Wer nach Marvels Black Panther total begeistert von den Dora Milaje war, hat nun die Chance einen Historienfilm über die Vorbilder eben dieser Kriegerinnen im Kino zu sehen. Warum The Woman King auch darüber hinaus ziemlich gut funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
1823 verteidigt sich das Königreich Dahomey gegen das Oyo-Imperium und sieht sich gleichzeitig mit dem Sklavenhandel konfrontiert. Angeführt von der Generalin Nanisca (Viola Davis) haben es die Agojie, eine Gruppe speziell ausgebildeter Kriegerinnen, bisher geschafft ihre Unterzahl auszugleichen. Nawi (Thuso Mbedu) wird von ihrem Vater verstoßen und durchläuft daher die Ausbildung zur Agojie. Doch die ist alles andere als einfach.
Meine Meinung
Nach dem Trailer wusste ich noch nicht so recht, was ich von The Woman King halten sollte, war aber durchaus neugierig, was der Film daraus machen würde. Die kurzen Ausschnitte sahen nach einem typischen Gut gegen Böse Kampf aus, wobei sich dabei noch stark auf das Thema Sklaverei konzentriert wurde. Dies ist auch im gesamten Film ein zentrales Motiv und macht auch einen Großteil der westafrikanischen Geschichte dieser Zeit aus, doch The Woman King bietet so viel mehr. Allein die Auftaktszene zeigt schon, was wir vom Film zu erwarten haben: Bildgewaltige Kampfszenen, bei denen sich die Actionfilme der letzten Jahre durchaus eine Scheibe von abschneiden können. Danach baut sich eine komplexe Geschichte auf, die uns nicht nur die westafrikanische Geschichte rund um das ehemalige Königreich Dahomey (heute Republik Benin) näher bringt, sondern die Geschichte von Kriegerinnen in einer Männerdominanten Welt. In einer Welt, in der sie allein wegen ihrer Hautfarbe als prädestiniert für die Sklaverei angesehen wurden. In der aber auch ein Großteil des Reichtums der Länder durch den Sklavenhandel erwirtschaftet wurde. So stellt sich der Film zeitgleich dem Rassismus und engagiert sich für den Feminismus in nur einem Film. Das Ganze ist verpackt sowohl in einer typischen Heldinnenreise, mit Nawi als Identifikationsfigur, die uns ihren Weg zur Kriegerin zeigt. Dadurch lernen wir die Kultur näher kennen und durchlaufen die komplette Ausbildung zur Agojie. Mit Nanisca haben wir das Gegenstück. Eine Generalin, die zeitgleich auch Einfluss auf den König hat und das Gegenstück zu seinen Ehefrauen bildet. Dabei lässt sich der Film genug Zeit, um die Charaktere ausführlich vorzustellen und ihnen eine Tiefe zu geben, die kaum ein Film bietet. Wir erleben die guten und schlechten Zeiten, Sorgen, Ängste, Freuden, und alles gleichzeitig. Und auch, wenn es diese ruhigen Phasen zwischendurch gibt, kommt die Action an keiner Stelle zu kurz. Dabei haben wir gut durchdachte Kämpfe, mit wunderbaren Choreographien und auch ganze Schlachten. Das Ganze findet vor einer beeindruckenden Kulisse statt, die hier mehr ist als nur ein einfacher austauschbarer Hintergrund. The Woman King mag ein Historienfilm sein, doch er vermag es beinahe spielerisch noch immer brisante Themen zu verbauen. Und auch, wenn er an der ein oder anderen Stelle damit von der Geschichte abweicht, so schafft er es auch die richtigen Botschaften zu vermitteln. Ein Blick lohnt hier definitiv.
Das Fazit
The Woman King schafft es einen Historienfilm voller packender Action und gleichzeitig vielen Geschichten, tiefgehenden Charakteren und die Theman Rassismus und Feminismus zu behandeln. Eingepackt in einer traumhaften Kulisse ist der Film brutal ehrlich. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.
The Woman King läuft seit dem 06.10.2022 in den deutschen Kinos
Herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe der diesjährigen Monsterwochen. Da ich dieses Jahr leider keine Stummfilmvariante ergattern konnte, habe ich dieses Mal zumindest mit der ersten Tonverfilmung begonnen.
Die Handlung
Lord Henry Wotton (George Sanders) besucht den Künstler Basil Hallward (Lowell Gilmore), der ein neues Porträt fertig gestellt hat, was Lord Henry sehr gelungen findet. Es zeigt den jungen Dorian Gray (Hurt Hatfield). Obwohl sich Basil zunächst weigert, stellt er die beiden Herren doch einander vor. Lord Henry überzeugt Gray immer mehr von seiner Weltansicht. Nach einer Weile stellt Dorian Gray fest, dass die Veränderungen, wie Altern, aber auch die Veränderungen seines Charakters auf dem Porträt sichtbar sind, anstatt an ihm.
Meine Meinung
Wie bereits in meinem Beitrag von der Vorwoche erwähnt, ist der Erzählstil von Wilde in das Bildnis des Dorian Gray sehr ausschweifend und anstrengend. Filmisch dürfte dies zugleich eine Chance, aber auch ein Haken sein. Denn zum einen kann filmisch wesentlich mehr gezeigt werden, was ausschweifende Beschreibungen überflüssig macht. Andererseits war das Buch auch voller ausschweifender Dialoge. Diese einzukürzen war dann die Kunst. Die Fassung von 1945 ist größtenteils in schwarz-weiß gedreht. Lediglich kurze Passagen, wenn das Bildnis in all seiner Grausamkeit gezeigt wurde, ist in Farbe. 1945 war das Farbfilmverfahren zwar bereits in der Entwicklung, aber noch nicht so weit verbreitet. Dies hebt den Stellenwert des Bildes für die Geschichte hervor. Das rote Blut, das von den Fingern tropft, erzeugt im sonst farblosen Film einen zusätzlichen Schauer. Darüber hinaus ist von der Gruselgeschichte, als die Wildes einziger Roman zählt, wenig zu spüren. Trotz einer vermeintlich kurzen Länge von 105 Minuten, zieht sich der Film von Minute zu Minute mehr. Das liegt vor allem an der sehr nüchternen Erzählweise. Die sehr ausführlichen Dialoge werden übernommen, ohne dabei die Handlung großartig anzupassen. Es wird von Szene zu Szene geschnitten, ohne sinnvolle Übergänge. Vieles davon entspricht vermutlich noch der damaligen Zeit Filme zu erzählen, aber aus heutiger Sicht, hat der Film kaum Mehrwert zum Buch. Einzelne Stränge wurden im Film angepasst, allerdings ist der Großteils sehr der Buchvorlage entsprechend. Wer sich also nicht dem ganzen Roman stellen möchte, kann dies mit dieser Filmvariante durchaus umgehen. Im Vergleich teilweise früheren Verfilmungen anderer Horrorklassiker (auf diesem Blog bereits besprochen Nosferatu, Frankenstein und das Phantom der Oper) ist der Film sehr ungruselig und auch einfach nicht spannend. Ich bin hier noch sehr auf die moderne Fassung gespannt, die ich euch in der nächsten Woche präsentieren möchte.
Das Fazit
Das Bildnis des Dorian Gray (1945) ist eine sehr buchnahe Umsetzung, scheitert aber am mangelnden Spannungsaufbau und das die ausschweifenden Dialoge nur wenig umgangen wurden.
In Gedenken an Angela Lansbury, die in diesem Film die Sybil Vane verkörperte und in der letzten Woche leider verstorben ist. Rest in Peace
Als ich noch dabei war, meine Monsterwochen für den Oktober zu planen, fiel mir dieses Buch mehr oder weniger in die Arme. Es sprach mich vom Titel und Cover sofort an und dann klang es auch noch nach einem perfekten Herbstbuch. Kurz darauf zog es als Rezensionsexemplar bei mir ein. Warum es sich bei ans Fenster prasselnden Regen und umgeben von verfärbtem Laub, echt gut gelesen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
Daniel Becker ist ein frisch geschiedener Anwalt, der in seiner Kanzlei sehr erfolgreich ist und darauf hin arbeitet Partner zu werden. Doch eines Nachts besucht ihn das Monster aus seiner Kindheit. Ihm wird ein Mord vorgeworfen. Bei einem übernatürlichen Gericht schafft es Daniel die Unschuld des Monsters zu beweisen. Leider bekommt er daraufhin immer mehr Anfragen von anderen Monstern und wird auch noch mit der Aufgabe betraut, den wahren Mörder zu finden.
Meine Meinung
Meistens Richtung Herbst oder Winter gehend überkommt mich das Bedürfnis doch mal nach einem Krimi zu greifen. Dabei interessieren mich die ewig gleichen Ermittler*innen mit Alkohol (oder anderem) Problem ziemlich wenig. Dafür mag ich die Geschichten, die sich irgendwie unterscheiden. Die nochmal eine ganz neue Komponente ins Genre einbringen. Im Zweifel für das Monster hat genau das, was mich sofort angesprochen hat. Wir haben statt eines Ermittlers einen Anwalt, der versucht Hinweise zu finden, um den Mord aufzuklären. Und wir haben die Monster und anderen übernatürlichen Aspekte, die die Geschichte in eine ganz ungewöhnliche Richtung drängt. Dabei bleibt es eine Kriminalgeschichte. Wir bewegen uns nur rudimentär im Fantasybereich durch den übernatürlichen Einfluss, aber es wird nicht eine komplett neue Welt aufgemacht. Der Schreibstil ist sehr flüssig, so dass ich schnell in die Geschichte reingefunden habe. Zunächst lernen wir Daniel als Protagonisten kennen, der uns fortan durch die Geschichte führt. Relativ schnell wird der Monsteraspekt beleuchtet. Danach wird sich schnell auf den Mordfall fokussiert und die ersten Ermittlungen starten. Dabei wechselt die Geschichte immer zwischen neuen Aspekten und den Füllern in der Kanzlei hin und her, wobei das erste natürlich durchaus spannender ist, das zweite der Geschichte aber die nötige Rundung gibt. Der Mordfall und die Ermittlungen gehen dann auch immer wieder in verschiedene Richtungen, wodurch ich bis zum Ende absolut im Dunkeln tappte, wer es denn nun war. Es werden Brotkrumen gestreut, aber da die Ermittlungen sehr weitläufig sind, was wieder auf den übernatürlichen Aspekt zurückzuführen ist, hätte ich die Zusammenhänge so nie gezogen. Das Finale ist spannend und rund und führt einige Handlungsaspekte zusammen. Die Geschichte kann vermutlich Jahreszeitenunabhängig gelesen werden, aber es passte jetzt wunderbar in den Herbst, regnete es doch in letzter Zeit immer öfter. Dadurch kam die passende Atmosphäre hoch, wenn es abends schon dunkel war, dann gegen das Fenster regnete und in einem wieder die Kindheitsängste vom Monster unter dem Bett hochkommen, die in diesem Buch durchaus real sind.
Das Fazit
Im Zweifel für das Monster vereint Krimi mit übernatürlichem Aspekt und schafft damit eine spannende und runde Geschichte, die sich perfekt für die bevorstehenden dunklen Monate eignet. Wer also Krimis mag, aber genug von der klassischen Ermittlerhandlung hat, ist hier bestens aufgehoben.
Im Zweifel für das Monster wurde mir von Blanvalet als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.
Michael „Bully“ Herbig hat sich in der deutschen Medienlandschaft durch seine Comedy einen Namen gemacht und prägte gerade die 2000er Jahre mit Filmen wie Schuh des Manitu oder auch Traumschiff Surprise. Mit Ballon (2018) brachte er seinen ersten ernsten Film heraus, der jedoch gleich ins Schwarze traf. Nun nahm er sich ein relativ aktuelles Thema vor und brachte seinen zweiten ernsten Film heraus. Warum Tausend Zeilen nicht gänzlich funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
Lars Bogenius (Jonas Nay) ist ein aufstrebener Journalist bei Die Chronik und bekannt für seine mitreißenden Reportagen, für die er bereits mehrere Preise gewonnen hat. Doch als er bei einer Reportage über die Flüchtlinge Mexikos in die USA zusammen mit seinem Kollegen Juan Romero (Elyas M’Barek) schreiben soll, fallen diesem Unstimmigkeiten auf. Die Chefetage möchte davon jedoch nichts hören, weswegen sich Romero allein auf Nachforschungen begibt.
Meine Meinung
Nach dem Trailer war ich nicht wirklich überzeugt, ob ich den Film sehen wollte, da dieser sehr wirr geschnitten ist und irgendwie merkwürdige Szenen enthielt, die im finalen Film kaum Bewandnis hatten. Aber nach Ballon hatte Bully bei mir einen Vertrauensvorschuss und irgendwie sprach mich das Thema auch an. Mit dem „Fall Relotius“ oder dem „Fall Spiegel“ hatte ich mich vorher sehr wenig beschäftigt, weswegen die Vorgänge mir im Film sehr neu waren. Dabei geht es ziemlich schnell ins Eingemachte, immerhin hatte der Film mit 93 Minuten einen ziemlich straffen Zeitplan. Dadurch geht dem Film vermutlich das Subtile verloren. Mit der Holzhammer-Methode werden schnell die gängigen Akteure vorgestellt und ziemlich schnell ins Schwarz-Weiß-Schema von Gut und Böse gepresst. Keine Zwischentöne. Die karriereorientierten Chefs, die die Auflage pushen wollen und daher ziemlich eindeutige Botschaften verbreiten. Die Mitarbeitenden, die versuchen dem Druck standzuhalten und eben Lars Bogenius, der sich sehr offensichtlich in seinen Lügengeschichten verstrickt und zu glatt wirkt. Er ist hier ganz eindeutig der Antagonist, keine Hintergrundgeschichte, so dass er irgendwie jeder sein könnte, kein Warum, kein Motiv, nur sein scheinbares Kalkül. Als Gegenspieler haben wir Romero, der den überforderten Protagonisten spielt. Mit ihm bekommt die Geschichte ein Gesicht und gerade seine Entwicklung zur Überforderung wird auch mit einer Familiengeschichte glaubhaft dargestellt. Die Geschichte wird stringent erzählt und da wahrscheinlich jedem außer mir der Ausgang klar war, wird hier gar nicht versucht das Ende zu verschleiern. Es geht nicht um das Was, sondern nur um das Wie. Dadurch, dass die Charaktere aber sehr überzeichnet sind, schwankt Bully immer wieder hin zur Satire, hält sich dann aber selbst zurück. Zwischendurch gibt es dann wieder kleinere Montagen, die zeigen, was möglich gewesen wäre, wenn man sich hier mehr getraut hätte. Stattdessen versucht man irgendwie den Journalismus zu verteidigen, während man eigentlich einen großen Journalismus-Skandal erzählt. Dadurch wird sich auch auf die Figur Bogenius als Antagonisten konzentriert, und nur gegen Ende kurz erwähnt, dass hier ein ganzes System falsch ausgerichtet war. So hat Tausend Zeilen durchaus gute Ansätze und funktioniert in seiner Gesamtheit ganz gut. Doch er wirkt sehr plump und zu Überzeichnet, ohne die Chance der Satire zu nutzen. Dies bleibt als Wermutstropfen zurück. Schauspielerisch birgt der Film wenig herausragendes. Alle Darstellenden spielen ihre Rollen auf gutem Niveau, kommen aber aus den einfach gezeichneten Charakteren nicht heraus. So verfliegen die 93 Minuten nur so, und der Film ist keinesfalls langweilig. Aber im fehlt der Biss, der ihn auf ein höheres Niveau gehoben hätte.
Das Fazit
Tausend Zeilen ist ein durchaus spannender Film, der jedoch an sehr eindimensionalen Charakteren und dem Holzhammer-Erzählstil scheitert und so nicht über die Mittelmäßigkeit hinaus kommt. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.
Tausend Zeilen läuft seit dem 29.09.2022 in den deutschen Kinos
Mit einer Woche Verspätung soll es auch dieses Jahr wieder die Monsterwochen auf diesem Kanal geben. Der Oktober ist ja prädestiniert für allerlei Aktionen, sei es dem Horroroctober, dem Schocktober, dem Inktober oder auch dem Covertober. Wie bereits in den letzten beiden Jahren, gibt es bei mir wieder die Monsterwochen, bei denen ich mir einen prominenten Horrorklassiker herausgreife und diese dann in verschiedenen filmischen Umsetzungen mir ansehe. Normalerweise versuche ich das auf die vier Mittwoche im Oktober zu legen. Dieses Jahr wird es eine Ausgabe weniger geben, da ich nur zwei nennenswerte Verfilmungen gefunden habe, da die Stummfilmfassung leider nirgends zu ergattern war. Aber dann wollen wir mal ohne viele weitere Worte zu verlieren uns erst einmal die literarische Vorlage genauer anschauen. In diesem Jahr geht es um Das Bildnis des Dorian Gray.
Die Handlung
Lord Henry Wotton besucht den Künstler Basil Hallward, der ein neues Porträt fertig gestellt hat, was Lord Henry sehr gelungen findet. Es zeigt den jungen Dorian Gray. Obwohl sich Basil zunächst weigert, stellt er die beiden Herren doch einander vor. Lord Henry überzeugt Gray immer mehr von seiner Weltansicht. Nach einer Weile stellt Dorian Gray fest, dass die Veränderungen, wie Altern, aber auch die Veränderungen seines Charakters auf dem Porträt sichtbar sind, anstatt an ihm.
Meine Meinung
Wie auch bereits in den letzten Jahren ist der Begriff Monster auch hier bewusst provozierend gewählt und ist natürlich eine sehr einfache Interpretation des Stoffes. Dennoch wird Das Bildnis des Dorian Gray nicht selten im gleichen Atemzug, wie beispielsweise Dracula oder Frankenstein genannt, wenn es um die klassische Schockliteratur geht. Oscar Wilde hat in seinem einzigen Roman so viele Motive und Interpretationsansätze untergebracht, dass dies schon wieder ganze Bücher füllen kann. Auf das einfachste heruntergebrochen geht es aber, um den schlechten Einfluss und wie man mit sich selbst umgeht, wenn man jung und schön bleibt, ohne, dass Alter oder der eigene Charakter auf den Zügen zu erkennen ist. Es geht um Moral, es ist eine Kritik an die englische Oberschicht zu Zeiten Wildes und eine ausschweifende Charakterstudie. All das ist in einer Geschichte zusammengefasst, die mir von all den Klassikern, die ich zu Ende gelesen habe, am schwersten fiel. Die Sprache ist selbst für damalige Verhältnisse sehr hochtrabend, man merkt Wilde den Theaterhintergrund an. So wird viel Wert auf sehr ausschweifende Dialoge gelegt, die letztendlich die Handlung aber nur künstlich strecken. So hat der Roman an sich spannende Ansätze und allein das Konzept des Porträts hat nicht ohne Grund einen gewissen Beliebtheitsstatus entwickelt. Aber es ist sehr schwer zu lesen. Ich habe es verteilt in über einem Jahr gelesen, weil ich meist nach einer Seite keine Lust mehr hatte. Dabei waren durchaus Spannungselemente vorhanden, gab es doch den ein oder anderen Todesfall. Dennoch bin ich gespannt auf die anstehenden Verfilmungen, könnten die doch genau die Schwächen des Buches umgehen. Ob das funktioniert hat, erfahrt ihr in den nächsten beiden Wochen.
Das Fazit
Das Bildnis des Dorian Gray hat ziemlich viel Interpretationsmaterial und birgt eine spannende Geschichte, die leider durch den viel zu ausschweifenden und hochtrabenden Schreibstil alles an Spannung einbüßt und sich einfach nur zieht.
Willkommen zur vierten serientastischen Handvoll in diesem Jahr! Heute mit: einer fangirlenden Kuratorin, einer Band im Krankenhaus, der Suche nach der Liebe, einem dem Tod nahem Hotel und einem musikalischem Zauberer.
Her private life
Die Handlung: Seong Duk-Mi (Park Min-Young) arbeitet in einer renommierten Kunstgalerie und muss dort mit ihrem neuen Chef Ryan Gold (Kim Jae-Wook) zurecht kommen. Gleichzeitig ist sie großer Fan einer K-Pop Band und vorallem vom Sänger Cha Si-An (Jung Je-Won), doch diese Leidenschaft muss sie im Geheimen ausleben. Nach einem Vorfall mit einer Jacke, muss sie eine Beziehung mit ihrem Chef faken, um die Fans Si-Ans zu beruhigen. Doch dann schleichen sich noch andere Gefühle ein.
Meine Meinung: Dass einige K-Pop Bands es inzwischen international zur Bekanntheit geschafft haben und sich auch hierzulande riesige Fangruppen gebildet haben, ist eine Entwicklung, die deutlich zu beobachten ist. Doch wie ist es mit den Fans aus dem eigenen Land? Dafür bietet Her private life einen wunderbaren Einblick. Was es mit Verkäufen auf sich hat und wieso sich manche mehr als einmal ein Album kaufen, war mir vorher gar nicht bewusst. Doch auch neben dem Thema Fangirling bietet die Serie allerhand Stoff. Wir haben das Thema Kunst und die Arbeit in der Kunstgalerie. Wir haben eine enemys to lovers Geschichte voller toller romantischer Momente und wir haben eine ganz tolle Freundschaft, die erzählt wird. Die Serie habe ich zusammen mit meiner besten Freundin angeguckt und mehr als einmal, haben wir uns versichert „Ja, das würde ich auch für dich tun!“ Die Serie schleicht sich schnell ins Herz rein und macht sich dort breit. Man fiebert mit der Protagonistin richtig mit und in der nächsten Szene liegt man wieder auf dem Boden vor Lachen, weil die Serie es einfach immer wieder schafft aus kleinen Momenten richtige Pointen zu formen. Lediglich das Ende gerät etwas holprig, da die Handlung partout auf 16 Folgen gestreckt werden musst und dadurch nochmal Wendungen eingebaut wurden, die überhaupt nicht mehr nötig waren. Aber das ist tatsächlich Jammern auf sehr hohem Niveau.
Hospital Playlist
Die Handlung: Die Ärzt*innen Lee Ik-Joon (Jo Jung-Suk), Ahn Jeong-Won (Yoo Yeon-Seok), Kim Joon-Wan (Jung Kyung-Ho), Yang Seok-Hyung (Kim Sae-Myung) und Chae Song-Hwa (Jeon Mi-Do) sind beste Freund*innen und arbeiten zusammen im Krankenhaus, in verschiedenen Abteilungen. Neben ihren persönlichen Geschichten und ihrer Arbeit im Krankenhaus, gründen sie eine Band und versuchen Zeit für die Proben zu finden.
Meine Meinung: Bei Krankenhausserien bin ich bis auf wenige Ausnahmen raus. Scrubs kann ich mir immer wieder angucken und Dr. House habe ich bis zur sechsten Staffel (oder so) verfolgt. Aber gerade, wenn Krankenhaus auf Liebesdrama stieß, wie zum Beispiel Greys Anatomie, war ich raus. Dennoch hat mit Netflix sehr energisch Hospital Playlist immer wieder vorgeschlagen, bis ich nachgab und einen Blick wagte. Und dann war ich im Sog der Serie gefangen (wie es mir bei K-Dramen eigentlich ständig passiert). Die fünf Protagonist*innen sind alle herrlich anders und doch ist ihre Freundschaft der rote Faden der Serie. Etwas überfordert war ich zunächst mit den ganzen Nebencharakteren, wo jetzt welche Assistenzärzt*innen hingehörten und wo welches Pflegepersonal. Die Serie besticht zum einen durch mitreißende Fälle, die dennoch nicht unrealistisch sind. Es sind also nicht wie bei Dr. House immer die Krankheiten, auf die natürlich niemand anderes gekommen wäre, und dennoch spannende Diagnosen. Natürlich dürfen auch die ein oder andere Liebesromanze nicht fehlen, unerwiderte Gefühle und das übliche Drama. Dabei wird das ganze aber sehr liebevoll verpackt und steht im guten Verhältnis zum medizinischen Teil.
Lovestruck in the City
Die Handlung: Als sich der Architekt Park Jae-Won (Ji Chang-Wook) von seiner Arbeit eine Auszeit gönnt und einen längeren Surferurlaub macht, trifft er auf Lee Eun-O (Kim Ji-Won), die dort vor ihrem Leben geflohen ist. Als beide wieder in ihr Leben zurückkehren, bricht sie den Kontakt plötzlich ab. Jae-Won versucht daraufhin verzweifelt sie wiederzufinden.
Meine Meinung: Mit vergleichbar kurzen Folgen lockte dieses K-Drama, ist bisher aber auch das Schwächste, was ich gesehen habe. Die Handlung baut sich noch langsamer auf als in anderen Dramen und einige Folgen lang, wusste ich nicht, worauf es hinauslief. Zudem waren mir beide Protagonist*innen sehr unsympathisch, so dass ich wenig Interesse an ihrer Suche hatte. Im Laufe der Serie wird dies ein wenig besser, aber gerade durch die nebenbei geführten Interviews, wodurch die Serie ins Mockumentary-Genre fallen dürfte, dreht sich die Handlung immer und immer wieder im Kreis. Erst ganz gegen Ende, wenn das Geheimnis der Protagonistin gelüftet wird, klärt sich einiges auf und ich bin mit der Serie etwas versöhnlicher geworden. Doch davor habe ich mich durch viele Folgen nur durchgequält. Hier ist mir wieder einmal zum Verhängnis geworden, dass ich ganz selten Serien abbreche. Leider haben es die Nebencharaktere auch nur bedingt aufgelockert, auch wenn hier mitunter die schönere Geschichte zu finden war.
Hotel del Luna
Die Handlung: Go Chan-Seong (Yeo Jin-Gu) kehrt nach seinem Auslandsstudium der Hotellerie zurück nach Korea, da er denkt mit seinem Geburtstag einem von seinem Vater verschuldeten Fluch entkommen zu sein. Doch die mysteriöse Jang Man-Wol (Lee Ji-eun) spürt ihn auf und zwingt ihn im Hotel del Luna, einem Hotel für die Toten, zu arbeiten.
Meine Meinung: Nach Mystic Pop-up Bar wusste ich, dass ich nochmal ein K-Drama in die mystische Richtung sehen wollte. Hotel del Luna kam mir da gerade Recht. Hier fiel mir der Einstieg in die Serie auch etwas einfacherer als bei Mystic Pop-up Bar, auch wenn da letztlich die Charaktere etwas sympathischer waren. Dennoch konnte ich auch hier mich schnell in die Charaktere einfinden und mitfiebern. In den einzelnen Folgen hat man nicht nur einzelne Nebenhandlungen, ein wenig den „Todesfall der Woche“, sondern erfährt auch immer wieder Stücke aus dem früheren Leben der Hotelleiterin, die sich in die Haupthandlung einfügen. Auch wenn nach und nach der Fokus immer weiter auf die Haupthandlung rutscht und hier die potenzielle Liebesgeschichte mehr Platz einnimmt, so gibt es dennoch genügend Platz für weitere Nebenhandlungen. Gerade die Nebencharaktere bilden hier einen großen Mehrwert, sorgen sie doch für viel Witz, aber bieten auch tolle Nebenhandlungen, mit denen man ebenso mitfiebert, wie mit der Haupthandlung. So bietet Hotel del Luna Mystik, Horror, Drama, Romantik und Komödie in einem, wodurch so einige auf ihre Kosten kommen dürften. Auch hier eine große Empfehlung.
Annarasumanara
Die Handlung: Yoon Ah-Yi (Lisa Yamada) wurde von allen im Stich gelassen und lebt allein mit ihrer Schwester zusammen. Neben der Schule versucht sie Geld für Miete und Essen zusammen zu kratzen, was ihr in der Schule einen Außenseiterstatus einbrachte. Dann trifft sie auf einem verlassenen Jahrmarkt einen mysteriösen Zauberer (Ji Chang-Wook), der ihr eine neue Welt zeigt.
Meine Meinung: Wohl das K-Drama, das mich mit den gemischtesten Gefühlen zurückgelassen hat. Denn wir haben zum einen schillernde Szenen voller Magie und ein schönes Musical, wir haben aber auch untypisch viel Leid und schwere Schicksale. Für Ah-Yi scheint nur zu gelten, wie man ihr das Leben noch schwerer machen kann. Nicht nur haben die Eltern sie und ihre Schwester zurückgelassen, auch erdrückt die Geldnot sie fast. Die Situation in der Schule mit dem Mobbing macht es nicht gerade besser. Da dies bei mir tendenziell ein Trigger ist, fiel es mir immer schwerer die Serie weiter zu schauen, doch sie ist gleichzeitig so spannend gestaltet, dass ich doch irgendwie dran geblieben bin. Den Namen Musical-Serie macht sie gerade am Anfang alle Ehre, mit tollen Liedern und tollen Inszenierungen. Leider nimmt dies über den Verlauf der Serie immer mehr ab und die Lieder wurden auch einseitiger. Bei gerade einmal sechs Folgen keine gute Entwicklung. Letztlich ist es aber das Ende, was irgendwie rund ist und doch so viele Fragen offen lässt, dass ich nicht genau weiß, was ich final von der Serie halten soll.
Der Herbst ist da, selbst ich kann es nicht mehr leugnen. Damit ist es auch wieder Zeit für einen Rückblick auf das vergangene Quartal, womit ich die Rückblickswoche vervollständige (als hätte ich es geplant, aber tatsächlich ist es Zufall, da ich durch meine Erkältung einige Beiträge umplanen musste). Dabei sieht diesmal durch das Sommerloch vor allem der Kinobereich sehr schwach aus. Also vielleicht wird es das erste Mal nicht in allen Bereichen eine Top 5 geben. Dennoch gibt es hier die bekannten Toplisten aus Kino, Film, Serie und Buch aus der Zeit Juli-September 2022.
Meine vier Kino Highlights
Elvis: Colonel Tom Parker ist eigentlich ein Rummelplatz-Manager, doch als er den jungen Elvis Presley entdeckt, beginnt eine ganz andere Karriere. Zusammen erobern sie die Musikcharts. Doch im Laufe der Zusammenarbeit tauchen immer mehr Differenzen auf.- Tolles Biopic, etwas wenig Musik, aber interessanter Erzählstil.
Sing a bit of harmony: Satomi lebt in einer Modellstadt, wo künstliche Intelligenz getestet wird. Roboter sind in ihrem Alltag fest integriert. Ihre Mutter steht kurz vor dem Abschluss eines wichtigen Projekts und hat daher wenig Zeit. Als mit Shion eine neue Mitschülerin auftaucht, die auf Satomis Glück aus ist, steht die Welt Kopf. Doch dann findet Satomi mit ihrem Freundeskreis heraus, dass Shion das neue Projekt der Mutter ist. – Thema künstliche Intelligenz mal ganz anders aufgezogen, sehr süßer und lebensfroher Film.
Bullettrain: Ladybug bekommt den Auftrag in einem Shinkansen einen Aktenkoffer voll Geld zu stehlen. Doch in diesem Zug sind noch einige andere Personen aus verschiedenen Motiven, die alle unterschiedliche Ziele haben. Doch eins ist gewiss: Der weiße Tod wartet in Kyoto. – Rasante Action, tolle Dialoge, einfach völlig meinen Humor getroffen. Highlight.
Der Gesang der Flusskrebse: Kya Clark lebt allein in der Marsh, einer Sumpflandschaft in North Carolina. Von der Familie zurückgelassen, muss sie irgendwie überleben. Dabei findet sie in wenigen helfenden Hände Freundschaften und vielleicht auch Liebe. Doch Ende der 1960er Jahre wird sie eines Mordes beschuldigt. – Ruhig erzählt, schöne Landschaftsaufnamen, tolle Geschichte.
Meine fünf filmischen Highlights
Train to Busan: Seok-Woo ist Fondmanager und hat daher wenig Zeit für seine Tochter Su-An. Diese ist so traurig, dass sie mit dem Zug zurück zu ihrer Mutter nach Busan fahren will. Seok-Woo will sie nicht allein fahren lassen und steigt mit ein. Doch auf der Fahrt häufen sich die Meldungen, um merkwürdige Tumulte in ganz Korea. – Ich hasse Zombies. Ich hasse Horrorfilme. Aber dafür ist der Film echt gut.
Die Poesie des Unendlichen: Der Mathematiker S. Ramanujan lebt in Indien, kurz vor dem ersten Weltkrieg. Da er durch seinen Stand im von den Briten besetzten Indien keine Chance hat, voranzukommen, schreibt er einen Brief nach Cambridge und wird eingeladen, dort weiter zu forschen. Doch vor Ort quält ihn nicht nur Heimweh, sondern auch der Rassismus. – Ruhig erzähltes historisches Drama aber mit spannender Geschichte.
Mrs. Taylors Singing Club: Während die Soldat*innen im Auslandseinsatz sind, bleiben die Familien auf dem Stützpunkt zurück und versuchen sich bei verschiedenen Aktivitäten abzulenken. Kate Taylor hat sich als Offiziersgattin bisher rausgehalten, nach dem Tod ihres Sohnes versucht sie jedoch die Organisation an sich zu reißen. Sehr zum Leidwesen von Lisa, die bisher alles organisiert hat. – Sehr vorhersehbares Drama, funktioniert an vielen Stellen, hat aber auch zwischendurch deutliche Schwächen.
Hocus Pocus: 1693 werden drei Hexenschwestern hingerichtet, doch konnten sie vorher einen Fluch aussprechen. 1993 werden diese wieder erweckt. Überfordert mit der modernen Welt, müssen sie dennoch versuchen, einen Trank zu brauen, der sie über die Nacht hinaus am Leben erhält. Doch dafür brauchen sie die Energie eines Kindes. – Kultiger Halloweenfilm mit drei ganz eigenwilligen Hexen.
Die Erfindung der Wahrheit: Elizabeth Sloane ist Lobbyistin und hat einige erfolgreiche Kampagnen für Cole Kravitz & Waterman geleitet. Doch beim Thema Waffenkäufe wechselt sie unerwartet das Lager und steigt bei einem kleinen Konkurrenten ein. Damit tritt sie einen Wettlauf los, bei dem einige schmutzige Mittel eingesetzt werden. – So ganz bin ich wohl nicht mit allen Wendungen hinterhergekommen, aber sehr spannender Politthriller.
Meine fünf serienlastigen Highlights
Her private life – K-Drama: Seong Duk-Mi arbeitet in einer renommierten Kunstgalerie und muss dort mit ihrem neuen Chef Ryan Gold zurecht kommen. Gleichzeitig ist sie großer Fan einer K-Pop Band und vorallem vom Sänger Cha Si-An, doch diese Leidenschaft muss sie im Geheimen ausleben. Nach einem Vorfall mit einer Jacke, muss sie eine Beziehung mit ihrem Chef faken, um die Fans Si-Ans zu beruhigen. Doch dann schleichen sich noch andere Gefühle ein. – Wahrscheinlich die Serie, die allen Fans von etwas aus dem Herzen spricht. Gleichzeitig besticht sie durch eine tolle Geschichte, viel Gefühl und vor allem einer sehr großen Portion Humor.
Traumhaus Makeover – Staffel 3: Shea McGee hat zusammen mit ihrem Mann eine Renovierungsfirma gegründet. Egal, ob das ganze Haus oder nur einzelne Zimmer, egal ob großes oder kleines Budget, die McGees kümmern sich um alle Wünsche. Mit ihrem unvergleichlichen Einrichtungsstil treffen sie dabei immer ins Schwarze. – Super sympathisches Paar und tolle Serie für Einrichtungsfans. Funktioniert auch in der dritten Staffel trotz Schwangerschaft und Corona sehr gut.
Spy x Family – Staffel 1: Twilight ist Spion aus Westalis und wird nach Ostania geschleust. In Berlint soll er sich unter der Tarnidentität Loid Forger Zugang zu einem der führenden Politiker verschaffen. Der einfachste Weg ist über die Eden-Akademie, eine der führenden Schulen. Dafür benötigt er jedoch ein Kind. In einem Waisenhaus adoptiert er die Telepathin Anya, ohne von ihren Fähigkeiten zu wissen. Doch leider akzeptiert die Eden nur vollständige Familien, weswegen Loid noch eine Frau braucht. Diese findet er in Yor, weiß jedoch nicht, dass sie eine berühmte Auftragskillerin namens Dornenprinzessin ist. – Spannend, witzig, aber vorallem mit tollen Charakteren. Es bleibt spannend, ob die Geheimnisse der Charaktere irgendwann auffliegen.
Sandman – Staffel 1: Dream, einer der Ewigen und zuständig für die Traumlande, wird von einem Zauberer gefangen genommen. Hundert Jahre später kann er sich befreien und steht vor den Trümmern seines Reiches, dass er nun wieder aufbauen muss. – Die Serie besticht durch eine spannende Handlung, aber vor allem durch eine unglaubliche Optik.
Attack on Titan – Staffel 4.1-4.2: Vor 100 Jahren tauchten Titanen auf, die Menschen essen und keinen anderen Lebenszweck zu schein haben. Daher zog sich die Menschheit hinter drei hohen Mauern zurück. Nach den Ereignissen in den vorherigen drei Staffeln, geht es nun um die finalen Schlachten auch außerhalb der Mauern. – Die Serie bleibt unglaublich spannend, mitreißend und lässt einen mehr als einmal fassungslos zurück.
Meine fünf buchigen Highlights
Vielleicht Irgendwann: Karla hat sich vorgenommen keine Beziehung einzugehen. Als sie auf Henning Kiefer, ihrem Idol aus der Formel 2, trifft, könnte sie jedoch schwach werden. Dann bekommt sie ein zweifelhaftes Angebot: Sie soll Hennings Freundin spielen. Da sie dringend Geld braucht, geht sie drauf ein, nichts ahnend, was seine Nähe in ihr auslöst. – Die Grundidee mochte ich, die Umsetzung hat mich überrascht, aber die Geschichte hab ich geliebt. Sehr schöner Abschluss der Reihe.
Golden S(e)oul Days: Nach drei Jahren in Singapur reist Jade zurück nach Korea. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen trifft sie wieder auf Hyun-Joon und ihre Gefühle kehren heftiger zurück als zuvor. Doch nach seiner Zeit beim Militär hat er sich geändert. Gibt es für beide eine gemeinsame Zukunft? – Ganz anders als erwartet, aber dennoch ein sehr starker zweiter Teil und eine mitreißende Geschichte.
Emerald Witches 1 – Ahnenmond: Kang Hana ist die Erbin des Smaragdzirkels, einer der sieben Hexenzirkel von Seoul. Beim Ahnenmond soll sie sich gegen ihre Konkurrentinnen durchsetzen, um den Vorsitz wieder vom Opalzirkel zu ihrem zu lenken. Doch die Opalhexen betrügen und kurz darauf muss sich Hana mit dem Dämon Bobby einlassen, um ihr Leben zu retten. – Wohl das Buch, das ich seit Ewigkeiten am meisten herbeigesehnt hatte. Und es hat mich nicht enttäuscht, im Gegenteil, ich bin in eine faszinierende Welt eingetaucht, mit tollen Charakteren, einer spannenden Handlung und eine Achterbahn der Gefühle. Und jetzt brauch ich dringend ein paar Taschentücher und Band 2.
Beastseller 1 – Monomythos: Marc wacht in einer Fantasywelt auf und hat nur noch eine Nummer in seinem Smartphone gespeichert. Ciri eine Fee in Handyform erklärt ihm, dass er eine Heldenreise durchleben muss, um wieder zurück zu kommen. – Roman in Chatform, der mit einigen Klischees aufräumt bzw. diese bewusst ausspielt. Sehr witzig und gut umgesetzt.
Und wir tanzen über den Flüssen: June kehrt nach London zurück und trifft prompt auf Kian, ihrem Ex. Schnell schleichen sie die alten Gefühle bei beiden wieder ein. Doch dann ist da noch Ash, Kians bester Freund, mit dem sie sich nur fetzt, auch wenn sie das prickeln in seiner Nähe nicht ignorieren kann. – Das Finale der Love is love Reihe befasst sich mit Polyamorie und das auf eine sehr herzliche Art. Es hat leider ein bisschen lange gebraucht, um sich aufzubauen, wodurch kleine Längen vorhanden waren, aber die tollen Charaktere und die starke Geschichte macht vieles wett.
Am 17. und 18.09.2022 fand wieder die Buch Berlin statt. Ich war wieder für euch dabei und möchte ein wenig berichten – wenn auch urlaubs- und krankheitsbedingt etwas verspätet.
Die Messe
Nachdem die Buch Berlin im letzten Jahr unter strengen Coronaauflagen stattfand, war dieses Jahr alles etwas lockerer. Dadurch wuchs auch die Anzahl der Ausstellenden auf über 300 und natürlich wuchs die Anzahl der Besuchenden deutlich. Dadurch wurde es an einzelnden Ständen etwas voller und es blieb weniger Zeit für Gespräche, wie noch im letzten Jahr. Dennoch unterscheidet sich die Buch Berlin von den Zahlen deutlich von den großen Messen, wie Leipzig und Frankfurt. Hier sucht man vergebens nach den großen Verlagen, dafür ist genug Platz für die kleineren Verlage und vor allem für Selfpublisher. Die Stände wurden wieder mit viel Liebe und Hingabe gestaltet und die Liebe zum geschriebenen Wort war in jedem Gespräch zu spüren. Die Genres waren querbeet vertreten, so dass eigentlich jeder fündig werden sollte. Allein die Ständereihen mit den kreativen Namen, wie Rocky Beach, Baker Street oder King’s Landing luden zum schmunzeln ein. Natürlich gab es auch wieder allerlei Lesungen und andere Aktionen, wie eine Messerätsel-Ralley oder Radiointerviews von Radioplanet Berlin.
Mein Messeerlebnis
Ich würde sagen, dass ich letztes Jahr viel mehr Gespräche an Ständen geführt habe, dafür dieses Jahr aber noch mehr bekannte Gesichter (wieder-) getroffen habe. Kaum eine „Straße“ konnte ich entlang gehen, ohne nicht ein bekanntes Gesicht zu treffen. So fühlte es sich nicht nur wie eine Messe voller Gleichgesinnten an, sondern auch irgendwie wie nach Hause kommen. Durch meinen Urlaub konnte ich nur am Samstag teilnehmen, war da aber fast die ganze Zeit anwesend, was mir meine schmerzenden Füße bestätigten. Das Grinsen auf meinem Gesicht konnte es jedoch nicht wegwischen. Es war einfach nur eine gute Stimmung, so viele tolle Leute und dann konnte ich auch noch meinen Lieblingsautor Christian Handel persönlich treffen (Foto unten links).
Buch Berlin Bookhaul
8 Bücher durften letztendlich in meinen Beutel hüpfen. Am liebsten hätte ich noch viel mehr Bücher mitgenommen, doch ich hatte ein festgesetztes Budget, das ich restlos ausreizte. Genug Beutel hatte ich natürlich dabei, also da wäre noch einiges möglich gewesen 😉 Das erste Buch ist inzwischen auch schon verschlungen und ich freu mich auf jedes weitere. Ansonsten kann ich nur sagen, es war wieder ein tolles Messeerlebnis, ich war sehr glücklich an diesem Tag und freue mich schon jetzt auf nächstes Jahr.
Und? Sehen wir uns nächstes Jahr auf der Buch Berlin?
Vielen Dank an die Buch Berlin für das Bereitstellen eines Pressetickets. Ich kennzeichne diesen Beitrag daher als Werbung.
0 Kinofilme im September. Das gab es wohl seit Lockdown und geschlossenen Kinos nicht mehr. Aber am Anfang gab es nicht einen Film, der mich wirklich interessierte, dann folgte mein Urlaub und anschließend hatte mich eine Erkältung fest im Griff. Was der Oktober so bringt, da lass ich mich mal überraschen. Zumindest das Sommerloch sollte doch langsam vorbei sein.
Filme – auf großer Leinwand gesehen
Wie bereits eingang erwähnt, habe ich keinen Film im Kino gesehen. Auf das es im Oktober besser wird!
Filme – auf großem Fernseher gesehen
Erneut gesehen habe ich Shrek 1 und 2 (noch immer gute kurzweilige Unterhaltung)
Dallas Buyers Club: Ron Woodroof erkrankt an HIV, was für den queerfeindlichen Lebemann schwer zu ertragen ist. Da er an ein neues Medikament in den USA schwer rankommt, reist er nach Mexiko und lernt dort eine Behandlung mit Körperstärkungsmitteln kennen. Damit auch andere Betroffene davon profitieren, er aber nicht wegen Medikamentenschmuggel angezeigt wird, gründet er den Dallas Buyers Club. – Am Anfang etwas problematisch, danach interessant, wenn er sich auch stellenweise zieht.
Prestige: Ende des 19. Jahrhunderts konkurrieren zwei Magier um Publikum und den besten Trick. Robert Angier und Alfred Borden kennen sich aus ihren Anfangszeiten, die jedoch durch den Tod von Angiers Freundin überschattet wird. – Spannende Handlung, auch wenn ich einige Zeit gebraucht habe, um in die Geschichte reinzukommen.
Pinocchio: Geppetto ist ein Handwerker und Uhrmacher in einem kleinen italienischen Städtchen. Eines Abends wünscht er sich etwas vom Abendstern. Daraufhin erscheint die blaue Fee und erweckt die frisch fertig gestellte Holzpuppe Pinocchio. Um ein richtiger Junge zu werden, muss er beweisen, dass er Recht von Unrecht unterscheiden kann. Dafür bekommt er die Grille Jiminy an die Seite gestellt. – Lieblose Realverfilmung, die wenig bis nichts Neues einbringt und an der Distantziertheit der Charaktere scheitert.
Hocus Pocus: 1693 werden drei Hexenschwestern hingerichtet, doch konnten sie vorher einen Fluch aussprechen. 1993 werden diese wieder erweckt. Überfordert mit der modernen Welt, müssen sie dennoch versuchen, einen Trank zu brauen, der sie über die Nacht hinaus am Leben erhält. Doch dafür brauchen sie die Energie eines Kindes. – Kultiger Halloweenfilm mit drei ganz eigenwilligen Hexen.
Ali Wong: Dong Wong: In ihrem dritten Netflix-Special nimmt Ali Wong wieder kein Blatt vor dem Mund. Sie spricht über Frauen in der Comedy, ihre Ehe und absolut schonungslos über ihre Bedürfnisse. – Man muss sich an ihre Art gewöhnen, doch sie hat durchaus ihre Momente, die mich sehr zum lachen gebracht haben.
Filme – leider in diesem Monat verpasst
Ticket ins Paradies: Julia Roberts und George Clooney sehen schon im Trailer als geschiedenes Paar gut zusammen aus. Auch wenn der Trailer wohl schon alle Wendungen verraten hat, bin ich dennoch gespannt.
Tausend Zeilen: Michael „Bully“ Herbig präsentiert nach Ballon ein weiteren Film mit eher ernsterem Thema. Wirklich viel hat der Trailer noch nicht gesagt, also bin ich noch gespannt.
Ganz knapp nicht auf die Liste geschafft haben es: The Deer King, Freibad, Im Westen nichts neues
Serien – ein etwas ausführlicherer Überblick
Erneut gesehen habe ich Spy x Family – Staffel 1 (so eine spannende und witzige Animeserie)
Aggretsuko – Staffel 4 (In der vierten Staffel verliert die Serie weiter an Schwung, hat aber wieder eine bessere Geschichte zu erzählen, als Staffel 3)
Attack on Titan – Staffel 4.1 – 4.2 (Spannend, actionreich, mitreißend, eine der besten Serien, die ich seit langem gesehen habe. Ich kann das große Finale nächstes Jahr nicht abwarten)
Annarasumanara – K-Drama (Für ein Musical gab es mitunter wenig Lieder, aber die Geschichte ist schöntraurig und geht tief unter die Haut. Am Ende bleiben leider zu viele Fragen offen)
Only murders in the building – Staffel 2 (Nach dem Cliffhanger in Staffel 1 lässt sich die Serie wieder sehr viel Zeit und verstrickt sich so sehr, dass es am Ende irgendwie jeder hätte sein können. Keine befriedigende Auflösung)
Instant Dream Home – Staffel 1 (Ich mag Umbauserien und diese habe ich in einem Stück weggebinged. Guter Aufbau, schöne Designkonzepte, spannender Aufbau)
Extraordinary Attorney Who – K-Drama (Etwas holpriger Einstieg, dann aber ein sehr liebevolles und schönes Drama)
Mein Lesemonat
Bücher insgesamt: 13 Seiten insgesamt: 3.687 Seiten pro Tag: 130 im Durchschnitt Gebundenes Buch: 2 Taschenbuch: 5 Comic/Manga/Graphic Novel: 6
Legend Academy 1 – Fluchbrecher: Graylee kann durch die Berührung von Wänden sehen, wie Menschen in den Häusern gestorben sind. Durch diese Gabe kommt sie an die Swanlake Academy, wo sie von den Mythennachfahren erfährt. Doch kurz darauf verändern sich einzelne Nachfahren. Graylee ist fest entschlossen, den Grund zu finden. – Wie gewohnt witzige Fantasy von Nina McKay mit tollen Charakteren.
The gender of Mona Lisa 6: Hinase bekommt unvermittelt von außerhalb einen guten Ratschlag und bittet ihre beiden besten Freund*innen zu einem klärenden Gespräch. – Es geht spannend weiter, Hinase kommt einen großen Schritt weiter, ich freu mich auf die beiden abschließenden Bände.
Nebelschimmer: Calla und Jasper waren das absolute Traumpaar. Dennoch haben sie sich vor einem Jahr getrennt. Nun ist Calla wieder in Deutschland und trifft bei ihrem neuen Job ausgerechnet auf Jasper. Beide versuchen mit ihren alten Gefühlen zurecht zu kommen. – Nach dem ersten Band, der mich überhaupt nicht überzeugen konnte, hab ich der Reihe noch eine Chance gegeben und bin mit einer tollen Geschichte belohnt worden. Gefiel mir sehr gut.
One Piece 2: Ruffy und Zorro kämpfen gegen eine zirkusreife Gruppe Piraten und treffen dabei erneut auf Nami. – So richtig warm geworden bin ich mit One Piece noch nicht, aber ich gebe der Reihe mal noch eine Chance (es sind ja noch ein paar viele Bände…)
Die Tagebücher der Apothekerin 1-2: Maomao ist entführt worden und an den Kaiserhof verkauft worden. Dort leistet sie ihre „Schulden“ als einfache Dienerin ab. Doch als eine seltsame Krankheit am Hof ausbricht, entdeckt einer der Eunuchen ihr Talent als Apothekerin. Dadurch steigt sie auf und bekommt eine bessere Stellung. Doch Intrigen lauern überall. – Eigentlich zögerte ich vor diesem historischen Manga, aber der Humor und die Protagonistin haben genau meinen Geschmack getroffen. Ich freu mich auf weitere Bände.
Attack on Titan 2-3: Fünf Jahre nachdem die Menschheit ein Drittel ihres Territoriums verloren hat, taucht der kolossale Titan erneut auf und zerbricht erneut eine Mauer. Dadurch kommt es zu einer großen Schlacht um den Bezirk Trost. – Vieles schon durch den Anime bekannt, der sich sehr nah an die Vorlage hält, dennoch ist es eine schöne Rückerinnerung.
Emerald Witches 1: Kang Hana ist die Erbin des Smaragdzirkels, einer der sieben Hexenzirkel von Seoul. Beim Ahnenmond soll sie sich gegen ihre Konkurrentinnen durchsetzen, um den Vorsitz wieder vom Opalzirkel zu ihrem zu lenken. Doch die Opalhexen betrügen und kurz darauf muss sich Hana mit dem Dämon Bobby einlassen, um ihr Leben zu retten. – Wohl das Buch, das ich seit Ewigkeiten am meisten herbeigesehnt hatte. Und es hat mich nicht enttäuscht, im Gegenteil, ich bin in eine faszinierende Welt eingetaucht, mit tollen Charakteren, einer spannenden Handlung und eine Achterbahn der Gefühle. Und jetzt brauch ich dringend ein paar Taschentücher und Band 2.
Percy Jackson 4 – Die Schlacht um das Labyrinth: Durch Zufall entdeckt Percy den Eingang zu Dädalus berühmten Labyrinth. Zusammen mit Annabeth, Groover und seinem Halbbruder Tyson versucht er einen Weg zu finden, den Eingang zu verschließen, damit Luke und die anderen Anhänger Kronos‘ nicht dadurch ins Camp kommen. Dabei treffen sie auf allerlei Hindernisse. – Ein typischer Percy Jackson, der sich langsam auf die Endschlacht vorbereitet. Alles aber irgendwie etwas vorhersehbar und konnte kaum noch überraschen.
More than a star: Allison bekommen einen Job in Seoul. Trotz aller Unwahrscheinlichkeiten trifft sie dort auf ihr großes K-Pop Idol Wooyeong. Und obwohl sie nicht zusammen sein dürfen, weil es seine Karriere zerstören könnte, können sie nichts gegen ihre aufkommenden Gefühle unternehmen. – Eigentlich eine schöne kleine Geschichte, aber ich hab den Protagonist*innen ihre Anziehung nicht abgekauft. Dafür war die Handlung zu konstruiert und die Protagonistin zu nervig. Schade.
Bullet Train: Der als Marienkäfer bekannte Auftragskiller bekommt den Auftrag einen Koffer aus einem Shinkansen zu klauen. Doch er scheint vom Pech verfolgt und so landet er zusammen mit vier anderen Killern in dem Zug. – Nach dem Film eindeutig ruhiger erzählt. Dennoch hatte ich auch hier meinen Spaß und wurde noch immer überrascht, da der Film einiges abgeändert hatte. Leider ließ mich gerade das Ende sehr enttäuscht zurück, da hier wenig bis nichts aufgeklärt wurde.
Our souls in your dreams: Um ihre Schwester Maddie zu retten, muss sich Cat Ceshire mit dem Prinzen Gil und dem Mirriner Al zusammen tun und in ihren Traum eintauchen, um sie aufzuwecken. Doch vorher muss sie sich ihrem eigenen Traum stellen. Und dieser will sie nicht so einfach loslassen. – Spannender zweiter Band, der die eigentliche Geschichte zwar nicht vorantreibt, aber die Beziehung der Charaktere festigt.
Nachdem uns Disney 2019 gleich mit 5 Realverfilmungen und Sequels dieser bombardierte, wurde es durch die Pandemie ein wenig ruhiger. Nach Susi und Strolch war nun Pinocchio der zweite Film, der direkt für die hauseigene Streamingplattform entwickelt wurde (Mulan wurde wegen der Pandemie nicht im Kino veröffentlicht). Das dafür Namen wie Robert Zemeckis auf dem Regiestuhl und Tom Hanks vor der Kamera verpflichtet wurden, überrascht dabei. Warum die Neuverfilmung wieder einmal absolut überflüssig ist, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
Geppetto (Tom Hanks) ist ein Handwerker und Uhrmacher in einem kleinen italienischen Städtchen. Eines Abends wünscht er sich etwas vom Abendstern. Daraufhin erscheint die blaue Fee (Cynthia Erivo) und erweckt die frisch fertig gestellte Holzpuppe Pinocchio. Um ein richtiger Junge zu werden, muss er beweisen, dass er Recht von Unrecht unterscheiden kann. Dafür bekommt er die Grille Jiminy (Joseph Gordon-Levitt) an die Seite gestellt.
Meine Meinung
1940 kam der zweite abendfüllende Film aus dem Hause Disney raus und verfilmte die Geschichte von Carlo Collodi. In 83 Minuten wurde die gesamte Geschichte erzählt und mit dem ein oder anderen Ohrwurm untermalt. Nun wurde eine Neuverfilmung mit einer Lauflänge von 105 Minuten. 20 Minuten mehr scheint auf den ersten Blick nicht sonderlich viel mehr, zumal der Film ja auch die Chance hatte vom ursprünglichen Drehbuch abzuweichen und eine ganz andere Geschichte zu erzählen. Tut er nur leider nicht. Stattdessen durchlaufen wir die bekannten Stationen nur alles eben schon bekannt und mit weniger Liebe und Herzlichkeit bei den Charakteren. Bis auf wenige Szenen orientiert sich die Neuverfilmung an Setting, Handlung, Charakteren und Dialogen an die Version von 1940. Damit reiht sich Pinocchio in die Reihe der Filme, wie König der Löwen oder auch Die Schöne und das Biest, ein, deren Neuverfilmung wenig bis kein Mehrwert bieten. Nicht einmal die Animationen sehen hier besonders aus, womit König der Löwen noch versuchte zu punkten. Stattdessen wirkt allen voran Jiminy Grille so, als ob man sich nicht entscheiden konnte, ob man wieder eine Zeichentrickversion oder eine realistischere Version machen wollte und so trifft es keins von beidem und sieht nur merkwürdig aus. Pinocchio selbst könnte dem Zeichentrick entsprungen sein, nur mit noch weniger Emotionen. Schauspielerisch setzt Disney auf Namen, wie Tom Hanks, Luke Evans oder auch ein Joseph Gordon-Levitt, der Jiminy die Stimme verleiht. Doch alle wirken merkwürdig fehl am Platz, gerade Tom Hanks scheint überfordert, wenn er mit den animierten Charakteren interagieren soll. Wirklich schöne Einfälle, wie die Einführung von Fabiana und ihre Marionette, kommen viel zu kurz und wirken damit künstlich dazugeschrieben, obwohl der Handlungsstrang ausgebaut und dafür andere gekürzt oder weggelassen, den Film vielleicht besser gemacht hätte. Letztlich fehlt dem Film aber vor allem eins: Leben. Es wird keinerlei Verbindung zu den Charakteren aufgebaut. Alles wirkt nur sturr nach Strichliste abgearbeitet. Dadurch zieht sich der Film auch ziemlich und ist gar einfach langweilig. Und das ist dann selbst für eine Streamingveröffentlichung einfach zu wenig. Die nächsten Verfilmungen dürfen dann also gern wieder was neues bieten. Das dies funktioniert haben Maleficent, Cruella oder auch Alice im Wunderland bewiesen.
Das Fazit
Pinocchio reiht sich leider in die Reihe der überflüssigen Neuverfilmungen ein. Altes Material in neuem Gewand, aber ohne Nähe und sehr leblos. Ein Robert Zemeckis und Tom Hanks wirken hier sehr verschwendet. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.
Pinocchio ist seit dem 08.09.2022 auf Disney+ verfügbar