Es gibt schon einige Verfilmungen über Musiker*innen und Bands. Dabei sind die Damen bisher eher vernachlässigt worden. Nun zieht Liesl Tommy nach und gibt niemandem geringeren als Aretha Franklin eine Bühne. Wir mir die Verfilmung des Lebens der „First Lady/Queen of Soul“ gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
1952 singt Aretha Franklin (Jennifer Hudson) noch auf den Samstagabendpartys ihres Vaters dem Baptistenprediger C. L. Franklin (Forest Whitaker). 1960 erschien ihre erste Popschallplatte. Der Film verfolgt ihren Aufstieg und ihre Dämonen bis ins Jahr 1972.
Meine Meinung
Filmische Biographien über Musiker*innen und Bands hat es in den letzten Jahren wieder vermehrt gegeben. Beflügelt von Erfolgen, wie Bohemian Rhapsody oder auch Rocketman wurden gleich mehrere zusätzliche angekündigt. Dabei haben die beiden Filme schon einen sehr unterschiedlichen Weg eingeschlagen und beide auf ihre Art und Weise gut funktioniert. Liesl Thommy schlägt hier den eher konservativen Weg ein und erzählt chronologisch die wichtigsten Ereignisse in Franklins Karriere. Dabei beginnt sie in der Kindheit, die prägend für Franklins weiteren Weg ist. Der Familienzusammenhalt, der herrscht, aber auch gleichzeitig ihr herrischer Vater, der alles für sie bestimmt. Anstatt hier die prägenden Ereignisse in Rückblenden zu packen, wenn sie später als Erwachsene von ihren „Dämonen“ heimgesucht wird, um sie im Kontext zu zeigen, bleibt es hier bei der chronologischen Aufzählung. So bekommt man zwar ein Gefühl, warum Franklin in bestimmten Situationen reagiert, wie sie reagiert, aber es entsteht keine richtige Dynamik im Film. Gleichzeitig entsteht so auch eine gewisse Distanz zum Film und den Charakteren. Irgendwo kann ich Arethas Handlungen und Verhaltensweisen nachvollziehen, weil ich gezeigt bekomme, was sie alles durchmachen musste, andererseits aber auch nicht, weil keine Sympathie oder Berührungspunkte entstehen. Das ist sehr schade, denn diese Frau hat einiges durchgemacht. Durch gelegentliche Jahreszahleneinblendungen kann man sich grob orientieren, wie weit die Geschichte fortgeschritten ist, dennoch gibt es zwischenzeitlich immer wieder Zeitsprünge, die man eher aus dem Kontext begreift, als aus dem Gezeigten. Das ist ein wenig verwirrend und erhöht nur die Distanz zu dem Film. Trotz der schwierigen Erzählstruktur und einer Lauflänge von 145 Minuten, die durch die mangelnde Nähe eben auch an Spannung einbüßt, funktioniert Respect im Ganzen gesehen dennoch relativ gut. Das liegt vor allem an Jennifer Hudson und ihrer guten Porträtierung Arethas. Die Liebe zur Musik ist in allen Poren spürbar. Teilweise werden ganze Szenen genutzt, um die Entstehung eines Songs zu zeigen. Also keine Montageszene, sondern wirklich der Prozess. Auch die anderen Darsteller*innen machen ihren Job gut. Leider reicht das nicht, um die Distanz zu überbrücken.
Das Fazit
Respect ist ein interessanter Film über das Leben einer beeindruckenden Frau. Trotz gutem Schauspiel und der beeindruckenden Stimme von Jennifer Hudson schafft der Film es nicht die Distanz zu den Zuschauenden zu überbrücken. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.
Regisseur Roland Emmerich dürfte einigen ein Begriff sein, hat er zeitlose Klassiker, wie Independence Day auf die Kinoleinwand gebracht und sich einen Namen als Katastrophen-Regisseur gemacht – also dem Genre. Doch für seine neue Idee wollte ihm kein großes Studio Geld geben, weswegen er sich von einigen Leuten eine Menge Geld lieh, um Moonfall dennoch zu realisieren. Warum das leider gar nicht funktioniert hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
Jahre nachdem Astronaut Brian Harper (Patrick Wilson) durch ein mysteriöses Erlebnis im All aus der NASA ausstieg, löst etwas den Mond aus seiner Umlaufbahn. Während der Verschwörungstheoretiker K.C. Houseman (John Bradley-West) dies zuerst entdeckt und sich Harper anvertraut, bekommt auch die NASA rund um Harpers ehemaliger Kollegin Jocinda Fowler (Halle Berry) davon Wind. Nun versuchen sie in einer verzweifelten Mission den Grund herauszufinden, da der Mond so innerhalb von drei Wochen auf die Erde zu fallen droht. Diese scheitert und so sucht Fowler Hilfe bei Harper. Eine finale Mission beginnt.
Meine Meinung
Es gibt Namen für Regisseur*innen, bei denen weiß man, dass die Filme nichts werden. Dann gibt es die, deren Filme stets irgendwie okay sind oder bei denen man mal einen großartigen Film und mal einen Reinfall bekommt. Und dann gibt es die Regisseure, die immer abliefern. Bei denen man weiß, was man bekommt und wenn man sich mit der Handschrift anfreunden kann, so bekommt man viele schöne Filmstunden. Bisher war Roland Emmerich eher in der letzten Kategorie zu finden. Doch mit Moonfall zeigt er, dass sein Schema nicht grundsätzlich funktioniert, sondern, dass er es bisher gut umgesetzt hatte. Denn in Moonfall will einfach nichts wirklich funktionieren. Das beginnt bereits am Anfang als ein Szenario im Weltraum geschaffen wurde, nur um aus den Geschehnissen die tragische Hintergrundgeschichte des Protagonisten zu machen. Jahre später ist er der übliche gescheiterte Held. Geschieden, sein Sohn spricht nicht mehr mit ihm, ständig Pleite und hält trotzdem an seinen glorreichen Zeiten fest. Patrick Wilson spielt den Charakter genauso langweilig, wie sich die Charakterisierung anhört. Jede Szene wird stoisch abgespielt, ohne eine Möglichkeit Nähe oder ihn an Bezugsperson aufzubauen. Seine Kollegin Jocinda Fowler hat es natürlich auch nicht unbedingt besser getroffen. Im Schatten ihres inkompetenten Vorgesetzten, ist sie ebenfalls geschieden und unglücklich mit ihrer Situation. Dann bricht der Mond auch schon aus seiner Umlaufbahn. Fowler wird natürlich mit der Situation betraut, da ihr Vorgesetzter einfach abhaut und sie mit der Verantwortung zurücklässt. Im Schnelldurchlauf muss sie hinter eine große Verschwörung der NASA kommen, für circa drei Sätze wurde ein Donald Sutherland engagiert, der aber auch nichts zu tun bekommt. Stattdessen haben wir K.C. Houseman, ein Verschwörungstheoretiker, der aus irgendeinem Grund als erstes von der Abweichung des Mondes wusste. Dennoch darf er die ganze Zeit rumlaufen und seine Theorien verkünden, wird von Harper zwar müde belächelt, aber darf immer weiter mitkommen, bis er sogar mit zur finalen Rettungsmission aufbricht. Wir haben noch nicht einmal die Hälfte des Films geschafft und haben eigentlich schon alles drin gehabt. Die Verschwörung, das Katastrophenszenario, die tragische Hintergrundgeschichte unseres Protagonisten, der jetzt natürlich wieder zurückgeholt wird. Kurzum Moonfall haut einem einfach alles um die Ohren was geht, vergisst dabei aber, auch nur ansatzweise ein Stück Logik in die Handlung zu bringen, stattdessen vollgepackt mit vermeintlichem Heldentum. Und falls irgendjemand im Zuschauerraum zu diesem Zeitpunkt noch nicht völlig auf Durchzug geschaltet hat, so bietet die zweite Hälfte jede Menge Grund dazu – aus Spoilergründen gehe ich hierauf nicht näher ein. Hatte man bei der Grundidee darauf gehofft ein gut durchdachtes und strukturiertes Gedankenexperiment zu bekommen, was passiert, wenn der Mond nicht mehr an seiner Stelle wäre, mit dem Einfluss auf die Gezeiten und ähnlichem, so wird man auf voller Linie enttäuscht. Gleichzeitig sind die Charaktere absolut platt und austauschbar, was wohl auch die Schauspieler*innen gemerkt haben, die so platt spielen, wie ihre Charaktere. Spannung kommt absolut nicht auf, da einem die Handlung und die Charaktere komplett egal sind. Die Effekte wirken allesamt wie aus anderen Filmen zusammengeklaut und bieten keinerlei Mehrwert.
Das Fazit
Moonfall ist ein Film, bei dem einfach nichts passt. Unlogische vor schlechten Klischees tropfende Handlung trifft auf platte Charaktere, unmotivierte Schauspieler*innen und schlechte Effekte. Es hatte schon Gründe, warum kein großes Studio den Film finanzieren wollte. Dafür gibt es 02 von 10 möglichen Punkten.
Moonfall läuft seit dem 10.02.2022 in den deutschen Kinos
2017 wagte sich Kenneth Branagh an den berühmten Stoff auf der Feder von Agatha Christie und brachte uns eine wunderbare Neuverfilmung von Mord im Orient-Express. Im Gepäck hatte er die Creme de la Creme aus Hollywood. Bereits 2018 gab es dann Dreharbeiten zur Fortsetzung „Tod auf dem Nil“. Mehrere Faktoren unter anderem natürlich die Pandemie, sorgten dafür, dass der Film immer wieder verschoben wurde. Nun durfte er endlich auf der großen Leinwand einziehen. Konnte Branagh als Regisseur und Hauptdarsteller ein weiteres Mal überzeugen? Das erzählte ich euch in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
Frisch verheiratet verbringen Linnet Ridgeway-Doyle (Gal Gadot) und Simon Doyle (Armie Hammer) ihre Flitterwochen in Ägypten. Mit dabei sind Familie, Freunde und Bekannte, die das reiche Paar eingeladen hat. Durch Zufall ist auch Hercule Poirot (Kenneth Branagh) mit dabei. Da die eifersüchtige Ex-Freundin Simons Jacqueline de Bellefort (Emma Mackey) sie auf Schritt und Tritt verfolgt, flüchten sie schließlich an Bord eines Nilschiffes. Doch nach einigen merkwürdigen Begebenheiten kommt es zu einem Mord. Ein neuer Fall für Hercule Poirot.
Meine Meinung
Ich bin ein großer Fan von der Poirot-Reihe Agatha Christies, habe es aber noch nicht geschafft die beiden wohl bekanntesten Fälle Mord im Orient Express und Tod auf dem Nil zu lesen. So wa ich jeweils auf die Verfilmungen gespannt und wusste vorher tatsächlich auch noch nicht, wer der*die Mörder*in war. Bereits der Trailer von Tod auf dem Nil konnte mich wieder vollständig mitreißen, wollte ich meine Erwartungen dennoch nicht zu hoch schrauben, da mir diese bei Mord im Orient-Express zum Verhängnis wurden. Als der Film mitten im ersten Weltkrieg begann, dachte ich mir kurzzeitig im falschen Film, passte die Einordnung doch zeitlich nicht. Schnell wurde ich aufgeklärt, dass es sich um die Vorgeschichte Poirots handelt, um einige Äußerungen und Entscheidungen später besser nachvollziehen zu können. Ein Zeitsprung später lernen wir die ersten Charaktere kennen und bekommen praktisch noch einmal eine Art Vorgeschichte. Einen weiteren – wenn auch wesentlich kleineren – Zeitsprung später sind wir dann in Ägypten angekommen. Bis wir das Schiff erreichen, dauert es zwar immer noch etwas, aber hier erfolgt dann die Charaktervorstellung. Diesmal bleibt auch erstaunlich lange offen, wer denn überhaupt ermordet wird. Das whodunnit setzt sehr spät ein und geht auch nicht über ein paar Gespräche hinaus. Das macht in diesem Fall aber auch gar nicht, weil allein die Charakterentwicklung vorab interessant ist und die Spannung hoch hält. Ständig hat man jemand Neues im Verdacht, um doch wieder auf eine neue Spur gebracht zu werden. Zwar hat sich letztlich mein Verdacht bestätigt – eventuell bin ich da ein bisschen stolz drauf, ich bin sonst echt schlecht im Mörder*innen erraten – aber das Wie war für mich wieder einmal absolut überraschend. Schauspielerisch waren auch diesmal wieder einige bekannte Namen aus Hollywood dabei. Und dabei werden alle ihrem Ruf gerecht und liefern ab. Im großen und ganzen also wieder ein Film, der hält, was der Trailer verspricht und dabei besonders mit tollen Bildern verzaubert. Und auch wenn es hier um einen Mordfall ging, hat mir der Film einmal mehr Lust auf eine Nilkreuzfahrt gemacht.
Das Fazit
Tod auf dem Nil überzeugt trotz oder gerade wegem dem spätem whodunnit, mit gutem Schauspiel und eindrucksvollen Bildern. Branagh überzeugt einmal mehr als Poirot. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.
Tod auf dem Nil läuft seit dem 10.02.2022 in den deutschen Kinos
Fast pünktlich zum Valentinstag wurde es wieder Zeit für eine Romanze auf der großen Kinoleinwand. Das hat sich wohl auch Universal und haute mit Marry Me genau den richtigen Film dafür raus. Nachdem der Trailer bereits sehr vielversprechend aussah, zog es mich auch außerhalb des Tages für alle Pärchen ins Kino. Wie mir der Film gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
Die Popikone Kat Valdez (Jennifer Lopez) und ihr Freund Bastian (Maluma) wollen bei einem Liveevent heiraten. Passend dafür haben sie das Duett Marry Me herausgebracht. Doch als sie kurz vor ihrem Auftritt erfährt, dass Bastian sie mir ihrer Assistentin betrogen hat, beschließt sie kurzerhand den Mathelehrer Charlie Gilbert (Owen Wilson) aus dem Publikum zu heiraten. Dieser ist eigentlich gar kein Fan, sondern wollte seine Tochter (Chloe Coleman) beeindrucken, die sich seit der Scheidung immer weiter von ihm entfernte. Dennoch sagt er ja. Beide sind geschockt von ihrer spontanen Hochzeit und beschließen erst einmal herauszufinden, ob die Beziehung funktionieren kann.
Meine Meinung
Romantische Komödien können mich eigentlich nur abholen, wenn sie sich wirklich Mühe geben. Natürlich werden viele Klischees reproduziert, aber wenn sie darüber hinaus eine eigene Idee haben, gebe ich ihnen ja gerne eine Chance. Und die Idee hinter Marry Me hat mich überzeugt. Zwar waren die typischen zwei Welten treffen aufeinander Klischees absehbar, aber die Hochzeit an den Anfang zu setzen, hat gut funktioniert. Denn so lernen wir im Schnelldurchgang die beiden Protagonist*innen kennen, dann kommt es schon zum Liveevent, auf dem Charlie nur durch Zufall ist und auf dem Kat beschließt Bastian nicht zu heiraten. Erst im folgenden lernen wir beide genauer kennen, während sie selbst versuchen herauszufinden, ob die Ehe funktionieren kann. Dabei stellt sich heraus, dass der Film es schafft ganz nebenbei absolut herzliche Figuren, vor allem auch bei den Nebencharakteren zu schaffen. So sind gerade Charlies beste Freundin Parker und Kats Manager Collin diese Herzensmenschen, die einfach immer da sind, wenn man sie braucht und doch die Grenzen kennen. Das Motiv zieht sich auch durch den gesamten Film. Immer ein wenig Klischeehandlung gepaart mit den tollen Charakteren, die den ganzen Film einfach sehr herzlich machen. Vielleicht hätte man das ein oder andere Klischee auslassen können, aber im großen und ganzen ist die Handlung sehr rund. Vor allem auch, weil Charlie Gilbert ein sehr geerdeter Charakter ist und doch genug eigene Persönlichkeit besitzt, um nicht in dem neuen Medienrummel komplett unterzugehen. Weil es eben nicht darum geht Charlie in Kats Welt zu pressen, sondern eben auch sie wieder zurückzuholen. Unterstützt wird der Film von einem tollen Soundtrack. Mit den beiden absoluten Ohrwurmliedern Marry Me und On my way bietet der Film gleichzeitig Klischee-Pop, doch auch hier mit einer herzlichen und persönlichen Note, dass sie sich perfekt in den übrigen Film einschmiegt. Auch schauspielerisch hat Marry Me einiges zu bieten. Während Jennifer Lopez und Owen Wilson gleichzeitig absolut unterschiedlich wirken und doch eine wunderbare Chemie aufbauen, braucht sich der übrige Cast keinesfalls zu verstecken. Während Maluma in seiner Rolle eher blass bleibt, sind es auch hier Sarah Silverman, Chloe Coleman und John Bradley-West, die ihren Rollen das gewisse Etwas geben und mit ihrer Herzlichkeit überzeugen.
Das Fazit
Marry Me – Verheiratet auf den ersten Blick schafft es gleichzeitig die meisten Klischees des Genres zu bedienen und doch mit einer Herzlichkeit herauszustechen, dass er ein positives Beispiel des Genres ist. Musik, Charaktere, Handkung und Schauspiel passen hier einfach perfekt zusammen. Dafür gibtes 08 von 10 möglichen Punkten.
Marry Me läuft seit dem 10.02.2022 in den deutschen Kinos
Neben ihrem Dauerbrenner rund um die Minions versuchte Illuminations den Niedlichkeits- und Witzfaktor auch in anderen Filmen mit vielen Tieren einzubringen. Während Pets und das dazugehörige Sequel eher im Trailer als im Ganzen funktioniert hatte, war der erste Teil von Sing ein ganz netter Musikfilm rund um ein heruntergekommenes Theater, das es zu retten galt. Da das Einspielergebnis zufriedenstellend war, war es nur eine Frage der Zeit, bis es auch dazu ein Sequel gab. Das wir nun 6 Jahre warten mussten, dürfte wohl auch mit an der Pandemie liegen. Wie Sing – die Show Deines Lebens funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
Die Show „Alice im Wunderland“ im Moon-Theater ist fast jeden Abend ausgebucht. Nun erhofft sich Buster Moon von der Casterin Suki ausgesucht zu werden, um in Redshore City im Crystal Tower Theater aufzutreten. Doch diese erteilt dem Ensemble eine Absage. Als sich die Truppe dennoch in das Casting schleicht, sind es die abgedrehten Ideen von Gunther, die Musikmogul Jimmy Crystal überzeugen. Doch dafür muss Buster Moon die Rocklegende Clay Calloway auftreiben, der seit dem Tod seiner Frau komplett zurückgezogen lebt. Für das und für die komplett neue Show „Nicht von dieser Welt“ haben sie nur drei Wochen Zeit. Und einen Jimmy Crystal enttäuscht man besser nicht.
Meine Meinung
Nach dem ersten Trailer war ich eher abgeschreckt von dem Film. So richtig konnte ich mir unter der Handlung nichts vorstellen, außer, dass die Show in allen Bereichen größer und aufregender werden sollte, als die im ersten Teil. Zumal mir die große „Überraschung“ für das Finale bereits im Trailer weggenommen wurde. Doch dann häuften sich die sehr positiven Meinungen anderer Blogger*innen. 8-9 von 10 möglichen Punkten war keine Seltenheit. So beschloss ich dem Film doch eine Chance zu geben. Sing 2 beginnt mehr oder weniger dort, wo der erste endete. Im Moon-Theater wird mit den üblichen Verdächtigen aus dem ersten Teil eine Show aufgeführt. Doch die Träume sind nach dem Erfolg der Show größer geworden. Es soll nach Redshore City gehen, einer Las Vegas nachempfundenen Stadt. Mit viel Witz und mehr Glück als Verstand bekommt die Gruppe eine Möglichkeit eine sehr große Show auf die Beine zu stellen. Ab dort wird die Handlung etwas wirr und unzusammenhängend, da immer wieder neue Probleme auftauchen. Da diese aber nicht zu dem großen Endproblem passen, werden sie praktisch wie nebenbei aufgeklärt. Letztlich ist es vor allem eine Kritik an großen Musikmorgulen, die glauben mit ihrer Macht alles durchsetzen zu können. Während vorher noch gute Nebenhandlungen irgendwo zu erkennen waren, läuft es im großen Finale nur noch darauf hinaus. Das ist etwas schade, da mehr möglich gewesen wäre, aber dennoch bekommt der Film ein rundes und befriedigendes Ende. Am enttäuschendsten sind wohl die eher raren Musikeinlagen. Außer des Anfangs, dem obligatorischen Casting und nem großen Finale wird kaum gesungen, auch nur selten in Proben. Vielleicht habe ich es auch falsch in Erinnerung, aber ich würde sagen, im ersten Teil gab es da mehr. Ansonsten ist auch der zweite Teil von Sing ein farbenfrohes und an vielen Stellen sehr witziges Abenteuer, springt aber letztlich nicht über seinen Schatten und bietet zu viel Vorhersehbares. So ist es schön ihn gesehen zu haben, aber der Lobeshymne kann ich mich nicht ganz anschließen.
Das Fazit
Eine würdige Fortsetzung, die viel Witz einbringt. Leider eine zu vorhersehbare und teilweise sehr durcheinander erzählte Handlung mit zu wenig Musikeinlagen, um über die magische Grenze von Gut zu springen. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.
Sing 2 – Die Show Deines Lebens läuft seit dem 20.01.2022 in den deutschen Kinos
Ein weiterer Film, der schon oft weiterverschoben wurde, zuletzt im Dezember 2021 endlich anlaufen sollte, hat es jetzt endlich auf die Kinoleinwand geschafft. Zumal ich mich nach SMS für dich sehr auf einen neuen Film von und mit Karoline Herfurth gefreut habe. Ob meine hohen Erwartungen auch nicht enttäuscht wurden, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
Sonja (Karoline Herfurth) ist nach der Geburt ihres zweiten Kindes unzufrieden mit ihrem Leben und ihrem Körper. Ihr Mann Milan (Friedrich Mücke) versucht sie zu unterstützen, hat aber selbst gerade eine Beförderung angenommen und ist damit im Stress. Ihre beste Freundin Vicky (Nora Tschirner) hingegen glaubt nicht die große Liebe und Beziehungen, doch der neue Sportlehrer hat es ihr angetan. Julie (Emilia Schüle) will unbedingt an den Laufsteg, doch ihre Agentin ist der Ansicht, dass sie dafür zu dick und zu konventionell sei. Frauke (Martina Gedeck) hat sich auf die Rente ihres Mannes gefreut. Doch eigentlich ist sie nur gefrustet, weil er sie und ihre Wünsche zu ignorieren scheint. Ein Tangokurs soll Abhilfe schaffen. Dann ist da noch Leyla (Dilara Aylin Ziem), die durch ihr Gewicht in der Schule gemobbt wird. Ausgleich findet sie im Baseball.
Meine Meinung
Auch wenn SMS für dich nicht ganz ohne Klischees auskam und den ein oder anderen schrägen Charakter mit dabei hatte, ist er ein absoluter Herzensfilm von mir geworden. Daher war ich sehr gespannt auf Karoline Herfurths neuen Film. Mit gleich fünf Protagonistinnen schien er sich ziemlich viel vorgenommen zu haben. Doch der Film wirkt an keiner Stelle überladen. Mit kleineren Überschneidungen bei den Charakteren (Familie, Schule, Freunde), wird sinnvoll von einer zur nächsten geschwenkt, jede bekommt ausreichend Zeit, um die Geschichte zu erzählen und das in allen Facetten. So wirkt der Film zwar immer noch sehr episodenartig, aber das ist in diesem Fall gar nicht schlimm, zumal es keinen harten Cut zwischen den Geschichten gibt, sondern sie nebeneinander herfließen. Wunderschön ist wohl der ehrlichste und aus dem Leben gegriffendste Film der letzten Zeit. Hier wird der weibliche Körper nach zwei Schwangerschaften nicht beschönigt, vermeintliche Tabuthemen werden angesprochen und alles, womit Frauen zurecht kommen sollen. Die typischen Geschlechterrollen werden hinterfragt und dies stets sehr sachte und mit Denkansätzen, nie aber mit dem Vorschlaghammer, was sehr erfrischend ist. Durch die ehrliche Grundebene lassen sich Argumente viel besser einbauen. Aber auch abgesehen davon werden die Extreme der Magersucht durch den Traum vom Laufsteg und das Mobbing durch ein Gewicht über der gesellschaftlichen Norm sehr lebensnah angesprochen. Dabei geht es nicht darum die Modebranche an sich zu verteufeln, aber der Film zeigt deutlich die Schwierigkeiten die auftreten können und das Missverständnis, was nach außen getragen wird. Das Ganze wird wieder mit einer solchen Herzlichkeit verkörpert, dass man sich mittendrin statt nur dabei fühlt. Jede*r kann sich wohl in irgendeine Rolle einfühlen oder fühlt zumindest die eigenen Probleme etwas besser verstanden. Auch die Auflösung des Ganzen kommt nicht mit dem großen Paukenschlag und dann sind alle Probleme weggeräumt, sondern die Charaktere wachsen an ihren Problemen und beseitigen sie aus eigenem Antrieb. Schauspielerisch hat Herfurth hier wieder gut aufgetragen. Neben Nora Tschirner und Friedrich Mücke, mit denen sie schon in SMS für dich zusammengearbeitet hat, konnte sie diesmal Emilia Schüle und Martina Gedeck mit engagieren. Jede*r trägt seine*ihre Rolle mit Bravour und zeigt einmal mehr, was der deutsche Film abseits des Einheitsklamauks kann. Nämlich wunderschönes, trauriges, und doch starkes Drama.
Das Fazit
Wunderschön überzeugt in allen Bereichen durch Ehrlichkeit und dem unaufgeregtem Drama direkt aus dem Leben gegriffen. Er ist gleichzeitig schön, traurig und setzt starke Pointen. Bitte mehr von Filmen wie diesen. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.
Wunderschön läuft seit dem 03.02.2022 in den deutschen Kinos
Im letzten Jahr stellte ich euch die erste Staffel von Murdoch Mysteries vor. Die spannende Krimiserie aus Kanada, die im Toronto der 1890er Jahre spielt, hatte es mir gleich angetan. Als ich die Anfrage für die zweite Staffel bekam, schlug ich direkt zu. Wie diese mir gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
Detective William Murdoch (Yannik Bisson) arbeitet im 4. Polizeirevier von Toronto in den 1890er Jahren. Mit seinem unstillbaren Drang nach neuen Erkenntnissen ist er der Wissenschaft zeitweise voraus, was sein Vorgesetzter Inspector Thomas Brackenreid (Thomas Craig) eher kritisch beäugt. Unterstützt wird er von Pathologin Dr. Julia Ogden (Hélène Joy).
Meine Meinung
Der Einstieg in die zweite Staffel war schnell geschafft. Sie setzt relativ nahtlos an die erste an. Dadurch, dass es weiterhin eher um den Mordfall der Woche geht, braucht man auch nur wenig Vorwissen aus Staffel 1. Die Charaktere werden nicht nochmal vorgestellt, aber bekommen dafür nochmal neue Tiefe. Leitführend sind diesmal neben den einzelnen Mordfällen Brackenreids Alkoholproblem, aber vor allem die bereits in Staffel 1 angedeutete Liebesgeschichte zwischen Murdoch und Dr. Ogden. Oder auch nicht. Oder doch wieder. Da konnte sich die Handlung nicht so ganz entscheiden, was wohl auch der nervigste Aspekt der Staffel war. Neue Charaktere kommen dazu, ob nur für eine Folge oder für mehrere. Dennoch gibt es für die 13 Folgen der Staffel eine Menge Liebesdrama nebenher, was nur teilweise zum Ton der Serie passen will. Darüber hinaus bietet aber auch die zweite Staffel wieder spannende Fälle mit neuen Erfindungen (z.B. der Röntgen-Apparat) und alten und neuen Wegbegleiter*innen. Diesmal begegnet unser Ermittler*innenteam unter anderem Houdini. Aber auch „Übernatürliches“ ist diesmal mit dabei, so begegnen sie einem Werwolf, einem Riesen und ein Fall dreht sich sogar rund um Dinosaurierknochen. Wie schon in Staffel 1 macht auch hier wieder der Reiz die Mischung aus den typischen Crimelementen gepaart mit dem historischen Aspekt aus. Anstatt wie in anderen Crimeserien alle Beweise durch ein Massenspektrometer zu schicken und so auch noch den winzigsten Hinweis zu entdecken, sind es hier gerade die kreativen Methoden Murdochs, die seiner Zeit zwar stets voraus zu sein scheinen und doch für unsere Verhältnisse sehr primitiv wirken. So kommt Abwechslung in jede Folge, auch wenn die Mordfälle trotzdem immer ähnlich aufgebaut sind. Im großen und ganzen konnte mich auch die zweite Staffel wieder mitreißen, so dass ich sie in einem hintereinander weggeguckt habe. Lediglich das etwas zu große Liebesdrama zwischendrin war etwas nervig, aber auch das war gut auszuhalten.
Das Fazit
Murdoch Mysteries – Staffel 2 schafft wieder einen einzigartig guten Mix aus Krimi und Historie mit spannenden Fällen und schafft es die Charaktere weiter zu entwickeln. Für alle Krimi Fans, die mal einen anderen Ansatz suchen.
Murdoch Mysteries Staffel 2 wurde mir von Glücksstern-PR als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.
Neulich war wieder meine beste Freundin zu Besuch. Freudestrahlend erzählte sie mir von der Serie, die sie vor kurzem durchgebinged hatte. Ich nickte und bestätigte, dass sie echt cool klang und ich sie mir eventuell mal ansehen würde. Doch so leicht kam ich nicht davon. Ich wurde regelrecht vor den Fernseher gezehrt und mein müder Protest, dass ich nicht unbedingt scharf darauf war eine Serie auf koreanisch zu gucken (immerhin gab es deutsche Untertitel) wurde lautstark übertönt. Nach der ersten Folge dachte ich, okay, muss ich nicht unbedingt weitergucken, doch nach der zweiten war es um mich geschehen. Warum das so war, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
Dan-o (Kim Hye-yoon) stellt fest, dass ihr Leben Teil eines Comics ist. Doch statt wie vermutet ist sie nicht die Protagonistin, sondern nur die Nebendarstellerin. Sie ist verlobt mit Geyong/Kyung (Lee Jae-wook), der sie aber nicht leiden kann, und hat ein schwaches Herz. Hoffnung schöpft sie als die Nummer 13 in ihrer Klasse kennenlernt, der vom Autor nicht mal einen Namen bekam, daher nennt sie ihn Haru (Rowoon). Zusammen versuchen sie ihr Schicksal und den Willen des Autors zu brechen.
Meine Meinung
Während die erste Folge eine typische Einstiegsfolge war, gab es ab Folge zwei kein halten mehr für mich. Es wurde von Folge zu Folge immer spannender, es wurden neue Ebenen aufgemacht und man verflochte sich immer mehr mit dem Schicksal der Charaktere. Aber von Anfang an. In der ersten Folge lernen wir Dan-o kennen, die auf eine gehobene Akademie geht. Sie merkt, dass sie sich in einigen Situationen wie ferngesteuert verhält und in anderen nicht. Außerdem scheint sie von Szene zu Szene zu springen und hört dabei immer wieder ein seltsames Geräusch. Während der ersten Folge findet man mit ihr heraus, dass die ganze Welt nur ein Comic ist und lernt den Unterschied zwischen der Phase, also dem Teil der im Comic passiert, und dem Schatten, also der Zeit, wenn die Charaktere frei agieren können. Außerdem findet man heraus, dass Dan-o gar nicht die Protagonistin ist, sondern nur dazu dient, um die eigentlichen Protagonist*innen Nam-joo und Joo-da zusammen zu bringen. Dan-o muss lernen, mit dem Wissen umzugehen. Da sie mit einem schwachen Herzen ausgestattet ist und befürchtet, dass der Autor sie irgendwann sterben lässt, will sie ihr Schicksal ändern. Als sie auf die Nebenfigur ohne Namen trifft, die im Klassenbuch nur als Nummer 13 aufgeführt ist, schöpft sie Hoffnung. Extraordinary You ist eine Geschichte zwischen Romantik, Drama und mit dem besonderen Touch der Geschichte in einer Geschichte. Da nach und nach mehr Charaktere ihr Bewusstsein im Schatten entwickeln, gibt es immer wieder neue Ansätze in der Geschichte und es wird nie langweilig. Die Serie ist mit 16 Folgen mit einer durchschnittlichen Länge von einer Stunde abgeschlossen. Dabei wandelt sie sich währendessen immer wieder und bleibt doch der Haupthandlung treu, auch wenn die gegen Ende ein wenig in den Hintergrund tritt. Mir hat besonders der Weltenbau rund um die Comicwelt gefallen und wie alles irgendwie vorherbestimmt ist, auch wenn die Charaktere das nicht wollen und wie sie dennoch versuchen etwas zu ändern. Dabei ist die Serie in allem sehr herzlich und lädt ordentlich zum mitfiebern ein. Während ich normalerweise romantische Szenen sehr gelassen entgegen sehe, konnte ihr mir hier mehr als einmal ein aufgeregtes Quietschen nicht verkneifen. Ich hab mich da selbst nicht mehr wiedererkannt, aber es war einfach so zuckrig süß und toll und hach. Dabei aber auch nie übertrieben, sondern gerade so dezent, dass auch nicht Romantikfans diese Szenen gut sehen können. Die Variante die Serie auf koreanisch mit deutschem Untertitel zu sehen hat gut funktioniert, da die Betonungen gut rüberkamen. Dies war mein erstes K-Drama, aber es ist bestimmt nicht mein letztes!
Das Fazit
Extraordinary You hat nicht nur eine tolle Grundidee mit der Handlung innerhalb eines Comics, sondern auch vielschichtige Charaktere, eine spannende und wandelbare Handlung und vorallem ein rundes Ende. Große Liebe für diese Serie!
Ich bin immer für Frauen in Hauptrollen zu haben. Besonders freue ich mich, wenn sie Klischees aufbrechen und uns ihre starke Seite zeigen. Nachdem mich neulich Gunpowder Milkshake eher enttäuschte, gab ich nun dem nächsten Ensemble eine Chance.Wie mir The 355 gefiel, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.
Die Handlung
Bei einer Razzia in Kolumbien landet ein gefährliches Computermodul in den Händen eines Soldaten, der diese versucht bei einem Geheimdienst sicher unterzubringen. Den Auftrag bekommen Mace (Jessica Chastain) und Nick (Sebastian Stan) von der CIA. Doch sie scheitern und Nick wird getötet. Daraufhin tut sich Mace außerhalb der Regeln mit weiteren Agentinnen anderer Geheimdienste zusammen.
Meine Meinung
Den Grundgedanken das Action- und Agentengenre ein wenig aufzupolieren und mehr Rollen mit starken Frauen zu besetzen finde ich generell gut. Allerdings nicht, wenn die gleichen Klischees nur neu übertragen werden. Diese Hürde nimmt The 355 schon einmal und kreiert Rollen, die auch direkt auf die verschiedenen Frauen zugeschnitten wurden. Dennoch hat der Film deutliche Schwächen. Zum einen ist die Handlung sehr konstruiert. Ein Masterkey, der auf alle elektrischen System zugreifen kann und der Hersteller wird direkt am Anfang erschossen, so dass er nicht reproduziert werden kann? Was würde jeder vernünftige Mensch machen? Genau Masterkey zerstören! Der Film wäre nach fünf Minuten zu Ende gewesen. Stattdessen wird er mitgenommen und versucht an einen Geheimdienst zu verkaufen. So, dass er immer wieder zwischen den „Guten“ und den „Bösen“ hin und her geschoben werden kann. Teilweise lag er in Kampfszenen einfach auf den Boden und wurde von einer Ecke in die anderen gekickt. Das war ganz schön nervig und man wollte nur noch die Leinwand anschreien, damit das aufgehoben und endlich zerstört wird. Zum anderen sind auch die Motive der einzelnen Akteur*innen sehr flach. Mein Kollege und ganz kurzfristig jetzt auch mein Lover ist weg, da muss ich mich gleich mal durch die halbe Stadt schlagen. Ich bin die ITlerin der Gruppe und muss bei dem Wort Masterkey natürlich alle meine Prinzipien über Bord werfen. Ich muss meine Vaterfigur beeindrucken, nachdem ich sie enttäuscht habe. Ich bitte euch! Ein wenig Tiefe für die Figuren ist doch wohl nicht zu viel verlangt. Dazu muss man sagen, dass die eigentlichen Handlungen der Geheimdienste durchaus durchdacht sind und die meisten Kampfszenen gut choreographiert. Auch der Schlagabtausch zwischen den Agent*innen macht zwischenzeitlich durchaus Spaß. Aber diese guten Aspekte werden immer wieder überschattet von der billigen Handlung und den flachen Charakteren. Hätte man sich hierfür ein wenig mehr Mühe gegeben, könnte sich das Endergebnis durchaus sehen lassen.
Das Fazit
The 355 scheitert an grundlegenden Dingen, wie Handlung und Charaktere und überschattet so die sonst guten Aspekte, wie glaubhafte Geheimdienstarbeit, Schlagabtäusche und Kampfszenen. Einfach viel Potential verschenkt. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.
The 355 läuft seit dem 06.01.2022 in den deutschen Kinos
Herzlich Willkommen zur ersten Ausgabe der buchigen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: einem humorvollen Exozismus, einem Leben ohne Obdacht, seltsamen Dingen, der Formel für Weltfrieden und schmusigen Vierbeinern.
Spiritus Daemonis
Die Handlung: Teresa arbeitet in der Online-Beratung eines kleinen Esoterikladens. Dort versucht sich Vincent über einen Fake-Exorzismus zu informieren. Doch Teresa ahnt schlimmes und bleibt mit ihm in Kontakt. Denn der Fake-Exorzismus entpuppt sich als echter.
Meine Meinung: Eigentlich hatte ich auf der Buch Berlin mich bereits für Nafishur von Mary Cronos entschieden und gekauft. Bei der Auswahl hatte ich entschieden pro Autor*in maximal ein Buch zu kaufen. Zumal ein Buch in Chatform für mich eigentlich gar nicht in Frage kam, fand ich doch bisher alle Bücher in ähnlicher Manier total schrecklich. Aber bei dem Sonderangebot, der Anpreisung der Autorin und meiner unendlichen Neugier, konnte ich doch nicht widerstehen. Begleitend zum Buch gab es einen QR-Code, der mit zusätzlichem Material, wie Bildern, Tonaufnahmen, Videos und ähnlichem aufwartet und an bestimmten Stellen im Buch die Handlung noch zusätzlich unterstrich. Und bereits ab Seite 1 konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Es ist zwar Horror und handelt von einem Exorzismus, doch der humorvolle Schreibstil ließ mich immer wieder laut auflachen. Dennoch wird eine ganz besondere Atmosphäre geschaffen, so dass man hinterher – und ja es gibt nur die Möglichkeit dieses Buch in einem Rutsch durchzulesen – sich sowohl gegruselt hat und sich gleichzeitig absolut unterhalten fühlt.
Unter pinken Sternen
Die Handlung: Silke führt ihr Traumleben: Gewinnerin einer Design-Castingshow und Job bei einer angesehenen Designerin. Doch als ihre Eltern bei einem Autounfall sterben, bricht ihre Welt zusammen. Kurz darauf verliert sie auch ihren Job und ihr Dach über den Kopf. Sie wird eine Obdachtlose und muss sich schnell an die Gesetze der Straße anpassen.
Meine Meinung: Nach den schweren Themen in Unter gläsernen Fassaden und der gleichzeitig wunderbaren Verwebung der Märchenthemen war ich neugierig auf ein weiteres Buch von Sabrina Schuh und gleichzeitig zögerte ich. Auf der Buch Berlin ließ ich mich daher von der Autorin ausführlich über die möglichen Trigger aufklären. Auch in Unter pinken Sternen nimmt sich die Autorin wieder einem schweren Thema an, dass gerne – nicht nur in der Buchwelt – tot geschwiegen wird. Dabei hat ihr keine Internetrecherche geholfen, sondern sie ist vor Ort in die Unterkünfte und auf die Straße und hat mit Betroffenen gesprochen. Diese intensive Recherche merkt man auf jeder Seite. Und so unfassbar manche Stellen wirken, sind sie doch leider für viele Alltag. Mit der Protagonistin bin ich schnell warm geworden, auch wenn mir nicht alle ihre Handlungen einleuchteten. Durch den leichten Schreibstil habe ich gut ins buch gefunden, lediglich in der Mitte gab es ein paar Längen, die aber auch der Situation geschuldet waren. Dennoch blieb es bis zum Ende spannend, ob und wie die Protagonistin wieder aus der Obdachlosigkeit herauskommt. Dabei gibt es nicht nur einen Denkanstoß für jeden von uns, die urteilen und sich ihre eigene Meinung gebildet haben. Daher auf jeden Fall eine Leseempfehlung.
Layla
Die Handlung: Leeds lernt Layla auf einer Hochzeit kennen und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Doch seine eifersüchtige Ex-Freundin versucht Layla zu erschießen. Um sich von den Erlebnissen zu erholen, reist er mit ihr an den Ort, wo sie sich kennengelernt haben. Doch dort gehen seltsame Dinge vor sich.
Meine Meinung: Ich liebe die Bücher von Collen Hoover. Bisher waren nur ganz wenige dabei, die mich nicht so richtig begeistern konnten. Wirklich enttäuschend fand ich bisher nur Weil wir uns lieben, da es als dritter Teil eigentlich nur die anderen beiden Bände wiederholte. Nach Verity habe ich mich auch damit abgefunden, dass Hoover sich noch einmal in einem neuen Genre ausprobieren wollte. Dennoch kann ich Layla leider gar nichts abgewinnen. Während am Anfang eine typische Hoover Liebesgeschichte aufgebaut wird, nur gefühlt im Schnelldurchlauf, weil es diesmal kein Buch, sondern nur das erste Kapitel einnimmt. Dann kommt der Zwischenfall und danach … eine Menge langatmiger Szenen, Andeutungen auf die totale Eskalation am Ende und dazwischen nur noch mehr Wiederholungen der immer gleichen langatmigen Szenen. Jede Seite ist ein Kampf es nicht vor lauter Langeweile wegzulegen. So etwas habe ich bei Hoover noch nie erlebt. Normalerweise ist es immer zumindest ihr Schreibstil, der einen durch die Seiten fliegen lässt. Der war hier zwar noch zu spüren, aber zeitgleich eben auch, dass die Handlung einfach keinen Stoff für ein ganzes Buch bot, aber partout auf die Länge gestreckt wurde. Und dann eben noch ein bisschen mehr, denn mit fast 400 Seiten ist Layla auch für die Autorin ein längeres Werk. Ich freue mich trotzdem auf die nächsten Werke.
Die Friedensformel
Die Handlung: Der Wissenschaftler Alfred Simons wurde nach der Entdeckung einer Formel, die den Klimawandel stoppen konnte, nun beauftragt, die Formel für den Weltfrieden zu finden. Tatsächlich wird er fündig und präsentiert diese. Doch dafür ist der Suizid einer bestimmten Person notwendig. Und die Frage kommt auf: Würde man sich selbst für den Weltfrieden opfern?
Meine Meinung: Ebenfalls auf der Buch Berlin erworben, war dies ein Buch, dessen Handlung mich sofort angefixt hat. Kaum gehört, wusste ich, dass ich wissen wollte, was sich dahinter verbirgt. Der Einstieg war für mich etwas verwirrend, weil wir die Geschichte aus zwei Perspektiven kennenlernen und ich einen Moment gebraucht habe, um zu verstehen, wer von beiden die Hauptprotagonistin ist. Danach ging es auch direkt ans Eingemacht und zwar ganuz anders, als ich es mir vorab vorgestellt hatte. Das ist wohl mit das bemerkenswerteste am Buch. Es konnte mich immer wieder überraschen. Weil bis zum Ende sich nicht an das gehalten hat, was ich erwartet hätte. Trotz der 500 Seiten wirkt keine Szene zu viel, was ich ab einem gewissen Punkt auch befürchtete. Stattdessen bringt es immer wieder neue Aspekte ein und beleuchtet die Thematik noch einmal von einem ganz anderen Standpunkt aus. Der Schreibstil war wunderbar flüssig, die Autorin nahm sich an den richtigen Stellen Zeit und überfliegt andere dafür, so dass man alles wichtige mitbekommt, ohne dass Längen entstehen. Am Ende blieb zwar für mich die ein oder andere Frage offen, aber auch das ist in Ordnung, denn, was das buch erzählen wollte, war auserzählt. Alles Abseits von dem Fokus muss nicht immer aufgeklärt werden.
Pfoten vom Tisch
Die Handlung: Hape Kerkeling ist Katzenfan. Mehrere Katzen haben seinen Weg bereits begleitet. Über diese, ihre Geschichte, ihre Angewohnheiten und ganz allgemein über seine Beobachtungen bezüglich Katzen schreibt er in diesem Buch.
Meine Meinung: Bisher habe ich noch kein Buch von Hape Kerkeling gelesen, aber die beiden Verfilmungen gesehen. Dieses Buch gab es zu Weihnachten, da sich mein bester Freund dachte: Ein Buch über Katzen für jemanden, die Katzen hat und liebt = perfektes Geschenk. Der Schreibstil von Hape Kerkeling ist sehr mitreißend und man verliert sich schnell in den Geschichten, die sich zwischen Anekdoten aus seinem Leben mit Katzen und seinen allgemeinen Beobachtungen über Katzen abwechselt. Diese sind alle sehr nett und es lässt sich gut hintereinander weglesen. Wirklich neues birgt das Buch für Katzenfans nicht, aber ein wenig bei gleichgesinnten Anekdoten mitschwelgen bei einem entspannten Sonntagsnachmittagbuch ist auch mal etwas sehr nettes. Etwas gestört hat mich die Sache, dass das generische Maskulinum genutzt wurde und dies am Anfang begründet wurde, mit einem natürlich sind die anderen Geschlechter immer mitgemeint. Das ist genau das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll. Wenn man darüber hinwegsehen kann, funktioniert das Buch sehr gut. Mir ist es immer wieder negativ aufgefallen, vor allem wenn direkt auf eine Frau angedeutet wird und diese dann mit dem generischen Maskulinum angesprochen wird. Solange der Fokus auf den Vierbeinern liegt, ist es eine nette Unterhaltung für verregnete Tage auf der Couch.