Eine Dekade Film – Meine Top 75 der letzten 10 Jahre – #3 – Platz 50-26

Und weiter geht es mit meinem großen Dekadenrückblick. Wer die Vorgängerbeiträge verpasst hat, findet hier 100-76 und hier 75-51.

Platz 50: Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen (2017)

Katherine Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson sind drei afroamerikanische Mathematikerinnen. Auf drei unterschiedlichen Wegen kämpfen sie innerhalb der NASA um Anerkennung ihrer Arbeit und helfen so beim ersten bemannten Flug ins Weltall der USA und bei der ersten Erdumrundung. – Wichtige Schritte zum Civil Rights Act innerhalb der NASA verpackt in einer mitreißenden Geschichte über drei unermüdlich kämpfende Frauen.

Platz 49: James Bond 007 – Skyfall (2012)

Bei einem Auftrag stirbt James Bond vermeintlich. Da durch das Scheitern des Auftrags geheime Daten bei einem Cyberterroristen landen, soll M abgesetzt werden und das gesamte Doppelnull-Programm steht auf dem Spiel. Doch Bond kehrt zurück und nimmt den Auftrag an, der ihn schließlich zu Raoul Silva führt. Um M zu retten, muss er sich schließlich seiner Kindheit stellen. – Moderne trifft auf klassischen Bond. Sam Mendes vereint gekonnt beide Motive und präsentiert uns einen Bond, der selten stärker war.

Platz 48: Inception (2010)

Dom Cobb ist Spezialist dafür Leute in ihren Träumen zu beeinflussen. Bei einem neuen Auftrag kommen jedoch Komplikationen dazu und er und sein Team müssen immer weitere Traumebenen eröffnen. Doch wenn man zu weit vordringt, kann man sich in dieser Traumwelt verlieren. – Christopher Nolan erschuf hier eine Traumwelt gepaart mit einem Actionfilm, der nicht ohne Grund unseren Wortschaft erweitert hat.

Platz 47: Dieses bescheuerte Herz (2017)

Lenny Reinhard ist ein verwöhnter junger Mann, der das Geld seines Vaters, Chefarzt, großzügig verprasst und keine Zukunftspläne hat. Als er es aber deutlich übertreibt, wird ihm der Geldhahn zu gedreht. Bedingung dafür wieder Geld zu bekommen, ist, dass Lenny sich um den herzkranken David kümmern soll. Bei der ersten Begegnung prallen Welten aufeinander. – Man kann dem Film vorwerfen die üblichen erzählerischen Schritte zu unternehmen, aber dann verpasst man die herzensgute Geschichte, die auf beiden Seiten auch aus Schatten besteht.

Platz 46: Arrival (2016)

Dr. Louise Banks ist Linguistin. Als auf der Erde zwölf Raumschiffe landen, wird sie dazugerufen, um die Kommunikation mit den Alien herzustellen. Dies klappt auch zunächst sehr friedlich, dennoch wird die Anwesenheit der Aliens als Provokation verstanden. Militärische Schritte werden eingeleitet. – Spannende Science-Fiction von Deniz Villeneuve, der es versteht die Angst der Menschen einzufangen und doch die Wichtigkeit der Kommunikation hervorzuheben.

Platz 45: Baby Driver (2017)

Miles, der von allen nur Baby genannt wird, ist Fluchtwagenfahrer, seit er bei dem Gangsterboss Doc Schulden gemacht hat und diese abfahren soll. Durch seinen Tinitus hört er ständig Musik. Als er glaubt dies geschafft zu haben, versucht er sich an einem normalen Leben und verliebt sich in die Kellnerin Debora. Doch Doc ist noch lange nicht fertig mit ihm. Beim nächsten Auftrag soll jedoch einiges schief gehen. – Ein Heist-Movie, bei dem erst der Soundtrack und dann das Drehbuch stand. Ein Experiment, das vollkommen aufgeht.

Platz 44: Ballon (2018)

1979 versucht die Familie Strelzyk mit einem Heißluftballon aus der DDR zu fliehen. Der Versuch scheitert jedoch und die Familie versucht zum einen ihre Spuren zu verwischen und zum anderen auf anderen Wegen zu fliehen. Doch die Stasi ist ihnen dicht auf den Versen. – Wer glaubt, dass Michael „Bully“ Herbig nur Komödien kann, wird hier mit einer spannenden Fluchtgeschichte eines besseren belehrt.

Platz 43: Alles steht Kopf (2015)

Die 11-jährige Riley steht kurz vor einen Umzug von Minnesota nach San Francisco. Auch die Emotionen Wut, Freude, Kummer, Ekel und Angst, die in ihrem Kopf die Schalter und Knöpfe für ihr Verhalten steuern, sind mit der Situation leicht überfordert. Als Freude und Kummer durch einen Unfall im Langzeitgedächtnis landen, entsteht ein Abenteuer der ganz anderen Art. – Pixar versucht uns unsere Gedanken und Entscheidungen näher zu bringen und schafft dies durch liebevolle Animationen und unfassbar guten Geschichten über unser Gehirn.

Platz 42: Dunkirk (2017)

1940 sind tausende britische Soldaten in der französischen Stadt Dünkirchen eingeschlossen. Bei der Operation Dynamo werden zivile kleine Boote eingesetzt, um die Soldaten zu retten, da die großen Schiffe zu gute Ziele sind. Dabei wird die Geschichte aus Sicht eines Soldaten in Dünkirchen, eines kleines Fischerbootes und eines britischen Piloten, der die Schiffe beschützt, erzählt. – Spannungsgeladener Film über die größte Rettungsaktion der Militärgeschichte.

Platz 41: Spotlight (2016)

Spotlight ist ein Team investigativer Journalisten des Boston Globe. 2001 bekommen sie den Hinweis auf Priester, die nachdem sie Jungen missbrauchen, einfach nur versetzt werden und keine Strafe erhalten. Nach und nach decken sie mehr Fälle auf, auch wenn ihnen immer mehr Steine in den Weg gelegt werden. – Die Verfilmung über die Recherche, die 2003 den Pulitzer-Preis bekam, ist schockierend, spannend und gut erzählt. Dabei geht sie tief unter die Haut.

Platz 40: Jackie (2017)

Nur eine Woche nach der Ermordung ihres Ehemannes gibt Jackie Kennedy ein Interview. In dem beleuchtet sie die Vorgänge direkt nach dem Attentat bis zur Beerdigung. – Natalie Portman liefert hier eine Bestleistung ab. Der gesamte Film wird von ihr und dem ansonsten eher ruhigen Drehbuch getragen.

Platz 39: Guardians of the Galaxy (2014)

Peter Quill hat es geschafft den Orb zu stehlen und hintergeht dabei seine Truppe, die ihn einst von der Erde entführten. Beim Versuch den Orb zu verhöckern, trifft er auf Gamora, die Ziehtochter des Eroberers Thanos, die den Orb braucht, um Thanos zu besiegen. Dabei landen beide jedoch im Gefängnis, wo sie auf den Waschbären Rocket, den Baum Groot und Drax, den Zerstörer, stoßen. Zusammen planen sie einen Fluchtversuch und müssen sich schließlich Ronan, dem Ankläger, stellen. – Witzige Weltraumaction aus dem Hause Marvel.

Platz 38: Brittany runs a marathon (2019)

Brittany Forgler hat die Kontrolle über ihr Leben verloren. Um diese wieder zurückzuerlangen, fängt sie an zu joggen. Zusammen mit ihrer bissigen Nachbarin und ihrem neuen Laufkumpel Seth steckt sie sich das Ziel am New York Marathon teilzunehmen. – Berührende Geschichte über die Überwindung des inneren Schweinehunds.

Platz 37: John Wick (2015)

John Wick hat seine Tätigkeit als Auftragsmörder aus Liebe zu seiner Frau aufgegeben. Als diese stirbt, ist er am Boden zerstört. Ihr letztes Geschenk ist ein kleiner Hund. Als Wick sich weigert russischen Gangmitgliedern sein Auto zu überlassen, brechen diese bei ihm ein und töten dabei seinen Hund. Wick schwört Rache und gräbt seine Sachen aus früheren Zeiten wieder aus. Eine wilde Verfolgungsjagd beginnt. – Packender Actionfilm mit einer der besten Kampfchoreographien der letzten Jahre.

Platz 36: No way out – Gegen die Flammen (2018)

Eric Marsh trainiert eine Einheit der Feuerwehr in Prescott (Arizona) für den Ernstfall. Waldbrände gehören zu den ständig lauernden Gefahren. Dabei will er eine Hochstufung seines Teams als Hotshots bewirken, damit sie mehr Einfluss auf die Bekämpfung der Brände kriegen. Der Junkie Brendan McDonough wird dem Team zugeteilt und muss erstmals in seinem Leben Disziplin lernen. – Tragische Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht und gleichzeitig Hoffnungsschimmer, um auf die Wichtigkeit der Einheiten und deren Ausrüstung aufmerksam zu machen.

Platz 35: Die Entdeckung der Unendlichkeit (2014)

Stephen Hawking ist Physiker, dem eine brilliante Karriere prophezeit wird. Doch es soll anders kommen, nachdem bei ihm eine unheilbare Krankheit diagnostiziert wird. Seine Frau Jane steht dabei an seiner Seite, auch wenn das Zusammenleben immer schwieriger wird. – Eine packende, aber respektvolle, Biographie über die Krankheit des bekanntene Physikers, aber auch eine Liebesgeschichte wider aller Umstände.

Platz 34: The King’s Speech (2011)

Albert, Herzog von York, hat ein großes Problem mit dem Stottern. Seine Frau Elisabeth schickt ihn daraufhin zu Sprachtherapeuten Lionel Logue. Dieser hilft ihm nicht nur beim Stottern, sondern wird langsam zum Vertrauten Alberts. Als dessen Bruder König wird, gibt es einige Differenzen und die Freundschaft wird immer wieder auf eine Probe gestellt. – Beeindruckende Geschichte über Freundschaft und der Überwindung eines Stotter-Problems mit zwei grandiosen Hauptdarstellern.

Platz 33: Love, Rosie – Für immer vielleicht (2014)

Rosie und Alex sind seit Kindheitstagen miteinander befreundet. Als es an Rosies 18. Geburtstag zwischen beiden knistert, beschließen sie ihre Freundschaft nicht zu gefährden. Beide wollen nach der Schule fürs Studium nach Boston. Da Rosie schwanger wird, bleibt sie zu Hause. Trotzdem halten sie engen Kontakt. Im Laufe der Jahre kämpfen sie immer wieder füreinander, doch das Leben hat andere Pläne. – Sympathische Romantikkomödie, die vor allem durch den Charme der beiden Hauptdarsteller getragen wird.

Platz 32: Le mans 66 (2019)

Nach einer Schmach gegen Ferrari will Henry Ford II diesen in seinem eigenen Steckenpferd bei dem 24 Stunden Rennen von Le Mans schlagen. Doch dafür braucht er einen passenden Wagen und einen Fahrer. Während Carroll Schelby für den Fahrzeugbau eingespannt wird, wird dessen Wahl Ken Miles als Fahrer sehr kritisch betrachtet. Vor allem der PR-Chef Leo Beebe versucht alles um seine eigenen Interessen durchzusetzen. – Packende Geschichte, nicht nur für Fans von Motorsport, der einem vor Spannung in den Sitzen lässt.

Platz 31: Fishermans Friends (2019)

Musikproduzent Danny macht mit seinen Freunden Urlaub um Fischerdord Port Isaac. Dabei machen sie sich bei den Anwohnern nicht gerade beliebt. Durch eine Wette beibt Danny zurück. Er soll die Shanty singenden Dorfbewohnern davon überzeugen einen Plattenvertrag zu unterschreiben. Doch kaum hat er diese soweit, stellt sich heraus, dass seine Kumpels ihn nur verarscht haben. Doch Danny gibt nicht auf. – Bewegende Geschichte über einen Shanty Chor, der den Durchbruch versucht. Feel-Good Komödie mit ganz viel Herz.

Platz 30: Logan (2017)

Seit 25 Jahren wurden keine neuen Mutanten geboren und auch Logan „Wolverine“ kämpft mit dem Alter. Seine Kräfte haben stark nachgelassen und das Alamanthium in seinem Körper vergiftet ihn langsam. Auch sein Mentor Charles Xavier ist sterbenskrank. Da wird ihm der Auftrag angeboten das junge Mädchen Laura zu einer sicheren Zuflucht zu finden. Dabei stellt sich heraus, dass Laura ähnliche Eigenschaften wie Logan hat. Doch ihre Verfolger sind ihnen dicht auf der Spur. – Auf den Comic Old Man Logan basierend werden hier erstmals Superhelden im hohen Alter dargestellt. Daraus entwickelt sich ein ganz neuer Ansatz im Superheldengenre.

Platz 29: Die dunkelste Stunde (2018)

Winston Churchill muss nach seiner Ernennung als Premierminister nicht nur den Krieg gegen Hitler leiten, sondern auch gegen innerparteiische Widrigkeiten kämpfen. Dabei hält er stets an seiner Politik des Widerstands fest. – Mitreißendes Biopic über die politische Seite des zweiten Weltkriegs.

Platz 28: Ein ganzes halbes Jahr (2016)

Louisa Clark ist vollkommen glücklich in dem kleinen Café in ihrem Heimatort zu arbeiten. Doch als sie ihre Stelle verliert, steht sie mit nichts da. Da bekommt sie das Angebot für den querschnittsgelähmten William Traynor zu arbeiten. Doch die Stelle ist für ein halbes Jahr begrenzt. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten bauen die beiden ein enges Verhältnis auf und Louisa versucht fortan Wills Lebenswillen wiederzugewinnen. – Berührende Buchverfilmung, die die Themen Behinderung und Sterbehilfe mit einer Liebesgeschichte verknüpft.

Platz 27: Kiss the Cook (2015)

Gourmetkoch Carl Casper rastet nach einer schlechten Kritik vollkommen aus und liefert sich eine Twitter-Schlacht mit dem Kritiker. Daraufhin verliert er seinen Job. Daraufhin kehrt er Los Angeles den Rücken und reist zu seiner Ex-Frau und seinem Sohn in die Heimatstadt Miami. Dort beschließt er einen Food-Truck zu eröffnen. Dabei findet er aus seiner persönlichen Krise und kommt auch seinem Sohn wieder näher. – Ein Feel-Good-Roadmovie der leckersten Art.

Platz 26: Your name. (2018)

Mitsuha lebt in der Kleinstadt Itomori, während Taki versucht in der Großstadt Tokyo nicht unterzugehen. Beide lernen sich kennen, als  sie an mehren Tagen in der Woche ungewollt die Körper tauschen. Als der Kontakt jedoch irgendwann abbricht, macht sich Taki auf die Suche nach Itomori und Mitsuha. – Ein Anime mit einer Coming-of-Age Geschichte der anderen Art, die tief unter die Haut geht.

The Green Mile – Buch & Film

Ein Vorwort

Das Stephen King Verfilmungen nicht immer funktionieren zeigte zuletzt das Friedhof der Kuscheltiere Remake. Das sie aber auch durchaus funktionieren können, dürften die Verurteilten bewiesen haben – auch wenn ich die Buchvorlage dazu bisher noch nicht gelesen habe. Nun kannte ich The Green Mile bereits als Film, aber noch nicht als Buch. Dies habe ich nun nachgeholt und will hier einmal beide Medien gegenüberstellen.

Die Handlung

Paul Edgecombe arbeitet im Gefängnisblock E von Cold Mountain, in dem sich der elektrische Stuhl befindet. 1932 kommt John Coffey in diesen Block. Er soll zwei Mädchen vergewaltigt und getötet haben. Doch von Anfang an kommt Paul die Sache komisch vor. Doch er hat größere Probleme. Etwa den bösartigen Wärter Percy Wetmore, der alle durch seine Beziehungen nach Washington in Schach hält. Oder auch Billy Wharton, den verrückten und bösartigen Insassen. Doch mit Coffeys Erscheinen passieren ein paar merkwürdige Sachen.

Meine Meinung zum Buch

Stephen King startete mit The Green Mile das Experiment einen Fortsetzungsroman zu schreiben. Und so ist das Buch in sechs Teile unterteilt, die ursprünglich nacheinander veröffentlicht wurden. So gibt es zwar immer noch einen roten Faden, der alles verbindet, dennoch stehen die Geschichten auch gut für sich. Dabei sind die Geschichten nicht chronologisch geordnet, dem Leser wird aber immer wieder vermittelt an welcher Stelle der Gesamthandlung man sich befindet.
King selbst schreibt in seinem Vorwort, dass er eigentlich gar keine Zeit hatte, um richtig für den Roman zu recherchieren und entschuldigt sich im Nachwort wegen ein paar historischer Ungenauigkeiten. Dennoch hat er wohl die Atmosphäre eines Todesblocks gut eingefangen. Die Abläufe, die Gedanken und auch die Insassen könnte es wohl wirklich so gegeben haben – außer vielleicht John Coffey.
Die Geschichte orientiert sich im Rahmen daran, dass Paul Edgecombe im hohen Alter seine Erinnerungen an eben jene Zeit nieder schreibt. So hat King immer wieder einen Anfang für die einzelnen Bücher. Die Geschichten unterscheiden sich in ihrer Spannung, lassen sich aber alle gut weglesen. Denn trotz der bedrückenden Stimmung eines Todestrakts, schafft King es interessante, wenn auch teilweise sehr bösartige, Charaktere zu schaffen und mit ihnen fantastische Geschichten zu kreieren.

Meine Meinung zum Film

Regisseur und Drehbuchautor Frank Darabont hatte bereits Kings Kurzgeschichte Die Verurteilten verfilmt. Fünf Jahre später widmete er sich seinem nächsten Projekt. Mit The Green Mile hatte er sich erneut ein King Werk, das in einem Gefängnisblock spielt, ausgesucht. Prominent besetzt mit Tom Hanks, der Paul Edgecombe spielt, hatte der Film also beste Voraussetzungen. Seine große Stärke ist es wohl, dass er sich eng an die Buchvorlage hält. Die größten Änderungen dürften sein, dass der Film die Bücher in der veröffentlichten Reihenfolge erzählt, aber so tut, als wären diese chronologisch erzählt. Auch große Teile der Geschichte um den alten Paul im Altenheim wurden weggelassen, z. B. den tyrannischen Pfleger Brad Dolan, der Pauls Erinnerungen an Percy Wetmore stärkt. Diese Änderungen verändern jedoch nicht den Charakter der Geschichte.
Mit 181 Minuten ist The Green Mile sehr lang geworden, dadurch konnte aber auch jede Geschichte auserzählt werden, ohne irgendetwas streichen zu müssen. Die Spannung wird trotzdem durchgehend hoch gehalten. Auch die weiteren Rollen sind gut besetzt. Selbst Szenen, die eigentlich nur mit der Gedankenwelt Pauls funktionieren dürften, werden durch kleine Ausschmückungen so umgesetzt, dass man auch ohne gelesene Buchvorlage alles versteht. So kriegt man durch den Film einen guten Überblick über die Geschichte. Richtig rund wird es allerdings trotzdem erst im Buch durch die erläuternden Gedanken.

Das Fazit

Egal, ob als Buch oder als Film, The Green Mile funktioniert durch seine fantastischen Geschichten in beiden Medien und vermittelt so einen Einblick in einen Todestrakt in den 1930er Jahren und spielt mit den Motiven von Gut und Böse.

Eine Dekade Film – Meine Top 75 der letzten 10 Jahre – #2 – Platz 75-51

Es ist geschafft. Ich habe meine finale Liste erstellt und in eine – zumindest für mich – sinnvolle Reihenfolge gebracht. Die Filme, die es nicht auf die finale Liste geschafft haben, die ich aber aus diversen Gründen noch einmal erwähnen wollte, findet ihr hier in meinen zusätzlichen Top 25.

Platz 75: Verborgene Schönheit (2017)

Howard Inlet ist Geschäftsführer einer Werbeagentur und steckt in einer tiefen Depression. Also beschließen seine Geschäftspartner und Freunde drei Schauspieler zu engagieren, die Zeit, Liebe und Tod darstellen sollen. Eine etwas ungewöhnliche Therapie beginnt. – An einigen Stellen in der Darstellung vielleicht dick aufgetragen, aber im Ganzen eine schöne Hommage an das Nachvorneschauen.

Platz 74: Bad Moms (2016)

Amy Mitchell ist die Vorzeigemom zweier Kinder, die nebenbei aber auch noch eine berufliche Karriere verfolgt. In Folge dessen ist sie völlig überarbeitet. Als ihr Mann sie virtuelle betrügt, hat sie die Nase voll. Sie wirft den Mann raus und gründet zusammen mit zwei weiteren Müttern, die Bad Moms, die auf Regeln scheißen und endlich mal was machen, was ihnen Spaß macht. – Komödie über das Muttersein, das erstaunlich ernst ist und nur in wenigen Punkten über die Stränge schlägt.

Platz 73: Herz aus Stahl – Fury (2015)

Norman Ellison wird in den letzten Tagen des zweiten Weltkriegs an die Front versetzt. Ausgebildet zum Schreiberling wird er Bugschütze des Panzers Fury. Dieser wird von Don Collier mit harter Hand geführt, was bisher der Besatzung aber das Leben rettete. Ellison tut sich schwer mit der Brutalität des Krieges, wofür ihn die Besatzung verachtet. – fiktiver, aber dafür sehr realistischer, Kriegsbericht direkt von der Front und was der Krieg aus Männern machen kann.

Platz 72: Pitch perfect (2012)

Beca Mitchell kommt neu auf die Barden University. Dabei trifft sie auf die a-capella-Gruppe Barden Bellas, die auf der Suche nach neuen Wettbewerbern sind. Dabei kommt eine buntgemischte Gruppe zusammen, die nicht dem üblichen Bella-Schönheitsideal entspricht. Während Beca gerne neue Ideen einbringen möchte, hält Leiterin Aubrey an altbewährtem fest. – Ein Gute-Laune Film mit viel richtig gutem a-cappela-Gesang und einzigartigen Charakteren.

Platz 71: Die Unfassbaren (2013)

Daniel, Merritt, Henley und Jack sind Zauberkünstler auf verschiedenen Gebieten. Zusammen versuchen sie die Aufnahmeprüfung für das „Auge“, einem geheimen Magierbund. Dabei organisieren sie drei große Shows. Da sie dabei aber auch eine Bank ausrauben, ist das FBI ganz schnell hinter ihnen her. Doch die „vier Reiter“, wie sie sich nennen, sind immer einen Schritt voraus. – Spannende Verfolgungsjagd mit einer Menge Magie.

Platz 70: Die Tribute von Panem – the Hunger Games (2012)

Katniss Everdeen lebt im äußersten Distrikt von Panem, das von Armut geprägt ist. Alljährlich werden zwei Tribute aus jedem Distrikt ausgelost, um an den sogenannten Hungerspielen – Spiele um Leben und Tod – teilzunehmen. Als Katniss‘ kleine Schwester Prim ausgelost wurde, meldet sie sich kurzerhand freiwillig. – Spannende Dystopie und Auftakt einer Reihe über ein erbarmungsloses Regime und den Funken der Hoffnung.

Platz 69: White House Down (2013)

John Cale ist im Weißen Haus für ein Bewerbungsgespräch für den Secret Service, bei dem er abgelehnt wird. Seiner Tochter, die ihn begleitet hat, hat er eine Führung durch das Weiße Haus versprochen. So sind sie noch im Gebäude, als es von einer Terrorgruppe angegriffen wird. Auf der Suche nach seiner Tochter, stößt Cale auf den Präsidenten, den es nun zu beschützen gilt. – Vielleicht etwas zu patriotischer Actionfilm, aber dafür mit guten Ideen und schön gespielt.

Platz 68: The cabin in the woods (2012)

Fünf Jugendliche reisen für eine Auszeit in eine einsame Hütte im Wald. Im Keller finden sie allerhand seltsame Gegenstände und lesen schließlich in einem seltsamen Buch. Damit lösen sie eine Falle aus, die ihnen Besuch einer Zombiefamilie beschert. Was sie nicht wissen, ist, dass sie Teil eines Experiments sind und permanent beobachtet wurden. – Parodie auf das Horrorfilmgenre mit einem echt gelungenen Horrorfilm. Grusel und Spaß wechseln sich ausgewogen ab.

Platz 67: Die Schadenfreundinnen (2014)

Anwältin Carly hat eine aufregende Beziehung zu Mark. Als sie ihn überraschen will, erfährt sie, dass Mark verheiratet ist. Zusammen mit Marks Ehefrau Kate, findet Carly heraus, dass er noch eine weitere Affäre mit Amber hat. Als auch diese aufgeklärt wird, planen sie Rache an Mark. – Schöne Rachekomödie mit ein paar übertriebenen Elementen, aber dafür gut harmonierendem Cast.

Platz 66: Alice im Wunderland (2010)

Alice Kingsleigh ist 20 und wird von ihrer Mutter auf ihre eigene Verlobungsparty gelotst, wo sie von dem unsympathischen Hamish Ascot einen Heiratsantrag bekommt. Völlig überfordert läuft sie davon und findet ein weißes Kaninchen, das sie in den Bau folgt und dort ins Wunderland fällt. Sie erinnert sich an einen alten Traum, in dem sie ebenfalls in diesem Wunderland war. Doch die rote Königin hat das einst so frohe Land unter Kontrolle. Alice soll nun eine alte Prophezeiung erfüllen und muss feststellen, dass ihr Traum vielleicht doch kein Traum war. – Moderne Neuinterpretation des Klassikers von Lewis Caroll unter Regie von Tim Burton.

Platz 65: Tucker and Dale vs. Evil (2011)

Tucker hat eine Hütte im Wald geerbt und will diese nun auf Vordermann bringen und nimmt seinen besten Freund Dale mit. Sie sehen wie etwas verwarloste Irre aus, sind aber herzensgute Heimwerker. Als sie auf eine Gruppe College-Kids treffen, halten diese sie für verrückte Mörder und versuchen ihnen zuvor zu kommen. In einer Reihe von unglücklichen Missverständnissen werden die Vorurteile auf beiden Seiten bestätigt. – Eine der besten Horrorkomödien überhaupt. Ein gelungenes Spiel mit Klischees.

Platz 64: Frühstück bei Monsieur Henri (2016)

Constance versucht sich in Paris an einem Studium, obwohl sie an massiver Prüfungsangst leidet. Da sie nur wenig Geld hat, mietet sie sich bei dem mürrischen Henri ein. Als sie die Miete nicht mehr zahlen kann, bietet Henri ihr an, ihr diese zu erlassen, wenn Constance versucht seinen Sohn Paul und dessen Frau Valerie auseinander zu bringen. – Französische Komödie über eine chaotische junge Frau, die das kalte Herz eines alten Mannes erwärmen kann.

Platz 63: Eddie, the Eagle (2016)

Michael Edwards will schon seit Kindheitstagen zu den olympischen Sommerspielen. Doch erst hindert ihn eine Beinschiene daran und später sein nicht vorhandenes sportliches Talent. Nach mehreren Fehlversuchen entdeckt er das Skispringen für sich. Ungeachtet der kritischen Stimme seines Vaters, reist Eddie nach Garmisch-Partenkirchen, um dort zu trainieren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten findet er in Bronson Peary einen Trainer. – Ein hochsympathisches Werk über den olympischen Gedanken und das man immer an sich glauben sollte.

Platz 62: Deine Juliet (2018)

Juliet Ashton reist nach Ende des zweiten Weltkriegs nach Guernsey, um dort den Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf kennenzulernen, von dem sie durch Briefwechsel des Mitglieds Dawsey Adams erfahren hat. Doch vor Ort sind die Menschen viel verschlossener als erwartet. Die deutsche Besatzung hat einiges mit der fröhlichen Insel angestellt. Juliet ist dennoch fasziniert. – Süße Liebesgeschichte vor dem Hinergrund der zurückliegenden deutschen Besatzung des zweiten Weltkriegs.

Platz 61: Wish I was here (2014)

Aidan Bloom ist ein arbeitsloser Schauspieler. Seine beiden Kinder besuchen eine jüdische Privatschule, die sein Vater Gabe bezahlt. Als dieser jedoch erkrankt, muss Aidan die Kinder selbst unterrichten. Dies versucht er auf unübliche Art und Weise und ganz nebenbei versucht er das Verhältnis zu seinem Vater zu verbessern. – Komödie der anderen Art, die nebenbei auch die Themen Krankheit, Tod und Zukunftsängste behandelt.

Platz 60: Der große Trip – Wild (2015)

Cheryl Strayed ist nach dem Tod ihrer Mutter vollkommen verwahrlost, war heroinabhängig und hatte wahllos Sex. Nach der Scheidung zu ihrem Mann kommt ihr die Idee den Pacific Crest Trail zu wandern. Schlecht vorbereitet beginnt sie die Wanderung und muss sich dabei mit sich selbst und ihrer Vergangenheit auseinander setzen. – Eine Frau am Tiefpunkt kämpft sich aus eigener Kraft heraus. Ein hoffnungsvoller Film, der dies zwar mit typischen Hollywood-Elementen spickt, aber dennoch eine gute Botschaft hat.

Platz 59: Codename U.N.C.L.E (2015)

Mittem im kalten Krieg müssen die Topagenten der CIA Napoleon Solo und des KGB Illya Kuryakin sich zusammen schließen, um durch Gabi Teller deren enführten Vater ausfindig zu machen. Dieser hatte für die Nazis verschiedene Waffen hergestellt. Beide sind davon eher wenig begeistert. – Witziger Ausflug ins Agentenleben, zwar mit mäßiger Handlung, die aber vom Charme der Protagonisten wett gemacht wird.

Platz 58: Der Marsianer (2015)

Mark Watney gehört einer Forschungsgruppe auf dem Mars an. Als diese wegen eines Sturms abreist, bleibt er durch einen Unfall allein zurück. Fortan muss er versuchen irgendwie auf dem Mars zu überleben, während sich auf der Erde um seine Rettung gekümmert wird. – Humorvolles Überlebensszenario mit dem Kampf um Überleben und Einsamkeit.

Platz 57: Jumanji – Willkommen im Dschungel (2017)

Die sehr unterschiedlichen Schüler Spencer, Fridge, Bethany und Martha müssen Nachsitzen und finden dabei eine alte Spielekonsole mit dem Namen Jumanji. Als sie sie ausprobieren wollen, werden sie kurzerhand ins Spiel gezogen und finden sich im Dschungel wieder. Nun müssen sie sich durch das Spiel kämpfen, um wieder zurückzukommen. Doch die Gefahren sind viele und jeder hat nur drei Leben. – Witzige Fortsetzung des Klassikers von 1995 mit coolen Charakteren und spannender Dschungel-Survival-Action.

Platz 56: Larry Crowne (2011)

Als Larry Crowne seinen Job verliert und feststellen muss, dass er so schnell auch keinen neuen findet, meldet er sich kurzerhand am College an, um den Abschluss nachzuholen. Gleichzeitig fängt er an sein Leben neu zu gestalten, da er dringend Geld sparen muss. Seine Professorin Mercedes Tainot befindet sich ebenfalls an einem Tiefpunkt im Leben. Als sie auf Larry trifft, bringt er neuen Schwung in ihr Leben, was sie zunächst eher widerwillig hinnimmt. – Hoffnungsvoller und Lebensbejaender Film über die Wirtschaftskrise der USA mit süßer Liebesgeschichte zwischen Tom Hanks und Julia Roberts.

Platz 55: Lion (2017)

Der fünfjährige Saroo lebt in Indien und begleitet seinem großen Bruder eines Tages zur Arbeit und soll am Bahnhof auf diesen warten. Dabei schläft er in einem Zug ein und fährt viele Stunden quer durch Indien. Im fernen Kolkata versucht er nun zu überleben. Dabei landet er in einem Kinderheim. Da er seinen Heimatort nicht richtig aussprechen kann, wird er schließlich an ein australisches Pärchen gegeben. Dort behütet aufgewachsen, geht er viele Jahre später aufs College. Als er dort seine Geschichte erzählt, wird er auf Google Earth aufmerksam gemacht. Voller Tatendrang versucht er nun mit Hilfe von ein paar Ansatzpunkten seine Heimat zu finden. – Berührende Geschichte über die Suche nach der Heimat.

Platz 54: Philomena (2014)

Philomena Lee bricht nach 50 Jahren ihr Schweigen und gesteht ihrer Tochter, dass sie einen unehelichen Sohn hatte, den sie in einem Magdalenenheim gebären musste. Dadurch wurde ihr Sohn adoptiert und Philomena musste ihre Sünde durch harte Arbeit abbüßen. Zusammen mit dem Journalisten Martin Sixsmith begibt sie sich auf die Suche nach ihrem Sohn. – Berührende Suche über ein dunkles Kapitel der irischen Geschichte.

Platz 53: Invictus (2010)

1994 wird Nelson Mandela nach Ende der Apartheid der erste schwarze Präsident Südafrikas. 1995 steht die Rugby-Weltmeisterschaft in Südafrika an. Da die Mannschaft für viele noch das Symbol der weißen Übermacht sind, boykottiert die Bevölkerung zunächst die Mannschaft, doch Mandela selbst setzt sich dafür ein, dass die Mannschaft weit kommt. – Hoffnungsvolle Hymmne auf die Vergebung hinter der Kulisse eines Sportfilms.

Platz 52: The Danish Girl (2016)

Einar und Gerda Wegener sind ein dänisches Künstlerpaar. Als Einar für eins von Gerdas Models einspringen soll, entdeckt er seine weibliche Seite. Was als Kostümspiel begann wird für Einar bald zu einer Existenzkrise. Der Film begleitet die beiden auf ihrem Weg zu Einars geschlechtsangleichender Operation zu Lily Elbe und damit der ersten Transsexuellen. – Berührendes Biopic aus verschiedenen Blickwinkeln über Akzeptanz und Toleranz.

Platz 51: The Big Short (2016)

Hedgefond-Manager Michael Burry fällt durch Zufall auf, dass der Immobilienmarkt in den USA auf faulen Krediten aufgebaut ist und daher in naher Zukunft kollabieren wird. Damit sieht er die Finanzkrise von 2007 vor, doch nur eine Gruppe Einzelner glaubt ihn und sichert sich gegen die drohende Krise ab. – Spannende Geschichte über den Auslöser der Weltwirtschaftskrise mit großartigem Cast und hochwirtschaftlichen Vorgängen für den Durchschnittsbürger erklärt.

Neulich in der Sneak: 21 Bridges

Ein Vorwort

Wusstet ihr, dass Manhattan eine Insel ist und über 21 Brücken mit den umliegenden Bezirken verbunden ist? Genau darauf nimmt der neue Film von Brian Kirk Bezug. Drumherum inszeniert er einen Actionthriller rund um einen gescheiterten Drogendeal. Warum der Film aus der Mittelmäßigkeit nicht herauskommt, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Andre David (Chadwick Boseman) wird zu einem Tatort gerufen, an dem sieben Polizisten ermordet wurden. Da sein Vater in seiner Kindheit ebenfalls Polizist war und im Einsatz getötet wurde, hat er den Ruf bei ermordeten Polizisten keine Gnade zu kennen. So lässt er kurzerhand Manhatten abriegeln und alle 21 Brücken sperren, damit er die Täter in kürzester Zeit stellen kann.

Meine Meinung

Man nehme einen charismatischen Detective mit dunkler Vergangenheit, ein verwirrendes Grundszenario mit allerlei Missverständnissen, einen Sidekick, der sich gut mit dem Detective versteht, ein anfängliches Blutbad, einen bad cop, der sich nicht an Anweisungen hält und natürlich ein eindrucksvolles Setting. Herauskommen soll mit diesem einfachen Schema ein gelungener Actionthriller mit Verfolgungsjagden und ermittlerischem Geschick. Grundsätzlich hat 21 Bridges auch von allen Elementen etwas. Wir haben Chadwick Boseman als Detective, der in jungen Jahren seinen Vater, ebenfalls Cop, verlor und seitdem den Ruf hat bei „Copkillern“ voreilig zu schießen. Als er kurz nach einer Anhörung zu dem Thema zu einem Tatort mit sieben toten Cops gerufen wird, dürfte eigentlich jedem klar sein, dass dies kein Zufall ist. Weiter geht es mit dem verwirrendes Grundszenario über einen geplatzten Drogenüberfall, bei dem es zu Schusswechsel und eben auch zu erschossenen Cops kam. Auftritt Sidekick in Form von Frankie Burns (Sienna Miller) vom Drogendezernat, die fortan mit Boseman ermitteln darf. Im Revier der verstorbenen Cops gibt es dann auch noch die bad cops und ein abgeriegeltes Manhattan als eindrucksvolles Setting rundet die Erfolgsformel ab.
Das Problem an 21 Bridges ist, dass er sich so penibel ans Schema F hält, dass er nichts neues/modernes/eigenes wagt, sondern lieber die Nummer Sicher geht. Herauskommt ein Film, den Fans des Genres bereits im ersten Viertel komplett bis zum Ende vorausahnen können. Es kommen auch keine Überraschungen dazu, so dass der Ausgang eigentlich sehr früh feststeht. Hinzu kommt, dass die titelgebenden 21 Brücken bzw. die Abriegelung Manhattans bis auf zwei kurze Szenen nicht weiter thematisiert werden. Hier hätte man wunderbar mit dem Wettlauf gegen die Zeit und dem gleichzeitig auftretenden Protesten aufgrund der abgeriegelten Stadt spielen können.
Versteht mich nicht falsch. 21 Bridges ist ein hochspannender Thriller, der vor allem von Bosemans Charisma lebt, aber trotzdem ein paar moralische Fragen mit aufwirft, die mit dem frühen Verlust des Vaters zusammenhängen. Das Problem ist nur, dass er in seinen Figuren und in seiner Handlung einfach nicht über Mittelmaß hinauskommt. Zu viele Stereotypen, zu viel Vorhersehbares. Grandiose Schauspieler wie J.K. Simmons werden praktisch verschwendet, weil ihnen plumpe Rollen zugeschrieben werden, ohne der Rolle und dem Schauspieler die Möglichkeit zu geben, sich richtig zu entfalten.
Mit einer Lauflänge von 101 Minuten ist 21 Bridges kurz und kompakt abgefilmt, so dass die Spannung immer auf einem guten Level gehalten werden konnte. Leider gibt es dann am Ende noch die obligatorische „Haha, du wurdest überführt“-Szene, die dem Film nichts neues gibt, ihm aber die Chance auf ein annehmbares Ende nimmt.

Das Fazit

21 Bridges ist ein spannender Thriller, der es leider nicht aus der Mittelmäßigkeit heraus schafft und sich zu sehr an altbekanntem festklammert, anstatt neue Wege einzuschlagen. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Weihnachtsspecial – Dreierlei Weihnachten in Film und Serie

Während ihr den ganzen Monat über fleißig Türchen öffnen durftet, ist nun der Tag des letzten Türchens gekommen. Bevor es aber ans Weihnachtsessen geht und die Geschenke verteilt werden, möchte ich mich noch einmal mit einen kleinen Weihnachtsspecial melden. Und zwar möchte ich euch zwei Filme und eine Serie, teilweise neu, teilweise Klassiker, vorstellen, die passend zu den bevorstehenden Feiertagen gesehen werden können. Damit wünsche ich schon einmal allen ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest.

Klaus – Film

Die Handlung: Der Postbotenlehrling Jesper hat kein sonderliches Interesse an seiner Ausbildung. Zu bequem ist sein Leben, das sein Vater, der Oberpostbote, finanziert. Doch dieser hat darauf keine Lust mehr. Stattdessen versetzt er Jesper in die nördlichsten Gefilde mit der Aufgabe eine bestimmte Anzahl an Briefen zuzustellen, damit er wieder nach Hause darf. Doch in Niedertraching denkt niemand daran Briefe zu verschicken. Zu stark ist der Hass zwischen den zwei Clans, die den ganzen Tag damit beschäftigt sind, sich die Köpfe einzuschlagen und sich gegenseitig mit Streichen zu bekriegen. Jesper ist schon kurz vorm Aufgeben, als er den angsteinflößenden Holzfäller Klaus trifft. Doch dieser ist absolut harmlos und hat zugleich eine große Menge Spielzeug in seinem Schuppen. So kommt Jesper auf die Idee die Kinder Briefe mit Spielzeugwünschen an Klaus verschicken zu lassen. So kommt er an seine Briefanzahl und die Kinder werden glücklicher. Doch das gefällt nicht allen Bewohnern.

Meine Meinung: Wer zu Weihnachten einmal einen richtig schönen Weihnachtsfilm sehen will, der findet in diesem Netflix Original einen würdigen Kandidaten. Nicht nur greift er die Geschichten rund um den Weihnachtsmann auf, er verdreht sie auch noch herrlich und modernisiert sie so gleich auch noch ein Stück weit. Da die Geschichte im hohen Norden spielt, kommt natürlich irgendwann ein Schlitten und Rentiere ins Spiel. Aber im Vordergrund steht eigentlich das zerstrittene Dorf, das durch eine gute Tat schnell mehr folgen lässt. Hinzu kommt eine gute Portion verschiedener Charaktere, die das Zusammenspiel erst so interessant macht. Allein der running gag mit dem Kapitän funktioniert immer wieder. So hat Klaus gleichzeitig eine schöne Geschichte, mit lustigen Aspekten, mit dramatischen Wendungen und vor allem ganz viel Herz.

Ist das Leben nicht schön? – Film

Die Handlung: George Bailey hat immer von einem Leben voller Reisen und Abenteuer geträumt. Stattdessen hat er es nie aus seinem Heimatort Bedford Falls herausgeschafft. Immer wieder stehen ihm Geschehnisse im Weg, die sein Gewissen nicht hinnehmen kann. Unbewusst verändert er so die Schicksale vieler Menschen. Als am Weihnachtsabend ein Missgeschick ihn um 8000 Dollar bringt und eine Steuerprüfung ansteht, die ihm alles kosten kann, ist er dabei seinen Lebenswillen zu verlieren. Auf einer Brücke stehend, denkt er über Selbstmord nach. Dann taucht der Engel Clarence auf. Er wurde geschickt, um George vom Springen abzuhalten. Als dieser sagt, dass die Welt besser wäre, wenn er nie geboren worden wäre, zeigt Clarence ihm, wie die Welt wirklich wäre, wenn er nie geboren worden wäre.

Meine Meinung: Mit den Jahren hat sich der Film zum absoluten Weihnachtsklassiker gemausert. 1946 kam er in die Kinos, ist demnach noch in Schwarz-Weiß und für heutige Verhältnisse wohl zu stringent erzählt. Denn, wenn man den Film kurz zusammenfassen will, erzählt man immer von dem Mann, der sich an Weihnachten umbringen wollte und von einem Engel gezeigt bekommt, wie die Welt wäre, wenn er nie geboren worden wäre. Dieser Teil umfasst aber gerade einmal 30 Minuten am Ende. Vorher hat man sich 90 Minuten lang angesehen, was alles so in George Baileys Leben passierte. Im heutigen Erzählstil würde dies wohl eher durch Rückblenden passieren. Dennoch ist gerade die Botschaft am Ende des Films zuckersüß und für seine Zeit ist der Film durchaus angemessen.

Weihnachten zu Hause – Serie

Die Handlung: Johanne ist Anfang Dezember mit ihrer Familie im Elternhaus zum Essen. Kurz zuvor hat sie erfahren, dass sie, weil sie keinen Mann und keine Kinder hat, mal wieder die Weihnachtsschichten im Krankenhaus, wo sie als Pflegerin arbeitet, übernehmen darf. Als das Thema dann auch noch von ihrer Mutter immer wieder thematisiert wird, rutscht ihr heraus, dass sie ja durchaus inzwischen einen Mann hat. Diesen muss sie nun in kürzester Zeit finden.

Meine Meinung: Wer nicht jedes Jahr die immer gleichen Weihnachtsfilme sehen möchte, hätte mit dieser norwegischen Serie einmal Abwechslung. Mit sechs Folgen mit je ca. 30 Minuten Lauflänge, ist an den Weihnachtstagen auch noch genug Zeit, um sich so richtig vollzuessen. Die erste Staffel ist auch fast in sich geschlossen – außer ein kleiner Cliffhanger am Ende, was dem Sehvergnügen keinen Abbruch tut. An sich arbeitet der Film neben den ganzen Dates auch genug Weihnachsthemen ab, befasst sich mit Freundschaft und Familie und den wirklichen Werten zum Fest.

Die Filmreise-Challenge: Weltreise 1.1

Bereits im Januar 2018 flatterte eine Einladung in mein Postfach. Mein geschätzter Bloggerkollege Ma-Go lud mich zu einer Filmreise ein. Dabei hatte er mich sofort für die Challenge gewonnen, trug die doch die gelungene Kombination aus Film und Reise im Titel. Als filmliebende Tourismuskauffrau konnte ich unmöglich widerstehen. Ich machte mich auch gleich daran den Plan für die Aufgaben auszuarbeiten. Die ersten Filme sah ich auch relativ zügig. Doch dann kam das, was mir ständig passierte. Ich fing an zu prokrastinieren. Und so zogen Monate, ja fast Jahre ins Land. Doch nun möchte ich endlich meinen ersten Beitrag beisteuern. Da ich bei solchen Challenges selten einen Beitrag pro Film schaffe, fasse ich auch hier wieder mehrere Filme zusammen. So begann ich mit der Weltreise und möchte euch nun von meinen ersten fünf Filmen berichten.

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Was ist die Filmreise-Challenge?

Hierbei handelt es sich ein Projekt von Bloggern für Blogger bzw. für alle Filmfans da draußen. In 70 Aufgaben geteilt in 7 Kategorien soll der filmische Horizont erweitert werden, in dem man sich mit anderen Welten/Kulturen/Menschen/Filmen auseinander setzt.

Pauschalreise oder Abenteuerreise?

Die 70 Aufgaben sind in zwei Kategorien unterteilt. Während die Pauschalreiseaufgaben sehr offen gehalten sind und viel Wahlmöglichkeit lassen, präzisiert die Abenteuerreise einzelne Aufgaben noch einmal. Meine Wahl fiel – um es mir noch einmal schwerer zu machen – auf die Abenteuerreise.

Worum geht es bei der Weltreise?

Die Weltreise hat als übergreifendes Thema Filme aus anderen Ländern. Dabei geht es vor allem darum mal abseits des Mainstreamkinos aus Hollywood oder auch Deutschland/Frankreich/Großbritannien (die noch am ehesten in die deutschen Kinos gelangen) zu schauen, was für Filme werden in anderen Ländern produziert.

Detaillierte Informationen findet ihr in den verlinkten Überschriften meiner Erklärungen.

Und die Reise beginnt…

Es ist soweit. Ich habe meinen Koffer gepackt. Es dürfte für alle Eventualitäten etwas eingepackt sein, aber wie ich mich kenne, habe ich sowieso wieder irgendetwas vergessen. Schnell kontrolliere ich, ob ich auch wirklich meinen Pass eingepackt habe, alle nötigen Visa sind genehmigt und ebenfalls in meinem Rucksack verstaut. Langsam werde ich hibbelig. Die Zeit ist reif. Ich steige zum ersten Mal ins Flugzeug. Für meinen ersten Stopp fliege ich gleich fast ans Ende der Welt. Mein Ziel: Australien. Die Insel, die gleich ein Kontinent für sich bildet, will mir endlich einmal die kleine Mary vorstellen.

Film: Mary & Max – oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet? – Australien, 2009
Ich treffe Mary erstmals im Jahr 1976. Sie ist ein neugieriges jungen Mädchen, als Knetfigur animiert, das mit einer kleptomanischen Alkoholikermutter und einem viel arbeitenden Vater zusammen lebt. Ihre Neugier kennt keine Grenzen. Vor allem interessiert sie, ob die Dinge im entfernten Amerika genauso sind, wie ihr Großvater es ihr für Australien erklärt. Also schreibt sie einen Brief und wählt im Telefonbuch durch Zufall den Mitt-Vierziger Max aus. Max ist Asperger-Autist und zunächst mit dem Brief der kleinen Mary völlig überfordert. Doch schließlich beschließt er zu antworten und es entsteht eine Brieffreundschaft. Über die Jahre schreiben sich die beiden immer wieder und Mary erzählt von ihrem Leben, das von Ängsten und Introvertiertheit geprägt ist, während ihr Max von seiner ganz eigenen Weltanschauung erzählt.
Mein Australienurlaub lässt mich ein wenig ratlos zurück. So grundsympathisch die beiden Charaktere auch sind, so wenig komm ich wirklich in ihre Geschichte rein. Sie ist immer mit einer gewissen Distanz erzählt, so dass ich mich am Ende keinen von beidem näher fühle. Zumal die Erzählweise selbst sich an das jüngere Publikum wendet, mit Themen, wie Alkoholsucht, Depressionen und ähnlichem aber für ein FSK 12 in Deutschland sorgt. So hat der Film eigentlich keinen direkten Adressaten und verläuft im Sande. Schade, war der Ansatz doch gut.

Film: Oldboy – Südkorea, 2003
Von Australien aus, steige ich sofort wieder in den Flieger. Mein nächstes Ziel ist Südkorea. Mit Oldboy schlage ich gleich drei Sachen mit einer Klappe. Sie passt zur Filmreise-Challenge als Film aus Fernost (Japan/China/Korea), stand auf meiner Bucketlist und wurde groß angepriesen in „1001 Filme, die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist“. Umso gespannter war ich Oh Dae-su (Choi Min-sik) kennenzulernen. Ich finde ihn in keinem guten Zustand vor. Bereits seit 15 Jahren ist er in ein Zimmer eingesperrt. Er hat eine Liste erstellt, wer ihn entführt haben könnte, die ihn jeden Tag antreibt. Fasziniert beobachte ich, wie er durch ein zufällig erhaltenes zusätzliches Essstäbchen versucht, sich ein Loch in die Freiheit zu schaben. Und tatsächlich schafft er es. Doch nach der gescheiterten Suche nach seiner Tochter, treibt ihn Rache an. Er versucht herauszufinden, wer ihn entführt und eingesperrt hat.
Geschockt fliege ich aus Südkorea weiter. Oldboy ist ein kompromissloser Rachethriller, der sich dem Thema trotz seiner eigentlich sehr ruhigen Erzählweise von mehreren Seiten schonungslos nähert. Was mir gefallen hat, ist dass es kein direktes Denken in Gut und Böse gibt, sondern sich alle Charaktere irgendwo im Graubereich aufhalten. Vor allem die Erzählstruktur unterscheidet sich sehr von bekannten Vertretern Hollywoods. 2013 versuchte Hollywood zwar in einem Remake seine Version daraus zu machen, scheiterte aber, wenn man den Kritikern glauben darf.

Film: Nader & Simin – Iran, 2011
Filmtechnisch bereits habe ich den Iran bisher eher nur, wenn Hollywood mal wieder einen Agenten in die Richtung schickte. Doch nun steige ich aus dem Flugzeug und stehe erstmals aus iranischer Sicht im heißen Teheran. Hier soll ich mich mit Nader (Peyman Maadi) treffen. Doch der ist gerade sehr überfordert. Seine Frau Simin (Leila Hatami) wollte zusammen mit ihn und der 11-jährigen gemeinsamen Tochter Termeh eigentlich das Land verlassen und hatten dafür bei der Behörde bereits alle Genehmigungen. Doch Nader hat einen Rückzieher gemacht, weil er seinen pflegebedürftigen Vater nicht zurücklassen will. Enttäuscht will Simin nun die Scheidung und ist zurück zu ihrer Mutter gezogen. Nader ist zwar gewillt, der Scheidung zuzustimmen, will aber Termeh die Ausreise verbieten. Doch wäre das Problem noch nicht genug, hat Simin noch eine Haushaltskraft eingestellt. Die strang gläubige Razieh sieht sich jedoch schnell überfordert sich anständig um Naders Vater zu kümmern. So kommt es zum Verwürfnis zwischen Razieh und Nader, die damit endet, dass sich beide vor Gericht wiederfinden. Die Anklage: Nader soll bei dem Versuch Razieh aus der Wohnung zu bekommen, dafür verantwortlich sein, dass diese ihr ungeborenes Baby verlor.
Im Iran kam mir tatsächlich die dramatische Erzählstruktur sehr bekannt vor, da sie dem bekannten Schema sehr ähnelt. Hier ist das Neue eher die Kultur. Die Gesetze, die einer Frau noch immer weniger Rechte einräumt als einem Mann, und vorallem die Nähe zum Koran im alltäglichen Leben, ist mir im filmischen Sinn eher neu. Hier hatte ich also neben einer neuen Geschichte auch eine neue Kultur zu erkunden. Die Geschichte selbst ist stark gespielt und gewann 2012 den besten fremdsprachigen Oscar – der erste für Iran.

Film: Eine Frau namens Yesterday – Südafrika, 2004
Nach der unterbittlichen Sonne im Iran, sah ich mich gewappnet, für ein weiteres eher warmes Land. Südafrika – das Land mit 11 Amtssprachen und einer unvergleichbaren abwechslungsreichen Landschaft. Aber bevor ich zu sehr abschweife, treffe ich mich lieber mit Yesterday.
Diese hat mit einem starken Husten zu kämpfen. Der Fußweg zum Arzt ist lang und Sprechstunde ist nur einmal wöchentlich. Trotzdem nimmt Yesterday den Fußweg auf sich, steht dann aber in der Schlange so weit hinten, dass sie nicht mehr dran kommt. Nachdem dies drei Wochen hintereinander passiert und ihr Husten immer schlimmer wird, spendiert ihr eine befreundete Lehrerin des Dorfes eine Taxifahrt. Die Ärztin nimmt ihr Blut ab und stellt die Diagnose: HIV. Da sie die Krankheit nur von ihrem Mann erhalten haben kann, fährt sie nach Johannesburg, um John davon zu erzählen. Der reagiert jedoch zornig und verprügelt seine Frau. Im darauffolgenden Winter sitzt John eines Tages vor Yesterdays Tür. Er hat ebenfalls HIV und bereits fortgeschritten krank. Als die Dorfbewohner jedoch von der Krankheit erfahren, wollen sie die Familie verjagen, da in Folge mangelnder Aufklärung alle eine Ansteckung befürchten. Doch Yesterday lässt sich nicht unterkriegen und baut trotz Krankheit vor dem Dorf eine Hütte für sich und ihren Mann.
Südafrika zeigt mir zum ersten Mal, wie froh wir doch über unsere ärztliche Versorgung sein können. Jammern wir doch gerne mal über die langen Wartezeiten bei Fachärzten, so müssen wir doch nicht stundenlang laufen, um überhaupt mal einen Arzt zu Gesicht zu bekommen. Der Film holt einen dadurch in ernster Instanz wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. In zweiter Instanz zeigt er uns eine lebensbejaende Frau, die trotz aller Steine auf ihrem Weg versucht, hoffnungsvoll zu bleiben. Und obwohl der Film der erste war, der als Spielfilm in Zulu gedreht wurde, schaffte er es sogleich eine Nominierung als bester fremdsprachiger Oscar zu bekommen – verlor dann gegen Spaniens „Das Meer in mir“.

Film: No Man’s Land – Bosnien-Herzegowina, 2001
Nachdem ich nun bereits einige Kontinente bereist habe, zieht es mich erst einmal zurück nach Europa. Allerdings auch in eine eher unschöne noch nicht allzu entfernte Vergangenheit im östlichen Europa. Genauer gesagt ins Jahr 1993 zum Jugoslawienkrieg.
Hier finde ich mich in einer etwas misslichen Situation wieder. Irgendwie habe ich es geschafft zwischen die Fronten der Bosnier und der Serben zu geraten und befinde mich im sogenannten „Niemandsland“. Hier finde ich eine etwas groteske Situation vor. Der Bosnier Ciki (Branko Duric) wurde losgeschickt, um das Gebiet zu erkunden und findet dort den Serben Nino (Rene Bitorajac) und den auf einer Druckmine liegenden Bosnier Cera (Filip Sovagovic) vor. Sollte sich Cera bewegen und damit den Druck auf die Mine verändern, würden alle drei in die Luft fliegen. Also versuchen sie sowohl ihre Einheiten auf sich aufmerksam zu machen, als auch die Blauhelme der UN. Diese dürfen sich zunächst nicht einmischen, da sie angehalten sind, sich nicht in Gefahr zu bringen. Als sich dann auch noch die Presse einschaltet und daraus einen Skandal macht, ist das Chaos perfekt.
No Man’s Land ist ein Film, der über eine unglaublich groteske Situation berichtet und diese immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet. So ist der Film an vielen Stellen gewollt unfreiwillig komisch, präsentiert aber doch ein erschütterndes Thema. Das Gelungene am Film ist, dass er nicht nach Ursachen sucht oder Erklärungen bringt, warum und wieso der Krieg entstand. Hier gibt es nicht „die Guten“ und „die Bösen“, sondern nur drei Männer, die einfach nur nicht sterben wollen. Zwischendurch stellen sie fest, dass sie obwohl als Feinde aus den gleichen Gründen und mit den gleichen Begründungen kämpfen. Es fasst die Kritik am Jugoslawienkrieg, den Blauhelmen und der Presse gekonnt zusammen.

Nachdem ich es irgendwie wieder heil aus dem Kriegsgebiet geschafft habe, ist meine Filmreise erst einmal wieder beendet. Glücklich lasse ich mich wieder auf meiner Couch fallen. Spaß gemacht hat die Reise. Voller Vorfreude sehe ich mir meinen kommenden Reiseplan an. Das wird auch wieder eine aufregende Reise.

Neulich in der Sneak: Fisherman’s Friends

Ein Vorwort

Als Reisewütige gibt es doch noch viele Sehnsuchtsorte auf meiner Liste. Die unendlichen Weiten der so nahen und doch so fernen Nachbarinsel Großbritannien gehören auf jeden Fall dazu. Auch der südliche Zipfel mit dem Namen Cornwall steht definitiv noch auf meiner Liste zu erkundender Regionen. Umso mehr freute ich mich, als in der Sneak ein Film über echte Cornwaller Urgesteine lief. Warum Fishermans Friends noch so viel mehr zu bieten hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Danny (Daniel Mays) und seine Freunde fahren für einen Junggesellenabschied in das kleine Städtchen Port Isaac in Cornwall. Die vier Londoner bringen mit ihrem Übermut so manche Dorfbewohner ein wenig auf dem Konzept. Durch Zufall sehen sie eine Gruppe Einheimischer Männer, die Chantis singen. Da sie bei einem Plattenlabel arbeiten, bringen seine Freunde Danny dazu in Cornwall zu bleiben und den Fishermans Friends einen Plattenvertrag anzubieten. Dass dies nur ein Scherz ist, ahnt dieser zu diesem Zeitpunkt nicht.

Meine Meinung

Fishermans Friends ist ein Film, der von vielen Faktoren lebt. Zum einen ist da natürlich die im Vorwort bereits erwähnte Landschaft. Schroffe Klippen, Häfen, die raue See und immer im Hintergrund die grünen Hügel Cornwalls. Allein das zu sehen ist schon eine Augenweide. Im Mittelpunkt des Films steht das kleine verträumte Dörfchen Port Isaac. Während so manch einer hier wohl gerne Urlaub machen würde, um die Seele baumeln zu lassen, treffen wir auf eine kleine Freundesgruppe aus London, die hier versuchen die Sau rauszulassen, um den Junggesellenabschied eines ihrer Freunde zu feiern. Alle vier arbeiten bei einem großen Plattenlabel und verdienen in London einen Haufen Geld, weswegen sie auch glauben, dass alle ihnen zu Füßen liegen müssten. Die Einheimischen sind von den Urlaubern jedoch eher genervt und erlauben sich gerne kleine Scherze. Auch im späteren Verlauf des Films wird immer wieder auf den Unterschied zwischen Stadt und Land eingegangen.
Der zweite Faktor sind die Charaktere. Während man am Anfang noch nicht weiß, was man von Danny halten soll, der zwischen tollpatschig, arrogant und einfach nur unsicher hin und her schwankt, schließt man die Cornischen schnell ins Herz. Sie sind zwar ein eingeschworener Verein, die kaum Einflüsse von außen an sich lassen, aber dafür zutiefst sympathisch.
Der dritte Faktor sind die Chantis. Denn während mir ein paar durchaus bekannt waren, hab ich auch Neu entdeckt. Zumal es hier eben nicht um die große Rockband oder den großen Sänger und ihren Durchbruch ging – sowie wir es gerade mit Bohemian Rhapsody und Rocketman gefeiert haben – sondern es geht um eine kleine Gesangsgruppe, die es fernab des großen Trubels trotzdem geschafft hat.
Und so ist Fishermans Friends einfach ein zutiefst sympathischer Film, der am Ende natürlich nicht ohne den großen Dramawendepunkt auskommt, dem man dieses kleine Manko aber verzeiht. Denn letztendlich verleiht er einen zum Fernweh nach Cornwall und schafft es ganz dezent gute Laune zu versprühen. Es sind eben diese kleinen Filme, die die Filmlandschaft so vielseitig macht und auch abseits von großen Blockbustern einfach funktionieren.

Das Fazit

Fisherman’s Friends ist ein sympathischer kleiner Film über eine Chantis singende Fischergruppe, mit einer Menge Heimatgefühl, aber eben auch dem Fernwehfaktor. Für den gute Laune Faktor einfach einmal ansehen! Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Fisherman’s Friends läuft seit dem 08.08.2019 in den deutschen Kinos.

Rückblick auf den März 2019

Mit gleich zwei Urlauben war der März 2019 für mich ein sehr ereignisreicher Monat. Allerdings sind dadurch auch meine Kinogänge wieder sehr übersichtlich. Zumal ich den letzten Kinostartdonnerstag (28.03.) komplett verpasst habe. Wundert euch also nicht, dass Dumbo hier noch nirgends auftaucht.

 


Um noch schnell ein paar Worte zu meinen Urlauben loszuwerden: Dubai war wunderbar warm, aber auch nicht heiß, so dass wir gut zwischen Baden und Besichtigungen wechseln konnten. Und Disneyland Paris war einfach die Erfüllung all meiner Kindheitsträume. Klar hat Großkapitalist Disney hier wieder gut zugeschlagen und gerade die Essenspreise waren sehr ungerechtfertigt für das, was man bekam. Auch die Merchandiseartikel waren sehr hochpreisig. Aber was soll ich sagen… ich habe gut zugeschlagen. Ansonsten war es aber alles sehr liebevoll und detailreich gestaltet und die Fahrgeschäfte haben sehr viel Spaß gemacht. Außerdem war gerade Marvelsaison…
Achso und so ganz nebenbei bin ich auch noch Katzenmami geworden! Begrüßt mein kleines Katzenbaby Shuri 🙂

Sneak Preview

Ein Gauner & Gentleman: Robert Redfords letzter Film (laut seiner Aussage). Diesmal hat sich Redford einem sehr entspanntem und gemütlichem Heist-Movie zugewandt. Die Handlung war sehr langsam erzählt, aber durch Redfords sehr sympathischem Spiel nie langweilig.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Captain Marvel: Das MCU bringt kurz vor Endgame noch schnell ein Solofilm auf den Markt mit der ersten Heldin. Leider war die Handlung ein bisschen zu stumpf für die hohe Qualität des MCU, auch wenn Brie Larson sichtbar Spaß am Spiel hat.

Iron Sky – The Coming Race: Nach dem Trasherfolg Iron Sky mit den Nazis von der dunklen Seite des Mondes, versuchen sich die Macher nun an einem zweiten Teil. Versprochen wurden Nazis auf Dinosauriern. War mein einziger Anspruch an den Film. Leider habe ich nicht einmal das bekommen. So ist diese Fortsetzung leider bis auf ein paar Einfälle nicht lustig und auch nicht trashig genug.

Die Goldfische: Reicher Businesskerl landet im Rollstuhl und muss trotzdem sein Geld aus der Schweiz holen. Wie gut, dass niemand einen Bus voller Menschen mit Behinderungen kontrolliert. Die Goldfische nimmt sich selbst nicht zu ernst und traut sich so auch Witze über Behinderungen zu machen, bleibt dabei aber immer sachlich und wird nie beleidigend. So wird er ein locker, leichter Spaß, der für viele Momente sorgte, bei denen man einfach auf dem Boden vor lachen lag.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Tarzan: Da im Disneyland nur der Disney Channel auf den Fernsehern lief, war die Auswahl sehr gering. Also gab es ein erneutes Sehen von einem meiner ungeliebteren Disneyfilme. Denn während mich Tarzan am Anfang schon immer in ein weinendes Bündel verwandelt, kann mich der Mensch, der bei den Affen aufwuchs, danach überhaupt nicht mehr begeistern.

Shining: Nachdem ich die Lektüre beendet hatte, wollte ich nun doch endlich Stanley Kubriks Werk begutachten. Leider bin ich da auf der Seite von Autor Stephen King, der die Verfilmung nicht gerade als gelungen ansieht.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Beale Street: Einer der letzten Starts in Deutschland aus der vergangenen Oscarsaison. Die Geschichte von Fonny, der dabei ist Vater zu werden, als er wegen Vergewaltigung angeklagt wird. Oscar für Regina King als beste Nebendarstellerin.

Die Berufung: Die Geschichte von Ruth Bader Ginsburg, die Anfang der 50er Jahre an Harvard Jura studiert, aber nicht als Richterin arbeiten darf. Als sie einen Fall annimmt, in dem sie einen Mann verteidigt, der aufgrund seines Geschlechts diskriminiert wird, kämpft sie gleichzeitig für die Rechte von Männer und Frauen in einem diskriminierendem System.

Ferner verpasst: Vom Lokführer, der die Liebe sucht…, Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks, Trautmann, Wir

Serien – ein kurzer Überblick

Im März gab es zunächst eine neue Netflix Serie zu sehen. The Umbrella Academy ist eine etwas ungewöhnliche Superheldenserie, hat aber doch viel Spaß gemacht und war unglaublich spannend. Dann gab es endlich auf die letzte Episode der Comedians of the World. Diesmal war das französischsprachige Kanada an der Reihe. Dann ging ich mit einem Architekten und einer Schauspielerin auf Weltreise. Das Ziel: Die außergewöhnlichsten Häuser der Welt. Das war nicht ganz so spannend, wie ähnliche Netflixdokumentationen, aber es waren schöne Häuser dabei. Ansonsten habe ich noch eine inzwischen beendete Serie für mich entdeckt. Mit True Blood gab es seit langem mal wieder eine Vampirserie (genau genommen seit Buffy/Angel), die ich mochte. Eigentlich verkörpert die Serie alles, was ich an anderen Serien stark kritisiere, aber irgendwie bin ich nicht von losgekommen und habe gleich die ersten beiden Staffeln weggeschaut.

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 3
Seiten gesamt: 1008
Seiten pro Tag: 32,5 im Durchschnitt
Taschenbücher: 1
E-Book: 2

The Ivy Years: Solange wir schweigen & Was wir uns bedeuten: Solange wir schweigen ist der dritte Band der Ivy-Years Reihe. Diesmal geht es um das Thema Homosexualität und inwiefern dies mit Eishockey vereinbar ist. Leider wurde das Thema nur immer wieder von einer Seite beleuchtet und entwickelt sich zu eine schwachen Liebesgeschichte, die nicht spannend, nicht mitreißend und leider auch nicht aufwühlend ist. Aus dem Thema hätte man deutlich mehr machen können. Was wir uns bedeuten ist eine Kurzgeschichte, die zwischen dem zweiten und dritten Teil angesiedelt ist. Hier wurden noch einmal zwei Charaktere aus dem zweiten Buch etwas näher beleuchtet. Süße kleine Geschichte, die mit ihren knapp 100 Seiten genug erzählt.

Shining: Eines von Stephen Kings bekanntesten Werken durfte diesmal mit mir nach Dubai fliegen, um als Strandlektüre zu dienen. Dabei kam Kings typische Geschichtenerzählschreibweise wieder durch, was ich sehr genossen habe. Man muss sich auf die Charaktere einlassen, denn so passiert gar nicht so viel.

 

Shining

Ein Vorwort

Wenn das Wort Shining fällt, haben wohl viele Jack Nicholsons Gesicht, eine Axt und den Ausruf „Hier kommt Polly“ im Kopf. Meine erste Begegnung mit Shining war tatsächlich „Ready Player One“, wo in der Verfilmung die Charaktere bei einer Aufgabe in eben jenem Hotel landen und einzelne Szenen nacherleben. Den Film selbst habe ich nie gesehen. Damit sich das dann doch bald mal ändern kann, hatte ich mir vorgenommen das Buch von Horrormeister Stephen King zuvor zu lesen.

Die Handlung

Jack Torrance bekommt einen Job als Hausmeister des Overlook-Hotels. Zusammen mit seiner Frau Wendy und seinem Sohn Danny sollen sie alleine im Hotel überwintern, das voraussichtlich bereits ab Oktober komplett eingeschneit sein würde. Jack, der sein Alkoholproblem überwunden glaubte, wünschte sich einen Neuanfang und sah ihn in diesem Hotel. Sein Sohn Danny, der Träume hat, die manchmal Wirklichkeit werden, wird im Traum vor dem Hotel gewarnt. Und schon kurz nachdem die drei eingezogen sind, geschehen die ersten merkwürdigen Dinge. Vor allem Danny sieht Dinge, die nicht real sein können. Doch auch Jack zweifelt immer mehr an sich und seiner Wahrnehmung.

Meine Meinung

Stephen King sagte zur Verfilmung von Shining sinngemäß, dass er den Film überhaupt nicht leiden kann, weil man Jack Nicholson den Wahnsinn von Anfang an ansehe. Seine Intention sei aber eine andere gewesen. Eben deswegen war es mir wichtig das Buch zu lesen bevor ich den Film sehe. Also wurde es dieses Jahr meine erwählte Strandlektüre.
Stephen King ist meiner Ansicht nach weniger der Horrorautor, als der er immer groß angekündigt wird, sondern vielmehr ein ausschweifender Geschichtenerzähler. So auch diesmal wieder. Shining ist mein inzwischen fünftes Buch von King. Demnach war ich mir durchaus bewusst, dass King zunächst eine lange Einführungsphase braucht. Allein bis die Familie im Overlook-Hotel ankommt, wurden einige Seiten geschrieben. So erfährt man die Vorgeschichte der Familie inklusive der Probleme die Jack bei seinem alten Job hatte und seinem Alkoholproblem, Wendys schwierige Geschichte mit ihrer Mutter und Danny und sein „zweites Gesicht“. King schafft es auch hier wieder die Geschichten interessant zu erzählen, so dass man am Buch dran bleibt, ohne dass allzu viel geschehen ist. So bleibt allerdings auch der Rest des Buches. Nach und nach gibt es verschiedene übernatürliche Phänomene, die sich langsam aber sicher steigern und die Familie tyrannisieren. Dem ganzen spielt noch in die Karten, dass die Familie eingeschneit ist, also selbst wenn sie wollte nicht aus dem Hotel fliehen kann.
Neben den Hintergrundgeschichten der Familienmitglieder, bekommt auch das Hotel eine ganz eigene Hintergrundgeschichte. So erfährt man nach und nach, wer schon alles im Hotel gelebt hat und wer dort gestorben ist und – vermutlich – dadurch auch Einfluss auf die Erscheinungen hat. So sind es gar nicht so viele Phänomene, aber durch Kings ausschweifenden Erzählstil, wirkt es viel mehr.
Der einzige Haken am Buch ist das Ende. Denn nachdem es zum großen Finale kam, gibt es einen großen Sprung in die Zukunft und auch dieser Part wird sehr schnell abgearbeitet. Das passt nicht so richtig zum Rest des Buches und lässt den Leser auf den letzten Seiten ein wenig unbefriedigt zurück.

Ein paar Worte zum Film

Nachdem ich das Buch fertig gelesen hatte, habe ich mich nun doch einmal an Stanley Kubriks Verfilmung gewagt. Leider bin ich eher auf der Seite des Autors. Denn die Verfilmung erfasst nicht die richtige Grundstimmung, um sich dann langsam zu steigern. Stattdessen wirkt Jack Torrance (Jack Nicholson) von Anfang an ein wenig wahnsinnig, was wohl seinem Gesicht geschuldet ist (das sich sehr gut für wahnsinnige Rollen eignet). Auch die beschriebenen Phänomene werden sehr schnell abgearbeitet bzw. weggelassen. So kommt keine richtige Entwicklung zustande. Auch gibt es absolut keine Hintergrundgeschichten, um das Verhalten der Charaktere zu erklären, was ja gerade der wichtige Teil von Kings Erzählung war. So wirkt der ganze Film ein bisschen seelenlos. Auch die ganze gruselige Grundstimmung entsteht nur durch die (für die heutige Zeit stark übertriebene) Musik.

Das Fazit

Ein Klassiker von Mr. King, der seine Charaktere gründlich untersucht, um die Entwicklung zu erklären, die unweigerlich zum spannenden Finale führt.

Captain Marvel

Ein Vorwort

Marvel hat offiziell wieder die Superheldensaison für 2019 eröffnet. Als inzwischen 21. Film des MCU – Marvel Cinematic Universe – hat Captain Marvel nun ihren Soloauftritt. Marketingstechnisch ist der Filmstart kurz vorm großen Avengers – Endgame im April nur insofern logisch, als dass Captain Marvel in Endgame wohl eine zentrale Rolle spielen wird. Wer also auch den nächsten Avengersteil komplett verstehen will, sollte sich Captain Marvel wohl vorher ansehen. Ob es ansonsten noch gute Gründe gibt, verrate ich in meiner Kritik.

Die Handlung

Vers (Brie Larson) ist eine Soldatin der Kree in Ausbildung. Ihre Fähigkeit ist Photonenstrahlen aus ihren Fäusten zu entfesseln. Ihr Ausbilder Yon-Rogg (Jude Law) bereitet sie auf ihre erste Mission gegen die Skrulls vor. Dies entpuppt sich jedoch als Falle und Vers landet zunächst in Gefangenschaft und schließlich auf dem Planeten Erde. Dort trifft sie auf den SHIELD-Agenten Nick Fury (Samuel L. Jackson). Nach und nach kommen jedoch Erinnerungen zurück. Sie merkt, dass sie auf der Erde groß geworden ist. Nun setzt sie alles daran ihr eigenes Geheimnis zu lüften.

Meine Meinung

Außerirdischer kommt auf die Erde und muss sich an die Gepflogenheiten gewöhnen? Diese Grundthematik kommt dem einen oder anderen Filmliebhaber, vor allem aber den Anhängern des MCUs, wohl bekannt vor. Denn diese Grundgeschichte hatten wir bereits mit dem vierten MCU Film „Thor“. Allerdings war dies 2011. Inzwischen haben wir 2019 und sind am Ende der dritten Phase des MCU. Man sollte meinen, dass sich die Filme inzwischen weiterentwickelt hätten. Und eigentlich haben sie das auch. Nur eben nicht Captain Marvel.
Die grundsätzliche Ausgangslage ist zwar neu, aber auch irgendwo bekannt. Denn die Kree um Ronan sind dem breiten Publikum aus Guardians of the Galaxy – Volume 1 bekannt. Dennoch lernen wir sie hier noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen. Dementsprechend holprig ist der Anfang. Die ganze Geschichte rund um Vers und ihre Ausbildung bei den Kree inklusive erstem Kampf gegen die Skrulls ist abgehackt erzählt. Hier wurde mehr Wert auf die Optik als auf einen guten Auftakt gelegt. So versteht man weder Brie Larsons Rolle, noch die von Jude Law. Wirklich in Fahrt kommt der Film erst mit dem Eintreffen Captain Marvels auf der Erde. Hier wurden Samuel L. Jackson als Nick Fury und Clark Gregg als Agent Coulson digital verjüngt, um ihre 90er Jahre Version von sich selbst zu geben. Ein Nick Fury als Level 3 Agent (sehr niedriges Level) und einen Agent Coulson in der Ausbildung zu sehen, dürfte dann erst einmal die Nostalgieschiene bedient haben, so dass dann auch der letzte Fan im Film angekommen ist. Der weitere Handlungsverlauf ist dann das typische Erforschen von Geheimnissen mit der ständigen Gefahr im Rücken. Am Ende gibt es dann den großen Plottwist, den der eingefleischte Fan wohl schon ab der ersten Szene vorausgeahnt haben dürfte und die obligatorische Endschlacht.
Wir haben hier also die typische „Wer bin ich“- Handlung eingeordnet im MCU. Am Ende entpuppt sich Captain Marvel als eine Art „Superman des Marvel-Universums“, zumindest was die Überkräfte angeht, und rettet den Tag. Als nicht Marvel Fan dürfte der Film damit ziemlich ungeeignet sein. Denn die Elemente die den Film doch sehenswert machen, sind eher die Kleinigkeiten, die Marvel Fans eben lieben – unter anderem eines der letzten Cameos von Stan Lee – und der ausgeprägte Humor. Wobei selbst der MCU-Humor hier seltsam deplatziert wirkt und teilweise zu gewollt hineingezwungen wurde.
Der heimliche Held des Films ist leider nicht Captain Marvel, sondern Agent Fury zusammen mit dem kleinen Vierbeiner Goose. Denn aus der Kombination ergeben sich einige Situationen, die wirklich sehr lustig sind.
Brie Larson als Captain Marvel macht eine solide Figur. Ihre gute Vorbereitung gerade auf die Kampfszenen sind dem Film deutlich anzumerken und auch den Spaß, den sie beim Dreh hatte. Nur die witzigen Dialoge wollen ihr nicht so leicht von den Lippen, wohingegen sie bei den dramatischen wieder mehr glänzen kann.

Letztendlich bleibt zu sagen, dass Captain Marvel kein grundsätzlich schlechter Film ist. Er erinnert in vielen Teilen an den ersten Thor-Film. Allerdings muss man sagen, dass er damit einfach nicht mehr in die aktuelle Zeit passt. Nach einem oscarnominierten Black Panther und dem zusammentreffen der bisherigen Charaktere in Infinity War, sind wir einfach schon über einen Captain Marvel hinaus. Was schade ist, denn als erste Heldin mit einem Solofilm im MCU wäre ein höheres Niveau angebracht gewesen.

Das Fazit

Captain Marvel ist ein grundsolider Film aus dem Hause Marvel. Leider bleibt er deutlich hinter seinen Möglichkeiten und beschränkt sich auf eine sehr einfach gehaltene Handlung, die einzig vom Nostalgiefaktor lebt. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.