Ophelia Scale

Ein Vorwort

Manchmal kommen Jahreshighlights einfach zu einem. Das erste Ophelia Scale Buch habe ich mir eigentlich eher zufällig zugelegt, weil ich noch eins für meine 21 für 2021 Reihe gebraucht habe. Dann lag es ein halbes Jahr auf meinem SuB und ich hatte nicht so recht die Motivation es zu lesen. Eher durch Zufall habe ich es schließlich im Rahmen eines Buddyreads angefangen und konnte es ab da nicht mehr aus der Hand legen. Alle drei Bände habe ich innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Was die Reihe so besonders macht, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die übergreifende Handlung

Ophelia Scale lebt in der Zukunft. Doch ein paar Jahre zuvor hat König Leopold de Marais von Europa die Abkehr ausgerufen. Das bedeutet der Verzicht auf Technik. Für Ophelia ist dies gleichbedeutend mit einer verbauten Zukunft. Sie schließt sich der Rebellengruppe ReVerse an, die ein Attentat auf den König planen.

Band 1: Die Welt wird brennen

Die Handlung: König Leopold de Marais sucht neue Anwärter*innen für seine Leibgarde. Dies ist die Chance für die Rebellengruppe ReVerse Leute einzuschleusen. Darunter auch Ophelia Scale, die die Vorauswahl übersteht und in die Hauptstadt Maraisville zieht. Dort trifft sie auf Lucien, den sie sofort sympathisch findet. Doch es gibt ein Problem: Lucien ist der jüngere Bruder des Königs.

Meine Meinung: Das Buch hatte mich ab Seite 1. Der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig und der Erzählstil wunderbar spannend und doch mit einem leicht ironischen Unterton. Man wird sofort in eine spannende Szene geworfen und entdeckt die Welt nach und nach. Dabei werden immer nur die notwendigen Informationen rausgegeben, um die Szene nachvollziehen zu können, ohne einen Welterklärungsvortrag zu halten. Von Anfang an wird man in Atem gehalten, dennoch gibt es die ruhigeren Momente, in denen man durchatmen kann. Hinzu kommt, dass die Charaktere einfach nur liebenswert sind. Seien es die beiden Protagonist*innen Ophelia und Lucien, aber mir haben es auch gerade die Nebencharktere angetan, wie Caspar Dufort oder auch Leopold de Marais. Gegen Ende gab es dann ein paar Entwicklungen, die mich sehr mitgenommen haben und der Cliffhanger am Ende – ich hatte Band 2 natürlich noch nicht griffbereit – hätte mich fast in den Wahnsinn getrieben. Also seid schlauer als ich und kauft die Trilogie zusammen!

Band 2: Der Himmel wird beben

Die Handlung: Nach dem gescheiterten Attentat bekommt Ophelia ein Angebot, das ihr eine mildere Strafe zusichert. Dafür wird sie als Spionin bei ReVerse eingeschleust. Dort trifft sie auf alte Bekannte. Doch die Widerstandsgruppe ist nicht mehr die, die sie kannte. – Gekürzt um Spoiler zu den Vorbänden zu vermeiden

Meine Meinung: Kennt ihr diese Fantasy-Trilogien, bei der der zweite Band nur so ein Füller ist, der irgendwie Band 1 und 3 verbindet oder ein paar Weichen stellt, um die große Endschlacht vorzubereiten? Nun dies ist in Der Himmel wird beben nicht der Fall. Der zweite Band knüpft direkt an die Geschehnisse und vor allem an den großen Cliffhanger aus dem ersten Band an, schafft es diese in eine neue Richtung zu kanalisieren und daraus eine ebenso spannende Geschichte zu spinnen. Mitunter dachte man, dass sich die Autorin in eine Ecke verrannt hat, aus der sie nicht mehr rauskommt. Doch das schafft sie immer und auf so nachvollziehbare Art, das man es einfach nicht kommen sieht. So überrascht sie einen mehrfach und dadurch bleibt die Handlung weiterhin spannend. Dennoch bleibt genügend Stoff für Band 3. Auch hier gibt es am Ende wieder einen ziemlichen Cliffhanger, weswegen man auch den finalen Band direkt griffbereit haben sollte.

Band 3: Die Sterne werden fallen

Die Handlung: Ophelia Scale und Lucien de Marais stehen vor neuen Herausforderungen. Sie müssen Verluste verarbeiten und sich gleichzeitig für den letzten großen Kampf rüsten. – Gekürzt um Spoiler zu den Vorbänden zu vermeiden

Meine Meinung: Nachdem ich am Ende von Band 2 sehr verschnupft und in tiefer Trauer war, brauchte ich am Anfang von Band 3 ein wenig um wieder in die Handlung zu kommen. Das lag zum einen daran, dass sich die Handlung mit den neuen Begebenheiten selbst wieder finden musste, aber vor allem weil ich Angst hatte. Angst vor dem Ende des Buches. Angst, dass die Geschichte bald zu Ende gehen könnte und ich mich von all den Charakteren verabschieden müsste. Angst, weil ich die Reihe nie wieder so unvoreingenommen lesen könnte. Denn das erstaunlichste an der Reihe ist, wie sehr sie mich mitgenommen hat. Wenn etwas passierte, was mir nicht passte, hatte ich beinahe körperliche Schmerzen, wenn ich um einen Charakter gebangt habe, hat die Welt um mich herum aufgehört zu existieren. Ich habe selten eine so gut durchdachte Fantasy-Reihe gelesen! Bis zum Ende sind alle Wendungen durchdacht. Ich hätte mir das Ende vielleicht etwas ausführlicher gewünscht, aber grundsätzlich war es rund und die Geschichte ist in sich abgeschlossen – und das ist auch so ziemlich mein einziger Kritikpunkt an der gesamten Reihe.

Das Fazit

Ophelia Scale ist eine dieser Reihen, die spielerisch eine Welt kreieren, sie im genau richtigen Ausmaß beschreibt, tolle Charaktere hat, eine spannende Handlung und einen einfach von vorne bis hinten in Atem hält. Aus jeder potentiellen Ecke windet sich die Autorin spielerisch wieder raus und schafft so eine Reihe, die einfach von vorne bis hinten rund und logisch ist. Großen Respekt und große Leseempfehlung!

Godzilla vs. Kong

Ein Vorwort

Warner Brothers versucht nicht nur verzweifelt das DC Extended Universe am Laufen zu halten, sondern auch ihr MonsterVerse. Der vierte Film der Reihe sollte nun ihr beiden Giganten aufeinander treffen lassen, wurde aber erst einmal immer weiter nach hinten geschoben. Irgendwie ist der Trailer auch völlig an mir vorbeigegangen, weswegen ich sehr unvoreingenommen und ohne Erwartungen an den Film herangegangen bin. Was der Film letztlich kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

In Godzilla (2014) untersuchen Ford Brody und sein Vater Joe die Ruinen eines 1999 eingestürzten Atomkraftwerks in Japan. Joe glaubt, dass es sich damals nicht um ein Erdbeben handelte, sondern mehr dahinter steckte. Sie treffen auf eine ausgebaute Forschungsstation der Privatorganisation Monarch und auf Dr. Serizawa, der den beiden von dem Monster „Muto“ genannt berichtet, dass sich dort eingehüllt von der Radioakitvität ernährt. Als es ausbricht, bricht gleichzeitig in Nevada ein Weibchen aus. Dadurch wird jedoch ein mächtiger Gegner aktiviert: Godzilla. Nach einem ersten Kampf verfolgt Godzilla das Männchen und auch das US-Militär hat Pläne, die jedoch dazuführen, dass San Francisco von einer Atombombe bedroht wird. Im finalen Kampf kann die Bombe entschärft werden und Godzilla besiegt die beiden Mutos, bevor er wieder in die Tiefen des Ozeans verschwindet.
In Godzilla II: King of the Monsters (2019) erkunden die Forscherin Emma Russel und ihre Tochter Madisson trotz politischen Widerstands gegen die Organisation Monarch sogenannte Titanen. Bei einem Überfall durch den Söldner Alan Jonah werden Emma und Madison entführt. Monarch wendet sich daher an Emmas Exmann Mark, der eigentlich von der Organisation nichts mehr wissen will. Kurz darauf werden alle beobachteten Titanen gleichzeitig erweckt und auf die Menschheit losgelassen. Nun erhebt sich Godzilla wieder aus der Tiefe, um die natürliche Ordnung wieder herzustellen. Beim Eingriff des Militärs wird jedoch Godzilla ernsthaft verletzt, während sein Widersacher sich beinah unbeschadet erhebt. Das Forschungsteam findet heraus, dass an der sogenannten Hohlerde-Theorie was dran ist und finden Godzilla in einer unterirdischen Höhle, wo sie ihn mit Radioaktivität defibrillieren. Im Endkampf beweist sich Godzilla als König der Monster. Im Abspann wird die Handlung von Godzilla vs Kong angeteasert, da ein Kopf von Godzilla Widersacher Ghidora überlebt hat.
In Kong: Skull Island (2017) leitet die Regierungsorganisation Monarch 1973 einen Einsatz auf die mysteriöse Skull Island, da dort urzeitliches Leben vermutet wird. Bei Bombenabwurd, um die geologische Struktur zu erforschen, wecken sie jedoch Kong, einen Riesenaffen. Dadurch wird das Team auf der Insel verstreut. Ein Teil der Gruppe trifft auf Eingeborene und einen im zweiten Weltkrieg abgestürzten Piloten. Kong wird von denen als Beschützer angesehen und sie halten ihn für eine friedliche Kreatur. Gleichzeitig erfährt das Team von den sogenannten Schädelkriechern, die immer wieder an die Oberfläche klettern. Mit den kleinen kommt Kong klar, aber sollte er sterben, würden die großen an die Oberfläche klettern, die bereits Kongs ganze Familie ausgelöscht hat. Der andere Teil der Gruppe hat es aber weiterhin aus Kong abgesehen und schafft es ihn zu verletzten, wodurch der große Schädelkriecher an die Oberfläche klettert. Im finalen Kampf kann Kong ihn zusammen mit dem anderen Team, die die Geschichten der Eingeborenen gelauscht hatten, den Schädelkriecher zu töten.

Die Handlung

Nachdem Godzilla in Florida eine Stadt angegreift, wird er nicht mehr von allen Seiten als Beschützer der Erde gesehen. Gleichzeitig wird der Forscher Dr. Nathan Lind (Alexander Skarsgard) vom Milliardär Walter Simmons (Demian Bichir) angeworben, um die Hohlerden-Theorie zu untersuchen. Dafür benötigen sie Kong, der inzwischen in einem künstlich geschaffenen Habitat lebt und von Dr. Ilene Andrews (Rebecca Hall) und ihre Ziehtochter Jia (Kaylee Hottle) betreut wird. Dieser soll ihnen den Weg zur Hohlerde zeigen, doch sobald er das Habitat verlässt, könnte ihn Godzilla als Bedrohung ansehen und angreifen. Madison Russell (Millie Bobby Brown) versucht gleichzeitig mit dem Verschwörungstheoretiker Bernie Hayes (Brian Tyree Henry) zu untersuchen, warum Godzilla Florida angegriffen hat.

Meine Meinung

Die Handlung von Godzilla vs. Kong zusammenzufassen ist gar nicht so einfach, da sie an mehreren Stellen und mit verschiedenen Charakteren spielt. Dabei sind einige bekannte Gesichter wieder dabei, aber auch viele neue, die man erst einmal wieder einordnen muss. Dabei ist die Handlung eigentlich nur eine Farce, um die beiden Giganten irgendwie aufeinander treffen zu lassen. Wobei das dem Film fast besser steht, als die erzwungene Mythologie in Godzilla II.
Aber von Anfang an. Godzilla vs Kong zeigt von Anfang an, dass sie keine Kosten gespart haben und zeigt im Angriff Godzillas wieder einmal was das CGI heutzutage alles kann. Und so durfte bereits die erste Stadt zerstört werden. Es folgt eine kurze Unterbrechung, um die wichtigsten Charaktere vorzustellen. Dabei ist vor allem bemerkenswert, wie schon wieder fast der vollständige Cast getauscht wurde. Gerade die angeteaserte Handlung am Ende von Godzilla II scheint mit dem Wegfall von Charles Dance Rolle irgendwie unlogisch. Damit das alles aber nicht ganz so auffällig ist, darf Millie Bobby Brown eine ganze Weile sinnlos durchs Bild rennen, bis sie am Ende wirklich nochmal eine wichtige Aufgabe übernimmt. Für Kong wird dann auch eben schnell mal eine Zwischenlösung hingeschustert, aus der er dann aber direkt wieder abtransportiert wird. Was folgt ist eine Abwechslung aus beeindruckenden Kämpfen, eine Menge Zerstörungswut, menschlicher Gier und ab und an auch ein bisschen vorgeschobene Handlung.
Dabei wird der größte Wert eindeutig auf die Optik des Films gelegt. Hier braucht er sich nicht zu verstecken, auch wenn einige Szenen vielleicht etwas zu gewollt realitisch dargestellt wurden. Man bekommt den namensgebenden Kampf auch gleich zweimal geboten, wodurch man sich nicht beschweren kann, unter falschem Vorwand ins Kino gelockt worden zu sein. Auch wenn Godzilla im Vergleich zu Kong wenig Screentime hat.
Das Ende ist dann allerdings ungefär so enttäuschend wie in Batman vs. Superman. Nach einer gewissen Kampfzeit, mischen sich einfach die Menschen wieder ein und schwupps sind alle Feindschaften vergessen. (Deine Mutter heißt Martha? Meine Mutter heißt auch Martha? Na dann sollten wir Freunde werden).
So richtig ausgereift ist der Film nicht. Man erkennt die Absicht des ganzen, doch statt sich darauf zu konzentrieren, gibt es zu viel Belangloses drum herum. Auch die Darsteller wirken wieder mehr verschenkt als alles andere. Charakterentwicklungen sucht man hier vergeblich. Das große Finale des MonsterVerse ist es wohl nicht, aber das war bei den bisherigen Filmen auch nicht zu erwarten. Wer die vorherigen Filme mochte und sich auch da nicht über die mangelnde Handlung beklagt hat, der wird auch hier wieder seinen Spaß haben. Für alle, die mehr als ein bisschen bildgewaltige Monsterkloppe wollen, werden hier nicht glücklich.

Das Fazit

Godzilla vs. Kong setzt wie bereits die Vorgänger mehr auf Bilder als auf durchdachte Handlung. Charakterentwicklung sucht man hier ebenfalls vergebens. Die Kämpfe sind zwar eindrucksvoll, doch gerade das Ende lässt einen nur die Augen verdrehen. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Godzilla vs. Kong läuft seit dem 01.07.2021 in den (geöffneten) deutschen Kinos

Black Widow

Ein Vorwort

Mit Avengers Endgame – okay und mit Spider-Man – Far from home – ist die dritte Phase des MCU (Marvel Cinematic Universe) zu Ende gegangen. Phase 4 sollte im letzten Jahr mit Black Widow beginnen. Durch geschlossene Kinos und vielen Terminverschiebungen durften jetzt aber die Serien der Phase vorher ihre Premiere feiern. So lief WandaVision, Falcon and the Winter Soldier und auch Loki schon (fast) vollständig auf Disney+. Nun durfte Natasha Romanoff endlich ihren lange gewünschten Solofilm haben. Warum wir den alle derzeit verdient haben, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

Welche Filme man vorab aus dem MCU gesehen haben sollte: Captain America 3 – Civil War & Avengers – Endgame – diese werde ich hier kurz vorstellen.
Welche Filme aus dem MCU gut wären vorab gesehen zu haben: Iron Man 2, The Avengers, Avengers – Age of Ultron, Falcon & the Winter Soldier – hierfür verweise ich auf meine Zusammenfassungen (für die Links einfach die Titel anklicken).

In Captain America 3 – Civil War wird nach einem gescheiterten Einsatz in Lagos der Schrei immer größer, die Avengers mit einem Regelwerk stärker zu kontrollieren. Nach einem Anschlag auf die UN, wo der Gesetztesentwurf diskutiert werden sollte, spalten sich die Avengers in zwei Lager. Captain America ist auf der Flucht, da sein Freund Bucky für den Anschlag verantwortlich gemacht wird. Black Widow steht auf der anderen Seite im Team Iron Man. Beim großen Kampf der beiden Lager, entscheidet sie sich am Ende doch für die andere Seite und hilft Cap und Bucky zu fliehen, um Baron Zemo aufzuhalten. Dadurch wird sie von Thaddeus Ross mit den anderen unter Arrest gestellt, kann jedoch fliehen.
In Avengers – Endgame raufen sich die übrig gebliebenen Avengers zusammen, um gegen Thanos anzutreten. Dafür entwickeln sie die Möglichkeit von Zeitreisen. Clint Barton alias Hawkeye und Black Widow reisen dafür nach Vormir, um den Seelenstein zu holen. Red Skull offenbahrt ihnen den Preis, nämlich ein geliebtes Leben zu Opfern. Clint und Natasha sind beide willig sich zu opfern, im Kampf siegt jedoch Natasha und stirbt.

Die Handlung

Natasha Romanoff alias Black Widow (Scarlett Johannson) ist nach den Geschehnissen in Civil War auf der Flucht. In einer sicheren Unterkunft bringt ein Freund ihr ihre Post aus einem Haus in Budapest. Dort ist auch ein Koffer, den ihre Schwester Yelena (Florence Pugh) geschickt hat. Als sie von einem maskierten Kämpfer angegriffen wird, schafft sie es nach Budapest zu fliehen, wo sie auf Yelena trifft. Diese ist frisch auf der Flucht vorm roten Raum – dem Programm, das beide in der Kindheit zu Profikillerinnen ausgebildet hat. Um diesen endgültig zu besiegen, müssen sie sich mit alten Bekannten zusammentun.

Meine Meinung

Lange mussten Marvel Fans auf diesen Film warten. Nicht nur, weil er seit letztem Sommer regelmäßig verschoben wurde, sondern vor allem weil Fans diesen Film schon seit Ende Phase 1 fordern. Lange wurde sich dagegen gewehrt, da musste erst DC mit Wonder Woman kommen, um zu beweisen, dass auch Frauen einen Solofilm tragen können. Warum man sich dann zunächst für Captain Marvel entschied, bleibt fraglich. So wirkt er fast wie hinten eilig rangeschoben, vor allem durch die Ereignisse in Endgame.
Nichtsdestotrotz ist es der Film, den Marvel Fans verdient haben! War ich nach dem Trailer noch sehr kritisch, zumal man ihn dort zeitlich schlecht einordnen konnte – und was sollte das auf einmal mit der Familie? – so werden die Unklarheiten in den ersten 15 Minuten beseitigt. So startet der Film komplett logisch und passt sich gut in die zeitliche Abfolge. Eine kurze Einfindungsphase und dann geht es auch schon sehr actionlastig weiter.
Das ist es auch, was der Film perfekt beherrscht: Die Balance zwischen Action und Handlung vorantreiben bzw. wichtige Informationen an die Zuschauer weitergeben. Neben ein paar Fanserviceantworten – wir wissen endlich was in Budapest passiert ist! – wird aber auch der Charakter der Black Widow noch einmal greifbarer. Das, was zuvor eher unterschwellig angedeutet bzw in Age of Ultron auch etwas konkretisiert wurde, festigt sich nun zu einer Hintergrundgeschichte. Gleichzeitig schafft es gerade Florence Pughs Yelena einige Sachen wirklich auf den Punkt zu treffen. Die Dialoge zwischen den beiden Schwestern passen in die übliche Marvelmanier und lockern den Film neben den tollen Actionsequenzen wahnsinnig auf.
Chronologisch arbeitet sich der Film an verschiedenen Handlungselementen ab, die aber alle für das große Ganze gebraucht werden. Mit 134 Minuten ist Black Widow ein verhältnismäßig kurzer Marvel-Film. Dennoch kommt hier kein Element zu kurz und die Charaktere kriegen genug Freiraum, um sich entwickeln zu können.
Grundsätzlich ist Black Widow ein gelungener filmischer Auftakt der vierten Phase und beweist ein für allemal, dass auch Superheldinnen einen Film tragen können, ohne das sie männliche Love Interests benötigen. Leider verabschieden wir uns damit auch vollständig von ihr. Die After Credit Scene – unbedingt sitzen bleiben! – legt dann wohl den Grundstein für die kommende Hawkeyeserie. Es bleibt spannend.

Das Fazit

Black Widow ist ein gelungener Auftakt der vierten Phase des MCU. Die Balance zwischen Handlung und Action wird hier permanent gehalten und neu gewonnene Charaktere passen sich perfekt ein. Natürlich kommt der typische Marvel-Humor nicht zu kurz. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Black Widow läuft seit dem 08.07.2021 in den deutschen Kinos und zeitgleich auf Disney+ mit VIP-Option

Cruella

Ein Vorwort

Cruella de Vil ist wohl eine der ikonischsten Antagonist*innen aus dem Hause Disney. Leicht wahnsinnig, aufbrausend und auf der Suche nach Dalmatinerfell. Nach ihrem Debüt im 1961er Animationsfilm 101 Dalamtiner aus dem Hause Disney, durfte Glenn Close sie 1996 verkörpern. Nun nimmt sich Emma Stone diesem Erbe an. Denn nach Maleficent bringt Disney nun den zweiten Realfilm rund um eine Antagonistin heraus. Warum ich den Film richtig gelungen finde, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Estella (Emma Stone) landet nach dem Tod ihrer Mutter in London, wo sie auf die beiden Gauner Jasper (Joel Fry) und Horace (Paul Walter Hauser) trifft. Nach vielen Jahren des lockeren Lebens findet sie eine Anstellung in einem Warenhaus und schafft es durch ihre Designkünste bei der Baroness Von Hellman (Emma Thompson) angestellt zu werden. Doch dort erfährt sie Sachen über ihre Vergangenheit, den ihre dunkle Seite Cruella heraufbeschwört.

Meine Meinung

Mit Maleficent startete Disney nicht nur ihre neue Welle an Realverfilmungen, sondern gab auch einer der bekanntesten Antagonistinnen eine Hintergrundgeschichte, die sie fast greifbar machte. Nach vielen weiteren Realfilmversuchen, die mal besser und mal schlechter funktioniert haben, widmet sich der 18. Film einer weiteren ikonischen Antagonistin: Cruella deVil. Da der Film aus ihrer Sicht erzählt wird, blieb die Frage nach dem Trailer offen, ob auch hier der Charakter eine ganz neue Richtung einschlägt.
Die Antwort darauf ist wohl Jein. Denn auch wenn Cruellas Hintergrundgeschichte beleuchtet wird, und dadurch vieles nachvollziehbarer wird, so bleibt Cruella doch bis zu einem gewissen Grad wahnsinnig. Nach einem kurze Ausflug in die Kindheit Cruellas und ihrem Zusammentreffen mit Horace und Jasper landen wir schnell im Atelier der Baroness. Ab hier hat der Film ein gutes Tempo und springt zwischen Drama, Coolness und Wahnsinn hin und her.
Genau diese Elemente machen den Film aus und werden in verschiedenen Szenen gekonnt miteinander verstrickt. So bietet der Film viel Handlung, die aber stets auf das wichtigste runtergebrochen wird, tolle Kostüme und vor allem eine Emma Stone, die hier absolut in ihrem Element ist. Sie ist gleichzeitig auch das absolute Highlight des Films. Denn Emma Stone spielt nicht nur den Charakter, sie lebt ihn. Sowohl den unsicheren Part, aber vor allem den verrückten.
Aber auch darüber hinaus muss sich der Film nicht verstecken. Einen wunderbaren Cast, wo jeder Charakter den Schauspielenden auf den Leib geschrieben steht, vor allem von John McCrea möchte ich mehr sehen, einen in jeder Szene perfekt passenden Soundtrack, der die Coolness des Films nur noch unterstreicht, und auch der tierische Part bietet für alle etwas.
Die Handlung arbeitet sich an einzelnen Abschnitten ab und schafft es immer wieder witzige Kleinigkeiten einzubauen, die den Film nebenbei auch noch genug auflockern, um für Spaß beim schauen zu sorgen. Kurzum der Film ist einfach ein Highlight, den man am besten auf der großen Kinoleinwand bestaunen sollte.

Das Fazit

Cruella ist der Realfilm, den wir nach Maleficent verdienen haben. Cool, dramatisch, spaßig mit einer guten Dosis Wahnsinn haut er einen einfach nur vom Hocker. Cast, Handlung und Soundtrack bilden eine einmalige Symbiose. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Cruella läuft seit dem 01.07.2021 in den deutschen Kinos bzw. seit 28.05.2021 auf Disney+ mit VIP-Option

A quiet place 2

Ein Vorwort

Da ist er! Der erste Kinofilm seit 01.11.20! Und dann gleich einen Film, der es nach einer langen Verschiebegeschichte endlich in die Kinos geschafft hat. A Quiet Place 2 knüpft an den Überraschungserfolg aus dem Jahr 2018 an und bietet wieder viel Stille. Was das Sequel kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Nach den Ereignissen in Teil 2 gibt Familie Abbott die Farm auf und sucht abseits der bekannten Pfade nach Hilfe. In einem alten Stahlwerk treffen sie auf Emmett (Cillian Murphy), der ihnen hilft, aber als gebrochener Mann sie am liebsten sofort wieder loswerden will. Regan Abbott (Millicent Simmonds) empfängt schließlich ein Signal und glaubt, dass es einen sicheren Hafen gibt.

Meine Meinung

Nach dem Trailer war ich skeptisch, ob ein zweiter Teil des Films funktionieren kann, hat der erste Teil doch lange damit gespielt, dass die Gefahr zwar spürbar, aber nicht sichtbar ist. Zunächst wird daher dargestellt, was an Tag 1 passiert ist. Wie also die Welt mit den Monstern konfrontiert wurde. Das dient zwar hauptsächlich um die Figur des Emmett einzuführen und zu zeigen, dass er ein Freund der Familie war, schafft es aber gleichzeitig auch den Zuschauer in die richtige Stimmung zu versetzen.
Danach schließt der Film nahtlos an den ersten Teil an. Wir treffen auf die Familie Abbott, die sich nach den Ereignissen in Teil 1 neu orientieren muss. Mit der Begegnung von Emmett, erfährt man erstmals, wie es anderen Familien ergangen ist, nachdem sich zuvor rein auf die Abbotts konzentriert wurde. Durch diese Erweiterung der Welt können völlig neue Aspekte aufgenommen werden. So versteht sich A quiet place 2 wunderbar darauf die Stimmung wieder aufzubauen mit der unheimlichen Mischung aus Stille und bedrohlicher Musik. Man fiebert mit den Charakteren mit und hat doch bei jeder Bewegung Angst vor dem nächsten Geräusch.
Wie auch im ersten Teil nutzt der Film an einigen Stellen Jump-Scares, die einen zwar erschrecken – und ich bin da besonders anfällig – aber im großen und ganzen sind es vor allem die Stellen, wo man weiß, da könnte jetzt ein Geräusch entstehen, wo man atemlos innehält und hofft, dass alles gut geht. Zusammen mit der Musik  ist die erzeugte Stimmung dadurch so greifbar, dass man hinterher in der lauten Welt praktisch bei allen Geräuschen zusammenzuckt.
Auch mit der Handlung hat Regisseur John Krasinski es geschafft sich weit genug auf neue Wege zu begeben, um nicht einfach nur ein Abklatsch des ersten Teils zu sein, mit der Stimmung merkt man aber die Zusammengehörigkeit.
Etwas verwirrt hat mich dann das Ende zurückgelassen. Zwar ist es an einem Punkt, wo die wichtigsten Fragen geklärt wurde, doch scheint es noch so halb mitten in der Handlung zu sein. Entweder wurde sich hier wirklich Platz gelassen für einen möglichen dritten Teil oder man wollte mit dem Ende einfach mutig sein.

Das Fazit

A quiet Place 2 ist ein gelungener zweiter Teil mit gut erzeugter Stimmung, spannender Handlung und braucht sich nicht hinter seinem Vorgänger zu verstecken. Wer einen zwar stillen, aber nicht minder spannenden, Horrorfilm braucht, ist hier auf der richtigen Seite. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

A Quiet Place 2 läuft seit dem 24.06.2021 in den deutschen Kinos

Autokino: Kings of Hollywood

Ein Vorwort

Ich war im Kino! Zwar erst einmal nur im Autokino, aber wir nähern uns damit schrittweise wieder einer gewissen Normalität. Neben allerlei altbekannten Filmen, zeigte das Autokino in meiner Umgebung auch einen neuen Film. Als Krimi-Komödie angekündigt und mit Namen, wie Robert de Niro, Zach Braff, Morgan Freeman und Tommy Lee Jones war ich sofort angefixt. Wie ich den Film fand, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Quelle

Die Handlung

Das Produktionsstudio von Max Barber (Robert de Niro) und seinem Neffen Walter Creason (Zach Braff) läuft nicht sonderlich gut. Zumal Max Schulden bei Kredithai Reggie Fontaine (Morgan Freeman) hat. Doch nach einem Unfall an einem anderen Filmset kommt ihm eine Idee. Er will einen Film drehen, bei dem der Hauptdarsteller am ersten Drehtag bei einem Stunt stirbt und dann die Versicherungssumme abzukassieren. Doch Duke Montana (Tommy Lee Jones) ist widerstandsfähiger als gedacht.

Meine Meinung

The Comeback Trail wurde bereits 1982 gedreht. Im vergangenen Jahr inszenierte Geroge Gallo ein Remake. Im Zuge der geschlossenen Kinos durch Corona, startet er jetzt auch bei uns unter dem Namen Kings of Hollywood.
Zunächst braucht der Film eine ganze Weile ehe er in Fahrt kommt. Zwar sind die Dialoge zwischen Max und Walter ziemlich auf den Punkt und bergen eine ganze Menge Komik, doch so richtig weiß man nicht, worauf die Handlung hinaus will. Der Film ist schon zu einem Drittel vorbei, als das erste Mal die Idee auftaucht, einen Film zu produzieren, bei dem der Hauptdarsteller drauf geht. Als Einleitung vielleicht etwas zu lang, auch wenn alles gegeben wird, das zu überspielen. Sobald man den Punkt überwunden hat, macht der Film einfach nur noch Spaß. Die Unfallversuche Max Barbers sind schon wunderbar lustig, aber wie sie dann immer wieder schief gehen, ist so pointiert, dass man aus dem Lachen kaum noch rauskommt. Die Auflösung am Ende ist dann fast ein wenig vorhersehbar, funktioniert aber im großen und ganzen gut und führt den Film zu einem runden Ende.
Dass der Film in seiner Kürze, mit einer Laufzeit von 105 Minuten, so gut funktioniert, liegt vor allem daran, dass die Dialoge unglaublich gut auf den Punkt gebracht sind. Hier ist kein Wort zu viel, auch wenn man in der Argumentationsgeschwindigkeit von de Niro und Braff erst mal mitkommen muss.
Schauspielerisch wurde hier auf altbekannte Darsteller zurückgegriffen, die in der Kombination wunderbar funktionieren. Dabei sind alle Schauspielleistungen sehr souverän, gehen darüber aber auch nicht hinaus. Leider ist es gerade Zach Braff der hier am unscheinbarsten spielt, was aber auch mit an der Anlegung seiner Rolle liegt.
Letztlich ist Kings of Hollywood ein schöner Film für einen Sonntag Nachmittag. Er verbreitet Spaß und gute Laune, aber für mehr als die nette Unterhaltung reicht es eben nicht.

Das  Fazit

Kings of Hollywood ist eine wunderbar kurzweilige Unterhaltung, die trotz einer etwas langen Einleitung gut funktioniert und mit gut pointierten Dialogen den Lachnerv trifft. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Kings of Hollywood läuft seit dem 24.06.2021 in den (geöffneten) deutschen Kinos.

Elektra

Ein Vorwort

Ich habe hin- und her überlegt, ob ich den Titel so lassen soll, liegt doch die Befürchtung nahe, dass es mit dem gleichnamigen Film verwechselt wird. Aber es fasst die Dilogie von Christian Handel am besten zusammen. Denn um genau die geht es heute, nachdem schon Band 1 sich zu einem potentiellen Jahreshighlight gemausert hat und ich Band 2 jetzt ebenso verschlungen habe.

Becoming Elektra

Die Handlung: Isabell und ihre Schwester Kelsi leben in einem Internat abgeschottet von der Welt. Denn sie sind die Klone von Elektra Hamilton, Tochter des Begründers des Klonprogramms, und nur dafür da als Organspenderinnen zu dienen, sollte Elektra etwas benötigen. Als Isabell zur Direktorin gerufen wird, rechnet sie nicht damit, Elektras Leben komplett übernehmen zu sollen. Doch Elektra ist tot und ihre Familie braucht ihren Klon, damit sie Philip von Halmen heiratet, der ein wichtiges Bündnis mit seiner Familie mit sich bringt.

Meine Meinung: Zunächst war ich bei der Geschichte noch etwas skeptisch, hab mir das Buch aber zugelegt, da mir Rowan & Ash im letzten Jahr so gut gefallen hat. Christian Handels Schreibstil zog mich schnell in seinen Bann und mit Isabell wurde eine gute Protagonistin gefunden. Man leidet von Anfang an mit ihr mit. Innerhalb kürzester Zeit erfährt man, wie die Zukunft mit dem Klonprogramm gestaltet ist und findet sich gut in der Welt wieder. Sobald Isabell Elektras Platz einnimmt, scheint die Geschichte ein bisschen zu stocken, doch gibt es immer wieder neue Wendungen und Aspekte, dass die Handlung konsequent voran getrieben wird und auf das Finale hinsteuert. Die Auflösung des ganzen überrascht einen völlig, hat man doch viele Verdächtige zwischendurch gehabt. Doch damit habe ich zumindest nicht gerechnet. Das sich Becoming Elektra ziemlich schnell zu einem potentiellen Jahreshighlight gemausert hat, liegt neben dem tollen Schreibstil, vorallem auch an den Charakteren. Hier sind es neben Isabelle auch einige Nebencharaktere, die einem schnell ans Herz wachsen und die Geschichte zu etwas ganz besonderem machen.

Der zweite Band basiert auf Epilog II des ersten Bandes. Man könnte ihn also als Spoiler zu Band 1 bezeichnen. Weiterlesen auf eigene Verantwortung.

I am Elektra

Die Handlung: Elektra Hamiltons Körper ist tot, doch ihr Vater konnte ihre Bewusstsein retten. Im Sommerhaus der Hamiltons hat er es in den Körper des vermeintlich toten Klons Kelsie eingesetzt. Nun muss Elektra damit zurecht kommen, ihren Körper verloren zu haben, aber auch ihr Leben an den anderen Klon Isabell.

Meine Meinung: Eigentlich war Becoming Elektra ein Einzelband. Autor Christian Handel hat das auch immer wieder betont, auch wenn er sich mit Epilog zwei in Band 1 ein deutliches Hintertürchen offen gelassen hat. Auf genau das greift er nun in Band zwei zurück. Ich habe lange überlegt, ob ich den zweiten Band auch lesen sollte, oder ob er mir den ersten Teil kaputt machen könnte. Schließlich habe ich ihn doch gelesen und kann alle beruhigen: Christian Handel schafft es geschickt zunächst ein völlig neues Szenario zu schaffen, um dann den Bogen zurück zu Band eins zu schlagen. Gerade der Anfang könnte von der Handlung her etwas schleppend sein und sich ziehen, aber Herr Handel schafft es dies durch seinen wunderbaren Schreibstil auszugleichen und unglaublich gefühlvoll Elektra Hamiltons Zwiespalt darzustellen. Nach ca ein Drittel des Buches wird es auch schon wieder unglaublich spannend, was bis zum großen Finale nicht nachlässt. Hier fällt es schwer, dass Buch überhaupt noch zur Seite zu legen, da man unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Nicht nur ein würdiger Nachfolger von Band 1, sondern ein ebenbürdiger Band, so dass die Reihe ingesamt gute Chancen auf ein Jahreshighlight hat.

Das Fazit

Becoming Elektra und die Fortsetzung I am Elektra sind zwei spannende und unglaublich gut geschriebene Bücher mit einem Setting in der nicht allzu entfernten Zukunft. Große Leseempfehlung an dieser Stelle!

Schitt’s Creek – Staffel 2

Ein Vorwort

Neulich stellte ich euch schon die erste Staffel von Schitt’s Creek vor (Mehr Infos hier). Während sie mich nicht gänzlich überzeugen konnte, wollte ich dennoch der zweiten eine Chance geben, in der Hoffnung, dass sich die Charaktere eingespielt haben. Wie das funktioniert hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Nachdem Familie Rose die Stadt doch nicht verkaufen konnte, sitzen sie weiterhin mittellos in einem schäbigen Motel in Schitt’s Creek fest. Also versuchen sie sich das Leben ein bisschen angenehmer zu machen und sich mehr am Leben in der Kleinstadt zu gewöhnen.

Meine Meinung

Die zweite Staffel beginnt genau dort, wo die erste Staffel geendet hat. Damit ist der Einstieg sehr leicht, zumal die erste Folge der zweiten Staffel mit Abstand die bis dahin witzigste Folge ist. Danach geht es in der üblichen Manier weiter. Die Themen wechseln nur wenig, auch wenn sich die Serie merklich weiterentwickelt hat. Es geht nicht mehr in jeder Folge um einen möglichen Verkauf der Stadt, sondern eher um ehrliche Versuche von Familie Rose sich in das Stadtleben einzubringen. So versuchen die Kinder David und Alexis sich an den ersten Jobs in ihrem Leben und die Eltern überlegen für den Stadtrat zu kandidieren. Durch diese Weiterentwicklung sind die Folgen wesentlich spannender.
Grundsätzlich hat die Serie jedoch noch immer die gleichen Probleme. Die Folgen enden gerne an einer Stelle, wo man glaubt, dass sie gerade in Fahrt gekommen wären und man mehr sehen möchte. Dafür gibt es an anderer Stelle viel zu oft Wiederholungen. Hinzu kommen die weiterhin übertriebenen Darstellungen einzelner Charaktere. Dabei sind es leider hauptsächlich die weiblichen Figuren, die so überzeichnet sind, dass sie fast nervig sind. Vor allem Tochter Alexis, die einfach ein Ticken zu doof ist und Mutter Moira, die ein bisschen zu exzentrisch ist. Die anderen Darstellungen sind dafür zurückgenommener und funktionieren dadurch wesentlich besser. Vor allem Sohn David wird langsam sympathisch, weil man ihn langsam besser versteht. Vater Johnny ist so ein Charakter, der mal besser funktioniert und mal übertrieben wirkt. Aber im großen und ganzen kommen einem die Charaktere näher und man fühlt mehr mit ihnen mit.
Interessanterweise ist es gerade die Auftaktfolge und die Finalfolge, die wirklich großartiges versprechen. Wenn sich die Serie an diesem Niveau orientiert hätte, wäre auch das Gesamtbild runder. Allerdings lässt gerade das Finale auch auf eine positivere dritte Staffel hoffen. Es bleibt also spannend in Schitt’s Creek.

Das Fazit

Die zweite Staffel von Schitt’s Creek hat sich noch nicht gänzlich von ihrem Anfangskrankheiten befreit, funktioniert aber schon besser als Staffel eins und lässt für die kommenden Staffeln mehr erhoffen.

Schitt’s Creek Staffel 2 wurde mir von Glücksstern-PR als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

The Secret Book Club

Ein Vorwort

Nur Frauen lesen Liebesromane? Wer das glaubt, dem wird mit dieser Reihe das Gegenteil bewiesen! Nachdem ich die Reihe in den sozialen Medien immer wieder empfohlen bekommen habe, musste ich doch mal schauen, was dahinter steckt und kann nur sagen: Sie hat sich schnell zu einer Highlightreihe entwickelt. Warum, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die übergeordnete Handlung

Der „Secret Book Club“ gegründet von Brandon Mack ist eine Gruppe von Männern, die alle Probleme mit Beziehungen hatten. Bis sie sich mit Liebesromanen auseinander gesetzt haben, um ihre Frauen besser zu verstehen, aber auch um bessere Ehemänner und Partner zu werden. Dies sind ihre Geschichten.

Band 1: Ein fast perfekter Liebesroman

Die Handlung: Profisportler Gavin Scott hat ein Problem. Seine Frau Thea will die Scheidung, was er unbedingt verhindern will, zumal er der Ansicht ist, dass sie sich eigentlich bei ihm entschuldigen müsste. In seiner Verzweiflung wendet er sich an einen Freund, der ihn kurzerhand dem Secret Book Club vorstellt. Gavin ist skeptisch, doch für jeden Versuch dankbar.

Meine Meinung: Der Auftakt zur Reihe war auch gleichzeitig mein Highlight. Zum einen war es schon einmal ein ganz anderer Ansatz als bei anderen New Adult Romanen. Denn hier geht es nicht darum, dass sich zwei Fremde kennenlernen und dann die Liebe ins Spiel kommt und sie sich am Ende (hoffentlich) kriegen. Wir beginnen hier praktisch am Ende der Beziehung. An dem Punkt, wo sich Thea scheiden lassen will, weil sie die Beziehung nicht mehr erträgt und Gavin am Boden zerstört ist. Diesmal geht es also nicht darum, zusammenzukommen, sondern die Beziehung zu retten. Und das bedeutet aufzuräumen mit allem, was in den Jahren zuvor schief lief. Was einen gestört hat, aber auch sich selbst reflektieren. Das funktioniert hier wunderbar, weil beide lernen müssen und an sich arbeiten müssen. Als Zusatz hat man hier den Buchclub und Auszüge aus der vom Club empfohlenen Lektüre. Vor allem die Selbstgespräche zwischen Gavin und den Protagonisten des Buches sind sehr witzig und lockern die Atmosphäre gut auf. Im Prinzip ist das Buch ein Lobgesang auf die Liebe und den Kampf für den Erhalt, auch wenn man mal in einer Krise steckt. Dabei sind es aber auch keine kleinen Alltagskrisen, sondern schon große, die das Zusammenleben belasten können. Hinzu kommt, dass Gavin und Thea beide sehr sympathische Charaktere sind und man beide Seiten versteht und doch hofft, dass es einen Weg gibt.

Teil 2: Die Liebesroman-Mission

Die Handlung: Braden Mack ist erfolgreicher Geschäftsmann und Gründer des Secret Book Club. Während er schon einige Ehen seiner Freunde gerettet hat, ist er weiter Single. Bis Liv in sein Leben tritt, die Schwester von Thea Scott (bekannt aus Band 1). Diese hat soeben ihren Job verloren, weil sie ihren Chef dabei erwischt hat, wie er eine Kollegin sexuell belästigt hat. Mack will ihr helfen, dabei müssen sich beide ihren Dämonen der Vergangenheit stellen.

Meine Meinung: Braden Mack war für mich bereits im ersten Band ein spannender Nebencharakter, auf den ich neugierig war und mehr erfahren wollte. Liv war leider eher ein unsympathischer Nebencharakter. Dennoch hat die Autorin es hier gut geschafft die Wendung zu schaffen und Liv greifbarer zu machen mit ihrer ruppigen Art. Auch hier wechseln die Sichtweisen wieder, so dass wir den Leidensweg beider Charaktere verstehen und mit ihnen wachsen. Diesmal kommt als übergeordnetes Thema sexuelle Belästigung hinzu, womit sich die Autorin auf gefährliches Terrain gibt. Doch sie schafft es den schmalen Grad zwischen „Es darf kein Tabuthema sein“ und Respekt vor Betroffenen zu halten. Auch weil sie mehrere Sichtweisen einbaut und auch mehrere Wege damit umzugehen, stellt sie nicht einen Weg als den richtigen hin, sondern geht auf die Thematik ein. Natürlich gibt es auch hier wieder die Anspielungen auf die Liebesromane, aber diesmal wird aus keinem zitiert, was ein bisschen schade ist. So ist es immer noch ein tolles Buch und sehr stark geschrieben, hat aber nicht so ein Alleinstellungsmerkmal wie Band 1.

Teil 3: Liebesromane zum Frühstück

Die Handlung: Noah und Alexis sind beste Freundin. Aus Respekt vor ihrer Vergangenheit ist er da für sie. Dennoch hat er sich in sie verliebt, hat aber Angst die Freundschaft aufs Spiel zu setzen. Doch dann gibt es einen Kuss, der alles ändern könnte.

Meine Meinung: Der Abschluss der Reihe kommt wieder mit zwei Charakteren daher, die wir vor allem im zweiten Teil schon kennengelernt haben. Waren sie dort noch eher Randfiguren, bekommen wir jetzt Hintergründe und sie dürfen ihre Geschichte erzählen. Dabei ist es der Autorin auch im dritten Teil wieder gelungen eine völlig neue Konstellation zu schaffen. Nach der Rettung der Ehe, dem „Enemy to lover“-Prinzip, kommt jetzt die Freundschaft, die nicht aufs Spiel gesetzt werden soll. So ähneln sich zwar alle Teile der Reihe im Grundgedanken und unterscheiden sich doch von der Herangehensweise. Wie bereits im zweiten Band nimmt auch hier das zur Hilfe herangezogene Buch für Noah relativ wenig Platz. Es gibt zwar wieder einzelne Ausschnitte, aber es wird nur am Rande drauf eingegangen. Hinzu kommt diesmal vorrangig das Thema Familie und Verantwortung, gerade mit Vaterfiguren und wie uns die Erfahrung in der Beziehung beeinflussen kann. Dabei gab es wieder verschiedene Beispiele, wie es sein kann, aber auch genug Freiraum für „Wenn du es anders erlebt hast, dann ist das in Ordnung. Wenn du anders reagiert hättest, dann ist das in Ordnung“. Grundsätzlich also ein schöner Abschluss einer tollen Reihe, auch wenn er nicht an den ersten Teil herankommt.

Das Fazit

The Secret Book Club ist eine tolle Reihe mit verschiedenen Charakteren und verschiedenen Problemen, die von einer Richtung beleuchtet werden, die aber immer Spielraum lassen, dass man es selbst anders empfindet oder anders an die Sache rangegangen wäre. Für die ganze Reihe und für den ersten Band besonderns gibt es von mir eine große Leseempfehlung!

Der Joker

Ein Vorwort

Was sind eure absoluten Herzensbücher? Bücher, die ihr liebt, die ihr immer wieder lesen könnt, die euch nie langweilig werden? Ich habe ca. eine Handvoll dieser Herzensbücher. Voraussetzung ist, dass ich sie mehrfach gelesen habe und immer noch liebe. Daher fallen alle Bücher, die ich gerade in den letzten 1-2 Jahren gelesen und geliebt habe, meist raus, weil einfach die Zeit fehlt, sie noch einmal zu lesen. Und dann gibt es die Bücher, für die einfach immer Zeit ist. Eins davon ist der Joker von Markus Zusak. Und weil ich es gerade mal wieder gelesen habe, wird Zeit euch das Buch auch einmal vorzustellen.

Die Handlung

Eds Leben ist absolut durchschnittlich. Bis er einen Bankräuber aufhält. Kurz darauf findet er das Karo-Ass mit drei Adressen in seinem Briefkasten. Ihm stehen einige Prüfungen bevor, die sein Leben ganz schön durcheinander wirbeln.

Meine Meinung

Wie es manchmal im Leben ist, habe ich das Buch durch einen absoluten Zufall gekauft. Ich kam wegen anderer Bücher, die Buchhändlerin sah das und reichte mir das Buch, nach dem Motto „Das wird Ihnen auch gefallen“. Was soll ich sagen? Sie hatte Recht. Das es sich zu einem meiner absoluten Herzensbücher wandeln würde, konnte ich dennoch nicht vorhersehen.
Die Geschichte wirft einen zunächst mitten rein in den Banküberfall. Hier lernen wir Ed Kennedy und seine Freunde Marv, Ritchie und Audrey kennen und eben auch die Dynamik zwischen den Freunden. Dann wird zunächst wieder die Bremse gezogen. Wir lernen Ed und seinen Lebenstil etwas genauer kennen, seine Probleme und Konflikte. Bis das Karo-Ass auftaucht. Dann schafft Markus Zusak es zum einen die Geschichte stetig voranzutreiben und gleichzeitig ein gemächliches Tempo vorzulegen. Das spiegelt direkt Eds zögerlichen Aufschiebecharakter wieder, bleibt für den Leser aber gleichzeitig spannend, weil halt doch immer irgendetwas passiert.
Die einzelnen Aufgaben, die Ed durch das Karo-Ass abarbeiten muss, sind auf dem ersten Blick kaum durchschaubar und doch entfaltet sich hinten dran eine Metaebene, in die man sehr viel reininterpretieren kann, aber nicht muss. Man kann das Buch komplett durchanalysieren und findet überall versteckte Hinweise, aber man kann es auch einfach weglesen ohne darüber nachzudenken. Weil die Botschaften teilweise sehr offensichtlich sind und doch immer noch eine zusätzliche Interpretationsebene zulassen, wenn man sie denn möchte.
Der Schreibstil ist locker und leicht und auch die Dicke mit 444 Seiten ist überschaubar. Dennoch reicht es, um die Geschichte auch zu Ende zu erzählen. Alle Rätsel werden gelöst und die große Auflösung schafft es mich noch immer zu überraschen. Der Aufbau in fünf Abschnitte ist gut gewählt, um die thematischen Abgrenzungen sinnvoll zu zeigen. Die Kapitel sind nach Spielkarten aufgebaut und passen daher zum einen wunderbar zum Thema und man kann sich daran orientieren, wie weit man bei bestimmten Punkten ist.

Das Fazit

Der Joker hat eine berührende Geschichte, die sowohl spannend als auch gemächlich ist, die zwischen versteckten Andeutungen und offensichtlichen Erklärungen hin und her springt, so dass für jeden Liebhaber etwas dabei ist. Ich habe beim Lesen immer wieder Spaß, entdecke immer noch neue Details und kann mich einfach komplett in die Geschichte hineinversetzen. Eine große Empfehlung für jeden, der es gerne einmal lesen möchte.