein bisschen ziehen. Dafür steigt ab Abschnitt vier die Spannung noch einmal deutlich an. Ab hier beginnt King auch die Kapitel mitten im Satz enden zu lassen, um den Satz im nächsten Kapitel fortzusetzen. Das hat den Effekt, dass das Kapitel nicht als Abschluss eines Abschnitts zu sehen ist und man einfach immer weiter liest. „Nur noch das eine Kapitel“, hat als Zeitbegrenzung definitiv nicht mehr funktioniert, weil man das neue Kapitel schon mit dem Beenden des Satzes wieder anfing.
Stephen King hat ein Hang dazu Szenen sehr ausführlich zu beschreiben. Das ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, und einige Szenen hätte man durchaus deutlich kürzen können. Dennoch führen sie letztendlich immer zu einem bestimmten Ziel. Die letzten 100 Seiten, geschrieben unter Alkohol- und Drogeneinfluss, sind zwar mitunter sehr abstrus und scheinen nicht so ganz zum sehr gut durchdachten Rest zu passen, gehören aber letztendlich trotzdem zur Geschichte dazu und bringen diese zum verdienten Ende.
Die Charaktere sind teilweise etwas überzeichnet, haben aber ihre Entwicklungen und scheinen doch immer aus dem Leben gegriffen. Dabei merkt man immer wieder, dass teilweise nicht Es das Böse ist, sondern teilweise immer auch in den verschiedenen Charakteren steckt. Denn Es ist doch größtenteils nur eine Metapher für Angst.

Das Fazit

Ich kann Es nur jedem empfehlen, der sich durch die Handlung angesprochen fühlt und sich nicht von der hohen Seitenanzahl abschrecken lässt. Kings Schreibart ist eine ganz eigene und er ist einfach ein Geschichtenerzähler, der in einer Geschichte immer wieder viele kleine erzählt. Trotz einiger Längen zwischendurch, bleibt das Buch durchgehend spannend. Ich werde defintiv noch mehr von Stephen King lesen!