Im Westen nichts Neues

Ein Vorwort

Nach einigen Kriegsfilmen, aus Britischer oder Amerikanischer Sicht, zuletzt z. B. 1917, bringt uns Netflix nicht nur eine sehr nüchterne deutsche Darstellung des ersten Weltkriegs, sondern zeitgleich auch den deutschen Oscarkandidaten fürs nächste Jahr. Wie der Film, der gleichzeitig für Kino und Stream konzipiert wurde, funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Paul Bäumer (Felix Kammerer) meldet sich 1917 freiwillig für den Kriegsdienst und lügt dabei bei seinem Alter. Zusammen mit seinen Freunden und unterstützt durch patriotische Reden seines Lehrers ziehen sie voller Stolz los. Doch an der Westfront angekommen, werden sie sofort mit der harten Realität des Stellungskrieges konfrontiert.

Meine Meinung

Bereits 1929 schrieb Erich Maria Remarque seinen Roman Im Westen nichts Neues. Dabei verarbeitet er nur wenige eigene Erlebnisse, da er nur kurze Zeit an der Front war. Allerdings sammelte er Erfahrungsberichte und ließ diese einfließen. Schon damals hatte er eine sehr kritische Position zum Krieg, die in den darauffolgenden Jahren von den Nazis sehr  unterdrückt wurde. So viel die Hintergrundrecherche zur Neuverfilmung, da ich die Buchvorlage nicht gelesen habe. Doch soll der Film an vielen Stellen davon abweichen, was eher negativ gesehen wird. Hier mag ich mir kein Urteil erlauben und bewerte den Film daher unabhängig, ob dieser für sich funktioniert hat.
Und das ist tatsächlich gar nicht so einfach, ist er doch so vielschichtig und an einigen Stellen herausragend, an anderen hapert es. Doch fangen wir von vorne an. Die Einleitung bietet gleich einen Überblick auf die Kriegsgeschehen und startet einen Kreislauf, der sich durch den gesamten Film zieht. Kurz darauf treffen wir auf Paul und seine Freunde, die uns nicht wirklich näher beschrieben werden, sondern wie Platzhalter wirken, was aber der Film durchaus auch aussagen will. So zeigt sich hier schon die nüchterne Erzählweise, da der Film nur eine Emotion kennt: Den Schrecken des Krieges.
Dadurch ist der Film sehr unpatreotisch, was eine schöne Abwechslung zu vergleichbaren Filmen ist. Hier wird nichts beschönigt, auch die Freundschaften helfen nur bedingt über die Schrecken hinweg. Zeitgleich trumpft Im Westen nichts Neues mit wunderbar echten und gestochen scharfen Bildern auf. Das Szenenbild und die Kameraarbeit leisten hier einiges und zeigen, was möglich ist.
Mit 148 Minuten ist der Film vergleichsweise lang, was man ihm leider anmerkt. Überwältige der Anfang einen noch durch viele neue Eindrücke, verfliegt dies mit der Zeit und auch, wenn er eine Grundspannung halten kann und immer wieder gerade durch die Gefechte das Adrenalin steigen lässt, sind es gerade die Szenen dazwischen, die sich mitunter ziehen. Gerade weil die Nähe zu den Charakteren fehlt, ist es in diesen einem auch egal, was zwischen ihnen geschieht.
Und auch, wenn das Geschehen in den Gräben deutlich und sehr realistisch dargestellt wird, fehlt einem irgendwo der Gesamtüberblick über den Krieg. Erst am Ende gibt es ein paar Texteinblendungen, der Film, Geschichte und vor allem den Titel des Films in Zusammenhang stellen. Wem das geschichtliche Grundwissen fehlt, der ist hier schnell aufgeschmissen.
So vereinen sich Stärken und Schwächen zu einem Film, der durchaus sehenswert ist, aber es mit der Nüchternheit übertreibt und für seine Geschichte einfach zu lang ist.

Das Fazit

Im Westen nichts Neues besticht und enttäuscht gleichzeitig durch die sehr nüchterne und unnahbare Erzählung des Krieges. Grundsätzlich zu lang, dafür aber bildgewaltig und gerade in den Kampfszenen sehr mitreißend inszeniert.

Im Westen nichts Neues läuft seit dem 29.09.2022 in den deutschen Kinos und seit dem 28.10.2022 auf Netflix verfügbar

She-Hulk

Ein Vorwort

Marvel setzt seine Serienreihe auf Disney+ fort und das Internet schreit auf. Nach noch nicht mal einer erschienen Folge soll die Serie gecancelt werden. Die Gründe soweit nicht nachvollziehbar. So wollte ich mir meine eigene Meinung bilden und muss leider sagen: Wirklich gut ist die Serie nicht. Warum ich eher enttäuscht war, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

Welche Filme man vorab aus dem MCU gesehen haben sollte: –
Welche Filme/Serien aus dem MCU gut wären vorab gesehen zu haben: Doctor Strange, Doctor Strange in the Multiverse of Madness, Der unglaubliche Hulk, Thor: Ragnarök, Avengers: Endgame, Daredevil (die Netflix Serie) und Shang-Chi and the legend of the ten rings – hierfür verweise ich auf meine Zusammenfassungen (sofern bereits vorhanden, für die Links einfach die Titel anklicken).

Die Handlung

Jennifer Walters (Tatiana Maslany) ist Anwältin und ganz zufrieden mit ihrem Leben. Doch bei einem Unfall kommt sie mit dem Blut ihres Cousins Bruce Banner (Mark Ruffalo) in Berührung. Problem dabei ist, dass sie dadurch auch seine Hulk-Kräfte abbekommt. Schnell lernt sie diese zwar zu kontrollieren, dennoch ändert sich alles in ihrem Leben. Sie bekommt den Titel She-Hulk und muss nun versuchen sich selbst neu zu erfinden.

Meine Meinung

Da ich sowieso die ganzen Marvelserien sehe, schon allein, weil man sie alle braucht, um die kommenden Filme wahrscheinlich zu verstehen, habe ich mich gar nicht groß mit dem Trailer beschäftigt. Dabei war dieser eine erste Warnung. Dass es nach dem schrecklichen Der unglaubliche Hulk keinen weiteren Hulk Solofilm gab, hatte wohl auch seine Gründe. Dennoch war die Figur Bruce Banner gut ausgearbeitet, hatte eine Entwicklung im Laufe des MCU und vor allem eine gute CGI Optik.
Vor allem letztes fehlt bei She-Hulk vollständig. Ich verstehe durchaus, dass die kompletten CGI Studios überlastet sind, überarbeitet und von den großen Konzernen so unter Druck gesetzt, dass sie gerade bei Marvel nicht ablehnen können. Der Zeitdruck, unter den sie She-Hulk animieren sollten, war laut Insideraussagen enorm. Dennoch lässt sich eins nicht abstreiten: Das CGI sah ziemlich billig aus. Während eine Tatiana Maslany sich seit Orphan Black einen Namen für ihre einzigartigen Schauspielkünste gemacht hat und sehr viel von ihrem Charme und ihrem Witz über Mimik transportiert, geht dies, sobald sie groß und grün wird, einfach komplett unter. Das CGI lässt keinerlei Mimik zu, alles ist weichgespült wirkt dabei so künstlich, dass es keinerlei Nähe zum Charakter zulässt.
Das ist sehr schade, denn die Grundidee von She-Hulk ist gar nicht mal so schlecht. Eine Superheldin, die keine sein möchte, sondern einfach nur ihr Leben als Anwältin weiterführen möchte, weiter daten möchte und mit ihrer Freundin abhängen. Stattdessen kommen ganz neue Probleme hinzu, sie muss ihr Alter Ego lernen zu akzeptieren. Das Ganze verpackt als Komödie, mit durchbrechen der vierten Wand und teilweise auch dem Aufbrechen typischer Genreklischees. Gerade im Finale wird hier einiges ausprobiert, was dort zwar gut funktioniert, aber nicht in der Gesamtheit der Serie.
Die Serie versucht sich ein bisschen über mehr oder weniger Einzelfolgen aufzubauen, die allerdings vor allem durch die Cameos wirken. Ein Abomination (Tim Roth) oder ein Wong (Benedict Wong) lockern die Stimmung immer wieder auf und bringen auch Witz rein. Solange Jennifer Walters auch einfach sie selbst ist, versprüht Tatiana Maslany unglaublich viel  Witz und Charme. Das funktioniert solange, bis sie She-Hulk wird. Ab da ist nicht nur die Mimik durch das CGI weichgespült, sondern auch der Charakter an sich. Sobald die Verwandlung erfolgt, wollte ich jedes Mal wegschalten. Das ist sehr schade, denn wenn sie einfach Anwältin im MCU gewesen wäre, hätte die Serie echt Spaß machen können. Aber durch die Einschübe als She-Hulk hat für mich die Serie einfach nicht funktioniert.
Auch die Nebencharaktere funktionieren teilweise sehr gut, gerade die, die Bezug zum MCU haben. Andere leider eher weniger, wie Titania und Todd Phelps. Allgemein hatte die Serie zu viele nervige Charaktere, so dass das Gleichgewicht leider ins Negative ging. So konnte man sich zwar ab und an einen guten Moment herauspicken, aber über die Dauer der Staffel gab es zu viele Rückschläge, dass ich mehr als einmal überlegte sie einfach abzubrechen.

Das Fazit

She-Hulk hat zwar ein erfrischendes Konzept, kann dies aber nur bedingt einsetzen, da schlechtes CGI, die dadurch zu stereotypisch geratetene Protagonistin, und zu viele nervige Nebencharaktere jeden guten Moment negativ überschatten. Leider wieder eher eine Enttäuschung aus dem Hause Marvel.

She-Hulk ist seit dem 13.10.2022 vollständig auf Disney+ zum Streamen verfügbar

Eine Handvoll Serien – 5/22

Herzlich Willkommen zur fünften serientastischen Handvoll in diesem Jahr! Heute mit einer Trennung, feenbesetzen Soldat*innen, Tricks beim Backen, einem True Crime Podcast und einer Vampir-WG.

Uncoupled – Staffel 1

Die Handlung: Michael und Colin sind das Traumpaar schlechthin. Doch nach jahrelanger glücklicher Beziehung trennt sich Colin unerwartet auf seiner Überraschungs-Geburtstags-party. Vom Singleleben in New York völlig überfordert versucht Michael mit seiner Trauer und Enttäuschung zurecht zu kommen.

Meine Meinung: Als es hieß die Macher von Sex and the City und Modern Family tun sich zusammen und produzieren eine neue Serie mit Neil Patrick Harris in der Hauptrolle, wusste ich, ich musste die Serie sehen. Als die ersten Resonanzen durchweg positiv waren, wusste ich, ich musste die Serie sehr dringend sehen. Als ich die Hälfte der Serie durchgeschaut hatte, wusste ich: Die Serie ist einfach nichts für mich. Und damit möchte ich ihr bewusst nicht die Qualität absprechen und schon gar nicht die Relevanz einer Sitcom mit einem homosexuellen Hauptcharakter, der sich durch das Datingleben in New York kämpft. Ich bin nur einfach nicht mit der Serie warm geworden. Die Witze haben bei mir nicht gezündet, es war mir zu viel aufgebauschtes Drama, sei es nun beim Protagonisten oder bei den Nebencharakteren. Die Handlung hat sich ab einem gewissen Punkt im Kreis gedreht und trotz einem vergleichbar starken Finale – auch wenn das Ende ziemlich vorhersehbar wurde – hatte mich die Serie irgendwo auf der Strecke verloren.

Uncoupled ist bei Netflix im Abo enthalten

Fairygone – Staffel 1

Die Handlung: Nach einem langen Krieg gibt es nur noch wenige Feensoldaten, denen Feenorgane eingepflanzt wurden, um diese als Waffen beschwören zu können. Die Organisation Dorothea hat die Aufsicht über diesen. Nachdem Maria Noel von einer Fee besessen wird, wird sie in das Team aufgenommen. Nach und nach entdeckt sie Geheimnisse der Regierung, die bis in ihre Kindheit zurückreichen.

Meine Meinung: Nachdem ich mich langsam immer mehr den Anime Serien geöffnet habe und mit Attack on Titan wohl eine meiner all-time favourites entdeckt habe, ergab ich mich den endlosen Weiten des Streaminganbieters Crunchyroll. Auf der Suche nach einer neuen Serie stellte ich aber eins wieder einmal fest: Es gibt im Anime Bereich sehr viel Auswahl und nur die wenigste spricht mich an. Dennoch blieb ich bei Fairygone hängen, sagte mir doch die Beschreibung am meisten zu. An das Japanische mit Untertitel musste ich mich erst gewöhnen (obwohl es bei den K-Dramen kein Problem für mich ist) und auch der Zeichenstil war für mich Gewöhnungssache. Die Handlung wurde zwar etwas wirr erzählt und überfordert einen zunächst mit vielen Ortsnamen, die vielleicht oder vielleicht auch nicht nochmal relevant werden. Die Geschichte des Reiches wird nach und nach enthüllt, dennoch war sie mir bis zum Ende zu undurchsichtig. Die Spannung hat sich aber trotzdem durch die ganzen Folgen gehalten, da es immer wieder neue Hinweise und Rätsel gab, die es zu entschlüsseln galt. Gleichzeitig verrennt sich die Serie immer wieder in vermeintlichen Höhepunkten, sodass ganz am Ende noch einmal alles getoppt werden musste, was einfach zu viel war. Ein paar Gänge runter oder einfach ein paar Folgen weniger, wären hier ratsam gewesen.

Fairygone ist bei Crunchyroll im Abo enthalten

Easy-Bake-Battle – Staffel 1

Die Handlung: Moderator Antoni Porowski sucht die besten Hobbykochenden. Wichtigstes Kriterium: Die Kandidat*innen müssen die Rezepte möglichst einfach, mit vielen Tricks und doch sehr kreativ umsetzen. Denn die Zeit ist knapp.

Meine Meinung: Wenn das Konzept stimmt, bin ich ja durchaus mal für eine gute Koch-/Backshow zu haben. Auch wenn das Ganze Wettkampfcharakter hat, mit dem richtigen Konzept schau ich mir sowas gern mal an. Das Schöne an Easy-bake-Battle ist, dass es hier mal nicht um Vollprofis geht, deren Kreationen immer höher, größer, weiter gehen müssen. Sondern es sind die ganz normalen Leute von nebenan, die sich darum batteln möglichst einfache, aber doch ausgefallene Gerichte zu machen. Das Ganze immer mit begrenzter Zeit und meist mit begrenzten Mitteln lässt die Kandidat*innen ganz schön ins Schwitzen kommen. Dabei gibt es zwischendurch immer wieder Tipps und Tricks, wie man Vorgänge vereinfachen kann, wo so mancher guter Hinweis dabei war. Die Kirsche auf der Torte ist dann aber Host Antoni Porowski, bekannt unter anderem aus Queer Eye (jop, einer meiner absoluten Lieblingsserien, ihr wisst also, warum ich unbedingt in diese Serie reinschauen musste). Zusammen mit den Gastjuroren bringt er Stimmung in die Serie und schafft es alle mit viel Respekt zu behandeln. Also auch wenn es ein Wettbewerb ist, gibt es viele Feel-Good-Vibes. 

Easy-Bake-Battle ist bei Netflix im Abo enthalten

Only murders in the building – Staffel 2

Die Handlung: Bunny Folger wurde ermordet und das True Crime Trio Mabel, Charles und Oliver sind die Hauptverdächtigen. Um ihre Unschuld zu beweisen, beschließen die selbst zu ermitteln. Doch diesmal haben sie einen konkurrierenden Podcast. Und die Betreiberin ist von ihrer Schuld überzeugt.

Meine Meinung: Staffel 1 von Only murders in the building war bereits ein absolutes auf und ab. Ein toller Einstieg, ein langatmiger Mittelteil, um dann mit einem spannenden Finale und leider einem ziemlich miesen Cliffhanger zu enden. Diesen greift Staffel 2 nun wieder auf. Dabei hat die Serie ein großes Problem. Bei gleicher Folgenanzahl fällt diesmal aber die Charaktervorstellung komplett weg. Die Akteur*innen sind bekannt, nur ab und taucht ein neues Gesicht auf. Damit kommen wir wesentlich schneller an den Punkt, wo die Langatmigkeit beginnt. Durch einige schöne Einfälle wird es ein bisschen entzerrt und so kommt man gut durch die Serie. Dennoch kommt hier immer mal wieder die Langatmigkeit auf, vor allem wenn sich die Handlung immer wieder im Kreis dreht, weil es einfach keine neuen Erkenntnisse gibt. Neu von der Partie ist unter anderem Cara Delavigne. Ist sie auch noch immer eine miserable Schauspielerin, so scheint sie im Vergleich zu Selena Gomez regelrecht aufzublühen. Diese ist auch noch immer das große Manko an der Serie. Statt eine Schauspielerin zu nehmen, die die ganzen inneren Konflikte der Rolle auch irgendwie rüberbringen kann, wurde erneut Gomez gewählt, die über ihren einen nichtssagenden Ausdruck nicht hinauskommt. Die Auflösung am Ende ist überraschend und nicht vorhersehbar, dennoch auch irgendwie enttäuschend, bei den ganzen aufgebauten Hinweisen. Den Cliffhanger auf Staffel 3 hätte man sich dann auch schenken können, wirkt er doch zu sehr inszeniert und schreckt eher ab, als dass er Lust auf die Fortsetzung macht.

Only murders in the building ist bei Disney+ im Abo enthalten

What we do in the shadows – Staffel 1

Die Handlung: In einer Villa in Staten Island leben vier Vampire seit über 100 Jahren zusammen. Geholfen wird ihnen von einem Vertrauten, der die Brücke zu den Menschen bildet. Ein Dokumentarfilmteam sucht diese auf und begleitet sie in ihrem Alltag.

Meine Meinung: Die Grundidee von fünf Zimmer, Küche, Sarg mochte ich sehr. Der Film war absolut in Ordnung, wenn auch etwas zu ruhig erzählt für meinen Geschmack. Bei einer Serienadaption des Films war ich skeptisch. Konnte die Idee auch über mehrere Folgen funktionieren? Die Antwort ist leider: Nicht wirklich. Zwischendurch gab es die ein oder andere Folge oder manchmal auch nur die ein oder andere Szene, die ich wirklich mochte. Doch für eine Komödie war die Serie ziemlich unlustig, die Folgen haben sich gezogen und die Charaktere haben mich einfach nicht überzeugt. Das liegt daran, dass sie irgendwie schon zu ähnlich angelegt waren. Bis auf einen waren sie so ziemlich auf den gleichen Humor ausgelegt, mal schlüpfriger, mal ernster, aber irgendwie doch gleich. Viele Dialoge haben sich wiederholt, die Handlung dreht sich im Kreis und doch gab es dann immer wieder die eine Szene, die mich weiterschauen ließ. Ob ich mich an Staffel 2 wage, ist dann aber doch noch fraglich.

What we do in the shadows ist bei Disney+ im Abo enthalten

Netflix Original: The Bubble

Ein Vorwort

Nach den letzten Reinfällen mit Netflix Original Filmen, sollte man meinen, dass ich dazugelernt hätte. Doch eins haben die meisten dieser Filme gemein: Eine Grundidee, die mich interessiert. Warum ich von The Bubble wirklich die Finger hätte lassen sollen, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Mitten in der Pandemie begibt sich eine Filmcrew in eine sogenannte Bubble. Zwei Wochen Isolation, um dann zusammen trotz Covid-19 drehen zu können. Doch die Abgeschiedenheit, die regelmäßigen Tests und die angespannte Stimmung droht jederzeit zu eskalieren.

Meine Meinung

Ein Thema, dass absolut omnipräsent in unserer Wahrnehmung ist und daher in den meisten Filmen, Serien und Büchern totgeschwiegen wird, ist wohl die aktuelle Pandemie. Das Wort Corona sollte möglichst in keinem Unterhaltungsmedium genannt werden, belastet es einen doch im Alltag noch immer genug. Dennoch tauchen so langsam die ersten Vorreiter auf, die entweder auf ein Szenario nach Ende der Pandemie hinweisen und mit Witzen á la „Weißt du noch, während des ersten Lockdowns?“ zu punkten versuchen, oder eben genau die Thematik aufgreifen. Zu Letzterem gehört The Bubble. Statt das Thema totzuschweigen, wird es bewusst als Aufhänger genutzt, um zu zeigen, wie sehr die Filmcrews darunter gelitten haben.
Bevor ich aufzähle, warum der Film absolut nicht funktioniert, versuchen wir mal noch was Positives zu finden. Machen wir uns nichts vor, der Film ist eine trashige Komödie der unlustigen Art. Aber ab und an und wenn auch nur kurz erwähnt, trifft er den Nagel auf den Kopf. Wenn es darum geht, dass niemand Mitleid mit Schauspieler*innen hatte, die in ihren großen Villen in Hollywood jammerten, während viele andere ihre Jobs verloren, nicht wussten wo ihnen mit Homeoffice und Homeschooling der Kopf stand, etc, dann spricht der Film einen interessanten Aspekt an. Allerdings geht er dann auch nicht näher drauf ein und lässt eine Diskussion darüber nicht zu. Leider war das auch schon der einzig positive Punkt an der Sache.
Denn der Cast ist zwar teilweise mit guten Namen bestückt, die bewiesen haben, auch ganz anders spielen zu können, wie beispielsweise eine Karen Gillan oder Leslie Mann, doch wird hier jegliches Talent verpulvert. Die Charaktere sind schon so angelegt, dass einer nerviger als der nächste ist. Absolut oberflächlich gezeichnet, alle sind gefühlt nur für wenige Stichworte da, um die Handlung irgendwie rüberbringen zu können. Anstatt sich langsam zu steigern, eskaliert der Film bereits am Anfang und versucht dann noch sich zu steigern. So ist das maximal tolerierbare Bullshit Level schon im ersten Viertel erreicht und danach versucht man nur noch sich irgendwie bis zum Ende durchzuquälen. Oder man bricht den Film einfach ab, wirklich Leute, es wird nicht besser. Ich habe während des ganzen Films vielleicht zweimal kurz aufgelacht, aber für eine Komödie ist das einfach nur schlecht. Stattdessen war sehr schnell der Punkt erreicht, wo ich mich nicht einmal mehr über den Film lustig machen konnte, sondern nur noch genervt mit den Augen gerollt habe. Für einen Trashfilm – der er wohl nicht mal sein wollte – ebenfalls kein gutes Merkmal.
So verschwendete ich 126 Minuten meines Lebens und wünschte mir andere schlechte Netflix Produktionen wie Day Shift oder sogar einen echt miesen Senior Year zurück.

Das Fazit

The Bubble ist wohl einer der schlechtesten Filme, die ich je gesehen habe, selbst wenn man mit der Prämisse einer trashigen Komödie dran geht. Hier hat Netflix wieder einmal viel Geld in Bullshit verpulvert. Spart euch einfach die Lebenszeit.

Dreierlei Grusel zu Halloween – #2022 – Special

Herzlich Willkommen zum diesjährigen Halloween-Special. Wie bereits im letzten Jahr möchte ich euch auch diesmal wieder dreierlei „Grusel“ aus Film, Serie und Buch bieten. Also rührt noch einmal in eurem Hexenkessel, spitzt eure Pflöcke und sprecht ein freundliches Wort zum Monster unter eurem Bett. Und los geht’s!

Grusel im Film: Hocus Pocus

Die Handlung: 1693 werden drei Hexenschwestern hingerichtet, doch konnten sie vorher einen Fluch aussprechen. 1993 werden diese wieder erweckt. Überfordert mit der modernen Welt, müssen sie dennoch versuchen, einen Trank zu brauen, der sie über die Nacht hinaus am Leben erhält. Doch dafür brauchen sie die Energie eines Kindes.

Meine Meinung: Nachdem Disney+ einen zweiten Teil zu Hocus Pocus ankündigte, stand für mich fest, dass ich den ersten wohl zur diesjährigen Halloweenzeit sehen wollte. Hinzu kam, dass meine beste Freundin den Film sehr liebt und mich beinahe fassungslos ansah, als sie erfuhr, dass ich ihn noch nicht gesehen hatte. Man sieht ihm zwar die Jahre, die er auf dem Buckel hat durchaus an, gerade was die Effekte angeht, aber eine gute Geschichte hat er an sich. Denn gerade die drei Hexenschwestern funktionieren zusammen sehr gut. Zumal sie hier das Klischee der bösen Hexe einfach mal voll ausspielen, anstatt immer wieder die ganzen Grauzonen zu erwähnen. Die Hexen brauchen Kinder für ihren Zauber. Einfache Prämisse. Einfaches Schwarz-Weiß Denken. Die Protagonist*innen sind automatisch die Guten, weil sie gegen die Hexen sind. Auch wenn ich normalerweise eher Fan vom Aufbrechen der Klischees bin und diese schwierige Hintergründe haben, so war es hier einfach mal schön sich nur berieseln zu lassen. So ganz überzeugen konnte mich die Handlung dann zwar nicht, wurde es mir doch irgendwann zu viel und auch mit dem Protagonisten bin ich nicht richtig warm geworden. Aber in der Gesamtheit ein durchaus noch immer gut zu sehender einfacher Halloweenfilm.

Gruselfaktor 2/5 Kürbissen
Atmosphäre 4/5 Kürbissen
Handlung 3/5 Kürbissen

Grusel in Serie: First Kill

Die Handlung: Calliope Burns ist neu an der Schule und Juliette Fairmont hat einen Crush auf sie. Doch da gibt es ein großes Problem. Juliette ist eine Legacy Vampirin, weswegen ihr Sonne nichts ausmacht, doch sie steht kurz vor dem Zeitpunkt, wo sie ihre erste Tötung vollziehen muss, um überleben zu können. Und Calliope und ihre Familie sind ausgebildete Vampirjäger*innen. Und auch Calliope wartet auf die Chance ihrer ersten Tötung.

Meine Meinung: Vampire sind zurück. Sei es in Büchern, Filmen oder eben Serien. Dass sie nach dem Twilight Hype durchaus mal ein wenig ruhten, war wohl eine gute Idee, denn so konnten sie jetzt wieder mit frischen Ideen auf den Markt zurückgeschwemmt werden. Auf die Serie bin ich aufmerksam geworden, da es auf einer Kurzgeschichte von V. E. Schwab basiert, von der ich zwar noch nichts gelesen hatte, von deren Werken mir aber immer wieder vorgeschwärmt wurde. Leider liegt hier wohl auch das Problem der Serie. Basierend auf einer Kurzgeschichte kommt die Serie mit einer guten Grundidee daher, zerrt die Handlung aber immer weiter und anstatt sie als Miniserie enden zu lassen, gibt es den Cliffhanger und ein Ausblick auf eine zweite Staffel. Das ist schade, denn gerade am Anfang funktioniert die Geschichte ziemlich gut. Der Grundgedanke die Romeo und Julia Geschichte in Vampir und Vampirjägerin zu ändern, gefiel mir sehr gut. Die Konflikte und die aufkommende Liebe wurden gut erzählt, ich hing an der Serie. Und dann musste noch ein Konflikt her. Und noch einer. Und noch einer. Bis die Geschichte absolut überlastet war, sich immer wieder im Kreis drehen musste, nicht mehr nachvollziehbare Zeitsprünge vorkamen und auf jedes Drama ein noch größeres folgen musste. Zunächst stark geschriebene Charaktere verkommen zu immer die gleichen Phrasen wiedergebenden, die Spannung und der Reiz wird komplett genommen. Das ist schade, weil als Miniserie mit vielleicht 5 statt 8 Folgen wäre die Serie ein Must See gewesen. So bin ich mir sehr sicher, die mögliche zweite Staffel nicht mehr sehen zu wollen. 

Gruselfaktor 3/5 Kürbissen
Atmosphäre 2/5 Kürbissen
Handlung 3/5 Kürbissen

Grusel im Buch: Im Zweifel für das Monster*

Die Handlung: Daniel Becker ist ein frisch geschiedener Anwalt, der in seiner Kanzlei sehr erfolgreich ist und darauf hin arbeitet Partner zu werden. Doch eines Nachts besucht ihn das Monster aus seiner Kindheit. Ihm wird ein Mord vorgeworfen. Bei einem übernatürlichen Gericht schafft es Daniel die Unschuld des Monsters zu beweisen. Leider bekommt er daraufhin immer mehr Anfragen von anderen Monstern und wird auch noch mit der Aufgabe betraut, den wahren Mörder zu finden.

Meine Meinung: Da es sich bei diesem Werk um ein Rezensionsexemplar handelt, habe ich es bereits ausführlich auf diesem Blog besprochen. Doch es passte thematisch sehr gut in diesen Beitrag und ich hatte einfach keine Zeit noch ein neues zum Thema zu lesen. Daher hier aber nochmal mein Fazit: Im Zweifel für das Monster vereint Krimi mit übernatürlichem Aspekt und schafft damit eine spannende und runde Geschichte, die sich perfekt für die bevorstehenden dunklen Monate eignet. Wer also Krimis mag, aber genug von der klassischen Ermittlerhandlung hat, ist hier bestens aufgehoben.

Gruselfaktor 2/5 Kürbissen
Atmosphäre 3/5 Kürbissen
Handlung 5/5 Kürbissen

*Im Zweifel für das Monster wurde mir von Blanvalet als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

 

Der Nachname

Ein Vorwort

Wenn ein Film erfolgreich ist, bekommt er einen zweiten Teil. So will es anscheinend irgendein blödes ungeschriebenes Gesetz, das dazu führt, dass immer mehr gute alleinstehende Filme noch einen zweiten (oder mehr) Teil(e) bekommen müssen. So nun auch Der Vorname, aus dem kurzerhand Der Nachname wurde. Warum das sogar noch halbwegs gut funktioniert hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Die Geschwister Elisabeth (Caroline Peters) und Thomas (Florian David Fitz) werden von ihrer Mutter (Iris Berben) und ihrem Adoptivbruder Rene (Justus von Dohnanyi), der inzwischen mit der Mutter liiert ist, auf das Familienanwesen in Lanzarote eingeladen. Mit dabei sind ihre jeweiligen Parter*innen Stephan (Christoph Maria Herbst) und Anna (Janina Uhse). Vor Ort erwartet sie eine überraschende Nachricht und jede Menge Drama.

Meine Meinung

Trailer sollen ja eigentlich Lust auf den Film machen. Nach dem Trailer zu Der Nachname war ich doch eher abgeschreckt, sah er doch nach einem großen Haufen künstlichen Dramas aus, der so gar nicht an die Prämisse des ersten Teils anknüpfen wollte. Doch eine Sache zog mich doch in den Film. Ich wollte wissen, was nun in diesem geheimen Zimmer ist, um das schon im Trailer viele Andeutungen gemacht wurden. Also Auftrag doch irgendwie erfüllt. Dennoch waren meine Befürchtungen hoch, basierte Der Vorname doch noch auf einem Theaterstück und war in sich abgeschlossen. Nun einen zweiten Teil ohne wirkliche Grundlage zu basteln, konnte eigentlich nur schief gehen.
Doch dafür liefert Der Nachname ziemlich solide ab. Das liegt an erster Stelle daran, dass zwar die Ausgangsprämisse – der geänderte Nachname – ziemlich banal ist und auch schnell abgehakt wurde, das restliche Drehbuch aber durchaus rund gestaltet ist. Zwar läuft es auf ein großes Familiendrama hinaus, wo jeder Geheimnisse vor dem anderen hat, und der große Knall am Ende kommt auch, dennoch ist es nur selten vollkommen übertriebenes und abgehobenes Drama, sondern erstaunlich realitätsnah. Die Paarkonstellationen waren unverändert, hatten sich aber seit dem Vornamen etwas weiter entwickelt, so dass hier kaum Zeit auf Vorstellungen, sondern gleich auf Weichenstellung, verschwendet wurde.
Durch die bekannten Charaktere, die irgendwo ihren Rollen treu bleiben, war der Witz auch gleich von Anfang an da und pendelte sich zunächst auf einem guten Niveau ein. Abgesehen von dem ein oder anderen Ausrutscher, blieb es auch auf einem relativ guten Niveau, so dass ich das Kino durchaus unterhalten verlassen habe. Wirklich im Gedächtnis wird er mir allerdings nicht bleiben, zu belanglos war die Handlung und die Lacher waren doch sehr auf gewisse Impulse ausgelegt und wenig zitierfähig. So ist Der Nachname nicht die Vollkatastrophe, die ich erwartete, hat durchaus auch seine Momente und ist alles in allem einfach ein solider Film, der aus einer wackligen Prämisse doch einen rund erzählten Film macht. Dennoch war er als Fortsetzung zu Der Vorname absolut unnötig.

Das Fazit

Der Nachname punktet durch ein rundes Drehbuch und einige gut pointierte Witze. In seiner Gesamtheit kommt er aber nicht über ein einfaches Familiendrama hinaus und kann mit dem ersten Teil nicht mithalten. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Der Nachname läuft seit dem 20.10.2022 in den deutschen Kinos

Meine Monsterwochen 2022 – #3 – Die Neuverfilmung

Ein Vorwort

Herzlich Willkommen zur dritten und bereits letzten Ausgabe der diesjährigen Monsterwochen. Wie immer gibt es diesmal die aktuellste bzw. die größte Verfilmung der letzten Jahre.

Die Handlung

Lord Henry Wotton (Colin Firth) besucht den Künstler Basil Hallward (Ben Chaplin), der ein neues Porträt fertig gestellt hat, was Lord Henry sehr gelungen findet. Es zeigt den jungen Dorian Gray (Ben Barnes). Obwohl sich Basil zunächst weigert, stellt er die beiden Herren doch einander vor. Lord Henry überzeugt Gray immer mehr von seiner Weltansicht. Nach einer Weile stellt Dorian Gray fest, dass die Veränderungen, wie Altern, aber auch die Veränderungen seines Charakters auf dem Porträt sichtbar sind, anstatt an ihm.

Meine Meinung

Bereits im letzten Beitrag habe ich mir gewünscht, dass die Verfilmung es schafft die ausschweifenden Dialoge des Buches auf das Wesentliche herunterzubrechen und aus der quälend langsam erzählten Geschichte ein flottes düsteres Werk macht. Und auch wenn die Verfilmung von 2009 bei den Kritiker*innen nicht gut weg kam, gefiel sie mir ziemlich gut.
Das liegt vor allem daran, dass sie sich zwar größtenteils an die Vorlage hält, aber ab und an diese etwas abwandelt und neu strukturiert. Dadurch werden neue Ebenen geöffnet und die lassen wesentlich mehr den Schaudereffekt zu. Denn es wurden nur die wesentlichen Handlungselemente übernommen, an die schaurige Grundstimmung angepasst und mit neuen aufgefüllt, so dass das Buch durchaus erkennbar ist, aber der Film dennoch spannend und sehenswert wird.
Ob die Figur Dorian Gray die Charakteränderungen gebraucht hätte, um sein handeln neu erklären zu können, ist wohl fraglich, denn so ist es die übliche Geschichte der schlechten Kindheit, die schlechte Menschen hervorbringt. Auch bemängeln viele Kritiker*innen das der Film nicht  tief genug gehe und die Geschichte nur von der Oberfläche her beleuchte. Das fand ich jedoch durchaus in Ordnung, verpackt Regisseur Oliver Parker die Oberflächlichkeit doch in schöne Bilder, auch wenn einige Szenen ein wenig zu psychodelisch wirken.
Die Optik des Films ist grundsätzlich der zweite große Pluspunkt des Films. Auch wenn Ben Barnes hier in seinen jüngeren Jahren noch nicht auf dem Niveau von Shadow & Bones spielte, und seinem Dorian Gray ab und an dann doch der nötige Feinschliff fehlte, so wird die Stimmung doch durch die Bilder getragen. Auch die Nebencharaktere können sich durchaus sehen lassen. Colin Firth als Lord Henry Wotton kam mir zunächst etwas merkwürdig gewählt vor, doch er geht in der Rolle auf und schafft gerade gegen den Ende dem Charakter noch einmal eine neue Ebene zu geben, die zwar den Filmcharakter deutlich gegenüber des Buches verfremdet und ob die Änderung nun notwendig war, ist eine ganz andere Frage, aber sie lässt den Film, so wie er war, rund enden.
So hat diese Version auch einige Schwächen und funktioniert wohl gerade für Liebhaber des Romans nicht mehr, funktioniert dafür als klassischer Schauerfilm relativ gut. Die Charaktere sind hier eher einfacher gestrickt, wodurch die ausführliche Interpretation wie im Buch nicht mehr gegeben ist, aber das macht ihn gut, zum Nebenbeischauen.

Das Fazit

Das Bildnis des Dorian Gray (2009) funktioniert als klassischer einfacher Schauerfilm und adaptiert die wichtigsten Bestandteile des Romans, vereinfacht die Handlung und vor allem die Charaktere aber stark. Fürs Nebenbeischauen überzeugt er durch eine tolle Optik, für Fans des Romans nicht geeignet.

Einsame Nacht

Ein Vorwort

Im Herbst greif ich ja gern mal zu einem Krimi. Und da Charlotte Link trotz ein paar Enttäuschungen in den letzten Jahren noch immer zu meinen Lieblingsautor*innen zählt, musste ihr neustes Werk direkt bei mir einziehen. Dass es größtenteils zur Weihnachtszeit spielt, war für mich als Grinch dann ein kleiner Schick, aber wenn schon Weihnachten, dann doch mit einem spannenden Mordfall. Warum mir Einsame Nacht wieder gut gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Kate Linvilles zweiter Fall als festes Teammitglieder der North Yorkshire Police bringt sie zu einem Mordfall auf einsamer Straße. Eine Frau wurde mit mehreren Messerstichen in ihrem Auto ermordet. Die einzige Zeugin schweigt. Fingerabdrücke führen die Polizei zu einem Verbrechen von vor neun Jahren. Einem Cold Case, an dem Kates früherer Vorgesetzter Caleb Hale gescheitert ist. Schafft Linville es die Hinweise neu zu deuten?

Meine Meinung

Charlotte Link, der Krimi und ich hatten einen schwierigen Start. Als mit Die Betrogene das erste Mal die Figur Kate Linvilles eingeführt wurde, war es zugleich Links erster Krimi. Gewohnt war ich ihre stets ins schwarze treffenden psychologischen Spannungsromane, mit Drama, mit Spannung, mit ausgewogenen Charakteren. All das vermisste ich und quälte mich Seite um Seite durch eine jammernde Kate, die mit der Einsamkeit nicht zurechtkam. Auch der zweite Linville Die Suche war zäh und nervte an vielen Stellen. Erst mit Ohne Schuld als Linville ein fester Bestandteil der North Yorkshire Police wurde, nahm Link wieder Fahrt auf. Die Handlung passte, die Geschichte war spannend, die Charaktere vielschichtig und auf die Auflösung wäre ich niemals gekommen. Nun hielt ich den vierten Linville in der Hand.
Glücklicherweise führt Link ihre Erfolgsserie hiermit fort. Die Karten im Police Departement wurden neu gemischt, neue und alte Charaktere halten sich die Waage. Mit Linville bin ich endlich warm geworden. Gleich zu Anfang wird man Zeug*in einer grauenhaften Tat. Jahre später setzt dann die eigentliche Handlung ein. Im Laufe des Buches trifft man auch viele Charaktere, die alle irgendwie mit dem aktuellen Mordfall zusammenhängen sollen, doch bis zum Schluss hat man keine Ahnung wie. Sogar der*die Mörder*in darf zu Wort kommen, und doch gibt es keinen Hinweis darauf, aus wessen Sicht die Abschnitte geschrieben sind.
Link lässt einige direkt zu Wort kommen, andere nur im Hintergrund agieren. Beim Lesen hatte ich so viele verschiedene Theorien und doch hat sich keine Bewahrheitet. Gefühlt werden drei verschiedene Handlungen aufgemacht und doch schafft Link es sie am Ende alle zusammenzuführen.
Trotz einer Dicke von 590 Seiten ist keine davon zu viel. Link schafft es mit ihrem einzigartigen Schreibstil einen nur so durch die Seiten gleiten zu lassen. Mal fühlt man sich mit den Charakteren verbunden, mal abgestoßen und gleichzeitig ist der Umgang mit der Weihnachtszeit faszinierend. Also wer mal keine Lust hat auf Friede Freude Eierkuchen, sondern lieber einen (oder mehrere) eiskalten Mord braucht, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.

Das Fazit

Einsame Nacht führt die guten Eigenschaften aus Platzhalter fort und verbindet Weihnachten mit Kälte, Einsamkeit und Mord. Spannend, mitreißend und lässt einen bis zum Ende im Dunkeln tappen.

Einsame Nacht wurde mir von Blanvalet als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

The Woman King

Ein Vorwort

Wer nach Marvels Black Panther total begeistert von den Dora Milaje war, hat nun die Chance einen Historienfilm über die Vorbilder eben dieser Kriegerinnen im Kino zu sehen. Warum The Woman King auch darüber hinaus ziemlich gut funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

1823 verteidigt sich das Königreich Dahomey gegen das Oyo-Imperium und sieht sich gleichzeitig mit dem Sklavenhandel konfrontiert. Angeführt von der Generalin Nanisca (Viola  Davis) haben es die Agojie, eine Gruppe speziell ausgebildeter Kriegerinnen, bisher geschafft ihre Unterzahl auszugleichen. Nawi (Thuso Mbedu) wird von ihrem Vater verstoßen und durchläuft daher die Ausbildung zur Agojie. Doch die ist alles andere als einfach.

Meine Meinung

Nach dem Trailer wusste ich noch nicht so recht, was ich von The Woman King halten sollte, war aber durchaus neugierig, was der Film daraus machen würde. Die kurzen Ausschnitte sahen nach einem typischen Gut gegen Böse Kampf aus, wobei sich dabei noch stark auf das Thema Sklaverei konzentriert wurde. Dies ist auch im gesamten Film ein zentrales Motiv und macht auch einen Großteil der westafrikanischen Geschichte dieser Zeit aus, doch The Woman King bietet so viel mehr.
Allein die Auftaktszene zeigt schon, was wir vom Film zu erwarten haben: Bildgewaltige Kampfszenen, bei denen sich die Actionfilme der letzten Jahre durchaus eine Scheibe von abschneiden können. Danach baut sich eine komplexe Geschichte auf, die uns nicht nur die westafrikanische Geschichte rund um das ehemalige Königreich Dahomey (heute Republik Benin) näher bringt, sondern die Geschichte von Kriegerinnen in einer Männerdominanten Welt. In einer Welt, in der sie allein wegen ihrer Hautfarbe als prädestiniert für die Sklaverei angesehen wurden. In der aber auch ein Großteil des Reichtums der Länder durch den Sklavenhandel erwirtschaftet wurde. So stellt sich der Film zeitgleich dem Rassismus und engagiert sich für den Feminismus in nur einem Film.
Das Ganze ist verpackt sowohl in einer typischen Heldinnenreise, mit Nawi als Identifikationsfigur, die uns ihren Weg zur Kriegerin zeigt. Dadurch lernen wir die Kultur näher kennen und durchlaufen die komplette Ausbildung zur Agojie. Mit Nanisca haben wir das Gegenstück. Eine Generalin, die zeitgleich auch Einfluss auf den König hat und das Gegenstück zu seinen Ehefrauen bildet. Dabei lässt sich der Film genug Zeit, um die Charaktere ausführlich vorzustellen und ihnen eine Tiefe zu geben, die kaum ein Film bietet. Wir erleben die guten und schlechten Zeiten, Sorgen, Ängste, Freuden, und alles gleichzeitig.
Und auch, wenn es diese ruhigen Phasen zwischendurch gibt, kommt die Action an keiner Stelle zu kurz. Dabei haben wir gut durchdachte Kämpfe, mit wunderbaren Choreographien und auch ganze Schlachten. Das Ganze findet vor einer beeindruckenden Kulisse statt, die hier mehr ist als nur ein einfacher austauschbarer Hintergrund.
The Woman King mag ein Historienfilm sein, doch er vermag es beinahe spielerisch noch immer brisante Themen zu verbauen. Und auch, wenn er an der ein oder anderen Stelle damit von der Geschichte abweicht, so schafft er es auch die richtigen Botschaften zu vermitteln. Ein Blick lohnt hier definitiv.

Das Fazit

The Woman King schafft es einen Historienfilm voller packender Action und gleichzeitig vielen Geschichten, tiefgehenden Charakteren und die Theman Rassismus und Feminismus zu behandeln. Eingepackt in einer traumhaften Kulisse ist der Film brutal ehrlich. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

The Woman King läuft seit dem 06.10.2022 in den deutschen Kinos

Monsterwochen 2022 – #2 – Die erste Tonverfilmung

Ein Vorwort

Herzlich Willkommen zur zweiten  Ausgabe der diesjährigen Monsterwochen. Da ich dieses Jahr leider keine Stummfilmvariante ergattern konnte, habe ich dieses Mal zumindest mit der ersten Tonverfilmung begonnen.

Die Handlung

Lord Henry Wotton (George Sanders) besucht den Künstler Basil Hallward (Lowell Gilmore), der ein neues Porträt fertig gestellt hat, was Lord Henry sehr gelungen findet. Es zeigt den jungen Dorian Gray (Hurt Hatfield). Obwohl sich Basil zunächst weigert, stellt er die beiden Herren doch einander vor. Lord Henry überzeugt Gray immer mehr von seiner Weltansicht. Nach einer Weile stellt Dorian Gray fest, dass die Veränderungen, wie Altern, aber auch die Veränderungen seines Charakters auf dem Porträt sichtbar sind, anstatt an ihm.

Meine Meinung

Wie bereits in meinem Beitrag von der Vorwoche erwähnt, ist der Erzählstil von Wilde in das Bildnis des Dorian Gray sehr ausschweifend und anstrengend. Filmisch dürfte dies zugleich eine Chance, aber auch ein Haken sein. Denn zum einen kann filmisch wesentlich mehr gezeigt werden, was ausschweifende Beschreibungen überflüssig macht. Andererseits war das Buch auch voller ausschweifender Dialoge. Diese einzukürzen war dann die Kunst.
Die Fassung von 1945 ist größtenteils in schwarz-weiß gedreht. Lediglich kurze Passagen, wenn das Bildnis in all seiner Grausamkeit gezeigt wurde, ist in Farbe. 1945 war das Farbfilmverfahren zwar bereits in der Entwicklung, aber noch nicht so weit verbreitet. Dies hebt den Stellenwert des Bildes für die Geschichte hervor. Das rote Blut, das von den Fingern tropft, erzeugt im sonst farblosen Film einen zusätzlichen Schauer. Darüber hinaus ist von der Gruselgeschichte, als die Wildes einziger Roman zählt, wenig zu spüren. Trotz einer vermeintlich kurzen Länge von 105 Minuten, zieht sich der Film von Minute zu Minute mehr.
Das liegt vor allem an der sehr nüchternen Erzählweise. Die sehr ausführlichen Dialoge werden übernommen, ohne dabei die Handlung großartig anzupassen. Es wird von Szene zu Szene geschnitten, ohne sinnvolle Übergänge. Vieles davon entspricht vermutlich noch der damaligen Zeit Filme zu erzählen, aber aus heutiger Sicht, hat der Film kaum Mehrwert zum Buch. Einzelne Stränge wurden im Film angepasst, allerdings ist der Großteils sehr der Buchvorlage entsprechend.
Wer sich also nicht dem ganzen Roman stellen möchte, kann dies mit dieser Filmvariante durchaus umgehen. Im Vergleich teilweise früheren Verfilmungen anderer Horrorklassiker (auf diesem Blog bereits besprochen Nosferatu, Frankenstein und das Phantom der Oper) ist der Film sehr ungruselig und auch einfach nicht spannend.
Ich bin hier noch sehr auf die moderne Fassung gespannt, die ich euch in der nächsten Woche präsentieren möchte.

Das Fazit

Das Bildnis des Dorian Gray (1945) ist eine sehr buchnahe Umsetzung, scheitert aber am mangelnden Spannungsaufbau und das die ausschweifenden Dialoge nur wenig umgangen wurden.

In Gedenken an Angela Lansbury, die in diesem Film die Sybil Vane verkörperte und in der letzten Woche leider verstorben ist. Rest in Peace