Knives Out

Ein Vorwort

Rian Johnson ist für viele wohl nur der Typ, der Star Wars 8 gemacht hat und für viele auch versaut hat. Da ich immer noch ein großer Verteidiger seines Films bin und Mr. Johnson daher in keinster Weise grolle, war ich sehr offen für sein neustes Werk. Das dies auch noch in bester Agatha Christie Manier und mit einem sehr interessanten Cast daher kommt, war für mich nur noch ein weiterer Grund. Warum Knives Out für mich schon jetzt zu den besten Filmen des Jahres gehört, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Der berühmte Krimiautor Harlan Thrombey (Christopher Plummer) wird tot aufgefunden. Schnell wird Selbstmord diagnostiziert und seine Familie trifft sich auf dem Anwesen zur Testamentseröffnung. Doch dann tritt Benoit Blanc (Daniel Craig) auf, ein berühmter Detektiv. Und so müssen sich alle Familienmitglieder noch einmal zur Befragung.

Meine Meinung

War es der Koch in der Küche, der Butler im Salon oder doch der Gärtner im Garten? Auch wenn das Anwesen auf dem der Film hauptsächlich spielt schon rein von der Optik wie ein Cluedo-Brett aussieht, sind die klassischen Verdächtigen gar nicht dabei. Stattdessen finden sich in der Familie genug Verdächtige. So scheint fast jeder irgendwo einen Grund zu haben und irgendwie auch keinen.
Johnson scheint den Film zunächst wie ein einfaches Whodunit aufzuziehen. Die einzelnen Charaktere werden zur Befragung geholt und dürfen ihre Version der Ereignisse wiedergeben. Gleichzeitig wird dem Zuschauer die reale Version gezeigt. Dies wäre dann bereits die erste Modernisierung, dass auf die Off-Stimme, die die Lüge erzählt, verzichtet wird, und der Zuschauer gleich von der Wahrheit weiß. Doch sobald diese Sequenz vorbei ist und der Zuschauer praktisch die Motive so ziemlich aller Familienmitglieder kennt, bricht Johnson gewaltig mit der Tradition. Denn er zeigt, wie Harlan gestorben ist. Oder doch nicht? Vielleicht auch nur unvollständig? Nun wir wollen nicht weiter spoilern. Auf jeden Fall setzte er den Zuschauer noch einmal auf eine ganz neue Fährte. Und spätestens ab hier hat der Film absolut jeden in den Bann gezogen.
Das liegt vor allem auch an Craigs sehr interessanter Darstellung den Benoit Blanc. Denn nicht nur die Erzählstruktur erinnert stark an einen Agatha Christie Roman, auch Blanc wirkt wie ein etwas weniger aufregter Poirot. Doch setzt er ganz pointiert eine gewisse Verrücktheit in die ansonsten elegante britische Fassade, so dass man gar nicht genug von ihm kriegen konnte. Gepaart wird das mit einer wirklich spannenden Geschichte, bei dem ich – mal wieder – bis zum Ende nicht auf den wahren Mörder gekommen bin. Oder war es doch der vermutete Selbstmord? Ich bin aber sehr stolz darauf, dass ich zumindest den Tathergang vermuten konnte. Aber als i-Tüpfelchen gibt es so viele Kleinigkeiten zu entdecken, in denen Johnson mit dem bekannten bricht und die klassische Geschichte modernisiert. Zumal sich sein Cast auch nicht bitten lässt und ihre Charaktere mit einer absoluten Inbrunst verkörpern.
Ich könnte an dieser Stelle noch über so einige Dinge ins Schwärmen kommen, wie zum Beispiel die wohl coolste Autoverfolgung der Filmgeschichte, aber dafür müsste ich viel zu sehr ins Detail gehen und ich möchte die ganzen Entdeckungen nicht vorweg nehmen. Also bleibt mir nur zu sagen: Wer mit dem Prinzip der Detektivgeschichte und des Whodunit etwas anfangen kann, der sollte diesen Film unbedingt sehen.

Das Fazit

Knives Out ist ein spannender, witziger und an so vielen Stellen charmanter Film mit einem tollen Daniel Craig als Detektiv, dass ich ihn nur wärmstens empfehlen kann. Rian Johnson schafft es klassische Motive zu moderniesieren und ihnen dadurch neues Leben einzuhauchen. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Knives Out läuft seit dem 02.01.2020 in den deutschen Kinos.

Rückblick auf den Dezember 2019

Nach den ganzen Rückblicken wollen wir nun doch nicht vergessen, auch auf den vergangenen Monat zurückzublicken. Für mich hat bereits mit dem Dezember das neue Filmjahr begonnen und meine Zählung fängt neu an. Im Dezember selbst ist bei mir nicht viel passiert. Ich war mit einer Freundin in Berlin im Musical „Mamma Mia“, was mir weit besser gefallen hat, als der Film damals. Ansonsten hoffe ich, dass euch mein Adventskalender-Serienspecial gefallen hat. Nun sind die Festtage auch alle wieder überstanden und wir können uns 2020 widmen. Also nun ohne groß weitere Worte zu verlieren:

Sneak Preview:

The Peanut Butter Falcon: Ein Junge mit Downsyndrom möchte unbedingt Wrestler werden und flieht deswegen aus dem Heim. Unterwegs trifft er auf einen Mann, der ebenfalls auf der Flucht ist. Zusammen tretten sie eine ungewöhnliche Reise an. Ein unscheinbarer Film mit viel Herz und ohne große Moralkeule.

7500: Wer Flugangst hat, sollte diesen Film wohl besser meiden. Denn er zeigt ein zu realistisches Szenario einer Flugzeugentführung. Über den Realitätsfaktor hinaus schafft er es aber nicht, den Zuschauer an die Leinwand zu fesseln und scheitert an seinem beengten Raum.

Drei Engel für Charlie: Willkommen im nächsten Filmjahr, das gleich mit einem neuen Remake beginnt. Dabei sind die Grundideen wirklich gut, leider scheitert der Film daran, dass er wieder mit einer Origin-Story beginnt und die Charaktere einige Zeit brauchen, um sich aneinander zu gewöhnen. Sobald der Film jedoch seinen Rhythmus gefunden hat, schafft er es ein geniales Finale hinzulegen.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Jumanji 2 – The next level: Erneut geht es für die vier Freunde in das Videospiel Jumanji. Nur das durch einen technischen Defekt auch Spencers Großvater und dessen Freund in das Spiel gezogen werden. Leider schafft es die Fortsetzung nicht, an das Neuentdecken und die guten Einfälle des ersten Teils anzuknüpfen. Stattdessen bringen sie einfach die gleichen Gags immer und immer wieder, was schnell ermüdend wirkt. Schade, denn ein paar Einfälle gab es durchaus noch.

Star Wars – Episode 9 – Der Aufstieg Skywalkers: J.J. Abrahms bekam das Ruder zurück und durfte nun seinerseits alle Änderungen von Rian Johnson zunichte machen, nachdem dieser sich mit Episode 8 an die Grundfesten von Episode 7 zu schaffen gemacht hat. Letztendlich ist ein Film herausgekommen, den ich mochte, allerdings auch nur, weil er mit dem Vormaterial nicht mehr viele Möglichkeiten hatte, um noch zu einem runden Ende zu kommen.

Cats: Während viele nach dem Trailer bereits ausgestiegen sind, konnte mich Cats dort durchaus noch begeistern. Das es keine wirklich existente Handlung gibt, wusste ich vorher und die Optik störte mich wenig beim Sehen, auch wenn man beim vorhanden Budget darüber nur den Kopf schütteln kann. Leider konnten mich die Arrangements von einigen Liedern nicht wirklich überzeugen und so gab es nur noch wenig Highlights im Film, auch wenn ich ihn eher im Bereich Mittelmaß als Superflop einordnen würde.

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl: Caroline Link inszeniert hier das autobriografisch angehauchte Buch von Judith Kerr. Sie erzählt die Geschichte einer jüdischen Familie, die nach der Wahl 1933 aus Deutschland fliehen muss, jedoch aus der Sicht der 10-jährigen Tochter Anna. Dabei kommt ein sehr ruhiger und unaufgeregter Film heraus, der dennoch in einigen Szenen ergreifend ist und hoffentlich zum Nachdenken anregt.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Klaus: Pünktlich zur Weihnachtszeit präsentierte uns Netflix einen spanischen Film, der in einer liebevollen Geschichte die Ursprünge des Weihnachtsmannglaubens auseinander nimmt. Mit einem taugenichts Postmann in einem zutiefst zerstrittenen kleinen Dorf, gibt es allerhand erinnerungswürdige Figuren.

Ist das Leben nicht schön?: Ebenfalls pünktlich zu Weihnachten habe ich mich einmal einem absolutene Weihnachtsklassiker gewidmet. Der Film ist absolut stringent erzählt, was zu seiner Zeit wohl normal war, in der heutigen Zeit aber doch etwas befremdlich wirkt. Es geht um einen Engel, der auf die Erde geschickt wird, um einen Mann vom Selbstmord abzuhalten. Er zeigt ihm, was passiert wäre, wenn er nie geboren worden wäre. Bzw. tut er das in den letzten 20 Minuten des Films. Vorher geht es ausführlich um das Leben eben jenes Mannes.

The Irishman: Netflix entfesselt Martin Scorsese und heraus kam ein 3,5 Stunden langer Film. Wobei dies schon die Kurzversion sei. Handwerklich ein echt schönes Stück und vor allem schauspielerisch kann es brillieren. Auch wenn keine Szene überflüssig erscheint sind 3,5 Stunden einfach zu lang und wer ohnehin nicht auf Mafiafilme steht, wird auch mit diesem nicht glücklich werden.

Das Haus der geheimnisvollen Uhren: Jack Black und Cate Blanchett als Magier, die einen Jungen bei sich aufnehmen. Doch irgendwo in den Wänden ist eine geheimnisvolle Uhr versteckt, die das Ende der Welt bedeuten könnte. Dieser Fantasy-Film hat eine interessante Geschichte, einen guten Cast und das große Finale, was einfach dazugehört. Dennoch schafft er es nicht sich über „Ganz nett“ zu erheben.

A Nightmare before Christmas: Dieser Klassiker lief bei mir diesmal nicht an Halloween, also wenigstens in der Weihnachtszeit. Er bleibt einer meiner liebsten Filme.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Motherless Brooklyn: Edward Norton inszeniert hier einen etwas anderes Kriminalfilm, mit Film Noir Einflüssen und sich selbst als Protagonisten mit Tourette-Syndrom. Hier wird bei Gelegenheit durchaus einmal ein Blick gewagt.

Knapp nicht auf die Liste geschafft haben es: Alles außer gewöhnlich & The Farewell

Serien – ein kurzer Überblick

Im November habe ich für die Adventszeit die norwegische Serie Weihnachten zu Hause gesehen. Sie hat mir in ihrer Kürze gut gefallen. Ob ich wirklich eine zweite Staffel brauche, weiß ich nicht, auch wenn die erste mit einem fiesen Cliffhanger endet. Außerdem lief endlich die 9. Staffel von Modern Family, die mir noch immer sehr gut gefällt und trotz ihrer langen Laufzeit noch nichts von ihrer Qualität eingebüßt hat. Ebenfalls lang erwartet lief endlich die dritte Staffel von The Crown. Neuer Cast, da der vorherige für die erzählte Zeit nun doch zu jung ist. Während Olivia Coleman als Queen Elisabeth II. sofort ein stimmiges Bild abgibt – und dafür verdient den Golden Globe erhalten hat – ist es gerade Helena Bonham-Carter als Prinzessin Margarete mit der ich mich sehr schwer getan habe. Dennoch konnte mich auch diese Staffel wieder überzeugen.

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 4
Seiten gesamt: 2.100
Seiten pro Tag: 68 im Durchschnitt
Taschenbuch: 1
E-Book: 3

Das gestohlene Herz der Anderwelt: Nach langer Wartezeit und mehrmaligem Verschieben des Veröffentlichungstermins, gab es nun endlich Nachschub für den Pan-Spin Off. Leider wurde hier eher verzweifelt versucht zu einem Ende zu kommen und so kann das Buch nicht mehr an den ersten Teil und schon gar nicht an der Ausgangstrilogie heranreichen.

Der Anschlag: Mein inzwischen 7. Buch vom Altmeister Stephen King lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Zum einen gefällt mir die Idee, dass er seinen Protagonisten in der Zeit zurückreisen lässt, um das Attentat auf JFK zu vereiteln. Auch ist er in seiner Recherche sehr gründlich und schafft es auch wieder sehr ausschweifend diverse Zwischengeschichten zu erzählen. Doch gerade zum Ende hin gibt es mehrere Entwicklungen, mit denen ich nicht einverstanden bin. Aber das ändert nichts daran, dass es an sich ein gutes Buch ist.

Crazy, Sexy, Love – Dive-Bar Teil 1: Im letzten Jahr hat es Kylie Scott mit Ihrer Stage-Dive Reihe instant in mein Herz geschafft und auch auf Platz 2 der multiplen Bände. Umso erfreuter war ich über einen Spin-Off in dem uns die Autorin nun nach Coeur d’Alene führt und in die Dive Bar. Im ersten Band geht es um Vaughan, der eigentlich niemals in seiner Heimat zurückkehren wollte. Doch mit seiner Band hat es nicht geklappt und nun findet er in seinem Elternhaus auch noch Lydia vor, die gerade vor ihrer eigenen Hochzeit geflohen ist und im Brautkleid in seiner Badewanne hockt. Was soll ich sagen? Dieses Buch hatte mich nach den ersten paar Seiten bereits absolut gefesselt.

Dirty, Sexy, Love – Dive-Bar Teil 2: Kylie Scott inszeniert in ihrer Romanreihe rund um die Dive-Bar wieder Einzelteile, die jeweils auf Nebencharaktere der vorhergehenden Bände basieren. So geht es diesmal um Joe, der mit Alex aus Seattle gemailt hat. Als diese plötzlich in der Dive-Bar auftaucht ist der Schrecken groß, denn er hat sich als sein Bruder Eric ausgegeben. Nun versucht er alles, um Alex zum Bleiben zu bewegen. Leicht schwächer als der erste Band, aber dennoch auch wieder gut geschrieben.

Cats

Ein Vorwort

Was hat der Trailer doch für Häme abbekommen. Die Effekte seien zu schwach, das Aussehen schaurig, worum solle es in dem Film eigentlich gehen? Die Kritik endete jedoch nicht nach dem Trailer sondern zog nach Kinostart in einem fort. Cats steuert zielstrebig auf den Flop des Jahres zu. Warum ich den Film gar nicht so schlecht fand, dennoch aber einige Kritikpunkte habe, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Alljährlich findet der große Ball der Jellicle-Cats statt. Dort kürt das Oberhaupt Alt Deuteronimus (Judy Dench) eine Katze, die in den sphärischen Raum eintreten darf, was einer Wiedergeburt gleichkommt. Die Bewerber sind zahlreich und so singen und tanzen sich die Katzen im Bewerbungsprozess durch die Nacht. Neu mit dabei ist Victoria (Francesca Hayward), die frisch auf der Straße ausgesetzt wurde.

Meine Meinung

Praktisch in letzter Sekunde wurde der Film fertig. Regisseur Tom Hooper ließ nach eigenen Angaben noch am Erscheinungstag eine überarbeitete Version fertig stellen. Bereits nach Erscheinen des Trailers wurde ja viel über die CGI Katzen diskutiert. Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass ein Film mit solch einem Budget sich schon etwas einfallen lassen musste, da eine simple Musicalversion mit Kostümen auf der Leinwand wohl noch lachhafter gewirkt haben müsste. Weswegen sich dann jedoch für so eine halbmenschliche-halbtierische Variante entschieden wurde, dürfen die Verantwortlichen selbst erklären. Erwartet hatte wohl jeder eher die normale „Motion-Capture“-Variante, die bereits in Planet der Affen und ähnlichen Filmen für viel Lob sorgte. Letztendlich ist das CGI wohl einer der Hauptgründe für die hohen Produktionskosten, warum man es dann nicht einfach richtig gemacht hat, wer weiß.
Wer jedoch über das Aussehen hinwegsehen kann, der kritisiert zumeist die nicht wirklich existente Handlung. Aber mal ganz ehrlich, was wurde denn bei der Musicalverfilmung erwartet? Cats hatte noch nie eine andere Handlung außer verschiedene Katzen und ihre Eigenarten vorzustellen und genau das tut der Film. Durch die Möglichkeit der wechselnden Kulissen wohl auch ausschweifender als auf der Bühne es möglich wäre.
Damit hätten wir die beiden Hauptkritikpunkte zumindest teilweise wiederlegt bzw. spielen sie eigentlich keine so große Rolle. Ist Cats demnach also doch ein guter Film? Leider kann ich dies auch nicht behaupten. Während viele bereits beim Trailer abgeschreckt waren, war ich völlig begeistert. Mir gingen die altbekannten Lieder direkt unter die Haut und ich freute mich regelrecht auf ein Wiedersehen mit den Jellicle-Katzen, aber…
Zum einen fehlt es den Liedperformances an dem nötigen Pepp. Ich hätte den Film gerne im Originalton gesehen, da ich denke, dass gerade ein Jason Derullo dort noch einmal besser zur Geltung kommt. Die deutsche Synchronisation hatte leider bei vielen Liedern eher schwache Stimmchen engagiert, die den Liedern nicht gewachsen schienen. Hinzu kommt, dass viele Lieder noch einmal im Deutschen umgetextet wurden, um synchroner mit der Lippenbewegung zu sein, was aber gerade in den Nahaufnahmen doch noch einmal auffällt, dass es eben nicht synchron ist. Hinzukommt, unabhängig von der deutschen Synchro, dass einige der Lieder versucht „moderner“ interpretiert wurden, was aber irgendwo auch nicht gepasst hat.
Zum anderen fehlt es gerade der Eingangsperformance (Jellicle Songs for Jellicle Cats) an mitreißender Begeisterung bei der Choreographie. Die Gruppenperformances kommen eher in der zweiten Hälfte zu tragen, dort hat man aber bereits viele Zuschauer verloren.
Letztlich ist zu sagen, dass die Stärke von Cats schon immer in den Liedern steckte, da eine Handlung ja noch nie wirklich vorhanden war. Leider schafft der Film es nur an wenigen Stellen wirklich an die Dynamik in Gesang und Tanz mit dem Musical mitzuhalten. Wirklich positiv in Erinnerung ist mir nur das Lied Skimbleshanks, der Kater vom Nachtexpress in Erinnerung geblieben. Und so ist Cats für mich vielleicht nicht der Totalausfall, den viele beschreiben, aber bei weitem noch kein guter Film.

Das Fazit

Wer sich drauf einstellt, dass eine Handlung nicht vorhanden ist, sich mit dem Aussehen der Katzen anfreunden kann und das Musical selbst nicht kennt, der kann hier durchaus einen Blick wagen. Für die Musicalfans werden die Songs gerade in der deutschen Synchro ein wenig lieblos abgearbeitet. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Cats läuft seit dem 25.12.2019 in den deutschen Kinos.

Jumanji 2 – The Next Level

Ein Vorwort

Als die Ankündigung kam, dass der Klassiker aus den 1980er Jahren wiederbelebt werden sollte, zuckten viele nur müde mit den Schultern. So präsent sind die Remakes/Reboots in den letzten Jahren. Doch Jumanji – Willkommen im Dschungel hat es geschafft das alte Konzept in die moderne Zeit zu übertragen und so ein absoluten Filmspaß zu kreieren. Nun kündigte Jumanji erneut ein Sequel an. Ob der zweite Versuch mit dem Erfolg vom ersten mithalten kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Die Freunde Spencer, Fridge, Bethany, und Martha wollen sich kurz vor Weihnachten wiedertreffen, nachdem sie nach dem Schulabschluss alle unterschiedliche Wege einschlugen. Während sich ein Großteil der Gruppe sichtlich freut, fühlte sich Spencer zunehmend unglücklich und wünscht die Jumanji Zeiten zurück. Also versucht er das Spiel zu reparieren. Da sich zeitgleich aber auch sein Opa und dessen Freund Milo im Haus befinden, finden sich die Freunde nur bedingt in ihren alten Egos wieder. Und erneut müssen sie einen Weg aus dem Spiel finden.

Meine Meinung

Jumanji – Willkommen im Dschungel hat von zwei Elementen gelebt. Zum einen die Änderung des Brettspiels in ein Videospiel und mit eben diesen Elementen zu experimentieren. Zum anderen mit den sehr unterschiedlichen Charakteren, die in eher untypische Avatare gesteckt wurden. So greift Jumanji 2 diese nun wieder auf, kommt aber nicht mehr an den Überraschungsfaktor heran. Während es im ersten Teil witzig war, dass die In-Spiel-Charaktere nur bestimmte Floskeln sagen konnten und auch nur einen begrenzten Radius zum interagieren hatten, ist es hier zwar ein Wiedererkennen, aber kein Neuentdecken mehr.
Grundsätzlich ist zu sagen, dass Jumanji 2 durchaus noch einige Ideen hatte, die sie im ersten Teil nicht unterbringen konnten. Gerade weil die Avatare nicht unbedingt mit denen aus dem ersten Teil übereinstimmten, gab es dafür eine witzige Lösung. Auch das grunsätzliche „Oje, das haben wir doch alles schon einmal erlebt“-Gefühl der Charaktere funktioniert zunächst sehr gut. Leider waren dann aber doch nicht genug gute Ideen für einen ganzen Film vorhanden. So werden eben einzelne Gags immer und immer wieder wiederholt – ich sag nur „Wer ist Jumanji?“ und die durchgehende Verpeiltheit und Ahnungslosigkeit der beiden älteren Herren. Mögen sie am Anfang noch witzig sein, so ist die dritte Wiederholung der gleichen Frage dann irgendwann einfach nur noch nervig.
Hinzu kommt, dass dem neuen Bösewicht relativ wenig Screentime zugewiesen wurde und er so wie ein 08/15-Bösewicht wirkt. Rory McCann – bekannt als Bluthund aus Game of Thrones – als Schauspieler ist hier definitiv verschwendet. Hirt hätte man statt den gleichen Gag zum fünften Mal zu nutzen, durchaus ein wenig mehr Handlung einfügen können.
Auch die grundsätzlich gute Idee aus dem ersten Teil mit den drei Leben pro Charakter wurde hier zwar wieder aufgegriffen, aber absolut lieblos umgesetzt. Oh, du hast ein Leben verloren, oops, oh ich jetzt auch, na wie konnte das denn passieren. Im Prinzip wurde nur versucht alle Charaktere vor dem großen Finale auf ein Leben zu kriegen. Das das auch mit guten Einfällen ging, bewies Teil Eins.
Auch schauspielerisch blieb die Fortsetzung hinter dem ersten Teil zurück. Dwayne Johnson scheint hier stark überfordert zu sein, sich selbst in alt zu spielen. Auch Kevin Hart schafft es kaum sich in den neuen Charakter einzufinden. Lediglich Jack Black spielt sich wieder selbst gegen die Wand, auch wenn ihm seine Bethany-Variante besser lag.
So ist Jumanji – the next Level lediglich ein billiger Abklatsch des wirklich starken ersten Teils. Leider ist er stellenweise zwar noch spannend, aber nicht mehr wirklich witzig und eigentlich weiß man auch worauf der Film hinaus will. Ob der in der Midcreditscene angekündigte dritte Teil das Ruder noch einmal rumreißen kann, bleibt abzuwarten.

Das Fazit

Jumanji – the next Level hatte zwar noch ein paar Ideen, die reichten aber nicht für einen ganzen Film. So bleiben Spannung und Witz irgendwo auf der Strecke liegen und der Film kommt nicht an den starken ersten Teil heran. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Jumanji – the next Level läuft seit dem 12.12.2019 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: 3 Engel für Charlie

Ein Vorwort

Auch 2020 geht es weiter mit den Remakes/Reboots, aber auch mit der Frauenpower. Im Gegensatz zu Ghostbusters oder Oceans Eight waren Charlies Engel aber schon immer Frauen, wurden hier aber neu besetzt. Diesmal jedoch mit Elizabeth Banks auch mit einer Regisseurin. Sie bekam die Aufgabe die Engel international zu machen. Das dies zuletzte bei Men in Black nicht funktionierte, schieb niemanden zu stören. Wie das den Engeln bekommt, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Die Informatikerin Elena Houglin (Naomi Scott) arbeitet in der Forschungsabteilung einer großen Firma in Hamburg. Als sie entdeckt, dass ihr neuestes Projekt als Waffe einsetzbar ist, meldet sie dies ihrem Vorgesetzten. Als sie dort auf taube Ohren stößt, wendet sie sich an die Agency. Bosley (Djimon Hounsou) und sein Team aus Sabina (Kristen Stewart) und Jane (Ella Balinska) versucht ihr zu helfen.

Meine Meinung

Ich habe bisher noch nie etwas Nettes über Kristen Stewart geschrieben. Bisher konnte sie mich auch noch mit keinem Film wirklich vom Gegenteil überzeugen. Ihre aussagelose Miene zeigte sie einfach in einem Film zu viel und gerade Snow White & the Huntsman hat sie mir damit auch ganz schön zerstört. Aber da sage mal einer, dass sich eine Schauspielerin nicht doch ändern kann. 2016 sah ich sie zum letzten Mal in Café Society und in diesen drei Jahren scheint sie eine Wandlung durchgemacht zu haben, die ihresgleichen sucht. Oder sie hat in der Rolle der Sabina einfach nur ihre Lebensrolle gefunden. Denn was sie hier abliefert, ist zwar noch immer keine tiefgründige Schauspielleistung, aber eine ganze Reihe an Gesichtsausdrücken, man merkt ihr deutlich den Spaß am Spielen an und darf ich anmerken, dass sie in einigen Szenen einfach nur heiß ist? So das musste gesagt werden.
Ihr zur Seite stehen Naomi Scott – zuletzt zu sehen in der Aladdin Realverfilmung – und Ella Balinska. Außerdem spielt Elizabeth Banks natürlich auch in ihrem Film mit. Als eine der Bosleys, das inzwischen kein Name mehr, sondern eine Rangbezeichnung ist, weswegen es auch mehrere gibt. Ebenfalls mit von der Partie sind Sam Clafin, Patrick Stewart, Djimon Hounsou und Jonathan Tucker.
Gerade am Anfang krankt der Film ein wenig an der üblichen „Origin“-Story. Das Team wird neu gebildet und muss erst einmal mit den unterschiedlichen Charakteren in Harmonie geraten. Gerade die erste halbe Stunde bestand aus meinem ständigen Kopfschütteln. Aber nach und nach wird man mit dem Film und seinen Charakteren immer wärmer. Und gerade das große Finale ist dann eben auch genau das: Ein Finale, das sich absolut sehen lässt. Hier hat sich der Film final eingegroovt und zeigt noch einmal ausschweifend, was es mit dem Charakteraufbau jeweils auf sich hatte.
So ist der Film durchaus größtenteils spannend, stellenweise wirklich witzig, stellenweise wirkt aber auch alles etwas erzwungen. Dennoch ist die Aussicht auf  einen zweiten Teil mit den gleichen Charakteren durchaus aussichtsreich.

Das Fazit

3 Engel für Charlie braucht seine Zeit, um sich einzugrooven, aber das starke Finale macht so viel wett, dass man sich auf die Fortsetzung ohne die Kinderkrankheiten einer „Team muss sich finden“-Story freut. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

3 Engel für Charlie läuft seit dem 02.01.2020 in den deutschen Kinos.

Mein Jahresrückblick 2019 – #2 – Kino

Und weiter geht es mit meinen Rückblicken. Der Einfachheit halber werde ich dieses Jahr alle Filme, die ich im Kino gesehen habe, in diesem Beitrag zusammenfassen. Sprich es wird diesmal für die Kategorien Cinemathek und Neulich in der Sneak keinen seperaten Rückblick geben.
Als Vorbemerkung ist zu sagen, dass es im regulären Kinobetrieb kaum große Enttäuschungen gab, allerdings auch nicht so wahnsinnig viele Highlights, Stattdessen hält das solide Mittelfeld über die Hälfte aller Filme parat. Was das für die Kinowelt bedeutet, darf gerne jeder selbst interpretieren.

Zur Statistik:

77 gesehene Kinofilme in 2019 (2018 waren es 80). Damit noch weiter von meinem Jahresziel von 100 Filmen abgedriftet.

Davon
… 1 Wiederholungstäter
… 1 Anime Special
… 3 in der Cinemathek
… 19 in der Sneak
… 53 regulär

I. Wiederholungstäter

2019 habe ich ES – Kapitel 1 im Doppelfeature mit dem zweiten Teil erneut gesehen.

II. Anime Special

2019 habe ich ein Anime Special gesehen.

Penguin Highway ist ein Anime, der für Fans des Genres duchaus funktionieren dürfte, mich persönlich aber nicht abholen konnte. Für alle neugierigen unter euch, die einen Anime abseits der großen etablierten Studios sucht, dürfte sich eine Sichtung von Penguin Highway durchaus lohnen.

III. Cinemathek

2019 habe ich drei Filme in der Cinemathek gesehen – im Ranking

Platz 3: Hotel Artemis

Interessantes Setting, guter Cast und trotzdem leider eher enttäuschend, da die Handlung erst nicht richtig läuft und sich dann in sinnlosem Geballer verliert. Potential nicht genutzt.

Platz 2: Kindeswohl

Kindeswohl kommt nicht so richtig in Schwung, zumal das Gerichtsdrama aufhört, ehe es richtig angefangen hat. Der weitere Verlauf ist ohne die Gedanken der Charaktere zu kennen (wie im Buch) leider nicht richtig nachvollziehbar. In Filmform ist die Geschichte daher nicht gut.

Platz 1: Tolkien

Die Geschichte um J. R. R. Tolkien und seiner großen Liebe. Zwischen Krieg und schwieriger Kindheit wächst Tolkien auf und entwickelt seine eigene Sprache, die er gegen Ende in seinem ersten Roman „Der Hobbit“ verarbeitet. Nicht das große Biopic, was man erwarten könnte, dafür eine interessante Geschichte über Liebe, Freundschaft und das Erwachsen werden.

IV. Neulich in der Sneak

2019 ließ ich mich 19 Mal überraschen, welchen Film vor Kinostart ausgewählt wurde – im Ranking

Platz 19: Holmes & Watson

Wie es ein so schlechter Film überhaupt ins Kino geschafft hat, bleibt schleierhaft. Wieso er es dann auch noch trotz seiner vielen sexistischen Äußerungen schaffen konnte, ist noch umstrittener. Es bleibt mir nur eins zu sagen: Spart euer Geld! Der Film ist von vorne bis hinten großer Mist!

Platz 18: Ein letzter Job

Ein letzter Job ist ein Film, der mit einem langweiligen Drehbuch, unsympathischen Charakteren und unmotivierten Darstellern daherkommt, die alle schon bewiesen haben, es wesentlich besser zu können. Ein Heist-Movie, der so ziemlich alles falsch macht.

Platz 17: White Boy Rick

Aus der Geschichte hätte man eine interessante Biographie machen können, wenn man sich nur ein bisschen Mühe gegeben hätte eine Geschichte auch wirklich zu erzählen. So sind hier Szenen hintereinander gereiht, die in ihrer Aussagelosigkeit nur vom Hauptdarsteller übertroffen werden.

Platz 16: Halloween Haunt

Halloween Haunt verfolgt im Ansatz mit der Kombination aus Geisterbahn und Escape Room eine gute Ausgangsbasis, verliert sich jedoch in Klischees und Stereotypen und einer nicht nachvollziehbaren Handlung.

Platz 15: The Kitchen

The Kitchen hat es leider verpasst eine nachvollziehbare Handlung aufzubauen und scheitert am Großaufgebot an sinnlosen Charakteren und Handlungswendungen.

Platz 14: Das Ende der Wahrheit

Das Ende der Wahrheit ist zwar hoch ambitioniert, scheitert aber an verwirrender Handlung, stereotypischen Charakteren und langatmiger Erzählweise.

Platz 13: Die Agentin

Die Agentin ist einer der langweiligsten Spionage-Filme, die ich kenne. Er hat kein Konzept, keine Tiefe und keine Handlung. Eine engagiert spielende Diane Kruger konnte daran auch nichts ändern.

Platz 12: Unknown User 2 – Dark Web

Unknown User – Dark Web vollführt einen Drahtseilakt zwischen guten und misslungen Szenen und schafft es nicht die Spannung und das Tempo zu halten. Mit platten Charakteren krankt er an ähnlichen Stellen, wie schon der erste Teil.

Platz 11: Greta

Greta ist ein Film, der viel Potential hatte und auch gerade im Mittelteil eine bedrohliche Spannung erzeugt, die vor allem von Hupperts Spiel kommt. Dies wird im finalen Teil aber komplett über den Haufen geworfen

Platz 10: Brightburn

Brightburn – Son of Darkness ist ein qualitativ hochwertiger Horrorfilm mit einer interessanten Grundhandlung, der an zwei Stellen abdriftet und sich damit einiges verbaut.

Platz 9: Bumbleebee

Bumblebee nimmt die guten Eigenschaften eines E.Ts und mischt sie mit den schlechten Elementen des Transformers-Franchises. Herausgekommen ist ein Film, der an vielen Stellen durchaus Spaß macht und ans Herz geht. Leider kann er das Niveau nicht durchgängig halten.

Platz 8: Official Secrets

Official Secrets hatte den Cast und die Geschichte um einen spannenden Film über die Whisteblowerin Katharine Gun zu machen. Leider nutzt er die Elemente nicht und schafft es nicht aus der Mittelmäßigkeit herauszukommen.

Platz 7: Kursk

Tragische Geschichte trifft auf viele richtige Ansätze, schafft es aber am Ende nicht sich aus dem bekannten Schema zu befreien und holt so den Zuschauer nicht richtig ab.

Platz 6: Ronny und Klaid

Ronny und Klaid ist eine dieser deutschen Überraschungskomödien, die am Anfang so gar nicht funktioniert und sich dann stückweise immer mehr steigert und am Ende durch seinen ganz eigenen Charme einfach überzeugen kann.

Platz 5: Hard Powder

Hard Powder ist eines der Filme, bei dem man über den lahmen Anfang hinwegsehen muss, um doch noch eine kleine Filmperle zu entdecken, die viele wohl nicht auf dem Schirm hatten.

Platz 4: Anna

Anna ist ein interessanter Film mit guten Darstellern, Hanndlung voller Wendungen und gutem Szenenbild und Choreographien. Dennoch kostet ihm die Rückblendenerzählung einige Pluspunkte.

Platz 3: Zombieland 2 – Doppelt hält besser

Zombieland 2 schafft es auch nach 10 Jahren noch eine gute Fortsetzung zu sein, der die wichtigsten Elemente des ersten Teils aufgreift und sich doch weiterentwickelt. Mit einem sympathischen Hauptcast, einem gelungenem Nebencast, viel angebrachtem Witz, durchdachter Action und mitreißender Dialoge schafft es der Film gute Laune zu versprühen.

Platz 2: Ein Gauner und Gentleman

Ein Gauner und Gentleman ist eine unaufgeregte Kriminalkomödie, die aber durch ihre sympathischen Darsteller sehr gut funktioniert. Man muss sich vorab nur auf die sehr ruhige Erzählweise eingelassen haben.

Platz 1: Fishermans Friends

Fisherman’s Friends ist ein sympathischer kleiner Film über eine Chantis singende Fischergruppe, mit einer Menge Heimatgefühl, aber eben auch dem Fernwehfaktor. Für den gute Laune Faktor einfach einmal ansehen!

V. Kinofilme

2019 habe ich 53 Filme regulär zur normalen Spielzeit im Kino gesehen. Zur besseren Übersicht unterteile ich diese Kategorie noch einmal in Enttäuschungen (0-4 Punkte), das solide Mittelfeld (5-7 Punkte) und die Highlights (8-10 Punkte) – im Ranking:

V.I – die Enttäuschungen

Platz 53: Tabaluga

Tabaluga hätte ein süßer Kinderfilm werden können. Aber dafür hätte man sich Mühe geben müssen. So wirkt der komplette Film leider schnell hingeschludert und mit möglichst wenig Aufwand lieblos gestaltet. Es scheint so, als ob jemand dringend aus dem Namen Profit schlagen wollte, ohne dafür wirklich einen Finger krumm zu machen. Leider wieder ein Hinweis darauf, dass gerade im Bereich Animationsfilm Deutschland weit hinter dem großen Vorbild Hollywood hinterher hängt.

Platz 52: Iron Sky 2 – The coming race

Iron Sky – The Coming Race hat zu wenig von Allem und zu viel von Nichts. Und warum nochmal habe ich meine angekündigten Nazis auf Dinosauriern nicht bekommen?

Platz 51: X-Men – Dark Phoenix

X-Men Dark Phoenix ist nicht die ersehnte Fortsetzung nach einem miserablen Apokalypse, sondern leider einfallslos, lahm und in der Hauptrolle schlecht besetzt. Der einzig interessante Satz im Film kam von Jennifer Lawrence Charakter, die eine Umbenennung der X-Men fordert, nachdem die Frauen einen Großteil der Arbeit beitragen. Ob wir das Franchise nun final beerdigen dürfen, wird sich zeigen.

Platz 50: Mortal Engines – Krieg der Städte

Als vom Buch enttäuschte Leserin war ich von der Verfilmung wahrscheinlich begeisterter als die reinen Filmseher. Trotzdem kann ich leider nicht sagen, dass ein spannender und runder Film herauskam. Letztlich bleibt es ein Film, der rein auf die Optik beschränkt herausragend ist, aber leider zu starke Schwächen in der Handlung hat.

Platz 49: Aquaman

Auch wenn Aquaman im weltweiten Boxoffice der erfolgreichste DCEU Film ist, bleibt er leider in großen Teilen ein Reinfall. Dabei birgt er Potential, wenn man sich eben auf eine Handlung konzentriert und dafür die Charaktere besser herausgearbeitet hätte.

Platz 48: Friedhof der Kuscheltiere

Friedhof der Kuscheltiere ist leider erneut eine Buchverfilmung, die sich zu sehr von der Vorlage wegentwickelt hat und dadurch vergessen hat seine Charaktere vorzustellen und auf ein logisches Ende zuzusteuern. So bleibt einem am Ende ein lachhafter Zombiefilm in Erinnerung, was der Vorlage nicht würdig ist.

V.II – das solide Mittelfeld

Platz 47: The Lego Movie 2

The Lego Movie 2 versucht auf der selbstgeschaffenen Welle weiterzureiten, säuft aber größtenteils ab. Trotz kleinerer schöner Ideen und Gags kann die Haupthandlung nicht überzeugen.

Platz 46: Yesterday

Für eine Stunde ist der Film ein super sympathischer „Was wäre wenn“ Film mit tollen Einfällen und einigen Beatlessongs. Leider kippt die Qualität nach knapp der Hälfte völlig und wird danach zu einer einfallslosen Liebesgeschichte. Schade!

Platz 45: Der König der Löwen

Der König der Löwen war optisch zwar gut anzusehen, aber dafür relativ emotionslos. Im Grunde war es ein guter Film, weil er einfach einen guten Film nachstellt. Neue Ideen sucht man jedoch ergebnislos.

Platz 44: Die Addams Family

Die Addams Family bleibt in allem Belangen beim Durchschnitt, versucht sich zwar durch ein paar gelungene Gags zu retten, kann sich aber nicht hervortun.

Platz 43: Gemini Man

Gemini Man dümpelt mit einer mittelmäßigen Handlung vor sich hin und hangelt sich nur von Actionszene zu Actionszene, die trotz starker Bilder nicht mehr mit der starken Konkurrenz mithalten kann.

Platz 42: Monsieur Claude und seine Töchter 2

Monsieur Claude und seine Töchter 2 verfehlt auf die interessanten Handlungsteile einzugehen und fokussiert die langweiligen zu sehr. Darüber hinaus schafft er es nicht politische Aktualität mit einzubringen und ist nicht wirklich witzig.

Platz 41: Maria Stuart – Königin von Schottland

Maria Stuart baut ein gutes Setting auf und setzt auf einen starken Cast. Leider kann der Film nicht durch seine Handlung überzeugen, die zu lang und zu langatmig erzählt ist.

Platz 40: Ad Astra

Ad Astra ist ein sehr langatmiger Film ohne Identifikationsfigur, die den Zuschauer mit gesellschaftskritischen Bildern überschwemmt, sie durch eine monotone Off-Stimme noch übermäßig erklärt und letztendlich nicht auf den Punkt kommt.

Platz 39: Mary Poppins 2

Mary Poppins‘ Rückkehr ist leider eine der Sequels, die nicht notwendig gewesen wären. Obwohl einige Stellen großen Spaß machen, bleibt der Gesamtfilm uninspiriert in Handlung und Liedern.

Platz 38: Scary Stories to tell in the dark

Scary Stories to tell in the Dark versucht sich an einer Mischung aus Gänsehaut und Es, kann mit beiden, was die Szenenartigen Monstererscheinungen angeht auch mithalten, hält dieses Niveau aber nicht über die Rahmenhandlung und verpasst gerade am Ende die Rundung.

Platz 37: Captain Marvel

Captain Marvel ist ein grundsolider Film aus dem Hause Marvel. Leider bleibt er deutlich hinter seinen Möglichkeiten und beschränkt sich auf eine sehr einfach gehaltene Handlung, die einzig vom Nostalgiefaktor lebt.

Platz 36: Pets 2

Von drei Einzelepisoden macht eine wirklich Spaß, ist eine für den Tiefgang zuständig und eine leider zu abgedreht. Doch im großen und ganzen funktioniert Pets 2 damit besser als sein Vorgänger.

Platz 35: Men in Black – International

Men in Black – International ist ein leichter Actionfilm, der sich leider zu sehr auf seinem Namen ausruht. Trotz vieler witziger Einfälle, kann er nicht durchgehend unterhalten und versagt gerade am Ende.

Platz 34: Dem Horizont so nah

Dem Horizont so nah erzählt seine Geschichte mit einer gewissen jugendlichen Naivität, die den Ton sehr auflockert, ihm aber auch die Tiefe nimmt. Das Augenmerk liegt hier deutlich auf der Liebesgeschichte.

Platz 33: Traumfabrik

Traumfabrik lädt zum träumen und schwärmen ein, scheitert dann aber an überzeichneten Charakteren und einem fehlbesetzten Protagonisten.

Platz 32: Godzilla 2 – King of the Monsters

In Godzilla: King of the Monsters bekommt der Zuschauer so ziemlich das, was er erwarten darf. Schwächen in der Handlung sind verzeihbar, da diese in einem Film mit solch großangelegten Kämpfen nicht das Hauptaugenmerk ist.

Platz 31: Die Goldfische

Die Goldfische ist ein typischer Klamauk-Roadmovie, der gerade dann überzeugt, wenn er sich weit aus dem Fenster lehnt und die Political Correctness ein bisschen außer Acht lässt. Trotzdem wird respektvoll mit dem Thema Behinderung umgegangen.

Platz 30: Glass

Mit Ausnahme des schwachen Mittelteils, der kurzaus kürzer hätte ausfallen können, schafft es Shyamalan mit Glass einen Abschluss seiner Comicreihe zu kreieren, der vor allem von den brillianten Schauspielleistungen seiner Hauptcharaktere lebt.

Platz 29: Spider-Man 2 – Far from home

Spider-Man: Far from home hat viele gute Ansätze, versucht die Marveltypische Spannung und Humor zu verbinden, scheitert aber letztendlich durch eine verworrene Handlung und einem unnachvollziehbarem Bösewicht. Damit zählt er zu den schwächeren Vertretern aus dem Hause Marvel.

Platz 28: Ich war noch niemals in New York

Ich war noch niemals in New York hat gewiss einige Schönheitsfehler, die aber gut überdeckt werden, von dem, was der Film eigentlich will: Gute Laune verbreiten. Und dies schafft er durch seine kunterbunte Inszenierung ganz hervorragend.

Platz 27: John Wick 3 – Parabellum

John Wick 3 ist zwar wieder eine deutliche Verbesserung zum zweiten Teil, kann aber noch immer nicht an den ersten heranreichen. Zwar sind die Actionszenen erstklassig und Actionsfans kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten, dennoch ist die Geschichte nun auserzählt.

Platz 26: Alita – Battle Angel

Alita – Battle Angel ist ein grundsolider Film, der sich ein bisschen zu viel vorgenommen hat und dadurch kleinere Schönheitsfehler hat. Doch ein guter Cast und eine interessante Geschichte kann das meiste ausbügeln.

Platz 25: Das perfekte Geheimnis

Das perfekte Geheimnis ist ein Film, der beim Erstmaligen Sehen großen Spaß macht, trotz einer sehr konstruierten Handlung. Gerade der gut harmonierende Cast schafft es den Film trotzdem rund zu gestalten.

Platz 24: Dumbo

Dumbo ist ein positives Beispiel für Disneys Remake-Wahnsinn, denn die Geschichte wird gut weitererzählt und kann mit neuem Blickwinkel und weitergedachter Handlung viel Neues bieten. Leider fehlt der zündende Funke, um aus Dumbo mehr als eine solide Geschichte zu machen.

Platz 23: Once upon a time in Hollywood

Once upon a time in Hollywood ist eine gelungene Momentaufnahme des Lebens in Hollywood, mit wenig Handlung und wenig Bezug zu den Manson-Morden. Wer sich damit anfreunden kann, bekommt einen gewohnt hochwertigen Tarantinofilm, der einmal mehr beweist, dass Tarantino sein Handwerk versteht.

Platz 22: Der Grinch

Der Grinch ist ein großer Spaß für die ganze Familie. Die sehr einfache Handlung mit den offensichtlichen Wendungen wird mit einer guten Menge an Humor gekonnt überspielt.

Platz 21: 100 Dinge

100 Dinge macht für eine deutsche Komödie sehr viel richtig, da er sich auf die Handlung konzentriert und eine Charakterentwicklung zulässt. Dabei ist er beinahe durchgängig witzig, verliert sich leider am Ende in den zu viel aufgebauten Handlungssträngen.

Platz 20: The Favourite – Intrigen und Irrsinn

The Favourite ist bestimmt nicht jedermanns Favorit. Regisseur Lanthimos geht hier bewusst über Grenzen hinaus. Getragen wird der Film von drei sehr starken Schauspielerinnen, wobei Olivia Coleman jedoch mit einer absolut oscarwürdigen Leistung heraussticht.

Platz 19: Der Fall Collini

Ein Gerichtsdrama, dass nicht nach dem „Wer“, sondern nach dem „Warum“ fragt und dies spannend erzählt und mit überwiegend guten Darstellern daher kommt. Jedoch fehlt nach der großen Wendung noch einmal das Unvorhergesehene

Platz 18: Vice – der zweite Mann

Vice ist ein stark erzählter Film mit gutem Cast. Ein bisschen weniger reißerisch hätte er dennoch sein können, so kommt er nicht an seinen Vorgänger (The Big Short) heran.

Platz 17: Der Junge, muss an die frische Luft

„Der Junge muss an die frische Luft“ ist ein sehr ernster und teilweise beklemmender Film, der seine Stimmung jedoch immer wieder aufzulockern weiß. Mit einem grandiosen Jungdarsteller begeistert der Film letztendlich, Taschentücher sollte man aber genug dabei haben.

V.III Die Highlights

Platz 16: Fast and Furious: Hobbs & Shaw

Hobbs & Shaw konnte mich durch eine starke weibliche Fast-Hauptrolle, ein intelligentes Drehbuch, sympathische Charaktere und gut gemachter Action durchaus überzeugen.

Platz 15: Ralph breaks the Internet

Ralph breaks the Internet ist eine Fortsetzung, die sehr viel Spaß macht und dennoch eine schöne Geschichte über Freundschaft aufbaut. Lediglich das Finale ist etwas zu übertrieben geraten.

Platz 14: Meisterdetektiv Pikachu

Meisterdetektiv Pikachu ist ein wilder Mix aus Humor, Action und vor allem Pokemon. Kleinere Schönheitsfehler sind zu verkraften, da Ryan Reynolds als Pikachu nach Deadpool erneut zur Höchstform aufläuft.

Platz 13: Shazam!

Ein in vieler Hinsicht realitätsnaher und nachdenklicher Superheldenfilm, der aber doch die Power und den Witz mitbringt, um das Superheldengenre noch einmal von einer ganz anderen Seite zu beleuchten.

Platz 12: Es – Kapitel 2

Es – Kapitel 2 ist eine gelungene Fortsetzung und Umetzung des Buches von Stephen King. Lediglich am Ende will er ein wenig zu viel und er könnte für Horrorfilmfans zu lasch sein.

Platz 11: Die Eiskönigin II

Die Eiskönigin II schafft es nicht das Niveau des ersten Teils zu halten, für sich betrachtet erzählt er aber eine schöne Geschichte, besticht durch seine Optik und kann bis auf ein paar kleinere Kritikpunkte am holprigen Start und Ende, sowie der Anordnung der Lieder doch überzeugen.

Platz 10: Gut gegen Nordwind

Gut gegen Nordwind ist eine gelungene Verfilmung eines E-Mailromans mit hochmotivierten Darstellern und einer unaufgeregten Handlung. Fans klassicher Liebesfilme dürften hier weniger auf ihre Kosten kommen, doch wenn man ihm eine Chance gibt, entfaltet er seinen ganzen Charme.

Platz 9: Joker

Joker überzeugt in Inszenierung und mit seinem grandiosen Hauptdarsteller. Dennoch bietet er Diskussionsmaterial in positiver und negativer Weise.

Platz 8: Le Mans 66

Le Mans 66 schafft es selbst den größten Autorennenmuffel abzuholen und mitzureißen. Durch die Verteilung der Handlung auf mehrere Gruppen, wird der Zuschauer stark miteingebunden. Bis auf zwei kleine Kritikpunkte kann der Film einfach nur begeistern

Platz 7: Last Christmas

Last Christmas ist ein wunderbarer Liebesfilm, der sich jedoch mit so viel mehr befasst und neben dem wahren Gedanken von Weihnachten eine Menge guter Botschaften vermittelt. Dabei ist er überaus klischeefrei, außer er setzt diese gezielt ein.

Platz 6: Can you ever forgive me

Can you ever forgive me ist eine sehr ruhige Filmperle, die bei den meisten wohl untergehen wird. Ruhig erzählt und stark gespielt, springt der Film zwischen Charakterisierung und erzählter Geschichte.

Platz 5: Downton Abbey

Downton Abbey ist für Fans die lang ernsehnte Wiedervereinigung aller geliebten und teilweise gehasster Charaktere. Für Neulinge ist es ein Historienfilm, der seinesgleichen sucht, was Detailliebe angeht. Vor allem mit den witzigen und bissigen Dialogen können wohl beide Parteien etwas anfangen.

Platz 4: Green Book

Green Book ist ein kleinerer, aber sehr feiner Film, der seine Geschichte rund erzählt und den Fokus auf den Roadtrip und die Freundschaft der beiden Protagonisten legt. Die Rassenthematik ist zwar allgegenwärtig, wird aber gekonnt subtil eingespielt.

Platz 3: Everest – Ein Yeti will hoch hinaus

Everest – Ein Yeti will hoch hinaus ist liebevoll gestaltet, voller kleiner Geschichten für Groß und Klein, die beide Seiten zum Lachen und Weinen bringt und dabei die Schwerpunkt auf Freundschaft, Familie und Trauerbewältigung legt. Dabei wärmt einen der Film einfach nur das Herz.

Platz 2: Rocketman

Rocketman ist eine Musikerfilmographie, die eher als Musical inszeniert wurde, was dem Film aber sehr gut tut. Zusammen mit einem fantastischen Hauptdarsteller kommt ein runder Film heraus.

Platz 1: Avengers – Endgame

Avengers – Endgame ist der Film, den die Fans nach 11 Jahren Franchise und 21 Vorgängerfilmen einfach verdient haben. Er ist emotional, spannend, witzig, nostalgisch und einfach die logische Konsequenz aus allem davor gewesenem. Danke Marvel für diesen Film!

 

 

 

Neulich in der Sneak: 7500

Ein Vorwort

Wenn ich in den Urlaub fliege, habe ich immer irgendwo ein bisschen Restangst. Das Gefühl der vollkommenen Kontrollabgabe ist beim Fliegen noch einmal viel größer, als beispielsweise beim Bahnfahren. Regelmäßige Filme über Flugzeugentführungen und Flugzeugabstürze sind auch nicht gerade hilfreich dabei. Doch anscheinend wurde es einmal wieder Zeit für einen neuen Film über genau die Themen. Ob sich 7500 von anderen Filmen seiner Art abheben kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Tobias Ellis (Joseph Gordon-Levitt) ist Pilot auf der Strecke Berlin-Paris. Alles scheint seinen ganz normalen Gang zu gehen, bis kurz nach dem Start mehrere Männer versuchen das Cockpit zu stürmen und das Flugzeug zu entführen. Tobias setzt also einen Hilferuf ab. Den internationalen Code für Flugzeugentführungen: 7-5-0-0

Meine Meinung

Während Filme, wie Flightplan und ähnliche, sich zumeist mit den Passagieren oder dem eigentlich in diesen Filmen immer anwesenden Air Marshall beschäftigt, setzt 7500 bereits ganz anders an. Die deutsche Produktion zeigt zunächst Aufnahmen von Überwachungskameras von einem der Berliner Flughäfen. Hier scheint es zunächst nur um die allgemeinen Routinen zu gehen, nur wer den Trailer gesehen hat oder sich mit der Inhaltsangabe des Films beschäftigt hat, sieht, dass es die immer gleichen Männer auf den Aufnahmen zu sehen sind. Perspektivwechsel ins Cockpit eines Flugzeuges. Man sieht hier, wie die Crew eintrifft und ihre Vorbereitungen treffen. Hier folgt auch der verzweifelte Versuch eine Bindung mit den Zuschauern aufzubauen. Wenn Protagonist Tobias mit seiner Freundin, einer der Stewardessen, über das Kindergartenproblem ihres Sohnes sprechen, bringt das aber keinen den Charakteren wirklich näher. Schnell verliert sich der Film im stupiden Abarbeiten der Checklisten. Ca. 20 Minuten fühlt es sich eher wie eine Dokumentation über den Flugalltag an als ein Thriller. Dann überschlagen sich die Ereignisse und die Männer von vorhin, versuchen ins Cockpit einzudringen. Dies gelingt ihnen nur teilweise, weswegen Tobias nun immer wieder vor die Wahl gestellt wird, Cockpittür öffnen oder geschlossen lassen. Die Anweisungen sind eindeutig, aber wie verhält man sich, wenn die eigene Freundin bedroht wird.
Der Film hat mit seinen 90 Minuten eine klare Dreiteilung. Einführung und erster Versuch der Entführung dauern ca. 30 Minuten, die nächsten 30 Minuten sind der Kampf der Männer endgültig ins Cockpit zu gelangen inkl. Geiselnahme. Die letzten 30 Minuten sind dann der verzweifelte Versuch ein Ende zu finden, das nicht zu überhastet wirkt.
Positiv zum Film zu sagen ist, dass er großen Wert auf realistische Szenarien legt. Es gibt nicht den Air Marshall, der immer wieder durch das Flugzeug rennt und dabei viel Action erfolgt. Stattdessen verlegt sich der Film auf eine Variante einer Flugzeugentführung, die – leider – genauso stattfinden könnte. Dabei werden gerade die Routinen ausgenutzt, um die strengen Bestimmungen zu umgehen. Auch der übrige Film wird nur aus der Perspektive des Cockpits gezeigt. Dadurch liegt der Film aber auch in der Hand der wenigen Akteure. Denn von den Passagieren und wie die auf die Ankündigungen der Piloten reagieren, bekommt man nichts mit. Dadurch wirkt der Film sehr zurückgenommen und auch die vereinzelten Actionszenen wirken weniger Adrenalingeladen, als das große Rumgerenne durch das Flugzeug,
Problematisch an der Sache wird es dann aber, wenn man durch diese Darstellung als Zuschauer den Bezug zum Film verliert. Dadurch, dass die Charaktere nicht richtig eingeführt wurden, ist es einem letztendlich eigentlich egal, was mit ihnen passiert. Man kann sich nicht einmal in einen der schreienden Gäste reinfinden, da die gar nicht gezeigt werden. So spielt Joseph Gordon-Levitt zwar gut, schafft es aber nicht den Film im Alleingang zu tragen, bzw. scheitert an seiner zu einfach gehaltenen Person.
Auch die Terroristen wirken sehr blass im Film. Ihre Motive bleiben bis zum Ende eigentlich unklar. Zwischendurch wird zwar eine kurze Botschaft vorgelesen, die aber auch wenig Aufschluss gibt. Im Prinzip sind es einfach wieder die „bösen Muslime“, die meinen, dass die „bösen Weißen“ ihnen Unrecht getan haben und deswegen halt mal eben das Flugzeug entführen. Vedat gespielt von Omid Memar ist dann der einzige Charakter, der noch ein wenig mehr Tiefe bekommt und gerade im letzten Dritten noch ein wenig mehr zu sich sagen darf. Aber auch hier bleibt es bei den bekannten Klischees.

Das Fazit

7500 zeigt ein realistisches Szenario einer Flugzeugentführung und bleibt bei den Geschehnissen beinahe vollständig im Cockpit. Da aber kaum Charakterisierung erfolgt und Motive lediglich oberflächlich behandelt werden, fehlt dem Zuschauer aber die Sympathie und damit die Nähe zum Geschehen. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

7500 läuft ab dem 26.12.2019 in den deutschen Kinos.

Star Wars – Episode 9 – Der Aufstieg Skywalkers

Ein Vorwort

Eine wichtige Zeit für die Star Wars ans weltweit steht an. Denn mit Episode 9 soll nun endgültig Schluss mit der Skywalker-Saga sein. Zwar soll es weitere Star Wars Filme geben, aber nicht mehr mit dem gleichen Grundgestein. Und so hieß es nun ein letztes Mal Vorhang auf und ein Wiedersehen mit den bekannten Charakteren. Warum Episode 9 die logische Konsequenz aus den vorangegangenen Filmen ist, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring diesen Absatz einfach.

In Episode 7 lernen wir die Schrottsammlerin Rey kennen. Als sie eines Tages den desertierten Sturmtruppler Finn und den Droiden BB-8, der dem Kämpfer des Widerstands Poe Dameron gehört, trifft findet sie sich unerwartet an Bord des Millenium Falken wieder. Auf ihrer Flucht vor der Ersten Ordnung treffen sie auf Han Solo und Chewbacca. Dieser erzählt ihnen, dass die alten Geschichten um die Jedi wahr sind. Auf der Suche nach Luke Skywalker findet Rey Anakin Skywalkers altes Laserschwert und spürt, dass etwas  in ihr erwacht. Doch die erste Ordnung findet die Truppe und der mächtige Kylo Ren nimmt Rey mit. Die Erste Ordnung hat eine Starkillerbasis gebaut, die Planeten noch schnell als der frühere Todesstern zerstören kann. Han, Chewie, Poe und Finn melden sich freiwillig, um auf die Basis einzudringen, diese zu zerstören und Rey zu retten.
In Episode 8 hat Rey Luke aufgespürt und will ihn zum Widerstand zurückholen. Dieser weigert sich jedoch. Zeitgleich hat die Erste Ordnung die Widerstandsbasis aufgespürt und verfolgt das letzte Schiff des Widerstands. Doch diesem geht der Treibstoff aus. Während Leia einen Plan zu haben scheint, vertraut Poe dem ganzen nicht und schickt Poe mit der Wartungsarbeiterin Rose nach Canto Bight, um dort einen „Meistercodeknacker“ zu finden, der sich in das System der Ersten Ordnung einhacken soll und so dem Widerstand die Flucht ermöglichen soll.
Rey und Kylo Ren spüren inzwischen eine Verbindung untereinander. Rey überredet Luke ihr den Umgang mit der Macht beizubringen.

Die Handlung

Kylo Ren (Adam Driver) führt inzwischen die Erste Ordnung an. Auf seiner Suche durch die Galaxis findet er den totgeglaubten Imperator Palpatine. Dieser hat Schiffe und eine Armee bereit, um den Widerstand endgültig zu brechen und die gesamte Galaxie zu unterwerfen. Rey (Daisy Ridley) übt unterdessen an ihren Jedi-Fähigkeiten.

Meine Meinung

Was haben wir als Fans nicht alles schon mit Star Wars durchgemacht. Während die Ursprungstrilogie (nach chronologischer Zählung Episode 4-6) für immer unantastbar bleibt, wollen viele George Lucas Prequel Reihe (nach chronologischer Zählung Episode 1-3) eigentlich nur vergessen. Und während auch für mich Episode 1 und 2 wohl am schwächsten bleiben werden, war gerade Episode 3 die logische Konsequenz um den Übergang zu Episode 4 zu schaffen und die Ereignisse aus den vorangegangenen Teilen zu Ende zu erzählen. Es vergingen erneut … Jahre, bis sich J.J. Abrams erneut an den Stoff traute. Die Rechte waren von Lucas inzwischen an Disney verkauft worden, die eine Menge Potential sahen, vor allem um Geld zu scheffeln. Und so kam Episode 7, die sich sehr uninspiriert an Episode 4 orientierte bzw. die Geschichte einfach noch einmal anders nacherzählte. Dennoch funktionierte es, da die Fans lang genug auf neuen Stoff gewartet hatten. Doch auch ihr Zorn war geweckt. Dies spürte Rian Johnson dann sehr deutlich, als ihm Episode 8 übertragen wurde. In der Vorahnung, dass er es den Fans, die noch immer ihre Ursprungstrilogie vergötterten, sowieso nicht Recht machen konnte, erzählte er eine sehr zurückgenommene Geschichte über den verzweifelten Fluchtversuch des Widerstands und damit seine ganze persönliche Star Wars-Geschichte. Mir persönlich gefiel Episode 8 sehr gut, weil er sich ein bisschen selbst aufs Korn nahm, was aber bei vielen nicht gut ankam. Nun wurde eiligst J.J. Abrams wieder an Bord geholt. Er solle doch bitte den letzten Teil „retten“. Nun war die Frage, wie eben jener, der den Auftakt nicht richtig hinbekommen hat, nun denn das Finale retten soll, sehr drängend.
Aber man muss Abrams eins lassen. Wie schon damals Lucas mit Episode 3, schafft auch er es mit Episode 9 die logische Konsequenz aus den vorausgegangenen Teilen zu kreieren. Klar könnte man jetzt kreativen Mangel vorwerfen, dass er einfach den Bösewicht aus allen früheren Trilogien wiederbelebt hat, der natürlich im Hintergrund alle Strippen gezogen hat. Das Palpatine zurückkommt ist übrigens kein Spoiler, es wird im Trailer angedeutet und bereits im Intro-Text, also in der ersten Filmminuten bereits ausgeklärt – was seinen ersten Auftritt auch ein bisschen wirkungslos gemacht hat, aber durch die Inszenierung wurde hier doch wieder viel gewonnen. Aber letztendlich hatten die vorangegangenen Episoden es auch einfach verpasst den einen großen Bösewicht aufzubauen, also mussten sie nun halt einen herzaubern – die Diskussion ob es einen Oberbösewicht überhaupt gebraucht hätte, spar ich mir dann mal.
Episode 9 schafft es jedoch einen Bogen zu schlagen zwischen offenen Handlungssträngen, neuen Handlungssträngen, der Verknüpfung des Alten mit dem Neuen und die Charaktere sich zu Ende entwickeln zu lassen. Damit steht es wirklich für ein definitives Ende, wo am Ende wohl fast jede Frage geklärt sein dürfte. Dabei werden Entwicklungen und Veränderungen auch versucht zu erklären, so dass der Film trotz zahlreicher Actionsequenzen nicht gehetzt wirkt. Er nimmt sich die Zeit um seine Geschichte fertig zu erzählen. Man muss das Ende nicht gut finden – ein herzliches „Fuck Disney“, tönte am Ende durch den Kinosaal – aber man kann dem Film nicht vorwerfen, dass es nicht zu Ende gebracht wurde – oder wie die 8. Staffel von Game of Thrones Charakterentwicklungen über den Haufen wirkt, damit es zum Ende kommt.
Was einem aber vor allem auffällt ist das riesige Budget, das Disney in seinen Film investiert hat. Die Special Effects sind vom allerfeinsten und gerade das große Finale ist ein Augenschmaus, für den es sich wirklich lohnt den Film auch im Kino gesehen zu haben.

Achtung! Im folgenden Kritikpunkt gehe ich etwas näher auf Details der Handlung ein. Je nach Auslegung kann dies als Spoilern verstanden werden. Ihr seid also gewarnt!

Das einzige, was mich wirklich gestört hat – außer der Bösewicht aus dem Hut, aber das ist noch vertretbar – ist das sich der Film zwar zwischendurch traut Charaktere vermeintlich umzubringen, dies aber meist keine zwei Szenen lang durchhält und sie wiederbelebt. Als dies beim ersten Mal geschah, war ich wirklich den Tränen nah, nur um mich ein paar Minuten danach zu ärgern. Klar war ich glücklich, dass der geliebte Charakter noch unter den Lebenden weilte, aber irgendwo wütend, weil ich um meinen emotionalen Moment betrogen wurde. Und leider geschieht dies einmal zu oft.
Gerade am Ende wäre es wirklich mutig gewesen, wenn sie vermeintlich Tote einfach tot gelassen hätten. Es wäre nicht das Ende, was man sich erhofft hat, aber es wäre mutig und vor allem unvorhersehbar gewesen. Ich hätte es gut gefunden.
Letztendlich ist aber auch dies Kritik auf hohem Niveau.

Das Fazit

Star Wars – Episode 9 – Der Aufstieg Skywalkers ist die logische Konsequenz aus den vorangegangenen Teilen. Die Schwächen resultieren aus den Schwächen der Vorgänger. Letztendlich schafft er aber die Balance zwischen Erwartetem und Überraschendem und bringt die komplette Saga zu einem runden und logischen Ende. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Star Wars – Episode 9 – Der Aufstieg Skywalkers läuft seit dem 18.12.2019 in den deutschen Kinos.

Netflix Original: The Irishman

Ein Vorwort

Das Netflix aus der Award-Season nicht mehr wegzudenken ist, hat der Erfolg von Roma im letzten Jahr bewiesen. Während Netflix lange den Ruf hatte bei den Filmen weniger auf Qualität als eher auf Quantität zu achten bei den Eigenproduktionen, ist nun nur noch teilweise richtig. Denn auch dieses Jahr ist neben Marriage Story auch ein The Irishman bei den Golden Globes stark vertreten. Über den grundsätzlichen Wandel zum Streaming und warum große Filmemacher, wie Martin Scorsese oder letztes Jahr Alfonso Cuaron, ihre Filme nicht mehr über die klassischen Studios finanziert kriegen und welche Vor- und Nachteile dies mit sich bringt, ist Thema für eine ganz eigene Diskussion. Ob The Irishman über eine Spiellänge von 3,5 Stunden funktioniert, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Der Ire Frank Sheeran (Robert de Niro) gelangt in den 1950er Jahren auf den Radar der Bufalino-Familie, einer Mafia Familie in Pennsylvania. Dort lernt er den Oberhaupt Russell (Joe Pesci) kennen. Über ihn wird er zum Leibwächter des Gewerkschaftsführers Jimmy Hoffa (Al Pacino).

Meine Meinung

Als ich mir vorgenommen habe The Irishman zu sehen, war meine größte Hemmschwelle tatsächlich die Lauflänge. Bereits The Wolf of Wall Street war mit 180 Minuten Lauflänge ein ganz schöner Brocken und schon den konnte ich bisher nie in einem Stück gucken. Nun hat sich Scorsese noch einmal selbst getoppt. Mit 209 Minuten Lauflänge beinhaltet er die Länge von zwei durchschnittlichen Filmen. Kann ein Film es schaffen die Aufmerksamkeit eines Zuschauers so lange zu halten?
Nun hier kommt es gewiss auch ein wenig darauf an, in welcher Umgebung man den Film sieht. Vor Veröffentlichung auf Netflix war The Irishman kurzzeitig in ausgewählten Kinos zu sehen. Unerreichbar also für alle, die nicht in einer großen Metropolregion mit vielen kleinen unabhängigen Kinos wohnen. Hier sind jedoch die Ablenkungsfaktoren durch die Umwelteinflüsse relativ gering. Allerdings kann man hier auch nicht mal eben den Film anhalten, um die Toilette aufzusuchen. Das reguläre Publikum wird den Film also auf Netflix schauen. Allein die Tatsache, dass Scorsese einen Appell an die Zuschauer starten musste, seinen Film doch bitte nicht auf dem Handy zu schauen, sagt viel über das Sehverhalten von Netflix-Zuschauern. Aber selbst ich, die den Film auf einem relativ großen Fernseher zu Hause sehen konnte, konnte mich nicht vollständig vor Unterbrechungen wappnen.
Dennoch sollte man möglichst versuchen den Film als Ganzes zu sehen und nicht in kleine Häppchen zu unterteilen. Dies ist mitunter auch gar nicht möglich, weil es tatsächlich keine Stelle im Film gibt, der man einen Cut anmerkt, also eine Stelle, wo man meinte „Okay, jetzt hab ich diesen Abschnitt gesehen, bevor es weitergeht, kann ich noch schnell etwas anderes erledigen“. Stattdessen ist die ganze Handlung geprägt von Zeitsprüngen und die Schauspieler werden mal jünger, mal älter, mal spiegeln sie ihr tatsächliches Alter wieder. Aber alles in einer laufenden Erzählung. Es gab auch die Überlegung, warum Scorsese, wenn er die Geschichte komplett auserzählen wollte, das Ganze nicht als Serie angelegt hat. Auch dies beantwortet der Film. Denn in einer Serie braucht man Szenen, die jede Folge eröffnen und Szenen die eine Folge in sich schließen. Sei es durch eine schöne Abschiedsmodellage an Bildern oder meinetwegen auch durch einen Cliffhanger. Doch als dies hätte die Erzählstruktur des Films massiv angegriffen, weswegen es die Folgerichtige Entscheidung war, den Film als Film zu belassen. Dennoch schafft der Film es nicht, einen für die gesamte Dauer zu fesseln. Er schafft es stellenweise, aber zwischendurch schweiften dann doch immer wieder die Gedanken ab. Dann kam wieder ein Stichwort und man wusste, wenn man jetzt nicht aufpasst, dann verpasst man etwas Wichtiges. Dann passte man wieder für 20 Minuten auf, bis man für 10 Minuten wieder komplett raus war und immer so weiter. In der Gänze schafft es The Irishman also durchaus den Zuschauer abzuholen.
Aber wieso wurde der Film dann nicht kürzer erzählt? Bei 209 Minuten gibt es doch bestimmt die eine oder andere Szene, die man hätte weglassen können? Grundsätzlich bin ich ein großer Verfechter von kürzeren Filmen. Alles, was über zwei Stunden dauert, braucht für mich eine gute Begründung, warum der Film so lang ist. Auch ist The Irishman einfach zu lang, angenehmer Filmgenuss geht anders. Doch hat Scorsese es geschafft einen Film zu drehen, bei dem wirklich jede Szene wichtig ist. Es gibt keine Szene, bei der man denkt, dass sie nur Füllmaterial ist, um den Film zu strecken. Denn alle Szenen führen zu unserem Protagonisten im Altersheim, der uns seine Geschichte erzählt. Ganz im Gegenteil muss man sogar sagen, dass der Film vielleicht sogar die eine oder andere Szene zu wenig hat. Denn gegen Ende gibt es einen kurzen Dialog zwischen DeNiro und eine seiner Töchter, die ihm erklärt, warum es nie wirklich ein Familiengefühl gab. Und genau dieser Aspekt kommt eigentlich viel zu kurz. In einer kurzen Szene sieht man, warum die Kinder Angst hatten ihrem Daddy etwas zu erzählen. Aber dabei wurde es dann belassen.
Kommen wir zu einem weiteren heiß diskutierten Punkt. Wie Scorsese im The Irishman Gespräch – ebenfalls einsehbar auf Netflix – sagte, war sein Hauptproblem vor der Umsetzung des Films, dass er zwar eine Ahnung hatte, wer der passende Cast sein könnte, jedoch die Handlung so viel Zeit umfasste, dass er eigentlich für viele Szenen weitaus jüngere Darsteller hätte casten müssen. Aber weil er wusste, dass jeder seiner Schauspieler absolut einzigartige Bewegungen und Mimik leisten würde, wollte er den gesamten Film mit den gleichen Darstellern drehen. Also musste eine Verjüngungstechnik her. Er wollte aber auch nicht die gleiche, die in Star Wars benutzt wurde. Schließlich wurde er fündig und konnte nun seine Darsteller anständig digital verjüngen lassen. Das Ergebnis kann sich auch durchaus sehen lassen. Das Problem an der Sache ist, dass seine Darsteller eben nicht jünger werden, sondern nur so aussehen. Auch wenn in vielen Szenen darauf geachtet wurde, dass sie sich eben nicht wie alte Männer bewegen, sieht man es den Herren eben doch an. Wenn de Niro zutritt, dann tritt er wie ein alter Mann. Das lässt sich nicht digital verbergen.
Dennoch leisten die Darsteller einen guten Job. Optisch, schauspielerisch und erzählerisch kann man The Irishman absolut nichts vorwerfen. Das Problem, das ich mit dem Film habe, ist rein persönlich. Ich mag keine Mafiafilme. Ich kann nichts damit anfangen. Mich überfordern die verstrickten Strukturen, die tausend Personen, die irgendwo irgendwann noch einmal wichtig werden können. Aber wer Mafiafilme mag oder gar liebt, der wird hier einen neuen Kandidaten fürs Herz haben.

Das Fazit

The Irishman ist mit 209 Minuten sehr lang. Dennoch besticht er über die gesamte Länge mit spannenden Elementen, guten Darstellern und einer einmaligen Optik. Für das optimale Sehvergnügen sollte man jedoch ein Liebhaber von Mafiageschichten sein. Denn wer vorher damit nichts anfangen konnte, kann es auch nach The Irishman nicht.

The Irishman lief ab dem 14.11.2019 in ausgewählten Kinos und ist seit dem 27.11.2019 auf Netflix abrufbar.

Neulich in der Sneak: The Peanut Butter Falcon

Ein Vorwort

Schauspieler mit Down-Syndrom sind in Filme rar gesät, tauchen in letzter Zeit jedoch immer mal wieder als Sidekick mit auf. Denken wir an … in Die Goldfische oder … in Glee, so fallen einem doch ein paar Beispiele ein, es bleibt jedoch eine Seltenheit. Ein Schauspieler mit Down-Syndrom gleich als Mithauptdarsteller eines Buddy-Movies zu engagieren, war wohl lange Zeit undenkbar. Zu viele Vorurteile standen im Weg. Nun haben das Regisseurenduo Tyler Nilson und Michael Schwartz mit ihrem aktuellen Werk alle eines besseren belehrt. Warum The Peanut Butter Falcon ein Film mit absolut großem Herz ist, verrate ich euch in meiner Kritik.

Die Handlung

Zak (Zack Gottsagen) hat Down-Syndrom und wurde von seiner Familie verstoßen, weswegen er in einem Altenheim untergebracht wurde. Die Pflegerin Eleanor (Dakota Johnson) versucht ihm das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Zak hat jedoch nur einen Traum. Er will in die Wrestlingschule in Ayden von „Salt Water Redneck“, deren Werbung er auf einer alten Videokassette immer und immer wieder angesehen hat. Als ihm eines Nachts die Flucht gelingt, trifft er auf Tyler (Shia La Beouf). Der ehemalige Krabbenfischer und inzwischen Kleinkriminelle ist auf der Flucht vor den Konsequenzen seines Handelns und irgendwo auch vor der Vergangenheit. Zunächst ist er wenig begeistert, als Zak sich an seine Fersen heftet, doch schon bald entsteht eine außergewöhnliche Freundschaft.

Meine Meinung

Nachdem uns Anfang des Jahres bereits „Green Book“ mit einem ungleichen Freundschaftspaar und einem schönen Road-Trip begeistern konnte, bringt The Peanut Butter Falcon erneut ein sehr ungleiches Paar auf die Leinwand. Diesmal geht es quer durch die Landschaft North Carolinas. Allein die dabei entstehenden Naturaufnahmen sind schon ein Augenschmaus. Gleichzeitig nimmt der Film aber auch kein Blatt vor den Mund. Die Reise der beiden Protagonisten wird nicht als einfacher Spaziergang dargestellt, es wird aber auch nicht übertrieben auf die Steine im Weg hingewiesen.
Dies spricht gleich einen großen Vorteil des Films an. Denn das Regisseurenduo beruft sich in vielen Szenen auf die alte Filmmacher-Weisheit „Show, don’t tell“ (auf Deutsch: Zeigen, nicht erzählen). Und so bleibt es bei vielen Szenen, gerade was die Vergangenheit von Tyler betrifft, bei Andeutungen über ein paar Bildern aus der Erinnerung, ohne das er groß erzählen muss, warum er so geworden ist. Und das funktioniert in diesem Film so gekonnt, weil sich die Bilder mühelos in die Geschichte einweben lassen und doch einen Großteil zur Charakterisierung beitragen.
Der größte Pluspunkt des Films dürften aber seine beiden Protagonisten sein, die im Laufe des Films eine unglaubliche Dynamik entwickeln. Hier merkt man dem Film an, dass sich nicht nur eine Freundschaft entwickeln sollte, sondern gleich ein Familiengefühl. Beide sind von allen verlassen und fühlen sich einsam. Beide haben Ziele, die in die ungefähr gleiche Richtung führen. Und beide haben ihre Verfolger, die ihnen weiter Steine in den Weg legen. Leider kommt zu diesem funktionierendem Trio im letzten Dritten noch Dakota Johnsons Eleanor dazu. Wobei sich Johnson tatsächlich Mühe gibt, ihrem Charakter irgendetwas besonderes zu verleihen, bleibt er doch absolut eindimensional und scheint nur ein Mittel zu sein, um bestimmte Handlungsstränge noch einweben zu können. Damit stört sie ein bisschen die Dynamik des Ganzen, bringt aber gleichzeitig noch die Diskussion um das Down-Syndrom Zaks mit ein.
Denn zuvor wird dies eigentlich nur von Statisten eingebracht, die ihn immer wieder als Mungo beschimpfen. Erst die überfürsorgliche Eleanor bringt bei Tyler das Fass zum überlaufen. Er ist mit Zaks bereits eine ganz schön weite Strecke bekommen und hat ihm einiges beigebracht, ohne sich irgendwie an der Trisomie 21 zu stören, Eleanor behandelt ihn jedoch wie ein kleines Kind, das sie bevormunden muss. So ist es schön, dass die Diskussion nicht den ganzen Film dominiert, aber trotzdem Eleanors Verhalten nicht unkommentiert bleibt.
Schauspielerisch ist zu sagen, dass sich hier keiner der Darsteller verstecken muss. Während Shia LaBeouf endgültig über seinen Transformers-Schatten gesprungen zu sein scheint und sich schauspielerisch im Minimalismus anordnet, was perfekt zu seinem schweigsamen Charakter passt, muss sich Newcomer Zack Gottsagen keinesfalls verstecken. Die Darstellung eines jungen Mannes mit Down-Syndrom, der nur in Unterwäsche aus einem Altenheim flieht, hätte leicht ins Lächerliche abdriften können. Aber die Regisseure setzen seine Szenen so gelungen um und Gottsagen spielt sich so schnell in die Herzen der Zuschauer, dass der Balanceakt absolut gelungen ist. Auch Dakota Johnson zeigt hier deutlich mehr Emotionen als in anderen Filmen, durch sie bekannt ist, schafft es aber nicht ihrem eindimensionalem Charakter Tiefe zu verleihen, was aber eher am Drehbuch als am Schauspiel liegt.
Auch am Ende beweist das Regisseurenduo einen kühlen Kopf. Während die finale Wrestling-Szene vielleicht etwas zu abgedreht für den ansonsten bodenständigen Film ist, wird etwas händeringend nach einem befriedrigenden Ende gesucht. Hier wurde nur eine Abschlussszene eingefügt, die den Zuschauer als Erklärung befriedigt und dennoch nicht mit dem Film an sich bricht.

Das Fazit

The Peanut Butter Falcon ist ein Road-Movie mit ganz viel Herz. Getragen von seinen Hauptdarstellern entwickelt er eine ganz eigene Dynamik, die einen mitreißt und bis zum Ende nicht loslässt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

The Peanut Butter Falcon läuft ab dem 19.12.2019 in den deutschen Kinos.