Rückblick auf den November 2021

Der November zog mit einer Grau in Grau Front über das Land. Über andere Entwicklungen wollen wir hier lieber nicht sprechen. Aber sagen wir die Laune ist getrübt. Immerhin sind die Kinos weiter offen und da lockten noch einmal einige Filme. Auch darüber hinaus ging es bei mir medial her, da sich für mich das Jahresende näherte. Gleichzeitig stand der November für mich im Zeichen eines ganz anderen Großprojekts: Der NaNoWriMo. Im (Inter-)National Novel Wiriting Month versuchte die ganze schreibende Gemeinschaft sich zu motivieren und 50.000 Wörter zu schreiben. Diesmal war ich mit dabei und zum Zeitpunkt, wenn ich diesen Beitrag schreibe, stehe ich mit 47.000 kurz vor der Zielgerade. Ein paar Tage habe ich noch, es sollte also machbar sein! Dennoch hier nun der mediale Rückblick auf den November.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Contra: Richard Pohl  ist Dozent an einer Uni. Doch nach einigen grenzwertigen Äußerungen steht er vor einer Disziplinarsanhörung. Die Lösung: Er soll der Studentin Naima Hamid helfen, im Rhetorikwettbewerb weiter zu kommen. – Gut gespieltes Drama, dass das Thema Migration gut aufgreift und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet)

Dear Evan Hansen: Evan Hansen kämpft mit Panikattacken und Depressionen. In seiner Therapie wird ihm geraten, dass er sich jeden Tag einen Brief an sich selbst schreiben soll. Diesen klaut ihm sein Mitschüler Connor und steckt ihn ein. Am nächsten Tag wird er ins Büro des Direktors gerufen, um Connors Eltern zu treffen. Denn dieser hat Suizid begangen. Das einzige, was die Eltern fanden, war der Brief, den sie für einen Abschiedsbrief an den besten Freund halten. Evan landet in einem Lügenkonstrukt, weil er so endlich Aufmerksamkeit bekommt. – Rührendes Musical, auch wenn die Lieder zumindest in der deutschen Synchro nicht funktionieren.

Eternals: 5000 v. Chr. werden zehn Eternals zur Erde geschickt. Sie sollen sie dort vor den sogenannten Deviants schützen, dürften sich aber nicht in die Menschheitsgeschichte einmischen. Das führt ab einem gewissen Punkt zu Spannungen im Team und sie trennen sich. In der Gegenwart werden Sersi und Sprite von einem Deviant angegriffen, die sie für ausgestorben hielten. Ikaris kommt ihnen zur Hilfe. Zusammen ziehen sie los, um das Team wiederzuvereinen und die Emergenz bevorsteht. – Ein neuer Versuch aus dem MCU, der viel wollte, aber dabei das wesentliche aus den Augen verlor.

Last Night in Soho: Eloise zieht von Cornwall, wo sie bei ihrer Großmutter aufgewachsen ist und deren Liebe zu den 60ern aufgenommen hat, nach London. Sie wurde dort an einer Design Uni angenommen. Nachts träumt sie von einer jungen Sängerin namens Sandy, die es in den 60ern versucht zu etwas zu bringen. Schnell wird Sandy ihr Idol. Doch die Träume ändern sich zunehmends und bald wird Eloise auch im wachen Zustand verfolgt. – Starker Horror-Thriller, der nichts für schwache Nerven ist.

Ghostbuster – Legacy: Callie, Trevor und Phoebe Spengler sind Pleite und ziehen daher auf gut Glück in das frisch geerbte Haus von Callies Vater Egon. Das ist jedoch vollkommen heruntergekommen. Phoebe findet in dem Haus eine Geisterfalle und zeigt sie ihrem neuen Lehrer Mr. Grooberson, der sie daraufhin in seine Entdeckungen einbezieht. Denn in Summerville geht einiges vor sich. Zusammen mit Phoebes neuem Freund Podcast, untersuchen sie die Geschehnisse. – Sehr schwacher Anfang, gewinnt hinten raus an Tempo, lebt aber rein vom Nostalgiefaktor.

Encanto: Familie Madrigal hat nachdem Abuela viele Verluste hinnehmen musste, ein Encanto (Wunder) bekommen. Dadurch leben sie in einem geschützten Dorf und bekommen alle zu einer gewissen Zeit magische Kräfte. Nur Mirabel ist ohne geblieben. Das macht ihr zu schaffen. Als die Magie schwindet, setzt sie daher alles daran sich zu beweisen, und das Wunder zu retten. – Herzerwärmende Geschichte, rührend, typische Disneyfilmhandschrift.

Addams Family 2: Wednesday Addams nimmt an einem Naturwissenschaftswettbewerb an ihrer Schule teil, die vom Wissenschaftler Dr. Cyrus Strange gesponsort wird. Dieser ist schwer beeindruckt von ihrer Leistung, doch sie lehnt eine weitere Zusammenarbeit ab. Kurz darauf steht ein Anwalt vor der Tür, der beweisen will, dass Wednesday gar keine richtige Addams ist. Kurzentschlossen beschließen die Eltern Gomez und Morticia eine Reise quer durch die USA zu starten. Ein Roadtrip der anderen Art beginnt. – Wenn ich in einer Komödie nicht lachen muss, läuft einiges falsch. Billige Gags, wenig Charme, bleibt weit hinterm Potential zurück.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Erneut gesehen habe ich The guy who didn’t linke musicals und es hat mich noch mehr zum lachen gebracht, als beim ersten Mal sehen.

Heat: Lieutenant Vincent Hanna wird mit der Aufklärung eines Raubmordes betraut, die von einer Bande rund um Neil McCauley verübt wurde. Während Hanna sie bei einem weiteren Überfall erwischen will, identifiziert die Bande den Polizisten. Beide spielen fortan Katz und Maus miteinander. – Es war einfach nicht mein Film, auch wenn er objektiv seine Stärken hatte.

Taxi Driver: Travis Bickle hat Schlafstörungen und arbeitet daher als Taxifahrer in vielen Nachtschichten. Dabei erlebt er so einiges. Unter anderem verliebt er sich in die Wahlkampfhelferin Betsy, die ihn nach einem Date im Pornokino jedoch abweist. Als großes Projekt hat er sich auf die Fahne geschrieben, die minderjährige Prostituierte Iris zu retten. Doch dafür braucht er Waffen. – Das gleiche Problem, wie bei Heat.

The Big Lebowski: Jeffrey „The Dude“ Lebowskis Leben kommt ganz schön durcheinander als er mit einem Millionär mit gleichem Namen verwechselt und zusammengeschlagen wird. Da einer ihn auf den Teppich urinierte, will er sich bei seinem Namensvetter beschweren. Kurz darauf wird dessen Frau entführt und Lebowski engagiert den Dude, um die Lösegeldübergabe zu vollziehen. Die geht jedoch gewaltig schief. – Dem Film konnte ich auch objektiv nichts abgewinnen. Mir waren die Charaktere einfach nur zu blöd.

Gravity: Die Biomedizinerin Dr. Ryan Stone und der erfahrene Astronaut Matt Kowalski arbeiten in einem Außeneinsatz am Hubble-Teleskop. Dabei bekommen sie die Warnung, dass Trümmerteile im Orbit treiben. Kurz darauf werden sie getroffen, ihr Space Shuttle zerstört. Sie müssen nun versuchen zur nächstgelegenen Raumstation zu kommen. – Minimalistische Weltraumsurvival mit starker Besetzung.

Mord im Orient-Express (1974): Der Orient-Express von Istanbul bis Paris ist gut gefüllt, als der Detektiv Hercule Poirot einsteigt.  Doch mitten in der Nacht kommt es zu einem Mord. Nun ist die Liste der Verdächtigen zwar überschaubar, immerhin müsste es einer der Passagiere sein, doch scheint noch eine ganz andere Geschichte dahinter zu stecken. – Hochkarätig besetzt, aber deutlich langsamer erzählt als die Neuverfilmung. Auch bin ich mit dem Poirot nicht warm geworden

Apollo 13: Die Astronauten James Lovell, Fred Haise und Thomas Mattingly werden für die Mission Apollo 13 ausgewählt, die zum Mond fliegen soll. Ein paar Tage vorher wird jedoch Mattingly gegen den zur Reserve-Crew gehörenden John Swigert ausgetauscht, da ein Gesundheitsrisiko besteht. Kurz nach dem Start kommt es schon zum ersten technischen Problem, was aber nicht weiter schlimm ist. Doch bei einem Manöver kommt es zu einer Explosion. Nun muss Houston und das Team der Apollo 13 alles geben, damit sie sicher wieder landen können. – Spannend, mitreißend, wow.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Respect: Filmbiographie über Aretha Franklin mit Jennifer Hudson in der Hauptrolle. Trailer sah schonmal gut aus.

Ganz knapp nicht auf die Liste geschafft hat es: Eiffel in Love

Serien – ein etwas ausführlicherer Überblick

Pretty Smart  – Staffel 1 (Eigentlich basiert die Geschichte auf einer vorurteilsbehafteten Idee, aber sie hat mich durch ihre Herzlichkeit und ihre Witze in Beschlag genommen. Ich mag sie einfach)

Superstore – Staffel 3-4 (Es wird weiter turbulent in der Cloud 9 Filiale)

Olaf präsentiert – Staffel 1 (War es in Frozen 2 noch super witzig, kann diese Miniserie durch ihre Kürze überzeugen, aber man sollte sie trotzdem in Maßen gucken)

The magic of Animal Kingdom – Staffel 1 (Eine Dokuserie über die Tiere im Animal Kingon im Disney World, Florida. Für Fans von Zoodokus sehr zu empfehlen)

Star Trek: Lower Decks – Staffel 2 (Auch die zweite Staffel schafft es wieder mit ihrem Humor und ihren guten Ideen zu überzeugen)

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 7
Seiten gesamt: 2.546
Seiten pro Tag: 85 im Durchschnitt
Taschenbuch: 7

Die Helden von Midgard: Viele Jahre vor den Geschehnissen in die Götter von Asgard stehen die Walküre Kara und der Gott Tyr Seite an Seite in Midgard. Denn dort soll der junge Erik ein Held werden. Doch auf dem Weg dorthin lauern Gefahren, vor allem als dann auch noch Loki seine Finger im Spiel hat.

Mona – und täglich grüßt der Erzdämon: Mona Nosferatuh ist eine Junghexe Stufe 9, hat aber Probleme ihre Kräfte unter Kontrolle zu halten. Sie tritt ihren neuen Job im Museum an und trifft dort auf den Vampir Boris, den Werwolf Ben und die Skelettin Bärbel. Bei einem Einbruch ins Museum beschwört sie einen Dämon herauf. Doch Balthazar ist fortan an sie gebunden und muss immer erscheinen, wenn sie Hilfe benötigt. Beide versuchen sich mit dem Bund anzufreunden und dann kommen noch Gefühle dazu.

Sepharial: Lathalia lebt in einer kalten Welt. Als Adlige ist ihr Leben sehr angenehm, als Frau eher weniger. So soll sie den Leutnant Nikion heiraten, wovon sie zunächst wenig begeistert ist. Dann trifft sie auf den Dieb Fanai und folgt ihm in seine Welt, die heiß und voller Sand ist. Er lebt in Armut und kämpft regelmäßig ums Überleben. Ihre Welten sind durch die Sepharial verbunden, doch genau diese soll Fanai stehlen. – Am Anfang habe ich eine ganze Weile gebraucht, um in die Geschichte zu kommen, gegen Ende konnte ich es kaum noch aus der Hand legen.

Vielleicht Nie: Joana lebt ein sehr geordnetes Leben und verbirgt ihr innerstes vor der Welt. Doch ausgerechnet Killian, der Bruder ihrer besten Freundin Karla, schafft es hinter ihre Fassade zu gucken. Doch er ist wild und rastlos, was Jo gar nicht passt. Kann er sich dennoch in ihr Herz stehlen? – Der zweite Band einer tollen Reihe wieder mit tollen Charakteren und erwähnte ich schon, dass ich es toll fand?

Hidden Worlds: Elliot lebt zusammen mit seinem Vater, der sich kaum noch aus seinem Fernsehsessel bewegt. Als Elliot seinen Job verliert und das Geld knapp wird, schickt sein Vater ihn zu einem alten Bekannten. Kurz darauf hat er einen Job im Merlin-Center für den magischen Bedarf und betreut dort die magischen Wesen. Und zufällig erfährt er auch etwas über seine Familiengeschichte. – Ein magisches Kaufhaus macht die etwas schleppende Handlung eindeutig wett.

Blade Runner: Der Prämienjäger Rick Deckard wünscht sich nichts mehr als ein echtes Tier, damit er sein elektrisches Schaf nicht mehr verstecken muss. Doch in seiner Welt, die Erde nach einem Atomkrieg, sind fast alle Tiere ausgestorben. Menschen, die zum Mars auswandern wird für die Reise ein Android zugeteilt, der jedoch auf der Erde als Bedrohung angesehen wird. Rick bekommt den Auftrag eine ganze Gruppe entflohener Androiden zu finden und auszuschalten. Dabei muss er einsehen, dass die Grenze zwischen Mensch und Maschine sehr verschwommen ist. – Ein sehr langatmiger Klassiker.

Nalas Welt: 1 Bike – 1 World. So der Plan des Schotten Dean Nicholson. Er radelt auf seinem Fahrrad quer durch Europa, als er in Bosnien eine Straßenkatze findet. Er tauft sie Nala und nimmt sie mit auf seine Reise. Fortan sind sie ein Herz und eine Seele und erleben allerlei spannendes. – Reisebiographie mit hohem Süßfaktor. Funktioniert größtenteils, hat aber auch zwischendrin ein paar Längen.

Mein Serien-Adventskalender 2021: 24x Weihnachten in Serie(n): 1. Türchen

Immer für dich da – Vor Ewigkeiten – Staffel 1 Folge 10

Darum geht’s – in der Serie

Tully Hart, eine erfolgreiche Talk-Show Moderatorin und Kate Mularkey, Hausfrau und mitten in der Scheidung, sind seit ihrer Kindheit die besten Freundinnen. Während Tully aus schwierigen Verhältnissen mit ihrer drogensüchtigen Hippie-Mutter kam, ist Kate sehr behütet aufgewachsen. Doch trotz aller Gegensätze sind sie immer für einander da.

Darum geht’s – in der Folge

In ihrer Kindheit laden Kates Eltern Tully und ihre Mutter zum Weihnachtsabend ein. Dabei kommt es zum Streit. In den 80ern kommen sich Kate und Johnny nach einem Herzinfarkt ihres Vaters zu Weihnachten näher. In der Gegenwart kämpft Tully mit ihrem neuen Chef. Kate steht zwischen den Stühlen.

Der Weihnachtszauber

Die gesamte Serie wird über drei Zeitebenen erzählt. Diesmal ist bei allen drei Weihnachten. Doch wie die gesamte Serie über, gibt es hier eigentlich nur Drama über Drama. Absolut nachvollziehbar für Grinche wie mich, aber versprüht eben doch wenig Weihnachtsstimmung.

Weihnachtsfaktor: 1* – Der Grinch lässt grüßen

Addams Family 2

Ein Vorwort

In einer Zeit, in der gefühlt alles ein Remake oder Reboot bekommt, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch diese kultige Familie neu verarbeitet wurde. 2019 kam bereits ein erster Teil in die Kinos und konnte die Fans nur wenig abholen, versuchte sich aber durch ein paar gute Witze und eine nette Grundstimmung zu retten. Nun gibt es eine Fortsetzung dazu. Wie diese funktioniert erfahrt  ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Wednesday Addams nimmt an einem Naturwissenschaftswettbewerb an ihrer Schule teil, die vom Wissenschaftler Dr. Cyrus Strange gesponsort wird. Dieser ist schwer beeindruckt von ihrer Leistung, doch sie lehnt eine weitere Zusammenarbeit ab. Kurz darauf steht ein Anwalt vor der Tür, der beweisen will, dass Wednesday gar keine richtige Addams ist. Kurzentschlossen beschließen die Eltern Gomez und Morticia eine Reise quer durch die USA zu starten. Ein Roadtrip der anderen Art beginnt.

Meine Meinung

Dadurch, dass der erste Teil bereits nicht richtig funktioniert hatte, gab es gar nicht erst die Frage, ob es einen zweiten Teil gebraucht hätte, denn das hätte es eindeutig nicht. Doch so funktioniert die Filmwelt leider nicht. Also wurde ein Sequel gedreht. Nach dem Trailer war ich zumindest angefixt durch die Roadtrip Idee, die doch einiges an Potential bot. So stellte ich mich auf leichte Unterhaltung ein und erwartete nicht allzuviel, außer an ein paar Stellen unterhalten zu werden.
Leider bin ich anscheinend mit zu hohen Erwartungen an den Film herangegangen. Denn auch wenn es ab und an kleine Lichtblicke von guten Ideen gab, wurden diese meist von groß angelegten Gags übertüncht, die wohl für das kleinste Publikum ausgelegt wurden und nicht einmal bei diesen fruchteten. So war die Stimmung im Kinosaal eher gelangweilt, denn erheitert.
Der Film funktioniert genau dann, wenn er es nicht darauf anlegt. Wenn er nicht versucht besonders witzig zu sein oder die Handlung voranzutreiben. Sondern, wenn er einfach mal seine Charaktere einsetzt. So ist die Tanzsequenz zu I will survive die Szene im ganzen Film, die ich am meisten gefeiert habe – und sie hat nicht gerade viel zur Handlung beigetragen. Genau das waren die kleinen Lichtblicke in einem Film, der viel wollte und wenig konnte.
Das liegt wohl auch daran, dass die Charaktere zu sehr an die ikonischen Vorbilder angepasst wurden und überhaupt kein Handlungsspielraum bekommen. Es gibt keine Weiterentwicklung, die Konstellation ist am Ende die gleiche, wie am Anfang. Dadurch werden Dialoge fast vollständig wiederholt und die nervigsten Eigenschaften werden nie überwunden.
Da hilft es auch wenig, wenn offensichtlich andere Filme als Vorbild für Szenen mit eingebunden werden. So gibt es nicht nur die Addams Family Variante eines Godzilla vs. Kongs, sondern auch so ziemlich alle Witze aus dem Marvel Franchise zum Namen Dr. Strange. Mag es ganz nett zu entdecken sein, so zeugt es doch nur einmal mehr von der Unfähigkeit des Films wirklich etwas eigenes aufregendes zu kreieren.
Die 93 Minuten Laufzeit ziehen sich dadurch gefühlt ins Unendliche, der Film kommt bis zum Schluss nicht wirklich auf den Punkt und auch der ganze Witz rund um den Roadtrip, der so gut hätte werden können, verfehlt seine Wirkung völlig.

Das Fazit

Addams Family 2 ist ein liebloser Abklatsch einer Kultserie und schafft es in den wenigsten Momenten dem Zuschauer ein müdes Lächeln abzuringen. Stattdessen verrennt er sich in nicht zündende, aber groß angelegte Gags. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Addams Family 2 läuft seit dem 18.11.2021 in den deutschen Kinos

Buch Berlin

Am 20. und 21.11.2021 fand die Buch Berlin in – Überraschung – Berlin statt. Ich war für euch dabei und möchte ein wenig berichten.

Eine Messe mittem im Herzen Berlins

Oder so ähnlich… wo auch immer das Herz Berlins genau liegt. Auf jeden Fall in der Arena Berlin fanden sich rund 250 Ausstellende ein, um ihre Stände mit teilweise liebevoller Kleinstarbeit aufzubauen und ihre Herzensprojekte vorzustellen – eine vollständige Liste findet ihr hier.
Dabei war querbeet für alle etwas dabei. Phantastik, Romance, Sachbücher, Kinderbücher, Thriller, Horror, etc. einfach in jedem Genre konnte man fündig werden. Dabei war es gerade die familiäre, intime Atmosphäre, die die Messe zu etwas besonderem macht und sich so von Massenveranstaltungen wie der FBM oder LBM abhebt.

Messe? Mitten in einer Pandemie?

Natürlich kann man anmerken, dass eine Messe mitten in der vierten Welle vielleicht keine gute Idee sei. Doch zum einen war es eine 2G Veranstaltung, es herrschte trotzdem Maskenpflicht und ich muss sagen, dass ich bei jedem, mit dem ich mich unterhalten habe, die richtigen Ansätze gefunden habe.
Wo es ging wurde Abstand gehalten, alle trugen ihre Masken korrekt – ich habe keine einzige herausblitzende Nase gesehen! – und so ziemlich jede*r mit der*m ich gesprochen habe, hatte sich vorab freiwillig noch testen lassen. Einige haben ihr Kommen auch abgesagt, gerade bei längerem Anreiseweg.
Und obwohl all dies eingehalten wurde, herrschte eine gute Stimmung. Alle schienen Spaß zu haben, keiner beschwerte sich über irgendwelche Maßnahmen, stattdessen wurde eifrig über Bücher gefachsimpelt. Und das ist für mich ein wichtiges Zeichen, dass es eben doch geht und Maßnahmen keine Spaßbremse sein müssen.

Mein ganz persönliches Messeerlebnis

Ich hatte an beiden Tagen einfach nur eine gute Zeit. Ich habe viele Menschen getroffen, die ich zuvor nur über das Internet kannte, aber noch viel mehr Leute kennengelernt. Tolle Gespräche mit Autor*innen geführt, so viele neue Bücher entdeckt, dass ich nicht einmal einen Bruchteil davon nach Hause schleppen konnte und trotzdem sind 10 neue Bücher bei mir eingezogen.
Ich habe Lesungen gelauscht, Süßigkeiten von den Ständen stibitzt – okay, sie lagen zur Bedinung aus, aber das klingt nicht so cool – und hatte einfach nur eine Menge Spaß. Die gute Laune aller Beteiligter war einzigartig. Hier war es egal, wie du draußen bist und wofür du gerne abgestempelt wirst, hier war man willkommen, solange man nett war. An jedem Stand wurde man mit einem Lächeln begrüßt, die Leidenschaft zum geschriebenen Wort verband einen und so schnell kommt man wohl nie wieder mit anderen Leuten ins Gespräch.

Was bleibt nach so einem Wochenende?

Leere, Messeblues, aber auch die Erinnerung an tolle Menschen und einer guten Zeit. Aber wohl vor allem ein gewachsener SuB mit vielen neuen Büchern, die es nun zu verschlingen gilt.

Für mehr Infos einfach hier nachschauen.

Und? Sehen wir uns nächstes Jahr auf der Buch Berlin?

Vielen Dank an die Buch Berlin für das Bereitstellen eines Pressetickets. Ich kennzeichne diesen Beitrag daher als Werbung.

Last Night in Soho

Ein Vorwort

Als ich den Trailer vom neusten Edgar Wright Film sah, war ich sofort Feuer und Flamme. Das es kein Gute Laune Film werden würde, war mir klar, aber noch nicht so richtig in welche Richtung es gehen sollte – also tatsächlich mal ein Trailer, der nicht zu viel verriet. Dass es sich um einen Horror-Thriller handelte und damit so gar nicht mein Genre ist, habe ich erst später erfahren. Doch meine Begeisterung war bereits zu hoch und die vielen positiven Rezensionen taten ihr übriges. Wie er mir letztlich gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Eloise (Thomasin McKenzie) zieht von Cornwall, wo sie bei ihrer Großmutter aufgewachsen ist und deren Liebe zu den 60ern aufgenommen hat, nach London. Sie wurde dort an einer Design Uni angenommen. Nachts träumt sie von einer jungen Sängerin namens Sandy (Anya Taylor-Joy), die es in den 60ern versucht zu etwas zu bringen. Schnell wird Sandy ihr Idol. Doch die Träume ändern sich zunehmends und bald wird Eloise auch im wachen Zustand verfolgt.

Meine Meinung

Ich mag die Cornetto-Reihe und auch Baby Driver konnte mich begeistern. Mit Scott Pilgrim hingegen kann ich recht wenig anfangen. So war ich auf den neusten Film von Regisseur Edgar Wright gespannt. Doch auch wenn Last Night in Soho handwerklich deutlich seine Handschrift trägt, ist der Film doch ganz anders aufgebaut als seine bisherigen Werke.
Zunächst lernen wir Eloise kennen. In wenigen Szenen wird ihre Faszination für die Swinging Sixties deutlich. Schon begleiten wir sie auf den Weg in die Großstadt London. Wer ebenfalls aus einer Kleinstadt oder einem Dorf kommt, wird ihren Schock und die gleichzeitige Faszination begreifen. Gleichzeitig tauchen hier die ersten kritischen Szenen auf, die aufzeigen, wie Alltagssexismus aussieht. Weiter geht es mit Neid, Missgunst und ersten Anzeichen von Mobbing. Kein Wunder also, dass sich unsere Protagonistin am liebsten wegträumen würde. Und wieso nicht in die Swinging Sixties, die sie so gern mag.
Nach einem Umzug in eine kleine Wohnung bei einer strengen älteren Dame – Diana Riggs letzte Rolle. Hier scheint sie ihre Ruhe in ihren Träumen zu finden, aber auch Stärke durch ihr neues Vorbild Sandy. So scheint alles so viel besser zu sein, dass Eloise aufhört zu leben und sich in ihren Träumen verliert. Doch dann kommt der Turn und sie muss erkennen, dass auch die Sixties so ihre Probleme haben.
War der erste Teil ein beschwingtes Wegträumen von der Realität und so ziemlich das, was ich mir nach dem Trailer erhofft hatte, kommt nun das böse Erwachen. Sowohl für die Potagonistin als auch für mich. Dabei hält Wright das sehr hohe handwerkliche Niveau und beweist wieder einmal sein Händchen die Szenen perfekt zur Musik zu synchronisieren. Doch die Tonalität ändert sich rapide und wird zum angekündigten Horror-Thriller.
Hier beweist Wright einmal mehr, was ein Film wirklich kann und wofür Kino da ist. Denn die ganze Atmosphäre hüllt einen ein und reißt einen mit. Für mich als Angsthase war das eine sehr schwere Erfahrung.
Leider wurde gerade dieser Part dann auch sehr ausgeschlachtet. Irgendwann hat man die Intention einfach verstanden und braucht nicht noch eine Szene, in der sie von gesichtlosen grauen Männern verfolgt wird. Ein paar Minuten kürzer hätte dem Film durchaus gut getan.
Last Night in Soho lebt regelrecht von den beiden Hauptdarstellerinnen Thomasin McKenzie und Anya Taylor-Joy. Letztere hat zwar in vielen Szenen ihr übliches stoisches Gesicht aufgesetzt, was sie schon in einigen Filmen und Serien gezeigt hat. Ist es hier noch passend, bleibt doch zu hoffen, dass sie doch bald wieder mehr Split und weniger Queens Gambit zeigen darf. Hingegen bleibt Diana Rigg in ihrer letzten Rolle weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Das ist etwas schade, mindert den Wert ihrer Darstellung jedoch nicht.
Letztlich ist der Film eine wunderbare Hommage an die Sixties, aber hebt gleichzeitig den Zeigefinger und weist daraufhin, die Epoche nicht zu glorifizieren, da auch sie ihre Abgründe hat. Gleichzeitig zeigt der Film, dass auch in der Gegenwart noch Abgründe liegen und es nicht reicht auf die Vergangenheit zu deuten und zu sagen, wie es damals war. Das ganze wird verpackt in einen spannenden und absolut mitreißenden Horror-Thriller, der wie gesagt für schwache Nerven wie bei mir sehr grenzwertig ist.

Das Fazit

Last Night in Soho ist ein handwerklich brilliant inszenierter Horror-Thriller, der Spannung durch Atmosphäre und Musik erzeugt, die so mitreißend sind, dass man sich mit schwachen Nerven überlegen sollte ihn zu sehen. Bis auf ein paar kleine Längen gegen Ende weiß der Film immer den richtigen Ton zu treffen. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Last Night in Soho läuft seit dem 11.11.2021 in den deutschen Kinos

21 für 2021 – Ausgesehen

Ein Vorwort

Wie bereits die Bücher, habe ich nun auch alle 21 Filme, die ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe, ausgesehen. Die Filmchallenge habe ich dieses Jahr das erste Mal ausprobiert. Tatsächlich fiel es mir bei ihr wesentlich schwieriger am Ball zu bleiben. Gerade gegen Ende musste ich einiges in kurzer Zeit nachholen, was ich zuvor vor mir hergeschoben hatte. Hier die Kurzauswertung.

  1. …denn sie wissen nicht was sie tunKlassiker/Liste der Schande
    Der Film braucht eine ganze Weile, um in Schwung zu kommen und auch danach fiel mir die Erzählweise schwer nachzuvollziehen.
  2. Departed – Unter Feinden – SuF-Leiche
    War nicht mein Genre. War nicht mein Film. Zuviele Intrigen, die aus Intrigen entstanden und wieder neue Intrigen schmiedeten.
  3. Manche mögens heiß – Klassiker/Liste der Schande
    Ein schöner Klassiker, der mich herzlich zum lachen gebracht hat, auch wenn einige Darstellungen aus dem heutigen Blickwinkel schwierig sind.
  4. Citizen Kane – Klassiker/Liste der Schande
    Hohe Erwartungen an den „besten Film aller Zeiten“, die er nicht gänzlich halten konnte. Dennoch bot er eine spannende Geschichte über einen Mann, der alles gewann und dann alles verlor.
  5. A most wanted man – SuF-Leiche
    Aus gutem Grund eine SuF-Leiche gewesen. Grundsätzlich fand ich die Ausgangs- konstellation mit der Spionageeinheit in Hamburg interessant. Aber der Film ist zäh und verwirrend erzählt.
  6. Dame König As Spion – Neuentdeckung
    Ich sollte die Finger von John le Carré Verfilmungen lassen. Sie sind einfach nicht mein Genre, egal wie gut der Cast ist.
  7. Mord im Orient-Express (1974) – Klassiker/Liste der Schande
    Hochkarätige Besetzung mit einem sehr eigenwilligen Poirot-Darsteller. Mir fehlt noch die Buchvorlage für den Vergleich, aber wesentlich ruhiger und unspektakulärer als die Neuverfilmung.
  8. Die Taschendiebin – Verpasst, aber nicht vergessen
    Verstörend, provoziert nur um den Provozierenswillen. Konnte mich leider gar nicht überzeugen.
  9. Apollo 13 – Erweiterung der Tom Hanks Sammlung
    Spannend, mitreißend, spektakulär. Toll gespielt, Patriotismus hielt sich im Rahmen und ich bleib bei meiner Ansicht, dass man mit Tom Hanks lieber nicht verreisen sollte.
  10. Schindlers Liste – Klassiker/Liste der Schande
    Aus gutem Grund ein Klassiker. Wunderbar gespielt, starke Geschichte, traurig, dass es sich um Stück wahrer Geschichte handelt.
  11. Gravity – Verpasst, aber nicht vergessen
    Starkes Weltraumstück. Lebt von der Auswegslosigkeit der Situation und einer sehr starken Sandra Bullock. Hätte nicht gedacht, dass es so gut funktioniert.
  12. Wenn die Gondeln Trauer tragen – Klassiker/Liste der Schande
    Können wir sagen, es war einfach nicht mein Film? Die Geschichte war eigentlich schon spannend, aber eben nicht spannend inszeniert. Vielleicht ist er auch einfach schlecht gealtert, ich weiß es nicht.
  13. Kill your friends – SuF-Leiche
    Der Film vergreift sich leider komplett in seiner Aussage. Auch er versucht nur zu provozieren. Nicht einmal ein Nicholas Hoult kann den Film retten.
  14. Taxi Driver – Klassiker/Liste der Schande
    Martin Scorsese zählt zu den beliebtesten Regisseur*innen unter den Kinofans, unter anderem wegen dieses Films. Ich verstehe durchaus die Symboliken hinter den Szenen, wurde mit dem Film aber nicht warm.
  15. The Big Lebowski – SuF-Leiche
    Ihr erkennt, dass ich mit einigen Filmen auseinander gesetzt habe, die als Kult und/oder Klassiker bezeichnet werden. Aber wie auch schon bei anderen, bin ich an diesen Film nicht herangekommen. Er war mir zu laut, zu vulgär, einfach nicht meins.
  16. The Farewell – Verpasst, aber nicht vergessen
    Ein sehr melancholischer Film mit schwierigem Thema und Vorstellen einer anderen Kultur, aber einer nachvollziehbaren Protagonistin und versteckt voller Lebensfreude.
  17. Tea with the Dames – Verpasst, aber nicht vergessen
    Es ist vielleicht kein sonderlich spannender Film, aber die vier Schauspielerinnen sind einfach herrlich zusammen. Versprühen britischen Charme und gute Laune.
  18. Beale Street – Verpasst, aber nicht vergessen
    Ruhig erzählt, schwere Thematik und leider noch immer präsent. Starker Film.
  19. Cast Away – Erweiterung der Tom Hanks Sammlung
    Survivalfilm mit einem sehr starken Tom Hanks. Besonders schön ist, dass der Film bis zum Ende ausgespielt wird.
  20. Heat – Klassiker/Liste der Schande
    171 Minuten Heist-Movie mit starken Darstellern. Und auch wenn ich objektiv weiß, dass der Film gut ist, hat er mich einfach nicht abgeholt.
  21. Die Vögel – Klassiker/Liste der Schande
    Mein erster Alfred Hitchcock war spannend, bedrückend und ich verstehe den Kultstatus. Nur das Ende war etwas enttäuschend.

Contra

Ein Vorwort

Sönke Wortmann inszeniert nach der Vorname eine zweite französische Adaption und damit gleich den zweiten Film mit Christopher Maria Herbst innerhalb eines Monats. Diesmal geht es jedoch in eine völlig andere Richtung. Ob der Film auch qualitativ in eine völlig andere Richtung geht, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Richard Pohl (Christoph Maria Herbst) ist Dozent an einer Uni. Doch nach einigen grenzwertigen Äußerungen steht er vor einer Disziplinarsanhörung. Die Lösung: Er soll der Studentin Naima Hamid (Nilam Farooq) helfen, im Rhetorikwettbewerb weiter zu kommen.

Meine Meinung

Contra nimmt sich der leider immer noch aktuellen Diskussion des „Das wird man wohl noch sagen dürfen“ an. Doch dabei trifft er an mehr als nur einer Stelle einen Nerv und dreht das ganze in den rhetorischen Kontext. Bewusst werden hier – bis auf eine eher gewollt geschriebene Szene – keine leeren Phrasen reproduziert, sondern in einer einfühlsamen Geschichte durchleuchtet.
Denn Richard Pohl ist zwar auf dem ersten Blick das Klischee des alten weißen Mannes, der seine gehobene Stellung als Professor ausnutzt, um seine Meinung über die der anderen zu stellen, doch das kippt sehr schnell, wenn er die Rhetorik hinter seinen Aussagen erläutert. Hier wird bewusst kein überzeugter Rassist aufgebaut, mit dem man dann sympathisieren soll, sondern lediglich die alte Garde, die im Laufe des Films lernt, warum political correctness so wichtig ist.
Durch Naima wird dann die Kehrseite der Medaille deutlich. Der Kampf ums Überleben in den ärmeren Randbezirken der Stadt, der Alltagsrassismus, die Erwartungshaltung der Familie und Freunde, die Erwartungshaltung der Gesellschaft, alles prasselt auf sie ein.  Dabei schafft sie es ihre inneren Konflikte in wenigen Sätzen zu äußern. So fühlt man mit ihr mit, ohne, dass sie sich und ihre Gefühle immer wieder erläutern muss. Farooq ist hierfür die ideale Besetzung. Gleichzeitig hat man durch ihre Familie und Freunde auch mehr als einen Anhaltspunkt und sieht so die Situation aus verschiedenen Blickwinkel.
Handlungstechnisch ist natürlich ein gewisser Weg vorgezeichnet, doch an der ein oder anderen Stelle weiß die Handlung durchaus zu überraschen. Dabei schafft sie es sogar bis auf zwei Szenen auf bewusst provokative Dialoge zu verzichten. Klar werden die Rhetorikwettbewerbe nicht vollständig gezeigt und lassen den Fokus sehr einseitig auf der Protagonistin. Doch dies reicht zum Verständnis des Werdegangs und ihrer Entwicklung vollkommen aus. Dabei bleibt der Film auf einem spannenden Niveau und schafft die ernste Thematik trotz lockerer Grundstimmung vernünftig zu vermitteln.

Das Fazit

Contra ist ein Film, der mit einem ernsten Thema in lockerem Tonfall umgeht, gleichzeitig aber spielend viele Situationen schafft, aus denen gelernt werden kann. Die Besetzung aus Farooq und Herbst harmoniert wunderbar. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Contra läuft seit dem 28.10.2021 in den deutschen Kinos

Dear Evan Hansen

Ein Vorwort

Ich bin ein großer Musical-Fan. Doch vor der Verfilmung hatte ich von Dear Evan Hansen nur am Rande gehört, was wohl auch damit zusammenhängt, dass es – meines Wissens nach – noch keine deutsche Aufführung hatte. Umso überraschter war ich, dass die Lieder im Film ins Deutsche übersetzt sind, was mit ein Kritikpunkt bei vielen war. Wie mir der Film gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Evan Hansen (Ben Platt) kämpft mit Panikattacken und Depressionen. In seiner Therapie wird ihm geraten, dass er sich jeden Tag einen Brief an sich selbst schreiben soll. Diesen klaut ihm sein Mitschüler Connor (Colton Ryan) und steckt ihn ein. Am nächsten Tag wird er ins Büro des Direktors gerufen, um Connors Eltern zu treffen. Denn dieser hat Suizid begangen. Das einzige, was die Eltern fanden, war der Brief, den sie für einen Abschiedsbrief an den besten Freund halten. Evan landet in einem Lügenkonstrukt, weil er so endlich Aufmerksamkeit bekommt.

Meine Meinung

Musicalverfilmungen sind nach dem Fiasko mit Cats auch seltener geworden. Nun hat sich Stephen Chbosky nach Vielleicht lieber morgen und Wunder an die Vorlage gewagt. In seinen bisherigen Filmen bewies er, dass er durchaus mit schwierigen Themen umgehen kann und die Themen auf Augenhöhe mit Jugendlichen vermitteln kann. Jetzt kam allerdings noch der Musicalteil dazu.
Mit Ben Platt als Hauptdarsteller konnte er wohl wenig falsch machen, immerhin spielte dieser die Rolle bereits am Broadway und gewann für die Rolle Tony und Grammy. Das zeigt sich auch im Film, denn die Rolle scheint ihm in Fleisch und blut übergegangen zu sein. Die Handlung selbst kommt eher langsam ins Rollen. Wir lernen Evan und seine Mutter kennen, die eher knapp über die Runden kommen. In der Schule sind es die typischen Rollenbilder, die reproduziert werden. Doch nach und nach wird davon immer mehr abgewichen. Die Charaktere bekommen Tiefe, Ecken und Kanten. Umso schader ist es, dass auf das Thema Suizidprävention oder der Umgang mit Depressionen kaum eingegangen wird.
Stattdessen wird sich an den üblichen Dramenaufbau gehalten, die Wendung gegen Ende kommt wenig überraschend.
Die Musicalnummern sind bis auf wenige Ausnahmen wenig mitreißend. Die Melodien sehr einfach und wiederholend. Hier ist es schwierig zu beurteilen, wie viel durch die eher mühsame deutsche Übersetzung verloren ging und wie viel vorher da war.
Worauf sich der Film aber durchaus versteht, sind Emotionen. Diese transportiert er so gut, dass einem die Geschichte sehr nah geht. Eine große Packung Taschentücher ist hier überaus empfehlenswert. Denn auch, wenn ich an einigen Stellen die Vertiefung der Thematik vermisst habe, so sind es doch die Sichtweisen Betroffener, sei es trauernder Angehöriger oder eben die Mitschüler*innen, die mit Depressionen oder anderen nicht sichtbaren Erkrankungen kämpfen, die den Film bereichern.
Schauspielerisch wartet der Film gerade bei den „Erwachsenen“ aus. Julianne Moore, Amy Adams oder auch ein Danny Pino geben sich die Ehre. Doch die „Jungdarsteller“ müssen sich keinesfalls verstecken, schaffen sie es doch ebenso die Emotionen rüberzubringen und ihre Charaktere die nötige Tiefe zu verleihen.

Das Fazit

Dear Evan Hansen überzeugt gerade durch Charaktere, Darsteller und Emotionen. Handlungstechnisch ein wenig zu vorhersehbar, es gibt keine Auseinandersetzung mit den Themen und die Musicalnummer sind (zumindest im Deutschen) sehr unspektakulär. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Dear Evan Hansen läuft seit dem 28.10.2021 in den deutschen Kinos

21 für 2021 – Ausgelesen

Ein Vorwort

Nach meinem Erfolg aus dem Jahr 2020, wollte ich das Experiment gleich noch einmal versuchen. War ich letztes Jahr direkt im August fertig, hat es diesmal bis in den November gedauert. Dabei lag es nicht daran, dass ich zu wenig gelesen habe. Eher daran, dass sich immer mehr Bücher dazwischen gedrängt haben. Doch jetzt kann ich euch noch einmal in Kurzform von den Werken berichten, auch wenn ich über die meisten bereits in irgendeiner Form geschrieben habe.

  1. Der Orden des geheimen Baumes – Die Magierin – Samantha Shannon – Multipler Band
    Highfantasy mit Drachen war das Versprechen des Buches. Nur war es sehr viel Charakterexposition und Weltenbau und wenig Drachen. Hinzu kommt, dass sich die Autorin sehr viel Zeit lässt und die Geschichte kaum voran kommt. Erst nach knapp 500 Seiten wird es erstmalig spannend und dann wird man schon mit dem zweiten Band vertröstet. Daher eher enttäuschend. -> Kritik
  2. Die Göttinnen von Otera – Golden wie Blut – Namina Forna – Multipler Band
    Der Auftaktband kommt mit einer spannenden Fantasywelt daher und verspricht einiges. Der Erzählstil ist mir beim lesen etwas schwer gefallen, da es viele Zeitsprünge gibt. Dennoch bin ich gespannt, was da noch kommt. -> Kurzkritik
  3. Ophelia Scale – Die Welt wird brennen – Lena Kiefer – Multipler Band
    Eigentlich nur gekauft, weil es auf Instagram so oft empfohlen wurde. Und das aus gutem Recht! Innerhalb kürzester Zeit habe ich alle drei Bände verschlungen und sie haben sich sofort in mein Herz geschlichen. Definitiv ein Jahreshighlight. -> Kritik
  4. Becoming Elektra – Christian Handel – Multipler Band
    Auch Christian Handels Near-Future-Thriller hat mich sehr schnell in den Bann gezogen. Mit einem tollen leichten Schreibstil konnte ich sofort in die Welt der Klone eintauchen. Ebenfalls auf dem besten Weg zum Jahreshighlight. -> Kritik
  5. Hinter der blauen Tür – Marcin Szczygielski –  Klassiker/Liste der Schande
    Polnischer Kinderbuchklassiker, der für die Zielgruppe gut funktioniert. Sehr ruhig erzählt und mit einer tollen Geschichte. Durchaus solides Buch. -> Kritik
  6. Eine Leiche zum Tee – Alexandra Fischer-Hunold – Multipler Band
    Krimi in guter alter Agatha Christie Manier und doch gut anders. Die Geschichte hauptsächlich aus der Sicht eines 13-jährigen Mädchens geschrieben, auch wenn ihre Großmutter sie in vielen Bereichen unterstützt. Und dann ist das ganze Setting herrlich britisch. Ein Roman für Fernweh und Cozy Crime. -> Kurzkritik
  7. Seven Sins – Stolze Seele – Lana Rotaru – Multipler Band
    Der zweite Teil der Seven Sins Reihe bringt uns nach einer langen Exposition im ersten Teil endlich ins Reich der Feen. Hier gibt es allerlei zu entdecken, es gibt mehr Nox, aber dennoch zieht es sich streckenweise.
  8. Beastsoul – Sternenlicht – Juliana Fabula – Multipler Band
    Ich habe mich so auf das Buch gefreut, leider war mir die Protagonistin viel zu naiv unsympathisch und die Geschichte viel zu lang gezogen. Sehr schade. -> Kurzkritik
  9. Palast aus Gold & Tränen – Christian Handel – Multipler Band
    Der zweite Teil rund um das Dämonenjägerinnenpaar Schneeweißchen und Rosenrot entführt uns ins Zarenreich. Dabei bleibt es weiterhin spannend, es gibt viele schöne Einfälle und Märchenanspielungen – wobei ich bestimmt nicht alle entdeckt habe. -> Kurzkritik
  10. When we dream – Anne Pätzold – Multipler Band
    Nach vielen Empfehlungen gekauft, obwohl ich nichts mit K-Pop/Rock anfangen kann. Die Geschichte ist wahnsinnig süß, man braucht kein Vorwissen oder Leidenschaft für die Musikrichtung. Ein Wechselbad der Gefühle und ich brauch jetzt unbedingt Band 2.
  11. The secret book club – Die Liebesroman Mission – Lyssa Kay Adams – Multipler Band
    Ebenfalls ein zweiter Teil. Der erste konnte mich wahnsinnig begeistern, der zweite ist da etwas schwächer, wenngleich noch immer sehr gut geschrieben und hantiert mit schwierigen Themen, die aber nicht länger verschwiegen werden sollten. -> Kritik
  12. Goldene Flammen – Leigh Bardugo – Multipler Band
    Der Auftakt zum Grishaverse konnte mich packen und überzeugen. Die dazugehörige Serienverfilmung gehört zu meinen Serienhighlights dieses Jahr.
  13. Die Schönheit der Begegnung – Frank Erzbach – Einzelband 
    Ein kleines unscheinbares Büchlein, aber ein Herzensbuch geworden. Viele Kurzgeschichten über das Kennenlernen und alle haben so viel Liebe in sich, ohne irgendwo in den Kitsch zu verfallen. ->Kurzkritik
  14. Ich bin Linus – Linus Giese – Einzelband
    So ein wichtiges Buch! Bitte lest es! Linus Giese ist trans und berichtet von seinen Erfahrungen, mit Diskriminierungen und gibt wichtige Denkanstöße. -> Kurzkritik
  15. Die Chroniken von Alice – Die rote Königin – Christina Henry – Multipler Band
    Der zweite Teil beginnt ebenso düster wie der erste. Es gibt wieder viele gute Andeutungen in diesem Horrorszenario von Alice im Wunderland, auch wenn es weniger als im ersten waren. Vor allem, dass das Buch nur aus zwei Kapiteln bestand, störte mich im Lesefluss. -> Kurzkritik
  16. Periode ist politisch – Franka Frei – Einzelband
    Ein ganzes Buch über die Menstruation? Ich war interessiert, aber auch skeptisch. Bis ich es gelesen habe. Es gibt so viele Aspekte, die einem ständig eingeredet werden, die aber wissenschaftlich widerlegt sind. Ein Augenöffner.
  17. Land in Sicht – Ilona Hartman – Einzelband
    Ein Buch über eine Flusskreuzfahrt, das hat mich angesprochen. zunächst beginnt es auch Vielversprechend, doch ist im Endeffekt viel zu kurz, um die Geschichte wirklich aus zu erzählen. -> Kurzkritik
  18. Sepharial – Verwoben – Jana Tomy – Multipler Band
    Am Anfang habe ich eine ganze Weile gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen. Doch dann wurde die Suche nach den Sepharial und die Geschichte der zwei Welten umso spannender. Brauch jetzt nur noch den zweiten Band.
  19. Blade Runner – Philip K. Dick – Klassiker/Liste der Schande
    Eigentlich hatte ich gehofft, dass mich das Buch weniger verwirrt zurücklässt, als der Film. Leider ist das genaue Gegenteil der Fall. Sehr langatmig und kommt nicht auf den Punkt. Viele gestreute Hinweise, die aber nie genauer erklärt werden.
  20. Star Wars – Tarkin – James Lucenco – Einzelband
    Für Star Wars Fans bestimmt ein gutes Buch, Tarkin ist auch ein interessanter Charakter und die Handlung spannend. Mich konnte es aber nicht abholen. -> Kurzkritik
  21. James Bond 007: Moonraker – Ian Fleming – Klassiker/Liste der Schande
    Der dritte James Bond Band bleibt qualitativ hinter Band 2 zurück. Er zieht sich an ein paar Stellen, funktioniert dennoch in seiner Gesamtheit für Fans der Reihe.

The Eternals

Ein Vorwort

Marvel versucht sich in der vierten Phase noch zu finden und startete eine Phase mit einer Mischung aus bekannten Held*innen und ganz neuen Projekten. Nach Black Widow und vor dem dritten Spider-Man durfte nach Shang-Chi uns nun die Eternals ihren ersten Auftritt im MCU (=Marvel Cinematic Universe) machen. Wie das funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Für Eternals muss kein Marvel Film vorab zwingend zum Verständnis gesehen werden. Grundsätzlich ist es sinnvoll für ein paar Anspielungen die Handlung aus Avengers Infinity War und Avengers Endgame zu kennen. Der Film funktioniert aber auch das Vorwissen.

Die Handlung

5000 v. Chr. werden zehn Eternals zur Erde geschickt. Sie sollen sie dort vor den sogenannten Deviants schützen, dürften sich aber nicht in die Menschheitsgeschichte einmischen. Das führt ab einem gewissen Punkt zu Spannungen im Team und sie trennen sich. In der Gegenwart werden Sersi (Gemma Chan) und Sprite (Lia McHugh) von einem Deviant angegriffen, die sie für ausgestorben hielten. Ikaris (Richard Madden) kommt ihnen zur Hilfe. Zusammen ziehen sie los, um das Team wiederzuvereinen und die Emergenz bevorsteht.

Meine Meinung

Das nach Endgame neue Wege im MCU beschritten werden mussten, stand fest. Mit den Serien Loki und What If wurde dann auch festgelegt, dass es wohl in die Richtung der Multiversen geht. Hierfür benötigte man aber neue Teilnehmer*innen, da viele der ursprünglichen Avengers ausgestiegen sind. Da boten sich die Eternals regelrecht an. Dennoch hat der Film einige Schwachstellen und es bleibt fraglich, wie sie in zukünftige Projekte eingebunden werden sollen. Doch von vorne
Während bei Star Wars der am Anfang durchrollende Text mit Erklärungen einfach Kult ist und irgendwie auch noch zu den neuen Filmen dazugehört, so wirkt dies doch in einer Großproduktion wie bei Marvel irgendwie ideenlos. Zumal es darum ging drei grundsätzliche Begrifflichkeiten zu klären, die man im darauffolgenden sowieso noch einmal bildlich erklärt bekommt. Das ist jetzt zwar nichts gravierendes, steht aber symbolisch für vieles im Film.
Die Einführung der Charaktere im Zusammenhang mit mehreren geschichtlichen Ereignissen funktioniert gut und verdeutlicht, wieso sie so lange auf der Erde lebten, ohne in die bisherigen Ereignisse eingegriffen zu haben. Die folgende Handlung wird in der Gegenwart mit mehreren Rückblenden erzählt. Dadurch verzögert sich das sowieso schon lange zusammenraufen der Gruppe und man wird immer wieder aus dem Fluss gerissen. Dabei sind die Rückblenden mitunter spannender als die eigentliche Geschichte. Das Problem ist hier auch, dass es zehn neue Charaktere mit unterschiedlichen Fähigkeiten sind, die alle irgendwie vorgestellt werden wollen. Das klappt nur bedingt und so denkt man ab einbem gewissen Punkt, dass die Gruppe wieder vollständig ist und doch fehlt immer noch jemand.
Und sobald alle wieder versammelt sind, kommt der – eigentlich überhaupt nicht – unerwartete Plottwist. Ab hier wird es eine altbekannte Weltrettungsmission, in der natürlich alle über sich hinauswachsen. Ergo: Der Film traut sich handlungstechnisch nichts, sondern reproduziert alte Erzählstrukturen.
Dennoch funktioniert der Film. Das liegt wohl daran, dass die Charaktere durch ihre Vielfältigkeit punkten können. Auch wenn einige zu kurz kommen oder gar blass bleiben, macht es die Mischung. Und auch, wenn sich die Handlung mitunter zieht und einiges unfreiwillig vorhersehbar ist, wird es nie langweilig.
Am enttäuschendsten ist wohl das Ende. Denn mit einer Lauflänge von 157 Minuten wurde sich gut Zeit gelassen, um die Eternals vorzustellen. Nur, dass sie am Ende so positioniert werden, dass sie vermutlich in den kommenden Filmen keine Relevanz haben werden. Das ist schade, denn von einigen Charakteren möchte ich unbedingt mehr sehen.

Das Fazit

The Eternals wirken etwas lieblos ins MCU eingeführt. Trotz einiger spannenden Sequenzen und Handlungsstränge kann die Haupthandlung nicht überzeugen. Neben einigen tollen Charakteren gibt es zu viele blasse und das Ende katapultiert sie ähnlich wie Captain Marvel in die Bedeutungslosigkeit. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

The Eternals läuft seit dem 03.11.2021 in den deutschen Kinos.

PS: Wie für Marvel üblich gibt es sowohl eine Midcredit, wie auch eine Postcreditscene. Also sitzenbleiben bis zum Schluss 😉