Eine Handvoll (oder mehr) Serien – Pride Month Special

Es ist Juni und damit Pride Month! Und weil ich euch diesmal nicht nur Bücher passend zum Thema vorstellen wollte, gibt es jetzt kurz vor Ende des Monats noch einen zweiten Beitrag. Diesmal geht es um Serien, in denen LBTQIAP+ Charaktere auftauchen – jenseits von gängigen Klischees, wie dem schwulen besten Freund.

Heartstopper – Staffel 1

Die Handlung: Charlie Spring wird an seiner Schule dafür gemobbt, weil er offen schwul ist. Als er im neuen Schuljahr neben Nick Nelson, einen Rugby-Spieler, gesetzt wird, verliebt er sich in diesen. Doch wie kommt man gegen Vorurteile und Mobbing an?

Warum die Serie so wichtig ist: Outing ist wohl in den wenigsten Fällen leicht. Vor allem zu Schulzeiten mit dem allgegenwärtigen Mobbing, kam dann auch noch eine grundlegende Queerfeindlichkeit. Genau damit befasst sich Heartstopper. Vorurteile, Mobbing, Queerfeindlichkeit. Aber auch das Gefühl, den Herzensmenschen zu finden oder auch sich als trans zu outen. Und auch, wenn es hier um schwierige Themen geht und für mich Mobbing ein potentieller Trigger ist, weswegen ich wenig Serien mit Highschool-Setting sehen kann, bietet Heartstopper eine so liebevolle Geschichte mit tollen Charakteren, dass ich so oft einfach nur dahingeschmolzen bin. Denn sie schafft es diesen schmalen Grad zwischen Realität, ernstem Umgang mit dem Thema, aber trotzdem gute Laune verbreitet.

Stumptown – Staffel 1

Die Handlung: Dex Parios war beim Militär und hat in Afghanistan gekämpft. Als sie zurückkam waren ihre Eltern weg und ihr Bruder Ansel in einem Heim. Nun zieht sie ihren Bruder groß, der das Down Syndrom hat. Sie hängt häufig im Bad Alibi ab, der Bar ihres besten Freundes Grey. Nachdem sie von der Mutter ihres verstorbenen Ex-Freundes Sue Lynn Blackbird den Auftrag bekommt ein vermisstes Mädchen zu finden, erkennt Dex, dass sie durchaus Talent in dieser Art von Job hat. Sie beantragt eine Privatermittlerlizenz. Dabei hilft ihr Detective Miles Hoffmann.

Warum Sie Serie so wichtig ist: Ich versuche ja bei solchen Zusammenstellungen auch immer verschiedene Genres vorzustellen. Mit Stumptown haben wir nicht nur einen tolle Krimiserie mit diversem Cast (people of colour, indigene Bevölkerung, Menschen mit Behinderung), sondern eben auch eine bisexuelle Protagonistin. Dies wird an mehreren Stellen thematisiert, aber hat nur einmal eine negative Auswirkung. Nicht nur, dass hier indirekt mit einigen Vorurteilen aufgeräumt wird – sie werden halt nicht direkt genannt und es folgt kein Aufklärungsgespräch, aber durch den Umgang mit dem Thema wird einigen Vorurteilen der Wind aus den Segeln genommen – es ist auch eine der seltenen Darstellungen dieser Form der Sexualität.

Queer Eye – Staffel 1-5

Die Handlung: Die Fab 5 sind Antoni, Tan, Karamo, Bobby und Jonathan. Sie sind alle homosexuell bzw. non-binär und haben jede Woche die gleiche Aufgabe. Sie reisen zu unterschiedlichen Menschen in Georgia, verbringen eine Woche mit ihnen und helfen ihnen wieder in Form zu kommen. Dazu gehört zum einen den Kleiderschrank auszumisten und die Körperpflege voranzutreiben, aber auch die Wohnung neu zu gestalten, das Kochverhalten zu überprüfen und die kulturellen und sozialen Kontakte zu überprüfen.

Warum die Serie so wichtig ist: Jede*r, der*die diesen Blog kennt, weiß, dass ich diese Serie absolut liebe. Die Herzlichkeit, die gute Laune, die in jeder Folge verbreitet wird, öffnet mir jedes Mal das Herz und lässt mich Strahlen, auch wenn mir zuvor nicht danach zu Mute war. Aber ganz nebenbei geben die Fab 5 in ihren Gesprächen mit den Kandidat*innen auch Geschichten aus ihrer eigenen Vergangenheit preis. Womit sie zu hadern hatten, was für Probleme ihr Outing nach sich zog, aber auch, was ihnen geholfen hat, zu sich zu stehen. Mitunter haben sie auch queere Kandidat*innen, die ebenfalls von ihren Erfahrungen berichten. So ist es ein stetiger Austausch, der einfach nebenbei erfolgt

Getting curious with Jonathan van Ness – Staffel 1

Die Handlung: Jonathan van Ness (bekannt unter anderem durch Queer Eye) beleuchtet in jeder Folge andere Themen, wie Insekten oder Eiskunstlaufen. Dabei findet they immer wieder neue Aspekte.

Warum die Serie so wichtig ist: Jonathan van Ness ist non-binär. Das zeigt they nicht nur in their social media Auftritten, in Serien, wie Queer Eye, sondern inzwischen auch in their eigenen Netflix-Serie. Besonders hervorheben möchte ich hier auch direkt die Folge, in der they sich mit Non-Binarität beschäftigt. Hier berichtet they nicht nur von sich selbst, sondern zeigt auch andere non-binäre. Wie gehen sie damit um, was bedeuten Pronomen für sie. Besonders spannend fand ich auch die Sicht eines indigenen non-binären und wie er sich dies mit their Kultur/Religion erklärt. Die Serie ist natürlich neben den interessanten Themen auch auf Unterhaltung ausgelegt, was durch van Ness quirlige Art wunderbar funktioniert.

Willkommen im Haus der Eulen – Staffel 1

Die Handlung: Luz Noceda war eigentlich auf dem Weg in ein Sommercamp für schwierige Teenager, in das sie ihre Mutter schicken wollte, nachdem sie in der Schule vermehrt auffällig wurde, da sie eher in einer eigenen Fantasy als der Realtät zu leben scheint. Doch unterwegs folgt sie einer Eule und stolpert prompt durch ein Portal in eine andere Welt. Dort trifft sie auf die Eulenlady und Hexe Eda und ist so fasziniert von der Welt, dass sie beschließt zu bleiben. Und obwohl Menschen keine Magie ausüben können, nimmt die bei Eda Unterricht. 

Warum die Serie so wichtig ist: Kennt ihr LGBTQIAP+ Charaktere aus Kinderserien? Mir fiel spontan auch nur diese Serie ein – auch wenn in Staffel 1 erst gegen Ende die mögliche Bisexualität der Protagonistin und der Homosexualität einer weiteren Hauptfigur angedeutet wird, was in Staffel 2 weiter ausgebaut werden soll. Dabei zeigt sich doch immer wieder, dass schon die Kleinsten sich für queere Themen interessieren und an die Themen wesentlich offener herangehen als so manche Erwachsene. Dabei geht es hier hauptsächlich um Luz, die die Fantasywelt erkundet, aber die nebenbei laufende Liebesgeschichte läuft auf eine queere Beziehung zu. Ich freu mich hiervon mehr in Staffel 2 zu sehen.

Grace & Frankie – Staffel 1-7

Die Handlung: Grace und Robert Hanson, sowie Frankie und Sol Bergstein sind beide seit vielen Jahren verheiratet und Robert und Sol haben eine gemeinsame Anwaltskanzlei. Nun steht der Ruhestand bevor, doch beide Männer möchten diesen lieber zusammen verbringen, da sie seit 20 Jahren eine heimliche Beziehung haben. Widerwillig ziehen die beiden Frauen nun in das gemeinsame Strandhaus der Paare. Doch während Grace eine starke Businessfrau ist, ist Frankie eine Esoterik liebende Hippiefrau. Dennoch entsteht eine ganz besondere Freundschaft zwischen den beiden.

Warum die Serie so wichtig ist: Für die wahre Liebe und das Erkennen der Sexualität gibt es kein Ablaufdatum. Das zeigt diese Serie noch einmal deutlich. Verpackt wird das in einer herrlich skurrile Komödie mit liebenswerten Charakteren. Neben den verschiedenen Themen, unter anderem das Älterwerden und was für Folgen das mit sich bringt, geht es halt auch um Robert und Sols neue Beziehung und später um ihre Ehe. Auch wenn sich die Serie mehr um die beiden namensgebenden Protagonistinnen dreht, nimmt die Geschichte der beiden Männer eine große Rolle ein. Durch ihren Freundeskreis bekommen wir auch eine größere Repräsentation.

Vicious – Staffel 1-3

Die Handlung: Freddie Thornhill und Stuart Bixby sind schwul und leben nun seit 50 Jahren zusammen. In der Zeit hat sich ihre Beziehung zu einer gewissen Hassliebe entwickelt. Dennoch halten sie zusammen. Zum Beispiel wenn ihre Freundin Violet wieder einmal von einer gescheiterten Beziehung erzählt. Frischen Wind in den Alltagstrott bringt der neue junge Nachbar Ash.

Warum die Serie so wichtig ist: Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen euch noch einmal mit meiner Lieblingssitcom vertraut zu machen. Und sie passt einfach perfekt zum Thema. Denn es geht einfach zu 100% um die Beziehung der beiden und das Leben, das sie sich aufgebaut haben. Durch Stuarts Mutter, vor der er sich nach all den Jahren nicht getraut hat zu outen, werden auch die Probleme und Vorurteile mit behandelt. Dennoch ist der Sitcom Charakter und die vielen Witze dominierend. Also wann wenn nicht jetzt mal einen Blick auf diese großartige Serie werfen!

Was sind eure Serien zum Thema Pride? Gerne her mit dem Empfehlungen!

Anime Special: Belle

Ein Vorwort

Wahrscheinlich gehöre ich zu den wenigen, die bei Disneys die Schöne und das Biest nicht in Begeisterungsrufe verfällt. Allgemein ist es nicht unbedingt mein liebstes Märchenmotiv. Dies jedoch in einem Anime mit einer virtuellen Welt verarbeitet zu sehen, hat mich gereizt. Wie die Kombination in Belle funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Suzu lebt zurückgezogen mit ihrem Vater, zu dem sie seit dem Tod der Mutter ein schwieriges Verhältnis hat. Durch ihre Trauer kann sie nicht mehr singen. Bis ihre Freundin Hiroka sie mit der digitalen Welt von U bekannt macht. Dort tritt sie als Belle auf und flieht in die Anonymität. Bis bei einem ihrer virtuellen Konzerte ein legendärer Kämpfer in Gestalt eines Biestes auftritt. Kurz darauf beginnt eine Hetzjagd auf ihn.

Meine Meinung

„Tales as old at time“ Und wer hat schon einen Ohrwurm? Zumindest Regisseur Mamoru Hosada hatte den wohl mehr als einmal, bzw. ist er gerüchteweise ein großer Fan des Disney-Films. Zumindest hat er sich mit Belle an eine ziemlich offensichtliche Adaption gewagt.
Wir lernen zunächst Suzu kennen und ihren Alltag. Nach und nach lernen wir, womit sie zu kämpfen hat und lernen die Vergangenheit um ihre Mutter kennen. Kurz darauf werden wir zusammen mit ihr in die Welt von U eingeführt. Dabei fehlen allerdings einige Informationen, weswegen ich bis zum Ende nicht wirklich durch die Welt durchgestiegen bin. Kurz darauf folgt ein hin und her zwischen realer Welt und U, vor allem, wenn die Jagd auf das Biest anfängt.
Hier zeigt sich die größte Schwäche des Films. Denn wer bei U an coole Online Welten, wie in Ready Player One, denkt, wird schwer enttäuscht. Die Welt ist relativ trist und mit einfacher Optik. Lediglich Belle und einige andere Nutzer*innen bringen ein bisschen Farbe rein. So ist die Einfachheit einer so komplexen Welt wie U ziemlich enttäuschend und wirkt einfach nur lieblos.
Die Handlung an sich ist relativ einfach gestrickt und schwingt zwischen realer Welt und U hin und her. Dabei liegen in den verborgenen Botschaften des Films die eigentliche Stärke. Denn hier geht es auch viel um Traumata und deren Überwindung, was gut aufgegriffen wird. Leider versteckt sich dies hinter der groß aufgemachten Jagd auf das Biest. So bleiben viele Charakterentwicklungen zurück oder werden zu schnell umgesetzt, da Hosada gerade gegen Ende die Zeit zu fehlen scheint.
So ist auch das Ende ein wirres hin und her und es bleiben einfach zu viele Fragen offen. Nach einem spannenden Wettlauf gegen die Zeit und einer starken Tat, kehren einfach alle wieder zu ihrem ursprünglichen Tun zurück. Doch, ob alles nun umsonst war oder ob die finale Spannungsszene etwas gebracht hat, wird nicht geklärt. So bleibt man mit zu vielen offenen Fragen zurück.
Dabei hat mich zwischenzeitlich die Umsetzung des Schöne und das Biest Themas gut gefallen, da es einige der größten Schwächen der Vorlage (Stichwort Stockholm Syndrom) umgeht und durch die Verwebung mit der Welt in U gut umsetzt. Gerade aber auch die musikalische Unterhaltung hat mir sehr gut gefallen und bei mir mehr als eine Gänsehaut ausgelöst. So ist Belle in seiner Gesamtheit nicht schlecht und lässt sich gut wegschauen, hat aber Schwächen, die leicht zu umgehen gewesen wären, daher umso mehr enttäuschen.

Das Fazit

Belle hat eine schöne Grundgeschichte, verarbeitet schwierige Themen respektvoll, eine grundsätzlich tolle Optik und vor allem einen schönen Soundtrack. Leider gibt es mehr als ein Logikloch, eine lieblose virtuelle Welt und am Ende mehr Fragen als Antworten. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Belle läuft seit dem 09.06.2022 in den deutschen Kinos

Jurassic World 3 – Ein neues Zeitalter

Ein Vorwort

Vor fast 30 Jahren öffneten die Pforten des Jurassic Park zum ersten Mal. Steven Spielberg zeigte uns eine wunderbare Welt voller Dinos und ließ und zugleich Träumen und Erschrecken. Nach zwei mehr oder weniger erfolgreichen Sequels war lange Zeit Ruhe. Bis im Zeitalter der Reboots mit Jurassic World 2015 eine neue Reihe begonnen wurde. Gleiches Konzept nur alles etwas größer. Auch hier ließ die Fortsetzung Das gefallene Königreich (2018) nicht lange auf sich warten. Nun sollte das große Finale der zweiten Trilogie folgen. Ob Ein neues Zeitalter ein würdiger Abschluss ist, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

Kurz zusammenfassen werde ich auch die Filme der Jurassic World Reihe. Die Filme der Jurassic Park Reihe (vorallem der erste Teil) sind eine gute Ergänzung dazu und hilfreich vorher gesehen zu haben.

In Jurassic World erlebten wir den neu gebauten Freizeitpark Jurassic World. Alles ein bisschen neuer und ein bisschen moderner als der frühere Jurassic Park. Wie schon früher gab es einige freilaufende Dinos und die fleischfressenden waren natürlich gut weggesperrt. Als von Leiterin Claire die Neffen Gray und Zach den Park besuchen, hat sie leider nicht so viel Zeit, wie sie gerne hätte. Denn soeben haben sie einen ganz neuen Dino gezüchtet, den Indominus Rex. Gepaart mit einigen verschiedenen Lebensformen und einer hohen Portion an Intelligenz, hält der Indominus Rex leider so gar nichts von Käfigen. Nun muss Claire nicht nur ihre Neffen retten, sondern auch den Park evakuieren. Ihr zur Seite steht Owen.
Drei Jahre nach Schließung von Jurassic World droht der Vulkan auf der Isla Nubla auszubrechen und alle noch dort lebenden Dinos unter einer Lavaschicht zu begraben. Während der Kongress noch über das Für und Wider diskutiert, bekommt Claire ein Angebot von Eli Mills. Dieser verwaltet Sir Benjamin Lockwoods Vermächtnis und bietet Claire eine neue Zufluchtsstelle für die Dinos. Doch einmal auf der Insel angekommen, arbeiten Mills Einsatztruppen gegen Claire und Owen. Die Dinos werden auf Lockwood Manor gebracht, wo (wieder einmal) ein Überdino gezüchtet wird. Claire und Owen müssen erkennen, dass die Dinos für eine private Auktion vorbereitet werden. Zeitgleich lernen sie Masie kennen, um deren Existenz ebenfalls ein großes Geheimnis gemacht wird. Es stellt sich heraus, dass Masie ebenfalls wie die Dinos aus einem Stück DNA geschaffen wurde. Am Ende drohen alle Dinos durch Cyanwasserstoff zu ersticken und Claire entscheidet sich schweren Herzens dafür. Doch Masie bringt es nicht übers Herz und lässt die Dinos frei. Fortan leben diese in freier Wildbahn.

Die Handlung

Seit vier Jahre leben die Dinosaurier nun in freier Wildbahn. Das Unternehmen Biosyn hat die Aufgabe bekommen sie in ein geschütztes Reservat zu bringen. Dr. Ellie Sattler (Laura Dern) untersucht derweil eine besonders schlimme Heuschrecken-Plage. Owen (Chris Pratt) und Claire (Bryce Dallas Howard)  verstecken Maisie (Isabella Sermon) auf einer einsamen Farm. Diese rebelliert jedoch gegen das „Gefängnis“. Bei einem Streifzug wird sie jedoch entführt. Sowohl Owens und Claires, als auch Ellies Weg führen sie ins Dinoreservat von Biosyn.

Meine Meinung

Cameos von früheren Darsteller*innen einer Reihe, sind ja in Sequels nichts ungewöhnliches. Jurassic World geht einen Schritt weiter und lässt Laura Dern, Sam Neill und Jeff Goldblum nicht einfach nur Cameos haben, sondern einen Großteil der Handlung einnehmen. So sind die drei das erste Mal seit 1993 wieder vor der Kamera vereint.
Das ist in sofern sehr wichtig für den Film, weil weder Chris Pratt, noch Bryce Dallas Howard es auch nur ansatzweise schaffen den Film zu tragen. Das liegt nicht nur an ihren schwachen Schauspielkünsten, sondern auch an ihren sehr platt geschriebenen Charakteren. Da sind die Szenen mit dem anderen Trio eine gute Auflockerung des Films.
Aber von vorne. Zunächst wird die Ausgangssituation rund um das Zusammenleben mit den Dinos im Schnelldurchlauf dargestellt. Sobald Biosyn vorgestellt wird, dürfte für die meisten klar sein, in welche Richtung sich der Film entwickeln wird. Noch kurz die Erklärung, was die Protagonist*innen der bisherigen beiden Trilogien gemacht haben und schon geht das Abenteuer los.
Das Abenteuer ist dann auch mehr oder weniger das, was den Film zusammenhält. Denn die Geschichte und die Charakterentwicklungen – sofern es welche gibt – sind sehr vorhersehbar und bieten wenig Überraschungen. Blöderweise fiebert man auch nur mit der Hälfte des Teams mit, da die anderen durch die flachen Charaktere und mangelnde Schauspielkünste eher nerven. Wäre der Film nur auf ihre Geschichte ausgerichtet gewesen, wäre ich wohl wesentlich frustrierter. Aber die alte Alliant aus Dern, Neill und Goldlbum bringt frischen Wind rein und lockert ihre Szenen merklich auf. Ihre Geschichte reicht nur halt nicht aus, um den ganzen Film zu tragen.
Kommen wir zu den sehr vernachlässigten Hauptstars des Films: Den Dinosauriern. Als großer Dinofan habe ich mich auf jede Szene gefreut, um bekannte Arten zu entdecken und mich über mein inneres Dinolexikon zu freuen. Während dies in einigen Szenen gut funktioniert hat, bleibt aber auch die Enttäuschung, dass es einige Szenen gibt, in denen die Dinos absolut austauschbar gegen jede Art Monster waren. Gerade im Reservat gibt es Szenen, die jedem beliebigen Horrorfilm entsprungen sein könnten. Hier wurde die Atmosphäre gut umgesetzt und jedes Geräusch, und sei es nur ein Rascheln, wirkt absolut bedrohlich. Doch dafür muss es eben kein Jurassic Teil sein.
So hangelt sich der Film von Szene zu Szene, manche funktionieren besser und zwischendurch kommt auch so etwas wie Spannung auf, aber im großen und ganzen fühlt es sich nicht wie das große Finale an, das man bei der Reihe erwartet hat. Zu vorhersehbar die Handlung, zu stoisch die Charaktere. Und das bisschen Nostalgie durch die Wiedervereinigung von Dern, Neill und Goldblum reicht einfach nicht, um den Film zu retten.
Dennoch hatte ich nicht per se eine schlechte Zeit im Kino. Aber so richtig funktioniert es wohl nur noch für ganz große Dinofans, die man mit toll animierten Dinos glücklich macht.

Das Fazit

Jurassic World – Ein neues Zeitalter schafft es trotz Dinos, Nostalgie und zwischendurch auch Atmosphäre nicht über die offensichtlichen Schwächen in Handlung und teilweise auch Cast hinwegzutäuschen. Optisch hübsch anzusehen, doch nicht das Finale, das man erwarten durfte. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Jurassic World 3 – Ein neues Zeitalter läuft seit dem 09.06.2022 in den deutschen Kinos

Eine Handvoll (oder mehr) Bücher – Pride Month Special

Es ist Juni und damit Pride Month. Bedeutet, dass jedes Jahr im Juni die LGBTQIAP+ Gemeinde zu verschiedenen Veranstaltungen, inkl. dem Christopher Street Day, aufruft und so für ihren Kampf auf Gleichberechtigung aufmerksam macht. Beginnend waren die Stonewall Unruhen von 1969, die als Beginn des Kampfes für Rechte und Gleichberechtigung angesehen wird. Wir haben seitdem einen wunderbaren Wandel in vielen Ländern erlebt, aber noch immer sind wir weit von realer Gleichberechtigung entfernt. In diesem Beitrag soll es um ein paar Lesetipps gehen, die sich mit LGBTQIAP+ befassen. Es handelt sich lediglich um eine kleine Auswahl, gerne könnt ihr mit eure liebsten Bücher zu diesem Thema nennen.

Love with Pride

Die Handlung: Stella hat keine guten Erfahrungen an ihrer Highschool gemacht. Nun soll es am College ganz anders laufen. In Haydensburgh will sie einen Neustart wagen und mutig sein. Trotz ihrer sozialen Ängste bewirbt sie sich bei den Zeta Kappa Sigmas. Dort trifft sie auf Ellie, die ihr ruhiges Leben ganz schön auf den Kopf stellt.

Warum das Buch so wichtig ist: Lesbische Repräsentation ist noch immer schwierig zu finden. Hier ein New Adult Buch zu haben, das dies von vornherein preis gibt, dass es sich damit befasst und neben den wichtigen Themen zu Outing und Co eine wunderschöne Liebesgeschichte kreiert, ist einfach ein Jackpot. Zumal Lea Kaib hier eine Own Voice Geschichte zeigt. Stella und Ellie sind in ihrem Wesen auch sehr unterschiedlich, so dass es verschiedenes Identifikationspotential gibt und auch der Umgang mit der eigenen Sexualität auf verschiedene Art gezeigt wird. Bitte mehr davon.

Die Götter müssen sterben

Die Handlung: Im Schatten des Trojanischen Krieges prophezeit die Göttin Artemis den Fall Trojas und dem Tod der Götter. Dafür reist sie zu den Amazonen und segnet dort aber ausgerechnet Areto, die keine Kriegerin ist. Dennoch machen sich die Amazonen auf die lange Reise, um Troja im Krieg zu unterstützen.

Warum das Buch so wichtig ist: Bei diesem Werk von Nora Bendtzko ist nicht die Frage, welche LGTBQIAP+ Repräsentation vorkommt, sondern welche nicht. Und das Schönste ist, das es sich spielerisch in den historischen Hintergrund einarbeiten lässt. Die Geschichte selbst fand ich zwar etwas zäh, was vor allem mit dem Erzählstil zusammenhängt. Wer jedoch auf diesen historisch angehauchten Schreibstil steht, bekommt hier die volle Ladung Repräsentation. Das wirkt jedoch keinesweg überladen oder erzwungen, sondern immer passend eingearbeitet. Durch den grundsätzlichen Kampf Amazonen gegen Helden, werden auch hier Vorurteile, Outing und Co miteingearbeitet. So zeigt Bendtzko, dass sich historische Stoffe und LGBTQIAP+ wunderbar ergänzen, statt auszuschließen. Nebenbei geht es auch um Rassismus, Sexismus und Menthal Health, also auch darüber hinaus von den Themen durchaus empfehlenswert.

Der Orden des geheimen Baumes

Die Handlung: Ein gespaltener Kontinent. Während im Osten Drachen verehrt werden und die junge Anwärterin Tané darauf hofft eine Drachenreiterin zu werden, lebt der Westen in ständiger Angst, dass die großen Erhabenen wieder erwachen und die Welt in Dunkelheit stürzen. Dies soll Königin Sabran verhindern, in dem sie ein Kind gebährt und damit die Blutlinie fortführt. An ihrer Seite die geheimnisvolle Ead, die ganz eigene Ziele verfolgt.

Warum das Buch so wichtig ist: Hier muss ich tatsächlich beide Bände in einem nennen. Zum einen ist das Original auch nur ein Band und wurde im deutschen aufgespalten, zum anderen kommt der LGBTQIAP+ Aspekt erst am Ende des ersten Bandes durch und nimmt dann im zweiten eine größere Rolle ein. Hier möchte ich aus Spoilergründen nicht sagen, welcher Buchstabe hier repräsentiert wird. Aber für ein High Fantasy Epos ist es passend eingearbeitet, nimmt genügend Raum ein, um ein wichtiger Teil der Geschichte zu sein und sich mit Vorurteilen und Konsequenzen auseinander zu setzen, ohne das komplette Augenmerk auf diesen Teil der Geschichte zu setzen. Also praktisch eine perfekte Mischung ohne ganz allgemein einen großen Wert auf die Liebesgeschichte zu legen.

Palast aus Gold und Tränen

Die Handlung: Die Dämonenjägerinnen Muireann und Rose reisen unter ihren Decknamen Schneeweißchen und Rosenrot ins Zarenreich auf der Suche nach der Baba Yaga, die ihnen bei der Jagd nach der Hexe aus Band eins und dem Fluch, der auf Muireann lastet, helfen soll. Doch ihre Liebe könnte ihnen im Zarenreich den Kopf kosten.

Warum das Buch so wichtig ist: Kein Pride Month Special ohne Christian Handel. Diesmal mit dem zweiten Band der Hexenwald-Chroniken. Die Geschichte von Schneeweißchen und Rosenrot als lesbische Dämonenjägerinnen aufzuziehen, finde ich noch immer genial. Diese Geschichte in einem zweiten Band so weiterzuspinnen, dass es ins Zarenreich geht, wo ihre Liebe verboten ist, finde ich umso besser. So geht die Thematik noch einmal in die Tiefe. Dennoch haben wir hier eine wunderbar ausgearbeitete Geschichte mit viel magischem, vielen Märchenreferenzen und einem hohen Spannungsgrad. So zeigt Handel auch hier wieder, dass sich Fantasy und LGBTQIAP+ Charaktere wunderbar ergänzen und präsentiert uns zeitgleich zwei starke Frauenfiguren, wie ich sie gern öfter lesen möchte.

The gender of Mona Lisa

Die Handlung: In einer Welt, in der Babys geschlechtlos geboren werden und meist im Alter von 12 sich selbst für ein Geschlecht entscheiden, ist Hinase mit 17 Jahren noch immer geschlechtslos. Als gleich zwei Freund*innen ihre Gefühle vortragen, ist Hinase noch verwirrter.

Warum das Buch so wichtig ist: Ich freue mich diesmal eine Manga-Reihe mit dabei zu haben, sie sich mit Non-Binarität beschäftigt. Die Frage, welches Geschlecht für einen das richtige ist bzw. wie man so eine Entscheidung fällt oder ob man überhaupt ein Geschlecht braucht, zieht sich durch die Bände. Dabei geht es hier auch um den Abbau von typischen Klischees und überholten Geschlechterrollen. Das Ganze gespickt mit absolut liebenswerten Charakteren und auf so liebevolle Weise gestaltet, dass ich die Geschichte nur so am inhalieren bin.

Zusatz: Cyberempathie

Die Handlung: Leon ist ein Erinnerungskonstrukteur in der Oberstadt von Skyscrape, wo alle durch das Cybernet gefühlsmäßig miteinander verbunden sind. Doch nach einem Vorfall wird er in die Unterstadt verbannt, wo raue Sitten herrschen. Nur mit Hilfe von Rade, einem Ex-Soldaten, überlebt er und findet sich in die neue Umgebung ein. Doch die Trennung vom Cybernet macht ihm schwer zu schaffen. Leon muss neu lernen Emotionen zu erkennen.

Warum das Buch so wichtig ist: Warum Zusatz? Weil hier der LGBTQIAP+ Anteil vergleichsweise gering ist bzw. erst gegen Ende überhaupt durchkommt. Warum es mit drin ist? Weil wir hier ein Sci-Fi Buch haben, das sich viel mit Menschlichkeit, Gefühlen und was einen Mensch ausmacht auseinander setzt und gegen Ende dies auch noch mit einem queeren Anteil – aus Spoilergründen will ich nicht sagen welchen – auseinander setzt.

Zusatz: My genderless Boyfriend

Die Handlung: Meguru ist ein Influencer mit einem genderlosen Stil, bekannt für seine Mode und Make-up Tipps. Doch seine Freundin Wako hält er lieber aus der Öffentlichkeit heraus oder versucht es zumindest. Denn was würde seine Fans sagen, würden sie von der Beziehung wüssten? 

Warum das Buch so wichtig ist: Warum Zusatz? Weil es nicht direkt einen queeren Anteil hat, da die beiden Protagonist*innen hetero und cis sind. Aber durch den Abbau von Geschlechterklischees und dem spielen damit und dadurch gewissen falschen Schlüssen anderer, die den beiden dann eine homosexuelle Beziehung unterstellen, befasst sich die Manga-Reihe auch mit tollen Themen und sorgt somit indirekt auch für den Abbau von Vorurteilen.

Was sind eure Bücher zum Thema Pride? Gerne her mit dem Empfehlungen!

Stasikomödie

Ein Vorwort

Dass die DDR gerade durch die Stasi nicht unbedingt ein schöner Ort zum leben war, haben schon einige Filme gezeigt. Das Ganze jetzt noch einmal als Komödie zu verpacken, war noch einmal ein Ansatz, der mich interessierte. Wie das in Leander Haußmanns verpackt wurde, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Ludger Fuchs (Jörg Schüttauf/David Kross) lässt sich von seiner Familie überreden Einsicht in seine Stasiakte zu nehmen. Dabei erinnert er sich an die 1980er Jahre, wo er von der Stasi in die Künstlerszene des Prenzlauer Bergs eingeschleust wurde und dort zu einem gefragten Dichter aufsteigt.

Meine Meinung

Mit Sonnenalle und NVA – beide von mir ungesehen – hat Leander Haußmann sich bereits zweimal mit der DDR-Geschichte befasst. Stasikomödie soll nun der Abschluss der Trilogie sein. Ich habe keine Ahnung, wie in den anderen Filmen an das Thema herangegangen wurde, aber hier wurde ein bunter Misch aus Ostalgie, dem bunten Treiben der Kunstszene am Prenzlauer Berg, feiner Dialogkomik und groß aufgefahrenen und überladenen Szenen, die die eigentliche Komödie ausmachen sollen. Zusammen gibt das eine ganz eigenwillige Mischung, die durchaus einen Blick wert ist, wer noch einmal einen völlig anderen Film erleben will.
Dennoch hat der Film deutliche Schwächen. Wer das Wort Komödie im Titel einbaut, schührt damit gewisse Erwartungen. Über Humor lässt sich zwar streiten, aber wirklich witzig war der Film nun nicht. Der komödiantische Anteil wird hier entweder zu subtil untergebracht oder eben in viel zu übertriebenen Szenen. Wobei mich gerade die abgeholt haben, auch wenn sie immer sehr fehl am Platz wirkten. Gerade die Abschlussszene wirkte wie aus einem ganz anderen Film.
Auch ist nicht direkt zu erkennen, welche Aussage der Film nun zur Stasi treffen will. Zwar wird sich an vielen Stellen über sie lustig gemacht, eine komplette Abrechnung mit den Methoden ist dann aber auch nicht. So schafft es der Film durch seine einnehmende Atmosphäre einen irgendwie in seinen Bann zu ziehen, lässt einen hinterher aber ziemlich ratlos zurück, was genau der Film nun aussagen wollte.
Schauspielerisch und durch eine Vielzahl an verschiedenen Charakteren ist der Film mit seiner Lauflänge von 115 Minuten nicht langweilig oder langatmig und lässt sich gut weggucken. Vor allem Henry Hübchen als Ludgers Vorgesetzter bringt eine ordentliche Portion Charme mit. Letztlich ist der Film wohl vor allem an die ehemaligen Bewohner der DDR gerichtet, die hier ein wenig in Ostalgie schwelgen können. Denen Schauplätze bekannt vorkommen und die sich einfach nochmal für eine Weile in die Vergangenheit versetzen lassen wollen.

Das Fazit

Stasikomödie ist so ein Film, von dem man nichts erwartet und wenig bekommt,  der in seiner Schlichtheit irgendwie funktioniert und gleichzeitig schnell in Vergessenheit geraten dürfte. Der von allem etwas, aber nichts richtig hat. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Stasikomödie läuft seit dem 19.05.2022 in den deutschen Kinos

Dog

Ein Vorwort

Roadtrips werden ja immer wieder in Filmen verbaut, oftmals mit dem Finden einer Freundschaft oder aber zu sich selbst. Diesmal wird die zweite Person allerdings durch einen Hund ersetzt und der Film nimmt sich gleichzeitig dem Film Kriegstraumata an. Wie das in der Kombination funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Jackson Briggs (Channing Tatum) ist nach einer Kopfverletzung aus dem Dienst der Army ausgeschieden, versucht aber die Erlaubnis für einen weiteren Einsatz zu bekommen. Sein Vorgesetzter will ihm die benötigte Empfehlung ausstellen, wenn er die Hündin Lulu zur Beerdigung ihres Herrchens bringt. Doch das ist gar nicht so einfach, denn Lulu ist nach ihrem Einsatz im Kriegsgebiet als gefährlich eingestuft und darf nicht fliegen. Ein etwas anderer Roadtrip beginnt.

Meine Meinung

Channing Tatums erste Regiemitarbeit ist gleichzeitig ein sehr persönlicher Film, basiert er doch teilweise auf Tatums Roadtrip mit seiner eigenen Hündin, die 2018 an Krebs verstarb. So ist der Film auch eine sehr persönliche Angelegenheit, was man leider nur selten spürt.
Grundsätzlich ist der Aufbau des Films sehr klassisch, bietet wenig Überraschungen, konzentriert sich aber auf viele gute Handlungsstränge und springt so gekonnt zwischen Humor und Drama hin und her. Dadurch werden die schwierigen Themen immer wieder abgemildert, ohne sie zu verharmlosen. Denn das Grundthema rund um Kriegstraumata und wie es Soldat*innen nach ihrer Rückkehr geht und womit sie teilweise zu kämpfen haben, wird hier gänzlich ungeschönt gezeigt. Jede*r geht damit unterschiedlich um, was anhand weniger Beispiele gezeigt wird, die Konzentration liegt jedoch auf Jackson und Hündin Lulu. Letztlich sind hier gerade die ruhigen Momente des Films, die prägenden.
Das Problem an Dog ist jedoch, dass die Entwicklung, auf die der Film hinausläuft, sehr spät einsetzt. Wirklich nachdenkliche Momente haben wir erst im letzten Viertel des Films. Vorher ist Tatums Figur vor allem einfach nur unsympathisch und sein Umgang mit der Hündin zweifelhaft. Das die Entwicklung nicht sofort da ist, ist natürlich auch verständlich, aber für die Aussage des Films setzt sie reichlich spät ein. Darunter leidet auch der Spannungsbogen, denn auch wenn einige Einschübe durchaus witzig sind, ist vieles davon etwas gestreckt, um an den wichtigen Szenen zu sparen.
Dass das Ende keine wirkliche Überraschung bietet, ist bei dem Film absolut verzeihbar. Hier geht es vor allem um die Stimmung während des Roadtrips, die wie gesagt erst spät zum positiven kippt. Schauspielerisch zeigt Tatum wieder, dass er nicht unbedingt ein Charakterdarsteller ist. Die feinen Zwischentöne beherrscht er nur mühsam. Hier werden viele Szenen von der Hündin getragen.
Letztlich ist es aber doch ein schöner Film, nicht nur für Hundefreund*innen. Denn die Grundstimmung funktioniert durchaus, und auch die Endaussage trifft es sehr gut. Es sind eher die Feinheiten, die den Film von vollkommen okay zu absolut sehenswert gehoben hätten.

Das Fazit

Dog schafft den Drahtseilakt zwischen Drama und Komödie manchmal nicht ganz ausgewogen, zeigt aber gerade am Ende Stärke und bietet vor allem einen schönen tierischen Roadtrip. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Dog läuft seit dem 19.05.2022 in den deutschen Kinos

Adam Dalgliesh

Ein Vorwort

In letzter Zeit habe ich immer mehr Gefallen an Krimiserien mit historischem Flair gefunden. So konnten mich nicht nur Miss Fishers (neue) mysteriöse Mordfälle begeistern, sondern auch beispielsweise Murdoch Mysteries. Mit Dalgliesh zog es mich diesmal nicht so weit in die Ferne, Großbritannien der 1970er Jahre war das Ziel. Wie mir die Serie gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Adam Dalgliesh (Bertie Carvel) ist Ermittler beim Scotland Yard. Schweigsam und in Trauer ist er nach dem Tod seiner Frau frisch in den Dienst zurückgekehrt. Ihm zugeteilt wird DS Charles Masterson (Jeremy Irvine), der die poetische Ader Dalglieshs kritisch begutachtet. Zusammen sitzen sie an besonders ausgewieften Fällen.

Dalgliesh_Ch5 press images. Photographer: Christopher Barr

Meine Meinung

Die erste Staffel Dalgliesh besteht aus drei Mordfällen verpackt in sechs Episoden, so dass jeder Fall eine Doppelfolge erhält. Dadurch sind es deutlich komplexere Fälle als bei vergleichbaren Serien, da ca. 90 Minuten Zeit sind, um den*die Mörder*in zu überführen. Die Zeit nimmt die Serie sich auch und so handelt es sich bei Dalgliesh wohl um eine der unaufgeregtesten Serien des Krimi-Genres. Das ist aber keinesfalls negativ zu verstehen, denn die Fälle haben es in sich und in keiner der drei Fälle konnte ich vorab sagen, wer letztendlich die Tat ausführte.
Der erste Fall zieht die Ermittler in eine Krankenpflegerinnenschule, bei der ein medizinischer Test tödlich endet. Im zweiten Fall finden wir uns in Dorset in einem Sanatorium wieder, wo Dalgliesh einen alten Freund besuchen wollte, der jedoch kurz zuvor verstarb. Doch die Umstände sind merkwürdig, weswegen er sich der Sache annimmt. Erst der dritte Fall zeigt uns London und damit auch Räumlichkeiten von Scotland Yard. Hier werden zwei Leichen in einer Kirche gefunden. Dalgliesh hegt jedoch seine Zweifel an der Selbstmordtheorie.
Eine Serie, die direkt um einen Ermittler aufgebaut wird, steht und fällt natürlich auch mit diesem. Hier hatte ich tatsächlich höhere Erwartungen an Adam Dalgliesh, denn seine Rolle ist sehr zurückhaltend. Zwar ist er auch hier der Ermittler, der vieles voraus plant und so seinen Kolleg*innen oft einen Schritt voraus ist, aber er hat weder besonders viel Screentime, noch kommt er besonders oft zu Wort. Tatsächlich sind es sogar eher die Verdächtigen, die viel Dialogzeit haben. Seine schweigsame Art ist eine willkommene Abwechslung, ist aber auch gewöhnungsbedürftig. Gleichzeitig war ich verwundert, dass es so wenig Screentime auf dem Revier gibt, da Scotland Yard es in Deutschland sogar in den Titel geschafft hat. Aber auch das ist mal ein anderer Ansatz. Statt der üblichen Polizeiarbeit wird hier der Fokus auf Dialoge und Atmosphäre gelegt. Und genau das schafft die Serie, denn trotz der Doppelfolgen und den damit längeren Folgen und der sehr ruhigen Erzählweise, ziehen sich die Folgen an keiner Stelle und die Fälle sind durchgehend spannend.
So lohnt sich ein Blick auf Dalgliesh auf jeden Fall. Wem Agatha Christies Poirot zu aufgeregt ist, dem wird P.D. James‘ Dalgliesh – auf deren Bücher die Serie basiert – genau gefallen.

Dalgliesh. Picture shows: Adam Dalgliesh (BERTIE CARVEL). Photographer: Christopher Barr

Das Fazit

Adam Dalgliesh ist eine wunderbar ruhig erzählte Krimiserie im Großbritannien der 1970er Jahre. Ruhig, viel über Dialoge und Atmosphäre erzählt, bildet sie einen guten Kontrast zu anderen Krimiserien. Ein Blick lohnt sich auf jeden Fall.

Adam Dalgliesh – Staffel 1 wurde mir von Glücksstern-PR als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Lost City

Ein Vorwort

Es gibt Trailer, die sieht man und weiß, man will den Film sehen oder eben nicht. Dann gibt es die, die einem eigentlich schon den ganzen Film verraten oder wo man schon weiß, dass die besten Szenen im Trailer verbraten wurden. Und dann gibt es den Trailer zu Lost City. Hier waren so ziemlich alle Varianten möglich. Welche davon jetzt zutreffend ist und ob Lost City auch als Film in voller Länger funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Die Bestsellerautorin Loretta Sage (Sandra Bullock) kommt seit dem Tod ihres Mannes nicht mehr wirklich aus dem Haus raus. Doch ihre Managerin (Da’Vine Joy Randolph) hat eine Tour zu ihrem neuen Buch arrangiert. Beim ersten Termin wird Loretta jedoch vom exzentrischen Milliardär Abigail Fairfax (Daniel Radcliffe) entführt, da sie im Buch eine sehr exakte Übersetzung einer alten Sprache verwendet hat. Ihr Covermodel Alan (Channing Tatum) will ihr zur Hilfe eilen, scheint aber nicht gerade der geeignetste Kandidat zu sein.

Meine Meinung

Komödien gibt es in Hollywood wie Sand am Meer. Wirklich gute sind indess in der Masse schwer zu finden. Lost City hatte nach dem Trailer die Möglichkeit in beide Richtungen zu gehen. Denn da gab es ein paar Szenen, über die ich jedes Mal wieder lachen konnte und gleichzeitig Szenen, die mir zu viel waren. Also welche, die in die niveaulose Richtung gingen.
Letztlich ist die Tendenz des Films doch eher in die erste Richtung, auch wenn viele gute Szenen bereits im Trailer verarbeitet wurde.
So ist die Handlung an vielen Stellen vorhersehbar und auch die Grundentwicklung dürfte wohl niemand überraschen. Doch dann gibt es immer wieder kleinere Einschübe, die habe ich nicht kommen sehen. So ist beispielsweise Brad Pitts Rolle doch ganz anders, als ich erwartet hatte.
Grob zusammengefasst war wohl die Grundidee einen Abenteuerfilm in Indiana Jones Manier, aber mit einer entführten Autorin und einem Covermodel als Protagonisten. Das Ganze dann verpackt als Komödie. Im großen und ganzen funktioniert das, denn Lost City schafft es durch die Charaktere viel Situationskomik einzubringen, die zumindest mich voll abgeholt hat. Das die Handlung eher einfach gestrickt ist und sich den üblichen Klischees bedient, ist daher erst einmal zu vernachlässigen, da sie eher den Rahmen vorgibt.
In seiner Gesamtheit mit der relativ bekannten Handlung, der vielen Situationskomik und den harmonierenden Charakteren funktioniert Lost City ziemlich gut. Es ist jetzt kein Film, der einen total überrascht und vom Hocker haut, reiht sich aber eher in die guten Komödien ein, da mehr auf aufgebaute Witze gesetzt wird, als stoische One-Liner. Mit Sandra Bullock und Channing Tatum wurden auch die richtigen Schauspielenden gecastet, um die Rollen glaubhaft rüberzubringen. Daniel Radcliffe ist in seiner Rolle irgendwo zwischen Overacting und so drüber, dass es schon wieder witzig und passend ist und sorgt damit für die letzte Rundung, die den Film und ein unterhaltsames Level hebt.

Das Fazit

Lost City mag eine einfache und relativ vorhersebare Handlung haben, doch durch die Charaktere und die Situationskomik funktioniert der Film als Komödie in seiner Gesamtheit. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Lost City läuft seit dem 21.04.2022 in den deutschen Kinos

Top Gun – Maverick

Ein Vorwort

1986 kam mit Top Gun ein ziemlich patriotischer Actionfilm in die Kinos und half Tom Cruise zum Durchbruch. Inzwischen dafür bekannt seine Stunts in den meisten Fällen selbst durchzuführen, ist er aus der Actionfilmszene nicht mehr wegzudenken. Nun fast 40 Jahre später gibt es einen zweiten Teil. Ob sich dieser in die Riege der überflüssigen Fortsetzungen einreiht, oder tatsälich noch einmal etwas zu bieten hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Maverick (Tom Cruise= ist noch immer bei der Navy, fliegt Testflüge und wurde trotz vieler Auszeichnungen nie befördert. Der Fund eines geheimen Nuklearlagers führt dazu, dass er zurück zu Top Gun beordert wird. Dort soll er die Nachwuchselite innerhalb kürzester Zeit für eine beinahe unmögliche Mission ausbilden. Dabei ist auch der Sohn seines früheren Freundes Goose: Rooster (Miles Teller).

Meine Meinung

Ich habe den ersten Top Gun wohl vergleichsweise spät gesehen, aber dennoch konnte der in seiner Einfachheit auch Jahre später noch durch die handgemachte Action überzeugen. Fast 40 Jahre später noch ein Sequel zu bringen, konnte funktionieren, konnte aber auch mächtig schief gehen.
Tatsächlich ist es bei Top Gun Maverick eher das Erstere. Und das liegt vor allem an einer Sache: Die noch immer größtenteils handgemachte Action mit wenig CGI und viel Tom Cruise, der seine Stunts selbst geflogen ist.
Denn wie schon im ersten Teil ist die Handlung gar nicht das entscheidende. Hier ist vieles vorhersehbar, der Ablauf orientiert sich am ersten Teil und ist sehr einfach gestrickt. Gespickt wird das ganze mit einer guten Portion Fanservice. Nicht zu viel, um überladen zu wirken, eher um einen ab und an zum schmunzeln zu bringen. Auch über die Charaktere wird nicht viel erzählt, gerade genug, um sie in ihren Positionen auseinander zu halten. Auch wenn es mit einem altbekannte und einem neuen weiblichen Gesicht versucht wird, die reine Männerriege aufzusprengen, ist der Film noch immer sehr Männerlastig. Dies merkt man auch an vielen Dialogen. Hätte man natürlich zeitgemäß weiter auflockern können, tritt hier aber ebenso wie die gesamte Handlung eher in den Hintergrund.
Die gesamte Konzentration des Films und auch der Grund, warum das Franchise nach all den Jahren immer noch so gut funktioniert, sind einfach die Actionszenen. Hier sieht man in jeder Einstellung die Liebe zum Fliegen. Hervorgehoben wird dies durch die handgemachte Action, die nur wenig CGI braucht. Dadurch, dass Tom Cruise – laut Medienberichten – selbst im Cockpit Platz genommen hat, sieht man den Unterschied auch einfach. Die Atmosphäre durch neue und alte Filmmusik, die Kameraführung und die Actionszenen zeigt einmal mehr, wofür es Kino noch immer gibt. Denn dieser Film funktioniert vollumfänglich nur auf der großen Leinwand.

Das Fazit

Top Gun Maverick ist zwar sehr schlicht in Handlung und Charakteren und bietet wenig Überraschungen, doch durch handgemachte Action bietet er ein Leinwanderlebnis für das sich der Kinogang lohnt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Top Gun Maverick läuft seit dem 26.05.2022 in den deutschen Kinos

Rückblick auf das halbe Jahr 2022

Die Periode Dezember-Mai ist vorbei und damit wird es Zeit für meinen Halbjahresrückblick. Wie jedes Jahr geht es hier eher um ein kurzes Zwischenfazit als um ausführliche Besprechungen, gespickt mit Top 10 Listen. Dann starten wir auch direkt ohne weiteres Vorgeplänkel.

I. Filme – auf großer Leinwand gesehen

26 Filme habe ich im ersten Halbjahr im Kino gesehen (+26 im Vergleich zum letzten Jahr, was da aber auch an den geschlossenen Kinos lag). Davon 3 aus der Cinemathek und ein Anime-Special. Meine Highlights (ohne Ranking):

1 Wunderschön
2 Marry me
3 Belfast
4 The Batman
5 Schachnovelle
6 Eingeschlossene Gesellschaft
7 Lost City
8 Top Gun Maverick
9 Spider-Man – No way home
10 Der Rosengarten der Madame Vernet

II. Filme – auf großem Fernseher gesehen

43 Filme liefen im ersten Halbjahr bei mir im Heimkino (5 weniger als letztes Jahr). Davon 15 Wiederholungstäter, 12 Originals (aller Plattformen) und 1 Reportagen/Dokumentationen. Von meiner 22 für 2022 Liste sind 6 Filme gesehen. Meine Highlights (ohne Ranking):

1 Jingle Jangle Journey
2 the holiday calendar
3 Everest
4 Kikis kleiner Lieferservice
5 Being the Ricardos
6 Avengers – Endgame
7 Good morning Vietnam
8 S.U.M. 1
9 Charade
10 Das Schloss im Himmel

III. Serien – ein kurzer Überblick

53 verschiedene Serien mit 55 Staffeln (+12 im Vergleich zum Vorjahr) sind gesehen. Meine Highlights (ohne Ranking):

1 The Pembrokeshire Murders – Miniserie*
2 His dark material – Staffel 1-2
3 Zoeys Extraordinary Playlist – Staffel 2
4 Hawkeye – Staffel 1
5 Extraordinary You – K-Drama
6 Miracle Workers – Staffel 3
7 Attack on Titan – Staffel 1-3
8 Queer Eye – Staffel 5
9 Heartstopper – Staffel 1
10 Mystic Pop-up Bar – K-Drama

IV. Bücher – das beste aus den Lesemonaten

64 Bücher sind ausgelesen, 1 Hörspiel ist gehört (+19 Bücher und -4 Hörspiele im Vergleich zum letzten Jahr). Davon sind 13 von meiner 22 für 2022 Liste gelesen. Meine Highlights (ohne Ranking):

1 Spiritus Daemonis – Band 1 und 2.1
2 The gender of Mona Lisa 1-3
3 Loderne Schwingen
4 Die Friedensformel
5 My genderless Boyfriend – 1-3
6 Assassins Wood
7 Cyberempathie
8 All the Broken Strings
9 Mona 2 – Verliebt, Verlobt, Beschworen
10 Blue S(e)oul Nights

Wie sah euer erstes Halbjahr aus?
Welcher Film/Buch/Serie fehlt definitiv in meiner Liste?