Eine Handvoll Filme – 02/2022

Herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe der filmischen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: einer unerwartet langen Fahrt, einem Chor, der die Wartezeit überbrücken soll, einer Liebe zu zwei Männern, der Faszination zur Magie und einem Club für Medikamente.

Paris kann warten

Die Handlung: Anne Lockwood ist mit ihrem Mann in Cannes. Da sie wegen einer Ohrentzündung nicht fliegen kann, kann sie ihren Mann nicht zu einem Filmdreh nach Budapest begleiten. Jacques ein Geschäftspartner bietet an, sie mit dem Auto nach Paris zu fahren, wo sie sich wieder mit ihrem Mann treffen will. Dabei nimmt er jedoch einige Umwege.

Meine Meinung: Der Name Coppola dürfte wohl jedem Filmfan ein Begriff sein. Allen voran wohl Francis Ford, der unter anderem für Der Pate verantwortlich ist, oder dessen Tochter Sofia. Unbekannter dagegen ist Ehefrau Eleanor, die uns mit Paris kann warten ihren ersten Spielfilm präsentierte. Der Trailer sah damals nach einem entspannten Roadtrip durch Frankreich aus, was mich ansprach. Nun Jahre später habe ich es endlich geschafft den Film nachzusehen und war ziemlich ernüchtert. Der Film wird ziemlich ruhig erzählt, was ich erwartet hatte, und bietet mit Diane Lane als Anne eine tolle Protagonistin. Doch so richtig weiß der Film nicht, was er erzählen will und verheddert sich in seiner angestrebten Ruhe. Auch ist die Rolle des Jacques ein wenig merkwürdig angelehnt. So richtig weiß man nicht, was er aussagen soll. Verkörpert er ein etwas schwieriges Klischee eines Franzosen oder soll es sein eigenständiger Charakter sein? Es werden laufend Andeutungen gemacht, die dann aber doch nicht weiter behandelt werden und über kurz oder lang ins Leere laufen. Gerade das Ende ist dann der Höhepunkt der Enttäuschung. Alle angefangenen Enden laufen ohne Lösung ins Leere. So bleibt der Film farblos zurück und bietet dafür eindeutig zu wenig Sehenswürdigkeiten, um das auszugleichen.

Sabrina

Die Handlung: Sabrina ist die Tochter des Chauffeurs der Familie Larrabee. Während der ältere Sohn Linus Larrabee ganz in seiner Arbeit aufgeht, ist David ein Lebemann. Doch genau auf den hat Sabrina ein Auge geworfen. Nach einer Zeit in Paris kehrt Sabrina als elegante Frau zurück und wird erstmals von den Brüdern bemerkt, sehr zum Missfallen ihres Vaters.

Meine Meinung: Audrey Hepburn gilt wohl nicht ohne Grund als Ikone. Doch um das zu beurteilen, habe ich deutlich zu wenig Filme mit ihr gesehen. Im Rahmen meiner Abarbeitung der Liste der Schande, versuche ich ein paar Klassiker nachzuholen. Sabrina ist in diesem Jahr nach Charade der zweite Film, den ich mit Hepburn nachgeholt habe. Im direkten Vergleich allerdings der schlechtere. Dabei sind die Genres komplett unterschiedlich. Das Grundproblem war, dass mir die Rolle der Sabrina so unsympathisch war, dass ich nicht auf ein Happy-end hoffte. Die unterschiedlichen Brüder waren zwar interessant, aber auch ziemlich vorhersehbar. Auch wenn der Film es gerade gegen Ende doch noch schafft, mich am Ausgang zweifeln zu lassen. So richtig überzeugen konnte mich der Film nicht, auch wenn er im Zeitgeist der 1950er Jahre vermutlich besser funktioniert hat. Dennoch hat er mich auch nicht gelangweilt, also ein Blick drauf werfen, schadet durchaus nicht.

Mrs. Taylors Singing Club

Die Handlung: Während die Soldat*innen im Auslandseinsatz sind, bleiben die Familien auf dem Stützpunkt zurück und versuchen sich bei verschiedenen Aktivitäten abzulenken. Kate Taylor hat sich als Offiziersgattin bisher rausgehalten, nach dem Tod ihres Sohnes versucht sie jedoch die Organisation an sich zu reißen. Sehr zum Leidwesen von Lisa, die bisher alles organisiert hat. 

Meine Meinung: Ein BBC-Feelgood Film mit Kriegsthematik? Klang für mich wie ein Widerspruch in sich. Doch der Trailer konnte mich musikalisch mitreißen, so dass ich doch einen Blick auf den Film werfen wollte. Die Handlung an sich, ist auch nicht sonderlich überraschend. Wir haben die typische Geschichte zweier ungleicher Frauen, die gar nicht miteinander auskommen, es aber versuchen müssen. Wie das endet, dürfte wohl keinen überraschen. Die Thematik der Partner*innen, die im Auslandseinsatz sind, geben dem Film aber noch einmal eine völlig neue Richtung. Und wie eingangs vermutet: Feelgood ist für mich anders. Der Elefant „Krieg“ ist im Raum, auch wenn alle versuchen, ihn zu ignorieren. Doch das macht den Film aus und unterscheidet ihn von anderen Dramen mit ähnlicher Ausgangsbasis. Die Charaktere sind dann auch das, was den Film heraushebt. Alle mit eigenen Problemen belastet und doch vereint sie die gleiche Angst. Der Chor ist dann das i-Tüpfelchen des Films. Die Lieder sind am Anfang von hohem Mitsingcharakter und schaffen es am Ende einen zu Tränen zu rühren. Die wahren Begebenheiten auf denen der Film basiert, machen ihn nur lebensnaher. Der Film lohnt definitiv einen Blick.

Prestige

Die Handlung: Ende des 19. Jahrhunderts konkurrieren zwei Magier um Publikum und den besten Trick. Robert Angier und Alfred Borden kennen sich aus ihren Anfangszeiten, die jedoch durch den Tod von Angiers Freundin überschattet wird.

Meine Meinung: An einem Christopher Nolan kommt man als Kinofan nur schwer vorbei. Während er mit Filmen wie Inception oder auch zuletzt Tenet immer wieder mit den Erwartungen des Publikums spielt, hat er in seinen Anfängen dies noch auf wesentlich reduziertere Art getan. Prestige bildet da noch eins seiner früheren Werke, doch auch hier merkt man schnell, dass Nolan gekonnt einzelne Informationen einstreut, die erst gegen Ende sich zu einem großen Ganzen zusammenfügen. So ist es lange Zeit lediglich eine Geschichte zwischen zwei konkurrierenden Magier, die sich zu übertrumpfen versuchen. Doch es wird immer größer und mit zunehmend ernstzunehmenderen Auswirkungen. Das Finale ist dann wie von Nolan gewohnt unvorhersehbar, obwohl die einzelnen Komponenten die ganze Zeit vor einem lagen. Gleichzeitig fehlt Prestige der optische Reiz der späteren Nolan Filme. So dauert es eine ganze Weile, ehe ich in den Film reingekommen bin. Der sehr willkürliche Wechsel über die Zeitebenen hinweg, war ein zusätzliches Hindernis im Sehfluss.

Dallas Buyers Club

Die Handlung: Ron Woodroof erkrankt an HIV, was für den queerfeindlichen Lebemann schwer zu ertragen ist. Da er an ein neues Medikament in den USA schwer rankommt, reist er nach Mexiko und lernt dort eine Behandlung mit Körperstärkungsmitteln kennen. Damit auch andere Betroffene davon profitieren, er aber nicht wegen Medikamentenschmuggel angezeigt wird, gründet er den Dallas Buyers Club.

Meine Meinung: Für den Film begeben wir uns zurück zu den Anfang der 1980er Jahren und in die tiefsten Ecken der USA. Man sollte vorher wissen, dass der Film durch den Protagonisten und dessen Umkreis stark queerfeindliche Aussagen an den Tag legt, da HIV teilweise noch immer mit dem Vorurteil belegt ist, dass es nur Homosexuelle treffen würde. Nach und nach und vor allem mit der Einführung von Rayon einer trans Frau, mit der sich Ron anfreundet, lichtet sich das und der Film wird dadurch deutlich besser zu ertragen. Denn die Geschichte um die Medikamente und wie mit den Leben der Infizierten gespielt wird, ist spannend, wenn auch ziemlich erschreckend. Die Dilemma werden gut aufgezeigt, in denen sich Infizierte, Ärzt*innen und Angehörige befinden, auch wenn der Film sich am Anfang und in der Mitte ein wenig zieht. Schauspielerisch funktioniert der Film auch sehr gut, was auch die Oscar Gewinne von Matthew McConaughey und Jared Leto beweisen.

Habt ihr einen der Filme gesehen? Wie fandet ihr sie?

Spy x Family – Manga & Anime

Ein Vorwort

Während ich die Welt von Mangas und Animes relativ neu entdecke, ist mein Mann schon seit vielen Jahren in der Materie drin. So lag es nah, dass ich mit meiner neuentdeckten Neugier mich erst einmal an seinem Regal bediente, ehe ich Geld in die Hand nahm. So entdeckte ich Spy x Family, verschlang die bisher erschienen Bände und wurde kurz darauf noch dazu verdonnert auch die Serie dazu zu sehen. Warum mir beides sehr gut gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Twilight ist Spion aus Westalis und wird nach Ostania geschleust. In Berlint soll er sich unter der Tarnidentität Loid Forger Zugang zu einem der führenden Politiker verschaffen. Der einfachste Weg ist über die Eden-Akademie, eine der führenden Schulen. Dafür benötigt er jedoch ein Kind. In einem Waisenhaus adoptiert er die Telepathin Anya, ohne von ihren Fähigkeiten zu wissen. Doch leider akzeptiert die Eden nur vollständige Familien, weswegen Loid noch eine Frau braucht. Diese findet er in Yor, weiß jedoch nicht, dass sie eine berühmte Auftragskillerin namens Dornenprinzessin ist.

Der Manga: Bisher sind 8 Bände der Reihe im Deutschen erschienen. Dabei befassen sich die ersten Bände zunächst mit dem Aufbau der Familie und den Start an der Eden-Akademie. Danach wird es immer mehr ein Misch aus Haupthandlung und kleineren Nebenhandlungen, die einen die Familie immer näher bringen. Dabei ist es gerade der Wechsel aus Spannung, Witz und Drama, die den besonderen Reiz der Reihe ausmacht. Die Familie besteht aus so einzigartigen Charakteren, dass allein das Zusammenspiel schon eine Menge Handlung bietet. Durch den Einfluss von außen wird dies nur noch verstärkt. Die wichtigen Personen für die Handlung bleiben übersichtlich, so dass man sich die Namen gut merken kann. Das Setting in einem fiktiven Land, das sich jedoch stark an einem Deutschland zu Zeiten des kalten Kriegs orientiert, was bei den Namen Westalis, Ostania und Berlint jetzt keine Überraschung sein dürfte, bietet noch einmal einen zusätzlichen Reiz. Man fliegt nur so durch die Seiten. Einen Band nach dem anderen habe ich verschlungen und kann die nächsten gar nicht abwarten.

Der Anime: Bisher ist im deutschen eine Staffel erschienen, die ca. die ersten drei Bände umfasst. Der Anime setzt die Mangareihe fast 1:1 um, belebt sie aber trotzdem noch einmal. Während in anderen Reihen der Mehrwert fehlt, merkt man hier, dass gerade die actionreichen Szenen noch einmal wesentlich besser in Szene gesetzt werden können. Doch auch die Dialoge und inneren Monologe der Charaktere, wirken hier noch einmal munterer. Gerade die Synchronisation von Anya gibt ihrem Charakter zusätzliche Tiefe. So funktioniert der Anime sehr gut, auch wenn man die Geschichte durch den Manga bereits kennt. Besonders gelungen ist hier auch einfach das liebevoll Intro, das einfach sofort für gute Laune sorgt. Nun heißt es warten auf Staffel zwei. Da diese für Oktober 2022 erstmal im japanischen Fernsehen angekündigt wurde, kann dies aber noch ein wenig dauern. Zum Glück gibt es schon mehr Mangabände für die Überbrückung.

Das Fazit

Spy x Family funktioniert sowohl als Manga als auch als Anime wunderbar und begeistert durch die gekonnte Mischung aus Action, Drama und Witz. Die liebevollen Charaktere überzeugen und lassen einen sowohl beim Lesen als auch beim Ansehen mitfiebern. Wen die Handlung anspricht, sollte einen Blick ins bevorzugte Medium werfen.

Eine Handvoll Bücher – 5/22

Herzlich Willkommen zur fünften Ausgabe der buchigen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: einer todbringenden Prüfung, einem magischen Smartphone, Dunkelheit im Spiegelland, einer windigen Erbin und einem Fahrradkurrier für Bücher.

Nevernight – die Prüfung

Die Handlung: Mia hat Rache an den Mördern ihrer Familie geschworen. Dazu versucht sie dem geheimen Assassinenorden beizutreten. Doch die Aufnahmeprüfung verlangt ihr alles ab. 

Meine Meinung: Autor Jay Kristoff wird im Fantasybereich gern als Geheimtipp genannt (wobei die Frage ist, ob er bei seiner Bekanntheit inzwischen noch ein Geheimtipp ist?). Als ich die ersten beiden Bände seiner Nevernight-Reihe reduziert in die Hände bekam, schlug ich zu. Dabei schreckte mich lange Zeit die Dicke ab, bis Band 1 schließlich auf meiner 22 für 2022 Liste landete. Der Schreibstil ist sehr flüssig, so dass ich das Buch gut weglesen konnte, aber wirklich in die Geschichte bin ich nicht reingekommen. Kristoff hat eine faszinierende Welt geschaffen und den Weltenbau so detailliert ausgearbeitet, dass viele Zusatzinformationen über teilweise seitenlange Fußnoten widergegeben werden. Wahrscheinlich könnte er allein damit ganze Bücher füllen. Doch die Geschichte um Mia war mir zu lang gezogen. Es passieren zwar unglaublich viele krasse Sachen, also die Handlung hat es in sich, aber dennoch kommt sie nicht so richtig ins Rollen. Wahrscheinlich werde ich Band 2 noch lesen, da es auf dem SuB liegt, aber von der Geschichte her hätte ich nicht das Bedürfnis dazu.

Beastseller 1 – Monomythos

Die Handlung: Marc wacht in einer Fantasywelt auf und hat nur noch eine Nummer in seinem Smartphone gespeichert. Ciri eine Fee in Handyform erklärt ihm, dass er eine Heldenreise durchleben muss, um wieder zurück zu kommen. 

Meine Meinung: Mit Spiritus Daemonis hat das Autor*innenduo Jan Gießmann und Mary Cronos mein zuvor eher geringes Interesse an Geschichten in Chatform geweckt. Nach der Theaterlesung des ersten Bandes, gab es noch eine Kostprobe aus Beastseller. Danach stand für mich fest, dass ich auch dieses Werk verschlingen würde. Und genau so kam es, innerhalb eines Tages war die Geschichte ausgelesen. Ich wurde sehr unterhalten, denn Jan Gießmann spielt gekonnt mit gängigen Klischees und setzt diese bewusst ein. Dabei geht es gar nicht darum, andere fantastische Geschichten, die diese nutzen schlecht zu reden, sondern es ist das Spiel damit und die Beleuchtung, wenn man die komplexen Stränge der Held*innenreise aufs einfache herunterbricht. Die Kombination der High Fantasy Welt mit einem modernen Smartphone brachte dann den zusätzlichen Reiz. Marc als Protagonist ist dann auch die perfekte Identifikationsfigur zum mitfühlen, mitleiden und mitlachen. Wer also mal einen völlig neuen Blick auf das Fantasy Genre werfen will, dem kann ich das Buch nur empfehlen.

Chroniken von Alice 3 – Dunkelheit im Spiegelland

Die Handlung: In vier Novellen wird die Geschichte um Alice und Hatcher weitergesponnen. Es gibt Einblicke in Hatchers früheres Leben und Alice kleinere Schwester erlebt ein Abenteuer.

Meine Meinung: Während mir Band 1 richtig gut gefallen hat, war Band 2 vom Schreibstil her noch immer sehr stark und bot ein hohes Niveau, die Geschichte zog sich aber auch ein bisschen, zumal das Buch in nur zwei Kapitel unterteilt war und kaum Absätze hatte. Da es sich bei Band 3 um eine Novellensammlung handelte, zögerte ich zunächst, entschied mich dann aber doch dafür. Nun war nach fast einem Jahr der Zeitpunkt gekommen, um es vom SuB zu befreien. Die vier Geschichten haben mir unterschiedlich gut gefallen. Gerade die beiden Geschichten, die nicht direkt mit Alice im Kontext stehen, gefielen mir besser, weil sie keine Wiederholung bereits gelesener Ereignisse sind bzw. diesen nicht so ähneln, wie die anderen beiden Geschichten. Dennoch funktionieren die Novellen gerade in ihrer Kürze so gut, da hier nichts zu sehr ausgeschmückt werden konnte. Nach Band 2 war ich nicht sicher, ob ich noch die anderen Bücher der Autorin lesen wollte, aber jetzt wäre ich bereit dafür.

Die Erbin des Windes

Die Handlung: Likah lebt mit zwei Kindern auf der Straße des Kontinent Nakita. Als ein Diebstahl schief geht, findet sie sich vor Gericht wieder. Doch statt einer Verurteilung wird sie vom Herrn des Windes zu seiner Nachfolgerin ernannt. Doch während ihrer Ausbildung ruft eine fremde Stimme sie immer wieder zu ihr, die sie kurz darauf in Schwierigkeiten stürzt.

Meine Meinung: Einzelbände sind in der Fantasy ja doch eher Mangelware, da der Aufwand eines vollständigen Weltenbau meist zumindest in einer Trilogie ausgebaut wird. Dabei muss es aber auch genug Handlung geben, so dass meist der mittlere Band zum Füllerband wird. So reizte mich an Die Erbin des Windes gerade, dass es ein High Fantasy Einzelband ist und mit knapp über 400 Seiten auch eine überschaubare Länge hat. Und auch in der Kürze der Zeit schafft Lucinda Flynn in ihrem Debüt eine spannende Welt mit einem coolen Magiesystem zu  kreieren. Nach einem etwas holprigen Einstieg, bin ich bald völlig in der Geschichte versunken und habe gerade die zweite Hälfte an einem Tag verschlungen. Zwischendurch waren es eine Menge Namen zum merken, aber durch subtile Wiederholungen war das überhaupt kein Problem. Das Ende ist auch rund und die Geschichte auserzählt. Grundsätzlich wäre ich aber auch bereit eine weitere Geschichte in der Welt zu erleben, aber das Abenteuer von Likah ist auserzählt.

Bookboy

Die Handlung: Fabius Flieder ist in der Stadt nur als der Bookboy bekannt. Mit dem Fahrrad liefert er Bücher aus der Buchhandlung seines Großvaters aus. In dieser Anthologie erlebt er in Kurzgeschichten die verschiedensten Abenteuer bei seinen Auslieferungen.

Meine Meinung: Grundsätzlich greif ich ab und an mal zu einer Kurzgeschichtensammlung. Durch die Auswahl verschiedenster Autor*innen ist eigentlich immer für jeden was dabei. Als mir auf der Buch Berlin dann dieses Büchlein in die Hände fiel, wanderte es sehr schnell in meinen Beutel. Doch auch, wenn ich sowas selten bewerte, hat mich hier doch der Buchsatz ziemlich gestört. Es gab keine Vorstellung der Autor*innen und es wirkte alles sehr zusammengequetscht (kann natürlich auch Einbildung sein). Und auch, wenn zwischenzeitlich viele gute Ideen dabei waren, konnte mich keine so wirklich überzeugen. Sie ähnelten sich alle zu sehr und waren mir in den meisten Fällen zu abgedreht. Vielleicht war das auch nur meine andere Erwartungshaltung, die mich hier enttäuschte. Im Laufe der Geschichten scheint es so eine Art roten Faden zu geben, mit dem Motiv von Fabius Eltern, wo immer wieder Dinge angedeutet wurden, die aber am Ende komplett vergessen wurde. Also entweder auserzählen oder weglassen, aber so war das sehr unbefriedigend.

Habt ihr eins oder mehrere der Bücher gelesen? Wie fandet ihr sie?

Rückblick auf den August 2022

Schwül-warmes Wetter, weiterhin kein Urlaub in Sicht, absolute Kinoflaute, dafür war Gratis-Manga-Tag: Willkommen im August 2022. Beziehungsweise zum Ende des Monats. Daher hier nun ganz pünktlich mein medialer Rückblick.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Bullettrain: Ladybug bekommt den Auftrag in einem Shinkansen einen Aktenkoffer voll Geld zu stehlen. Doch in diesem Zug sind noch einige andere Personen aus verschiedenen Motiven, die alle unterschiedliche Ziele haben. Doch eins ist gewiss: Der weiße Tod wartet in Kyoto. – Rasante Action, tolle Dialoge, einfach völlig meinen Humor getroffen. Highlight.

Der Gesang der Flusskrebse: Kya Clark lebt allein in der Marsh, einer Sumpflandschaft in North Carolina. Von der Familie zurückgelassen, muss sie irgendwie überleben. Dabei findet sie in wenigen helfenden Hände Freundschaften und vielleicht auch Liebe. Doch Ende der 1960er Jahre wird sie eines Mordes beschuldigt. – Ruhig erzählt, schöne Landschaftsaufnamen, tolle Geschichte.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Erneut gesehen habe ich Your Name (so ein schöner Anime!)

Paris kann warten: Anne Lockwood ist mit ihrem Mann in Cannes. Da sie wegen einer Ohrentzündung nicht fliegen kann, kann sie ihren Mann nicht zu einem Filmdreh nach Budapest begleiten. Jacques ein Geschäftspartner bietet an, sie mit dem Auto nach Paris zu fahren, wo sie sich wieder mit ihrem Mann treffen will. Dabei nimmt er jedoch einige Umwege. – Ruhig erzählt, weiß nicht so richtig, was er erzählen will und bleibt am Ende enttäuschend aussagelos.

Die Poesie des Unendlichen: Der Mathematiker S. Ramanujan lebt in Indien, kurz vor dem ersten Weltkrieg. Da er durch seinen Stand im von den Briten besetzten Indien keine Chance hat, voranzukommen, schreibt er einen Brief nach Cambridge und wird eingeladen, dort weiter zu forschen. Doch vor Ort quält ihn nicht nur Heimweh, sondern auch der Rassismus. – Ruhig erzähltes historisches Drama aber mit spannender Geschichte.

Sabrina: Sabrina ist die Tochter des Chauffeurs der Familie Larrabee. Während der ältere Sohn Linus Larrabee ganz in seiner Arbeit aufgeht, ist David ein Lebemann. Doch genau auf den  hat Sabrina ein Auge geworfen. Nach einer Zeit in Paris kehrt Sabrina als elegante Frau zurück und wird erstmals von den Brüdern bemerkt, sehr zum Missfallen ihres Vaters. – Audrey Hepburn Klassiker, konnte mich nicht abholen, da sehr unsympathische Protagonist*innen.

Was Katzen denken: Eine Dokumentation über unsere Hauskatzen. Dabei geht es vorrangig darum zu beweisen, dass Katzen denken und lernen können. Neuste Erkenntnisse aus der Katzen-Forschung mit einfachen Experimenten dargestellt. – Interessante und doch kurzweilige Dokumentation, vor allem für Katzenfans geeignet.

Mrs. Taylors Singing Club: Während die Soldat*innen im Auslandseinsatz sind, bleiben die Familien auf dem Stützpunkt zurück und versuchen sich bei verschiedenen Aktivitäten abzulenken. Kate Taylor hat sich als Offiziersgattin bisher rausgehalten, nach dem Tod ihres Sohnes versucht sie jedoch die Organisation an sich zu reißen. Sehr zum Leidwesen von Lisa, die bisher alles organisiert hat. – Sehr vorhersehbares Drama, funktioniert an vielen Stellen, hat aber auch zwischendurch deutliche Schwächen.

Muriels Hochzeit: Muriel Heslop ist mit ihrer schüchternen Art als die typische Verliererin abgestempelt. Doch mit einem Blankoscheck ihres Vaters bricht sie aus und trifft auf Rhonda, eine ehemalige Schulkameradin. Zusammen bauen sie sich ein neues Leben in Sydney auf, doch Muriel verfällt bald wieder in Tagträumereien, die dazu führen, dass sie die Realität immer mehr verklärt. – Wurde mir als Abba Fan empfohlen, konnte mich von der Geschichte nicht wirklich abholen, da für mich die Entwicklungen nicht nachvollziehbar waren.

Day Shift: Bud Jablonski nutzt seinen Job als Poolreiniger zur Tarnung für seinen eigentlichen Job: Vampirjäger. Da er für die Zähne auf dem Schwarzmarkt kaum noch Geld bekommt, das Schulgeld seiner Tochter jedoch fällig wird, schließt er sich wieder der Gewerkschaft an. Da er dort vorher aber rausgeflogen war, bekommt er Seth als Aufpasser. Doch nach seinem letzten Auftrag hat er sich mächtige Feinde gemacht. – Weiß nicht so recht, ob er sich ernst nehmen soll oder nicht und verharrt in der „kann man mal gesehen haben“ Schiene ohne Potential zu nutzen.

Die Känguru-Chroniken: Mark-Uwe Kling ist Kleinkünstler und lebt ein einfaches Leben, bis eines Tages ein Känguru vor seiner Tür steht, welches Kommunist ist. Kurz darauf ist es bei ihm eingezogen und stellt sein Leben ordentlich auf den Kopf. Als in der Nachbarschaft ein umstrittenes Bauprojekt des rechten Politiker Jörg Dwigs startet, versuchen die beiden mit Hilfe der Nachbarschaft Beweise dagegen zu beschaffen. – Als großer Fan von den Hörbüchern war ich hier sehr enttäuscht, da nur ein Witz wirklich gezündet hat, der Rest sehr lieblos zusammengeschrieben wurde.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Trotz nur zwei Kinobesuchen tatsächlich gar keinen. Mit der Känguru-Verschwörung hatte ich noch überlegt, nachdem ich Teil 1 gesehen hatte, dann aber doch abgewählt.

Serien – ein etwas ausführlicherer Überblick

Erneut gesehen habe ich The Big Bang Theory – Staffel 2. Gerade die ersten Staffeln lassen sich gut nebenbei wegbingen.

Das Buch von Boba Fett – Staffel 1 (Sehr langweilige Serie aus dem The Mandalorian Universum, mit zu vielen Folgen für zu wenig Handlung)

Traumhaus Makeover – Staffel 3 (So sympathische Protagonist*innen und tolle Design-konzepte. Einfach zum wegbingen)

Miss Marvel – Staffel 1 (Verheddert sich mehrfach im roten Faden und weiß nicht so richtig, was sie erzählen will. Gute Ansätze vorhanden, Umsetzung eher mau)

Spy x Family – Staffel 1 (Schöne Verfilmung der Mangareihe, sehr buchnah und doch spannend umgesetzt, so dass ein Mehrwert vorhanden ist)

Sandman – Staffel 1 (Mein Highlight des Monats, spannend, bildgewaltig, tolle Charaktere, Neil Gaiman weiß einfach, wie man Geschichten schreibt)

What we do in the shadows  – Staffel 1 (Serienvariante von 5 Zimmer, Küche, Sarg, funktioniert nur bedingt. Einzelne Folgen ganz witzig, im großen und ganzen zünden die Witze eher nicht.)

Ich bin Groot – Staffel 1 (5 Minifilme um den kleinen Groot, ganz süß gemacht, nichts außergewöhnliches)

Star Wars: Visionen – Staffel 1 (Anthologieserie mit Geschichten aus dem Star Wars Universum von verschiedenen Animestudios inzeniert. Sind spannende Ideen dabei, lohnt auf jeden Fall einen Blick.)

Hotel del Luna – K-Drama (Fantasy, Komödie, Thriller, Krimi, Horror, Romance, das K-Drama verbindet einfach alles und verzaubert in jeder Folge. Taschentücher sollte man ebenso bereit halten, wie etwas zum reinkrallen bei den gruseligen Szenen.)

Indian Matchmaking – Staffel 2 (Altbekannte Gesichter und neue geben sich hier die Ehre. Ich bin etwas schwieriger reingekommen als in Staffel 1, aber hinten raus doch wieder spannende Einblicke in die indische Heiratsvermittlung)

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 11
Seiten insgesamt: 3.465
Seiten pro Tag: 112 im Durchschnitt
Gebundenes Buch: 1
Taschenbuch: 5
Comic/Manga/Graphic Novel: 5

Spy x Family – Band 5-8: Familie Forger versucht weiterhin Mission Strix zum Erfolg zu bringen. Dafür muss Anja gute Noten in der Schule erbringen, was sich als schwierig herausstellt. Yor bekommt unerwartet Konkurrenz und die Familie geht getrennt voneinander auf Kreuzfahrt. – Es bleibt spannend, tolle einzelne Handlungsabschnitte, die sich sehr gut in die Rahmenhandlung einbinden.

Golden S(e)oul Days: Nach drei Jahren in Singapur reist Jade zurück nach Korea. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen trifft sie wieder auf Hyun-Joon und ihre Gefühle kehren heftiger zurück als zuvor. Doch nach seiner Zeit beim Militär hat er sich geändert. Gibt es für beide eine gemeinsame Zukunft? – Ganz anders als erwartet, aber dennoch ein sehr starker zweiter Teil und eine mitreißende Geschichte.

Chroniken von Alice 3 – Dunkelheit im Spiegelland: In vier Novellen wird die Geschichte um Alice und Hatcher weitergesponnen. Es gibt Einblicke in Hatchers früheres Leben und Alice kleinere Schwester erlebt ein Abenteuer. – Gleiches Niveau wie die ersten beiden Bände und tolle Ergänzungen.

Sepharial 2 – Zerfallen: Nach den Ereignissen in Band 1 ist Lathalia mit Nikion verheiratet. Doch dieser wird von Rebellen gefangen genommen. Um ihm zu helfen, sucht sie wieder die andere Welt auf und bittet Fanai um Hilfe. Doch dieser ist zum Erben des obersten Diebes erklärt worden und hat sein Herz hinter einer dicken Eisschicht verborgen. Haben ihre Welten und ihre Gefühle eine Zukunft? – Spannender und mitreißender zweiter Band in einer bildgewaltigen fantastischen Welt.

Bookboy: Fabius Flieder ist in der Stadt nur als der Bookboy bekannt. Mit dem Fahrrad liefert er Bücher aus der Buchhandlung seines Großvaters aus. In dieser Anthologie erlebt er in Kurzgeschichten die verschiedensten Abenteuer bei seinen Auslieferungen. – Konnte mich leider gar nicht überzeugen. Einzelne Geschichten vom Grundgedanken ganz gut, aber im großen nichts, was mich mitreißen konnte, da alle sehr ähnlich aufgebaut. Und der rote Faden hat sich immer wieder verloren.

Die Erbin des Windes: Likah lebt mit zwei Kindern auf der Straße des Kontinent Nakita. Als ein Diebstahl schief geht, findet sie sich vor Gericht wieder. Doch statt einer Verurteilung wird sie vom Herrn des Windes zu seiner Nachfolgerin ernannt. Doch während ihrer Ausbildung ruft eine fremde Stimme sie immer wieder zu ihr, die sie kurz darauf in Schwierigkeiten stürzt. – Starker Einzelband, tolle Geschichte, spannendes Magiesystem.

Ever: Abbi muss nach einem Autounfall wieder Laufen lernen. Doch nach einem traumatischem Erlebnis bei ihren ersten Operationen, hat sie panische Angst vor Schmerzen. David soll ihr durch seine geduldige Art helfen, doch hat er allen Grund Abbis Familie zu hassen. Dennoch kommen sich beide ungewollt näher. – Starke New Adult Geschichte mit tollen Protagonist*innen.

The gender of Mona Lisa 5: Hinase hat ein Date mit Ritsu auf dem Sommerfest. Doch sier bereut, dadurch Shiori vor den Kopf gestoßen zu haben. Von der Entscheidung überfordert, glaubt sier, dass sie sich nicht entscheiden kann, da sier noch kein Geschlecht hat. – Weiterhin stark erzählter Manga. Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Bände!

Wie war euer August?

Sepharial

Ein Vorwort

Nach einigen New Adult Reihenvorstellungen wird es mal wieder Zeit für eine Fantasy-Reihe. Autorin Jana Tomy lernte ich über Twitch kennen und konnte nicht widerstehen mir ihr Debüt zu Gemüte zu führen. Warum mir die Reihe so gut gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Verwoben

Die Handlung: Lathalia lebt in einer Welt voller Eis. Geborenen als Tochter eines Erhabenen fehlt es ihr an wenig. Doch ihr Stand verlangt, dass sie sich gut vermählt. Als eines Tages der Dieb Fanai in ihr Haus einbricht, folgt sie ihm kurzentschlossen und landet in einer Welt voller Hitze. Zusammen erkunden sie die Geheimnisse der Welten und der Sepharials, Kristalle, die ihre Welten verbinden.

Meine Meinung: „Die Eiskönigin trifft auf Aladdin“. Mit diesem Slogan bewarb die Autorin das Buch auf der Buch Berlin im vergangenen Jahr. Da ich zu diesem Zeitpunkt den ersten Band bereits gelesen hatte, kann ich nur sagen, dass es das Buch ziemlich gut zusammengefasst. Jana Tomy schafft es innerhalb kürzester Zeit die Lesenden in gleich zwei völlig neue Welten zu entführen und diese schnell aufzubauen. Am Anfang hatte ich so meine Startschwierigkeiten, da sich einige Zeit gelassen wird, um die Charaktere richtig aufzubauen, wodurch es sich zwar nicht wirklich zieht, aber es entwickelte sich in eine Richtung, wo ich sagen würde, dass es einfach nicht mein Buch war. Doch sobald die beiden Protagonist*innen aufeinander treffen, entwickelt das Buch einen ganz eigenen Sog. Ich habe mit den beiden gelacht, geweint, mitgefiebert und einfach alle Emotionen durchgemacht. Umso mehr hat mich das Ende mitgenommen. Es stand fest, ich brauchte dringend Band 2.

Achtung die Inhaltsangabe von Band 2 enthält Spoiler zu Band 1!

Zerfallen

Die Handlung: Nach den Ereignissen in Band 1 ist Lathalia mit Nikion verheiratet. Doch dieser wird von Rebellen gefangen genommen. Um ihm zu helfen, sucht sie wieder die andere Welt auf und bittet Fanai um Hilfe. Doch dieser ist zum Erben des obersten Diebes erklärt worden und hat sein Herz hinter einer dicken Eisschicht verborgen. Haben ihre Welten und ihre Gefühle eine Zukunft?

Meine Meinung: Auf der Buch Berlin war dann meine erste Anlaufstelle der Stand der Autorin. Band 2 musste her. Dennoch dauerte es jetzt noch eine ganze Weile bis ich endlich dazu kam, es auch zu lesen. Der Einstieg verlief sehr gut, auch wenn zwischen den Bänden ein bisschen Zeit vergangen war. Grundsätzlich hatte ich das Gefühl, dass der Schreibstil im zweiten Band noch etwas flüssiger war. Jana Tomy schaffte es schon vorher mit Worten wunderschöne Bilder zu malen, doch das  Wechselbad der Gefühle, durch das sie uns diesmal schickte, ging mir nochmal näher. Zwischendurch habe ich echt gezweifelt, ob sie die ganzen Konflikte und Parteien irgendwie zu einem runden Finale bringen kann, doch genau das schafft sie. So verbindet Sepharial eine spannende Geschichte in zwei gut ausgebauten Fantasywelten mit tollen Charakteren, einer guten Portion Tod und Verderben, einem Schuss Romantik und das ganze gespickt mit einem sehr bildhaften Schreibstil.

Vielleicht

Ein Vorwort

Carolin Wahl ist mir seit „Zwei Leben in einer Nacht“ sehr positiv im Gedächtnis. Als sie im noch jungen Loewe Intense Verlag eine New Adult Reihe, die auch noch in Deutschland spielen sollte, ankündigte, zählte ich die Tage bis zur Erscheinung. Inzwischen sind alle drei Bände von der Autorin signiert bei mir eingezogen und sofort verschlungen. Warum mir die Reihe so gut gefällt, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Vielleicht Jetzt

Die Handlung: Gabriella reist von Brasilien nach Deutschland, weil sie erfahren hat, dass ihr leiblicher Vater eine Catering Firma in München hat. Unterwegs lernt sie Anton kennen, mit dem es direkt funkt. Als sie ihn jedoch in der Caterin Firma wiedertrifft, wo sie sich Undercover eingeschleust hat, fällt es ihr zunehmen schwerer sich an die Regeln am Arbeitsplatz zu halten.

Meine Meinung: Brie und Anton machen den Anfang von drei ganz einzigartigen Paaren in der New Adult Reihe von Carolin Wahl. Allein schon der Auftakt im Flugzeug war eine schöne Mischung aus Romantik und Komik und ließ mich kaum aus dem Schmunzeln herauskommen. Die WG hat dann auch ganz schnell einen Platz in meinem Herzen gefunden. Ich hatte sehr viel Spaß damit mit Brie München zu erkunden – möglicherweise steht die Stadt jetzt doch auf meiner Liste unbesichtigter Städte. Die Geschichte baut sich langsam auf, was aber hier angemessen ist, da wir so Zeit haben die Charaktere genauer kennenzulernen. Anton wollte ich zwar das ein oder andere Mal schütteln, damit er wieder zur Besinnung kommt, aber die Entwicklung war nachvollziehbar. Auch die zweite Geschichte mit Brie und ihrem Vater war spannend umgesetzt. Die Geschichte ging mir einfach unter die Haut und direkt ins Herz und ist auch meine Lieblingsgeschichte der Reihe (auch wenn Band 3 das fast streitig gemacht hätte, es war am Ende ein sehr knappes Rennen).

Vielleicht Nie

Die Handlung: Joana hat eigentlich ein perfektes Leben. Netter Freund, Studium, gute WG. Nur leider verbirgt sie ihr wahres Ich hinter einer Maske, hinter die nicht einmal ihre besten Freundinnen blicken können. Bis Killian, der Bruder ihrer Mitbewohnerin Karla anfängt ihre Mauern einzureißen.

Meine Meinung: Mit Joana bin ich in Band 1 nicht richtig warm geworden, aber das war wohl gewollt. Denn hier erfahren wir, warum sie mitunter so kalt rüberkommt. Nach und nach erfahren wir die Geschichte aus ihrer Vergangenheit und holen zusammen mit Killian Schritt für Schritt ihr wahres Ich hervor. Killian war dann wohl auch das Highlight der Reihe. Einfach ein Bookboyfriend der Extraklasse. Und auch, wenn ich sage, dass der Band für mich der schwächste der Reihe ist, heißt das bei weitem nicht, dass es ein schwaches Buch ist! Es hat nur einfach verdammt starke Konkurrenz. Auch hier ist der Schreibstil wunderbar flüssig, so dass ich nur durch die Zeilen geglitten bin und das Buch (wie auch die anderen Bände) innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe. Auch wenn ich kleinere Dinge im Buch nicht mochte (das Verhalten des ersten Freundes, wenn sie Schluss macht, passte irgendwie so gar nicht), konnte es mich im Ganzen doch überzeugen. So wurde Joana zugänglicher und hatte eine tolle Entwicklung.

Vielleicht Irgendwann

Die Handlung: Karla hat einige finanzielle Schwierigkeiten, wie sie viele Studierende kennen. Doch als die Werkstatt ihres Vaters in Schieflage gerät, versucht sie schnell Geld aufzutreiben. Da kommt ihr das Angebot von Formel-2 Star Henning Kiefer gerade recht, zumal sie mit dem Geruch von Motoröl und dem Geräusch quietschender Reifen aufgewachsen ist. Doch aus der Fake-Beziehung wird schnell etwas wesentlich komplizierteres.

Meine Meinung: Mit Formel-2 und allem ähnlichen kann ich so gar nichts anfangen. Anhand der Beschreibung befürchtete ich, dass es einen ziemlich großen Teil der Geschichte einnehmen würde. Doch Carolin Wahl schafft es hier das Thema so subtil einzuarbeiten, dass Fans wahrscheinlich voll auf ihre Kosten kommen, Laien wie ich aber nicht mit zu vielen Details überschwemmt werden. Wir erleben Karla hier noch einmal von einer ganz anderen Seite, was spannend zu erkunden war. Henning hatte sofort einen Platz in meinem Herzen (kommt aber leider nicht gegen Killian an). Die Geschichte mit dem Fake-Freund mochte ich auf Anhieb und war gleichzeitig sehr froh, dass die meisten Stolpersteine dieses Tropes umschifft wurden. Der ein oder andere Dramaanteil wäre vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen, aber in die Geschichte hat es gepasst. So war diese rund erzählt, spannend und bot tolle Charaktere. Ein schöner Abschluss einer starken Reihe, die einen Platz in meinem Herzen hat. Ich freue mich auf mehr Werke der Autorin.

Das Fazit

Die Vielleicht-Reihe von Carolin Wahl bietet drei völlig unterschiedliche Geschichten, die auf die ein oder andere Weise überzeugen können. Drei starke Frauen, drei tolle Männer, drei tolle Geschichten. Für New Adult Fans auf jeden Fall eine große Empfehlung!

Das Buch von Boba Fett

Ein Vorwort

Nachdem Disney ihre eigene Plattform eröffnet hatten und die erste Fuhre Serien ankündigten, war die Begeisterung über The Mandalorian groß. Nach zwei Staffeln geht es nun serientechnisch weiter im Star Wars Universum. Warum Das Buch von Boba Fett nicht mit The Mandalorian mithalten kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Boba Fett (Temuera Morrison) etabliert sich als Verbrecherlord im ehemaligen Gebiet von Jabba dem Hutten. Zusammen mit seiner treuen Gefährtin Fennec Shand (Ming-Na Wen) versucht er sich gegen verfeindete Verbrechersyndikate durchzusetzen. Besonders das Pyke-Syndikat versucht sehr verbissen seine Herrschaft zu beenden. 

Meine Meinung

Nachdem die dritte Star Wars Trilogie die Fans wohl eher verärgert als erfreut hat, besann sich Disney auf die Ursprünge und brachte mit The Mandalorian wieder viel Handarbeit ein und erzählte eine schöne Geschichte, teilweise aus Einzelfolgen, teilweise Folgen, die auf das Finale hinarbeiteten. Die Mischung brachte ein gutes Gleichgewicht, dass in der zweiten Staffel fortgesetzt wurde. Dann wurde Boba Fett angekündigt und irgendwie hatte ich so überhaupt keine Lust auf die Serie. Ich kann nicht mal sagen, warum – zu dem Zeitpunkt waren die ganzen schlechten Kritiken noch nicht erschienen. Inzwischen ist bereits mit Obi Wan die dritte Serie raus und die Kritiken sind bisher eher unterirdisch. Trotzdem wurde es für mich langsam Zeit Boba mal eine Chance zu geben.
Leider hat sich mein schlechtes Baugefühl bestätigt. Denn das Buch von Boba Fett ist vor allem eins: total langweilig. Hatte die Figur in den ersten beiden Trilogien noch einen recht interessanten Hintergrund, aus deren Geschichte man vielleicht mehr hätte machen können (was ist zwischen Episode 2 und 5 geschehen, dass er zum Kopfgeldjäger wurde?), so war die Geschichte nach Episode 6 eigentlich schon fertig. Doch hier wurde eine neue Hintergrundgeschichte aus den Fingern gezogen, die lang und breit ausgebaut wurde – in einem Film wären das keine fünf Minuten Filmmontage gewesen – und zusammen mit der Syndikatgeschichte verwoben.
Sieben Folgen umfasst die erste Staffel und bietet kaum Stoff für einen 120 Minuten Film. So drehen sich die Charaktere immer wieder im Kreis, in zwei Folgen geht es fast ausschließlich um den Mandalorian – geschickter Schachzug, muss man so für Staffel 3 wohl auch Boba Fett gesehen haben – weil für Boba bereits der Stoff ausgegangen ist.
Optisch bietet der Film hier wie auch The Mandalorian wieder viele handgemachte Effekte, was positiv auffällt. Auch der Soundtrack und das Schauspiel kann wieder überzeugen. Leider ändert das nichts daran, dass aus einem potentiell spannenden 120 Minuten Film eine Serie mit 7 Folgen gestreckt wurde, die sich dadurch zieht, kaum Spannung bietet, weil die wenig spannenden Szenen sogleich wieder von welchen abgelöst werden, die bereits erlebtes wiederholen.
Es bleibt abzuwarten, ob Obi Wan hier noch einmal mehr bietet. Zumindest der interessantere Charakter dürfte er sein.

Das Fazit

Das Buch von Boba Fett kommt leider nicht an The Mandalorian heran, da es zu wenig Handlung für zu viel Laufzeit hat. So ist die Serie eher langatmig und schlichtweg langweilig, was auch eine ausgezeichnete Optik nicht wett machen kann.

Eine Handvoll Filme – 01/22

Da sind wir schon im August und es gab dieses Jahr noch nicht eine Handvoll Filme. Das sollten wir schnell ändern: Herzlich Willkommen zur ersten Ausgabe der filmischen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: einem Charadespiel, einer postapokalyptischen Stadt, einer Birnenplantage, dem Spiel mit der Besessenheit und einer knallharten Lobbyistin.

Charade

Die Handlung: Reggie Lampert will nach einem Skiurlaub eigentlich die Scheidung einreichen. Doch ihr Mann hat nicht nur das komplette Mobiliar verkauft, sondern wird auch ernordet. In der schweren Zeit suchen sie drei Männer heim, die auf der Suche nach etwas sind, dass Reggies Mann gehört hat. Sie findet unerwartet Hilfe in dem undurchsichtigen Peter Joshua.

Meine Meinung: Ich habe mir in diesem Jahr vorgenommen mal mehr aus der Filmografie von Audrey Hepburn zu sehen, da dort noch einige Klassiker lauern (ich kenne bisher nur Frühstück bei Tiffanys). Charade machte den Anfang. Der Film erzählt sich herrlich ruhig und bietet doch einiges an Spannung, da es ständig Wendungen gibt, die ich nicht vorhergesehen habe. Die ständige Frage, ob Peter Joshua nun Feind oder Freund ist, begleitet einen durch die 113 Minuten Laufzeit und bis zum Ende wusste ich nicht, was ich denken sollte oder nicht. Der ständige Wechsel zwischen Krimi, Thriller und Komödie tut sein übriges zur ganz eigenen Stimmung des Films. Dabei ist Hepburns Schauspiel zwar stark reduziert, doch passt sich perfekt der Stimmung des Films an. Cary Grant ist wohl der eigentliche Star des Films, der seine Rolle ständig wechselt und doch gleichbleibend spielt. Die Chemie zwischen ihm und der 25 Jahre jüngeren Hepburn ist herausragend und trägt einen Großteil zur einzigartigen Stimmung des Films bei.

S.U.M. 1

Die Handlung: im Jahr 2070 lebt die Menschheit unter der Erde. Überirdisch gibt es Kontrollposten, die Soldaten für je 100 Tage bewachen. S.U.M.1 ist einer von ihnen. Doch die Isolation und Monotonie führen zu Paranoia, die den Einsatz sichtlich erschweren. 

Meine Meinung: Abgesehen davon, dass ich Iwan Rheon gern in Filmen sehe, reizte mich hier auch die Ausgangsgeschichte mit dem Wortspiel im Titel. S.U.M. 1 ausgelesen heißt Someone (= (Irgend-)jemand), so dass der Titel schon darauf anspielt, dass der Protagonist absolut auswechselbar ist. Zunächst war ich auch unsicher, ob die Handlung sich wirklich über 95 Minuten halten kann. Doch von Anfang an schafft Regisseur Christian Pasquariello eine unter die Haut gehende Stimmung, die die langsam einsetzende Paranoia des Protagonisten untermalt und die Zuschauenden praktisch an die Bildschirm fesselt. Denn die ständige Frage, ob es wirklich Paranoia oder doch eine groß angelegte Verschwörung ist, zieht sich durch den ganzen Film. Durch die Nähe zum Protagonisten, den Iwan Rheon ausgezeichnet porträtiert, verschwimmt die Grenze dazu. S.U.M. 1 ist bei der Allgemeinheit ziemlich untergegangen, dürfte aber durchaus ein Geheimtipp sein.

Birnenkuchen mit Lavendel

Die Handlung: Louise führt nach dem Tod ihres Mannes seine Birnenplantage weiter. Diese wirft jedoch kaum Profit ab und so ist die alleinerziehende Mutter ziemlich verschuldet. Als sie den Pierre anfährt, nimmt sie ihn kurzerhand mit. Durch das Asperger-Syndrom fällt Pierre der Kontakt mit Menschen schwer, weswegen er sich auf der Plantage um so wohler fühlt. 

Meine Meinung: Französische Filme können durchaus funktionieren, doch hat es sich gerade in letzter Zeit entwickelt, dass die gleich angesiedelten Komödien noch am ehesten zu uns rübergesspült werden. Nicht so Birnenkuchen mit Lavendel. Hier haben wir eine ruhig erzählte Liebesgeschichte, die sich nebenbei mit den Themen alleinerziehende Mutter und Asperger befasst. Dabei geht sie gerade mit Zweiterem absolut respektvoll um, auch wenn sie sich von den vielen Facetten vor allem auf die Übersensibilität konzentriert. Mit Loiuse haben wir eine Protagonistin, die wir mit ihrer Überforderung durchaus nachvollziehen können, was sie nahbar macht, auch wenn sie nicht die durchgehende Sympathieperson ist. Im Prinzip hab ich mich bei diesem Film im französischen Sommer verloren, mit den Charakteren mitgefiebert und mich einfach der Stimmung hingegeben. Dabei erzählt der Film gleichzeitig eine große zusammenhängende Geschichte und unzählige kleine, so dass eine interessante Mischung entsteht. Es geht irgendwie im die Birnenplantage, um Louises Kummer, die Rebellion der Tochter, Pierre und seine Geschichte und um so viel mehr. Dabei ist Birnenkuchen mit Lavendel wohl kein Film, der wahnsinnig lange im Gedächtnis bleibt, der einem aber beim Sehen eine schöne Zeit beschert.

Vertigo

Die Handlung: Nach einer missglückten Verfolgung scheidet der Polizist John „Scottie“ Ferguson aus dem Dienst aus. Als er seinen alten Schulfreund Gavin Elster trifft, bittet dieser ihn seine Frau zu beschatten, da diese von ihrer verstorbenen Urgroßmutter besessen zu sein scheint. Doch mit seinen Gefühlen für Madleine hat Scottie nicht gerechnet.

Meine Meinung: Neben den Audrey Hepburn Klassikern habe ich mir auch vorgenommen, mehr Alfred Hitchcock Filme zu schauen. Nachdem letztes Jahr Die Vögel mein erster Hitchcock wurde, durfte nun Vertigo nachziehen. Ich glaube das Problem ist, dass mich der Film auf dem komplett falschen Fuß erwischt hat. Während ich die erste Hälfte sehr genossen habe, riss mich die zweite komplett raus, einfach weil ich nicht erwartete, dass sie überhaupt existiert. Bis zum wirklichen Ende kam es mir vor, als würde der Film das Ende nur künstlich hinauszögern, da ich die Wendung einfach nicht verstanden hatte. Im Nachhinein finde ich es schade, denn das Ende konnte mich wirklich noch einmal überraschen. So war es zunächst eine schöne Mysterygeschichte, wo man nicht wusste, ob es sich hier wirklich um Besessenheit handelt oder nicht und wandelte sich dann nochmal zu etwas ganz anderem. Schauspielerisch war der Film auf jeden Fall top! Wahrscheinlich werde ich ihn irgendwann nochmal schauen und dann auch mehr genießen können.

Die Erfindung der Wahrheit

Die Handlung: Elizabeth Sloane ist Lobbyistin und hat einige erfolgreiche Kampagnen für Cole Kravitz & Waterman geleitet. Doch beim Thema Waffenkäufe wechselt sie unerwartet das Lager und steigt bei einem kleinen Konkurrenten ein. Damit tritt sie einen Wettlauf los, bei dem einige schmutzige Mittel eingesetzt werden.

Meine Meinung: Eigentlich sind solch politische Filme gar nicht meins. Auch Lobbyarbeit finde ich sehr anstrengend zu sehen. Aber die vielen guten Kritiken haben mich dann doch neugierig werden lassen. Und tatsächlich konnte mich Die Erfindung der Wahrheit überzeugen. Denn auch wenn es viele Elemente vereint, die mich normalerweise vom Genre zurückschrecken lassen, harmonieren sie hier gut und bauen sich spannend auf. Vielleicht waren es ein paar zu viele Wendungen drin und Sloane schafft es einmal zu oft noch einen Trumpf in der Hinterhand zu haben, aber das ist Meckern auf sehr hohem Niveau. Vor allem Jessica Chastain zeigt hier wieder einmal, warum sie zur oberen Schauspielliga gehört. Ihre Sloane ist knallhart, darf aber auch in ruhigen Minuten Schwäche zeigen. Das schafft sie durch kleinste Nuancen in ihrem Spiel und begeistert in jeder einzelnen Szene. Doch auch der restliche Cast weiß zu überzeugen. Das Skript ist intelligent geschrieben und weiß einen durchgehend mitzureißen. Auch wenn man nichts mit politischen Thrillern anfangen kann, lohnt dieser Film einen Blick.

Habt ihr einen der Filme gesehen? Wie fandet ihr sie?

Der Gesang der Flusskrebse

Ein Vorwort

Zwischen all den Franchises, Reboots, Remakes und Co stiehlt sich ab und an dann doch die ein oder andere Buchverfilmung. Nachdem Bullettrain diesen Monat schon ganz gut funktioniert hat, gibt es diesmal eine Buchverfilmung aus einem ganz anderen Genre. Warum Der Gesang der Flusskrebse mehr bietet als hübsche Naturaufnahmen, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Kya Clark (Daisy Edgar-Jones) lebt allein in der Marsh, einer Sumpflandschaft in North Carolina. Von der Familie zurückgelassen, muss sie irgendwie überleben. Dabei findet sie in wenigen helfenden Hände Freundschaften und vielleicht auch Liebe. Doch Ende der 1960er Jahre wird sie eines Mordes beschuldigt.

Meine Meinung

Der erste Trailer von Der Gesang der Flusskrebse ließ auf eine Kriminalgeschichte schließen, die mit einer Einsiedlergeschichte unterstrichen wurde. Mein bester Freund, der das Buch gelesen hatte, sah daher schwarz für den Film, da es so gar nicht der Essenz des Buches entsprach, das sich mit dem Leben des „Marsh-Mädchens“ befasste. Mit einem dementsprechend kritischen Blick und doch irgendwo einer gewissen Faszination für den Film ging ich hinein und kann sagen, dass hier eine gute Balance gefunden wurde – auch mein bester Freund bestätigte inzwischen, dass der Film sehr Buchnah sei.
So beginnt der Film mit dem Leichenfund. Schnell wird die vermeintliche Mörderin festgenommen. Wir lernen eine Kleinstadt voller Vorurteile kennen, erst danach lernen wir Kya kennen. Nach und nach wird in Form von Rückblenden ihr Leben erzählt, nur ab und an unterbrochen von der Gerichtsverhandlung.
Dabei entsteht ein sehr ruhig erzählter Film, der wohl alle enttäuscht, die auf einen spannenden Kriminalfall spektuliert hatten, aber genau das Richtige für Fans der auserzählten Charakterfilme ist. Denn Kya ist ein sehr interessanter Charakter und die Stationen in ihrem Leben sind gleichzeitig ergreifend, entsetzend und gehen dabei ganz tief unter die Haut. So schafft es der Film ganz ruhig eine Geschichte von vorne bis hinten zu erzählen und dabei trotz wenig Spannung keine Langweile entstehen zu lassen.
Der Gesang der Flusskrebse ist einer dieser Filme, die einem allein durch die unglaublich schönen Naturaufnahmen und die erzeugte Atmosphäre in einer ganz besonderen Stimmung schwelgen lässt. Bei der Geschichte bleibt wohl kein Auge trocken, auch wenn der Film die Themen ganz ruhig erzählt und keineswegs mit Absicht auf die Tränendrüse drückt. Untermalt wird das Ganze von dem wunderbar reduzierten Schauspiel aller Akteure. Mit Daisy Edgar-Jones wurde eine perfekte Kya gefunden, deren Entwicklung nachvollziehbar dargestellt wurde.
Das Ende ist dann zum einen wunderbar rund und erzählt die Geschichte bis zum Ende, lässt aber doch eine Frage offen, was nicht jedem Kinogänger passen dürfte. Zumindest bleibt der Film so in Erinnerung und sorgte auch nach Zufall des Vorhangs noch für ordentlich Gesprächsbedarf (im positiven Sinne).

Das Fazit

Der Gesang der Flusskrebse vereint ruhig erzählte Charakterstudie mit wunderschönen Naturaufnahmen und einer ergreifenden Geschichte. Haltet die Taschentücher bereit und stellt euch darauf ein komplett in dem Film zu versinken. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Der Gesang der Flusskrebse läuft seit dem 18.08.2022 in den deutschen Kinos

Ms. Marvel

Ein Vorwort

Marvel produziert derzeit nicht nur Filme, sondern auch Serien am laufenden Band, so dass man kaum noch hinterherkommt. Neben Captain Marvel als Film rund um Carol Danvers, gibt es nun in Serienform auch Miss Marvel. Wie das funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Kamala Khan (Iman Vellani) ist 16 und lebt in Jersey City. Ihre Familie stammt aus Pakistan und kann daher ihre Faszination für ihr großes Vorbild Captain Marvel nicht nachvollziehen. Als sie für eine Comic Convention ihr Cosplay etwas aufpeppen will und einen alten Armreif aus ihrer Familie umlegt, hat sie auf einmal Superkräfte. Doch diese wollen kontrolliert werden.

Meine Meinung

Direkt nach Veröffentlichung der ersten Episode kam der große Aufschrei. Eine Muslimin sollte eine Superheldin im MCU werden? Rassistische Propaganda rief dazu auf, die Serie schlecht zu bewerten. Dabei ist es doch genau diese Vielfalt, die das MCU so lebendig macht. Denn die Auseinandersetzung mit dem Thema der indisch-pakistanischen Teilung und wie Familien dadurch getrennt wurden, hatte ich so auch noch nicht und fand es gut eingearbeitet.
Das die Serie an ganz anderer Stelle krankt, ist hier erstmal zweitrangig. Denn die Aufarbeitung des Themas, dass Muslime angeblich keine Superheld*innen sein können, erfolgt bereits im Laufe der Serie und eine kleine Geschichtsstunde inklusive der noch immer spürbaren Folgen der Trennung werden gut eingearbeitet.
Mit Kamala Khan haben wir zwar eine sehr junge, aber dafür auch eine sehr nahbare und nachvollziehbare Protagonistin bekommen. Ihre Begeisterung zu Captain Marvel und die langsame Entwicklung mit dem Entdecken ihrer Kräfte ist gut umgesetzt und hat eigentlich Neugier auf mehr geweckt.
Leider funktioniert die Serie über die Dauer der sechs Episoden so gar nicht. Vielleicht wäre ein schöner Film draus geworden, aber hier merkt man, wie wieder alles und nichts in die Serie gequetscht wurde. Denn so wirklich einen roten Faden gibt es nicht. Funktionieren die ersten beiden Folgen erstaunlich gut, geht es danach immer weiter bergab. Antagonisten werden geheimnisvoll eingeführt, nur um sie zugleich als Überbedrohung zu zeigen. Dann gibt es ein schnelles Hin und Her, Verbündete kommen und gehen, ein schneller Abstecher nach Pakistan, wieder zurück in die USA, neuer Antagonist wird geschaffen, eben noch schnell eine völlig überflüssige Regierungsorganisation mit reingeschoben, die zwar für den Endkampf sorgt, deren Motive aber so banal und einfach nur dumm und unnachvollziehbar sind, dass man sich zwischenzeitlich nur an den Kopf greifen kann, was hier für ein Blödsinn verzapft wurde. Statt sich auf eine Sache zu konzentrieren und diese auszuerzählen (was wohl in einem Film passiert wäre, da dort für mehr kein Platz gewesen wäre), werden tausend Sachen angefasst, oberflächlich abgearbeitet und unbefriedigend weggeschoben.
Dadurch platzt die Serie vor Logiklöchern, die Charaktere bleiben platt und eindimensional. Es gibt nach dem Anfang keinerlei Entwicklung mehr, es scheint fast, als wollte Marvel einfach nur den Charakter eingeführt haben und  weil sie für Disney+ nur Serien produzieren, musste es partout eine Serie werden. Schade, bietet die Grundidee doch genug Anreiz, um die Thematik auszuspielen.
Bleibt nur zu hoffen, dass das MCU noch die Kurve kriegt, denn nach einem auf und ab im letzten Jahr, gab es bisher nur Enttäuschungen. Es bleibt abzuwarten, was die weiteren angekündigten Serien und Filme bringen, aber Phase 4 ist aktuell vollkommen überladen mit lustlos produzierten Filmen und Serien.

Das Fazit

Ms. Marvel kommt über eine gute Grundidee zur Inklusion nicht hinaus und scheitert an tausend losen Handlungsfäden, die nirgendwo hinführen. Trotz sympathischer Protagonistin ist die Serie wohl eher ein Reinfall.