Gut gegen Nordwind

Ein Vorwort

Mit Hilfe von E-Mails die große Liebe finden? Erinnert in den Grundzügen sehr an E-Mail für dich, ein Film mit Meg Ryan und Tom Hanks aus den 1990er Jahren. Doch in der modernen Welt scheint diese Kommunikationsform doch nur noch für geschäftlichen Schriftverkehr genutzt zu werden. Dennoch spielt genau dieses Grundprinzip in Vanessa Jopps neustem Film eine wichtige Rolle. Wie Gut gegen Nordwind es schafft sich von Filmen mit ähnlichem Grundprinzip abzuheben, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Leo (Alexander Fehling) ist Linguist und führt eine On/Off-Beziehung mit Marlene (Claudia Eisinger). Als es wieder einmal zu einer Trennung kam, kommt eine E-Mail von Emma (Nora Tschirner). Diese wollte ein Abonnement kündigen, hatte aber einen Tippfehler drin. Es folgt ein erster Schriftverkehr, der immer privater wird. Doch Emma ist verheiratet.

Meine Meinung

Ich kann gut verstehen, warum einige Gut gegen Nordwind nicht mögen werden. Gerade die Fans von großen Romanzen werden hier ihr Glück nicht finden. Denn Gut gegen Nordwind erzählt eine sehr subtile Geschichte, die von ihren großartigen Hauptcharakteren lebt. Es gibt aber keine tränenreichen Dialoge darüber, wie sehr die beiden sich lieben, es gibt kein großes Kennenlernen über die E-Mails hinaus, es gibt kurzum nicht die typischen Handlungsverläufe.
Die größte Schwierigkeit des Films dürfte sein, dass viele der Dialoge nur schriftlich erfolgen. Dennoch mussten diese spannend und immer wieder neu eingearbeitet werden. Hierbei war es wichtig zwei gute Schauspieler zu casten, die durch ihre Mimik den Zuschauer auch dann fesseln können, wenn sie eigentlich gerade nur in ihrem Laptop gucken.
Mit Alexander Fehling und Nora Tschirner ist ihnen genau das gelungen. Beide schaffen es ohne große Gesten oder überbordener Mimik die Zuschauer sofort in ihren Bann zu ziehen. Der erste Teil des Films konzentriert sich größtenteils auf Leo, der an seiner on/off-Beziehung mit Marlene scheitert und sich immer mehr an den E-Mails mit Emma festklammert, um seinen Liebeskummer zu überwinden. Er wird schnell so süchtig nach den Mails, dass er selbst bei einem realen Date flüchtet, um antworten zu können. Der Film ist schon ein ganzes Stück fortgeschritten, als wir das erste Mal Emma wirklich sehen und nicht nur über ihre Mails. Wir lernen ihren Alltag kennen und auch ihren Ehemann. Dieser Fakt überrascht Leo dann wohl ebenso wie den Zuschauer, vor allen da Emma betont, glücklich verheiratet zu sein. Die Realität lässt dann an der Aussage doch etwas zweifeln, denn sie ist die zweite Frau ihres Mannes und damit Stiefmutter zweier Kinder. Während sie mit den Kindern durchaus gut umgeht, ist ihr Mann deutlich älter und ein erfolgreicher Dirigent, der kaum Zeit für seine Familie hat.
Diese beiden Menschen, die irgendwo mitten im Leben und irgendwo doch an einem Scheideweg stehen, finden sich gerade zur rechten Zeit und fangen an sich auch privatere Dinge zu erzählen. So ist der Film herrlich unaufgeregt, versteht es aber trotzdem den Zuschauer in jeder Szene abzuholen und eine gewisse Spannung aufzubauen.

Das Fazit

Gut gegen Nordwind ist eine gelungene Verfilmung eines E-Mailromans mit hochmotivierten Darstellern und einer unaufgeregten Handlung. Fans klassicher Liebesfilme dürften hier weniger auf ihre Kosten kommen, doch wenn man ihm eine Chance gibt, entfaltet er seinen ganzen Charme. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Gut gegen Nordwind läuft seit dem 12.09.2019 in den deutschen Kinos.

Verpasst, aber nicht vergessen – Teil 9.1

Das letzte Mal, dass ich einen Beitrag dieser Reihe geschrieben habe, ist tatsächlich bereits über zwei Jahre her. Mir kam es tatsächlich gar nicht so lange vor, aber natürlich war ich in der Zwischenzeit nicht faul und habe einige Filme meiner – leider immer größer werdenden – Liste geschaut. Ich versuche in diesem Beitrag nun die Filme von meiner Verpasst-Liste 2014 und 2015 abzuarbeiten und versuche mich dabei auch möglichst kurz zu fassen – teilweise ist es auch schon wieder eine ganze Weile her, dass ich die Filme gesehen habe.

2014

1) The Equalizer

Robert McCall (Denzel Washington) ist ehemaliger CIA-Agent und muss mit dem Tod seiner Frau fertig werden. Dafür arbeitet er nachts, wenn er nicht schlafen kann, die Klassiker der Literatur ab. In einem Café lernt er die Prostituierte Alina (Chloe Grace Moretz) kennen. Nachdem diese übel zugerichtet wurde, rächt er sich für sie an den Zuhältern, nicht ahnend, dass er damit der russischen Mafia ans Bein pinkelt.
The Equalizer spielt mit dem Klischee des friedlichen alten Mannes, der es jedoch aufgrund seiner Vergangenheit faustdick hinter den Ohren hat. Eigentlich ist The Equalizer auch ein interessanter und spannender Film. Aber irgendwo verpasst er den Zuschauer richtig abzuholen, so dass man zwischendurch einfach den Anschluss verliert und nicht mehr bis zum Ende dran bleibt.

2) The Purge – Anarchy

Nachdem im ersten Teil die Purge noch versucht wurde auszuschließen und der Film größtenteils zwischen den vier Wänden einer gut gesicherten Familie spielt, geht es nun im zweiten Teil das erste Mal auf die Straße. Diesmal geht es um die ärmere Bevölkerung, die sich eben nicht die im ersten Teil präsentierte Purge Abwehr leisten kann. Wir verfolgenden einen Vater, der sich am Mörder seiner Tochter rächen will, einen Ladenbesitzer, der sich die Purgeversicherung nicht mehr leisten kann, ein Ehepaar, dass aufgrund einer Autopanne nicht rechtzeitig in Sicherheit ist und eine Mutter, die versucht ihre Tochter vor einem betrunkenen Nachbar zu schützen.
The Purge – Anarchy ist brutaler und überzeugt mit vielen Einfällen, wie eine straffreie Nacht aussehen könnte. Hinter jeder Ecke scheint man etwas Neues zu entdecken. Durch die unterschiedlichen Charakter wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt und schafft es so durchgehend spannend zu sein. Eine sehr interessante Fortsetzung.

3) Der 100-jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Nachdem ich das Buch gelesen hatte, wagte ich mich auch an die Verfilmung des Stoffes von Jonas Jonasson. Wir lernen Allan (Robert Gustafsson) kennen, der gerade seinen 100. Geburtstag feiert. Allerdings hat er auf die Feier überhaupt keine Lust und klettert kurzerhand aus dem Fenster. Kurz darauf ist er mitten drin in einem absonderlichen Abenteuer. Nebenbei erfährt man noch seine Lebensgeschichte, die mit den Begegnungen der verschiedensten Persönlichkeiten einher geht.
Der 100-jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand ist nicht nur ein furchtbar langer Titel, sondern eben eine Geschichte, die nur auf dem Papier funktioniert. Schon bei der Buchvorlage musste man sich zunächst an den schwedischen Schreibstil gewöhnen, bekam dann aber eine abenteuerliche Geschichte geboten. Der Film jedoch kann das Besondere der Geschichte nicht einfangen. Wir bekommen eine ähnliche Präsentation des Stoffes, wie seinerzeit bei Forrest Gump, nur eben ohne dessen Charme. So begab es sich, dass mich der Film tatsächlich immer wieder an den Rand des Einschlafens gebracht hat.

2015

4) Aloha – die Chance auf Glück

Hier musste ich tatsächlich erst einmal wieder nachlesen, worum es in dem Film ging. Das finde ich schon sehr vielsagend. Ich kann mich aber noch erinnern, dass mich der Cast mit Bradley Cooper, Emma Stone, Bill Murray, Rachel McAdams und Alec Baldwin dazu brachte, den Film zu sehen.
Grob gesagt geht es um den Militärberater Brian Gilcrest (Cooper), der nach Hawaii gerufen wird, weil er mit den Einheimischen den Segen für ein Bauprojekt für einen Weltraumflughafen aushandeln soll.
Ich glaube, ich fand den Film totlangweilig und nichtssagend und daran konnten auch die vielen guten Darsteller nichts ändern. Aber genaueres fällt mir beim besten Willen nicht mehr ein.

5) Peanuts

Ein neuer Film mit den altbekannten Figuren sollte her, doch stattdessen wurde eher der altbekannte Stoff recycelt. Fand ich selbst aber gar nicht schlimm, denn mir war die Geschichte rund um das „kleine rothaarige Mädchen“, dass neu in die Klasse kommt, nicht bekannt. Dafür gibt es ein Wiedersehen mit den liebgewonnen Charakteren in einem wunderbar kurzweiligen Film, der mit Witz und Charme nur so um sich wirft. Nebenbei darf Snoopy auch wieder gegen den roten Baron antreten. Ein Film für alle, die in Nostalgie schwelgen wollen oder ihren Kindern ihre Kindheitshelden näher bringen wollen.

6) Mr. Holmes

Ian McKellan als Sherlock Holmes. Dies reichte für mich schon als Grund dem Film eine Chance zu geben.
Sherlock Holmes ist inzwischen 93 Jahre alt und lebt zurückgezogen mit seiner Haushälterin und dessen Sohn, dem er die Imkerei näher bringt. Doch immer mehr merkt er, dass er mit Gedächtnisproblemen zu kämpfen hat. So versucht er verzweifelt sich zu erinnern, was vor 30 Jahren geschah, weswegen der seine Detektivtätigkeiten komplett aufgab.
Der Film wird zweigleisig erzählt. Der Part rund um den alten Holmes ist tiefsinnig, ein wenig schwermütig, aberstark erzählt und gespielt. Leider kann man dies über die Rückblenden zu Holmes letztem Fall nicht sagen. Hier bekommt man eine Geschichte, die bis zum Schluss nicht richtig aufgelöst wird, irgendwie auch belanglos wirkt und dem anderen Teil immer wieder die Fahrt nimmt. Dennoch kann ein in beiden „Altern“ brilliant spielender Ian McKellan einiges retten. Dennoch hätte Mr. Holmes ein noch besserer Film sein können.

7) Joy

Eine zeitlang schien Jennifer Lawrence erst einmal grundsätzlich eine Oscarnominierung bekommen zu haben. So auch hier in dem Film über die rebellische Joy Mangano, die etwas komplizierte familiäre Lebensumstände hat. Als sie einen Mopp entwickelt, der Hausfrauen das Leben erleichtern soll, versucht sie alles, um diesen erfolgreich zu vermarkten. Sie muss jedoch immer wieder Rückschläge einstecken, gibt jedoch nicht auf.
Lawrence spielt hier mit ihrem Talent eine Joy, die verzweifelt versucht aus ihrem Leben das beste zu machen. Trotz eines darüber hinaus eigentlich gut klingenden Castes, unter anderem mit Bradley Cooper und Robert de Niro, schafft der Film es nicht eine eigene Dynamik aufzubauen. Auch sind die Charaktere größtenteils so unsympathisch, dass man auch keine nähere Bindung aufbauen will. So plätschert der Film dahin, ohne das der Zuschauer wirklich Anteil nimmt.

8) Black Mass

Johnny Depp hatte zur Zeit als der Film erschien, bereits einige Flops in Kauf nehmen müssen, wie bspw. Mortdecai oder auch Lone Ranger. Zu sehr hatte man sich an seine Rolle als Captain Jack Sparrow gewöhnt. Umso überraschter wurde Black Mass, in dem er den Gangster James J. Bulger verkörperte. Dieser war im Boston der 1970er und 1980er Jahre bekannt für seine Bande, die sich an Drogenhandel, Erpressung, Glücksspiel, Mord und Kidnapping versuchte. Als das FBI auf ihn aufmerksam wird, schließen sie einen Pakt, um die italienische Mafia zu beseitigen.
Eins muss man dem Film lassen. Die Darsteller brillieren in ihrem Rollen, sei es nun Depp selbst oder auch Joel Edgerton oder Benedict Cumberbatch. Das Problem am Film ist eher, dass die Handlung so langatmig ist, dass man sehr schnell abschaltet. Versteht mich nicht falsch, es gibt einge sehr brutale Szenen, die einen eigentlich packen könnten. Aber das ganze drum herum ist dann doch eher unaufgeregt erzählt.

9) Highway to Hellas

Jörg Geissner (Christoph Maria Herbst) arbeitet für eine deutsche Bank. Die fiktive griechische Insel Paladiki hat bei dieser Bank einen hohen Kredit aufgenommen, um für Touristen interessanter zu werden. Vorm Hintergrund der Finanzkrise in Griechenland soll Geissner nun die Sicherheiten der Insel erkunden. Leider hat die Insel gelogen, was die Sicherheiten angeht und versucht nun Geissner an der Nase herum zu führen.
Wieder einmal ein deutscher Film, der an den richtigen Stellen ansetzt und mit einem motivierten Herbst auch durchaus eine gute Basis hat. Aber nachdem ein paar schöne Anekdoten erzählt wurden, fängt der Film leider an zu schwächeln und kann seine eigene Komik nicht über die Laufzeit halten. Dabei geht der Film gerade einmal 89 Minuten. Auch wird hier das griechische Lebensgefühl vielleicht ein wenig zu deutsch erzählt.

10) The perfect guy

Ich finde Michael Ealy klasse. Leider hat er nicht gerade ein gutes Händchen, was seine Filmauswahl angeht. In Underworld – Awakening war er bereits in einem der schwächeren Teile der Filmreihe und About last night war einfach nur langweilig. In the perfect guy durfte er noch einmal eine ganz neue Seite seiner schauspielerischen Fähigkeiten zeigen. Leider war auch dieser Film nicht sonderlich gut.
Leah Vaugn (Sanaa Lathan) hat sich frisch von ihrem langjährigen Freund getrennt, als sie Carter (Ealy) kennenlernt. Dieser scheint zunächst der perfekte Freund zu sein, bis seine Besitzansprüche auch gewalttätig werden. Als Leah sich von ihm trennt, stalkt er sie fortan.
Das Thema Stalking ist ein schwieriges Thema, weil man wenig gegen Stalker tun kann und sie einem aber das Leben buchstäblich zur Hölle machen können. Hier wird es in eine sehr krasse Geschichte verpackt, denn Carter scheint vor nichts zurückzuschrecken. So spannend die Geschichte auch eigentlich sein könnte, so wenig scheint der richtige Funke überzuspringen. So ist der Film leider auch einer, den man sehr schnell wieder vergessen hat.

 

Neulich in der Sneak: The Kitchen

Ein Vorwort

Im letzten Jahr gab es einen Film mit dem Namen Widows, in der die Frauen von kriminellen Männern in deren Fußstapfen treten, um selbst zu überleben. Mit einem ähnlichen Prinzip wird auch in The Kitchen gearbeitet, nur das es diesmal um die irische Mafia geht. Warum der Film jedoch einfach nicht funktioniert, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Bei einem gescheiterten Raubüberfall werden die Ehemänner von Kathy (Melissa McCarthy), Ruby (Tiffany Haddish) und Clair (Elisabeth Moss) verhaftet und für mehrere Jahre ins Gefängnis gesteckt. Finanziell sind sie von der irischen Mafia abhängig, doch das Geld reicht nicht einmal für die Miete, geschweige denn um Kinder zu ernähren. Also beschließen sie die Geschäfte selbst in die Hand zu nehmen. Doch der ein oder andere Gegner muss auch aus dem Weg geschafft werden. Wie passend, dass Gabriel (Domnhall Gleeson) gerade wieder in der Stadt ist.

Meine Meinung

Nachdem das letzte Mal in der Sneak die Agentin lief und ich bereits da fragte, was mir der Regisseur mit dem Film sagen will, muss ich diese Frage leider erneut stellen. Denn The Kitchen scheint eine Geschichte über Frauen zu schreiben, die sich auf dem Schatten ihrer Männer erheben und sich emanzipieren, um für ihren Lebensinhalt selbst aufzukommen. Doch gleichzeitig ist der Film in den Fangstricken der irischen Mafia, dessen Grundstrukturen und Regeln mir vorher nicht bekannt waren, auf die im Film aber auch immer nur am Rande Bezug genommen wird. Ein klärender Dialog nach dem Motto „Bei uns läuft das so, weil“, wäre sehr hilfreich gewesen. Gleichzeitig baut er aber relativ viele Charaktere auf, wo von aber einige kaum mehr als einen Satz haben, die aber dazu dienen sollen, möglichst viele Wendungen einbauen zu können. Jedoch ist der Zuschauer bei dem Film sehr schnell ausgestiegen, wegen zu vieler Charaktere und Handlungsstränge und Intrigen, so dass man die große Auflösung am Ende gar nicht mehr richtig wahrnimmt.
Melissa McCathy, als eine der Hauptrollen, ist besetzungstechnisch ja eine schwierige Entscheidung, hat sie sich in den letzten Jahren doch eher mit unterirdischen Komödien einen Namen gemacht. Jedoch hat sie zwischendurch immer wieder bewiesen, dass sie auch ernst Rollen spielen kann und erhielt zuletzt für Can you ever forgive me eine Oscarnomineriung. In The Kitchen spielt sie auf ähnliche Art, mit einer durchgehenden Leidensmiene, die zwar größtenteils passend ist, dennoch kommt sie schauspielerisch nicht darüber hinaus. Auch Elisabeth Moss scheint ihre Rolle als graues Mäuschen, die regelmäßig von ihrem Mann geschlagen wurde, so sehr verinnerlich zu haben, dass sie selbst als ihr Charakter darüber hinaus gewachsen ist, ihre Mimik nicht darüber hinausgewachsen ist. Tiffany Haddishs Rolle ist dann auch der undurchsichtigste Charakter, was durchaus seine Berechtigung für den Verlauf des Filmes hat, jedoch scheint Haddish daher gleich jegliche Bemühung einer schauspielerischen Leistung abgelegt zu haben.
Am Ende weiß man nicht, was am enttäuschendsten war. Die nichtssagende langsam vor sich hin plätschernde Handlung, die unmotivierten Darsteller, das verwirrende Drehbuch ohne Aussage, oder das der Film endet ohne irgendetwas wirklich erzählt zu haben. Abgesehen von ein paar wenigen Szenen, die einem zum schmunzeln gebracht haben, ist The Kitchen ein vollkommen vergessenbarer Film.

Das Fazit

The Kitchen hat es leider verpasst eine nachvollziehbare Handlung aufzubauen und scheitert am Großaufgebot an sinnlosen Charakteren und Handlungswendungen. Dafür gibt es 03 von 10 Punkten.

The Kitchen – Queens of Crime läuft ab dem 19.09.2019 in den deutschen Kinos.

The Ivy Years

Ein Vorwort

Inzwischen sind meine Buspendelzeiten vorbei, aber vorher fand ich es sehr entspannend im Bus die Fahrzeit mit Lesen zu verbringen. Da ich selten Lust hatte, meine teilweise dicken Wälzer von zu Hause mitzuschleppen, rettete mich mein Kindle regelmäßig, da er gut in die Handtasche passte und leicht genug war. Nun waren meine Busfahrten nie besonders lang, ich brauchte also Bücher, die man schnell weglegen konnte und nach der Arbeit immer noch grob wusste, worum es ging, ohne sich tausend Charaktere und Handlungsstränge merken zu können. Demnach wanderten einige Liebesromane, auch gerne in Reihenform, auf meinen Kindle. Eine Reihe davon war „The Ivy Years“.

Die Handlung

The Ivy Years befasst sich mit den Menschen rund um das Harkness College. Immer mit dabei ist auch die Eishockeymannschaft der Herren. In jedem Band geht es um eine aus dem vorherigen Band als Nebenfigur bekannten Charakter, der/die nun seinerseits/ihrerseits seine/ihre Geschichte bekommt. Dabei sind die Einzelschicksale allesamt sehr hart und den Charakteren wird einiges abverlangt.

Meine Meinung

Band 1: The Ivy Years – Bevor wir fallen

Unsere erste Begegnung am Harkness-College haben wir mit Corey Callahan. Nach einem schweren Sportunfall sitzt sie im Rollstuhl und wird etwas abseits von den anderen Studenten im barrierefreien Teil untergebracht. Direkt nebenan wohnt vorübergehend der heiße Eishockeyspieler Adam Hartley, der sich den Fuß gebrochen hat. Beide freunden sich schnell über ihre Liebe zu Eishockey an und bei Corey entwickeln sich schnell tiefere Gefühle. Doch Hartley hat eine Freundin und dazu noch eine echt heiße.
Im ersten Band geht es darum, wie Corey mit ihrem Rollstuhl zurecht kommen muss. Sie muss akzeptieren, dass sie vielleicht nie wieder laufen kann, aber auf jeden Fall nie wieder Eishockey spielen kann. Hinzu kommen die Alltagsprobleme, weil so eine altrenommierte Uni, wie Harkness, hat natürlich nicht unbedingt barrierefrei gebaut. Corey muss lernen mit solchen Hindernissen umzugehen und auch damit, dass sie von allen nun anders behandelt wird. Ihre Aussichten auf eine Beziehung schätzt sie sehr gering ein und natürlich kann sie wegen ihres Rollstuhls nicht mit Hartleys schöner Freundin konkurrieren.
Sarina Bowen greift hier viele Vorurteile auf und verpackt sie in eine schöne Geschichte. Die Charaktere sind zwar mitunter sehr stereotypisch, Hartleys Freundin ist nämlich unheimlich schön, aber natürlich auch ungemein arrogant und egozentrisch. Dennoch sind auch einige liebenswerte Charaktere dabei und die Geschichte um Corey und Hartley ist zwar sehr vorhersebar, aber dennoch schön geschrieben.

Band 2: The Ivy Years – Was wir verbergen

Scarlet Crowley kommt neu ans Harkness-College und kann es gar nicht erwarten von ihren Eltern wegzukommen. Denn ihrem Vater wird vorgeworfen mehrere Jungen des örtlichen Eishockeyteams missbraucht zu haben. Am College trifft sie auf Bridger McCaulley. Dieser hat frisch seine Karriere im Eishockey-Team aufgegeben und scheint sich von all seinen Freunden zurückzuziehen. Nur Scarlet kommt noch an ihn heran und erfährt bald, dass auch er ein Geheimnis hat. Sie verlieben sich heftig ineinander, können aber durch ihre eigenen Lasten sich nicht wirklich um den anderen kümmern.
Das interessante an dieser Geschichte rund um Scarlet und Bridger, wobei man letzteren als Nebencharakter aus dem ersten Band kannte, ist, dass sie relativ schnell zusammen kommen und es also nicht darum geht, wann sie sich finden, sondern eher um die Lösungen ihrer Probleme, die teilweise wieder ganz schön heftig waren. Dadurch ist die Geschichte wesentlich spannender als der erste Band und auch weniger kurzweilig.

Band -: The Ivy Years – Was wir uns bedeuten (Kurz)

Katie, die Mitbewohnerin von Scarlet, ist in einer Studentenverbindung und hat eine schwierige Trennung von ihrem Ex hinter sich. Dennoch will und kann sie nicht allein auf die anstehende Studentenverbindungsparty gehen. Da beschließen Scarlet und Bridger sie mit dem Basketballspieler Andrew, der Bridgers Nachbar ist, zu verkuppeln. Andrew ist ein sehr netter und freundlicher Mann, jedoch auch sehr schüchtern. Auf der Party kommen sich Katie und Andrew näher, doch Katie muss zunächst mit ihrer Trennung abschließen.
Dieser Band gehört nicht in die offizielle Zählung und ist auch nur eine Kurzgeschichte. Dennoch ist es schön, dass sich Frau Bowen noch einmal mit zwei Charakteren aus dem zweiten Band auseinander setzt und ihre Geschichte erzählt. Für einen ganzen Roman war die Geschichte zu dünn, aber für dieses kurze Zwischenspiel bestens geeignet. Auf 105 Seiten wird eine intensive Geschichte erzählt, die man teilweise in ganzen Romanen vermisst.

Band 3: The Ivy Years – Solange wir schweigen

John Rikker muss die Uni wechseln und stößt neu zum Harkness-College und zur Eishockeymannschaft. Der Hintergrund ist massives Mobbing in seinem alten Eishockey-Team, weil er schwul ist. Auch in seinem neuen Team hat er es nicht einfach, denn nicht alle können einen homosexuellen Eishockeyspieler akzeptieren. Und dann ist da noch Michael Graham, den Rikker von früher kennt, der ihn aber komplett ignoriert.
Solange wir schweigen war für mich der bisher schwächste Band der Reihe. Das liegt nicht daran, dass es diesmal eine homosexuelle Liebesgeschichte ist, sondern eben wie an die Sache herangegangen wurde. Frau Bowen möchte auf die noch immer bestehenden Vorurteile eingehen und die Schwierigkeiten im Sport eingehen. Diese Ansätze nimmt sie auch gut mit in die Geschichte rein und zeigt verschiedene Meinungen auf. Doch die Liebesgeschichte an sich ist viel zu lang gezogen und wiederholt sich gefühlt permanent. Rikker versucht auf Graham zuzugehen, der zieht sich zurück, macht einen Schritt auf Rikker zu und zieht sich dann wieder zurück. Die immer gleichen Gedanken der beiden werden wieder und wieder durchgekaut. Dadurch zieht sich die Handlung wie ein Kaugummi und jegliche Spannung entweicht.

Band 4: The Ivy-Years – Wenn wir vertrauen

Bella, bekannt als Managerin der Harkness Eishockeymannschaft der Herren, ist eine toughe Frau, die sich gerne einmal dem ein oder anderen One-Night-Stand hingibt. So auch dem schüchternen Rafe. Doch eine Mobbingattacke erschüttert Bellas Welt und sie fängt an sich vor der Welt zu verschließen. Nun versucht Rafe zu ihr vorzudringen, was gar nicht so einfach ist.
Man merkt, dass die Qualität der Reihe mit der Zeit immer mehr abgefallen ist. Denn auch die Geschichte rund um Bella und Rafe ist weitaus weniger spannend und prickelnd, als noch die ersten beiden Bände. Die Handlung scheint einfach nicht mehr für die 400 Seiten auszureichen, weswegen sie immer wieder mit inneren Monologen gestreckt wird. Bella ist mir mit ihrer Art schon im dritten Band nicht unbedingt sympathisch gewesen, weswegen ich mich auch sehr schwer mit ihr als Protagonistin getan habe.

Das Fazit

The Ivy Years sind eine gute Romanreihe für zwischendurch, wobei es starke Qualitätsschwankungen unter den Bänden gibt.

Die Reihe wird mit dem fünften Band am 31.10.2019 fortgesetzt, der den Namen „Bis wir uns finden“ tragen wird.

Neulich in der Sneak: Die Agentin

Ein Vorwort

Vom 07.-17.02.2019 fanden die Internationalen Filmfestspiele Berlin, kurz Berlinale, statt. Diesmal mit dabei war die deutsch-französisch-israelische Produktion über eine in Deutschland ausgebildete Mossad-Agentin. Gezeigt wurde der Film außer Konkurrenz. Mit einer Diane Kruger als Spionin und Martin Freeman an ihrer Seite, konnte von der Besetzung her schon wenig schiefgehen. Was der Film darüber hinaus kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Rachel (Diane Kruger) wird vom Mossad angeworben und in Deutschland zur Spionin ausgebildet. Doch auf der Beerdigung ihres Vaters taucht sie unter. Kurz darauf erhält ihr ehemaliger Kontaktmann in Deutschland (Martin Freeman) einen mysteriösen Anruf von ihr. Vor einem Sonderkommando muss er nun die Geschichte noch einmal erzählen.

Meine Meinung

Regisseur Yuval Adler hatte bei seiner Grundidee drei Möglichkeiten der Inszenierung. Er hätte einen Film über die politischen Verstrickungen in der Spionage machen können. Oder Adler hätte einen hochspannenden Spionage-Thriller inszenieren können. Oder aber er hätte aus dem ganzen eine Charakterstudie machen können, was Spionage und die ständige Verstellung aus einem Menschen macht.
Vermutlich hat Adler auf letzteres abgezielt. Scheitert aber in allen Belangen in der Umsetzung. Denn Die Agentin ist leider einfach nur ein nichtssagender Film geworden. Keine Aussage, keine Tiefe, keine verständliche Handlung.
Aber fangen wir mit den positiven Sachen an. Die Dreharbeiten fanden in Deutschland, Israel und Bulgarien statt, da man einen Film über eine Mossad-Spionin im Iran, schlecht im Iran drehen konnte. Dennoch sind die Aufnahmen sehr authentisch und gerade für mich als Ex-Leipzigerin war es sehr schön einzelne Schauplätze in Leipzig zu haben. Die Agentin hat mit Diane Kruger und Martin Freeman durchaus zwei sehr talentierte Schauspieler gewonnen. Leider wurde gerade Freeman eher wegen seines bekannten Namens gecastet, denn an keiner Stelle im Film darf er zeigen, was wirklich in ihm steckt. Man merkt, dass er das beste aus seiner Rolle rauszuholen versucht, nur ist da wenig Potential. Kruger wird da schon mehr gefordert und ist damit auch die engagierteste Darstellerin im ganzen Film. Denn die anderen wussten wohl schon beim Lesen, wie der Film wird: Total langweilig.
Und somit kommen wir auch schon zum großen Problem des Films. Er hat kein Konzept. Während am Anfang noch beschrieben wird, wieso Rachel so geeignet als Kandidatin für den Mossad war, wird ihre eigentliche Tätigkeit dann sehr lasch angerissen. Letztendlich kommt eigentlich nur heraus, dass sie trotz allem immer noch versucht ihren eigenen Kopf durchzusetzen, was ihr Ende für die Mission bedeutet. Trotzdem soll sie wahllos noch einzelne Menschen beschatten oder mal eben Bomben in den Iran schmuggeln. Diese Schmuggelszene ist letztendlich auch die einzige, die wirklich unter die Haut geht und den Zuschauer zumindest für fünf Minuten den Atem anhalten lässt. Aber auch hier wird das ganze wieder mit einer Fast-Vergewaltigung übertrieben. Ansonsten erfährt man weder Rachels Beweggründe, noch etwas über ihre Gedanken, weswegen der Film als Charakterstudie durchfällt. Man erfährt nicht, warum ihre Vorgesetzten Entscheidungen treffen und was der Hintergrund des ganzen ist. Es ist also kein Film über politische Verstrickungen in der Spionage. Und als hochspannender Spionage-Thriller fällt er komplett durch, weil er in einem gemächlichen Tempo erzählt wird, dass er mit einem Thriller erst recht nichts gemein hat.
So verlässt man am Ende das Kino und weiß nicht, was der Film einem nun sagen wollte, ist absolut gelangweilt und über das plötzliche Ende völlig irritiert. Denn nachdem gefühlt der gesamte Film die Vorgeschichte der aktuellen Ereignisse erzählt, bricht Adler genau dort mitten während einer Verfolgungsjagd ab. Im Nachhinein ein mutiger Schritt, aber auch der richtige. Denn der Film wäre durch eine Verfolgungsjagd am Ende kein bisschen spannender oder tiefgründiger geworden. Er wäre einfach nur länger und hatte mit 117 Minuten schon lange seinen Zenit überschritten.

Das Fazit

Die Agentin ist einer der langweiligsten Spionage-Filme, die ich kenne. Er hat kein Konzept, keine Tiefe und keine Handlung. Eine engagiert spielende Diane Kruger konnte daran auch nichts ändern. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Die Agentin läuft seit dem 29.08.2019 in den deutschen Kinos.

Es – Kapitel 2

Ein Vorwort

Vor gut zwei Jahren lief der erste Teil des Es Remakes, basierend auf dem gleichnamigen Buch von Stephen King, in den Kinos. Es stellte sich ein weltweiter Erfolg ein, so dass nicht nur die Fortsetzung auf dem Fuße folgte, sondern auch andere Bücher Kings neu verfilmt werden, wie beispielsweise Friedhof der Kuscheltiere und Doctor Sleep. Während sich der erste Teil mit den Erfahrungen des Clubs der Verlierer 1989 in Derry befasst, spielt der zweite Teil nun 27 Jahre später und  befasst sich mit den Freunden im Erwachsenenalter.

Was bisher geschah

Seltsame Dinge geschehen in Derry. Ein unbekanntes Wesen schnappt sich Kinder. Unter anderem auch Georgie Denbrough. Sein großer Bruder Bill kommt über das Verschwinden Georgies nicht hinweg und nimmt sich vor nach ihm zu suchen. Zusammen mit seinen Freunden Stan, Richie und Eddie untersucht er die Abwasseranlage. Dort treffen sie auf Ben, der neu in der Stadt ist und vor dem Roudy Henry Bowers davonlief. Kurz darauf stoßen noch Mike und Beverly zu ihrer Gruppe. Sie alle haben unterschiedliche Erlebnisse mit Es, vor allem in Form des Clowns Pennywise gehabt. Nachdem sie es einmal geschafft haben zu schwächen, setzen sie zum finalen Schlag an. Vermeintlich schaffen sie es nach einem Kampf und versprechen sich, sich alle wieder in Derry zu sammeln, sollte Es jemals wiederkommen.

Die Handlung

27 Jahre nach den Geschenissen kehrt Es nach Derry zurück. Mike (Isaiah Mustafa), der einzige, der in Derry blieb, ruft alle seine alten Freunde an. Widerwillig steigen sie in ihre Autos und fahren nach Derry. Dort müssen sie anfangen sich zu erinnern, um in einem Ritual Es final zu besiegen.

Meine Meinung

Es – Kapitel 2 ist genau die Fortsetzung, die der erste Teil verdient hat. Da die Abschnitte über die Kindheit im Buch schon die spannenderen waren, hatte der Film also einen schwierigen Ausgangspunkt. Dabei gelingt es ihm gekonnt den Übergang zwischen dem Bekanntem und dem Neuen zu schaffen. Denn Dinge, die als Kind gruselig waren, sind es teilweise für Erwachsene immer noch, jedoch in einer anderen Form.
Die Änderungen am Buch, die im ersten Teil bereits teilweise nötig, in jedem Fall jedoch sinnvoll waren, werden hier weitergeführt und auch hier wird wieder einiges gekürzt und teilweise verändert. Auch hier sind die Änderungen so, dass es für den Filmzuschauer rund wird und für den Buchfan gut verkraftbar ist.
Am bemerkenswertesten dürfte das Casting sein, denn jeder Darsteller schafft es nicht nur seinen Charakter herausragend zu spielen, sondern bringt glaubhaft rüber, dass er/sie die Erwachsenenform der Kinderdarsteller ist. Dabei bestehen sogar optisch teilweise so große Ähnlichkeiten, dass szenenweise sogar im close-up von alt auf jung übergeblendet werden kann und es wie ein realer Alterungsprozess aussieht. Selbst ein Jay Ryan, der den erwachsenen Ben spielt, passt wie die Faust aufs Auge, obwohl Ben als Kinderdarsteller sehr dick war und nun schlank und trainiert ist.
Vom Horrorfaktor ist beim zweiten Teil zu sagen, dass er hier immer noch mit den Urängsten der Menschen spielt, dies im ersten Teil mit den Kindern aber deutlich gruseliger war. Zwar versucht auch Kapitel 2 eine gruselige Grundstimmung aufzubauen, lockert sie aber sogleich mit coolen Sprüchen und sorgt so für eine Abwechslung, die für Zuschauer mit geringerer Angstschwelle sehr gut funktioniert, dem passionierten Horrorfilmschauer jedoch zu lasch sein kann.
Kommen wir nun noch auf das große Finale zu sprechen. Während dieser Teil im Buch sehr von der Alkohol- und Drogenabhängigkeit Kings beeinflusst wurde, mussten zwangsläufig Änderungen im Film vorgenommen werden. Der Endkampf pendelt hin und her zwischen großem CGI Gewitter und vielen kleinen Einfällen, die noch einmal die Ängste der einzelnen aufgreift. So richtig kommt das Finale jedoch nicht in Fahrt und verheddert sich in zu vielen Einzelszenen. Hier wäre eine Kürzung und eine Konzentration auf den Hauptkampf wohl zielführender gewesen.

Das Fazit

Es – Kapitel 2 ist eine gelungene Fortsetzung und Umetzung des Buches von Stephen King. Lediglich am Ende will er ein wenig zu viel und er könnte für Horrorfilmfans zu lasch sein. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Es – Kapitel 2 läuft seit dem 05.09.2019 in den deutschen Kinos.

Rückblick auf den August

Der August hat noch einmal mit richtigem Sommerwetter geendet. Und ich habe es diesen Sommer nicht einmal an den See geschafft! Dafür ging es im August wieder auf das Elbenwald-Festival. Diesmal habe ich mir auch ein Starfoto gegönnt. Nachdem ich bei der Comic Con in Berlin von vor zwei Jahren ein wenig zu lange gezögert habe und die Fotoshoots mit Finn Jones ausverkauft waren, habe ich meine Chance nun auf dem Elbenwald genutzt. Ansonsten war das Festival mit einer Bühne weniger deutlich abgespeckter und irgendwie waren wir mehr in der Brett- und Kartenspielecke zu finden als bei den Bühnenveranstaltungen. Ob wir nächstes Jahr wieder fahren, bleibt offen. Aber nun geht es nach zwei Bildern direkt weiter mit meinem Monatsrückblick.

Sneak Preview

Fisherman’s Friends: ist ein sympathischer kleiner Film über eine Chantis singende Fischergruppe, mit einer Menge Heimatgefühl, aber eben auch dem Fernwehfaktor. Für den gute Laune Faktor einfach einmal ansehen.

Die Agentin: Der Berlinale Film befasst sich mit einer Mossad-Agentin, die über Deutschland in den Iran geschickt wird. Leider ist er für einen Spionage-Thriller nicht spannend und die Geschichte ist auch nicht sonderlich tiefgründig und auch keine Charakterstudie einer Agentin. Er bleibt bis zum Schluss ein beinahe aussageloser Film.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Yesterday: Für eine Stunde ist der Film ein super sympathischer „Was wäre wenn“ Film mit tollen Einfällen und einigen Beatlessongs. Leider kippt die Qualität nach knapp der Hälfte völlig und wird danach zu einer einfallslosen Liebesgeschichte. Schade!

Der König der Löwen: war optisch zwar gut anzusehen, aber dafür relativ emotionslos. Im Grunde war es ein guter Film, weil er einfach einen guten Film nachstellt. Neue Ideen sucht man jedoch ergebnislos.

Once upon a time in Hollywood: Der neunte Quentin Tarantino Film bildet mehr oder weniger sehr ausführlich einen Tag im Leben eines alternden Westernhelden ab. Schauspielerisch überragend, inhaltlich gewöhnungsbedürftig.

Fast and Furious: Hobbs & Shaw: konnte mich als Fast and Furious Ableger durch eine starke weibliche Fast-Hauptrolle, ein intelligentes Drehbuch, sympathische Charaktere und gut gemachter Action durchaus überzeugen.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Im August liefen wieder sehr viele Filme bei mir auf dem Fernseher. Dementsprechend wenig Serien habe ich gesehen.

Arielle & Arielle 2: Bei einem Filmabend mit Freunden wurde sich für Arielle entschieden. Weiterhin zwei sehr schöne Filme.

Willkommen in Marven: Monatelang habe ich mich auf diesen Film gefreut und dann lief er einfach in keinem Kinosaal in der Umgebung. Die Geschichte über einen Mann, der sein Gedächtnis nach einem Überfall verloren hat und nun sich in eine Welt voller Puppen flüchtet. Der Film hat sich – anders als erwartet – tatsächlich mehr auf die Puppenwelt konzentriert und mehr über eine Metaebene die Geschichte erzählt. Wenn man sich drauf einlässt, kommt eine hoch emotionale und mitreißende Geschichte bei raus.

Coraline: Sagen wir mal der Anfang und das Ende waren richtig gut… Den Mittelteil habe ich leider wegen akuter Übermüdung verschlafen. Ich werde ihn aber auf jeden Fall noch einmal vollständig ansehen.

The Descendants 2: Nachdem mich der erste Teil weniger begeistern konnte, versuchte meine beste Freundin es nun nochmal mit dem zweiten Teil. Da ich nun eher wusste, was mich erwartete, fand ich ihn tatsächlich deutlich besser.

Küss den Frosch: Einer der wenigen Disneyfilme, die irgendwie komplett an mir vorbeigingen. Diesmal mit einer emanzipierten schwarzen Frau, die es schafft durch einen Fluch in einen Frosch verwandelt zu werden. Disneytypisch traurig, schön und voller Ohrwürmer.

Peter Pan 2: Zweite Teile von Disneyfilmen finde ich grundsätzlich schwierig. Hier ist es ein Film, der noch mit einem guten Grundansatz daher kommt, aber im großen und ganzen nicht wirklich überzeugen kann.

Crazy Rich: Vor ein paar Monaten in aller Munde, konnte ich den Hollywoodfilm mit rein asiatischer Besetzung nun endlich nachholen. Ein starker Film über Vorurteile, Liebe und die asiatische High-Society. Darüber hinaus aber auch eine Komödie.

Goodbye Christopher Robin: Nicht zu verwechseln mit dem fast gleichnamigen Disney-Film geht es diesmal um die Entstehungsgeschichte rund um den Autor und seinen Sohn. Eine herzzerreißende Geschichte.

Das Zeiträtsel: Der Trailer sah mit seinem Cast echt sehenswert aus. Leider ist die Handlung so lahm umgesetzt, dass man den Faden sehr schnell verloren hat und das Interesse am Film auch sehr schnell schwindet.

Spider-Man – a new universe: Sony hat mal wieder einen neuen Spider-Man hervorgebracht. Diesmal ist er komplett animiert. Kingpin versucht durch eine Maschine seine geliebte Vanessa zurückzubringen, holt dadurch aber auch die verschiedensten Spider-Wesen aus den unterschiedlichsten Universen in seines. Vereint versuchen sie nun Kingpin aufzuhalten. Ein im Comicstil animierter Film mit einer ganz eigenen Dynamik und damit noch einmal eine echte Überraschung im Spider-Man Multiversum.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Crawl: Ein etwas trashig aussehender Horror/Thriller mit Krokodilen(?). Unsere Protagonistin muss nun sich und wenn möglich auch ihren Vater vor den Biestern retten.

Stuber: Der Trailer sah schon relativ witzig aus. Aber reicht vielleicht auch für einen Sonntagnachmittag auf der Couch.

Late Night: Ein Film über ein alterndes Talkshow-Sternchen und eine junge Frau, die gerne Comedian wäre. Trailer sah schon sehr witzig, aber auch kritisch aus.

Knapp nicht auf die Liste geschafft haben es: Good Boys, I am mother und Little monsters.

Serien – ein kurzer Überblick

Wie bereits erwähnt war mein Serienkonsum in diesem Monat eher mau. Fortgesetzt habe ich Comedians in Cars getting Coffee mit der vierten Staffel. Endlich beendet habe ich Unbreakable Kimmy Schmidt, die mit den Staffeln immer langweiliger wurde. Die vierte Staffel war nun zum Glück auch die letzte. Neu lief bei mir mit der ersten Staffel The Fresh Prince of Bel Air mit einem wirklich sehr jungen Will Smith.

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 4
Seiten gesamt: 1.808
Seiten pro Tag: 58 im Durchschnitt
Gebundene Bücher: 1
Taschenbuch: 2
E-Book: 1

Doctor Sleep: Die Fortsetzung zu Shining diesmal mit einem erwachsenen Danny. Nachdem ich den Trailer gesehen habe, musste ich das Buch schnell noch vor Kinostart lesen. Wirklich was besonderes war die Geschichte jetzt nicht, aber Stephen King kann aus allem eine Geschichte erzählen.

Streifzüge durch das Abendland: Ein eigentlich gutes Buch von Bill Bryson, dass sich aber so oft wieder holt und den üblichen Biss vermissen lässt.

Never loved before: Definitv eines der schwächsten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Eigentlich eine interessante Grundsituation, aber die Autorin wiederholt sich und die Gedanken der Person fast pausenlos, so dass die Geschichte nie wirklich vorwärts kommt und sich so das absolut vorhersehbare auf über 500 Seiten streckt.

Ghostsitter – Vorsicht Poltergeist: Auf dem Elbenwaldfestival durften die Lesungen von Tommy Krappweis natürlich nicht fehlen und so kam ich endlich dazu mir den zweiten Teil seiner Ghostsitter-Reihe zu besorgen und signieren zu lassen. Die Geschichte ist zwar auch wieder eher für die kleineren ausgelegt, kann aber auch die Großen in den Bann ziehen und begeistern.

Der König der Löwen

Ein Vorwort

Um Disneys Realverfilmungen kommt man in der aktuellen Kinolandschaft wohl kaum noch herum. Die Notwendigkeit ist stark bezweifelbar, die Zuschauerzahlen sprechen jedoch für sich. Während zuletzt mit Dumbo Tim Burton zumindest die bekannte Geschichte weitererzählte und so zumindest ein bisschen was neues schuf, übernahm diesmal wieder Jon Favreau. Im Jungle Book Remake durfte er ebenfalls auf dem Regiestuhl Platz nehmen und zauberte uns eine düstere Version des nicht mehr ganz so „gemütlichen“ Dschungelbuchs. Würde er nun auch in der König der Löwen neuen Pepp reinbringen? Erfahrt es in meiner Kritik.

Die Handlung

Simba ist der Thronerbe des Königfelsens und wird somit irgendwann König über das gesamte geweite Land. Doch sein Onkel Scar ist rasend eifersüchtig und trachtet sowohl seinem Bruder Mufasa, dem amtierenden König, und Simba nach dem Leben. Durch eine List scheint er sich beiden entledigen zu können, doch sieht man sich immer zweimal im Leben.

Meine Meinung

Bei einer 1:1 Verfilmung des Originalstoffes mit minimalen Anpassungen ging es den Machern bisher wahrscheinlich nur um eins: „Schau mal, was ich kann“. Denn während Alice im Wunderland und Maleficent noch neue Geschichten erzählten, Cinderella einen neuen Schwerpunkt legte, Jungle Book sich auf die düstere Variante konzentrierte und Dumbo die Geschichte über die Originalhandlung hinaus erzählte, hatten Die Schöne und das Biest oder jetzt auch der König der Löwen anscheinend nur den Anspruch der Welt zu zeigen, was mit neuster CGI Technik alles machbar ist. Das Jon Favreau das bereits mit Jungle Book bewiesen hat und trotzdem neue Facetten einbauen konnte, schien bei Disney nur auf geringes Interesse zu stoßen. Und so wurde Favreau anscheinend nur die Aufgabe gestellt Altbekanntes im neuen Gewand zu zeigen. Gemessen an den Zuschauerzahlen geht das Prinzip leider auch auf.
Sein „Schau mal, was ich kann“ muss man allerdings lobend erwähnen. Denn die Tiere der Savanne werden absolut realistisch gezeigt. Gerade die erste Szene, in der sich alle Tiere am Königsfelsen versammeln, um die Geburt des Thronfolgers zu feiern, ist trotz 1:1 Verfilmung absolut Gänsehautwürdig. Die hohe Qualität zieht sich durch den gesamten Film. Auch die Naturaufnahmen sind ein absoluter Augenschmaus.
Der Haken an der ganzen Sache ist natürlich, dass Tiere kaum Mimik haben und so auch die Emotionen der Handlung nicht übermitteln können. Daran wurde auch während des gesamten Films festgehalten. Realismus vor Emotionen durch Mimik. So hatten die Synchronsprecher allerhand zu tun die gesamte Wucht der Emotionen allein durch ihre Stimme rüberzubringen.
Wo wir dann auch schon beim Thema Stimme wären. Der König der Löwen ist tatsächlich einer der wenigen Filme, bei dem ich ganz gerne den Film noch einmal im Originalton sehen würde. Denn die deutschen Synchronstimmen sind teilweise sehr unpassend ausgesucht. Gerade die Stimme des jungen Simba ist unpassend, nervig und überfordert. Die einzige Emotion, die wirklich herüberkam, war der weinerliche Grundton der Stimme. Selten war ich so froh, dass auf Klein-Simba Groß-Simba wurde. Doch auch die Stimme war nicht so richtig passend.
Über die Handlung selbst muss ich wohl nicht viele Worte verlieren, denn sie ist altbekannt. Ein paar geringfügige Änderungen wurden vorgenommen, die teilweise einfach nötig waren – im Gleichschritt marschierende Hyänen sind einfach nicht mehr angemessen – und teilweise kaum zu bemerken.

Das Fazit

Der König der Löwen war optisch zwar gut anzusehen, aber dafür relativ emotionslos. Im Grunde war es ein guter Film, weil er einfach einen guten Film nachstellt. Neue Ideen sucht man jedoch ergebnislos. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Der König der Löwen läuft seit dem 17.07.2019 in den deutschen Kinos.

Streifzüge durch das Abendland

Ein Vorwort

Drei Bücher hatte ich von Bill Bryson bereits gelegen. Nachdem mich das erste (Streiflichter der USA) mittelmäßig begeistern konnte, mich das zweite (Reif für die Insel) eher langweilte und mich das dritte (Frühstück mit Kängurus) dann endlich so richtig packen konnte – vielleicht gebe ich den Briten auch nochmal die Chance und lese das Buch mit anderen Erwartungen – versuchte ich es nun mit dem vierten Buch, in dem Mr. Bryson kreuz und quer durch Europa reiste und von seinen Erfahrungen berichtete.

Die Handlung

Bill Bryson hat wieder das Reisefieber gepackt. Nachdem er im nördlichsten Europa startet, um die Nordlichter zu sehen, führt ihn seine Reise kreuz und quer durch Europa. Dabei vergleicht er Kulturen, erzählt von Städten und Erlebnissen, lässt sich über Gewohnheiten einzelner aus, kurzum bringt uns Europa ein Stückchen näher.

Meine Meinung

Zunächst möchte ich loswerden, dass Streiflichter durch Europa wohl eines der hässlichsten Buchcover hat, die es in mein Bücherregal geschafft haben. Angelehnt an das Cover von Frühstück mit Kängurus, wo thematisch passend ein Känguru in die Kamera guckt und um Hintergrund der Ayers Rock mit Fernweggefühlen lockt, durfte diesmal ein Esel vor einer antiken Ausgrabungsstätte (vermutlich die Akropolis) posieren. Leider ist der Esel nicht wirklich hübsch, das knallige blau des Covers im komischen Kontrast dazu und Griechenland wird nicht einmal besucht. Der Esel wird übrigens auch nie erwähnt. Und ja, ich habe mich eigentlich noch nie so sehr über ein Buchcover geärgert. Oder so viel über Buchcover auch nur nachgedacht.
Aber kommen wir zum Buch selbst. Bill Bryson lässt uns wieder einmal an einem seiner Reiseerlebnisse teilnehmen. Diesmal wollte der gebürtige Amerikaner endlich einmal Europa genauer erkunden. Bewaffnet mit Rucksack, Traveller Checks und vielen guten Vorsätzen springt er auch mal eben schnell in einen Zug, wenn er vor einem Ort flüchten will oder wenn er gehört hat, dass es woanders noch viel schöner sein soll. Gerade diese Spontanität macht seine Reiseberichte so interessant. Mit gewohnt leicht ironischem Unterton berichtet er von seinen Abenteuern. Dabei bekommt jede Stadt/Ort ein paar Seiten gewidmet, manche mehr, andere weniger, aber irgendwie doch zu wenig, um wirklich etwas über die Städte zu erfahren. Mit 320 Seiten ist dieser Europabericht auch gute 100 Seiten dünner als sein Werk über Australien beispielsweise. Dadurch fehlen leider mitunter die liebgewonnenen Ausschweifungen über absurde Gesetze oder seltsame Vorkommnisse in der Vergangenheit. Kurzum dem Buch fehlt ein wenig des erwarteten Peps. Es ging dann sogar soweit, dass ich nach circa der Hälfte das Buch einfach weglegen musste. Das immer gleiche Schema der Kapitel ödete mich zu sehr an. Nach einer gewissen Pause hat sich das wieder gelegt und ich konnte mit neuer Entdeckungslust weiterlesen und fand auch wieder mehr Gefallen am Buch.
Die Auswahl der Städte selbst ist kunterbunt gemischt und bildet einige Stellen Europas gut ab. Natürlich gibt es auch genug Flecken, die nicht besucht wurden, aber ganze Europa repräsentabel zu bereisen und in ein Buch zu stecken, ist bei der Vielfalt wohl auch kaum möglich.

Das Fazit

Mit weniger Biss und skurilen Fakten, aber doch mit allerlei erheiternden Informationen, ist Streifzüge durch das Abendland weder Brysons bestes, noch bisher schlechtestes Werk. Es kann abschnittsweise durchaus begeistern, verfällt aber irgendwann in Monotonie.

Yesterday

Ein Vorwort

Yesterday… Es reicht ein Wort und ich habe die Melodie im Kopf. Die Beatles und ihre Lieder sind so unsterblich wie wohl kaum eine Band – abgesehen vielleicht von ABBA. Noch immer begeistern sie Generationen, dabei haben sie sich bereits 1970 getrennt. Doch ihre Musik bleibt zeitlos. Regisseur Danny Boyle (Slumdog Millionär) beschäftigt sich nun mit der Frage, was wäre, wenn sich fast die gesamte Welt eines Tages nicht mehr an die Beatles erinnern würde? Was daraus geworden ist, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Jack Malik (Himesh Patel) ist ein eher erfolgloser Singer-Songwriter. Seine beste Freundin Ellie (Lily James) fungiert gleichzeitig als Managerin und Fahrerin. Eines Abends, nachdem Jack seine Karriere eigentlich an den Nagel hängen will, fällt auf der gesamten Welt gleichzeitig der Strom aus. Jack wird dadurch von einem Bus angefahren. Nachdem der Strom wieder funktioniert, scheint zunächst alles normal, doch muss Jack bald erkennen, dass abgesehen von ihm wohl alle die Beatles vergessen haben. Er wittert seine Chance und singt die Songs selbst neu ein und bekommt auch prompt einen Plattenvertrag angeboten. Wird seine Lüge auffliegen?

Meine Meinung

Bevor ich in den Film ging, fragte mich mein bester Freund noch vorsichtig, was ich mir denn von dem Film erwarte. Eher eine große Kritik an der Musikbranche oder, ob ich auch mit einer kleinen Liebesgeschichte zufrieden wäre. Ich sagte, dass ich keine tiefere Metaebene und hochtrabende Kritik bräuchte, sondern mich über einen kleinen sympathischen Film mit Witz und Charme und Beatles-Liedern freuen würde. Mir wurde daraufhin grünes Licht gegeben. Leider war meine Erwartung an den Film dann wohl doch noch ein wenig zu hoch.
Also im Großen und Ganzen habe ich grob die Geschichte bekommen, die ich erwartet habe. Zumindest für die erste Stunde. Die unterschwellige Liebesgeschichte, die immer mehr in den Vordergrund trat, hat mich auch wenig gestört, was vor allem an Lily James sympathischer Art liegt. Das Problem ist, dass die Geschichte nach knapp einer Stunde mehr oder weniger auserzählt ist. Danach kommt nur noch der verzweifelte Versuch die Liebesgeschichte zu retten, wobei man auch weiß, was nur noch passieren kann und haargenau so kommt es dann auch.
Aber noch einmal von vorne. Wir haben eine schöne Grundidee, eines etwas merkwürdigen, aber doch sympathischen Protagonisten. Wir haben eine gewohnt sympathisch spielende Lily James. Hinzu kommt der lustige Sidekick, der den ein oder anderen running gag raushaut. Grundszenario also top. Ein wenig braucht der Film um ins Rollen zu kommen, hat dann aber einige gute Einfälle. Vor allem die Szene, in der Jack seinen Eltern Let it be vorzuspielen versucht, ist mir positiv in Erinnerung geblieben. Wir haben einen Ed Sheeran – gut Schauspielkünste mal dahingestellt, aber für die fortschreitende Handlung eine gute Variante. Wir haben eine Kate McKinnon, die den absurden Reichtum in der Musikbranche auf coole Art rüberbringt. Und natürlich haben wir die Beatles-Songs, die Patel auch in wunderbarer Neuinterpretation mit dem gebührenden Respekt performt. Es hätte also durchaus der kleine Nischenfilm werden können, mit ein wenig komödiantischem Einschlag, für den er ausgelegt war. Aber leider wurde der wirklich gute Film in knapp eine Stunde gepresst, damit dann nochmal fast eine weitere Stunde lang sich an Klischees entlanggehagelt wird, in der es sich nur noch um die Liebesgeschichte dreht und kaum noch um den Beatles-Gedächtnisverlust. Kurzum es wurde sehr viel Potential verschenkt.

Das Fazit

Für eine Stunde ist der Film ein super sympathischer „Was wäre wenn“ Film mit tollen Einfällen und einigen Beatlessongs. Leider kippt die Qualität nach knapp der Hälfte völlig und wird danach zu einer einfallslosen Liebesgeschichte. Schade! Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Yesterday läuft seit dem 11.07.2019 in den deutschen Kinos.