Netflix Original: The Bubble

Ein Vorwort

Nach den letzten Reinfällen mit Netflix Original Filmen, sollte man meinen, dass ich dazugelernt hätte. Doch eins haben die meisten dieser Filme gemein: Eine Grundidee, die mich interessiert. Warum ich von The Bubble wirklich die Finger hätte lassen sollen, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Mitten in der Pandemie begibt sich eine Filmcrew in eine sogenannte Bubble. Zwei Wochen Isolation, um dann zusammen trotz Covid-19 drehen zu können. Doch die Abgeschiedenheit, die regelmäßigen Tests und die angespannte Stimmung droht jederzeit zu eskalieren.

Meine Meinung

Ein Thema, dass absolut omnipräsent in unserer Wahrnehmung ist und daher in den meisten Filmen, Serien und Büchern totgeschwiegen wird, ist wohl die aktuelle Pandemie. Das Wort Corona sollte möglichst in keinem Unterhaltungsmedium genannt werden, belastet es einen doch im Alltag noch immer genug. Dennoch tauchen so langsam die ersten Vorreiter auf, die entweder auf ein Szenario nach Ende der Pandemie hinweisen und mit Witzen á la „Weißt du noch, während des ersten Lockdowns?“ zu punkten versuchen, oder eben genau die Thematik aufgreifen. Zu Letzterem gehört The Bubble. Statt das Thema totzuschweigen, wird es bewusst als Aufhänger genutzt, um zu zeigen, wie sehr die Filmcrews darunter gelitten haben.
Bevor ich aufzähle, warum der Film absolut nicht funktioniert, versuchen wir mal noch was Positives zu finden. Machen wir uns nichts vor, der Film ist eine trashige Komödie der unlustigen Art. Aber ab und an und wenn auch nur kurz erwähnt, trifft er den Nagel auf den Kopf. Wenn es darum geht, dass niemand Mitleid mit Schauspieler*innen hatte, die in ihren großen Villen in Hollywood jammerten, während viele andere ihre Jobs verloren, nicht wussten wo ihnen mit Homeoffice und Homeschooling der Kopf stand, etc, dann spricht der Film einen interessanten Aspekt an. Allerdings geht er dann auch nicht näher drauf ein und lässt eine Diskussion darüber nicht zu. Leider war das auch schon der einzig positive Punkt an der Sache.
Denn der Cast ist zwar teilweise mit guten Namen bestückt, die bewiesen haben, auch ganz anders spielen zu können, wie beispielsweise eine Karen Gillan oder Leslie Mann, doch wird hier jegliches Talent verpulvert. Die Charaktere sind schon so angelegt, dass einer nerviger als der nächste ist. Absolut oberflächlich gezeichnet, alle sind gefühlt nur für wenige Stichworte da, um die Handlung irgendwie rüberbringen zu können. Anstatt sich langsam zu steigern, eskaliert der Film bereits am Anfang und versucht dann noch sich zu steigern. So ist das maximal tolerierbare Bullshit Level schon im ersten Viertel erreicht und danach versucht man nur noch sich irgendwie bis zum Ende durchzuquälen. Oder man bricht den Film einfach ab, wirklich Leute, es wird nicht besser. Ich habe während des ganzen Films vielleicht zweimal kurz aufgelacht, aber für eine Komödie ist das einfach nur schlecht. Stattdessen war sehr schnell der Punkt erreicht, wo ich mich nicht einmal mehr über den Film lustig machen konnte, sondern nur noch genervt mit den Augen gerollt habe. Für einen Trashfilm – der er wohl nicht mal sein wollte – ebenfalls kein gutes Merkmal.
So verschwendete ich 126 Minuten meines Lebens und wünschte mir andere schlechte Netflix Produktionen wie Day Shift oder sogar einen echt miesen Senior Year zurück.

Das Fazit

The Bubble ist wohl einer der schlechtesten Filme, die ich je gesehen habe, selbst wenn man mit der Prämisse einer trashigen Komödie dran geht. Hier hat Netflix wieder einmal viel Geld in Bullshit verpulvert. Spart euch einfach die Lebenszeit.

Rückblick auf den Oktober 2022

Der Oktober und damit auch die Frankfurter Buchmesse sind vorbei. Es war eine aufregende Zeit mit vielen tollen Menschen und jeder Menge Flausch. Außerdem war ich im Oktober endlich in der deutschen Version von „Hamilton“! Traditionell endete der Oktober mit meiner Kürbissuppe und einer Mini-Halloween-„Party“. Nun steht der November aufgrund privater neuer Schritte leider nicht im Zeichen des NaNoWriMo, aber dennoch blicke ich nach vorne. Beziehungsweise jetzt noch einmal zurück im monatlichen medialen Rückblick.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Tausend Zeilen: Lars Bogenius ist ein aufstrebener Journalist bei Die Chronik und bekannt für seine mitreißenden Reportagen, für die er bereits mehrere Preise gewonnen hat. Doch als er bei einer Reportage über die Flüchtlinge Mexikos in die USA zusammen mit seinem Kollegen Juan Romero schreiben soll, fallen diesem Unstimmigkeiten auf. Die Chefetage möchte davon jedoch nichts hören, weswegen sich Romero allein auf Nachforschungen begibt. – Spannende Geschichte, die leider sehr oberflächlich und unnahbar abgehandelt wird.

The Woman King: 1823 verteidigt sich das Königreich Dahomey gegen das Oyo-Imperium und sieht sich gleichzeitig mit dem Sklavenhandel konfrontiert. Angeführt von der Generalin Nanisca haben es die Agojie, eine Gruppe speziell ausgebildeter Kriegerinnen, bisher geschafft ihre Unterzahl auszugleichen. Nawi wird von ihrem Vater verstoßen und durchläuft daher die Ausbildung zur Agojie. Doch die ist alles andere als einfach. – Spannendes Historiendrama mit starken Charakteren.

Der Nachname: Die Geschwister Elisabeth und Thomas  werden von ihrer Mutter und ihrem Adoptivbruder Rene, der inzwischen mit der Mutter liiert ist, auf das Familienanwesen in Lanzarote eingeladen. Mit dabei sind ihre jeweiligen Parter*innen Stephan und Anna. Vor Ort erwartet sie eine überraschende Nachricht und jede Menge Drama. – Belangloses Sequel, dass durch einige Witze dennoch solide funktioniert.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

The Bubble: Mitten in der Pandemie begibt sich eine Filmcrew in eine sogenannte Bubble. Zwei Wochen Isolation, um dann zusammen trotz Covid-19 drehen zu können. Doch die Abgeschiedenheit, die regelmäßigen Tests und die angespannte Stimmung droht jederzeit zu eskalieren. – Absoluter Reinfall. Anstatt sich langsam zu steigern, gleich die vollkommene Eskalation, flache Witze, nervige Charaktere, ein weiterer Netflix Film, der trotz namenhaftem Cast nicht funktioniert.

Das Bildnis des Dorian Gray (1945): Lord Henry Wotton besucht den Künstler Basil Hallward, der ein neues Porträt fertig gestellt hat, was Lord Henry sehr gelungen findet. Es zeigt den jungen Dorian Gray. Obwohl sich Basil zunächst weigert, stellt er die beiden Herren doch einander vor. Lord Henry überzeugt Gray immer mehr von seiner Weltansicht. Nach einer Weile stellt Dorian Gray fest, dass die Veränderungen, wie Altern, aber auch die Veränderungen seines Charakters auf dem Porträt sichtbar sind, anstatt an ihm. – Langatmig erzählte Buchverfilmung, die die Schwächen des Buches nicht auszugleichen weich.

Das Bildnis des Dorian Gray (2009): Inhalt entspricht der Version von 1945 – Optisch schöne und einem Schauerfilm angemessene Umsetzung. Handlung hat wenig Tiefe, aber die Grundaussage des Buches bleibt.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Wirklich verpasst habe ich keinen Film. Ganz knapp nicht auf die Liste geschafft haben es: Black Adam und Lyle – Mein Freund, das Krokodil

Serien – ein etwas ausführlicher Überblick

Fairygone – Staffel 1 (Gute Grundidee, Umsetzung etwas langatmig und wirr.)

She-Hulk – Staffel 1 (Auch hier gute Grundidee, aber die Umsetzung funktioniert nicht durch die Charaktere und vor allem das schlechte CGI)

First Kill – Staffel 1 (Es war wohl der Monat der guten Grundideen. Funktioniert aber nicht über die Dauer der Staffel, starker Anfang, schwaches Ende)

Easy Bake Battle – Staffel 1 (Wenig Zeit, möglichst einfache Rezepte, leckere Kreationen. Ließ sich wunderbar wegbingen)

Uncoupled – Staffel 1 (Modern Family trifft auf Sex and the City, dennoch will die Geschichte nicht richtig funktionieren.)

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 9
Seiten insgesamt: 3.120
Seiten pro Tag: 101 im Durchschnitt
Gebundenes Buch: 3
Taschenbuch: 3
Comic/Manga/Graphic Novel: 3

My genderless boyfriend 4: Das musikalische Debüt der Genderless Boys steht bevor und Wako ist schon völlig aus dem Häuschen. Zumal ihr Mangaka ebenfalls Fan ist und sich von Meguru zu seinem neuen Manga hat inspirieren lassen. – Erzählt die Geschichte liebevoll weiter.

Im Zweifel für das Monster*: Daniel Becker ist ein frisch geschiedener Anwalt, der in seiner Kanzlei sehr erfolgreich ist und darauf hin arbeitet Partner zu werden. Doch eines Nachts besucht ihn das Monster aus seiner Kindheit. Ihm wird ein Mord vorgeworfen. Bei einem übernatürlichen Gericht schafft es Daniel die Unschuld des Monsters zu beweisen. Leider bekommt er daraufhin immer mehr Anfragen von anderen Monstern und wird auch noch mit der Aufgabe betraut, den wahren Mörder zu finden. – Spannender neuer Krimiansatz, witzige Umsetzung.

Einsame Nacht*: Kate Linvilles zweiter Fall als festes Teammitglieder der North Yorkshire Police bringt sie zu einem Mordfall auf einsamer Straße. Eine Frau wurde mit mehreren Messerstichen in ihrem Auto ermordet. Die einzige Zeugin schweigt. Fingerabdrücke führen die Polizei zu einem Verbrechen von vor neun Jahren. Einem Cold Case, an dem Kates früherer Vorgesetzter Caleb Hale gescheitert ist. Schafft Linville es die Hinweise neu zu deuten? – Erneut spannender und mitreißender Kriminalfall aus der Feder von Charlotte Link.

One Piece 3-4: Die Piratenbande rund um Ruffy stellt fest, dass sie vergessen haben Proviant einzupacken. Also halten sie bei der nächsten Landsichtung und treffen auf das bezaubernde Fräulein Kara, dessen Butler Beauregard ein gefährliches Geheimnis hat. – Eine ziemlich nervige Episode, mal schauen, ob es noch spannender wird.

Die Clans von Tokito: Sechs Clans gehören zu Tokito, wer zu keinem gehört, ist Freiwild. Erin hat ihren Job und damit ihren Clan verloren. In der Gewalt von Organhändlern lässt sie sich auf einen Deal mit einem Dämon ein. Doch die Macht, die sie dadurch erlangt, hat einen Preis. – Spannende Fantasygeschichte mit einer guten Portion Witz und doch voller Tod und Verderben.

Das verborgene Zimmer von Thornhill Hall: Colin soll den Sommer bei seiner Mutter verbringen, die die Familie verlassen hat, als er noch ein Kind war. Dort lernt er den verschlossenen Theodore kennen. Kurze Zeit später stirbt Colin unerwartet und findet sich in einer Geisterwelt wieder. Ihm bleiben drei Tage, um das verborgene Zimmer von Thornhill Hall zu finden, um ins Leben zurückzufinden. – Herzerwärmend, spannend, einfach eine tolle Geschichte.

Hinter den Spiegeln so kalt: Finja trauert um ihre Tochter, die plötzlich verschwand. Zurück blieben nur Eiskristalle am Spiegel. Finja macht sich auf die Suche und muss dabei erkennen, dass ihre Angst vor Spiegeln eine reale Ursache hat. – Liza Grimms Neuinterpretation der Eiskönigin kommt mit einem denkbar schweren Thema daher, doch kann durch ihre leichte Schreibweise gut durch das Buch tragen.

Das Herz des Todes: Durch ein Missverständnis ist der Tod bei Arus Geburt anwesend und segnet sie. Doch alle in Jui fürchten den Tod und meiden dadurch Aru, die auf seltsame Weise mit dem Tod verbunden ist. Doch nach und nach kommt sie hinter seine Geheimnisse und ist gewillt sie gegen ihn einzusetzen. – Etwas untypische Fantasygeschichte, aber dafür sehr spannend und sehr erfrischend.

Wie war euer Oktober?

*Werbung, Rezensionsexemplare von Blanvalet

Dreierlei Grusel zu Halloween – #2022 – Special

Herzlich Willkommen zum diesjährigen Halloween-Special. Wie bereits im letzten Jahr möchte ich euch auch diesmal wieder dreierlei „Grusel“ aus Film, Serie und Buch bieten. Also rührt noch einmal in eurem Hexenkessel, spitzt eure Pflöcke und sprecht ein freundliches Wort zum Monster unter eurem Bett. Und los geht’s!

Grusel im Film: Hocus Pocus

Die Handlung: 1693 werden drei Hexenschwestern hingerichtet, doch konnten sie vorher einen Fluch aussprechen. 1993 werden diese wieder erweckt. Überfordert mit der modernen Welt, müssen sie dennoch versuchen, einen Trank zu brauen, der sie über die Nacht hinaus am Leben erhält. Doch dafür brauchen sie die Energie eines Kindes.

Meine Meinung: Nachdem Disney+ einen zweiten Teil zu Hocus Pocus ankündigte, stand für mich fest, dass ich den ersten wohl zur diesjährigen Halloweenzeit sehen wollte. Hinzu kam, dass meine beste Freundin den Film sehr liebt und mich beinahe fassungslos ansah, als sie erfuhr, dass ich ihn noch nicht gesehen hatte. Man sieht ihm zwar die Jahre, die er auf dem Buckel hat durchaus an, gerade was die Effekte angeht, aber eine gute Geschichte hat er an sich. Denn gerade die drei Hexenschwestern funktionieren zusammen sehr gut. Zumal sie hier das Klischee der bösen Hexe einfach mal voll ausspielen, anstatt immer wieder die ganzen Grauzonen zu erwähnen. Die Hexen brauchen Kinder für ihren Zauber. Einfache Prämisse. Einfaches Schwarz-Weiß Denken. Die Protagonist*innen sind automatisch die Guten, weil sie gegen die Hexen sind. Auch wenn ich normalerweise eher Fan vom Aufbrechen der Klischees bin und diese schwierige Hintergründe haben, so war es hier einfach mal schön sich nur berieseln zu lassen. So ganz überzeugen konnte mich die Handlung dann zwar nicht, wurde es mir doch irgendwann zu viel und auch mit dem Protagonisten bin ich nicht richtig warm geworden. Aber in der Gesamtheit ein durchaus noch immer gut zu sehender einfacher Halloweenfilm.

Gruselfaktor 2/5 Kürbissen
Atmosphäre 4/5 Kürbissen
Handlung 3/5 Kürbissen

Grusel in Serie: First Kill

Die Handlung: Calliope Burns ist neu an der Schule und Juliette Fairmont hat einen Crush auf sie. Doch da gibt es ein großes Problem. Juliette ist eine Legacy Vampirin, weswegen ihr Sonne nichts ausmacht, doch sie steht kurz vor dem Zeitpunkt, wo sie ihre erste Tötung vollziehen muss, um überleben zu können. Und Calliope und ihre Familie sind ausgebildete Vampirjäger*innen. Und auch Calliope wartet auf die Chance ihrer ersten Tötung.

Meine Meinung: Vampire sind zurück. Sei es in Büchern, Filmen oder eben Serien. Dass sie nach dem Twilight Hype durchaus mal ein wenig ruhten, war wohl eine gute Idee, denn so konnten sie jetzt wieder mit frischen Ideen auf den Markt zurückgeschwemmt werden. Auf die Serie bin ich aufmerksam geworden, da es auf einer Kurzgeschichte von V. E. Schwab basiert, von der ich zwar noch nichts gelesen hatte, von deren Werken mir aber immer wieder vorgeschwärmt wurde. Leider liegt hier wohl auch das Problem der Serie. Basierend auf einer Kurzgeschichte kommt die Serie mit einer guten Grundidee daher, zerrt die Handlung aber immer weiter und anstatt sie als Miniserie enden zu lassen, gibt es den Cliffhanger und ein Ausblick auf eine zweite Staffel. Das ist schade, denn gerade am Anfang funktioniert die Geschichte ziemlich gut. Der Grundgedanke die Romeo und Julia Geschichte in Vampir und Vampirjägerin zu ändern, gefiel mir sehr gut. Die Konflikte und die aufkommende Liebe wurden gut erzählt, ich hing an der Serie. Und dann musste noch ein Konflikt her. Und noch einer. Und noch einer. Bis die Geschichte absolut überlastet war, sich immer wieder im Kreis drehen musste, nicht mehr nachvollziehbare Zeitsprünge vorkamen und auf jedes Drama ein noch größeres folgen musste. Zunächst stark geschriebene Charaktere verkommen zu immer die gleichen Phrasen wiedergebenden, die Spannung und der Reiz wird komplett genommen. Das ist schade, weil als Miniserie mit vielleicht 5 statt 8 Folgen wäre die Serie ein Must See gewesen. So bin ich mir sehr sicher, die mögliche zweite Staffel nicht mehr sehen zu wollen. 

Gruselfaktor 3/5 Kürbissen
Atmosphäre 2/5 Kürbissen
Handlung 3/5 Kürbissen

Grusel im Buch: Im Zweifel für das Monster*

Die Handlung: Daniel Becker ist ein frisch geschiedener Anwalt, der in seiner Kanzlei sehr erfolgreich ist und darauf hin arbeitet Partner zu werden. Doch eines Nachts besucht ihn das Monster aus seiner Kindheit. Ihm wird ein Mord vorgeworfen. Bei einem übernatürlichen Gericht schafft es Daniel die Unschuld des Monsters zu beweisen. Leider bekommt er daraufhin immer mehr Anfragen von anderen Monstern und wird auch noch mit der Aufgabe betraut, den wahren Mörder zu finden.

Meine Meinung: Da es sich bei diesem Werk um ein Rezensionsexemplar handelt, habe ich es bereits ausführlich auf diesem Blog besprochen. Doch es passte thematisch sehr gut in diesen Beitrag und ich hatte einfach keine Zeit noch ein neues zum Thema zu lesen. Daher hier aber nochmal mein Fazit: Im Zweifel für das Monster vereint Krimi mit übernatürlichem Aspekt und schafft damit eine spannende und runde Geschichte, die sich perfekt für die bevorstehenden dunklen Monate eignet. Wer also Krimis mag, aber genug von der klassischen Ermittlerhandlung hat, ist hier bestens aufgehoben.

Gruselfaktor 2/5 Kürbissen
Atmosphäre 3/5 Kürbissen
Handlung 5/5 Kürbissen

*Im Zweifel für das Monster wurde mir von Blanvalet als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

 

Der Nachname

Ein Vorwort

Wenn ein Film erfolgreich ist, bekommt er einen zweiten Teil. So will es anscheinend irgendein blödes ungeschriebenes Gesetz, das dazu führt, dass immer mehr gute alleinstehende Filme noch einen zweiten (oder mehr) Teil(e) bekommen müssen. So nun auch Der Vorname, aus dem kurzerhand Der Nachname wurde. Warum das sogar noch halbwegs gut funktioniert hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Die Geschwister Elisabeth (Caroline Peters) und Thomas (Florian David Fitz) werden von ihrer Mutter (Iris Berben) und ihrem Adoptivbruder Rene (Justus von Dohnanyi), der inzwischen mit der Mutter liiert ist, auf das Familienanwesen in Lanzarote eingeladen. Mit dabei sind ihre jeweiligen Parter*innen Stephan (Christoph Maria Herbst) und Anna (Janina Uhse). Vor Ort erwartet sie eine überraschende Nachricht und jede Menge Drama.

Meine Meinung

Trailer sollen ja eigentlich Lust auf den Film machen. Nach dem Trailer zu Der Nachname war ich doch eher abgeschreckt, sah er doch nach einem großen Haufen künstlichen Dramas aus, der so gar nicht an die Prämisse des ersten Teils anknüpfen wollte. Doch eine Sache zog mich doch in den Film. Ich wollte wissen, was nun in diesem geheimen Zimmer ist, um das schon im Trailer viele Andeutungen gemacht wurden. Also Auftrag doch irgendwie erfüllt. Dennoch waren meine Befürchtungen hoch, basierte Der Vorname doch noch auf einem Theaterstück und war in sich abgeschlossen. Nun einen zweiten Teil ohne wirkliche Grundlage zu basteln, konnte eigentlich nur schief gehen.
Doch dafür liefert Der Nachname ziemlich solide ab. Das liegt an erster Stelle daran, dass zwar die Ausgangsprämisse – der geänderte Nachname – ziemlich banal ist und auch schnell abgehakt wurde, das restliche Drehbuch aber durchaus rund gestaltet ist. Zwar läuft es auf ein großes Familiendrama hinaus, wo jeder Geheimnisse vor dem anderen hat, und der große Knall am Ende kommt auch, dennoch ist es nur selten vollkommen übertriebenes und abgehobenes Drama, sondern erstaunlich realitätsnah. Die Paarkonstellationen waren unverändert, hatten sich aber seit dem Vornamen etwas weiter entwickelt, so dass hier kaum Zeit auf Vorstellungen, sondern gleich auf Weichenstellung, verschwendet wurde.
Durch die bekannten Charaktere, die irgendwo ihren Rollen treu bleiben, war der Witz auch gleich von Anfang an da und pendelte sich zunächst auf einem guten Niveau ein. Abgesehen von dem ein oder anderen Ausrutscher, blieb es auch auf einem relativ guten Niveau, so dass ich das Kino durchaus unterhalten verlassen habe. Wirklich im Gedächtnis wird er mir allerdings nicht bleiben, zu belanglos war die Handlung und die Lacher waren doch sehr auf gewisse Impulse ausgelegt und wenig zitierfähig. So ist Der Nachname nicht die Vollkatastrophe, die ich erwartete, hat durchaus auch seine Momente und ist alles in allem einfach ein solider Film, der aus einer wackligen Prämisse doch einen rund erzählten Film macht. Dennoch war er als Fortsetzung zu Der Vorname absolut unnötig.

Das Fazit

Der Nachname punktet durch ein rundes Drehbuch und einige gut pointierte Witze. In seiner Gesamtheit kommt er aber nicht über ein einfaches Familiendrama hinaus und kann mit dem ersten Teil nicht mithalten. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Der Nachname läuft seit dem 20.10.2022 in den deutschen Kinos

Meine Monsterwochen 2022 – #3 – Die Neuverfilmung

Ein Vorwort

Herzlich Willkommen zur dritten und bereits letzten Ausgabe der diesjährigen Monsterwochen. Wie immer gibt es diesmal die aktuellste bzw. die größte Verfilmung der letzten Jahre.

Die Handlung

Lord Henry Wotton (Colin Firth) besucht den Künstler Basil Hallward (Ben Chaplin), der ein neues Porträt fertig gestellt hat, was Lord Henry sehr gelungen findet. Es zeigt den jungen Dorian Gray (Ben Barnes). Obwohl sich Basil zunächst weigert, stellt er die beiden Herren doch einander vor. Lord Henry überzeugt Gray immer mehr von seiner Weltansicht. Nach einer Weile stellt Dorian Gray fest, dass die Veränderungen, wie Altern, aber auch die Veränderungen seines Charakters auf dem Porträt sichtbar sind, anstatt an ihm.

Meine Meinung

Bereits im letzten Beitrag habe ich mir gewünscht, dass die Verfilmung es schafft die ausschweifenden Dialoge des Buches auf das Wesentliche herunterzubrechen und aus der quälend langsam erzählten Geschichte ein flottes düsteres Werk macht. Und auch wenn die Verfilmung von 2009 bei den Kritiker*innen nicht gut weg kam, gefiel sie mir ziemlich gut.
Das liegt vor allem daran, dass sie sich zwar größtenteils an die Vorlage hält, aber ab und an diese etwas abwandelt und neu strukturiert. Dadurch werden neue Ebenen geöffnet und die lassen wesentlich mehr den Schaudereffekt zu. Denn es wurden nur die wesentlichen Handlungselemente übernommen, an die schaurige Grundstimmung angepasst und mit neuen aufgefüllt, so dass das Buch durchaus erkennbar ist, aber der Film dennoch spannend und sehenswert wird.
Ob die Figur Dorian Gray die Charakteränderungen gebraucht hätte, um sein handeln neu erklären zu können, ist wohl fraglich, denn so ist es die übliche Geschichte der schlechten Kindheit, die schlechte Menschen hervorbringt. Auch bemängeln viele Kritiker*innen das der Film nicht  tief genug gehe und die Geschichte nur von der Oberfläche her beleuchte. Das fand ich jedoch durchaus in Ordnung, verpackt Regisseur Oliver Parker die Oberflächlichkeit doch in schöne Bilder, auch wenn einige Szenen ein wenig zu psychodelisch wirken.
Die Optik des Films ist grundsätzlich der zweite große Pluspunkt des Films. Auch wenn Ben Barnes hier in seinen jüngeren Jahren noch nicht auf dem Niveau von Shadow & Bones spielte, und seinem Dorian Gray ab und an dann doch der nötige Feinschliff fehlte, so wird die Stimmung doch durch die Bilder getragen. Auch die Nebencharaktere können sich durchaus sehen lassen. Colin Firth als Lord Henry Wotton kam mir zunächst etwas merkwürdig gewählt vor, doch er geht in der Rolle auf und schafft gerade gegen den Ende dem Charakter noch einmal eine neue Ebene zu geben, die zwar den Filmcharakter deutlich gegenüber des Buches verfremdet und ob die Änderung nun notwendig war, ist eine ganz andere Frage, aber sie lässt den Film, so wie er war, rund enden.
So hat diese Version auch einige Schwächen und funktioniert wohl gerade für Liebhaber des Romans nicht mehr, funktioniert dafür als klassischer Schauerfilm relativ gut. Die Charaktere sind hier eher einfacher gestrickt, wodurch die ausführliche Interpretation wie im Buch nicht mehr gegeben ist, aber das macht ihn gut, zum Nebenbeischauen.

Das Fazit

Das Bildnis des Dorian Gray (2009) funktioniert als klassischer einfacher Schauerfilm und adaptiert die wichtigsten Bestandteile des Romans, vereinfacht die Handlung und vor allem die Charaktere aber stark. Fürs Nebenbeischauen überzeugt er durch eine tolle Optik, für Fans des Romans nicht geeignet.

Einsame Nacht

Ein Vorwort

Im Herbst greif ich ja gern mal zu einem Krimi. Und da Charlotte Link trotz ein paar Enttäuschungen in den letzten Jahren noch immer zu meinen Lieblingsautor*innen zählt, musste ihr neustes Werk direkt bei mir einziehen. Dass es größtenteils zur Weihnachtszeit spielt, war für mich als Grinch dann ein kleiner Schick, aber wenn schon Weihnachten, dann doch mit einem spannenden Mordfall. Warum mir Einsame Nacht wieder gut gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Kate Linvilles zweiter Fall als festes Teammitglieder der North Yorkshire Police bringt sie zu einem Mordfall auf einsamer Straße. Eine Frau wurde mit mehreren Messerstichen in ihrem Auto ermordet. Die einzige Zeugin schweigt. Fingerabdrücke führen die Polizei zu einem Verbrechen von vor neun Jahren. Einem Cold Case, an dem Kates früherer Vorgesetzter Caleb Hale gescheitert ist. Schafft Linville es die Hinweise neu zu deuten?

Meine Meinung

Charlotte Link, der Krimi und ich hatten einen schwierigen Start. Als mit Die Betrogene das erste Mal die Figur Kate Linvilles eingeführt wurde, war es zugleich Links erster Krimi. Gewohnt war ich ihre stets ins schwarze treffenden psychologischen Spannungsromane, mit Drama, mit Spannung, mit ausgewogenen Charakteren. All das vermisste ich und quälte mich Seite um Seite durch eine jammernde Kate, die mit der Einsamkeit nicht zurechtkam. Auch der zweite Linville Die Suche war zäh und nervte an vielen Stellen. Erst mit Ohne Schuld als Linville ein fester Bestandteil der North Yorkshire Police wurde, nahm Link wieder Fahrt auf. Die Handlung passte, die Geschichte war spannend, die Charaktere vielschichtig und auf die Auflösung wäre ich niemals gekommen. Nun hielt ich den vierten Linville in der Hand.
Glücklicherweise führt Link ihre Erfolgsserie hiermit fort. Die Karten im Police Departement wurden neu gemischt, neue und alte Charaktere halten sich die Waage. Mit Linville bin ich endlich warm geworden. Gleich zu Anfang wird man Zeug*in einer grauenhaften Tat. Jahre später setzt dann die eigentliche Handlung ein. Im Laufe des Buches trifft man auch viele Charaktere, die alle irgendwie mit dem aktuellen Mordfall zusammenhängen sollen, doch bis zum Schluss hat man keine Ahnung wie. Sogar der*die Mörder*in darf zu Wort kommen, und doch gibt es keinen Hinweis darauf, aus wessen Sicht die Abschnitte geschrieben sind.
Link lässt einige direkt zu Wort kommen, andere nur im Hintergrund agieren. Beim Lesen hatte ich so viele verschiedene Theorien und doch hat sich keine Bewahrheitet. Gefühlt werden drei verschiedene Handlungen aufgemacht und doch schafft Link es sie am Ende alle zusammenzuführen.
Trotz einer Dicke von 590 Seiten ist keine davon zu viel. Link schafft es mit ihrem einzigartigen Schreibstil einen nur so durch die Seiten gleiten zu lassen. Mal fühlt man sich mit den Charakteren verbunden, mal abgestoßen und gleichzeitig ist der Umgang mit der Weihnachtszeit faszinierend. Also wer mal keine Lust hat auf Friede Freude Eierkuchen, sondern lieber einen (oder mehrere) eiskalten Mord braucht, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.

Das Fazit

Einsame Nacht führt die guten Eigenschaften aus Platzhalter fort und verbindet Weihnachten mit Kälte, Einsamkeit und Mord. Spannend, mitreißend und lässt einen bis zum Ende im Dunkeln tappen.

Einsame Nacht wurde mir von Blanvalet als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

The Woman King

Ein Vorwort

Wer nach Marvels Black Panther total begeistert von den Dora Milaje war, hat nun die Chance einen Historienfilm über die Vorbilder eben dieser Kriegerinnen im Kino zu sehen. Warum The Woman King auch darüber hinaus ziemlich gut funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

1823 verteidigt sich das Königreich Dahomey gegen das Oyo-Imperium und sieht sich gleichzeitig mit dem Sklavenhandel konfrontiert. Angeführt von der Generalin Nanisca (Viola  Davis) haben es die Agojie, eine Gruppe speziell ausgebildeter Kriegerinnen, bisher geschafft ihre Unterzahl auszugleichen. Nawi (Thuso Mbedu) wird von ihrem Vater verstoßen und durchläuft daher die Ausbildung zur Agojie. Doch die ist alles andere als einfach.

Meine Meinung

Nach dem Trailer wusste ich noch nicht so recht, was ich von The Woman King halten sollte, war aber durchaus neugierig, was der Film daraus machen würde. Die kurzen Ausschnitte sahen nach einem typischen Gut gegen Böse Kampf aus, wobei sich dabei noch stark auf das Thema Sklaverei konzentriert wurde. Dies ist auch im gesamten Film ein zentrales Motiv und macht auch einen Großteil der westafrikanischen Geschichte dieser Zeit aus, doch The Woman King bietet so viel mehr.
Allein die Auftaktszene zeigt schon, was wir vom Film zu erwarten haben: Bildgewaltige Kampfszenen, bei denen sich die Actionfilme der letzten Jahre durchaus eine Scheibe von abschneiden können. Danach baut sich eine komplexe Geschichte auf, die uns nicht nur die westafrikanische Geschichte rund um das ehemalige Königreich Dahomey (heute Republik Benin) näher bringt, sondern die Geschichte von Kriegerinnen in einer Männerdominanten Welt. In einer Welt, in der sie allein wegen ihrer Hautfarbe als prädestiniert für die Sklaverei angesehen wurden. In der aber auch ein Großteil des Reichtums der Länder durch den Sklavenhandel erwirtschaftet wurde. So stellt sich der Film zeitgleich dem Rassismus und engagiert sich für den Feminismus in nur einem Film.
Das Ganze ist verpackt sowohl in einer typischen Heldinnenreise, mit Nawi als Identifikationsfigur, die uns ihren Weg zur Kriegerin zeigt. Dadurch lernen wir die Kultur näher kennen und durchlaufen die komplette Ausbildung zur Agojie. Mit Nanisca haben wir das Gegenstück. Eine Generalin, die zeitgleich auch Einfluss auf den König hat und das Gegenstück zu seinen Ehefrauen bildet. Dabei lässt sich der Film genug Zeit, um die Charaktere ausführlich vorzustellen und ihnen eine Tiefe zu geben, die kaum ein Film bietet. Wir erleben die guten und schlechten Zeiten, Sorgen, Ängste, Freuden, und alles gleichzeitig.
Und auch, wenn es diese ruhigen Phasen zwischendurch gibt, kommt die Action an keiner Stelle zu kurz. Dabei haben wir gut durchdachte Kämpfe, mit wunderbaren Choreographien und auch ganze Schlachten. Das Ganze findet vor einer beeindruckenden Kulisse statt, die hier mehr ist als nur ein einfacher austauschbarer Hintergrund.
The Woman King mag ein Historienfilm sein, doch er vermag es beinahe spielerisch noch immer brisante Themen zu verbauen. Und auch, wenn er an der ein oder anderen Stelle damit von der Geschichte abweicht, so schafft er es auch die richtigen Botschaften zu vermitteln. Ein Blick lohnt hier definitiv.

Das Fazit

The Woman King schafft es einen Historienfilm voller packender Action und gleichzeitig vielen Geschichten, tiefgehenden Charakteren und die Theman Rassismus und Feminismus zu behandeln. Eingepackt in einer traumhaften Kulisse ist der Film brutal ehrlich. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

The Woman King läuft seit dem 06.10.2022 in den deutschen Kinos

Monsterwochen 2022 – #2 – Die erste Tonverfilmung

Ein Vorwort

Herzlich Willkommen zur zweiten  Ausgabe der diesjährigen Monsterwochen. Da ich dieses Jahr leider keine Stummfilmvariante ergattern konnte, habe ich dieses Mal zumindest mit der ersten Tonverfilmung begonnen.

Die Handlung

Lord Henry Wotton (George Sanders) besucht den Künstler Basil Hallward (Lowell Gilmore), der ein neues Porträt fertig gestellt hat, was Lord Henry sehr gelungen findet. Es zeigt den jungen Dorian Gray (Hurt Hatfield). Obwohl sich Basil zunächst weigert, stellt er die beiden Herren doch einander vor. Lord Henry überzeugt Gray immer mehr von seiner Weltansicht. Nach einer Weile stellt Dorian Gray fest, dass die Veränderungen, wie Altern, aber auch die Veränderungen seines Charakters auf dem Porträt sichtbar sind, anstatt an ihm.

Meine Meinung

Wie bereits in meinem Beitrag von der Vorwoche erwähnt, ist der Erzählstil von Wilde in das Bildnis des Dorian Gray sehr ausschweifend und anstrengend. Filmisch dürfte dies zugleich eine Chance, aber auch ein Haken sein. Denn zum einen kann filmisch wesentlich mehr gezeigt werden, was ausschweifende Beschreibungen überflüssig macht. Andererseits war das Buch auch voller ausschweifender Dialoge. Diese einzukürzen war dann die Kunst.
Die Fassung von 1945 ist größtenteils in schwarz-weiß gedreht. Lediglich kurze Passagen, wenn das Bildnis in all seiner Grausamkeit gezeigt wurde, ist in Farbe. 1945 war das Farbfilmverfahren zwar bereits in der Entwicklung, aber noch nicht so weit verbreitet. Dies hebt den Stellenwert des Bildes für die Geschichte hervor. Das rote Blut, das von den Fingern tropft, erzeugt im sonst farblosen Film einen zusätzlichen Schauer. Darüber hinaus ist von der Gruselgeschichte, als die Wildes einziger Roman zählt, wenig zu spüren. Trotz einer vermeintlich kurzen Länge von 105 Minuten, zieht sich der Film von Minute zu Minute mehr.
Das liegt vor allem an der sehr nüchternen Erzählweise. Die sehr ausführlichen Dialoge werden übernommen, ohne dabei die Handlung großartig anzupassen. Es wird von Szene zu Szene geschnitten, ohne sinnvolle Übergänge. Vieles davon entspricht vermutlich noch der damaligen Zeit Filme zu erzählen, aber aus heutiger Sicht, hat der Film kaum Mehrwert zum Buch. Einzelne Stränge wurden im Film angepasst, allerdings ist der Großteils sehr der Buchvorlage entsprechend.
Wer sich also nicht dem ganzen Roman stellen möchte, kann dies mit dieser Filmvariante durchaus umgehen. Im Vergleich teilweise früheren Verfilmungen anderer Horrorklassiker (auf diesem Blog bereits besprochen Nosferatu, Frankenstein und das Phantom der Oper) ist der Film sehr ungruselig und auch einfach nicht spannend.
Ich bin hier noch sehr auf die moderne Fassung gespannt, die ich euch in der nächsten Woche präsentieren möchte.

Das Fazit

Das Bildnis des Dorian Gray (1945) ist eine sehr buchnahe Umsetzung, scheitert aber am mangelnden Spannungsaufbau und das die ausschweifenden Dialoge nur wenig umgangen wurden.

In Gedenken an Angela Lansbury, die in diesem Film die Sybil Vane verkörperte und in der letzten Woche leider verstorben ist. Rest in Peace

Im Zweifel für das Monster

Ein Vorwort

Als ich noch dabei war, meine Monsterwochen für den Oktober zu planen, fiel mir dieses Buch mehr oder weniger in die Arme. Es sprach mich vom Titel und Cover sofort an und dann klang es auch noch nach einem perfekten Herbstbuch. Kurz darauf zog es als Rezensionsexemplar bei mir ein. Warum es sich bei ans Fenster prasselnden Regen und umgeben von verfärbtem Laub, echt gut gelesen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Daniel Becker ist ein frisch geschiedener Anwalt, der in seiner Kanzlei sehr erfolgreich ist und darauf hin arbeitet Partner zu werden. Doch eines Nachts besucht ihn das Monster aus seiner Kindheit. Ihm wird ein Mord vorgeworfen. Bei einem übernatürlichen Gericht schafft es Daniel die Unschuld des Monsters zu beweisen. Leider bekommt er daraufhin immer mehr Anfragen von anderen Monstern und wird auch noch mit der Aufgabe betraut, den wahren Mörder zu finden.

Meine Meinung

Meistens Richtung Herbst oder Winter gehend überkommt mich das Bedürfnis doch mal nach einem Krimi zu greifen. Dabei interessieren mich die ewig gleichen Ermittler*innen mit Alkohol (oder anderem) Problem ziemlich wenig. Dafür mag ich die Geschichten, die sich irgendwie unterscheiden. Die nochmal eine ganz neue Komponente ins Genre einbringen.
Im Zweifel für das Monster hat genau das, was mich sofort angesprochen hat. Wir haben statt eines Ermittlers einen Anwalt, der versucht Hinweise zu finden, um den Mord aufzuklären. Und wir haben die Monster und anderen übernatürlichen Aspekte, die die Geschichte in eine ganz ungewöhnliche Richtung drängt. Dabei bleibt es eine Kriminalgeschichte. Wir bewegen uns nur rudimentär im Fantasybereich durch den übernatürlichen Einfluss, aber es wird nicht eine komplett neue Welt aufgemacht.
Der Schreibstil ist sehr flüssig, so dass ich schnell in die Geschichte reingefunden habe. Zunächst lernen wir Daniel als Protagonisten kennen, der uns fortan durch die Geschichte führt. Relativ schnell wird der Monsteraspekt beleuchtet. Danach wird sich schnell auf den Mordfall fokussiert und die ersten Ermittlungen starten. Dabei wechselt die Geschichte immer zwischen neuen Aspekten und den Füllern in der Kanzlei hin und her, wobei das erste natürlich durchaus spannender ist, das zweite der Geschichte aber die nötige Rundung gibt.
Der Mordfall und die Ermittlungen gehen dann auch immer wieder in verschiedene Richtungen, wodurch ich bis zum Ende absolut im Dunkeln tappte, wer es denn nun war. Es werden Brotkrumen gestreut, aber da die Ermittlungen sehr weitläufig sind, was wieder auf den übernatürlichen Aspekt zurückzuführen ist, hätte ich die Zusammenhänge so nie gezogen.
Das Finale ist spannend und rund und führt einige Handlungsaspekte zusammen. Die Geschichte kann vermutlich Jahreszeitenunabhängig gelesen werden, aber es passte jetzt wunderbar in den Herbst, regnete es doch in letzter Zeit immer öfter. Dadurch kam die passende Atmosphäre hoch, wenn es abends schon dunkel war, dann gegen das Fenster regnete und in einem wieder die Kindheitsängste vom Monster unter dem Bett hochkommen, die in diesem Buch durchaus real sind.

Das Fazit

Im Zweifel für das Monster vereint Krimi  mit übernatürlichem Aspekt und schafft damit eine spannende und runde Geschichte, die sich perfekt für die bevorstehenden dunklen Monate eignet. Wer also Krimis mag, aber genug von der klassischen Ermittlerhandlung hat, ist hier bestens aufgehoben.

Im Zweifel für das Monster wurde mir von Blanvalet als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Tausend Zeilen

Ein Vorwort

Michael „Bully“ Herbig hat sich in der deutschen Medienlandschaft durch seine Comedy einen Namen gemacht und prägte gerade die 2000er Jahre mit Filmen wie Schuh des Manitu oder auch Traumschiff Surprise. Mit Ballon (2018) brachte er seinen ersten ernsten Film heraus, der jedoch gleich ins Schwarze traf. Nun nahm er sich ein relativ aktuelles Thema vor und brachte seinen zweiten ernsten Film heraus. Warum Tausend Zeilen nicht gänzlich funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Lars Bogenius (Jonas Nay) ist ein aufstrebener Journalist bei Die Chronik und bekannt für seine mitreißenden Reportagen, für die er bereits mehrere Preise gewonnen hat. Doch als er bei einer Reportage über die Flüchtlinge Mexikos in die USA zusammen mit seinem Kollegen Juan Romero (Elyas M’Barek) schreiben soll, fallen diesem Unstimmigkeiten auf. Die Chefetage möchte davon jedoch nichts hören, weswegen sich Romero allein auf Nachforschungen begibt.

Meine Meinung

Nach dem Trailer war ich nicht wirklich überzeugt, ob ich den Film sehen wollte, da dieser sehr wirr geschnitten ist und irgendwie merkwürdige Szenen enthielt, die im finalen Film kaum Bewandnis hatten. Aber nach Ballon hatte Bully bei mir einen Vertrauensvorschuss und irgendwie sprach mich das Thema auch an.
Mit dem „Fall Relotius“ oder dem „Fall Spiegel“ hatte ich mich vorher sehr wenig beschäftigt, weswegen die Vorgänge mir im Film sehr neu waren. Dabei geht es ziemlich schnell ins Eingemachte, immerhin hatte der Film mit 93 Minuten einen ziemlich straffen Zeitplan. Dadurch geht dem Film vermutlich das Subtile verloren. Mit der Holzhammer-Methode werden schnell die gängigen Akteure vorgestellt und ziemlich schnell ins Schwarz-Weiß-Schema von Gut und Böse gepresst. Keine Zwischentöne. Die karriereorientierten Chefs, die die Auflage pushen wollen und daher ziemlich eindeutige Botschaften verbreiten. Die Mitarbeitenden, die versuchen dem Druck standzuhalten und eben Lars Bogenius, der sich sehr offensichtlich in seinen Lügengeschichten verstrickt und zu glatt wirkt. Er ist hier ganz eindeutig der Antagonist, keine Hintergrundgeschichte, so dass er irgendwie jeder sein könnte, kein Warum, kein Motiv, nur sein scheinbares Kalkül. Als Gegenspieler haben wir Romero, der den überforderten Protagonisten spielt. Mit ihm bekommt die Geschichte ein Gesicht und gerade seine Entwicklung zur Überforderung wird auch mit einer Familiengeschichte glaubhaft dargestellt.
Die Geschichte wird stringent erzählt und da wahrscheinlich jedem außer mir der Ausgang klar war, wird hier gar nicht versucht das Ende zu verschleiern. Es geht nicht um das Was, sondern nur um das Wie. Dadurch, dass die Charaktere aber sehr überzeichnet sind, schwankt Bully immer wieder hin zur Satire, hält sich dann aber selbst zurück. Zwischendurch gibt es dann wieder kleinere Montagen, die zeigen, was möglich gewesen wäre, wenn man sich hier mehr getraut hätte.
Stattdessen versucht man irgendwie den Journalismus zu verteidigen, während man eigentlich einen großen Journalismus-Skandal erzählt. Dadurch wird sich auch auf die Figur Bogenius als Antagonisten konzentriert, und nur gegen Ende kurz erwähnt, dass hier ein ganzes System falsch ausgerichtet war.
So hat Tausend Zeilen durchaus gute Ansätze und funktioniert in seiner Gesamtheit ganz gut. Doch er wirkt sehr plump und zu Überzeichnet, ohne die Chance der Satire zu nutzen. Dies bleibt als Wermutstropfen zurück. Schauspielerisch birgt der Film wenig herausragendes. Alle Darstellenden spielen ihre Rollen auf gutem Niveau, kommen aber aus den einfach gezeichneten Charakteren nicht heraus.
So verfliegen die 93 Minuten nur so, und der Film ist keinesfalls langweilig. Aber im fehlt der Biss, der ihn auf ein höheres Niveau gehoben hätte.

Das Fazit

Tausend Zeilen ist ein durchaus spannender Film, der jedoch an sehr eindimensionalen Charakteren und dem Holzhammer-Erzählstil scheitert und so nicht über die Mittelmäßigkeit hinaus kommt. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Tausend Zeilen läuft seit dem 29.09.2022 in den deutschen Kinos